Feb 27 2015

Streit und Plüss, die 77er Dauerbrenner

Martin Plüss (links) und Mark Streit spielen wie eine gute Flasche wein, "wie älter desto besser." (Foto: EPA)

Martin Plüss (links) und Mark Streit spielen wie eine gute Flasche Wein, wie älter desto besser. (Foto: EPA)

Um mit den Topnationen mithalten zu können, brauche die Schweiz mehr Spieler vom Format eines Mark Streit oder Martin Plüss. Diese Aussage hat Reijo Ruotsalainen an der Eishockey Weltmeisterschaft 2009 in Bern gemacht. Der Weltklasse-Verteidiger weiss wovon er spricht, der finnische Internationale hat mit dem SC Bern zwischen 1988 und 1992 drei Meistertitel geholt. Nach einer kurzen Rückkehr für 18 Spiele beim damaligen Zürcher SC beendete der hervorragende Schlittschuhläufer 1996 seine Schweizer Karriere. In der National-Hockey-League (NHL) bestritt der in Oulu geborene Finne zwischen 1981 und 1990, 532 Spiele (84 Tore, 75 Assists) für die New York Rangers, Edmonton Oilers und die New Jersey Devils. 1987 und 1990 gewann er mit den Oilers den Stanley-Cup, 1986 spielte er nach Jari Kurri als zweiter Finne an einem NHL All-Star-Game.

Im gleichen Jahr als Ruotsalainen 1977 als 17-Jähriger in der SM-liiga debütierte, erblickten die beiden von Ruotsalainen gelobten Schweizer Martin Plüss (5. April) und Mark Streit (11. Dezember) das Licht der Welt. Plüss und Streit gehören heute zu den weltbesten Spieler ihres Jahrgangs. Doch dies war nicht immer so.

Als Nachwuchsspieler nie erste Wahl

Ab 1995 wurde in der Schweiz ein inoffizielles Ranking mit den besten Nachwuchsspielern des Landes geführt. Plüss wurde damals noch nicht einmal unter den Top 21 Stürmer berücksichtigt. Ein Jahr später lag der Dielsdorfer immerhin auf Rang 14. Mark Streit wurde 1995 als 9. und 1996 als 7. Verteidiger, hinter Spielern wie Jerry Zuurmond oder Daniel Aegerter geführt.

An der U20 Weltmeisterschaft 1996 in Boston gehörten die beiden zwar zum berühmten Juniorenteam welches erstmals mit den ganz grossen (1:2 gegen Kanada) mitspielen konnte, die beiden waren (Jahrgänge 1976 und jünger) aber erst Ergänzungsspieler. Streit schoss in fünf Partien ein Tor, Plüss blieb blieb in sechs Spielen punktelos. Punktbester Schweizer mit Jahrgang 1977 war Grasshoppers-Stürmer André Baumann. Baumann beendete seine Karriere 1999 in der NLB bei Lausanne.

1997 erstmals im Rampenlicht

Ein Jahr später an der Junioren Heim-WM 1997 in Genf und Morges erreichten die beiden mit dem 7. Platz das bis damals beste Ergebnis einer Schweizer U20-Nationalmannschaft. Plüss lag hinter dem um zwei Jahre jüngeren damaligen Supertalent Michel Riesen schon an zweiter Stelle der internen Skorerliste. Streit schoss das erste Tor für die Schweiz beim wichtigen 1:1 gegen Tschechien und spielte sich als erst zweiter Schweizer, nach Pauli Jaks 1991, in ein U20 WM All-Star-Team.

Den Titel holten sich die Kanadier. Unter Headcoach Mike Babcock standen unter anderem Christian Dubé, Daniel Brière und der erst 18-jährige Joe Thornton im Weltmeisterteam von Genf. Im 22-Mann Kader des Weltmeisters standen 17 Spieler mit Jahrgang 1977, davon spielten 14 später in der NHL. Heute noch aktiv in der besten Liga der Welt ist aber nur noch, mehr schlecht als recht, Daniel Brière (Colorado Avalanche). Der zweite heute noch aktive Weltmeister ist Kanadas Junior des Jahres 1996, Christian Dubé (Fribourg-Gottéron). Die beiden Jahrhundert-Talente der 90er Jahre stehen heute in ihren Ligen nur noch im Schatten ihrer Altersgenossen Streit und Plüss.

Nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 spielen in der NHL, in der Schweiz sind es nur noch fünf.

