Nov 21 2014

Von Fischers, Anderssons und Kochlöffel

Jaroslav Kochlöfl, Mitglied er «EVZ Wall-of-Fame»

Jaroslav Kochlöfl, Mitglied der «EVZ Wall-of-Fame» (Foto: eishockeyblog.ch)

 

Kennen Sie den Kochlöffel? Vielleicht den aus der Küche, nicht aber Jaroslav Kochlöfl, es sei denn Sie sind ein Anhänger des EV Zug oder ein Tschechoslowaken Insider. Jaroslav Kochlöfl immigrierte 1971 als tschechoslowakischer Flüchtling in die Innerschweiz. Kochlöfl spielte in der Saison 1971/72 beim Erstligisten EV Zug und wurde in seiner einzigen Zuger Saison mit 21 Toren und 4 Assists in 17 Spielen Topskorer. Dieser Status befördert den Exil-Tschechoslowaken in die Kategorie 3 der «EVZ Wall-of-Fame». Kategorie 3 bedeutet «mindestens fünf Saisons beim EVZ oder mindestens eine Saison EVZ-Topskorer».

3. Kategorie (klein): Mindestens 5 Saisons beim EVZ oder mindestens eine Saison EVZ-Topscorer

 

Patrick Fischer und Patrick Fischer 

Zwei Kategorien höher und zwei Schriftklassen grösser ist der Status von Patrick Fischer (II). Der Verteidiger bestritt zehn Saisons für den EV Zug und trat im vergangenen Sommer zurück. Fischer wird vor dem Spiel gegen den HC Lugano (1:7) offiziell in der Kategorie 1 der EVZ Wall-of-Fame aufgenommen. Ebenfalls auf der EVZ Wall-of-Fame steht Lugano-Trainer Patrick Fischer. Zusätzlich hängt Fischers Rückennummer 21 unter der Hallendecke der Bossard-Arena. Damit erfüllt der ehemalige Zug-Junior mindestens vier von fünf Kriterien, Fischer erfüllt sogar alle fünf, für eine «Retired Number» in Zug.

2. Kategorie (mittel): Mindestens 8 Saisons beim EVZ oder Schweizermeister mit dem EVZ

 

Peter Anderson und Peter Andersson

Übrigens Peter Andersson spielte ebenfalls in Zug. Gemeint ist aber nicht Luganos Assistenzcoach und Vater von Ex-Zug-Spieler Calle Andersson, sondern Peter Andersson aus Timra. Zugs Peter Andersson spielte in der Saison 1989/90 beim EVZ und ist aktuell Assistenzcoach bei den SCL Tigers. Peter Andersson (II) aus Karlstad steht seit 2013 als Assistent von Patrick Fischer an der Bande der Bianconeri. Und was macht der andere Patrick Fischer? Sein Name steht auf der EVZ Wall-of-Fame, ganz in der Nähe von Jaroslav Kochlöfl – oder ist es der andere Patrick Fischer?

1. Kategorie (gross): Mindestens 10 Saisons beim EVZ oder drei oder mehr Saisons EVZ-Topscorer

 

Patrick Fischer steht an Luganos Bande, direkt unter seiner «Retired Number 21» in Zug (Foto: eishockeyblog.ch)

Patrick Fischer steht an Luganos Bande, direkt unter seiner «Retired Number 21» in Zug (Foto: eishockeyblog.ch)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nov 15 2014

Bei Nacht und Nebel in den Westen

SC Dynamo berlin 1981/82: Stefan Steinbock (Hinterste Reihe, fünfter von links) und Guido Hiller (Mittlere Reihe, achter von links). Foto: zvg

SC Dynamo Berlin 1981/82: Stefan Steinbock (Hinterste Reihe, fünfter von links) und Guido Hiller (Mittlere Reihe, achter von links). Foto: Archiv Stefan Steinbock

Ein berühmter «Eishockey-Chronist» sagte einmal «im Bäre z Madiswil sisi abghoue», gemeint sind die ehemaligen DDR-Nationalspieler Guido Hiller und Stefan Steinbock. Die Geschichte war mir nur schleierhaft bekannt, aus dem deutschen Eishockey Jahrbuch 90 wusste ich, dass die beiden Spitzensportler in den Westen geflüchtet waren, wenige Wochen später aber wieder in die DDR zurück gekehrt sind. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls eine perfekte Story mit Schweizerbezug.

