Spätestens seit der Filmtrilogie «Back-to-the-Future» ist die Menschheit von Zeitreisen fasziniert. Durch die «Sport Almanach-Szene» im zweiten Teil der Trilogie mag man sich 1985 gefragt haben, wie dies bis ins Jahr 2000 im Eishockey aussehen würde? Nicht der Science-Fiction Schriftsteller Jules Verne, sondern der Weltklasse-Trainer Karel Gut wagte sich 1984 im Buch «Eishockey Weltgeschichte» über «Eishockey im Jahr 2000» zu schreiben. Seine Aussage, «Der Eishockeyspieler der Zukunft wird noch besser und gezielter trainiert sein und damit widerstandsfähiger und weniger verletzungsanfällig», verblüfft aus heutiger Sicht, mit Ausnahme der Verletzungsanfälligkeit, stimmen Gut’s Visionen. Gut, noch weiter: «Die Trainer werden mehr die Gebiete Physiologie und Psychologie usw. in den Trainingsplan einbeziehen» und weiter, «es kommt zu noch engerer Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten», als wären wir im Jahr 2025. Karel Gut, 1927 in Prag geboren, zwischen 1945 und 1991 als Spieler und Trainer tätig, nahm an elf Weltmeisterschaften und fünfmal an Olympischen Spielen teil. Weiter beschrieb er: «Auch in Europa wird es über den Eisflächen grosse Monitore geben wo z. B. zwischen den Spieldritteln die wichtigsten Momente aus dem Spiel nochmals gezeigt werden.» Karel Gut futuriert die Hockey-Zukunft 1984 wie ein Jules Verne-Roman und seine Aussagen sind rückblickend verblüffend. Nur fünf Jahre später gabs in Europa den ersten «Würfel» mit vier Monitoren im brandneuen «Globen», heute Avicii-Arena, in Stockholm.
Wie stehts um Ausrüstungen und Material der Eishockeyspieler der Zukunft? Diese Frage beantwortete ein anderer Visionär dieser Zeit, der Kanadier Gilles Daignault, Inhaber in dritter Generation, von Daignault-Rolland oder besser bekannt als «DR». Der Ausrüster aus Montreal expandierte vor allem in den 90er Jahren nach Europa und in die Schweiz, deren Vertretung sich im «Sporthaus», bei Wüthrich + Co. in Langnau im Emmental befand. DR blickte 1995, wie in «Back-to-the-Future II», 30 Jahre in die Zukunft. In Nordamerika wird der «Back-to-the-Future-Day», seit Marty McFlys fiktiver Ankunft, am 21. Oktober 2015 gar jährlich gefeiert. «Back-to-the-Future-Year» des kanadischen Ausrüsters ist das Jahr 2025. DR stellte 1995 eine Ausrüstung der Zukunft, anhand eines DR-Torhütermodells vor, welches den Spielern der Zukunft von Karel Gut bestmöglichen Schutz geben soll. Durch diesen Werbegag mag man sich gefragt haben, wie dies bis ins Jahr 2025 aussehen würde. Um den Werbegag zusätzlich anzukurbeln, wurde der «Goalie der Zukunft» als Poster verkauft und eines sollte die lange Wartezeit bis ins Jahr 2025 behutsam überstehen, nämlich das Poster des Kolumnenschreibers. Damals, so dachte ich mir, würde ich dieses Poster im Jahr 2025 wieder aus der «Archiv-Schublade» nehmen oder wie sagte der Postbote in der Schlussszene zu Marty McFly, als der DeLorean vom Blitz getroffen worden ist? «Wir haben diesen Umschlag jetzt schon 70 Jahre in unserem Besitz.»
Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.
Im Februar rückt Italien zum zweiten Mal in den olympischen Fokus der NHL, nach Turin 2006, sind die NHL-Stars auch in Milano Cortina 2026 wieder mit dabei. Doch wie steht es um Italiens Eishockey? Die Landkarte hat sich seit der «Blütezeit» stark verändert, denn sie ist mit Österreich, Slowenien und Ungarn zusammengewachsen. In der Folge spielen nur noch zwei italienische Klubs Spitzeneishockey: Der HC Bozen Südtirol «Alperia» und der HC «Falkensteiner» Pustertal aus Bruneck. Hätte dies 1990 jemand vorausgesagt, hätte man ihn für verrückt erklärt. «Italia 90» war nicht nur durch die Fussball-WM ein Begriff, es war mit Jari Kurri auch der Start zur letzten Glanzzeit der Azzurri. Die Mailänder Klubs «Devils» und «HC» duellierten sich vor 10‘800 Fans im neuen Forum von Mailland und Italiens Nationalteam, selbstverständlich mit vielen Italokanadiern, genannt «Italos», überflügelte das Schweizer Nationalteam zwischen 1993 und 1997. Zu dieser Zeit konnte nur der HC Bozen den Lombarden Paroli bieten, während der SG Bruneck mit dem Ligaerhalt beschäftigt gewesen war. Heute mischen Bozen und Bruneck (Pustertal), wo einst Jan Alston entdeckt wurde, an der Spitze der «win2day ICE-Hockey-League» in Österreich mit.
Das erste Saisonderby steigt in Bruneck. Via Brennerautobahn, wo im Oktober 1997 der ehemalige SC Bern- und Italien-Trainer Bryan Lefley, tödlich verunglückte, ist Bruneck in gut einer Stunde von Bozen zu erreichen. Im Derby gegen Bozen pilgern im Pustertal 3‘104 Zuschauer in die ausverkaufte Intercable-Arena. Dreh- und Angelpunkt in Bruneck ist Patrick «Patza» Kirchler, als Stadionwirt der «Go-West Bar-Restaurant-Sports», ist er auch Presseverantwortlicher und Animator auf dem Eis. Das «Go-West» ist am Spieltag gegen Bozen schon Stunden vorher proppenvoll, die Stimmung ist bombastisch, Bier und klangvolle Burger (einen Fetisow, Larionow, Tretiak oder Topatigh) zählen sich wie die Jerseys im Untergeschoss. Denn nebenbei besitzt Kirchler die eindrücklichste Sammlung von Eishockey-Jerseys, die 1‘000er Marke hat der Südtiroler, welcher auch Jahr-für-Jahr an den Weltmeisterschaften anzutreffen ist, bereits geknackt.
Geknackt werden an diesem eindrücklichen Abend auch die Favoriten aus Bozen. Der Sieg gegen den langjährigen Rivalen aus der Serie-A, Alpenliga und der Gegenwart, wird anschliessend mit dem Lied «PuschtraZiSein», der Band «Matschedonia», gefeiert wie eine Meisterschaft. Das Südtiroler-Derby zeigt «Italia Hockey» in bestem Licht. Die Hochburgen Bruneck und Bozen verfügen über alles was erfolgreiche Organisationen ausmacht. Und Mailand? Im Stadtteil Santa Giulia steht für Olympia 2026 die neuste Arena des Landes. Einem Gerücht zufolge soll die ehemalige Eishockey-Abteilung des AC Milan (Devils) wieder reaktiviert werden. Wenn nun noch die Leidenschaft der «Puschtra» das olympische Feuer in Mailand entfacht, dann wird die nächste «Blütezeit» eingeläutet.
Genf-Servette liegt im vierten Heimspiel, im zweiten Drittel, gegen Ambri-Piotta mit 2:4 zurück, eine Mannschaft, welche auf dem Papier den Titel holen kann, sich bisher aber mehr schlecht als recht präsentiert denn die 0:11-Schlappe in Lausanne warf Fragen auf. Doch genau diese zwei Gesichter machen Genf in seiner 120-jährigen Geschichte aus. «Wenn ein Ort keine Geschichte hat, interessiert er mich nicht», sagt ein kultiger Berner Mundartsänger. Und Genf, ist «die Mutter» dieser Aussage. Kein anderer Club hat so vieles durchgemacht wie der HC Genf-Servette und kein anderes Eisstadion ist so lange mit dabei wie die Patinoire-les-Vernets.
Ein Ort der interessanter nicht sein könnte. Auf dem ehemaligen Areal der schweizerischen Landesausstellung von 1896 wird die Patinoire, am 28. November 1958 eröffnet und ist zu diesem Zeitpunkt, nach dem Zürcher Hallenstadion, erst die zweite Eishalle der Schweiz. Heute ist sie als älteste Halle immer noch in Betrieb und wirkt, weitaus jünger als es der Bau des Architekturtrios Albert Cingria, François Maurice und Jean Duret erahnen lässt. Der Bereich der Presseplätze, direkt unter den massiven Stahlträgern, wurde im Lauf der Jahrzehnte verbreitert und es scheint, als ob man hier die Geschichte förmlich riechen kann.
Das Gefühl auf den Presseplätzen gleicht einem alten Theaterbalkon, ein Granatroter Teppich ebnet den Weg zum Kommentatoren Platz, welcher die alten Reporterkabinen während der Ära-Chris McSorley, die längste eines Genfer-Trainers, ersetzt hat. Unverändert sind die imposanten Stahlträger, an denen noch der Staub der vergangenen 67 Jahre zu haften scheint. Etwa von 1959, als hier erstmals zwei Profiteams, die Boston Bruins und die New York Rangers, aus der NHL in der Schweiz gastierten. Oder von 1961, von den Weltmeisterschaften, wo für Frankreich ein gewisser Alain Bozon, der Grossvater von Servettes Tim und Vater von Philippe, dessen Nummer 12 heute unter der Hallendecke hängt, auflief.