In der NHL sind heute (Stand März 2015) nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 unter Vertrag. Die Verteidiger Zdeno Chara (Boston), Willie Mitchell (Florida), Stéphane Robidas (Toronto), Marek Zidlicky (New Jersey) und Mark Streit, sowie die Stürmer Kevyn Adams (Pittsburgh), Daniel Brière, Jarome Iginla (beide Colorado) und Shawn Thornton (Florida). Ausser vielleicht Jarome Iginla hat heute keiner nur annähernd eine so tragende Rolle wie Streit in Philadelphia. Dasselbe gilt für Martin Plüss in der Schweiz. Auch da ist die einzige Ausnahme ZSC-Lions-Captain Mathias Seger. Die weiteren 77er Dubé (wird er Sportchef in Fribourg?), Joël Kwiatkowski und Byron Ritchie haben ihren Zenit längst überschritten.

Dauerbrenner Streit und Plüss

SCB-Captain Plüss spielt mit 37 Jahren vielleicht so gut wie nie zuvor und erreicht seine zweithöchste Punktzahl (45 Punkte) in der Skorerwertung seiner ganzen NLA-Karriere. Nur 2001 war er noch besser (Nicht berücksichtigt sind die 50 Punkte aus der Saison 2006/07 in der schwedischen Elitserien bei Frölunda Göteborg). Der SCB-Teilzeit Captain und Topskorer ist auf und neben dem Eis immer noch der absolute Leader und wurde, nach 2001 und 2013, zum dritten Mal in seiner Karriere zum wertvollsten Spieler (MVP) der NLA gewählt.

Philadelphia-Assistenz-Captain Streit steht mit 37 Jahren unter den Top-12 aller NHL-Verteidigern und liegt aktuell nur drei Zähler hinter seinem Altersgenossen und Mittelstürmer Iginla in der Gesamt-Skorerwertung. Aktuell ist Streit der weltbeste Verteidiger in seinem Jahrgang und er gehört auf und neben den Eis zu den Führungspersönlichkeiten des Teams von Headcoach Craig Berube. Selbst die NHL-Werte Ruotsalainens hat Streit, mit Ausnahme des Stanley-Cup-Gewinns, längst geknackt – und aktiv ist er mindestens noch bis 2017 und steht dann in seinem 40. Lebensjahr.

Mark Streit schoss schon über 40 Powerplay-Tore in der NHL. (Foto: NZZ)

Mark Streit ist mit Abstand der weltbeste noch aktive Verteidiger seines Jahrgangs. (Foto: NZZ)

Weitere 77er Jahrgänge in obersten Spielklassen
Jiri Burger (HC Vitkovice)
Ilya Gorokhov (Lokomotiv Yaroslavl)
Jochen Hecht (Adler Mannheim)
David Hruska (HC Karlovy Vary)

Petr Kadlec (HC Plzen)
Tomi Kallio (Växjö Lakers)
Alexei Kalyuzhny (Dinamo Minsk)
Ondrej Kratena (HC Plzen)
Ville Nieminen (Lukko Rauma)
Marcus Nilson (Djurgardens IF Stockholm)
Esa Pirnes (Kärpät Oulu)
Ales Pisa (HC Pardubice)
Jaroslav Roubik (HC Pardubice)
Radovan Somik (HC Pardubice)
Alexei Vasilyev (Lokomotiv Yaroslavl)
Lukas Zib (HC Vitkovice)

 

Feb 02 2015

Die Zukunft liegt in Brooklyn

«We're all Islanders», I'm Hintergrund das Marriott's Hotel, unmittelbar neben dem Nassau Coliseum. (Foto: M. Krein)

«We’re all Islanders», I’m Hintergrund das Marriott’s Hotel, unmittelbar neben dem Nassau Coliseum. (Foto: Krein)

Seit ihrer Gründung 1972, spielen die New York Islanders im Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum auf Long Island. Aktuell stehen die Islanders als Topteam der Metropolitan Divison an der Tabellenspitze. Für die ehemaligen Teamkollegen von Mark Streit und Nino Niederreiter ist es die letzte Saison in Uniondale. Im Sommer 2015 zügelt die Franchise innerhalb Long Islands nach Brooklyn, einem Stadtteil südöstlich von Manhattan. 73 Jahre nach den Brooklyn Americans (1941/42) kehrt das NHL-Eishockey wieder in den zweitdichtesten Stadtbezirk New Yorks zurück.

NHL-Kult-Spielstätte 

Das Nassau-Coliseum der Islanders ist nach dem Madison-Square-Garden die zweitälteste Arena der Liga und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen einer modernen NHL-Arena. 1985 schloss der damalige Besitzer John Pickett mit dem Stadionbetreiber des Nassau-Coliseums einen 30-Jahres-Vertrag ab, welcher im Sommer dieses Jahres ausläuft. Unter dem Management von Besitzer Charles B. Wang wird das 18’000 Plätze fassende Barclays Center in Brooklyn die neue Heimat der Islanders.

