Jan 27 2016

Der Zika-Virus der Schweizer Hockey-Medien

Bern-1967-2016

Der SC Bern hat die Niederlagen-Serie von 1966/1967 gebrochen. (Foto: passionhockey.com, Hervé Chavaillaz)

Am Sonntag, 24. Januar 2016 verliert der SC Bern beim EHC Biel (3:4 nV) zum sechsten Mal in Serie. Seit dem Wiederaufstieg (am grünen Tisch) 1986, hat der SCB noch nie sechsmal in Serie verloren. So lautet der Satz, wie er von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) korrekt vermeldet wurde.

Doppelte Unwahrheit

Andere Medien, wie beispielsweise der Blick ändern den korrekten Satz willkürlich in eine Unwahrheit: «Bern verliert beim Schlusslicht Biel zum sechsten Mal in Folge. Das gabs seit 30 Jahren nicht mehr.» Dieser Satz, des Journalisten dessen Namen mir soeben entfallen ist, beinhaltet gleich zwei Unwahrheiten: Erstens spielte der SCB vor 30 Jahren als Qualifikationssieger in der NLB und zweitens gabs dies seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

Die willkürlichen 30 Jahre verbreiten sich durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie der Zika-Virus

 

Da in der Schweiz die Statistik erst seit 1985/1986 geführt wird, ist es zu aufwändig die Zeit vor den Playoffs zu eruieren. Weder ein Medium, noch der Verband nehmen den Aufwand auf sich, die Daten bis zur Gründung der Nationalliga 1937/1938 in den tiefen der Annalen zu ergründen. Man kann dies auch als mangelndes Interesse eines privilegierten Jobs bezeichnen.

Daher schleichen sich die ominösen und verfälschten 30 Jahre durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie der Zika-Virus. Der Virus verbreitet sich bis zu einem Interview mit SCB-CEO Marc Lüthi, welchen die 30 Jahre ebenso wenig interessieren wie die andern 95% der Schweizer Hockey-Gefolgschaft. Selbstverständlich hat der SCB andere Probleme als sich um die Geschichte der eigenen Negativserie zu kümmern.

Grösste Niederlagen-Serie seit der Gründung

Eine investigative Recherche, für die Buchhalter unter den Hockey-Besessenen, ergründet auch in der Berner NLA-Abstiegssaison 1981/1982 nur vier Niederlagen in Serie. Bis zur letzten Berner Niederlagen-Serie von sechs Spielen muss der Hockey-Chronist bis in die Saison 1966/1967 zurückblicken. Zwischen dem 23. Dezember 1966 und dem 21. Januar 1967 mussten die Mutzen letztmals sechsmal* in Folge als Verlierer vom Eis. «Das gabs seit 49 Jahren nicht mehr.» Mit der 4:5-Niederlage in Lausanne wurde der Minusrekord von anno dazumal sogar noch gebrochen und die Mutzen stecken in der grössten Negativ-Spirale innerhalb einer Saison seit der Gründung am 3. November 1930.

Die SCB-Niederlagen-Serie 2015/2016

9. Januar 2016, Genève-Servette 3:4 (h)
15. Januar 2016, SCL Tigers 1:2 (a)
16. Januar 2016, Davos 1:2 nP (h)
19. Januar 2016, Genève-Servette 1:4 (a)
23. Januar 2016, Lugano 2:3 nP (h)
24. Januar 2016, Biel 3:4 nV (a)
26. Januar 2016, Lausanne 4:5 nP (a)

* Resultate und Gegner sind eishockeyblog.ch bekannt. eishockeyblog.ch kennt Eishockey. 0 Länderspiele. 77 AL-Partien und 66 Strafminuten. Ein Dank geht an «SCB-Jüre» Wymann für die sorgfältige Nachprüfung.

Jan 12 2016

Der HC Davos greift nach Edelmetall

2006-01-06-Frolunda-Davos

Martin Plüss (#28) musste vor zehn Jahren mit den Frölunda Indians gegen die Davoser Marc Gianola und Reto von Arx unten durch. (Foto: passionhockey.com)

Neben dem Schweizer-Vertreter HC Davos, spielen der finnische Landesmeister Kärpät Oulu (Fi), Frölunda Indians HC Göteborg (Sd) und Lukko Rauma (Fi) um den Finaleinzug der Champions-Hockey-League. Noch keiner der vier Halbfinalisten konnte seit Einführung des Europacups 1965/1966 einen europäischen Titel gewinnen.