Oder von 1963, als sich die beiden Clubs, Urania-Sports und Servette zum Genève-Servette HC formierten und zwischen 1966 und 1971 fünf Vizemeister-Titel und zwei Cupsiege feiern konnten. Selbst der 27-jährige Tiefschlaf, welcher bis in die Niederungen der drittklassigen 1. Liga und fast zum finanziellen Kollaps führte, scheint in den verstaubten Stellen der Stahlträger zu hängen. Während dieser Epoche trat das Schweizer Nationalteam im Dezember 1987 gegen den «Superblock» der Sowjetunion, welche drei Monate zuvor den hochkarätigsten Final in der Geschichte des Canada-Cups bestritten hat, an.
Sogar die Rue-Hans-Wilsdorf 4, die offizielle Adresse der Patinoire, ernannt nach dem Rolex-Gründer schreibt seine eigene Geschichte. Die Geschichte des sechsten Spieltages 2025, zwischen Genf-Servette und Ambri-Piotta, wird von einem 2:4-Rückstand in einen 5:4-Sieg umgewandelt und ein Teil davon bleibt irgendwo an den Stahlträgern hängen.
Les Vernets, 1958 (Bibliothèque de Genève)Les Vernets 2025 (Krein)Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.
Stéphane Charlin wurde an den Swiss-Ice-Hockey-Awards, als Torhüter der Saison, mit der Jacques-Plante-Trophy ausgezeichnet. Der Genfer verdiente sich die Auszeichnung mit einer überragenden Saison bei den SCL Tigers. Damit ist Charlin, der zu seinem Stammclub HC Genf-Servette zurückgekehrt, der erste Langnauer welcher die «Trophée-Jacques-Plante», die seit 1987 vergeben wird, gewinnen konnte. Die Auszeichnung für den besten Torhüter, welche zum 38. Mal vergeben wurde, ist die traditionsreichste Auszeichnung des Schweizer Eishockeys, denn keine andere Spieler-Auszeichnung wird in der Schweiz länger vergeben.
Die «Trophée-Jacques-Plante» wurde von Raymonde Plante, der im Wallis lebenden Witwe des legendären NHL-Torhüters Jacques Plante, gestiftet und im August 1986 erstmals in Sierre präsentiert. In Anlehnung an die Georges-Vezina-Trophy (dem Vorbild aus der NHL), wurde die als «Replika» durch die «Silberschmiede» Argeta in Saxon hergestellt und war zu diesem Zeitpunkt eine absolute Neuheit im Schweizer Eishockey. Slapshot berichtete in der Januar Ausgabe von 1987 über die NHL-würdige Trophäe (Foto) mit folgenden Kriterien: Die Torhüter müssen mindestens 29 Spiele absolviert oder 1740 Minuten gespielt haben. Die Trophäe ging damals an den statistisch besten Torhüter der Qualifikation. Der Davoser Richard Bucher wurde als erster Akteur ausgezeichnet. Heute wird die Trophäe jeweils durch Caroline Plante, der Tochter der NHL-Legende, an den besten Torhüter der Liga, nach einer Jury-Wahl, überreicht.
Ihr Vater Jacques Plante wurde 1978 in die Hockey-Hall-of-Fame in Toronto aufgenommen. In 19 NHL-Spielzeiten, zwischen 1953 und 1975, gewann der Torhüter sechsmal den Stanley-Cup mit den Montreal Canadiens, dazu kommen sieben Georges-Vezina-Trophys (Auszeichnung für den besten Goalie der Liga), die Hart-Trophy (wertvollster Spieler der Regular-Season) plus sieben Nominierungen ins All-Star-Team. Seine Rückennummer 1 wird in Montreal nie mehr vergeben. Nach seiner NHL-Karriere liess sich die Torhüterlegende 1984 mit seiner Familie in der Schweiz nieder, wo er auch eine Saison beim HC Sierre als Assistenzcoach von Normand Dubé (Christians Vater) an der Bande stand. 1986, im Alter von 57 Jahren, verstarb die NHL-Legende in Genf an Magenkrebs. Noch im gleichen Jahr hat seine Frau Raymonde die Fondation-Jacques-Plante zur Förderung von Torhütern in der Schweiz gegründet und stiftete den Wanderpokal für den besten Goalie der Nationalliga-A.
Zu Plantes Ehren wird auch in seiner Heimat, in der Liga seines Geburtsortes, der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL), seit 1970 die «Trophée Jacques Plante» an den Torhüter mit dem geringsten Gegentorschnitt vergeben, zwei der Gewinner spielten später gar in der Schweiz. Im Gegenzug spielten sieben Jacques-Plante-Trophy-Gewinner aus der Schweiz später in der NHL.
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Wenn die Belfast Giants in der Schweiz gastieren, dann strömen in Lausanne 5’678 Fans in die Vaudoise-Aréna. Die Stimmung ist bombastisch und der Auftakt mit fünf Toren innert knapp acht Minuten ist so spektakulär wie der nordirische „Riese“ aus Belfast. Der nordirische Klub wurde zu Ehren Finn McCools, einem Riesen der irischen Mythologie, benannt, der Anführer des Kriegerclans Fianna ziert auch das Logo der Briten.
Spektakulär ist auch die Menükarte von Loge Nummer acht, neben Apéro-Häppchen, werden Sandwiches, Pizzen, Hamburger, Hot-Dogs und Crevetten-Cocktails serviert, dazu ein Glas Chasselas. Die Loge bietet beste Kulinarität und Sicht auf das Spielgeschehen. Das Heimteam geht zweimal in Führung, die Gäste gleichen zweimal innert einer halben Minute wieder aus und gehen in der achten Minute gar in Führung. Lausanne-Keeper Connor Hughes wird dabei dreimal mit dem „falschen Stock“ erwischt. Kurz vor Spielbeginn musste Lausannes Schlussmann sein Stockende, so sagt es die IIHF-Regel, weiss isolieren. Innert acht Minuten wurde er dreimal auf Höhe seines Stockenden erwischt.
Belfast und die Titanic
Doch das wars mit der nordirischen Herrlichkeit, die Kampfkraft der grünen Riesen schwand wie die Leckereinen innerhalb der Loge acht. Der Wein, welcher zu Beginn noch freudig offeriert worden ist, soll plötzlich nicht mehr inklusive sein, doch dies tat dem Champions-League-Dinner keinen Abbruch. In der gleichen Loge war auch eine Frau der zuständigen Sportagentur des Wettbewerbs und der rhetorische Austausch über CHL & Co. sprudelte wie der Chasselas.
Sprudelnd war in Laufe der Partie auch die Angriffsmaschinerie der Waadtländer, vier weitere Tore liessen die Nordiren, welche einst noch 3:2 in Führung lagen, gegen den Lausanner Eisberg sinken wie die Titanic. Tatsächlich steht Belfasts SSE-Arena im Titanic-Viertel (Titanic-Quartier), wo der „unsinkbare“ Riese zwischen 1909 und 1912 in der Werft von Harland & Wolff erbaut worden ist. Heute steht das Titanic-Belfast-Museum, welches 100 Jahre nach der Tragödie eröffnet worden ist, neben der Heimspielstätte der Giants.
Katholikenund Protestanten
Erst zur Jahrtausendwende, durch die kanadischen Geschäftsherren Bob Zeller und Albert Maasland gegründet, sind die Giants nicht nur eine Bereicherung für die britische Elite-Ice-Hockey-League, sondern leisten auch einen wichtigen Teil in der durch die Glaubensrichtung (Katholiken und Protestanten) gespaltenen Gesellschaft. Bei den Giants sind die beiden Glaubensrichtungen bunt durchmischt.
Bunt durchmischt sind Lausenner und Nordiren auch nach dem Spiel im Spot-Café der Vaudoise-Aréna, Bier, Wein und Käsefondue laufen über die Bar-Theke wie die zehn Tore der Champions-League-Partie. Feuchtfröhlich und friedlich, in der zuletzt durch hässliche Szenen im Brennpunkt stehenden Olympiastadt. Der Eishockey-Sport verbündet in dieser Nacht nicht nur zwei Glaubensrichtungen, sondern auch zwei Eishockey-Metropolen.
Die Helme der Belfast Giants sind bereit, die Spieler auch? (Krein)5. September 2025, dritter europäischer Spieltag und erstes Heimspiel der Lausanner. (Krein)Privat-Loge 8, im letzten Drittel während Belfasts Gastauftritt. (Krein)
«Wir sind im ersten Café rechts», lautete die WhatsApp Nachricht an den noch schlafenden Mitbewohner unseres Airbnb’s bei Rita und Peter Rasmussen, im verschlafenen Vorort Snejbjerg. Zu Fuss wollten wir uns ein Käfeli genehmigen, denn die Busfahrt des Vorabends entpuppte sich als Himmelfahrtskommando. Ohne dänische Kronen und ohne Midttrafik-App, wurden wir kurzerhand aus dem Bus geworfen und landeten im Teamhotel der Norweger, wo wir per Taxi die Jyske-Bank-Boxen, zum zweiten Mal WM-Spielstätte, doch noch erreichen konnten. Der Fussmarsch zum ersten Café rechts zog sich schliesslich, durch schmucke Gärten dänischer «Legohäuser», eine Industriezone und kleine Wälder, über fünf Kilometer. Irgendwann war der «Point-of-no-Return» erreicht. Zeitweise, so dachten wir, müsste die Apokalypse längst gekommen sein und wir würden als einzige Überlebende in die Geisterstadt Herning einmarschieren.
