MonatsarchivNovember 2013

Kann ein Trainer entlassen und wieder eingestellt werden?

2013-11-28_220813Neuerdings macht die pro-Facebook-Antti-Törmänen-Kampagne auf den Social-Media Kanälen in Bern die Runde. Was romantisch verklärt tönt, ist im SCB Realität. Die Fans lassen sich «ihren Meistertrainer» nicht einfach so vom Konterfei streichen. Doch: kann man einen Trainer feuern, um ihn auf Druck der Supporter eine Woche später wieder einzusetzen. Ich sage «Nein!»

Die Psychologie des Sports

Natürlich, Törmänen ist ein feiner Gentleman des Eishockeys. Natürlich, er war in zwei Saison erfolgreich beim SCB. Natürlich, man hätte unbedingt mehr Geduld haben sollen. ABER: Es gibt im Sport nichts Schlimmeres, als von einem Entscheid mit weitreichenden Konsequenzen in so kurzer Zeit wieder ab zu weichen. Der Entscheid Törmänen zu entlassen mag noch so falsch sein. Das SCB-Management muss nun die Konsequenzen aus diesem Entscheid tragen. Den Finnen wieder einzusetzen, ist zwar fan-politisch opportun. Aber was, wenn der SCB drei, viermal hintereinander verliert? Plötzlich in den Abstiegsstrudel der Playouts gerät? Kein Trainer der Welt würde mit dieser Vorgeschichte je wieder genügend Kredit bei den Spielern geniessen. Die Macht des Faktischen ist stärker als der Facebook-Wille der Fans!

Und was bleibt?

Der offensichtliche Unwille der Berner im Erfolg und in der Niederlage mehr Demut zu zeigen. Anstatt sich am Meistertitel zu erfreuen, verhunzt man den geschlagenen Gegner (Hurensöhne Gottéron). Dafür zeigt man in der Niederlage nicht den Willen, mehr Geduld auf zu bringen. Wobei die Akzeptanz des Lions-Gegentreffers in der letzten Sekunde vor zwei Jahren von grosser Klasse zeugte!

Zu oft ist in der ehrwürdigen Allmend alles nur «damn-good» oder «bloody crab»! Tatsächlich zeigt Interims-Coach Lars Leuenberger, dass man mit demselben System, denselben Stürmern, demselben Torhüter, denselben Routiniers durchaus zu Punkten kommen kann. Der Erfolg von «Lazer» könnte noch zum Problem für die Berner werden. Zum Abschluss noch eine Frage: Wurde beim EVZ je die Frage nach dem Trainer gestellt? Ok, Doug Shedden wurde auch noch nie Meister mit den Zugern…

 

 

Seguin, Zetterberg, Tavares

Die Krise der Lockout-Profiteure

Seguin, Zetterberg, Tavares

Die Zuger, Bieler und Berner Veredelung 2012 wird schmerzlich vemisst. (Foto-Montage: Marti)

Was haben Zug, Biel und der SCB gemeinsam? Ganz einfach: alle drei sind in der Krise und sie alle profitierten in der letzten Saison überdurchschnittlich vom NHL-Lockout.  Die drei Klubs mit unterschiedlichen Budgets, Ambitionen und Potenz zeigen auffällige Gemeinsamkeiten. Beweis gefällig?

Blenden wir zurück ins neblige Biel, Oktober 2012: Die Seeländer starten mit wenig Kredit und Aussicht auf eine Playoff-Qualifikation in die Saison 12/13. Der Start ist miserabel. Nach wochenlanger Spekulation wird der NHL-Lockout Tatsache. Man spricht viel von Stars hier und dort und in der Uhrenstadt macht ein gewisser Tyler Seguin seine Aufwartung. Niemand beachtet den 67 Punkte-Mann der Bruins. Journalisten erkundigen sich beim Pressechef, wie man überhaupt diesen Namen ausspreche… Bis er Tor um Tor erzielt. Bald darauf ergänzt Superstar Patrick Kane den Bostoner Skorer. Die beiden erzielen in 29 resp. 20 Spielen 63 (!) Skorerpunkte und schiessen den EHC in die Playoffs. Tore und Assists die in dieser Saison keiner mehr schiesst. Der Fall ins Playout wird diesmal auch durch den Hockeygott nicht zu verhindern sein.

