Mai 13 2012

Von Marignano bis Helsinki

Streit's haben wir genug, doch Thoresen's fehlen uns an allen Ecken und Enden

Zum 3. Mal innert 4 Jahren verpassen wir in Helsinki das Minimalziel der WM-Viertelfinals. Die Antwort für das scheitern liegt fast 500 Jahre zurück im italienischen Marignano.

Bis zur Schlacht von Marignano im September 1515 galten die Eidgenossen als gefürchtete Krieger welche man jeweils als Söldner für jeden Krieg in Europa verpflichten konnte. Doch die kriegerische Auseinandersetzung von Marignano veränderte die Eidgenossenschaft drastisch, denn dort musste man gegen Frankreich eine empfindliche Niederlage mit verheerenden Folgen hinnehmen. Nach der Niederlage von Marignano war die Schweiz nicht mehr in der Lage eine Expansionspolitik zu betreiben. Seither konzentrieren wir uns auf die Verteidigung unseres Landes und halten uns aus sämtlichen Konflikten meistens korrekt, neutral und unspektakulär im Hintergrund. Diese “Landeskrankheit” oder “Landesmentalität” begleitet uns seit 1515 wie ein schwarzer Schatten. Das jüngste Beispiel fand 2012 im finnischen Helsinki statt. Wie vor 497 Jahren verlieren wir in Helsinki die entscheidende “Schlacht” gegen Frankreich und erleiden einen Rückschritt ins Mittelmass.

Unsere Mentalität ist das “verteidigen”

1515 entschied man sich von nun an “nur” noch verteidigen zu wollen. Wir können also nicht einfach so von heute auf Morgen eine 500-Jährige Tradition auf den Kopf stellen und in “Winkelried-Manier” ein offensives Angriffs-Feuerwerk zünden. Seit Sean Simpson (2010) spielen wir zwar das attraktivere Eishockey als in 12 Jahren “Beton-Hockey” unter Ralph Krueger aber nicht das erfolgreichere. Die Frage ist wohin wir können, nicht wohin wir wollen! Mit der neuen Marschroute wollen wir künftig attraktives offensiv-Hockey zelebrieren – können aber von unserer inneren Einstellung her und aufgrund unserer Mentalität nur verteidigen – so gesehen ist ein Scheitern im offensiv-Spektakel eine logische Folge. An guten Torhütern (Anken, Tosio, Pavoni, Hiller, Gerber oder auch Aebischer zu seiner Blütezeit) mangelte es uns noch nie, das gleiche gilt für unsere Verteidiger (Streit, Sbisa, Josi) – die Ausbildung von guten Torhütern und Verteidigern ist aufgrund unserer fast 500-jährigen Schweizer Geschichte also absolut logisch.

Mannheim ist das Marignano des Eishockeys

In den letzten 4 Jahren verpassten wir 3 Mal (2009, 2011, 2012) das Minimalziel “Viertelfinals” welches wir in 11 Jahren zuvor ebenfalls “nur” 3 Mal (2001, 2002, 2006) verpasst haben. Der Anfang des Rückschritts fand nicht in Marignano und auch nicht in Helsinki statt, sondern in Mannheim. Nach einer sensationellen Vorrunde scheiterte man 2010 als Favorit im Viertelfinale gegen die Underdogs aus Deutschland mit einer 0:1-Schlappe. Die verlorene Schlacht von Mannheim hinterliess die selben Spuren wie die verlorene Schlacht von Marignano, Mannheim ist das Marignano des Eishockeys, den seither bewegen wir uns auf einem “geordneten Rückzug.”

Keine “Winkelriede”

Statt eine solide “Viertelfinal-Nation” werden wir zur “Ligaerhalt-Nation” und sind einem Wiederabstieg in die B-Gruppe (1987, 1993, 1995) näher als einer WM-Medaille. Rückschritt statt Fortschritt, Offensive statt Defensive, Attraktiv statt Beton – lieber ein attraktiver-Abstieg als eine Beton-Medaille? Wollen wir das wirklich? Denn ohne “Winkelriede” geht es nicht, ohne absoluten Goalgetter – wie ich ihn, seit ich Eishockey schaue, in der Schweiz noch nie gesehen habe – können wir keine Expansionspolitik Richtung Eishockey-Weltspitze betreiben. Wir haben und wir hatten noch nie einen Stürmer im Format eines Patrick Thoresen’s – und ihn nenne ich bewusst, den Thoresen ist die Identifikationsfigur von Norwegens Höhenflug der letzten beiden Weltmeisterschaften.