Nach anderthalb Stunden war die «Geisterstadt» erreicht und ein zunächst noch verschlafenes Treiben an der «Bredgade» (englisch Broad-Street) zauberte uns ein Lächeln auf die, nach Kaffee lechzenden, Lippen. Joe & The Juice hiess der Laden, welcher sich als Dreh- und Angelpunkt des gesamten WM-Trosses rund um Herning entpuppte. «An dieser Kaffee-Theke müssen sie bestellen.» Ob Tim Berni, die SRF-Crew, der dänische Erfolgs-Coach Mikael Gath, der spätere Weltmeister USA, alle kamen sie hier vorbei, denn es gab schlichtweg nur dieses kleine, aber äusserst feine Café. In der Zwischenzeit ist unser letzter Zimmergenosse längst losgelaufen, «rechts ins erste Café», selbstverständlich entsendeten wir unseren Standort an der Bredgade 16, im Herzen Hernings, fünf Kilometer östlich von Snejbjerg. Nach Ankunft unseres «verlorenen Sohnes», verwandelte sich das verschlafene Treiben in ein buntes WM-Dorf. Aus Kaffeetassen wurden Bierbecher und aus Joghurtbecher wurde Fast-Food. Die WM war überall, in ganz Herning? Nein! Ausgerechnet in der Jyske-Bank-Boxen blieb es geisterhaft, ein halbleeres Stadion erinnerte an die Gedanken der Apokalypse. «Der Däne schaut nur Dänemark», erklärte uns Rolf, ein ausgewanderter Schweizer.
Nur Deutschland gegen die Schweiz, schaute die DDR-Legende Stefan Steinbock aus Crimmitschau. Neben vier Weltmeisterschaften mit der DDR, sorgte der ehemalige Stürmer von Dynamo Berlin (heute Eisbären), 1985 mit der Flucht in den Westen für Schlagzeilen. Für Schlagzeilen sorgten an diesem herrlichen Nachmittag jedoch nur die Schweizer, fünfmal erklang die «Stubete-Gäng» mit dem Schweizer «Richi-Torsong». Selbst das Deutsche Kommentatoren-Duo Basti Schwele/Rick Goldmann setzte am Tag der Deutschen-Niederlage zum Richi-Tanz an. Dieser Richi-Song schaffte es sogar, «irgendwo im dänischen Nirgendwo», einen ganzen Shuttlebus, hier ohne dänische Kronen und Midttrafik-App, nach dem ausverkauften Nachbars-Duell zwischen Dänemark und Norwegen, zum Kochen zu bringen. Irgendwo im Nirgendwo, wurde spätestens im Frühling 2025 Geschichte geschrieben.
Wir befinden uns im Jahre 2025 n.Chr. Das ganze Seeland hat kein Amateur-Klub mehr. Das Ganze Seeland? Nein! Ein von unbeugsamen Eishockeybegeisterten bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Niedergang des Lokal-Eishockeys Widerstand zu leisten. Die Einleitung aus den Asterix-Bänden trifft auf die Seeländer Gemeinde Meinisberg (gallisch Meinisberx) zu. Neben dem EHC Biel und dem SC Lyss ist der EHC Meinisberg der letzte verbliebene Aktivverein des einstigen Hockeybooms in dieser Region. Der EHC Nidau (die DNA lebt in Zuchwil weiter), EHC Mett, SC Scheuren, EHC Bellmund, EHC Lengnau, HC Weiss-Blau Lyss (ehem. Yschchrauer), HC Seedorf-Pinguins, HC Rüti-Rangers, EHC Orpund und etwa der EHC Ziegelried-Schüpfen sind über die Jahre alle verschwunden. In den besten Zeiten war gar die Gruppe 6 der 3. Liga zur Hälfte mit Teams, inklusive Meinisberg, aus dem Seeland bestückt.
So feiert der EHC Meinisberg am 10. Mai 2025 sein 50-jähriges Jubiläum, die Gründe warum nur der EHC Meinisberg dem Niedergang getrotzt hat finden sich unter den Rund 250-300 Anwesenden. Die Stimmung ist kollegial, familiär, vertraut und verbunden. Einer benutzte gar, gut gemeint, das böse Wort «Inzucht.» Untereinander ist man nicht nur Bruder, Vater und Sohn, sondern auch Schwager, Götti, Gotte oder Arbeitskollege. Auch für einen Aussenstehenden oder gar ehemaligen Gegner ist das Willkommen jederzeit herzlich und unkompliziert (Warum war ich nie bei Meinisberg?). Zudem pflegt der Verein auch seine eigene Geschichte in eindrücklicher Art und Weise. Die Klub-Historie wird sorgfältig und zentral aufgehoben und besonders beeindruckend ist die Sammlung der alten Trikots, diese werden ebenfalls an einem geheimen Ort, wie Miraculix’ Zaubertrank, im Dorf gelagert. Im Rahmen des Jubiläums durfte man die historischen Trouvaillen gar für einen Fünfliber kaufen.
Schiedsrichter-Supervisor Roland Stalder in seinem Meinisberg-Jersey mit der Rückennummer 7. (Jacqueline Stalder)
Seine Trouvaille gesichert hat sich auch der ehemalige Internationale (drei Weltmeisterschaften, Europacup-Finals) und Nationalliga-Schiedsrichter Roland Stalder, welcher zwischen 1979 und 1984 das rote Wagner-Jersey getragen hat. Stalder schaffte den Sprung vom 3. Liga-Spieler bis zum WM-Schiedsrichter. Den fast gleichen Weg machte auch Peter Kunz selig, die beiden spielten und arbitrierten gar noch gleichzeitig für Meinisberg. Stalder verrät beim Interview auch ein paar Anekdoten über die 80er Jahre. Neben Stalder stehen auch Gründungsmitglied und ehemaliger Spieler und Präsident Heinz Reber (rechts), sowie der zweifache Meistertrainer Dominic Lüthi (links) vor dem Mikrofon (Titelbild). In den Aussagen der drei Protagonisten bestätigen sich die «gallischen Tugenden» als Geheimnis des Erfolges.
Kein Geheimnis ist Meinisberx berühmtester Auftritt der Clubgeschichte, 1999 reisten die Seeländer, begleitet vom Schweizer-Fernsehen (siehe YouTube, unten), nach Dubai an den internationalen Nokia-Cup. Zwei ehemalige Meinisberger tragen zum 50-Jährigen das Trikot der Wüstensöhne, Hanspeter Kopp und Honza Paur, welcher extra aus Adelboden nach Meinisberg gekommen ist. Das Hockeyfest, wie bei «Asterix» jeweils das letzte Bild auf der letzten Seite, dauerte bis in die frühen Morgenstunden, ein Vorstandsmitglied trat gar eine stündige Heimreise per Velo, bis nach Täuffelen an. Mit dieser Einstellung trotzen die Meinisberger allen Widrigkeiten auch in den nächsten 50 Jahren, wenn es heisst: Das ganze Seeland? Nein! Übrigens Meinisberx Fisch von «Verleihnix» gibts wieder im Juni an der Braderie.
50 Jahre Clubgeschichte aus Stoff, Meinisbergs Vermächtnis an sich selbst. (Krein)Vier ehemalige Spieler des verschwundenen SC Scheuren: Marco Reber (Sohn von Heinz und selber ehem. Spieler/Präsident), Hanspeter Kopp (eine Legende des Nokia-Cups, im Dubai-Jersey) und Urs Heuer (ehem. Spieler/Präsident) gehören auch zur History des EHCM. (Krein)
In der neuen Berner Expohalle «Genuss & Tradition» geht es zu und her wie in einer Drittelspause der PostFinance-Arena, «Vinspiration» heisst der Genuss, welcher die Besuchenden in Massen zur Weindegustation verführt. Mittendrin ist der gleiche Mann, welcher am 24. April 2025 den Meisterpokal «Twin-Skate» nach Lausanne zur Übergabe an die ZSC Lions chauffiert hat. «Es ist aufgegangen, hätte Lausanne das fünfte Spiel gewonnen, hätte ich während der Berner Ausstellung (BEA) nach Zürich, oder gar zu Spiel sieben, nochmals nach Lausanne fahren müssen», sagt Willi Vögtlin, bei der National-League zuständig für Spiele und Pokal und bei seinem Weinhandel zuständig für Degustation und Genuss. Der Spielplan-General ist währen der finalen Hockey-Phase, gleichzeitig an der Berner Expo engagiert.
Engagiert war der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter vor 35 Jahren auf dem gleichen Gelände, anlässlich der Weltmeisterschaft 1990 in Bern und Freiburg. An seiner letzten WM pfiff der Baselbieter sechs Spiele in Bern, eines davon, Tschechoslowakei gegen Schweden, gehört auch zu meinen ersten WM-Eindrücken. Überhaupt gehört das Gelände rund um die Berner Expo zu mancher persönlichen Geschichte. Heute trifft man dort beispielsweise Tristan Scherwey, früher war das Gelände rund um das ehemalige Berner Allmend-Stadion das Tor zur grossen, weiten Hockeywelt. Zu Vögtlins Aktivzeit gab es kein Internet und nur SLAPSHOT lieferte sporadisch den «Blick über die Landesgrenzen.» Bei einem BEA-Besuch im Kindesalter, galt der Fokus genau zwei Adressen: Dem Fan-Shop des SC Bern und dem Verkaufsstand von Wüthrich + Co. aus Langnau. Die beiden Aussteller waren im Untergeschoss des Treppenhauses der heutigen Hallen 1.1 und 1.2 untergebracht.