Die beiden letzten offiziellen europäischen Titel gewannen mit Lulea HF (2015) und den ZSC Lions (2008) Vertreter aus Schweden und der Schweiz. Nun stehen sich die Kontrahenten der beiden letzten Sieger-Nationen bereits im Halbfinal gegenüber.

Schlechte Erinnerungen an den HCD

Zum zweiten Mal in der Klubgeschichte trifft Davos in einem Europacup-Spiel auf die Frölunda Indians. Beim letzten Aufeinandertreffen am 6. Januar 2006 deklassierten die Bündner die Westschweden (Västra Svenska) beim European-Champions-Cup (ECC) gleich mit 6:2.

Die beiden Mannschaften haben mit den Teams vor zehn Jahren nicht mehr viel zu tun. Nur noch Davos-Trainer Arno del Curto, Andres Ambühl und die Frölunda-Stürmer Joel Lundqvist (Zwillingsbruder von Rangers-König Henrik) und Robin Figren sind noch dabei. Ebenfalls mit von der Partie beim schwedischen Meister war damals Berns Martin Plüss (er sass beim ersten Davoser Treffer auf der Strafbank).

Frölunda liegt an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL)

Während der HCD auf eine ganze Sturmreihe (Gregory Sciaroni, Dario Simion und Marcus Paulsson) verzichten muss, kann die Mannschaft von Roger Rönnberg in Bestbesetzung antreten, nur Verteidiger Lukas Bengtsson fehlt verletzungsbedingt. Die Schweden liegen nach dem 6:0-Sieg am 9. Januar gegen Färjestads BK Karlstad an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL) und scheinen für den CHL-Halbfinal gerüstet.

Für Davos ist es nach 1985, 1986, 2006 und 2008 die fünfte Teilnahme an einem europäischen Klub-Wettbewerb, 2006 gab es European-Champions-Cup-Bronze. Frölunda kämpft zum vierten mal um europäisches Edelmetall, für die Schweden gab es 1997 EHL-Bronze und im Vorjahr mussten sich die Indianer erst im Final gegen ihre Landsmänner aus Lulea geschlagen geben.

Die Davoser Europacup-Bilanz gegen schwedische Teams

5. Februar 1986 in Davos, Södertälje SK 5:9 (3:2, 0:5, 2:2)
6. Februar 1986 in Zürich, Södertälje SK 5:9 (2:1, 2:5, 1:3)
6. Januar 2006 in St. Petersburg, Frölunda Indians HC Göteborg 6:2 (2:0, 2:1, 2:1)
20. August 2015 in Karlstad, Färjestads BK Karlstad 4:0 (0:0, 3:0, 1:0)
28. August 2015 in Davos, Färjestads BK Karlstad 0:1 nV (0:0, 0:0, 0:0, 0:1)
1. Dezember 2015 in Davos, Skelleftea AIK 1:1 (1:0, 0:1, 0:0)
8. Dezember 2015 in Skelleftea, Skelleftea AIK 4:1 (2:0, 0:1, 2:0)