Norwegen beerbt die Schweiz

Zum 2. Mal in Folge steht Norwegen anstelle der Schweiz im WM-Viertelfinal, im Direktduell verloren wir gegen die Wikinger in Kosice vor Jahresfrist mit 2:3. Seit 2008 schafften die Norweger 3 Mal (2008, 2011, 2012) den Sprung in die Viertelfinals. Des Schweizers Misserfolg ist des Norwegers Erfolg. Selbst beim jüngsten Beispiel von Norwegens Erfolg, hängt mit einem Misserfolg eines Schweizers zusammen: Im alles entscheidenden Spiel um den Einzug in die Viertelfinals erleidet der Schweizer Bundestrainer Jakob Kölliker mit Deutschland eine 4:12-Abfuhr gegen die Skandinavier. Dabei erzielt Patrick Thoresen 3 Tore und 3 Assists und rückt hinter dem russischen NHL-Star Yevgeny Malkin auf die 2. Position der WM-Skorerliste.

WM-Fazit

Ein Stürmer und Ausnahmekönner wie Norwegens Patrick Thoresen fehlt uns “noch” immer. Nino Niederreiter und Sven Bärtschi sind unsere nächsten Hoffnungen auf einen ganz grossen Goalgetter im “Winkelried-Format” – bis es soweit ist, sollten wir uns an unseren fast 500 Jahre alten “Beton-Verteidigungs-Stil” halten, sonst verschwinden wir in den nächsten 5 Jahren in der WM B-Gruppe.

 

 

Mai 06 2012

Höchster Auftaktsieg seit 2004

Der 5:1-Auftaktsieg gegen Kasachstan ist der höchste Start-Sieg seit 8 Jahren. Damals fertigte man Frankreich in Prag mit 6:0 ab.

Das 5:1 gegen Kasachstan ist zugleich der Zweithöchste Start-Erfolg der Schweizer WM-Neuzeit an A-Weltmeisterschaften (seit 1987). Wie 2012 gegen Kasachstan (2 Tore), steuerte Ivo Rüthemann auch beim 6:0 gegen Frankreich 2 Tore bei. Die aktuellen Nati-Cracks Mark Streit (Matchwinner gegen die Kasachen), Mathias Seger, Goran Bezina und Andres Ambühl waren schon vor 8 Jahren dabei.

Ausgeglichene Bilanz

Mit dem Sieg gegen Aufsteiger Kasachstan kommen die Schweizer auf eine ausgeglichene Bilanz in Start-Spielen, in 20 Partien stehen  9 Siege, 2 Unentschieden, 9 Niederlagen gegenüber. Dabei gelangen den Schweizern zuletzt 7 Siege in Folge.

Die Übersicht der Schweizer WM-Auftakt-Spiele:

2012 Kasachstan 5:1
2011 Frankreich 2:1 OT
2010 Lettland 3:1
2009 Frankreich 1:0
2008 Frankreich 4:1
2007 Lettland 2:1
2006 Italien 3:1
2005 Tschechien 1:3
2004 Frankreich 6:0
2003 Russland 2:5
2002 Tschechien 0:5
2001 Deutschland 1:3
2000 USA 3:3
1999 Lettland 5:3
1998 USA 2:5
1995 Kanada 3:5
1993 Kanada 0:2
1992 Russland 2:2
1991 Sowjetunion 1:3
1987 Sowjetunion 5:13 

 B WM

1997 Niederlande 8:3
1996 Weissrussland 2:4
1994 China 20:1
1990 DDR 2:2
1989 Dänemark 6:3
1986 Italien 4:1
1985 Ungarn 9:1

 

Apr 25 2012

Rumänien, Jönköping und das Wunder von Mannheim!

 

Foto DPA/Welt Online

Rumänien
Wenn Rumänien gegen Litauen an der “B WM” vier Minuten vor Schluss noch 3:5 zurück liegt und die Partie innert zwei Minuten in einen 6:5 Sieg verwandelt, nehmen dies gerade mal 140 Nasen in der Halle von Krynica zur Kenntnis. Der Spielausgang hat im Nachhinein für beide Teams keine Auswirkung über den Klassenerhalt.

