MonatsarchivMai 2009

The Truman Show

Am 17. August 2003 besuchte ich mein zweites Spiel (Sydney Bears – Canberra Knights) der Australian Ice Hockey League. Auf dem Eis stand ein gewisser Andrew Truman, gesponsert von der Firma „Pacific Prospect“. Bei Sydney haben alle Spieler zusätzlich einen privaten Geldgeber. Truman ist mir an diesem Abend (8:2 Sieg der Bears) nicht speziell aufgefallen. Anderhalb Jahre später tauchte derselbe Truman erstmals in der Schweizer Nationalliga auf!

Truman gilt als Weltenbummler, welcher sein Handwerk bei verschiedenen A-Midget-Juniorenteams im Mutterland des Eishockey erlernt hatte. Danach folgten drei Saisons in der Klasse „Junior A“. SJHL, AJHL und AWHL hiessen die weiteren Stationen. 1994 erzielte Truman für zwei Teams sagenhafte 256 Tore in nur einer Saison. Später (2000-02) spielte er in der South Saskatchewan Junior Hockey League (SSJHL), wo er mit den Estevan Bruins einen Meistertitel feiern konnte. 2003 erzielte Truman in 14 Spielen, 19 Punkte für die Sydney Bears in Australien. Der Abstecher nach Down Under galt als Vorbereitung für die anschliessend geplante Saison in Finnland. Bei Haukat Järvenpää, in der zweithöchsten Suomi-Liga Mestis, kam er jedoch nur zu Trainingseinsätzen.

Zurück zur Nationalliga. In der Saison 2004/05 gab er zu seine Feuertaufe in der NLB. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall vom damaligen Olten-Söldner Albert Malgin (heute in Biel), wurde er zunächst für drei Partien (sehr kostengünstig) verpflichtet. Doch das Gastspiel des kanadischen Stürmers war beim EHC Olten bereits nach einem Spiel wieder zu Ende. Im Training war man zwar von seinen Qualitäten überzeugt, jedoch konnte er kurzfristig keine Impulse geben, war dem EHC Olten Trainer Dario Andenmatten im „Oltner Tagblatt“ zu entnehmen. Truman stand vom 9. bis zum 18. Dezember 2004 bei den Solothurnern unter Vertrag. Doch Truman gab schon vorher sein Debüt auf Schweizer Eis. Der Zweitliga Klub EHC Sursee (Foto) verpflichtete ihn, zusammen mit seinem Bruder Lance Truman, für drei Spiele. In diesen drei 2. Liga Partien zeigte Truman alles andere als eine Truman Show, vier Tore und zwei Assists waren zu wenig um später in der NLB eine Rolle spielen zu können.

Andrew Truman ist ein Weltenbummler, als Profi kann er wohl nie eine wichtige Rolle spielen. Trotzdem warten wir gespannt auf die Fortsetzung der aussergewöhnlichen „Truman Show“, wo wird er als nächstes anheuern?

Andrew Truman, geboren am 2. Mai 1982 in Kanada, 183 cm, 79 kg, Stürmer, rechts schiessend

Die Welt der Maskottchen …von Pady bis Cooly…

An das erste WM-Maskottchen an welches ich mich erinnern kann ist der 90er WM-Eisbär Pady. Die Plüschform von Pady sitzt noch heute auf meinem Schreibtisch. Pady in der kleinsten Form, kostete bereits vor neunzehn Jahren zwanzig Franken, ein hoher Preis für einen damals 12jährigen.

Wie cool ist Cooly wirklich? Was gab es sonst noch für heimliche WM-Stars? Kann man sich überhaupt noch an andere „WM-Tierchen“ erinnern? Wo kamen welche Tiere am heufigsten zum Einsatz?

Die Russen beispielsweise haben in vier WM-Turnieren drei Bären eingesetzt. Toptigka (1973), Misha (1986) und Teamka (2007). Genauer gesagt, wenn die WM in Moskau stattfindet ist das Maskottchen ein Bär. An der WM 2000 in St. Petersburg trampelte der Elch Hockusha durch die Arena.

Auch Löwen kamen heufig zu Ehren. Der erste Löwe war Pepa (1985 in Prag), später folgte Leo (1992, wieder in Prag), in Finnland hiess „der König der Tiere“ Hanki (1997) und Finkey (2003). Die Tschechen präsentierten 2004 in Prag und Ostrava zum drittenmal einen Löwen (Tomik).

Zwei Maskottchen kamen sogar zu insgesamt fünf WM-Einsätzen. Der Pinguin Bully, trat 1993 erstmals in München und Dortmund auf. Bully blieb danach bis 1998 im deutschsprachigen Raum. In Wien (1996) und in Zürich und Basel (1998) absolvierte Bully zwei weitere WM-Turniere! Der zweite Kontrahent ist der Schneemann Snowy, Snowy stampfte 1995 und 2002 als Publikumsliebling in Schweden übers Eis.

Champion the Polar Bear setzte letztes Jahr in Quebec/Halifax neue Massstäbe und wurde gleich als Cooly für die aktuelle WM engagiert! Verwandte Eisbären von „Champion“ sind Pucky (1999 in Norwegen), der bereits erwähnte Pady, sowie Isidor aus Göteborg 1981.