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum versprüht den Charme der NHL der 80er Jahre noch heute und ist Kult. (Foto: Krein)

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum versprüht den Charme der NHL der 80er Jahre noch heute. (Foto: Krein)

Mit einer sportlich möglichst erfolgreichen Saison wollen sich die Spieler von Uniondale verabschieden: «Das sind wir unseren Fans Schuldig», meint der Österreicher Michael Grabner. «Eigentlich will ich gar nicht weg von hier, es gefällt mir hier sehr gut», meint einer der schnellsten Stürmer der Liga weiter. Dies betrifft nicht nur Grabner, sondern die meisten möchten lieber in der gewohnten Umgebung bleiben. Das Barclays Center (Eröffnung 2012) in Brooklyn gehört ab 2015 zu den modernsten Hallen der Liga, lässt aber vor dem Umzug noch einige Fragen offen. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt und trainiert wird weiterhin im 50 km entfernten Syosset, am 175 Underhill Boulevard.

Mit dem jüngsten Umzug in ein neues Stadion verliert die Liga nach Boston, Buffalo, Chicago, Detroit, Los Angeles, New Jersey, Philadelphia, Pittsburgh, St. Louis, Toronto, Vancouver und Washington eine weitere Kultstätte. Neben dem All-Star-Game 1983, wurden im Coliseum drei Stanley-Cups (1980, 1981 und 1983) in die höhe gestemmt, der letzte 1983 beim 4:2-Sieg im vierten Spiel gegen die Edmonton Oilers. Der damalige Torschütze zum 3:2, Mike Bossy wird am 29. Januar 2015 vor der Partie gegen die Boston Bruins geehrt, der «Hall-of-Famer» gewann mit den Islanders vier Stanley-Cups und seine Rückennummer 22 wird bei den Isles nicht mehr vergeben.

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum in seiner 42. Saison mit den Islanders. (Foto: Krein)

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum in seiner letzten und 42. Saison mit den Islanders. (Foto: Krein)

Neues Kapitel steht bevor

Mit dem Umzug nach Brooklyn wird das erfolgreiche Islanders-Kapitel aus der Vergangenheit endgültig abgeschlossen. Nach einer langen Durststrecke ist die Mannschaft um Superstar John Tavares auf dem besten Weg an die Erfolge von Bossy und Co. anzuknüpfen. Den ersten Grundstein wollen die Islanders aber schon in ihrer letzten Saison im Kult-Stadion Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum legen.

Das Barclays Center in Brooklyn ist ab 2015 die neue Spielstätte der Islanders. (Foto: nyc-architecture.com)

Das Barclays Center in Brooklyn ist ab 2015 die neue Spielstätte der Islanders. (Foto: nyc-architecture.com)

 

Jan 30 2015

Die etwas andere Medienarbeit

Kult-Telefon auf der Medientribüne im Prudential Center. Nur die Wählscheibe fehlt noch. (Foto: Michael Krein)

Kult-Telefon auf der Medientribüne im Prudential Center. Nur die Wählscheibe fehlt noch. (Foto: Krein)

John Ferguson, Director-of-Player-Personnel der Boston Bruins steht neben mir im Aufzug zu den Presseplätzen im Prudential Center, der «Lift» bringt uns direkt zu den Medienplätzen, direkt unter dem Hallendach der 17’625-Plätze-Arena. Für Presseleute und NHL-Team-Manager ist ein ganzes Stockwerk reserviert. Die Liste der Sitzplatzordnung hängt sogar noch vor der Toilettentüre. Kein Gedränge wie wir es von Schweizer Stadien kennen und die Zeit um sein Geschäft zu erledigen in der Pause manchmal knapp wird, in der National-Hockey-League ist der Gang aufs Klo so angenehm wie ein Spaziergang durch New Yorks Zentral-Park.

Altbekannter aus Lyss 

Die Pressetribüne ist mit 128-Sitzplätzen auf zwei Etagen unterteilt. John Ferguson zeigt mir den Weg zu meinem Presseplatz (Nr. 2) und verabschiedet sich mit «good Game» zu den Plätzen der NHL-Manager. Dort sitzt auch ein alter bekannter aus Lyss. Dave Baseggio, Vize-Präsident der Anaheim Ducks. In der zweiten Drittelspause unterhalten wir uns kurz über seine Aufgabe und die Organisation der Anaheim Ducks, sowie über seine Zeit als NLB-Ausländer 1992/93 beim SC Lyss.