Im September 1970 beschloss der DDR-Sportverband DTSB, nur noch die Medaillen-intensiven Sportarten zu fördern. «Wir brauchen zum Aufbau der sozialistischen Wirtschaft jede Mark. Um Eishockey zu betreiben, benötigt man jährlich die Finanzen von circa zwei hochseefisch-verarbeitenden Kühlschiffen. Also, liebe Sportler, was brauchen wir dringender Eishockey oder Kühlschiffe?» lautete die damalige Begründung von Staatssekretär Rudi Hellmann.

Ab diesem Zeitpunkt spielten nur noch zwei Mannschaften in der Oberliga der DDR: Der SC Dynamo Berlin und die SG Dynamo Weisswasser. 20 Jahre duellierten sich die beiden «Polizeiclubs» in best-of-six, best-of-eight, best-of-ten, best-of-twelve und zuletzt in best-of-five-in-five Serien. In 20 Jahren teilten die «Dynamos» in 178 Spielen alle Ostdeutschen Meistertitel, davon gingen 12 an die Berliner und acht an die Lausitzer aus Weisswasser.

Dynamo_Berlin_Logo

Zurück zur Geschichte, wir schreiben das Jahr 1984, es würde noch sechs Jahre dauern bis zum Fall der Mauer, was aber damals noch keiner für möglich gehalten hätte. Auch Guido Hiller und Stefan Steinbock nicht, die beiden teilen sich bei ihren Auslandreisen (Weltmeisterschaften, Europacup-Spiele, Freundschaftsturniere und Trainingslager) über Jahre ein Zweierzimmer. «Das schweisst zusammen, da weisst du alles von deinem Partner» sagt Steinbock. Die Idee einer Flucht nach Westen ergab sich im Laufe der Zeit.

Hiller setzt sich in der Schweiz ab

Im September 1984 ist es soweit, Hiller fasst den Entschluss abzuhauen. Der SC Dynamo Berlin, vom Oberaargauer-Cup in Langenthal kommend, übernachtet am Ende der jährlichen Schweizer-Tournee im Hotel Mövenpick in Kloten. Hiller informiert seinen Zimmergenossen Steinbock über seinen Entschluss, doch Steinbock ist noch nicht soweit. So desertiert Hiller im Alleingang und lässt seinen Kumpel zurück.

Steinbock wird die schwere Aufgabe haben, am nächsten Morgen die beiden Coaches Joachim Ziesche (1999 Aufnahme in die IIHF Hall-of-Fame) und Hartmut Nickel über Hillers Abgang zu informieren. Nickels Worte wird Steinbock nie vergessen: «Ach du Scheisse, jetzt müssen wir in Zinnwald die Bobbahn putzen».

Steinbock folgt drei Monate später

Nach Hillers Abgang bleibt Steinbock der Kontakt zu seinem Kumpel verwehrt. Ein Teamkollege kauft bei einem Zwischenhalt in Kopenhagen die Bild-Zeitung und da ist ein Artikel über Hillers Engagement beim Bundesligisten Mannheimer ERC publiziert. Bis Weihnachten 1984 fasst auch Steinbock den Entschluss die Flucht nach Westen anzutreten. Steinbock gastiert vom 19. bis 22. Dezember mit der Nationalmannschaft an einem Vierländerturnier in Feldkirch. Die DDR spielt gegen die Schweiz, Holland und Österreich. Nach dem zweiten Spiel, macht sich Steinbock bei Nacht und Nebel auf und davon, ein Taxifahrer fährt den Stürmer kostenlos bis ins deutsche Lindau am Bodensee.