Weitere klingende Namen waren Rix der Biber (2006 in Riga), Winni der Adler (2005 in Österreich), Spacy der Ausserirdische (2001 in Deutschland), Slapy der Schneehase (Italia ’94), Vikingman (Stockholm 1989) oder Packy der erste Pinguin (in Wien 1987).

Fakt ist, Cooly die Kuh wird zweiffellos als eines der nachhaltigsten und originellsten WM-Maskottchen in Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt Dank der grossartigen Show, welche die fünfköpfige Crew aus Kanada täglich geboten hat! Nun dann – nichts wie hin zum Fanshop, denn Pady war nun lange genug allein. Höchste Zeit, dass sich Cooly und Pady auf meinem Schreibtisch vereinen und gemeinsam auf den nächsten Plüschpartner freuen können…

Die Gulaschtruppe

^Foto: Die Magyaren Krisztian Palkovics, Daniel Koger und Istvan Szelig tragen auf ihren Helmen die Nummer 19, zu ehren ihres verstorbenen Freundes und Ungarn-Legende Gabor Ocskay. (Michael Krein)

Willkommen in der Welt der Exoten! Erstmals seit 70 Jahren nimmt Ungarn wieder an einer A-WM teil. Das Ziel der Puszta-Jäger: Ja nicht absteigen.

Eishockey und Ungarn? Ein grosses Fragezeichen im Land der Puszta. Die Puszta ist eine baumarme und öde Steppenlandschaft im Osten Ungarns. Vergleicht man die Eishockeyweltkarte mit Ungarn, würde Ungarns Eishockey in der Puszta, in der Einöde liegen. Deshalb kann sich auch kaum jemand an Ungarns Auftritt an der B-WM 1985 in Fribourg erinnern! Die Magyaren belegten damals den letzten Platz und stiegen in die C-Gruppe ab. Vor Jahresfrist gelang der sensationelle Aufstieg in die A-Gruppe nach einem Sieg über die Ukraine. Ungarn kehrt also nach 70 Jahren wieder in die oberste Spielklasse zurück. Die letzte A-WM bestritten die Osteuropäer übrigens auch in der Schweiz, 1939 in Basel und Zürich.

Zu den Schlüsselspielern des Aufstiegsteams gehörte auch Gabor Ocskay (34). Wenige Tage nach dem ungarischen Meistertitel mit Alba Volan ist der 187-fache Internationale an einem Herzinfarkt in Budapest gestorben. Ende März fand im Eisstadion von Szekesfehervar eine grosse Abdankungsfeier statt. Die Halle war bis auf den letzten Platz besetzt, in einem familiären und emotionalen Moment wurden nochmals Bilder aus Ocskays Karriere gezeigt. Der plötzliche Tod von Ocskay war ein grosser Schock für das gesamte ungarische Eishockey. Ocskay galt als «Herz» der Nationalmannschaft. «Er war auf- und neben dem Eis die Leaderfigur, ich würde ihn in der Schweiz mit Sandy Jeannin vergleichen» so Assistenzcoach Diego Scandella.

Gabor Ocskay galt als «Herz» der Nationalmannschaft

Scandella, der ehemals acht Jahre in Lugano und Ambri tätige Italo-Kanadier ist seit vier Jahren Assistenzcoach der Magyaren. Headcoach Pat Cortina und Diego Scandella stammen beide aus Montreal und sind langjährige Freunde. Die beiden arbeiteten schon in den neunziger Jahren erfolgreich bei den Devils Milano in Italien zusammen. Pat Cortina amtet nebenbei auch noch als Headcoach beim EHC München (2. Bundesliga). Diego Scandella kehrt auf die kommende Saison wieder in die Leventina zurück, die Funktion ist noch offen.

Die Schlüsselspieler sind gefordert

Um das Ziel «Klassenerhalt» zu erreichen sind vor allem die Schlüsselspieler gefordert! In erster Linie setzt man auf die NHL-Drafts. Vorallem Torhüter Levente Szuper (2001 als Nr. 116 von den Calgary Flames gezogen) und Janos Vas (gedraftet als Nr. 32 von den Dallas Stars). Janos Vas absolvierte 204 Spiele in der AHL und spielt in Schwedens Elitserien bei Brynäs Gävle. Ganz anders steht es um Ungarns ersten NHL-Draft der Geschichte. Der 1999 von den Edmonton Oilers als Nr. 256 gezogene Tamas Gröschl gehört seit letztem November nicht mehr zum Stamm der Nationalmannschaft. Doch Der Fall Gröschl ist in keiner Weise mit unserer Polemik um Reto Von Arx und Co. zu vergleichen. Das ewige Talent konnte oder wollte sein Potenzial nie richtig ausschöpfen und kann die Erwartungen des Trainerduos nicht erfüllen. Weitere wichtige Akteure der Puckjäger aus der Puszta sind Krisztian Palkovics (an der letzten Division I WM als bester Stürmer ausgezeichnet), die Auslandsöldner Balazs Ladanyi und Marton Vas (älterer Bruder von Janos Vas), sowie die erfahrenen Verteidiger Andras Horvath und Viktor Tokaji.