Die Spieler «On Ice» sind auf dem Videowürfel derzeit angezeigt. (Foto: Michael Krein)

Die Spieler «On Ice» sind auf dem Videowürfel angezeigt: 5 Larsson, 6 Greene, 9 Havlat, 19 Zajac, 26 Elias (Foto: Krein)

 

Rundum Service-Packet 

Der Service für die Medienvertreter ist gross, in jeder Drittelspause wird eine Zusammenfassung der Spielstatistik verteilt, während des Spiels gibt es sogar einen separaten Speaker welcher nur für die Medientribüne sämtliche Strafen und Tore kommentiert. Auf dem Videowürfel sind nicht nur die Spieler «On Ice» angezeigt, sondern auch die Torschüsse sind jederzeit «up-to-date». Nichts scheint einem hier zu entgehen. Nach zwei Dritteln steht es nach 13:18 Torschüssen und je sechs Strafminuten immer noch 0:0 und die New Jersey Devils liegen nur Dank Ex-Ambrì-Goalie Cory Schneider noch nicht in Rückstand. Schneider wird beim 2:1-Sieg der Devils nach Penaltyschiessen durch die Medienvertreter auch als «Third-Star» ausgezeichnet.

Die Kabine der New Jersey Devils nach dem Spiel. (Foto: Michael Krein)

Die Kabine der New Jersey Devils nach dem Spiel, zu erkennen, Damien Brunners freier Platz im Hintergrund. (Foto: Krein)

Offene Kabinen und Telefon-Kult 

Zum Ende des Spiels werden die Medienvertreter per Lift in die Katakomben des Prudential Center begleitet. Die Kabinentüren zu den Devils und Toronto Maple Leafs sind geöffnet, in der Schweiz ein undenkbares unterfangen, in der NHL eine Selbstverständlichkeit. Fehlt dir das «Finalsheet» mit der Schlussstatistik über das Spiel, wird dir auch dieses vom Medienvertreter sorgfältig nachgereicht. Bei aller Herrlichkeit der Medienarbeit der NHL, die Telefone auf den Presseplätzen der zweitneusten NHL-Arena (Baujahr 2007) lassen einem an längst vergangene Zeiten erinnern. Die NHL ist eben auch neben dem Eis Kult oder eben in allen Belangen einfach ein bisschen anders als bei uns.

Die Medienvertreter beim Interview in der Gästekabine. (Foto: Michael Krein)

Die NHL-Medienvertreter beim Interview in der Gästekabine (Maple Leafs). (Foto: Krein)

Jan 07 2015

Šimeks prominenter Passgeber bei Torpremiere

Juraj Simek beim interview nach seinem ersten Treffer für TPS Turku. (Foto: Timo Savela)

Juraj Simek im Interview bei den finnischen TV-Kollegen nach seinem ersten Treffer für TPS Turku. (Foto: Timo Savela)

Im Dezember 2014 wechselte der Genfer Stürmer Juraj Šimek zum elffachen finnischen Meister TPS Turku in die SM-liiga. Schweizer in der SM-liiga? Šimek ist erst der vierte Schweizer in der obersten finnischen Spielklasse. Das erste Spiel für TPS (Turun Palloseura) bestritt Simek am  27. Dezember 2014 bei der 1:4-Heimniederlage gegen Lukko Rauma.

Bereits im zweiten Spiel schoss Šimek in der 35. Minute nach einem Zuspiel von Petteri Nummelin, der am 30. Dezember 2014 im Alter von 42 Jahren sein Comeback gab, das zwischenzeitliche 3:1 für Turku gegen Ilves Tampere. Die Gäste drehten das Spiel aber noch und gewannen mit 6:4. Mit seinem Treffer geht Simek als erst dritter Schweizer SM-liiga-Torschütze in die Geschichte ein.

Šimeks SM-liiga-Vorgänger

SM-liiga-Pionier ist der Worber Laurent Müller, der ehemalige Stürmer gab in der Saison 2005/06 ein kurzes Gastspiel bei JYP Jyväskylä und buchte in 10 Spielen 3 Skorerpunkte (2 Tore). Müller ging am 21. September 2001 als erster Schweizer SM-liiga-Torschütze (ins leere Tor) beim 0:3-Sieg Jyväskyläs bei Jokerit Helsinki in die Geschichte ein. Am 26. September schoss Müller seinen ersten “richtigen” Treffer im Powerplay gegen SaiPa Lappeenranta.

