Als Gaddafi noch Eishockey Sponsor war…

Das Trikot mit der Nummer 27 von Robert Simon, ehemaliger Spieler des ECD Iserlohn. (Foto: Westfalenpost/Roberto Pfeil/dapd)

Ende November 1987 steht der Bundesligist ECD Iserlohn (heute als Iserlohn Roosters bekannt) kurz vor dem finanziellen Kollaps und ist mit 5,8 Millionen Mark verschuldet. Doch wer nun glaubt, dies ist das Aus der Iserlohner, hat die Rechnung ohne Klubpräsident Heinz Weifenbach gemacht. Denn dessen Netzwerk reicht bis in die Beduinen der lybischen Wüste. Der Klubpräsident ist kurzerhand spurlos verschwunden und «ausser Landes untergetaucht», Gerüchte über einen millionenschweren Sponsor aus dem Morgenland machen zwar die Runde, gelten aber unglaubwürdig.

Ein Bundesligaspiel

Kurz vor der nächsten Partie gegen Rosenheim, welche durch den Deutschen-Eishockey-Bund (DEB) bereits abgesagt wurde, taucht Heinz Weifenbach mit der freudigen Botschaft eines neuen Sponsors auf. Der lybische Revolutionsführer Muammar Al-Gaddafi habe über einen Treuhandfond bereits 1,5 Millionen Mark bereitgestellt. Die Gegenleistung: Trikotwerbung für «Das Grüne Buch», die Schrift, in dem Muammar Al-Gaddafis politische Philosophie niedergelegt ist. Das Spiel gegen Rosenheim findet tatsächlich statt. Der ECD Iserlohn bestreitet die Partie am 4. Dezember 1987 (3:3) mit dem neuen Sponsor «Das Grüne Buch» auf der Brust. Ein Skandal, welcher auf den Tischen des deutschen Bundesinnenministerium landet. Der Deutsche-Eishockey-Bund droht den Iserlohnern sogar mit der Zwangsrelegation.

Die Spieler zerstreuen sich Wüstensand

Nachdem die Gaddafi-Millionen nie in Iserlohn angekommen sind, verkündet der Konkursverwalter das endgültige Aus des ECD Iserlohn. Die Spieler zerstreuen sich, wie der lybische Wüstensand,  in alle Windrichtungen, der Rest wird zur Angelegenheit von Richtern und Anwälten. Und Muammar Al-Gaddafi? Darf sein Souvenir, ein Klubwimpel des ECD Iserlohn als Erinnerung behalten.

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