Sind die Romands Weicheier?

Julien Vauclair an der Scheibe
Julien Vauclair: der letzte Mohikaner….

Ich behaupte: ja! Beweise für diese Aussage gefällig? Tatort: PostFinanace Arena zu Bern, 14. Dezember 2013. Im vierten Aufeinandertreffen der letztjährigen Finalgegner Bern und Gottéron spielt der SC Bern unter Lars Leuenberger zum ersten mal  «Hit and Run-Hockey». Die ersten sechs Checks schliessen die Berner souverän ab. Kein Freiburger kann auch nur ansatzweise reagieren. Antti Miettinen fällt nach einem korrekten, harten Check von «Bidu» Gerber bereits in den Startminuten aus. Hans Kossmann sieht sich genötigt, sein Timeout  in den ersten acht Minuten zu beziehen, um sein Team vor dem vorzeitigen Untergang zu bewahren. Genützt hat es nur bedingt. Hätten die Berner ihre gefühlten tausend Chancen ausgenützt, wäre eine Kanterniederlage unausweichlich gewesen. So gesehen war das 2:1 Schlussresultat noch das Beste für die Gäste aus dem Üechtland. Das Spiel verläuft genau so, wie der letzte Playoff-Final. Die Berner kaufen dem – vor allem bei den Fans – verhassten Gegner den Schneid von Beginn weg ab.

Die Romands-Fraktion

Im gesamten Spiel fällt auf: Die Romands-Fraktion der Freiburger ist bei dieser harten Playoff-Gangart unter ferner liefen. Die Herren Bykov, Birbaum, Loeffel, Sprunger, Monnet, Huguenin, Ngoy, Lauper? Wurden nicht gesehen. Der Sensler Center Sandro Brügger sinniert nach dem Spiel in die Mikrophone der Journalisten: «Wir waren überhaupt nicht bereit. Die Berner überfuhren uns gleich zu Beginn». Diese Aussage erstaunt. Haben die Freiburger keine Zeitung gelesen und vom schnellen, harten Hockey der Berner unter Leuenberger keine Kenntnis genommen? Kaum erstaunlich dagegen, stimmen die Berner Fans ihre Lieblings-Parole an die Adresse der Freiburger an: «Nie Schweizermeister, Ihr werdet nie Schweizermeister!» Wohl wahr: denn wer die nötige Härte nicht aufs Eis bringt, wird kaum bis zum letzten Spiel der Saison siegreich bleiben.

Der grösste Erfolg des Schweizer Eishockeys findet ohne Romands statt

Ortswechsel: Stockholm, Globe Arena. Die Schweizer Nati hat nach einer begeisternden WM den Vize-Weltmeistertitel errungen. Auch hier fällt auf: die Romands spielen im Aufgebot von Sean Simpson keine Rolle. Einzige Ausnahme: Julien Vauclair. Es ist wohl nur eine Laune des Schicksals, dass ausgerechnet Vauclair (zugegeben nach einem ausgezeichneten Turnier) den entscheidenden Scheibenverlust im Final gegen Schweden verursacht. Mit im Aufgebot wäre auch der Künstler Monnet gewesen – ausser dem Platz auf der Tribüne schaut für ihn aber keine Minute Eiszeit heraus. Und sonst? Gähnende Leere auf dem Matchblatt.

Erfolg hat, wer hart spielt

Woran liegt es, dass die Romands derart ins Hintertreffen geraten sind? Wenn man sich die erfolgreichsten Teams in den führenden Ligen Europas und Nordamerikas anschaut, waren in den letzten Jahren stets starke, harte, taktisch gute Teams erfolgreich. Skelleftea AIK und Brynäs IF Gävle in Schweden, die Chicago Blackhawks (2x), Boston Bruins und die Los Angeles Kings in der NHL, Eisbären Berlin in der DEL. Die Zeiten der Traumtänzer sind vorbei. Die Weltmeisterschaft in Schweden stützt diese Aussage. Spielstarke Teams, wie die Tschechen oder Russen, mussten die Segel ungewöhnlich früh streichen. Die Schweizer wurden für Ihre harte Arbeit und taktische Reife zu Recht gelobt.

Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer: die weichen, verspielten Romands mögen das harte Spiel auf den Mann überhaupt nicht. Kaum geht an den Banden die Post ab, verlieren sich die Welschen in den Niederungen der neutralen Zone. Vielleicht könnte man sich ennet der Saane bei Chris McSorley in Genf etwas abschauen. Die Härte ins Spiel der Grenats bringen nicht etwa Einheimische, sondern Kanadier, Kanada-Schweizer und…… Deutsch-Schweizer. Die Romands unter Führung von Kevin Romy sind dann und wann noch für die spielerischen Highlights zuständig. Nicht mehr und nicht weniger. Sollte also Gottéron, Lausanne oder sonst ein Team aus der Romandie tatsächlich nächstens mal den Titel holen wollen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Der SCB scheidet vorher im Playoff aus, oder die Romands-Fraktion im Team wird verkleinert.

 

 

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