Jönköping
Im Oktober 2011 führt AIK Stockholm nach zwei Dritteln gegen Jönköping souverän mit 6:2, in der 42. Minute fällt durch Oscar Ahlström sogar noch das das 7:2. Es geht nur noch darum wie hoch der Sieg bis zur 60. Minute ausfallen würde. Doch alles kommt anders. In der 48. Minute erzielt Jönköping innerhalb von sieben Sekunden zwei Treffer – und für AIK kommts noch schlimmer. Innerhalb von 133 Sekunden gelingt Jönköping zwischen der 51. und 53. Minute der 7:7-Ausgleich! Logischerweise gelingt den Gästen aus Jönköping im Shootout durch Jukka Voutilainen der Siegestreffer zum 7:8 Endstand.

DEL-Finale
Wer glaubt, solche “Eishockey Wunder” gibts nur in bedeutungslosen Qualispielen, wird im DEL Finale 2012 eines besseren belehrt! In der Best-of-five Serie führen die Adler Mannheim mit 2:1 in der Serie und können im vierten Spiel Zuhause in der proppenvollen SAP-Arena alles klarmachen. In der ersten Minute erzielt Christoph Ullmann auch schon den Führungstreffer – die Halle steht bereits Kopf – und die Eisbären stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach einem offenen Schlagabtausch führen die Adler 14 Minuten vor Schluss mit 5:2, Berlin scheint am Boden. Mannheim greift bereits nach dem Pokal und keiner der 13’600 Fans – selbst der optimistischste “Dynamo” Anhänger im Stadion würde jetzt noch eine Reichsmark (die alte DDR-Währung) auf die Eisbären wetten.

Nur zehn Sekunden nach dem 5:2 fällt der 3:5 Anschluss der Berliner durch Jimmy Sharrow. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Mannheimer total neben den Schlittschuhen und kommen kaum noch über die rote Linie. Innert sechs Minuten läuft der Berliner “Dynamo” bis zum 5:5 Ausgleich auf Hochtouren. Wie kann man einen Dreitore Vorsprung in einem Endspiel verspielen? Adler-Trainer Harold Kreis – hat immerhin in der Schweiz schon zwei Titel geholt – kann Mannheims Untergang in den letzten 14 Minuten nicht stoppen und geht mit seiner Mannschaft ehrenhaft unter wie einst Kapitän Smith mit der Titanic.

Die Eisbären gewinnen in der Verlängerung (64. T.J. Mulock) und holen als Zugabe im fünften Finalspiel Zuhause den sechsten DEL-Titel seit dem Fall der Berliner Mauer. Um es in “Schwyzerdütsch” auszudrücken, die Eisbären Berlin sind die ZSC Lions Deutschlands und die armen Adler müssen sich als den “SCB Deutschlands” trösten lassen.

Apr 19 2012

Die Bern Arena liegt in Schweden!

Die Schweden von Örebro sind bernischer als die Berner in der Schweiz. Der Name Bern Arena war in Bern nur von kurzer Dauer, denn seit der Sadionsanierung 2008 spielen die Stadtberner im grössten Postomaten der Schweiz. Die Namen Bern Arena und der Kultname Allmend-Stadion sind für den durchschnitts-SCB-Stehrampen-Fan ein Fremdwort wie “DDR” oder “UdSSR” – dennoch spielten gestern Damien Brunner  und Co. in der Bern Arena, oder eben der Behrn Arena (4’400 Plätze) – “Be-h-rn” klingt irgendwie wie “Bä-h-ren” und ist durchaus mit dem SC Bern in den vergleich zu ziehen. Bei der Behrn Arena handelt es sich um die Spielstätte vom schwedischen Zweitdivisionär der Allsvenskan Örebro HK. Hier lässt sich eine weitere Parallele ziehen: Auch Örebro hat im Endspurt um den Titel versagt, als Qualisieger verpatzten es die Südschweden den Aufstieg zu bewerkstelligen. Der Unterschied zwischen Behrnern und Berner liegt also nur im Namen des Stadions, Örebro spielt in der Behrn Arena und Bern spielt im gelben Postomaten. Und noch was – Örebro gilt übrigens als das Hägendorf der schwedischen Briefpost “Posten.”

 

 

Foto: Michael Erhardsson

Apr 12 2012

Dänen sind “dänen” die Nummer 8 der Welt!

Jannik Hansen (Vancouver Canucks) - hinter Frans Nielsen der zweitbeste Dänen-Skorer!

Die Top Six Nationen im Eishockey (Kanada, Russland, Schweden, Finnland, Tschechien, USA) sind auch weiterhin unangefochten die Top Six. Dies bestätigt die NHL-Statistik (Anzahl Spiele und Punkte der NHL-Spieler) der Regular Season 2011/12.

