MonatsarchivAugust 2003

Der Stolz des australischen Eishockeys

Am 17. August 2003 unternehme ich den zweiten Versuch (Erster Versuch, siehe Blog vom Juli 2003) das Eisstadion in Baulkham Hills (Heimstätte der früheren Macquarie Bears und heutigen Sydney Bears) zu finden. Dieses Mal aber ohne Ausrüstung im Schlepptau und mit einem guten Zeitmanagement, finde ich den modernsten und komfortabelsten Eisrink (erbaut 2002) Australiens. Dabei wird mir klar, dass ich vor fünf Wochen ca. sechs Stationen zu früh aus dem Bus gestiegen bin, da hätte ich bei Nacht und Nebel noch lange suchen können…

Kurz vor 18 Uhr betrete ich das Sydney Glaciarium (das erste Glaciarium wurde 1907 an der George Street in der Stadt eröffnet) und ich war überwältigt. So gut habe ich mir die Halle nicht vorgestellt. Im Vergleich zur veralterten Eishalle in Blacktown (wo die Ice Dogs Zuhause sind und 1989 immerhin die C-Welmeisterschaft über die Bühne ging) ist das Glaciarium ein wahres Prunkstück, selbst mehr als die Hälfte aller Nationalliga A Teams würde sich über eine solche Arena freuen.

Dieser Rink ist das wertvollste des australischen Eishockeys!

Erneut besuche ich ein Spiel der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL). Dieses Mal stehen sich die Sydney Bears, das Team mit dem ich eigentlich hätte trainieren sollen (vor meiner Abreise war ich mit Präsident Hugh Ferrar in Kontakt) und die Letztplatzierten Canberra Knights gegenüber. Das Heimteam der Bears trägt die Jersey-Farben weiss/schwarz/rot/silber, die Gäste aus der Hauptstadt spielen in türkisfarbenen Trikots. Die Athmosphäre ist atemberaubend für mich, dieser Rink ist das wertvollste des australischen Eishockeys. Die Sydney Bears (aktueller Titelträger) haben die beste Infrastruktur der Liga und können, nicht nur wegen dem Bären-Logo, als «die australische Antwort auf den SCB» bezeichnet werden!

Fans fiebern mit

Ich habe das Gefühl, ich besuche ein Nationalliga A Spiel der Schweiz, doch das Niveau würde ich mit der 2. Liga bei uns vergleichen. Die Fans auf der modernen Sitzplatztribüne fiebern richtig mit, so wie das wohl in keinem anderen Eisrink, wenn ich an das Spiel vom vorletzten Wochenende der Western Sydney Ice Dogs denke, Australiens der Fall sein konnte (Anm. der Red., die Stimmung in Canberra gilt als phänomenal). Ich zähle ca. 250 Zuschauer. «Bei Spitzenspielen wie letztes Wochenende gegen den Leader Adelaide Avalanche ist die Halle jeweils voll», so Bears General-Manager Wayne Hellyer. Die Bears bezwingen die Knights schliesslich mit 8:2. Die herausragendsten Akteure sind die australischen Nationalspieler Murray Wand, Tyler Lovering und Vladimir Rubes. Auch der U20-Nationalspieler Daniel Blythe-Edwards zeigt eine sehr gute Leistung.

Australische Kontakte 

Bears-Manager Hellyer erklärt mir während des Spiels, dass ein Spieler Canberras (Jason Taite) in Manly wohnen würde. So treffe ich Taite gleich nach dem Spiel und kann mit ihm nach Manly zurückfahren (eine Stunde mit dem Auto). Taite spielte nicht nur an der letzten Inline-Hockey-Weltmeisterschaft für Australien, sondern auch schon für zahlreiche Australische Vereine (unter anderem gewann er mit New South Wales den Goodall Cup). Hockey sei einfach der beste Sport der Welt, meint der Australier im Land des Surfens, Rugbys und Crickets.