Der Spielbericht vom 6. Januar 2006

Frölunda Indians HC Göteborg – HC Davos 2:6 (0:2, 1:2, 1:2)
Eispalast, St. Petersburg. – 2’500 Zuschauer. – SR Karabanov (Ru); Elistratov, Kalinin (Ru). – Tore: 13. Wilson (Ackeström, Marha/Ausschluss Plüss) 0:1. 17. Wilson (Guggisberg) 0:2. 22. Marha (Guggisberg, Hauer/Ausschluss Sundin) 0:3. 24. Oduya (Witehall/Ausschluss Christen) 1:3. 28. Hauer (Wilson/Ausschluss Niemi) 1:4. 43. Jan von Arx (Reto von Arx, Riesen/Ausschluss Tukio) 1:5. 48. Reto von Arx (Hauer, Riesen/Ausschlüsse Niemi, Lundqvist) 1:6. 53. Kallio (Koivisto, Sundin/Ausschluss Hahl) 2:6. – Strafen: Je 9mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Frölunda ohne Kahnberg, Tolsa, Esbjörs (alle verletzt), Axelsson und Sebastian Karlsson (U20 WM). Davos ohne Heberlein und Winkler (beide verletzt).
Frölunda: Salo; Sundin, Koivisto; Alavaara, Niemi; Oduya, Tukio; Porseland, Demén-Willaume; Andersson,  Johnson, Kallio; Madsen, Plüss, Högardh; Lundqvist, Patrik Karlsson, Witehall; Figren, Zackrisson.
Davos: Hiller; Jan von Arx, Gianola; Blatter, Hauer; Kress, Ackeström; Häller, Arne Ramholt; Hahl, Reto von Arx, Riesen; Wilson, Marha, Guggisberg; Willis, Rizzi, Christen; Bruderer, Sutter, Ambühl.

 

Jan 06 2016

Der andere Riesen «the other Riesen»

CBR Brave-Spieler Alain Riesen besucht seinen Eishockey-Ursprung in Bern. (Foto: Michael Krein)

CBR Brave-Spieler Alain Riesen besucht seinen Eishockey-Ursprungsort, die Berner PostFinance Arena. (Foto: M. Krein)

Eishockeytechnisch hat die Schweiz und Australien nicht viele Gemeinsamkeiten. An der C-Weltmeisterschaft 1974 trafen die beiden Nationalteams im Palais-des-Sports in Grenoble erstmals aufeinander. Der 20:0-Sieg der Eisgenossen ist bis heute der höchste Sieg der Geschichte des Schweizer Nationalteams, der ehemalige Nationaltorhüter Robert «Robelon» Meuwly sagt noch heute «i ha ke Pögg berüehrt». Auf die Frage wie hoch wohl seine Mannschaft (Canberra Brave) gegen die beiden heutigen Gegner SC Bern und Kloten Flyers verlieren würde, antwortet Alain Riesen mit demselben Resultat: «twenty-zero.»

Ursprung in der Berner Allmend

Alain Riesen? Sein Name lässt nichts über seine wahre Herkunft vermuten: Australien. Riesens Eltern sind 1987 durch ein Jobangebot in Australiens Hauptstadt Canberra aus Bern nach Down Under ausgewandert. Drei Jahre später, am 5. September 1990 hat Alain Riesen in Canberra das Licht der Welt erblickt. Im Alter von zwölf Jahren reist Riesen mit seinen Eltern in die Schweiz und besucht sein erstes Eishockeyspiel im Berner Allmend-Stadion. «Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen», nennt Riesen, der auch ein gebrochenes Berndeutsch spricht, als Grund für seine exotische sportliche Affinität im Land des Rugbys.

Der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga

Als 18-Jähriger debütiert der Doppelbürger 2009 in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Canberra Knights, dem traditionsreichsten von acht AIHL-Teams. Seine Schweizer Wurzeln führen den Stürmer in der Saison 2012/2013 zum EHC St. Moritz. Er habe ein paar Schweizer Klubs, darunter auch den EHC Wiki-Münsingen wo einst sein Grossvater gespielt hat, kontaktiert, sagt Riesen. Die Bündner boten dem College-Absolventen neben dem Hockey-Abenteuer auch eine Saisonstelle in einem Sportgeschäft, also spielte der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga.

Saisonstart im April

Im Dezember 2015 kehrt der 25-Jährige für einen Monat in die Schweiz zurück um seiner Freundin Chloe neben Paris und London auch sein Mutterland zeigen zu können. Neben den obligaten Sehenswürdigkeiten wie Luzern, Zermatt oder Genf gehören auch drei Eishockeyspiele dazu. Riesen, der bei seinem Onkel in Gasel weilt, besucht zwei Spiele in Bern, seinem Lieblingsclub und ein Spiel in Davos. Beeindruckt von der imposanten Kulisse in Bern startet der «Australier» im April 2016, die AIHL läuft von April bis August, in seine achte AIHL-Saison mit den CBR (Canberra) Brave, dort spielt der Rechtsschütze seine Heimspiele vor 800 Zuschauern. Die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftsport der Welt ist aber auch beim «anderen» Riesen mindestens so gross wie die Kulisse der PostFinance Arena.