Zug ohne Brunner und Diaz, wie Fondue ohne Weisswein

Szenenwechsel: der EV Zug verliert im Sommer 2012 mit Damien Brunner seinen wichtigsten Schweizer Stürmer in die NHL. Zwar wird mit Linus Omark ein Schwedischer Künstler verpflichtet, aber das Hauptproblem „Lotter-Goalie“, wie ein Chronist zu sagen pflegt, ist nicht gelöst. Resultat ist ein miserabler Start in die Meisterschaft. Doch Zugs Manager Patrick Lengwiler ist alles andere als langweilig und reagiert als einer der ersten auf den Lockout. Er sorgt nicht nur dafür, dass Brunner und Diaz wieder im Steuerparadies landen, er verpflichtet gleich noch Superstar Henrik Zetterberg dazu. Das Resultat lässt sich sehen: Die drei Lockout Verstärkungen notieren in rund 30 Spielen sagenhafte 118 Skorerpunkte. Und mit Ihnen geht auch der Stern des eigensinnigen Omark auf: 69 Punkte in 48 Spielen. Davon 52 Assists! Zug schafft es weg vom Tabellenende in die Playoffs und scheitert dort im Halbfinale ohne NHL-Verstärkung klar am SCB. Davon ist der EVZ nach fast der Hälfte der Qualifikation im Herbst 2013 weit entfernt. Prognose: Zug erholt sich diesmal nicht mehr und verpasst das Playoff!

Der SCB steht heuer genau dort, wo er letzte Saison eigentlich schon gestanden hätte…

Bleibt noch der Ligakrösus aus der Bundesstadt. Viel wird vor der Saison 12/13 spekuliert über das Team von Antti Törmänen. Zu alt, zu langsam, zu schwach in der Defensive. Tatsächlich legen die Berner vor einem Jahr einen schwachen Saisonstart hin. Bis die wundersame Erlösung aus der NHL in Form des Lockouts kommt. Mark Streit und Roman Josi verleihen der löchrigen Berner Defensive nicht nur Stabilität, sondern auch Vorwärtsdrang. In den ersten drei, vier Spielen wird an den Berner Stammtischen zwar noch dauernd über Streits mangelnde Performance gemault. Aber die Werte lassen sich sehen: Der Kapitän der Schweizer Nati notiert in 32 Spielen 26 Punkte. Und viel wichtiger, er weist eine +19 Bilanz auf. Roman Josi stösst etwas früher zum Team, erleidet aber eine Verletzung. Trotzdem sind auch seine Werte beeindruckend: 17 Punkte in 26 Spielen und vor allem eine +14 Bilanz. Keine anderen Mutzen-Verteidiger weisen auch nur annähernd so gute +/- Bilanzen auf. Streit überzeugt zusätzlich seinen Kumpel John Tavares aus New York, nach Bern zu wechseln. Tavares überflügelt die ganze Lockout-Armada mit seinen Werten: in 28 Spielen erzielt er nicht weniger als 42 Punkte. Aber er hat nicht nur Vorwärtsdrang, sondern sichert auch die Defensive ab. Seine +16 Bilanz spricht Bände.