Erste Priorität hatte der SCB-Shop, denn dort lag das internationale Jahrbuch des IIHF, genannt «Eishockey-Almanach», für 14 Franken und 80 Rappen ging der Almanach 90/91 über die Berner-Fan-Theke, dies galt sogar zu «Sackgeld-Zeiten» als Schnäppchen. Denn dieses Buch war mein Lebenselixier, vielleicht ist das Nachschlagewerk auf der gleichen Stufe, wie der berühmte «Sport-Almanach» in Zurück-in-die-Zukunft – mit der grossen Ausnahme, 1990 blickte man, statt in die Zukunft, ins vergangene Hockey-Jahr. Das gesamte Wissen lag in diesen knapp 200 A5-Seiten und bot mir, Jahr für Jahr, beim Selbststudium unbeschreibliche Glanzstunden. Mit dem Rest der Ersparnisse ging es vis-à-vis zu «Wüthrich», denn dort – und nur dort – gab es die NHL. Poster, Wimpel, Pucks, Ministöcke und Pins der wichtigsten NHL-Franchisen.
Die wichtigsten NHL-Franchisen sind auch an der «Vinspiration 2025» ein Thema. Vögtlin holt die nächste Weinflasche, zwischen Traubensorten, Piemont und Sizilien wird auch über die Playoff-Serie der Winnipeg Jets gesprochen. Die Zeiten haben sich längst geändert, das Gelände jedoch, rund um die Berner PostFinance-Arena, schreibt weitere Kapitel über den faszinierendsten Sport der Welt.
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Die Playoffs 2025 bescheren uns in den Viertelfinals das «Zähringer-Derby» und damit die gewohnte Renaissance des Deutschen Adelsgeschlechts. Doch seit wann spricht man eigentlich vom Zähringer-Derby? Die Herzöge Berthold IV und V von Zähringen waren 1157 (Freiburg) und 1191 (Bern) für die Stadtgründung, das Stadtrecht und das Stadtbaukonzept verantwortlich. Unter den Herzögen von Zähringen entstanden im Mittelalter zwölf Städte in Deutschland und der Schweiz, darunter die Eishockey-Relevanten Standorte Bern, Burgdorf, Freiburg im Breisgau, Fribourg, Rheinfelden, Thun und Villingen-Schwenningen.
In der Blütezeit spielten vier Zähringer-Städte, je zwei in Deutschland und der Schweiz, in der obersten Spielklasse. Das erste Zähringer-Derby gabs am 30. September 1980 in der Augustiner-Kunsteisbahn in Freiburg vor 4’200 Zuschauern, NLA-Aufsteiger Gottéron siegte mit 4:1. Die Eishockey-Legende Jakob Lüdi, er sitzt/sass auch bei der aktuellen Serie im Stadion, erzielte einen Hattrick und eröffnete in der 4. Minute das Skore der Geschichte dieses Derbys. Dies geschah ein Jahr vor den Nachbarn aus dem Lande der Gründerväter, welche am 27. September 1981, ihr erstes Derby zweier Zähringerstädte im Oberhaus zu sehen bekamen, der Schwenninger ERC siegte vor heimischem Publikum mit 5:4 gegen den EHC Freiburg. 1993, ein Jahr vor DEL-Gründung, musste der EHC Freiburg Konkurs anmelden und verschwand von der deutschen Eishockey-Landkarte. Seither spielten Freiburger und Schwenninger nie mehr gemeinsam in der obersten Spielklasse. So ist die Paarung zwischen Bern und Freiburg-Gottéron heute weltweit das einzige Derby zwischen Zähringerstädten.
Doch über «Zähringer» und «Eishockey» spricht man erst seit diesem Jahrtausend. Die ersten zwei Playoff-Serien zwischen Bernern und Freiburgern gingen 1991 und 1992 noch fern vom Deutschen Adelsgeschlecht durch die Medien. Erst die dritte Serie, 2008 wurde medial als «Zähringer-Derby» verkauft. Derweil lief in der Zentralschweizer 1. Liga, mit Thun gegen Burgdorf, zwischen 1984 Und 2017 ebenfalls ein Derby der Zähringerstädte. In der Saison 1999/00 gesellte sich gar noch der EHC Rheinfelden für ein Jahr dazu und spielte mit dem Namen «Zähringer» im Logo, die Derbys gegen die beiden Berner Mitstreiter.
Sportjournalistisch sprach «Der Bund», am 29. Februar 1960, anlässlich des NLB-Fussball-Spiels zwischen dem FC Bern und dem FC Freiburg, erstmals von einem «Zähringer-Derby», Es dauerte bis ins Jahr 2002, ehe der Begriff «Zähringer» sich ins Eishockey einschlich. Jürg Vogel, er tippte u. a. auch unter dem Pseudonym George Bird für SLAPSHOT, schrieb in der NZZ, vom 14. September 2002, über das Duell der beiden «Zähringerstädte.» In der Folge verbreitete sich der Begriff «Zähringer-Derby» wie deren Baukunst im Mittelalter. Die Berner Altstadt gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe und vielleicht findet auch das weltweit einzigartige Derby dereinst die Aufnahme, unter der Kategorie der «Schweizer Traditionen», in Kreis des immateriellen Kulturerbes.
Zum dritten Mal geht ein Champions-Hockey-Leauge Final auf Schweizer Boden über die Bühne, dabei zum zweiten Mal für die ZSC Lions. Schon vor diesem geschichtsträchtigen Endspiel sind die Zürcher das erfolgreichste Schweizer Hockey-Unternehmen auf internationalem Parkett, dies mit einem europäischen Titel (2009) und dem Victoria Cup. Keine andere Schweizer Clubmannschaft hat grösseres vollbracht, auch nicht die Schweden von Färjestads BK Karlstad. Der zehnfache schwedische Meister konnte europäisch noch nie reüssieren. 1987 und 1989 spielten die Schweden aus der Provinz Värmland zweimal um die europäische Krone. Höchste Zeit also, endlich auch die European-Trophy in die Annalen der Clubgeschichte zu holen. Der Knüller in der Swiss-Life-Arena ist ausverkauft und die ganze Hockeyprominenz der Schweiz ist in den VIP-Zonen zu Gast.
Im Lift mit Jenni’s
Auch zwei ehemalige Schweizer Söldner des schwedischen Vertreters sind mit dabei, Martin Gerber und Marcel Jenni, letzterer fährt mit mir im gleichen Lift, welchen ich, mit der in Zürich traditionellen, Portion «G’hackts und Hörnli» betrete. Mit dieser Portion werde ich die Liftfahrt bis in die fünfte Etage nicht kommentarlos überstehen – noch bevor sich der Lift bewegt kommt der erste Spruch, dem Ghackets-Hörnli-Duft entgegen. Daniela Jenni, Marcel’s Frau, bittet um eine Empfehlung. Auf meine positive Antwort folgt ein Spruch meinerseits – Sie (Frau Jenni) habe in Schweden ja das Brot vermisst – das Schweizer Fernsehen besuchte vor 20 Jahren Jenni und seine damalige Freundin und jetzige Frau in Karlstad. Geblieben ist mir vor allem, dass Jenni’s Partnerin das «Brot» aus der Schweiz vermisst hatte. Zurück im Lift, zeigt sich Frau Jenni äusserst verblüfft und positiv überrascht über meine Bemerkung.
Kein Brot für Färjestad
Das Brot fehlt dann auch Jenni’s Ex-Team. Der schwedische Qualifikationssieger des Vorjahres, immerhin mit sieben ehemaligen und drei künftigen NHL-Spielern, findet nur schwer in die Partie und gerät durch eine Unachtsamkeit im eigenen Slot mit 0:1 in Rückstand. Zürich’s Reihe um Denis Malgin, Sven Andrighetto und Rudolfs Balcers, zusammen 661 NHL-Partien, läuft auf Hochtouren und ist auch für den zweiten Treffer verantwortlich. Reicht es für Färjestad wieder nicht? Holt Zürich erstmals die europäische Krone im eigenen Stadion? Die Stimmung ist bombastisch, 12000 Fans tragen die Lions zum zweiten europäischen Gold der Klubgeschichte. «Mir sind Züri», heisst nun «mir sind d Könige vo Europa». Die Trophäe von 2009 steht, zusammen mit dem Victoria-Cup, in der Vitrine der «Sports Bar 1930», nun kommt ein Kübel dazu, kein Schweizer Team hat international mehr erreicht. Den Victoria-Cup müsste man unbedingt wieder reaktivieren, die NHL kann kommen. Vorher gilt es jedoch, sich zum elften Mal zum König der Schweiz zu krönen.
Eigentlich sollte es eine Geschichte über «die Gallier» aus der Ajoie geben, doch der Besuch, zwei Tage vor Redaktionsschluss, im Tal der heulenden Winde lieferte ein Schmankerl, welches der hier schreibende Kolumnist festhalten musste.
Vor dem Spiel zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, auf dem Weg zum Kommentatoren-Platz, kommt mir Yanick Stampfli’s Vater Thomas (Stampfli-Senior) entgegen, der Vater des Biel-Verteidigers ist auch als Assistent der Bieler U15-Elit-Mannschaft bekannt. Nach meinem «Hallo Stamme», grüsst mich der Spielervater leicht irritiert zurück, was mich kurzzeitig erstaunt, dem ich aber keine weitere Beachtung schenke.
Beachtung schenke ich einer Szene in der 40. Minute, Stampfli-Junior spielt die Scheibe in hohem Bogen über die Plexiglasscheibe und wird daraufhin für zwei Minuten in die Kühlbox geschickt. Dies entlockt mir als Kommentator, dass auch dessen Vater sich im hier Stadion befinde. In der Pause werde ich vor dem Presseraum durch Dylan Halter, einem ehemaligen Mitarbeiter des EHC Biel, abgepasst, welcher mir erklärt, dass er meinen Kommentar als WhatsApp-Nachricht seiner Freundin Michelle, der Schwester von Stampfli-Junior, erhalten habe, denn Stampfli-Senior könne unmöglich in Langnau sein.