Alain Riesen beim Abschluss gegen die Sydney Ice Dogs. (Foto: CBR Brave/Facebook)

Alain Riesen (#32) am 6. Juni 2015, bei Canberras 4:1-Sieg gegen die Sydney Ice Dogs. (Foto: Paul Furness)

Jan 02 2016

Ist der Bann der «Besiegbaren» gebrochen?

Ist Luganos Bann der «besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Ist Luganos Bann der «Besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Wetten dass, der HC Lugano im Frühling 2016 erstmals seit zehn Jahren eine Playoff-Serie gewinnt? Nach der Teilnahme am Spengler Cup 1991 hat Lugano schon einmal einen Bann gebrochen. Nach dem zweiten Spengler Cup Auftritt können die Tessiner in den Playoffs den Bann ihrer neunjährigen Negativ-Serie endlich beenden.

Seit ihrem letzten Meistertitel 2006 haben die stolzen Bianconeri keine einzige Playoff-Serie mehr gewonnen und im Frühling 2016 droht sogar das zehnjährige Jubiläum. Nach Luganos erster Spengler Cup Teilnahme im Dezember 1991 haben die Tessiner unbewusst den Grundstein der «Unbesiegbaren» zu den «Besiegbaren» gelegt.

Bis 1991 kennt Lugano nur den Playoff-Final

Bis im Frühling 1991 haben die Luganesi keine einzige Playoff Viertelfinal- oder Halbfinal Serie verloren. Seit Einführung der Playoffs, 1985/86 spielten die Tessiner bis 1991 immer im Final, dabei ging die Mannschaft von «Trainer-Magier» John Slettvoll viermal als Schweizermeister (1986, 1987, 1988, 1990) hervor, zweimal reichte es «nur» zum Vizemeistertitel (1989, 1991).

Bis zu Luganos erster Spengler Cup Teilnahme kennt man am Lago-di-Lugano meisterschaftstechnisch nur den Playoff-Final. So auch bei der ersten Spengler Cup Teilnahme 1991, als der HC Lugano-Selection erst im Endspiel an ZSKA Moskau (2:5) scheitert. Lugano erreicht an besagtem Turnier als erste Schweizer Klub-Mannschaft das Endspiel der Neuzeit am berühmtesten Grümpelturnier der Welt.

Durch den Spengler Cup vom Bann der Unbesiegbaren zum Bann der Besiegbaren…

Zwei Monate später starten die Bianconeri als Tabellenzweiter und Meisterschaftsfavorit wie üblich in die Playoff-Viertelfinals, der krasse Aussenseiter heisst dieses mal Zürcher Schlittschuhclub (ZSC). Für die Zürcher ist es erst die zweite Playoff-Teilnahme der Klubgeschichte und Luganos weiterkommen daher eine reine Formsache.

Das Wunder von Zürich

Die Zürcher, welche während der Meisterschaft ihren Trainer Dr. Pavel Wohl durch Arno del Curto (von Herisau gekommen) ersetzen, erweisen sich als unerwartete Knacknuss für die erfolgsverwöhnten Südtessiner. Bereits das erste Heimspiel verlieren die Bianconeri überraschend mit 5:7. Trotz einem 10:0-Sieg im dritten Spiel scheiden die Luganesi in der Best-of-Five Serie gegen den Tabellensiebten sensationell mit 1:3 aus. Die Medien berichten über das «Wunder von Zürich», denn erstmals in der Schweizer Playoff-Geschichte verliert ein Viertelfinal-Favorit gegen einen Aussenseiter.

Nach dem erfolgreichen Spengler Cup vor 24 Jahren, wurde der Bann der «Unbesiegbaren» gebrochen und es folgte ein erstmaliges Ausscheiden Luganos in den Viertelfinals. Nach dem erfolgreichen Spengler Cup 2015 wurde der Bann der «Besiegbaren» gebrochen und es folgt Luganos erstmalige Halbfinal-Qualifikation seit zehn Jahren. Die Antwort auf diese Prognose wird uns die Mannschaft von Douglas Arthur Shedden spätestens am 17. März 2016 geben können.