Doch bereits um Rang sieben wirds spannend! Die Slowakei verliert kontinuierlich an Boden. Mit Hossa, Chara Gaborik, Visnovsky, Kopecky und Handzus sind viele Spieler weit über dreissig jährig. Junge Slowaken, welche künftig den Sprung in die NHL schaffen könnten, sind derzeit keine auszumachen. Die vernachlässigte Nachwuchsarbeit, nach dem gewinn der WM Goldmedaille von 2002, macht sich langsam aber sicher bemerkbar.

Die aufstrebende Eishockeynation heisst Dänemark! Nach Punkten (Anzahl Spiele, Tore und Assists) sind die achtplatzierten Dänen in der NHL noch vor der Schweiz klassiert! Dabei konnte der verletzte Peter Regin nur zehn Spiele bestreiten. Dänemark ist die aufstrebende Hockeynation der Gegenwart. Und die Schweiz tut gut daran ihre Nachwuchsarbeit nicht zu vernachlässigen, denn sonst besteht die Gefahr, dass uns die Dänen den Rang ablaufen!

NHL-Statistik 2011/12: 
1. Kanada
2. USA
3. Schweden
4. Tschechien
5. Russland
6. Finnland
7. Slowakei         991 Punkte         Spieler: Hossa, Gaborik, Chara, Kopecky, Visnovsky, Meszaros, Handzus, ……………………………………………………Sekera, Jurcina, Kytnar
8. Dänemark       543 Punkte         Spieler: Nielsen, Hansen, Eller, Boedker, Larsen, Regin
9. Schweiz          518 Punkte         Spieler: Streit, Sbisa, Weber, Josi, Diaz, Bärtschi, Niederreiter
10. Deutschland   404   ”                Spieler: Erhoff, Goc, Seidenberg, Sulzer, Hecht, Sturm
11. Weissrussland 332   ”                Spieler: Grabovski, S. Kostitsyn, A. Kostitsyn
12. Österreich       317   ”                Spieler: Vanek, Grabner, Nödl
13. Ukraine           228   ”                Spieler: Ponikarovsky, Fedotenko, Babchuck
14. Slowenien       186    ”                Spieler: Kopitar, Mursak
15. Litauen           126   ”                 Spieler:  Zubrus
16. Kasachstan     104   ”                 Spieler: Antropov
17. Lettland             91   ”                 Spieler: Daugavins, Kulda, Ivanans
18. Frankreich       27   ”                  Spieler: Da Costa
19. Norwegen       13    ”                 Spieler: Zuccarello Aasen
20. Bahamas        10    ”                 Spieler: Deveaux
21. Nigeria             5    ”                  Spieler: Aliu

Apr 06 2012

Das “Miraklet” von Ängelholm

“Miraklet” kommentiert Schwedens Tageszeitung Aftonbladet Rögles vierter Aufstieg in die höchste Spielklasse. Nach 1966, 1992 und 2008 steigt Rögle BK in die höchste schwedische Liga auf. Dabei liegt Rögle vor der letzten Qualirunde noch mit drei Punten Rückstand auf das viertplatzierte Västeras aussichtslos auf einen Aufstiegsrundenplatz zurück. Das erste Wunder vollbringen die Ängelholmer (mit dem ex-Bieler und ex-Lausanner Eric Himelfarb) bereits im letzten Qualispiel. Und das zweite Wunder folgt sogleich, in eindrücklicher Manier marschiert Rögle von Sieg zu Sieg durch die Kvalserien und steht bereits vor der letzten Runde gegen Djurgarden Stockholm als Aufsteiger fest. Der Aufstieg der Südschweden fordert ein prominentes Opfer: Rekordmeister Djurgardens IF Stockholm steht nach 36 Jahren Elitserien als Absteiger fest. In den 90er Jahren war Djurgarden (Tiergarten) sogar Europas Top-Adresse und sicherte sich in drei Jahren zweimal Europa Cup- Gold und einmal Silber.

Feb 28 2012

“Nino is my Buddy”

„I think Track six, but i’m not sure, i let you know about this“ sagt der Zugbegleiter als ich ihn über die Gleisnummer beim umsteigen in Jamaica frage. Jamaica? Gemeint ist nicht der Karibikstaat, sondern ein Vorort von New York. Rolf Pfeiffer und ich haben keine guten Erinnerungen an Jamaica, gingen wir doch vor einem Jahr beinahe „lost in Jamaica“. Viele Immigranten aus dem Karibikstaat wohnen dort, erklärt uns Taxifahrer Serge Mars zwei Tage vorher. Die letzte und fünfte Station des fünftägigen NHL Road Trips ist Uniondale.