Doch die Freude über die Freiheit ist nur von kurzer Dauer, denn die Ostdeutschen sind ausserhalb der DDR 18 Monate nicht spielberechtigt und erhalten keinen Flüchtlingsausweis. Wer verpflichtet einen Spieler, der erstens nicht spielberechtigt ist und zweitens unter das Ausländerkontingent fällt? Nach einer Probezeit in Mannheim kehrt zunächst Steinbock, später Hiller in einer streng geheim gehaltenen Aktion der Stasi in die DDR zurück. Nach kurzer Sperre dürfen beide wieder spielen. Auch die übliche Strafverfolgung bleibt kurioserweise aus.

Zwischen Mauerfall und Aufnahme in die Bundesliga

Nach dem Mauerfall vom 7. Oktober 1989 wurde die letzte DDR-Meisterschaft noch zu Ende gespielt. Noch niemand dachte an eine Bundesliga-Integration der Ost-Teams. So unterschrieb Steinbock auf eine Anfrage von EVL-Manager Fax Fedra seinen ersten Profivertrag in Landshut. Hiller vorerst noch nicht.

Auf Betreiben des DEB-Präsidenten Otto Wanner dürfen noch vor der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 die beiden Ost-Teams SG Dynamo Weisswasser und SC Dynamo Berlin als Neulinge in der Bundesliga ihr Debüt geben. In Kürze versuchen Rüdiger Noack in Weisswasser und Dieter Waschitzowitz in Berlin, die finanziellen Grundlagen für die neue Zukunft zu schaffen. Aus Marketing-technischen-Gründen wird der SG Dynamo Weisswasser in «Polizei-Eislauf-Verein» (PEV) umbenannt. Der SC Dynamo Berlin nennt sich «EHC Dynamo» und das «D» wird durch den bis heute bekannten «Berliner Eisbär» ersetzt.

Hiller und Steinbock sind im Europacup Finalturnier 1983/84 unter den Top-7 der Skorerliste.

 

Und was ist eigentlich mit dem Landgasthof Bären in Madiswil? Dynamo logierte im Rahmen des Oberaargauer Cups zwar im besagten Landgasthof, jedoch trat an diesem Ort keiner die Flucht an. Guido Hiller und Stefan Steinbock spielten später zwischen 1996 und 1998 nochmals zwei Saisons zusammen für den ETC Crimmitschau, wo Steinbock heute fürs Marketing der «Eispiraten» zuständig ist, in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Apropos Hiller und Steinbock, auf meiner Recherche durchs world-wide-web stiess ich irrtümlicherweise auf einen Torhüter Namens Hiller und eine Torhütermaske mit einem Steinbock. Der Torhüter der Calgary Flames hat so wenig mit den ehemaligen Ostdeutschen zu tun wie Madiswil mit der Flucht in den Westen…

Guido Hiller

Geb. 1. Oktober 1964 in Berlin (DDR). Stürmer.
Klubs: 1971-81 Junioren, 1981-90 SC Dynamo Berlin, 1990-92 EHC Dynamo Berlin (1. BL), 1992-95 Eisbären Berlin (1. BL/DEL), 1995-98 ETC Crimmitschau (2. BL), 1999-02 Dresden (Oberliga), 2003-04 ESC Saale Teufel (Regionalliga).
International: 75 Länderspiele für die DDR, 2 Länderspiele für Deutschland; A WM 1983 (6.); 3x B-WM 1986 (3.), 1987 (5.), 1989 (5.); 2x Thayer-Tutt-Turnier 1984 (1.), 1988 (4.); 6x Europacup 1983/84 (3.), 1984/85 (3. Runde), 1985/86 (3. Runde), 1986/87 (2. Runde), 1987/88, 1988/89.
Erfolge: 7x DDR-Meister 1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1988. Europacup-Bronze 1984.

Stefan Steinbock

Geb. 27. September 1962 in Crimmitschau (DDR). Stürmer.
Klubs: 1974-81 Junioren, 1981-90 SC Dynamo Berlin, 1990-93 EV Landshut (1. BL), 1993-97 Nürnberg Ice Tigers (2. BL/DEL), 1996-00 ETC Crimmitschau (2. BL/Oberliga), 2002-03 EHV Schönheide (Regionalliga).
International: 99 Länderspiele für die DDR; A WM 1983 (6.); 3x B-WM 1986 (3.), 1987 (5.), 1989 (5.); 2x Thayer-Tutt-Turnier 1984 (1.), 1988 (4.); 7x Europacup 1982/83 (2. Runde), 1983/84 (3.), 1984/85 (3. Runde), 1985/86 (3. Runde), 1986/87 (2. Runde), 1987/88, 1988/89.
Erfolge: 7x DDR-Meister 1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1988. Europacup-Bronze 1984.

