MonatsarchivMärz 2009

Ein denkwürdiger Abend in der Patinoire St-Léonard

http://www.sf.tv/sfsport/sportaktuell/index.php?docid=20090317

Zwölf Tage nach dem Ausscheiden des Champions League Siegers war ich wieder in der St-Léonard im Einsatz. Bereits vor dem Spiel sah ich den Coach der gegnerischen Mannschaft gut gelaunt Autogramme verteilen. Diesen Coach werde ich nach dem Spiel interviewen müssen, was ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wusste.

Etwas Spezielles, so schien es, lag an diesem Abend des 17. März 2009 in der Luft. An diesem Abend sollte sich der Kreis des verpatzten Interviews von 2007 wieder schliessen. Habe ich etwas anders gemacht als sonst? Oder lag es an der speziellen Atmosphäre der Patinoire St-Léonard? War es meine Pausenunterhaltung, welche an diesem Abend erstmals stattgefunden hat? Oder war es das kurze Nachtessen vor dem Spiel, welches mich beflügelte? Oder war es ganz einfach ohne besondere Bedeutung?

von Berlinern und Hamburgern…

^Foto: Die O2 World Arena in Berlin hat nach dem SC Bern den zweithöchsten Zuschauerschnitt des alten Kontinents. (Michael Krein)

Playoff-Zeit ist die beste Zeit! …nun gings nach Deutschland in die Hauptstadt zum Playoff-Viertelfinal-Auftakt der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL). Mit den Eisbären Berlin (1.) und den Hamburg Freezers (8.) trafen zwei Anschutz-Teams aufeinander. Am Nachmittag schlenderten wir noch am Brandenburger Tor entlang, als mir drei bekannte Gesichter aufgefallen sind! Es waren die Gesichter von Champions-Hockey-League-Siegern und Schweizer Playoff-Versagern Mathias Seger, Lukas Grauwiler und Andri Stoffel flanierten ebenfalls ums Brandenburger Tor herum…

Nach einem fünfminütigen Fussmarsch vom Berliner Ostbahnhof war sie zu sehen, die o2 World Arena, Europas modernste Arena. Man könnte die o2 World auch als «Prudential Center Europas» bezeichnen. Jedes Schweizer Team würde von solch einer Arena träumen. Man sitzt wie in einer NHL-Arena, nur im Pullover, in einem bequemen Sessel mit Getränkehalter und das Spiel wird zum Familienerlebnis. Von der Grossmutter bis zum Hardcore-Fan war alles anzutreffen, von randalierenden Fans keine Spur. Doch anders als in der NHL, war die Stimmung riesig – Deutschland eben! Nur eines haben wir vermisst, einen «Hamburger», stattdessen gabs «American Hotdogs à la Quebec» – denn schliesslich waren die Hamburg Freezers zu Gast und nichts wäre für den Berliner Fan naheliegender, als vor dem Spiel einen «Hamburger» zu verzehren.

Die Geschichte haben die Ossies trotz neuer Arena, Namen- und Standortwechsel nicht vergessen

Doch die bedauernswerten Gäste schienen auf dem Eis tatsächlich «verzehrt» zu werden. Der Qualifikationssieger und aktuelle Deutsche Meister dominierte das erste Drittel nach belieben, trotz einem Torschussverhältnis von 18:2, führte man nach zwanzig Minuten nur mit 1:0. Die sehr effizient spielenden Gäste aus der Hansestadt kamen in der 52. Minute sogar zum 3:3 Ausgleich! Unter dem Ansporn der 14’200 Fans (Berlin hat den zweithöchsten Zuschauerschnitt Europas) spielten sich die «Ostberliner» doch noch zum verdienten und wichtigen ersten Sieg (5:3) in dieser Serie.

So gehört der ehemalige DDR-Verein (15-facher DDR-Meister) heute zu den europäischen Top-Adressen. Nicht zuletzt Dank des US-amerikanischen Inhabers Anschutz Entertainment Group (AEG), welche seit 1999 alleiniger Inhaber der Eisbären ist. Doch die Geschichte haben die Ossies trotz neuer Arena, Namen- und Standortwechsel nicht vergessen. Fangesänge wie «Berlin-OST, Berlin-OST, Berlin-OST» oder «Dyyynamo, Dyyynamo, Dyyynamo» waren ebenso präsent wie Dynamo-Schals, Trikots und Fahnen.

Zuschauerschnitt 2008-09
1. SC Bern (Sz), 16’172 (Schnitt/Spiel)
2. Eisbären Berlin (De), 13’746
3. Adler Mannheim (De), 11’756
4. Frölunda Göteborg (Sd), 11’234
5. Kölner Haie (De), 10’342

Davos vs. Lugano! Strecker vs. Krein!

 

HC Davos (HCD) vs HC Lugano (HCL), Klaus Zaugg vs. Joël WüthrichDas Duell! Früher bekannt aus dem Magazin Slapshot und später aus dem Top Hockey. Jeweils monatlich duellierten sich Klaus Zaugg und Joël Wüthrich zu einem brisanten Thema. Als „Duell im Westentaschenformat“ oder als „Duell Zaugg/Wüthrich der armen Männer“ duellieren wir uns in der Playoff-Version Davos vs. Lugano 2008/09. Ein Duell, welches eigentlich schon fast ein vorgezogenes Finale sein könnte. Spitzeneishockey auf beiden Seiten bereits schon im Viertelfinal. Doch wer hat nach der Best of Seven Serie die Nase vorn? HCD vs. Lugano, oder Simon Strecker vs. Michele Krein!