 

Flyers, Sabres, Devils, Ducks, Islanders, Hurricanes, Rangers, Blue Jackets und Senators heissen die klingenden Namen. Wells Fargo Center, Prudential Center, Nassau Veterans Memorial Coliseum und nicht zu vergessen „The Worlds Most Famous Arena“ der Madison Square Garden heissen die NHL-Schauplätze. Nirgends sonst auf der Welt sind innerhalb von zwei Stunden vier NHL-Teams stationiert und nirgends sonst auf der Welt kann man innert fünf Tagen fünf NHL-Spiele in solch kurzer Distanz bewältigen. New York gilt nicht nur als „Hauptstadt“ der Welt, sondern auch als NHL-Headquarter, an der 1185 Avenue oft he Americas oder besser bekannt als 6th Avenue logiert die NHL seit Jahren. Die NHL Hauptzentrale ist in New York so unsichtbar wie die geheimen Waffenlabore des britischen Geheimdienstes in den James Bond Filmen. Von aussen findet man nicht einmal ein Türschild oder ein Logo. Erst an der Rezeption erntet man beim Fragen nach der „NHL“ einen verblüfften Blick und wird gebeten die Lobby wieder zu verlassen. Dabei ist man im offiziellen NHL Reebok Store nebenan schon näher als man denkt, doch kaum ein Kunde würde im Traum erahnen, dass sich das NHL-Hauptquartier im gleichen Gebäude nur wenige Stockwerke höher befindet.

 

Streets of Philadelphia

Unser NHL Road Trip beginnt aber nicht in New York, sondern in Philadelphia – per Amtrak (Zug) kommt man innert anderthalb Stunden vom Herzen Manhattans in die „Streets of Philadelphia“, sogar Bruce Springsteen hat eine „Retired Number“ an der Stadiondecke – nach einer 15minütigen Taxifahrt erreicht man das Wells Fargo Center der Philadelphia Flyers. Wir sehen wie die Flyers einen 0:2 Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 7:2 Sieg verwandeln. Dabei erleben wir das erste NHL-Tor von Erik Gustafsson und den Ausfall von Daniel Brière. Und ja, das Blut wie zu Zeiten der „Broad Street Bullies“ fliesst jetzt nach dem Spiel, wenn betrunkene Schweizer-Fans durch die Sitzreihen die Stadiontreppe herunterstürzen.

Flyers – Sabres 7:2 (0:2, 4:0, 3:0)  
3 Stars: Giroux (PHI, 5 Assists), Talbot (PHI), Simmonds (PHI)
Tore: PHI – Talbot 2, Simmonds 2, Gustafsson, Voracek, Hartnell. BUF – Pominville, Vanek

 

Meet and Greet mit Hiller und Sbisa

Am zweiten Tag steht Newark auf dem Programm. Beim „Will Call“ Schalter hinterlässt uns Jonas Hiller sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel kurz mit Luca Sbisa und Jonas Hiller unterhalten können. Die Ducks um Hiller und Sbisa verlieren erst im Penaltyschiessen. Die nächsten Schweizer sehen wir 24 Stunden später auf Long Island. Zu sechst buchen wir ein Taxi und erleben auf der Hinfahrt eine anderthalbstündige Sightseeing Tour – mit dem besten Taxifahrer Long Islands, wie Serge Mars selber von sich behauptet – durch Queens, Jamaica und Uniondale. Der Weg ins Nassau Veterans Memorial Coliseum führt immer durchs Marriott’s Hotel. Vor und nach dem Spiel ist die „Champions-Bar“ besser besetzt als das Nassau Coliseum während des Spiels. Erstmals sehen wir zwei Schweizer im selben Team, Mark Streit und Nino Niederreiter sind die letzten welche nach dem Warm-Up das Eisfeld verlassen. John Tavares ist der Mann des Spiels, Streit bucht zwei Assists und Niederreiter holt in seiner dezimierten Eiszeit das Optimum heraus, die Islanders gewinnen gegen die Carolina Hurricanes verdient mit 4:3.