Zur gleichen Zeit erhält Stampfli-Senior von seiner Frau einen Anruf, ob er in Langnau sei? Ein klärender Anruf Dylan Halters, bei dem der hier schreibende Kolumnist und Kommentator zuhören kann, hilft weiter. Stampfli-Senior sitzt zu diesem Zeitpunkt im U15-Mannschafts-Car, auf der Heimreise von Lausanne. Wen um Himmels Willen habe ich vor dem Spiel gegrüsst? Stampfli’s Zwillingsbruder, vermutet Halter.
Solche Geschichten kennen die Stampfli-Zwillinge, geboren am 13. Mai 1971, zu genüge, «immer wieder werden wir verwechselt», erklärt Thomas noch am Telefon. Thomas und Markus spielten einst für die Elite-Junioren (heute U20-Elit) des EHC Olten und eine gemeinsame U18-Europameisterschaft, 1989 in Kiew, ehe sich ihre Wege 1990 trennten, Goalie Thomas wechselte nach St. Moritz und Stürmer Markus zurück zum Stammclub Solothurn-Zuchwil. Kurioserweise ist ihr damaliger Headcoach aus Oltner-Zeiten, Jaroslav Tuma (SLAPSHOT Nr. 6, 1989), an diesem Abend ebenfalls in Langnau und beobachtet als Agent seinen Langnauer Klienten Jiri Felcman.
Zum Auftakt des Schlussdrittels erklärt der Kommentator und hier schreibende Kolumnist seinen Fauxpas, doch die Causa-Stampfli geht weiter. Kurz vor dem ersten O-Ton meines Interview-Partners Fabio Hofer, erblicken wir gemeinsam den «falschen Stampfli» und Hofer winkt ihm freudig zu.
Zurück in der Kabine habe Hofer von Stampfli-Senior erzählt und Yanick, ebenfalls erstaunt, habe seinen Vater – immer noch auf dem Weg von Lausanne nach Biel – telefonisch kontaktiert…
Wenn in der National-League etwas aussergewöhnliches oder rekordverdächtiges passiert, „surren“ die Mobilephones im Hockey-Umfeld: „Gab es dies schon einmal?“ oder „Ist das der jüngste Spieler?“ heissen die Nachrichten. Liga-Mitarbeitende und Medienschaffende suchen in einem Himmelfahrtskommando gemeinsam nach Antworten, irgendwann weiss irgendjemand, irgendetwas und so kommt die Information vielleicht noch während des Spiels an die Öffentlichkeit. So funktioniert die Hockey-Schweiz kurz vor dem Jahr 2025. Einer der führenden Ligen Europas, fehlt die eigene Geschichte. Ganz simpel erklärt, es ist für die Verantwortlichen zu wenig wichtig. Zum andern hat dies auch mit unserer DNA zu tun, hierzulande schert man sich grundsätzlich nicht um vergangenes. Der SCB beispielsweise könnte, durch die Sammlung von „SCB Jüre“ Jürg Wymann, ein hauseigenes Museum wie der FC Barcelona einrichten.
Warum aber gibt es keine Datenbank über den Spielbetrieb? Es gibt einen ehemaligen Verbands- und Ligastatistiker, welcher nicht mehr mit der Liga kooperiert, sonst könnte man zumindest bis zur Einführung der Playoffs, 1985/86, auf seine statistischen Werte zurückgreifen. Werte welche heute in der Aktualität nur noch per Zufall und Efforts von Einzelpersonen an die Öffentlichkeit gelangen.
Fakt ist, die Informationen stehen nicht zur Verfügung. Der ehemalige Liga-Statistiker beglückt die Medienschaffenden, nur nach Lust und Laune nach einem besonderen Ereignis mit seinen Fakten, so auch im Fall des Debüts des 15-jährigen Jonah Neuenschwander. Eine Liste mit den acht Jüngsten Spielern steht in der Nacht nach Neuenschwanders Debüt, morgens um 2 Uhr 36 zur Verfügung. Auf dieser Liste stimmt jedoch das Geburtsdatum des Genfers Jérémy Girard nicht, welcher somit nicht mehr relevant ist. Seit „Einführung der Playoffs“, kommt der jüngste Spieler, ebenfalls aus Biel, Michel Riesen, dies war zumindest im Bieler Umfeld noch halbwegs präsent und ging noch während des Debüts auf die Medienschaffenden über.
Doch was sagt Genf-Servette dazu? Bereits vor Einführung der Playoffs, gab am 15. Januar 1965 der 14-jährige Eric Conne, der Vater von Flavien, beim 8:2 gegen die Neuenburger Young Sprinters, sein Debüt im Trikot der Grenats. Die Zeitung „FAN L’express“ berichtete über das Genfer Wunderkind, welches sich zwischen 1965 und 1977 in die Annalen der Servettiens spielte. Seine Rückennummer 4 hängt unter der Les-Vernets-Hallendecke, zudem ist eine Loge nach dem jüngsten Spieler der Schweizer Nationalliga-Geschichte benannt. Nun müsste man diese Fakten, bei Liga und deren Vertreter nur noch für genug Wichtig erklären und die National-League wäre auch historisch unter den führenden Ligen Europas.
Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.
Im Herbst 1994 spielte ein gewisser Robert Nardella in der International-Hockey-League (IHL) für die Chicago Wolves. Zur gleichen Zeit spielte ein Martin Schmid beim Zweitligisten SC Biberen und der hier schreibende Kolumnist als Junior beim SC Lyss. Drei unterschiedliche Protagonisten in drei unterschiedlichen Rollen, dessen Wege sich später kreuzen würden. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», singt Kuno Lauener im Züri West-Song «Blues», welcher ebenfalls 1994 auf dem Album «Züri West» erschienen ist.
Durch diese «auti Maschine wo louft u louft u louft», sind die Idole von einst im Laufe der Jahre dem Eishockey-Zirkus entwachsen. So auch Nardella, welchen ich als Nationalspieler Italiens gegen die Schweiz an der A-WM 1995 spielen sah. Nardella spielte bis 1994 beim HC Alleghe, mit einem gewissen Bruce James Cassidy in der Verteidigung. Cassidy? Ja, Cassidy führte 2023 die Vegas Golden Knights zum Stanley-Cup-Titel. Die Stars von einst sind heute Headcoach, Sportchef oder bereits in Rente, denn «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft».
Doch die Wege, wie in jedem Hockey-Umfeld, der eingangs erwähnten Protagonisten werden sich kreuzen. Am 23. Dezember 2001 spielte ich mein erstes Spiel für den SC Biberen in der 2. Liga, zu den Teamleadern unserer Mannschaft gehörte ein gewisser Martin «Tinu» Schmid. Am 19. Oktober 2024 gewann Freiburg-Gottéron zuhause gegen Lugano mit 4:0. Doppelter Torschütze war Sandro Schmid, der Sohn meines ehemaligen Teamkollegen. So landete Schmid-Junior für das MySports-Interview (Foto) bei mir vor der Kamera.
In der gleichen Woche verkündeten die SC Rapperswil-Jona Lakers die Verpflichtung von Bobby Nardella, Bob Nardella? Ich kannte bisher nur einen «Nardella», Rapperswils Neuzugang ist Roberts (Senior) Sohn. Nardella-Junior debütierte am 25. Oktober 2024 in Biel, welches 1993 auch die Wirkungsstätte von Cassidy, Nardellas ehemaligen Teamkollegen, gewesen ist. Neben seinem Debüt kommentierte ich vier Tage später auch Nardellas ersten Treffer auf Schweizer Eis, auswärts bei Rapperswils 2:4 in Pruntrut. 1994 noch drei willkürlich ausgewählte Namen, dessen Wege sich innerhalb des Mikrokosmos Eishockey irgendwann gekreuzt haben. Es ist der Lauf der Zeit, es ist der Lauf des Lebens und in diesem kleinen Fall nur eine, von tausenden Geschichten rund um die faszinierende «kleine» Welt des Eishockeys. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», zeigt zum einen die Endlichkeit einer Laufbahn und zum andern die Unendlichkeit des Eishockey-Mikrokosmos.
Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.
Die Curva-Sud, bei uns zu Lande berühmtberüchtigt aus der alten Valascia und heutigen Gottardo-Arena, die Choreografien der Biancoblu gehören zum schweizerischen Hockey-Kulturerbe. Das Pendant dazu liegt rund 80 Kilometer südlich in der ehemaligen Resega in der Curva-Nord, beim grossen Rivalen der Bianconeri.
Rund 400 Kilometer östlich gibts eine Kombination der beiden Kurven, beim zweifachen italienischen Meister HC Meran, choreografieren die „Bianconeri“ in der „Curva-Sud.“ Natürlich ist hier alles zehn Nummern kleiner, denn Meran spielt heute nur noch in der zweitklassigen Alps-Hockey-League (AlpsHL), nein es ist nicht die Alpenliga der 90er Jahre, vor nur noch knapp 1’000 Zuschauern.
Der Traditionsclub spielte allerdings zu seinen Glanzzeiten noch in Ambri’s Farben blau und weiss, wie etwa 1986 beim Meistertitel als HC Meran Lancia unter Headcoach Brian Lefley, das Meistertrikot von Kapitän Walter Allneider hängt in der „Penalty-Box, Bar & Bistro“ beim Eingang der Meranarena. Neben Lefley, trug auch der ehemalige Bern und Lugano-Söldner Gaetano Orlando die Farben der Biancoblu, bei seiner ersten Station in Europa.