Nach Müller und Helbling ist Šimek erst der dritte Schweizer SM-liiga-Torschütze

Auf Müller folgte eine Saison später der Verteidiger Philippe Seydoux zum damaligen finnischen Meister HPK Hämeenlinna, Seydoux absolvierte nur 6 Partien und sass dabei zweimal auf der Strafbank. Erst vier Jahre später wechselte mit Timo Helbling der dritte Schweizer nach Finnland zu Kärpät Oulu. Der Verteidiger absolvierte 42 Spiele für den aktuellen finnischen Meister und kam auf 5 Skorerpunkte (2 Tore).

Die Finnland-Pioniere

Der heimliche Finnland Pionier heisst aber Krister Cantoni. Der Tessiner war schon 1989 als Junior für zwei Jahre in Turku bei TPS, im selben Team stand damals ein gewisser Petteri Nummelin. Ambri-Verteidiger Marc Gautschi spielte 2002/03 in der zweiten finnischen Liga (Mestis) bei Hermes Kokkola und kam in 43 Spielen auf 16 Skorerpunkte (3 Tore).

Dauerbrenner Nummelin

Fast schon unheimlich ist Nummelins Comback mit 42 Jahren. Der fünffache WM-All-Star-Team Verteidiger debütierte vor 22 Jahren in der SM-liiga bei TPS, damals war Šimek gerade mal 5-jährig. In der Zwischenzeit sammelte Nummelin in 22 Saisons und 15 Weltmeisterschafts-Turnieren 62 Titel (darunter 4 Meistertitel, 7 WM-Medaillen, 1 Olympia-Medaille) und Auszeichnungen (darunter 9 All-Star-Team Nominationen), ehe er nun nach einem zwischenzeitlichen Rücktritt als Captain wieder zu seinem Stammclub aufs Eis zurückgekehrt ist. Für Turku bestreitet Nummelin aber erst die fünfte Saison.

 

30. Dezember 2014

TPS Turku – Ilves Tampere 4:6 (0:1, 3:1, 1:4)
HK Arena. – 4’907 Zuschauer. – SR Hakkarainen, Metsälä. – Tore: 9. Meskanen (Savilahti, Asplund/PPG) 0:1. 30. Sointu (Lasch, Koskiranta) 1:1. 34. Sointu (Seigo, Lasch/PPG) 2:1. 35. Šimek (Nummelin, Nakladal) 3:1. 40. Meskanen (Savilahti, Kukkonen) 3:2. 43. Zalewski (Tyrväinen, Järventie) 3:3. 45. Lasch (Sointu, Mojzis/PPG) 4:3. 56. Meskanen (Savilahti, Asplund) 4:4. 58. Tyrväinen (Järventie, Rautiainen) 4:5. 60. Sandell (Laakso/ins leere Tor) 4:6.
TPS Turku: Lassila; Eronen, Fryman, Gysbers, Koskiranta, Kulmala, Lasch, Lindsten, Lucenius, Mojzis, Nakladal, Nieminen, Nummelin, Pikkarainen, Seigo, Seikola, Siiki, Šimek, Sointu, Virtala.
Ilves Tampere: Korpisalo; Asplund, Järventie, Kivistö, Kukkonen, Laakso, Levo, Mäkinen, Meskanen, Moiso, Näppilä, Polak, Rautiainen, Riekkinen, Salmela, Sandell, Savilahti, Tyrväinen, Veistola, Zalewski.

Jan 02 2015

Ein dänisches Eishockey-Märchen

Oliver Björkstrand (links) feiert mit Nikolaj Ehlers einen dänischen Treffer gegen Russland. (Foto: Chris Young)

Oliver Björkstrand (links) feiert mit Nikolaj Ehlers einen dänischen Treffer gegen Russland. (Foto: Chris Young)

Würde Dänemarks bekanntester Dichter und Schriftsteller Hans-Christian Andersen ein Eishockeymärchen schreiben, wäre es das Märchen der dänischen U20-Nationalmannschaft. Bis 2002 pendelte das dänische Junioren-Nationalteam zwischen der Weltmeisterschafts- B und C-Klasse hin und her. Dabei waren die Auftritte Dänemarks in der zweiten Klasse noch seltener, zwischen 1986 und 2002 wurde in fünf B-Weltmeisterschaften der Ligaerhalt nur drei Mal geschafft. Vor 14 Jahren verloren die Dänen das Division II-WM-Spiel (die frühere C-Gruppe) um Platz drei gegen Litauen, ehe sie erst ein Jahr später zusammen mit Japan, Lettland und Kroatien den Aufstieg in die Division I (B-Gruppe) realisieren konnten. Schlüsselspieler der letzten «C-Mannschaft» von 2002 war ein gewisser Frans Nielsen, späterer Teamkollege von Mark Streit und Nino Niederreiter bei den New York Islanders, wo er heute zu den wichtigsten Spielern gehört.