Strecker:
Wenn man in die Vergangenheit schaut, müsste man das „Grande Lugano“ klar favorisieren. Doch erstens ist die Vergangenheit vorbei und zweitens ist das Grande Lugano nicht mehr so gross, wie es fürher war. Vor Jahren hätte man sich mit einem fünften Quali Rang nicht zufrieden gegeben.

Doch wer ist überhaupt favorisiert? Beide Teams verfügen über ein starkes Kader. Der HC Lugano hat bestimmt mehr Talent im Team, vor allem die viel stärkeren Ausländer. Davos hat dafür mehr Kampfgeist, mehr Siegeswillen, Davos ist hungriger! Und dies trotz der besten Bilanz aller National League A Teams der letzten Jahre! Arno del Curto hat es geschafft, dass keine mentale Müdigkeit im Team einkehrt, keine Genügsamkeit, wie sie z.B. der SC Bern seit Jahren verspürt.

In der Aktuellen Saison gab es bis jetzt sechs Verlängerungen. Davon konnte der HCD vier für sich entscheiden. In der Playoff Serie gab es bis jetzt immer Verlängerung. Von der Wahrscheinlichkeit her müsste es also dem Schweizer Rekordmeister reichen, die Halbfinals zu erreichen.

Doch auf Statistiken sollte man sich nicht verlassen. Es gibt weitere Gründe, warum der HCD die Tessiner schlagen wird. Gerade bei engen Serien, wo sich die Teams ebenbürtig sind, entscheidet am Schluss der Wille! Und Davos hat den stärkeren Willen. Davos hat ein jüngeres Kader mit Spielern, die zwar weniger Talent besitzen, doch dafür um so mehr daran glauben, das Ziel zu erreichen. Davos hat zudem die ausgeglichenere Mannschaft. Davos hat keinen Nummelin, keinen Thoresen und auch keinen Murray. Wenn es dem HCD gelingt, diese Spieler zu neutralisieren, dann ist ein Weiterkommen in die Halbfinals ausser Frage! Beim HCD sind die Skorer viel besser verteilt, jeder kann das entscheidende Tor schiessen. So wie Robin Grossmann im letzten Spiel in der Overtime mit einem scharfen Slapshot.

Krein: Insgesamt sechsmal standen sich die beiden Teams in Playoff-Serien schon gegenüber. Fünfmal (86, 88, 99, 03 und 06) konnten die Tessiner die Serie für sich entscheiden. Die Playoff-Statistik spricht also ganz klar für Lugano. Die letzte Playoff-Paarung der beiden Kontrahenten, konnte Lugano mit einer 4:1 Serie im Finale für sich entscheiden. Die aktuellen Saisonresultate sprechen aber für den HCD. In vier spielen ging es dreimal in die Verlängerung, wobei die Bündner deren zweimal die Overtime für sich entscheiden konnten.

Was spricht im Viertelfinale 2008/09 für den HC Lugano? Lugano behagt die Rolle des Aussenseiters besser als die des Favoriten. Bei den letzten drei Meistertiteln startete man aus den Rängen drei (99), vier (03) und zwei (06). Obwohl Davos-Trainer Del Curto sein Team „immer“ als Aussenseiter bezeichent, betrachte ich es für Lugano als Vorteil, vom fünften Rang aus als „Aussenseiter“ zu starten.

In den Jahren des scheiterns spielte Lugano jeweils eine grandiose Qualifikation, die Spieler erreichten ihr Leistungszenit bereits in der Quali, waren aber in den Playoffs ausgebrannt. Dazu kam meistens noch das Verletzungspech. In der aktuellen Saison spielte man eine durchzogene und nicht immer überzeugende Qualifikation und musste einen Trainerwechsel verkraften. Viele Spieler wie Hirschi, Domenichelli, Robitaille, Lemm, Conne und Nummelin standen nicht immer zur Verfügung. Doch rechtzeitig auf die Playoffs kann die Mannschaft erstmals komplett (mit Ausnahme von Paterlini und Domenichelli) antreten. Gerade Steve Hirschi, welcher in den letzten drei Jahren nur 46 Spiele bestreiten konnte, kommt als Sinnbild für Luganos Rückkehr in die Playoffs rechtzeitig zurück.

Unter den besten fünf Skorern der Qualifaktion befinden sich zwei Lugano-Spieler: Patrick Thoresen (63 Punkte) und Petteri Nummelin (62 Punkte). Der beste Davoser ist Michel Riesen mit 41 Punkten (noch hinter Julien Vauclair). Skorerwerte müssen nichts heissen, schlussendlich gewinnt man als Mannschaft und nicht mit Einzelspielern. Dennoch können Thoresen und Nummelin in der Serie gegen die Bündner entscheidende Faktoren sein.

Praktisch niemand glaubt an einen Triumph Luganos über die Bündner, trotzdem traue ich dem siebenfachen Schweizermeister eine „Überraschung“ zu. Doch dazu braucht es eine kompakte Mannschaftsleistung, einen David Aebischer in seiner besten NHL-Form, den Willen und den Glauben des Siegens. Dazu kommt das Wissen, dass man in den letzten Jahren alle Playoff-Serien gegen die Bündner gewinnen konnte. Der letzte und bisher einzige Davoser-Playoff-Erfolg gegen Lugano liegt elf Jahre zurück.