Nov 05 2014

Mirco Müller ist zwölfter Schweizer NHL-Torschütze

Mirco Müller feiert seinen ersten NHL-Treffer, gefolgt von Passagier Matt Nieto. (Foto: sharks.nhl.com)

Mirco Müller feiert seinen ersten NHL-Treffer, gefolgt von Passgeber Matt Nieto (Nr. 83). (Foto: sharks.nhl.com)

Mirco Müller gelingt am 30. Oktober 2014 sein erstes Tor in der National-Hockey-League. Nach 16 Minuten und 6 Sekunden trifft der Verteidiger bei der 3:4-Niederlage gegen Minnesota Wild (mit Nino Niederreiter) zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung der Sharks.

Der erst 19-jährige Winterthurer bringt den Puck nach der Vorarbeit von Matt Nieto und James Sheppard seitlich vors Tor, wo ihn Minnesotas Stürmer Zach Parise unhaltbar für seinen eigenen Torhüter Darcy Kuemper ablenkt. Für Müller ist es der dritte Skorerpunkt im neunten NHL-Spiel.

Mit diesem Treffer ist Mirco Müller erst der zwölfte NHL-Torschütze der Schweiz. Unter den Schweizer Verteidigern ist er nach Mark Streit, Yannick Weber, Luca Sbisa, Raphael Diaz und Roman Josi der sechste Torschütze.

14 Jahre nach Reto von Arx’ Meilenstein in Columbus, ist Verteidiger Mirco Müller der zwölfte NHL-Torschütze der Schweiz.

 

Alle Schweizer Torschützen

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Reto von Arx (Chicago Blackhawks), trifft in seinem zweiten NHL-Spiel gleich zwei Mal. Beim Eröffnungsspiel der Columbus Blue Jackets am 7. Oktober 2000 geht der Langnauer als erster Schweizer NHL-Torschütze (gegen Ron Tugnutt)  in die Geschichte ein. Total 19 Spiele, 3 Tore

Mark Streit (Montreal Canadiens, New York Islanders, Philadelphia Flyers), erst sechs Jahre nach Reto von Arx geht der Verteidiger als zweiter Torschütze in die Geschichte ein. Beim 4:1-Sieg gegen die San Jose Sharks am 14. Januar 2006, bezwingt er Evgeny Nabokov im Powerplay auf Zuspiel von Andrei Markov und Alexei Kovalev (ex-Visp). Total 610 Spiele, 81 Tore.

 

Patrick Fischer (Phoenix Coyotes), trifft als zweiter Stürmer am 28. Oktober 2006 in Phoenix gegen die New York Rangers zum 2:6 Zwischenstand. Im Tor steht kein geringerer als «King» Henrik Lundqvist. Total 27 Spiele, 4 Tore.

Yannick Weber (Montreal Canadiens, Vancouver Canucks), erzielt – auf Zuspiel von Glen Metropolit – am 20. April 2009 gegen Tim Thomas das Tor zum 2:2-Zwischenstand gegen die Boston Bruins. Total 149 Spiele, 14 Tore.

Nino Niederreiter (New York Islanders, Minnesota Wild), geht am 13. Oktober 2010 als jüngster Islanders-Torschütze aller Zeiten in die Geschichte ein. Auf Zuspiel von Doug Weight und Michael Grabner bezwingt der Churer Michal Neuvirth im Tor der Capitals. Total 168 Spiele, 21 Tore.

Luca Sbisa (Philadelphia Flyers, Anaheim Ducks, Vancouver Canucks), bezwingt am 28. Dezember 2010 Phoenix-Hüter Ilya Bryzgalov zum 1:0. Beim 3:1 von Anaheim ist auch Jonas Hiller mit dabei. Total 292 Spiele, 10 Tore.