Heute ist alles zwei Nummern kleiner bei den Südtirolern, die Söldner kommen nicht mehr aus der NHL, sondern es sind die Söhne von ehemaligen Grössen, wie etwa Jarrod Skalde’s Sohn Skate Skalde, ein wirklich geiler Vorname für einen Hockeyspieler. Bekannt beim Gegner aus der Kategorie „Söhne berühmter Väter“ bei Gröden, beim HC Val Gardena, ist Hannes Kasslatter, der ebenfalls seine Spuren in der Schweiz abverdiente.
Die schmucke kleine Eishockeywelt in Norditalien, früher harter Konkurrent und Lieferant von zahlreichen hochkarätigen Söldnern in die Schweiz, kann mit der Schweiz heute nicht mehr konkurrieren, doch eine Curva-Sud in Schwarz-Weiss gibts nur in Italien.
Walter Allneider (#18), Kapitän bei Merans Meistertitel 1986. (Krein)
Man ist «Müde wie ein Affe», es hat «Leute wie ein Affe» oder man trinkt «Bier wie ein Affe». Der Ausdruck wird mehrheitlich oder vorwiegend im Emmental verwendet. Einer unserer Gruppe, ein Langnauer, deutet die Herkunft als Entlastung für die «Sau», statt immer den Begriff «Sau» zu verwenden hat man diese einst durch den «Affen» ersetzt. So hat der Affe auch im Prager-Hockey-Frühling Einzug genommen.
Der Konflikt beim Prager-Frühling der Ausgabe 2024 findet glücklicherweise nur auf dem Eis statt. Neben de Eis erlebt die geschichtsträchtige tschechische Hauptstadt eine wahre Invasion aus dem Westen. Schweizer und Österreicher pilgern als «rot-weisse» Welle durch das Prager U-Bahn- und Strassennetz. Die O2-Arena ist bei den Spielen der Alpenländer proppenvoll. Die Schweiz und Österreich geniessen Heimspiele welche die WM-Welt noch nie gesehen hat. Dazu natürlich auch das Heimteam.
Sämtliche Tageskarten mit Tschechien-Spielen sind seit Monaten ausverkauft. Wer sein Ticket nicht rechtzeitig gebucht hat, wenn er beim Ticket-Portal überhaupt ein Ticket buchen konnte, muss über den Schwarzmarkt gehen. Eigentlich will man das nicht, denn die Belastung während der Weltmeisterschaft ist auch mit Ticket bereits enorm. Wenig und schlechter Schlaf werden dabei gepaart mit pausenlosem Bierkonsum, der Körper eines 08/15-Besuchers durchläuft während der WM-Tage eine Bier-Entschlackung, sowie häufigen Toiletten-Gängen, schlechtem Essen (nur Rund um die Spielstätte) und ein äusserst enger und knapper Zeitplan.
Der erste WM-Silber-Coach und ehemalige Lysser Sean Simpson. (WM-Fan)
Sightseeing muss genaustens geplant werden, wer nicht aus den Federn kommt, ist am Mittag in Zeitnot. Dabei bietet die tschechische Hauptstadt derart vieles, die Prager Altstadt ist Unesco-Weltkulturerbe, dazu kommen die Karlsbrücke, der Wenzel-Platz – total überbewertet – die Tschechische Hockey-Hall-of-Fame und viele weitere Museen (Bier-Museum inklusive). Als Alternative zur U-Bahn oder «zu Fuss» gibts, wie in jeder WM-Stadt, die E-Trottinetts von Bolt. Man fährt dann «wie ein Affe» durch die Fussgängerzonen.
Das O2-Arena-Staropramen fliesst in Strömen. (Krein)
«Wie ein Affe» wird in der VIP-Zone konsumiert. Es gibt zwei VIP-Zonen, die zweite Kategorie ist quasi für Jedermann:frau, das Staropramen-Bier wird hier im Minutentakt mehrfach gezapft, 20’000 Liter Staropramen gehen innert 15 Minuten über die Theken der Arena. Dazu gibts allerhand Häppchen in Form von Burgern, Rinds-Tartar, Pizzen, Asiatisch… …die Sicht ist Top, der Komfort ebenfalls. Die Loge wird hier, nicht beim HC Sparta, sondern direkt bei der O2-Arena gemietet und so sind alle Anlässe, Weltmeisterschaft inklusive, im VIP-Paket inbegriffen.
«Wie ein Affe» spielen auch die Schweizer gegen Dänemark und Kanada. Es ist eine wahre Freude und dies gilt auch für unsere östlichen Nachbarn gegen Finnland und Norwegen. Die Spiele verlangen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Fans alles ab. Prag ist ein wahres Hockey-Fest und vor allem ein Rot-Weisser-Triumphzug der beiden Alpennachbarn, bis auf den Ausrutscher der Österreicher, unter dem Schweizer Bundestrainer, gegen die tapferen Briten. Österreich mahnt damit an die Schweiz vor der Krueger-Ära, als man Jahr-für-Jahr entscheidende Spiele gegen schwächere Gegner verloren hat und ausgerechnet ein «Österreicher», Ralph Krueger, hat uns aus diesen Tugenden geführt.
Die Tugend des Bieres, des Genusses und des besten Sportes lassen den Prager Frühling 2024 in bester Erinnerung bleiben, dies zeigt sich mit einem Schnitt von 12’464 Fans pro Spiel und damit noch nie erreichten Zuschauerzahlen. Prag und Eishockey, Prag und WM, Prag und Bier, Prag und Kulinarisches, Prag und Historisches – hier passt einfach alles «wie ein Affe.»
Praha 2024 IIHF Ice Hockey World Championship. (Krein)Die O2-Arena sorgt für einen Zuschauerboom und WM-Rekord. (Krein)Die WM 2024 ist Geschichte, bereit zum Abflug. (WM-Fan)
Im Spätsommer 2023 klingelt das Telefon, die DDR-Legende Stefan Steinbock berichtet aufgeregt über das Vorhaben bei der Klingenthaler Skisprung-Schanze, dies ist definitiv eines dieser Hockey-Ereignisse welches man gesehen haben muss. «Da muss ich hochfahren», da Crimmitschau – im Zusammenhang mit Steinbock – sowieso auf der Bucket-List steht. Eine Weltpremiere auf dem Boden der ehemaligen Deutschen-Demokratischen-Republik. Eine Reise welche einem aus Schweizer-Sicht unweigerlich auch geschichtlich in eine andere Zeit katapultiert. Mit Ausnahme der Eisbären Berlin (DEL), dem ehemaligen SC Dynamo Berlin, spielen alle wichtigen Ostvertreter aus der beim Outdoor-Triple in Klingenthal, dazu kommt ein Knüller und Strichkampf zwischen dem HC Energie Karlovy Vary und dem HC Skoda Plzen aus der tschechischen Extraliga. Drei Partien in drei Tagen – und dies in atemberaubender Kulisse auf einem NHL-Feld.
Die vier DEL2-Vertreter aus Crimmitschau, Dresden, Weisswasser und Regensburg bringen zusammen 23’000 Fans in die Schanzenkurve. Dies ist beeindruckend, wenn wir dies mit der Schweiz vergleichen, welche vier NLB-Teams würden eine solche Zahl mobilisieren? Der Aufmarsch ist imposant und das Fangelage scheint einfach einen Tick lauter, enthusiastischer, fanatischer als wir es uns gewohnt sind. Wenn der Speaker den Torschützen dreimal aufruft, geht dies in Deutschlands zweiter Klasse auf, bei uns ist die Luft beim zweiten Aufruf bereits draussen. Die in Crimmitschau unbeliebten, aufstrebenden Dresdner (ohne den Schweizer Goalie Janick Schwendener) verlieren das wichtige Ostderby im Piratenkessel von Klingenthal in einem guten Spiel mit 3:7. Crimmitschau spielte bis 1995 in der offenen Eisbahn im Sahnepark. Open-Air spielte bis zum Mauerfall auch die ehemalige SG Dynamo Weisswasser, die heutigen Lausitzer Füchse. Das Sonntags-Spiel gegen den Tabellenzweiten Regensburg mag manchen der älteren Generation an die alten Oberliga-Derbys im legendären Wilhelm-Pieck-Stadion gegen Dynamo Berlin erinnert haben. Zwei dieser Legenden rufen sich auf den VIP-Plätzen zu, Steinbock als ehemaliger Berliner und Ralf Hantschke, heute General-Manager beim EV Landshut, der Weisswasseraner.
Alte Zeiten
Und so driftet man immer wieder mal ab, in die alten Zeiten der DDR, Steinbock und Hantschke duellierten sich während sechs Jahren innerhalb der DDR-Oberliga knapp 50-mal in der Meisterschaft, dazu kamen die Spiele des DDR-Cups. Am Ende der Mini-Meisterschaft spielten sie zusammen mit der DDR an drei gemeinsamen B-Weltmeisterschaften. Dazu kommt eine brisante Geschichte, denn Hantschke war im Dezember 1984 der einzige Spieler, der während Steinbocks Flucht in den Westen, krankheitshalber, noch im Hotel weilte (siehe Blog von 2014).
Heute spielt Steinbocks damaliges Team in der DEL als Eisbären, Hantschkes Weisswasser als Füchse in der DEL2, wie Steinbocks Stammclub Crimmitschau. Hantschkes Weisswasser unterlag am Sonntag in einem äusserst kurzweiligen Spiel dem Tabellenzweiten aus Regensburg. Bereits nach 14 Sekunden musste die Partie aufgrund der heissblütigen Fans aus der Lausitz unterbrochen werden, die Papierschlangen flogen gleich in mehreren Bahnen aufs Eis. Später folgte ein Abbruch wegen Rauchschwaden der Pyros und zwischendurch musste gar die Klingenthaler Feuerwehr ran, um das geschmolzene Eis zu reparieren.