Toronto und Montreal

An der U20-Weltmeisterschaft in Toronto in Montreal bestreiten die Dänen, nach 2008 und 2012 erst ihre dritte A-WM. Am 30. Dezember 2014, gelingt den Dänen in ihrem 16. Spiel im Oberhaus der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz. Dänemark holt aber bereits gegen Russland (2:3 nP) und Tschechien (3:4 nV) je einen Punkt und verliert nur gegen WM-Topfavorit Schweden nach 60 Minuten (1:5). Durch den sensationellen Erfolg gegen die Schweiz bestreitet die Mannschaft von Headcoach Olaf Eller, der Vater von Lars (Montreal Canadiens) und Mads Eller (im U20-Team), ihren ersten Viertelfinal der Geschichte gegen den haushohen Favoriten und Gastgeber Kanada.

Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv

Wer sind diese dänischen Helden? Sechs Akteure spielen in den nordamerikanischen Juniorenligen OHL, QMJHL und WHL, einer in der North-American-Hockey-League (NAHL) und vier in Schweden. Die zwei absoluten Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv sind Oliver Björkstrand, Nikolaj Ehlers und Torhüter Georg Sørensen. Björkstrand kommt aus einer amerikanischen Eishockeyfamilie, sein Vater Todd siedelte 1988 von den USA nach Dänemark über und absolvierte 14 Saisons beim dänischen Spitzenclub Herning IK, wo er später auch als Headcoach tätig war. 1989 gewann der Amerikaner mit den US-Selects den Spengler Cup. Ebenfalls beim Spengler Cup spielte Olivers Bruder Patrick, bei Medvescak Zagreb. Oliver spielt seit 2012 bei den Portland Winterhawks, dem ehemaligen Team von Nino Niederreiter und Sven Bärtschi, in der Western-Hockey-League und wurde 2013 als Nr. 89 von den Columbus Blue Jackets gedrafted. An der U20-WM erzielte er in vier Spielen bereits vier Tore und ist in den Top Ten der Skorerliste.

Ehlers, ähnlich wie Björkstrand

Wie Björkstrand stammt auch Nikolaj Ehlers aus einer Hockeyfamilie. Vater Heinz ist Trainer beim HC Lausanne und ist seit einem kurzen Gastspiel 1993/94 als Spieler und seit 2007 als Trainer in der Schweiz (beides beim EHC Biel) bekannt. Durch Vaters Engagement bei Biel durchlief Nikolaj zwischen 2007 und 2013 sämtliche Juniorenstufen beim EHC Biel und debütierte in der Saison 2012/13 als 16-Jähriger in der NLA. Im Sommer 2013 wechselte Ehlers Junior ebenfalls nach Nordamerika zu den Halifax Mooseheads (mit Timo Meier) in die Quebec-Major-Junior-Hockey-League.

Im 16. Spiel gelingt Dänemark der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz.

 

In seiner ersten Saison schlug Ehlers in Halifax ein wie eine Bombe und holte zehn Auszeichnungen, darunter die «Mike-Bossy-Trophy» für den Spieler dem die besten Chancen eingeräumt werden für eine erfolgreiche Karriere in der National-Hockey-League, dazu wurde er «Rookie-of-the-Year» der QMJHL und der gesamten Canadian-Hockey-League (CHL), welche alle drei Ligen OHL, WHL und QMJHL umfasst. Komplettiert wurde Ehlers erfolgreichste Saison der Karriere beim Draft 2014, als Nr. 9 der Winnipeg Jets. Ehlers Cousin Alexander True, dessen Vater Søren True 1993/94 zwei Spiele für Thurgau absolvierte, steht ebenfalls im WM-Kader der U20.

Erfolgreichste Entwicklung der letzten 20 Jahre

Zurück zu Dänemark. Keine andere Eishockey-Nation hat sich in den letzten zwanzig Jahren so gut entwickelt wie die Nordländer. Die A-Nationalmannschaft spielte 1991 ebenfalls noch in der drittklassigen WM C-Gruppe, ist seit 2002 A-klassig und hat sich unter der Weltelite etabliert. Die U20 steht heute erstmals in einem WM-Viertelfinal und die U18 strebt im April 2015 die Rückkehr ins Oberhaus an. Auch wenn das dänische Eishockey-Märchen heute gegen Kanada vorübergehend zu Ende gehen sollte, besser hätte es auch Hans-Christian Andersen nicht schreiben können.