Luganos Playoff-Vergleich

Die «Unbesiegbaren» vor dem Spengler Cup 1991

1985 / 1986 Meister: Sierre 2:0-Serie, Davos 2:0
1986 / 1987 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0
1987 / 1988 Meister: Davos 3:1, Kloten 3:0
1988 / 1989 Vizemeister: Fribourg-Gottéron 2:0, Ambrì-Piotta 3:0, Bern 2:3
1989 / 1990 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0, Bern 3:1
1990 / 1991 Vizemeister: Biel 3:0, Kloten 3:1, Bern 1:3

Die «Besiegbaren» vor dem Spengler Cup 2015

2006 / 2007 Viertelfinal: Kloten 2:4
2007 / 2008 Playout
2008 / 2009 Viertelfinal: Davos 3:4
2009 / 2010 Viertelfinal: Bern 0:4
2010 / 2011 Playout
2011 / 2012 Viertelfinal: Fribourg-Gottéron 2:4
2012 / 2013 Viertelfinal: Zug 3:4
2013 / 2014 Viertelfinal: Genève-Servette 1:4
2014 / 2015 Viertelfinal: Genève-Servette 2:4

Dez 10 2015

Neuer europäischer Titelträger 2016

Die CHL-Trophy ist der dritte europäische Pokal. (Foto: imago)

Die CHL-Trophy findet im Februar 2016 erstmals einen neuen Sieger. (Foto: imago)

Die beiden Landesmeister Kärpät Oulu (Fi) und der HC Davos (Sz), sowie Frölunda HC Göteborg (Sd) und Lukko Rauma (Fi) haben sich für die Champions-Hockey-League halbfinals qualifiziert. Damit steht fest, dass 2016 ein neuer Champion in die Annalen eingehen wird. Noch keiner der vier Halbfinalisten konnte seit Einführung des Europacups 1965/66 einen europäischen Titel gewinnen. Mit Lulea HF und TPS Turku sind die letzten ehemaligen Titelträger im Halbfinal ausgeschieden.

In der 43. Austragung in fünf verschiedenen Wettbewerben (Europacup, European-Hockey-League, European-Champions-Cup, Champions-Hockey-League I und II), wird am 9. Februar 2016 Kärpät Oulu, der HC Davos, Frölunda Göteborg oder Lukka Rauma als 17. europäische Klub in die Geschichte Europas Titelträger eingehen. Rekordsieger ist immer noch ZSKA Moskau mit 20 Europacup-Titeln.

Am 9. Februar 2016 wird der 17. europäische Klub in die Europacup-Annalen eingehen

Aus den drei verbleibenden Nationen Finnland, Schweden und der Schweiz, konnten bisher fünf Mannschaften den Titel der besten Klubmannschaft Europas gewinnen. Jokerit Helsinki (1995, 1996), TPS Turku (1994, 1997), Djurgardens IF Stockholm (1991, 1992) holten je zwei Titel, die ZSC Lions (2008) und Lulea HF (2015) je einen. Nicht berücksichtigt ist der European-Super-Cup, welcher während vier Jahren zwischen dem Europacup, respektive dem Continentalcup-Sieger ausgespielt wurde. So könnte man noch den HC Ambrì-Piotta (2000) dazu zählen.

Sechster und fünfter Anlauf für Kärpät und Davos

Kärpät greift nach 1982, 2005, 2006, 2008, 2009 und 2015 zum sechsten Mal nach der europäischen Krone. 2005 und 2006 mussten sich die Finnen hinter den KHL-Vertretern Avangard Omsk und Dynamo Moskau mit Silber begnügen. Für Davos ist es nach 1985, 1986, 2006 und 2008 die fünfte Teilnahme an einem europäischen Klub-Wettbewerb, 2006 gab es European-Champions-Cup-Bronze.