Westderby mit Nachwuchsjuwel
Das tschechische «Westderby» zwischen dem HC Karlovy Vary und dem HC Skoda Plzen war standesgemäss die spielerisch hochstehendste Partie. Bereits nach zweieinhalb Minuten stand es schon 1:1, jedoch war der Strichkampf ebenso schnell zu Gunsten der Gäste, nach 43 Minuten, entschieden. Bei den Gästen lief das erst 16-jährige Pilsener Nachwuchs-Juwel Adam Benak auf und dürfte frühestens in zwei Jahren beim NHL-Draft ganz vorne mit dabei sein.
In diesen drei Tagen strömten insgesamt 36’000 Fans zur Klingenthaler Schanze, budgetiert hatte man gemäss Veranstalter 45’000 Zuschauer, die Rechnung ging aus finanzieller Sicht nicht auf, aus sportlicher und langfristig auch aus finanzieller Sicht dürften Eishockeyspiele in einem Schanzen-Kegel auch künftig für Spektakel sorgen – das Erlebnis ist unbezahlbar, für alles andere gibts die Mastercard. Diese «Mastercard» galt auch für den Besuch der legendären Kunsteisbahn am Sahnpark in Crimmitschau.
Ein Spiel welches in Erinnerung bleiben wird, Langnau trifft als achtplatzierter auf den Tabellen-Sechsten Lugano. Die Luganesi führen nach drei Minuten mit 2:0. In der neunten Minute kommt es noch schlimmer, Langnau’s Brian Zanetti, welcher an diesem Abend von Philadelphia Flyers-Scout Sami Kapanen beobachtet wird, muss in die Kühlbox. Eine Minute später spielt sich Harri Pesonen, in Unterzahl, mit einem Weltklasse-Move, seine Scheibenkontrolle ist der absolute Wahnsinn, durch drei Tessiner hindurch und steht alleine vor Landsmann Mikko Koskinen. Allein dieser «stock- und schlittschuhtechnische Wahnsinn» entschädigt diesen denkwürdigen und kuriosen Abend an der Ilfis.
Der «technische Wahnsinn» nimmt seine Fortsetzung im zweiten Drittel, welches geprägt ist von Video-Reviews und zahlreichen Unterbrüchen. Der Wahnsinn liegt dieses mal im «Zytnehmerhüsli» von Christine Nyfeler. Zweimal gibt es eine fünfminütige Video-Review, zurecht, bei Calvin Thürkauf’s Treffer. Später folgt eine Strafe, welche durch einen technischen Fehler ,auf der Uhr nicht ins laufen gebracht wird, welche in einer fünfminütigen Zeitrechnung in Nyfeler’s «Häuschen» wieder korrigiert werden muss.
Kanditat Zanetti
Der Wahnsinn des zweiten Drittel’s ist auch für den NHL-Scout aus Finnland aussergewöhnlich. Mit dem Draft-Prospect der Flyers zeigt sich der 918-fache NHL-Spieler zufrieden, nach dem Ausfall von Juuso Riikola spielt Zanetti auch im Powerplay und steuert beim zweiten Treffer einen Assistpunkt bei. Kapanen, der von Schweden gekommen ist, reist am Sonntag nach Prag um weitere Kandidaten für die NHL-Organisation zu begutachten, ehe es, in einem «flugtechnischen Wahnsinn» wieder nach Kuopio geht. Bevor Schützling Zanetti zum Austausch mit dem Flyers-Scout kommt, wird unser Gespräch durch Lugano-Goalie Koskinen, äusserst herzlich, mit einem langen «moooi» (Hallo) auf finnisch unterbrochen. Koskinen spielte 2012-13 unter Teambesitzer Kapanen bei KalPa Kuopio, denn auch die kleine, vernetzte Eishockeywelt ist der absolute Wahnsinn.
Der EHC Biel empfängt den HC Lausanne, auf der Pressetribüne ist ein TV-Platz mehr eingerichtet als üblich. Heute überträgt der lettische Sender TV3 das Spiel der 25. Runde der National-League nach Lettland. So sitzen neben mir und dem welschen Kommentator David Pietronigro (erster, links von mir) die Letten Toms Pramnieks (in gelb) mit Experte, dem ehemaligen Nationalgoalie, Edgars Masalskis (Mann mit Bart). Für den lettischen Abend trage ich extra den WM-Schal von Riga.
Der lettische Sender begleitete sein Aushängeschild Dynamo Riga zwischen 2008 und 2022 in der russischen KHL. Seit Kriegsbeginn und Riga’s Verzicht gibt es kein erstklassiges Eishockey mehr bei den Balten, die heimische Liga ist zu klein und die nationalen Stars spielen überall in Europa. So werden 2023 die Ligen in Schweden, Tschechien und der Schweiz ins Visier genommen. Der lettische Sender prüft für die kommende Saison mögliche Alternativen zur KHL.
Aufgrund der Reisedistanzen in Russland, ist die Schweiz ein Klacks, ob Zürich, Langnau oder Biel – TV3 berichtete von diesen drei Standorten – alle mitteleuropäischen Teams, liegen näher als die russischen Mannschaften östlich von Ufa. In Biel hätte man gerne über das lettische Duell zwischen den Lausannern Ivars Punnenovs und Ronalds Kenins gegen Biel’s Rihards Bukarts berichtet, auf dem Matchblatt ist an diesem Abend aber nur Kenins.
Die Letten treffen sich aber nach dem Spiel in den Kabinengängen der Tissot-Arena. Die National-League könnte künftig durchaus in Lettland ein Thema sein, aktuell stehen acht lettische Spieler in unserer Liga unter Vertrag. In Tschechiens Extraliga spielen sieben Akteure der Balten und drei in Schweden. Die Schweiz steht den Balten ohnehin schon äusserst nahe, seit Jahren werden lettische Spieler, bereits ab der U15-Stufe zahlreich, in den Hochburgen Oberthurgau und Basel, in die Schweiz vermittelt – dies füllt einen separaten Blog – dazu hat die Schweiz den Letten an der letzten Heim-WM den Weg zur Bronze-Medaille im letzten Gruppenspiel geebnet.
In den 90er Jahren debattierte man über die Aufnahme von Österreich’s Meister VEU Feldkirch in der Schweizer Nationalliga-A. Warum nicht morgen Dynamo Riga in der Schweizer National-League, mit dem Standort Huttwil, integrieren und so den lettischen Markt erobern? An lettischen Spielern mit Schweizerlizenz wird es in naher Zukunft zumindest nicht mangeln. Die Letten kommen…
Das 1000. Spiel im Zähringer-Derby, besser kann das Jubiläum des Freiburger Kapitäns nicht fallen. Der Begriff „Zähringer-Derby“, durch die Medien erfunden, taucht im Eishockey-Duell erst 2003 in den Freiburger Nachrichten auf. Bereits 1960 berichteten die Freiburger Nachrichten vom Zähringer-Derby zwischen dem FC Fribourg und dem Berner-Sport-Club Young Boys. Das Duell beginnt jedoch schon im zwölften Jahrhundert, als sich die Gebiete der Herzöge von Zähringen bis in die Schweiz erstreckten, sie gründeten zwölf Zähringer-Städte, unter anderem Freiburg (1157) und Bern (1191), wobei letztere das Duell um die Ernennung zur Bundesstadt gewinnen konnten.
Das jüngste Duell steht im Zeichen des Freiburger Kapitäns und seinem 1’000. Spiel für die Zähringer aus Freiburg. Passender hätte sein Jubiläum nicht fallen können. Sprunger ist nach Reto von Arx, erst der zweite Spieler welcher alle 1’000 Partien für den gleichen Klub absolviert hat. Gegen den Davoser absolvierte der damals 16-Jährige am 27. September 2002 in Davos sein erstes NLA-Spiel. Sein erstes Derby gegen den SCB spielte Sprunger auf den Tag genau, am 27. September 2003 in Bern, gegen seinen heutigen Trainer Christian Dubé.
Am Abend des 7. Oktober 2023 stürmt der Jubilar an der Seite seines langjährigen Weggefährten Andrei Bykov, einst Mitglied der gefürchteten SBP-Reihe (Sprunger-Bykov-Plüss), welche erst im Zähringer-Final 2013 vom SCB gestoppt werden konnte. Im jüngsten Derby feiert der Kapitän mit einem 3:1-Sieg, als 15. Spieler im 1’000er Club, einen perfekten Freiburger Abend. In den anschliessenden Feierlichkeiten, krönt sich Sprunger, im Jersey einer seiner Vorgänger, Jean-Charles Rotzetter, vor 9’009 Fans zum Herzog von Zähringen.
Wenns nicht läuft, läufts nicht. Dies gilt für den Saisonstart 2023-24 bei Meister Genf-Servette. Genf verliert am Dienstag mit 1:6 beim HC Lausanne und am Freitag mit 1:7 bei Fribourg-Gottéron. Was ist nur los mit dem Meister? In Freiburg wird der fünffache NHL-Backup-Goalie in der 27. Minute, beim Stand von 1:5 aus Sicht der Genfer eingewechselt. Diese Einwechslung hätte Robert Mayer nicht in Freiburg, sondern eigentlich in der NHL verdient.