Raphael Diaz (Montreal Canadiens, Vancouver Canucks, New York Rangers, Calgary Flames), schiesst am 18. Oktober 2011 die Montreal Canadiens gegen Buffalo mit 1:0 in Front. Nach dem Spiel wird der Zuger zum «Third-Star» des Spiels ausgezeichnet. Total 159 Spiele, 6 Tore.

Roman Josi (Nashville Predators), trifft am 10. Dezember 2011 gegen Anaheim (mit Luca Sbisa) im Powerplay zum 2:1. Shea Weber und Martin Erat geben die Assists beim 3:2-Sieg gegen die Ducks. Total 194 Spiele, 24 Tore.

Sven Bärtschi (Calgary Flames), erzielt gleich drei Tore in den ersten vier Spielen. Das erste am 12. März 2012 in St. Paul gegen die Minnesota Wild auf Zuspiel von Derek Smith (heute ZSC Lions) und Tom Kostopoulos. Total 52 Spiele, 8 Tore.

Damien Brunner (Detroit Red Wings, New Jersey Devils), ist am 22. Januar 2013 der zehnte Schweizer NHL-Torschütze. Auf Zuspiel von Pavel Datsyuk und Henrik Zetterberg (mit Brunner in Zug) erzielt er den Ehrentreffer Detroits bei der 1:2-Niederlage gegen Dallas. Total 126 Spiele, 29 Tore.

Simon Moser (Nashville Predators), trifft am 1. März 2014 gegen Winnipegs Ondrej Pavelec zum 1:3 gegen die Jets. Moser wird als “third Star” ausgezeichnet. Total 6 Spiele, 1 Tor.

Mirco Müller (San Jose Sharks), 30. Oktober 2014. Total 10 Spiele, 1 Tor.

 

Stand: 5. November 2014

Nov 04 2014

Fondue «Viry-Essonne» und Mike Ribeiro-Thrill

 

 

Die Hockey-Journalisten anlässlich des Trainings bei Guy Boucher und Lars Leuenberger. (Foto: PostFinance)

Die Hockey-Journalisten anlässlich des Trainings bei Guy Boucher und Lars Leuenberger. (Foto: PostFinance)

Anlässlich des Eishockey Trainings für Medienschaffende in Bern lädt PostFinance die Journalisten zu einer Trainingseinheit unter SCB-Headcoach Guy Boucher aufs Glatteis. Seine Philosophie und einige Beispiele verrät uns der Quebecois in der Kabine des Fanionteams.

Auf dem Eis gibts dann einige «Denkübungen», welche auch jedem Zweit- bis Viertliga-Akteur gut tun würde. Einige Übungen sind im Ansatz so simpel, dass Sie bereits in ihrer Einfachheit zu kompliziert werden, zum Beispiel die Passübung mit nur einer Scheibe, «la rondelle» wie Boucher in frankokanadischem Akzent erklärt. Auch ich, trotz- oder eben durch 15 Saisons Amateur-Eishockey «pucke»  es auf Anhieb nicht.

Der Mike-Ribeiro-Thrill

Später zeigt uns der ehemalige NHL-Coach den «Mike-Ribeiro-Thrill» – what the hell is that? Mike Ribeiro (aktuell mit Roman Josi bei den Nashville Predators) spielte von 1997 bis 2000 unter dem damaligen Assistenzcoach Guy Boucher für die Rouyn-Noranda Huskies in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL). Die Übung habe aber nicht direkt mit Ribeiro zu tun, antwortet Boucher auf meine Frage, er gebe einfach jeder Übung einen Spielernamen.

 i was twenty-four, i was single and i was in Paris, it was a great time.

Denkübungen gibts auch beim abschliessenden Fondue-Plausch im Stadion-Restaurant. Als ich Boucher auf seine Zeit in der Saison 1994/95 beim OHC Viry-Essonne (Paris) in Frankreichs Ligue Élite (heute Ligue Magnus) anspreche, beginnt die Zeitreise zurück in die 90er. Der SCB-Trainer kommt ins Schwärmen: «i was twenty-four, i was single and i was in Paris, it was a great time». Bouchers Transfer kam via seines Kollegen Patrice Tremblay (die beiden kannten sich aus gemeinsamen Zeiten bei der McGill Universität) zustande. Die beiden realisierten 1994/95 beim Tabellenletzten aus Paris über 50% aller Treffer im Kollektiv.