Frölunda kämpft erst zum vierten mal um europäisches Edelmetall, für die Südschweden gab es 1997 EHL-Bronze, 2006 enttäuschten die Indians mit dem 6. Rang und im Vorjahr musste man erst im Final gegen Lulea die Segel streichen. Keine Rolle auf dem europäischen Parkett hat das finnische Team aus Rauma in seinen zwei bisherigen Teilnahmen 1997 und 2015 gespielt, die Finnen scheiterten jeweils spätestens in den Viertelfinals.

Alle Sieger im Überblick

Nov 23 2015

Seit 18 Jahren warten wir auf sein NHL-Debüt

Hunter Shinkaruk bei seinem NHL-Debüt 2015 und bei seinem Auftritt mit den Calgary Hitmen 1997. (Fotos: Claus Anderson/Getty Images, Dave Chidley/Calgary Sun)

Hunter Shinkaruk bei seinem NHL-Debüt 2015 und bei seinem Auftritt als 2-Jähriger mit den Calgary Hitmen 1997. (Fotos: Claus Anderson/Getty Images, Dave Chidley/Calgary Sun)

Im Kultfilm «Zurück in die Zukunft II» wird der fliegende DeLorean mit Doc Emmet Brown (Christopher Lloyd) in den Schlussminuten von einem Blitz getroffen, einen Augenblick später kommt ein Postbote mit einem Brief von 1885 für Marty McFly (Michael J. Fox): «Wir haben diesen Umschlag nun schon seit 70 Jahren in unserem Besitz!… …Wir hatten schon Wetten abgeschlossen, ob dieser Marty hier sein würde!»

Nicht 70 aber 18 Jahre warte ich auf das verfassen dieses Berichts über den Kanadier Hunter Shinkaruk. 1997 stiess auf ein Foto eines 2-jährigen Knirps, der im WHL-Team (Western-Hockey-League) der Calgary Hitmen bei der Torbeschwörung mittun durfte. Sein Vater war Klub-Zahnarzt und der kleine Hunter war jeweils beim Warm-up mit den Grossen auf dem Eis. Zu seiner Unzufriedenheit musste man den «Kleinen» kurz vor Spielbeginn vom Eis nehmen. «Mein Vater sagte, ich war wütend weil ich nicht mitspielen durfte», sagt Shinkaruk heute.

ich war wütend weil ich nicht mitspielen durfte. (Hunter Shinkaruk)

Wie das Postamt von Hill Valley in «Zurück in die Zukunft II», habe ich das Foto von Calgary-Sun-Fotograf Dave Chidley vor 18 Jahren in mein Archiv gelegt um die Geschichte in ferner Zukunft zu Ende zu bringen. Tatsächlich stösst mir 2010 im Kader der Medicine Hat Tigers der Name «Shinkaruk» ins Auge, es ist der «Kleine» aus der Zeitung. 2013 wird Shinkaruk in der ersten Runde als Nummer 24 von den Vancouver Canucks gedrafted.

Am 16. November 2015 ist es soweit. Bei den Canucks fallen die Stürmer Alexandre Burrows (Geburt seines Sohnes Jacob, vielleicht der nächste Hunter?) und Brandon Sutter (verletzt) aus und Shinkaruk wird für die Partie gegen die Montreal Canadiens vom AHL-Farmteam Utica Comets für die NHL aufgeboten. Nach 18 Jahren darf der «Kleine» endlich bei den ganz Grossen ran, der Center spielt in einer Linie mit Adam Cracknell und Derek Dorsett und kommt dabei auf 13 Einsätze und eine Eiszeit von 9 Minuten und 35 Sekunden. Vielleicht hätte ich wie der Postbote eine Wette abschliessen sollen…

Nov 16 2015

Jari Kurri als Scout in Biel

Jari Kurri (rechts) am 13. November 2015 auf der Medientribüne in Biel. (Foto: Janne Vuorinen)

Jari Kurri (rechts) am 13. November 2015 auf der Medientribüne in der Bieler Tissot-Arena. (Foto: Janne Vuorinen)

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topklub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference».

Salminen im Fokus

Zur Zeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die  Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Jari Kurri in Tramelan unter Beobachtung von Beat Cattaruzza

Jari Kurri (Devils Mailand) 1990 unter Beobachtung von Biels Beat Cattaruzza. (Foto: Krein-Archiv)

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