Am 9. Mai 2013 steht Mayer, zusammen mit Raphael Diaz, mit den Montreal Canadiens in der ersten Playoff-Runde gegen Ottawa im Line-Up der Canadiens. Montreal taucht an diesem Abend gegen die Senators mit 1:6 und scheidet mit einer 1:4-Serie im kanadischen Duell gegen Ottawa aus. Montreals Torhüter Peter Budaj steht während 60 Minuten zwischen den Pfosten, Headcoach Michel Therrien hätte Mayer die NHL-Fauertaufe ermöglichen können und Mayer wäre der 22. Schweizer NHL-Spieler gewesen. Heute ist Mayer lediglich in der Datenback der NHL-Backup-Goalies zu finden. Mayer hätte den NHL-Einsatz verdient, der Schlussmann spielte während fünf Jahren in der Organisation der Canadiens, kam aber, neben fünf NHL-Backup-Partien, «nur» im Farmteam der Hamilton Bulldogs zum Einsatz.
Zehn Jahre später, am 22. September 2023, sitzt Mayer wieder auf der Ersatzbank und Diaz m Einsatz. Jedoch in einer ganz anderen Rollenverteilung. Genfs Nummer eins, hat die undankbare Aufgabe, erst beim 1:6 ins Spielgeschehen einzugreifen und das tut er wortwörtlich mit einem Big-Save in seinem Fänger. In der 54. Minute wird’s dem Meistergoalie jedoch zu bunt, seine Vorderleute lassen auch ihn, gegen Diaz und Co., mehrmals kläglich im Stich. Mayers Wut, mit der Hoffnung seine Vorderleute aus dem Tiefschlaf zu erwecken, entlädt sich beim «verbrätschen seines Stocks», der stellvertretend für die ganze Mannschaft büssen muss. Es ist ein Einsatz, welcher Mayer nicht beim 1:7 in Freiburg, sondern eigentlich beim 1:6 in Montreal verdient hätte.
Am Tag des jüngsten Schweizer-Gerichtes erreicht mich eine Whatsapp-Nachricht des ehemaligen Pressechefs der ZSC Lions, seine Zeilen sind für mich wie Balsam, sie haben für alles entschädigt was in den letzten Stunden passiert ist. Ich hatte wieder mal recht, ich habe das ganze bereits vorausgesagt, noch bevor die Deutschen sich für den Viertelfinal qualifiziert haben. Das ist der Grund für die Existenz dieses Blogs, für die Geschichten und Begegnungen aus fernen Eishockeyländern, sie bieten den Inhalt und das schreiben dieser Geschichte. Es sind unvergessliche Erlebnisse dieser Weltmeisterschaft in Lettland, mit einer Handvoll guter Freunde, welche ebenfalls alle infiziert sind, vom Volksfest des vielseitigsten Turniers der Welt.
WhatsApp von 20 Uhr 14
Manche mögen mich dafür hassen, manche mögen mich als Besserwisser und Klugscheisser bezeichnen und manche denken ich sei ein Landesverräter. Doch so bin ich nicht, würde der Hangover-Zahnarzt in Thailand sagen, viel zu lange verfolge ich das Geschehen an den Weltmeisterschaften, um nicht zu wissen, dass sich die Geschichte gegen Deutschland nie ändern wird. Als langjähriger WM-Beobachter hat man gelernt die Enttäuschungen besser zu verdauen und seine Denkweise über die Jahre angepasst. Nichts daraus gelernt hat das Schweizer Nationalteam und versagt immer wieder aufs Neue gegen den «leichtesten Gegner.» Und da liegt der erste Irrtum, Deutschland ist für uns der schwerstmöglichste Gegner, schwerer als die USA, schwerer als Finnland, Kanada und Tschechien. Auch mit zwölf NHL-Cracks würden wir vor Ehrfurcht erstarren. Martin Plüss erklärt die Schweizer-Misere am Samstag-Abend nach den Halbfinals auf SRF hervorragend, es ist die beste Analyse über unser Nationalteam welche je über einen Sender geht.
Die netten Letten
Daher widmen wir uns lieber dem Gastgeberland, welches Dank uns in den Halbfinal eingezogen ist, wir haben sie im letzten Spiel aufgebaut und uns abgebaut. Die netten Letten erhellen unser Gemüt in allen Belangen. Da gibts diese «s» am Schluss, welche wir seit der B-WM 1994 kennen, auch die «Grils, Bars und Restaurans» schreiben sich so. Weiter gibts den Nationalschnaps Black Balzams, die Altstadt – Unesco-Kulturerbe – verzückt mit Gässchen, schmucken Bars und Restaurants, mehreren WM-Public-Viewings und die Daugava, da gabs einst den HC Pardaugava Riga, Rigas Fluss quer durch die lettische Hauptstadt. Mit der «RVR» (Rigas-Vagonbüves-Rupnica) der Linie Pasazieru-Vilciens erreicht man den kilometerlangen Sandstrand Jürmala. Dort erkennen wir einen flotten älteren Herrn, Rino Hischier, Nicos Vater geniesst mit Nicos Mama Katja – übrigens sehr flotte Leute – die Strandstunden vor dem Tschechien-Spiel ebenfalls an der baltischen Ostsee.
Die Schweizer verzücken in den Partien vier bis sechs mit dem besten Eishockey seit Jahren, alle drei Spiele sind ein Highlight, ein Höhepunkt bieten auch die Spiele der Letten, diese sind jeweils ausverkauft. «Latvija-Latvija» oder «Sarauss-Sarauss», wie auch immer man es schreibt, hallt es in der Riga-Arena, welche seit dem KHL-Aus von Dynamo Riga, leider nicht mehr für Eishockey genutzt wird, als Folge des sinnlosen Krieges. Unsere Tickets erhalten wir von einer netten Lettin, doch die Plätze 7, 8 und 9 auf den Reihen 9, 8 und 7 sind sogar eine Herausforderung für jeden Mathematiker. die Stimmung ist bombastisch und der nette Lette neben mir erklät mir weshalb nicht jeder lettische Name, wie etwa Batna, Cukste oder Zile, mit einen «s» endet. Zwei mit «s» und somit nicht feminine Nachnamen haben die beiden «Schweizer» Ronalds Kenins und Toms Andersons.
Lokales und Kulinares
Derweil führt Langnaus Lette, Oskars Lapinskis, aus dem erweiterten lettischen Nationalkader seine Gewährsleute aus dem Emmental, darunter auch ein Stanley-Cup-Sieger, durch die Lokale seiner Heimatstadt. Unter anderen trifft man sich im Steakhouse Meat-Chef, wo wir uns mit der Fraktion Biel/Meinisberg eine Rechnung, in der länge der Boston-Bruins von 2011, von 1’000 Euro gönnen. Später will sich, vor dem berüchtigten Rock-Café, ein betrunkener Lette ein Foto mit Enzo Corvi (ich) und Fabrice Herzog (Mathiass Schneiders) gönnen, wir können ihn nicht von unserem Unbekannheitsgrad überzeugen und gehen als die beiden Schweizer durch. Dann ist da noch ein Mann aus «UK» wie er sagt, er spiele auch ein bisschen Hockey. Durch mein hartnäckiges Nachhacken entpuppt sich dieser als echter Bekannter und ich werde zum «betrunkenen Letten» der ein Bild mit Robert Lachowicz, ich hab ihn schon bei Nottingham in der Champions-Hockey-League gegen Bern kommentiert, schiessen will. Lachowicz stieg einen Monat zuvor mit den Briten in der B-Gruppe in die A-Gruppe auf und wird in Prag und Ostrava wieder auf dem Eis, auch gegen die Schweiz, mit dabei sein.
Mit dabei sind wir auch bei lettischen Kulinaritäten im Restaurant «Key-to-Riga», welches uns bereits unser nette-Lette-Taxifahrer Aigars empfielt, dort beehrt uns mein ehemaliger Mini und Novizen-Trainer Erich B. mit zwei Gefolgsmänner aus einem schwedischen Automobilkonzern. Man kennt und trifft sich überall, Schweizer überfluten die WM-Stadt in einer Weiss-Roten-Welle jeweils am zweiten WM-Wochenende. Die WM ist EIN grosses, friedliches Hockeyfest. Von Spaniern aus Puigcerda, Deutschen aus Weisswasser, Tschechen aus Ostrava, Briten aus Manchester und gar Österreicher aus Wien findet man auch Fans, welche die WM auch ohne ihre Mannschaft (Deutschland und Österreich spielen in Tampere) beim grossen Volksfest in Riga verfolgen.
Letzterer, der Österreicher aus Wien, ist der Eingangs erwähnte ehemalige Presseverantwortliche der Lions. Einst kennengelernt im Rahmen der ersten Champions-Hockey-League-Kampagne überstrahlen die Freundschaften den Hockey-Globus auf Lebzeiten – und trifft man sich übers Jahr nie – dann spätestens an der WM-Spielstätte, irgendwo in einem Zug in Tampere oder in Riga. Als Alternative zu öffentlichen Verkehrsmittel und Fussmärschen bieten die grünen E-Trottinetts des Anbieters Bolt, neben gewinnbringender Zeit, auch allerhand Spass. Der Spassfaktor ist so gross, dass du erst am dritten Tag bemerkst, dass du ausser Bier und ein einem Morgen-Kaffee nie eine andere Flüssigkeit zu dir genommen hast. Auch körperlich verlangt dir eine Weltmeisterschaft einiges ab. Das Fazit jedoch, egal ob das Heimatland am Ende enttäuschen wird, darf als unvergesslich und unbezahlbares Erlebnis im Langzeitspeicher gesichert werden. Für alles andere gibts Mastercard, was insbesondere für die Trottinetts tatsächlich gilt.
Eindrücke und Impressionen aus Riga: Samuels Fankhausers*, Mikelis Kreins*, Matthiass Schneiders* und Specialguest Andreass Hatos* und die Biel/Meinisberg-Fraktion *Namen in lettisch