Devils – Ducks 3:2 SO (0:0, 2:1, 0:1, 0:0, 1:0)
3 Stars: Brodeur (NJD), Brookbank (ANA), Perry (ANA)
Tore: NJD – Henrique, Ponikarovsky, Elias (SO). ANA – Perry, Brookbank

Islanders – Hurricanes 4:3 (1:1, 2:2, 1:0)
3 Stars: Tavares (NYI), Parenteau (NYI), B. Sutter (CAR)
Tore: NYI – Okposo (Grabner, Streit), Tavares, Nielsen, Tavares (Moulson, Streit). CAR – B. Sutter, Tlusty, Spacek

 

 

The World’s Most Famous Arena

Zurück nach Manhattan und zum Madison Square Garden. Die New York Rangers sind, gemessen an ihrer Zeitachse, das traditionsreichste- aber auch die erfolgloseste Mannschaft New Yorks. Seit der Gründung 1926 holen die Rangers gerade mal vier Titel, die Islanders, holen mit 46 Spielzeiten weniger gleich viele Titel. Noch besser sind die New Jersey Devils, denn sie müssen in 76 Jahren nur noch einen Titel holen um das Palmarés der Rangers zu egalisieren. Trotzdem gelten die Rangers als „Kultteam der Original Six“ und der Madison Square Garden ist Weltberühmt. Ruhm und Kult sind grösser als New Yorks Erfolge, umso wichtiger, dass die Rangers aktuell die Rangliste der Eastern Conference anführen. Gegen den Conference Letzten aus dem Westen, die Columbus Blue Jackets um Captain Rick Nash, reichts erst zum Overtime–Sieg. Schlüsselszene ist ein nicht gegebener regulärer Rangers-Treffer im Mitteldrittel. Das Head-Duo Stephane Auger/Don van Massenhoven (pfeifen schon am Vortag in Uniondale) greift zum Telefonhörer nach Toronto – sämtliche Torentscheide werden in Toronto gemanagt, wie uns Luca Sbisa in Newark erzählt hat – wo sich dieses mal die Verantwortlichen in der Zentrale im 11 Stock an der Bay Street wohl gerade ein Nickerchen gönnen? Denn das Video auf dem Screen zeigt die Puck-Überquerung der Torlinie bei 00:01 Sekunden und führt zu einem kurzzeitigen „raunen“ im Square Garden.

Rangers – Blue Jackets 3:2 OT (1:0, 1:1, 0:1, 1:0)
3 Stars: Callahan (NYR), Anisimov (NYR), Stepan (NYR)
Tore: NYR – Richards, Anisimov, Stepan. CBJ – Brassard, Nash

 

Howie und die Rookies

Zurück zu meinem Long Island Rail Road Trip nach Uniondale, nach anderthalb Stunden und einer kurzen Taxifahrt erreiche ich das Marriott’s Hotel in Long Island. Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Coliseum, hier logieren nicht nur sämtliche Gästeteams und Gegner der Islanders, sondern auch sämtliche Fans oder die Islanders-Rookies finden den Weg via Marriott’s ins Coliseum. Und wer das Marriott’s mit dem Taxi verlässt, kommt kaum an Howie Kats herum. Howie Kats ist selbständiger Taxifahrer, gehört aber seit Jahren zum Hotelinventar. Kats ist eine Art fahrendes Islanders-Lexikon oder der Hockey-Journalist unter den Taxifahrern. „Nino is my Buddy“ sagt Kats nachdem ich ihn über meine Herkunft orientiere. Howie begleitet jeden Rookie bei dessen Ankunft und kennt die neuen Spieler zu Beginn besser als Isles-Headcoach Jack Capuano. Ich selber fahre nach dem letzten Spiel, welches für die Islanders die bitterste Niederlage (0:6) der aktuellen Saison absetzt, zum dritten Mal mit Howie’s Taxi und die Fahrt zum JFK Airport ist kurzweilig. Wir unterhalten uns über David Ullström, Rick Di Pietro, Evgeny Nabokov, Mark Streit, Nino Niederreiter und über die guten, alten Stanleycup-Zeiten der Isles. Als Schweizer (Mark und Nino sei Dank) kann ich sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Unsere NHL-Söldner leisten also nicht nur Pionierarbeit für Sven Bärtschi und Co., sondern auch für Meier und Müller, welche zumindest auf Long Island bei Howie Kats nicht mehr mit Andersson und Johansson verwechselt werden. Und übrigens, Howie Kats ist jüdischer Abstammung und hat sowenig mit Katzen zu tun wie Schweizer mit Schweden.

Islanders – Senators 0:6 (0:3, 0:1, 0:2)
3 Stars: Karlsson (OTT), Spezza (OTT), Anderson (OTT)
Tore: OTW – Karlsson 2, Spezza 2, Phillips, Lee

 

 

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