Dez 15 2014

Adventszeit ist auch die Zeit der NHL-Scouts

Der 17-jährige Denis Malgin steht zusammen mit Jonas Siegenthaler unter Beobachtung der NHL-Scouts. (Foto: GCK Lions)

Der 17-jährige Denis Malgin steht zusammen mit Jonas Siegenthaler im Fokus der NHL-Scouts. (Foto: GCK Lions)

Sie tummeln sich wieder in den Eisstadien Europas, die Späher der National-Hockey-League (NHL). Allein am letzten Wochenende mit drei Spielrunden waren ein Dutzend NHL-Scouts in der Schweiz unterwegs. Die beiden Scouts der Buffalo Sabres, Fredrik Andersson und Teemu Numminen pendelten von Bern via Zürich nach Kloten. In Bern beobachten die beiden Skandinavier unter anderem Christoph Bertschy, dessen Rechte allerdings schon bei den Minnesota Wild liegen. In Zürich sind es Jonas Siegenthaler und Denis Malgin, in Kloten sind es die jungen Davoser welche die Späher kurz vor ihrem Rückflug interessieren. Auch Pittsburgh-Scout Tommy Westlund ist in Zürich und Kloten anzutreffen.

Ehemalige Spieler 

Andersson, und Numminen waren einst selber Spieler. Andersson langjährier Torhüter bei MoDo Hockey Örnsköldsvik und Numminen war einst auf dem Weg in die NHL seinem älteren Bruder Teppo Numminen zu folgen. Wie Teppo, wurde auch der fünf Jahre jüngere Teemu von den Winnipeg Jets gedrafted, allerdings blieb es beim Draft. Nun beobachtet er selber mögliche Draft-Kandidaten für die Buffalo Sabres. Die beiden Skandinavier sind für das Amateur-Scouting in Europa zuständig. Als Pro-Scout in Buffalo ist übrigens Ex Bern- und Lausanne Trainer John van Boxmeer tätig.

Kalevi Numminen 

Apropos Trainer, Teppo- und Teemus Vater Kalevi Numminen ist in Finnland eine Legende, nach ihm ist sogar die Auszeichnung für den SM-liiga-Trainer des Jahres benannt. Vier Gewinner der Kalevi-Numminen-Trophy waren schon Trainer in der Schweiz. Ex Zug-Trainer Rauno Korpi gewann die Trophäe 1982, 1986 und 1987, der langjährige Kloten-Ausbildner Wladimir Jursinow wurde zwischen 1993 und 1995 drei Mal in Serie ausgezeichnet, ex SCB-Coach Hannu Jortikka zwischen 1999 und 2001 ebenfalls. Der vierte ist Raimo Summanen 2002.

Connor McDavid und Jack Eichel sind die heissesten Anwärter für die Nummer Eins 

Kalevi und Teppo Numminen haben bereits Eishockey-Geschichte geschrieben, Teemu Numminen soll als Scout zumindest den europäischen Teil des Kapitels der Buffalo Sabres von Morgen schreiben. Zu den heissesten Draft-Kandidaten für den Number-One-Draft 2015 zählen der Kanadier Connor McDavid (Erie Otters) und der Amerikaner Jack Eichel (Boston University). Die ersten Europäer sind auf den Positionen sieben und dreizehn des Rankings des International Scouting Services (ISS) vertreten: Oliver Kylington von Färjestads BK Karlstad und der Finne Mikko Rantanen von TPS Turku.

Die Schweizer Draft-Kandidaten

Die hoffnungsvollsten Schweizer Talente des ISS-Rankings sind Jonas Siegenthaler und Denis Malgin (Sohn von Albert Malgin) und dürften beim Draft vom nächsten Juni (26./27.) in Sunrise, Florida zum Zug kommen. Auf der nordamerikanischen Liste stehen die beiden in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) engagierten Kay Schweri (Sherbrooke Faucons) und Timo Meier (Halifax Mooseheads). Unter Beobachtung stehen auch weitere Schweizer Talente wie Dominik Diem (GCK Lions), Colin Fontana (HC Lugano), Fabian Haberstich (SCL Tigers), Auguste Impose (HC Genf-Servette), Roger Karrer (GCK Lions), Timo Haussener (Rapperswil-Jona), Calvin Thürkauf (Zug) sowie die Berner Luca Hischier, Yanik Burren und Dario Meyer. Wichtigster Termin für die jungen Top-Draft-Kandidaten ist die U20 Weltmeisterschaft vom 26. Dezember 2014 bis 5. Januar 2015 in Toronto und Montreal, vor den Toren der National-Hockey-League.