Paris, Grindelwald und Japan

Via Viry-Essonne und Telebärn-Journalist Hans Boss kommen wir zum EHC Grindelwald, wo sein Vater (ebenfalls Hans Boss) in den 80er Jahren in der NLB gespielt hat. Da spielte ein gewisser Jerry Byers (43 NHL-Spiele für die Minnesota North Stars, Atlanta Flames und die New York Rangers und übrigens von Salzburg nach Grindelwald gekommen), für das Gletscherdorf. Boss‘ Vater war damals einer der wenigen englischsprechenden Spieler im Kader von Trainer Bruno Steuri und zog deshalb viel mit Byers um die Häuser. Byers beendete seine Karriere beim japanischen Erstligisten Jujo Seishi Kushiro (heute Nippon Paper Cranes).

Berns Japan-Tour

Kushiro – da wird auch SCB-Sportchef Sven Leuenberger mitreden können? Im August 1997 befand sich der SCB nämlich auf Japan-Tournee, zusammen mit den Adler Mannheim absolvierten die Mutzen um Leuenberger, Tosio und Co. je vier Partien gegen die Kushiro Cranes (9:3) und gegen den japanischen Meister Seibu Tokyo (5:4), sowie zwei gegeneinander (Mannheim blieb 4:3 und 6:5 Siegreich).

«La rondelle» versteht sich eben «rund» um die Welt, ob im fernen Kushiro, in Bern oder in Paris und vor allem bei der McGill Universität, Bouchers Herkunft. Die McGill Universität steht am Ursprung der wichtigsten Eishockey Regeln, welche 1880 durch den Studenten James Creighton entwickelt und niedergeschrieben wurden.

 

Okt 24 2014

Gerd Zenhäusern – der erfolgreichere Gretzky?

Gerd Zenhäusern ist (rechts) beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz (links). (Foto: Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz (links). (Foto: Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.

Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.

Pressemitteilung erst nach dem Spiel

Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?

Gerd Zenhäusern verstärkt den Staff der HC Fribourg-Gottéron AG als Cheftrainer der 1. Mannschaft. Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.

Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.

Gretzky einst Zenhäuserns Idol

Als 16-jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.

Der Zenhäusern-Clan anno 1988 (von links): Gerd, Aldo und Jan (spielt aktuell beim HC Sierre)

Der Zenhäusern-Clan anno 1988 (von links): Gerd, Aldo und Jan (spielt aktuell beim HC Sierre). Foto: Krein-Archiv

Okt 12 2014

Svenska stjärner i NLA: Poängmaskinen

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Sie haben den Titel nicht verstanden? Schade. Ein Schwedisch-Kurs könnte sich in dieser Eishockey-Saison lohnen. Die neuen «stjärner» oder Stars in der NLA entpuppen sich nämlich als wahre Punktemaschinen. Sie wurden bereits vor der Saison als Top-Transfers angekündigt. Linus Klasen in Lugano, Daniel Sondell in Zug und natürlich auch Pär Arlbrandt und Niklas Olausson in Biel. Und sie halten, was man sich von ihnen versprochen hat. Mitte Oktober besetzen die Importspieler aus dem Norden nicht weniger als sieben Plätze in den Top-10 der NLA-Skorerliste.
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Mit Fredda Pettersson, Marcus Paulsson und Nicklas Danielsson beanspruchen Tre-Kronor-Spieler gleich die ersten drei Plätze der Goalgetter. Pierre-Marc Bouchard, der Zuger NHL-Filigrantechniker, verteidigt als Viertplatzierter die Ehre der Kanadier. Sprunger und Wick vervollständigen das Bild der Top-10, beides langjährige Skorer ihrer Teams.

«Die Schweden-Importe sind effiziente Skorermaschinen».

Natürlich ist die Saison noch jung. Natürlich kann sich noch viel ändern. Und natürlich pflegt ein bekannter Eishockey-Chronist jeweils zu sagen: «Die Stars des Herbsts waren noch nie die Stars des Frühlings.» Mag alles sein. Der massive Import aus dem Land der Elche hat sich aber für die meisten Teams gelohnt.