Eine weitere Begegnung habe ich mit Mark Rummukainen, sein Name ist mir bekannt aus dem International Ice Hockey Guide der IIHF, ich spreche ihn einfach Mal an und er ist sehr erstaunt darüber, dass ich ihn vom Namen her kenne. Das ist typisch für mich (mein Freund Claude M. aus L. kennt viele solche Beispiele von mir). Rummukainen ist australisch-finnischer Doppelbürger und spielt fürs australische Nationalteam, nach einem kurzen Smalltalk tauschen wir unsere Email Adressen aus. Er will mich kontaktieren, weil er nächste Saison in der Schweiz spielen will, ich könne ihm eventuell bei der Klubsuche behilflich sein. Umgekehrt kann ich vielleicht in Canberra eine Saison bestreiten, wer weiss…

Blacktown Ice Arena

Kuriositäten in Blacktown

Am 9. August 2003 besuche ich erstmals ein Spiel der obersten australischen Liga, der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL). Dabei stehen sich die Tabellendritten Western Sydney Ice Dogs und die Fünftplatzierten Melbourne Ice gegenüber. Bin ich im falschen Film? Nach einem Monat in Down Under finde ich mich wieder mitten im Eishockey-Rummel. Als ich den Stadion-Eintritt, Stadion ist vielleicht der falsche Ausdruck, mit den worten «enjoy the game» passieren kann, kommen mir Fans in Ice Dogs-Trikots, Ice Dogs Fan-Schals und Ice Dogs-Baseball-Caps entgegen. Man hätte gerade so gut in der Schweiz bei einem 1. Liga Match sein können! Übrigens, das Eintrittsticket kostet zehn australische Dollars.

Das Spiel beginnt erst mit einer Verspätung von 45 Minuten, da die Mannschaft aus Melbourne Verkehrsprobleme hat, umso grösser ist meine Spannung. Ob dies zur australischen Hockey-Normalität gehört? Ein weiteres Kuriosum: Das Spiel beginnt, während die letzten Melbourne-Cracks noch in der Kabine sitzen! Melbourne spielt mit nur zwei kompletten Linien! Sydney sieht mit drei Blöcken wesentlich professioneller aus! Melbourne wird das Tempo nicht durchhalten können. Kommt dazu, dass Melbourne keine Zeit hat sich einzuspielen, geschweige denn seinen Torhüter Chris Leetham einzuschiessen!

Melbourne hat keine Zeit seinen Torhüter Chris Leetham einzuschiessen!

Und genau so kommt es! Das Einschiessen von Leetham übernehmen die Ice Dogs und führen, durch zwei Treffer des kanadischen Import-Spielers Jason Haakstad, nach dem ersten Drittel (ein Drittel dauert 15 Minuten) mit 2:0. Haakstads Spielstil ähnelt demm Stil von Marcel Jenni, in der Schweiz würde man sagen, «der Marcel Jenni des australischen Mannes.» Nach 23 Minuten steht es immer noch 2:0 für die Eishunde, dann kommt der erwartete Einbruch: 8:0 nach zwei Dritteln, Endresultat 11:1 für Sydney! die meisten Tore werden durch Sydneys erste Formation mit dem Kanadier Haakstad, dem Tschechen Martin Jesko und dem Australier Andrew White erzielt! Das Niveau stufe ich zwischen unserer 1. und 2. Liga ein, es ist schwer zu sagen, da Sydney an diesem Abend um Klassen besser ist als sein Gegner. Eventuell könnte Sydney gut in der 1. Liga mithalten. Ich habe auch über gewisse Spieler nachgeforscht und gesehen, dass Haakstad beispielsweise in den amerikanischen Minor Leagues gespielt hat!

Das Spiel wird beeinträchtigt

Das ganze Spielsystem ist ein bisschen anders als in der Schweiz. Dies wird beeinträchtigt von einem nicht ganz komfortablen Eisrink. Plexiglasscheiben hinter den Toren kennt man in Blacktown nicht, da hängen einfach Netze. So wird automatisch weniger mit den Banden gespielt, ich sehe praktisch keinen Pass via Bande. Die Hallendecke ist so tief, dass ein Lopp-Pass die Hallendecke berühren würde und das Spiel unterbrochen wird. Doch eines ist sicher – es ist nicht das letzte Spiel, welches ich mir in Australien angesehen habe.

Die Kabine der Western Sydney Ice Dogs. (Foto: Western Sydney Ice Dogs)

Die Kabine der Western Sydney Ice Dogs. (Western Sydney Ice Dogs)