Bozner Erfolgsgeschichte

Bozner Erfolgsgeschichte

Es ist ein heisser Sommertag, niemand denkt in der Umgebung der Bozner Eiswelle «Palaonda» an Eishockey, ein kleiner, geschlossener Imbissstand in den Farben des HC Bozen deutet einzig auf den Eishockeysport hin. Auch das Eisstadion, welches im Mai 1994, bei ähnlichen Temperaturen, auch WM-Schauplatz ist, ist auf den ersten Blick nicht als Eishalle auszumachen. Die Stadion-Beiz ist offen und eine Handvoll Stammgäste diskutieren schon am frühen Nachmittag feuchtfröhlich mit dem Stadionwirt. Dieser gewährt, durch das Stadionbeizli hindurch, auch im Sommer Einlass in die Heimstätte der erfolgreichsten italienischen Eishockey-Organisation.

Ruhmreiche Hallendecke

Die Saison 2012-13 ist leider schon Geschichte und die unteren Sitzreihen in der Multifunktionshalle, wie beim Zürcher Hallenstadion, schon eingefahren. Dennoch gibts noch Spuren aus der vergangenen Meisterschaft, ein Matchprogramm liegt noch auf der Medientribüne. Als Qualifikationsdritter scheitert Bozen vorzeitig im Viertelfinal am späteren Meister AS Asiago. Für die Bozner ist es die vorerst letzte Meisterschaft in der heimischen Serie-A, die Südtiroler wechseln auf kommende Saison hin in die österreichische Erste-Bank-Eishockey-Liga (EBEL).


42 Spiele, 76 Tore und 78 Assists – das ist die Bilanz von Mark Napier, dem Star von Meister HC Bozen

– Franz Sinn, Eishockey-Journalist

Damit verliert die Serie-A, welche in den 90er Jahren ihre letzte Blütezeit erlebt, den wichtigsten Klub der heimischen Liga. Unter der Hallendecke der Bozner Eiswelle hängen Fahnen von 19 italienischen Meistertiteln, in schweizerdeutsch ausgedrückt, es ist als würde der HC Davos in die KHL wechseln. Die Meisterfahne 1990, sie hängt vor dem ersten Alpenliga-Titel, lässt mich in Gedanken an den fabelhaften Bericht von Franz Sinn, einem bedeutenden Eishockey-Reporter Italiens, zurück schwelgen. Die Seite 107 im deutschen «Eishockey Jahrbuch 1990» sind die Zeilen über «Italien» und dessen Meisterstück, welches als regelrechter Krimi niedergeschrieben ist. Wer diese Zeilen liest, wer sich die Messehalle, die Vorgängerin der Palaonda, vorstellen kann und wer dieses Foto (oben) von Mark Napier im rot-weissen Lancia-Jersey sieht, will nach Bozen. Doch diese Bozner wollen nach Österreich und spielen künftig lieber gegen Tiroler, statt gegen Vicenzer oder Ladiner. Ein Tiefschlag für die italienische Liga, aber eine Chance für Bozen, welches sich durch den Ligawechsel und seine, für italienische Verhältnisse, hohen Zuschauerzahlen, neue finanzielle- und sportliche Möglichkeiten erhofft.

Wie einst in der Alpenliga?

Bozen spielt schon früher eine grosse Rolle in der länderübergreifenden Meisterschaft der 90er Jahre. In der Alpenliga spielen die Südtiroler immer an der Spitze mit und holen, nach zwei Silbermedaillen, 1994 vor heimischer Kulisse gegen die grossen Devils aus Mailand den ersten Alpen-Cup-Pokal. 1995 folgt der zweite internationale Titel, beim gewinn der Euroliga, verstärkt der zweifache Stanley-Cup-Sieger Jaromir Jagr die «Weiss-roten» im Endspiel gegen den HC Rouen. Bozen hat immer schon grosse Stars ins Alto-Adige (Südtirol) gelockt, wie etwa Ron Chipperfield, Kent Nilsson, Mark Pavelich oder eben Napier, einst überragender Mann bei Franz Sinn’s Krimi-Titel 1990. Seine 154 Skorerpunkte in 42 Spielen sind noch heute eine Rekordmarke. Ein «Scudetto» kommt vorerst keiner mehr dazu und das «alte Matchprogramm» auf der Pressetribüne wird zum Relikt.

Künftige Bozner-Stars, wie einst der grosse Napier, schreiben ihre erfolgreiche Hockey-Geschichte in Zukunft wieder zusammen mit Österreichern und Slowenen, wie früher in der guten, alten Alpenliga. Auch auf der anderen Seite des Brennerpasses (Brennero) dürfte ein Titelgewinn um die «Champions-Trophy» bald als Fahne unter der Hallendecke der Palaonda hängen und Franz Sinn wird den einstigen Krimi neu als Symphonie niederschreiben.

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