Effizienz, Taktik und Teamspirit

Die Schweden versprechen nicht nur Spektakel. Sie sind taktisch (nichts Neues unter der Sonne) hervorragend geschult und die meisten von ihnen gewöhnen sich sehr rasch an die Lebensumstände in der Schweiz. Die Mannschaftsdienlichkeit gehört dabei zum Gesamtpaket. Ein Blick auf die +/- Bilanzen der jeweiligen Spieler unterstreicht dies. In der Strafenstatistik tauchen sie – anders als die Nordamerikaner – kaum in Erscheinung.

Es ist bereits nach einem Fünftel der Qualifikation augenfällig: Teams, die sich mit Nordeuropäern verstärkt haben, gehören zu den Tabellengewinnern. Ausnahme bilden hierbei die Lakers, welche ohne ihre Schweden wohl noch heftiger unter die Räder kämen. Und natürlich die ZSC Lions mit ihrem breiten Kader. Die Ausländer spielen dort eine untergeordnete Rolle. Kloten (ohne Berücksichtigung des Mueller-Transfers) und Gottéron (Ausnahme: Mauldin) gehören bisher mit ihren schwachen Nordamerika-Söldnern zu den deutlichsten Verlierern. Vielleicht sollten Housi und Fige mal einen Blick ‘gen Norden richten?

Sep 10 2014

Wo bleiben die zahlreichsten Fans Europas?

Champions-Hockey-League 2014/15 Bern - Tapapra Tampere Foto: eishockeyblog

Champions-Hockey-League 2014/15: SC Bern – Tappara Tampere – Foto: eishockeyblog.ch

Der SC Bern hat den höchsten Zuschauerschnitt Europas, in der National-League-A (NLA) zumindest, was aber ist mit der Champions Hockey League (CHL)?

Zuschauerschnitt von 4’704 

In den beiden CHL-Partien gegen Ocelari Trinec und Tappara Tampere füllen 4’677 bzw 4’731 Fans nicht einmal die 6’800 Sitzplätze. Hat die Nummer eins in Europa etwa kein Interesse an Europa? 

Der 08/15-SCB-Fan vergnügt sich lieber hundertmal beim Spiel Bern gegen Biel, statt einmal bei Bern gegen Tappara Tampere. Der 08/15-SCB-Fan kann (noch) nichts mit der neugeschaffenen Champions Hockey League anfangen. Erstens verfügt er nur über mangelnde Kenntnisse und zweitens reicht sein Eishockey-Horizont knapp bis zu den Tribünen des Stade-de-Suisse, schade eigentlich.

Ein wahrer Eishockey-Krimi

Denn die Partie gegen Tappara Tampere hat alles geboten was ein Eishockeyspiel bieten muss: Spannung bis zum Schluss, eine packende Aufholjagd der Finnen, Penalty in der Overtime, Schlägereien und als Krönung ein Penaltyschiessen … und für den SCB-Fan hat sogar noch die richtige Mannschaft gewonnen. Was will man mehr?

«diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä schissdräck».

 

Kein Vergleich zu den 90ern 

Ich erinnere mich an die Berner Europacup-Auftritte der 90er Jahre, im Vergleich zu damals sind die Zuschauerzahlen erheblich gestiegen. 800 Zuschauer verloren sich beispielsweise am 8. November 1991 anlässlich der Europacup-Partie gegen den jugoslawischen Vizemeister Olimpija Ljubljana im damaligen Berner Allmend-Stadion.

Höherer Schnitt vor sechs Jahren  

An die Zahlen der Champions Hockey League, Ausgabe 2008/09, kommen die Berner heute noch nicht. 6’756 und 7’057 wollten die beiden Partien gegen die Espoo Blues und HV71 Jönköping sehen. Vielleicht finden wir den Grund des aktuellen Zuschauermangels beim fehlenden Berner Erfolg? Ein SCB-Funktionär sagte nach der 0:4-Niederlage gegen die übermächtigen Tschechen aus Trinec: «diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä schissdräck».

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