Dez 06 2014

Vom Nirgendwo an die Weltspitze

Evelina Raselli im Zweikampf mit Kanadas Hayley Wickenheiser an den Olympischen Spielen in Sotschi. (Foto: canada.com)

Evelina Raselli (rechts) im Zweikampf mit Kanadas Hayley Wickenheiser an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014. (Foto: canada.com)

Zwischen dem 5. und 7. Dezember treten die Frauen des HC Lugano im Halbfinalturnier des European-Womens-Champions-Cup gegen den Deutschen Meister ESC Planegg, die Herlev Hornets aus Dänemark und dem HC Neuilly-sur-Marne aus Frankreich an. Nach Olympia-Bronze greift Luganos Nationalspielerin Evelina Raselli auch nach europäischem Edelmetall.

Für Lugano ist es bereits die fünfte Teilnahme im Meistercup. Dreimal qualifizierten sich die Tessinerinnen für das Finalturnier. 2011 holten die Luganesi erstmals europäisches Edelmetall. Es war gleichzeitig die erste internationale Medaille für Lugano-Spielerin Evelina Raselli.

Seit 2008 spielt die 22-jährige Bündnerin beim Frauenteam des HC Lugano. Was die damals 16-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass in den nächsten sechs Jahren drei Schweizermeistertitel-, Weltmeisterschaftsbronze- und olympisches Edelmetall folgen würden.

Wo liegt Le Prese?

Raselli ist im kleinen Bündner Dörfchen Le Prese, einem «Kreis» der Gemeinde Poschiavo aufgewachsen. Der südlichste Zipfel des Bündnerlandes liegt als «Halbexklave» in Italien und ist «irgendwo im Nirgendwo». Die sechs Gemeinden von Poschiavo zählen zusammen gerade mal knapp 3’500 Einwohner.

Die Familie Raselli betreibt das Sporthotel Raselli, welches nur 50 Meter von der örtlichen Eisbahn liegt. Das Eisfeld liegt direkt vor der Haustüre und es war naheliegend, dass sich die kleine Schwester dem Hobby ihrer zwei Eishockey spielenden Brüder und ihres Vaters anschliessen würde.

Via Celerina und St. Moritz nach Lugano

Schon früh stand «Eve» mit den Jungs des HC Poschiavo auf dem Eis. Um ihr Talent noch besser zu fördern, spielte Raselli später für die Frauen des SC Celerina und die Junioren des EHC St. Moritz. Der Wechsel zum HC Lugano kam durch die Familie Crameri zustande. Anita Crameri, die Frau vom ehemaligen Lugano-Spieler und aktuellen St. Moritz-Trainer Gian Marco Crameri, fädelte den Kontakt zum Tessiner Tradionsclub ein.

Nach Olympia- und Weltmeisterschafts-Bronze fehlt noch europäisches Edelmetall

Dabei war der damals angehenden Handelsmittelschülerin kein Weg zu weit. Während ihrer dreijährigen Ausbildung in Samedan fuhr Raselli jeweils am Freitagabend für das Wochenende ins 190km entfernte Lugano, wo sie seit Abschluss ihrer Weiterbildung wohnt und mit einer 80-Prozent-Anstellung in einem Treuhandbüro arbeitet. Die restlichen 20-Prozent benötigt sie für Nationalmannschafts-Zusammenzüge, wo die Stürmerin seit 2011 der Stammformation angehört.

Erfolgreiches 2014

In den letzten drei Jahren entwickelte sich die gebürtige «Puschlaverin» in Lugano zu einer Schlüsselspielerin und zählt heute zu den besten Eishockeyspielerinnen des Landes. Die vergangene Saison ist die bisher erfolgreichste ihrer noch jungen Karriere.

An den Olympischen Winterspielen in Sotschi errang Raselli mit den Schweizerinnen sensationell Olympia-Bronze. Danach folgte der dritte Meistertitel mit dem HC Lugano. Durch diese Erfolge wurde die aktuelle Topskorerin (10 Spiele, 32 Punkte) der Liga für die Wahl zur «Bündner Sportlerin des Jahres 2014» nominiert.

Der Champions-Cup fehlt noch

Die Champions-Cup-Gegnerinnen aus Planegg, Herlev und Neuilly-sur-Marne sind gewarnt, denn Raselli und Lugano wollen auch europäisches Edelmetall. Der zusätzliche Heimvorteil stärkt das Team von Trainer Marzio Brambilla in der Rolle des Favoriten – und für den Einzug ins europäische Finalturnier ist für Raselli bekanntlich kein Weg zu weit…

*Das Porträt von Evelina Raselli wurde im Rahmen des Studiums an der Universität Salzburg publiziert.

HC Lugano 2014/15: Evelina Raselli (sitzend, zweite von rechts)

HC Lugano 2014/15: Evelina Raselli (sitzend, zweite von rechts). Foto: HC Lugano

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