Der Coach unter Beschuss

Dass Törmänen noch am 29. September 2012 vor dem Rauswurf stand, haben viele SCB-Anhänger nach dem Meistertitel schon wieder vergessen. Die BZ formulierte es damals so: «Die Verpflichtung von Tavares gründet nicht im verpatzten SCB-Saisonstart, in die Wege geleitet worden war sie vor der schwachen Vorstellung am Dienstag gegen Rapperswil (1:3-Heimniederlage). Der Druck auf Coach Antti Törmänen wird durch die Verstärkungen nicht kleiner. Lüthi mag nicht auf Trainerdiskussionen eingehen, sagt nur: Ich erwarte Leistung. Jetzt erst recht.» Das kommt einem doch im Herbst 2013 alles sehr bekannt vor…

Wenn das alte Hallenstadion-Feeling in Lyss auflebt

Hockey Day Lyss

Swiss Ice Hockey Day 2013 in Lyss

Tatort: Eishalle Lyss

Anlass: Swiss Ice Hockey Day 2013

Anwesend: Nationaltrainer Sean Simpson, die ex-Lysser Philipp & Simon Rytz, Geoff Kinrade (SCB), Manuel Gossweiler (EHC Biel), rund 50 begeisterte Kids

Organisiert: SC Lyss und seine Juniorenverantwortlichen

Essen: Fondue und Lysser Bratwurst in der Hallenbeiz

Stimmung: Ausgelassen bis enthusiastisch; Eine Atmosphäre in der Fondue-geschwängerten Halle, wie beim legendären ZSC…..

Erfolgsfaktor: Viele kleine Eisflitzer, welche in einer gut vorbereiteten Umgebung dem Puck nachjagen konnten!

Verbesserungspotenzial: Die Lysser hätten es verdient, noch mehr Publikum anzuziehen.

Endlich in der NLA angekommen

Ralph Stalder: Der Jörg Reber der Romandie

Ralph Stalder: Der Jörg Reber der Romandie

«Ja, es hat gedauert, bis ich endlich in der National League A angekommen bin!» Der dies sagt, ist Ralph Stalder – 27jähriger Linksverteidiger beim Aufsteiger Lausanne. Stalder hat eine wahre Hockey-Odysee hinter sich. Aus der Talentschmiede in Zunzgen-Sissach herkommend (wie Kevin Schläpfer, Oliver Kamber und Marc Grieder), hat sich der Oberbaselbieter zuerst in Davos nicht durchsetzen können. Via Powermäuse aus Olten ist er schliesslich in Basel – beim EHC gelandet. «Irgendwie komisch: hier in Lausanne bin ich 2005 mit Basel zwar aufgestiegen, ich konnte mich aber in der Nati A nicht halten».

Olten-Basel-Olten-Basel-Olten

Also ging es weiter auf  Wanderschaft. Statt mit Basel in der obersten Liga, ging «Staldi», wie er von seinen Kollegen genannt wird, wieder in Olten auf Puckjagd. In den darauf folgenden zwei Saisons pendelte die Nummer 14 zwischen Basel und Olten. Er erlebte auch den bitteren Abstieg 2008 und die 0:4 Pleite der Basler in der Ligaquali gegen den EHC Biel.

Ohne Lust auf eine weitere Saison in Basel wechselte der 1m78 kleine Defensivspezialist zu Langenthal. Während der Saison wurde er kurzfristig an den damaligen NLA-Aufsteiger Biel ausgeliehen, wo er mit einem gewissen Jörg Reber verteidigte. Zufall oder nicht: wenn man heute Stalder in der Pationoire de Malley auf dem Eis beobachtet, erinnert sein Spiel unweigerlich an das Grosshöchstettener-Fossil. «Ich habe damals in Biel bei Räbi einiges abgeschaut» lacht Stalder, auf den Vergleich angesprochen.

Aber wie das Hockey-Leben so spielt, erlebt Stalder den Ligaerhalt der Bieler aktiv mit, muss aber für die Saison 2008/2009 in Lausanne wiederum in der zweithöchsten Spielklasse unterschreiben. Dort hat er sich gehalten und ist nach vier weiteren Saisons endlich, endlich im Hockeyhimmel – sprich in der NLA – angekommen.