MonatsarchivAugust 2014

Lyss – Biel: Von Eisschlachten und Kantersiegen

 

Der Lysser Markus Witschi (rechts) bewacht Biels Nationalstürmer J.-J. Aeschlimann. (Foto: BT)

1989: Der Lysser Markus Witschi (rechts) bewacht Biels künftigen Nationalstürmer Jean-Jacques Aeschlimann. (Foto: BT)

In sechs Spielen gegen den EHC Biel ging der SC Lyss bisher erst einmal als Sieger hervor, dreimal setzte es für den Underdog sogar zweistellige Niederlagen ab. Am Samstag, 30. August, kommt es in Lyss anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums zum siebten Seeland-Derby.

Die erste Affiche fand 1970 im Rahmen des Industriecup Finals vor nur 200 Zuschauern in der neuen Lysser Eissporthalle statt. Der Lysser Hallenbesitzer Ernst Häfliger verpflichtete dazu noch drei Verstärkungsspieler aus Wichtrach. Dennoch hatte der Zweitligist gegen den überlegenen Nationalliga-B-Vertreter keine Chance und musste den Industriecup-Pokal erstmals dem EHC Biel überlassen. In der Folge konnten die Bieler bis 1994 den Wanderpokal noch acht Mal gewinnen.

Der Ursprung vom Schweizer WM-Silber 2013?

Anlässlich des Industriecups 1989, dem zweiten Aufeinandertreffen zwischen Biel und Lyss, präsentierte der SC Lyss seinen 1‘744 Zuschauern den unbekannten Kanadier Sean Simpson. Ausgerechnet im Halbfinal-Spiel gegen den EHC Biel, fiel der neue Kanadier in der 5. Minute verletzt aus. Für Simpson, der in seiner Karriere vorher nie verletzt gewesen war, kam der Ausfall im dümmsten Moment, denn Simpson hatte zu diesem Zeitpunkt in Lyss noch keinen Vertrag. In der Folge bezahlte der SC Lyss seinem Schützling lediglich Kost und Logis sowie die Therapiekosten. Auf Simpsons Initiative, bot sich der spätere Nationaltrainer im Gegenzug als Nachwuchscoach auf sämtlichen Stufen an. Die Verletzung im Spiel gegen Biel erwies sich später als Schlüsselpunkt im Leben von  Simpson.

Zwei Spiele in der Lysser Supersaison 1991/92

Im Industriecup Halbfinalspiel forderte der neu formierte SC Lyss seinem grossen Nachbar alles ab und lag zwischenzeitlich sogar mit 2:1 in Führung. Erst durch die vielen Lysser-Ausschlüsse konnte der Favorit die «Eisschlacht» mit 65 Strafminuten doch noch zu seinen Gunsten entscheiden und zog in den Industriecup Final gegen Freiburg-Gottéron ein. Die zweite Partie wurde in der Altjahrswoche, im Rahmen des Transfers von Sven Schmid, am 17. Dezember 1991 in Lyss gespielt. Zu diesem Zeitpunkt strotzte der Unterklassige als Nationalliga-B-Leader nur so vor Selbstvertrauen. Prompt musste der ersatzgeschwächte EHC Biel, der ohne seine beiden Ausländer Ramil Juldaschew und Waleri Schirjajew sowie die beiden U20-Nationalspieler Martin Steinegger und Marc Weber antreten musste, unten durch. In den letzten sechs Minuten erzielten die Lysser die wegweisenden Tore vom 3:3 zum 5:3 und realisierten den bisher einzigen Lysser-Sieg.

Die letzte Partie endete mit einer Kanterniederlage

In der Saison 2003/04 trat Lyss erstmals als Erstligist gegen den oberklassigen Nachbar aus der Nationalliga B an. Nach 20 Minuten beim Stand von 0:6 war die Partie bereits gelaufen. Immerhin kamen die Lysser in den letzten fünf Minuten noch zu zwei Ehrentreffer. Die 2:12-Klatsche ist aus Lysser-Sicht die höchste Niederlage zwischen den beiden Kontrahenten. Immerhin haben die Lysser, in der 55. Minute durch Roberto Dazio, bis heute den letzten Treffer erzielt.

Die Bilanz der beiden Coaches

Die aktuellen Coaches Kevin Schläpfer und Patrick Glanzmann standen beide auch schon als Spieler dieses Derbys auf dem Eis. Lyss-Trainer Glanzmann ist zudem einer von drei Spielern (neben Serge Meyer und Sven Schmid) welche anlässlich dieser Affiche schon beide Clubfarben getragen haben. Glanzmann steuerte in vier Spielen (eine Partie für Lyss, drei für Biel) zwei Tore gegen seinen heutigen Arbeitgeber bei. Schläpfer gab beim letzten Aufeinandertreffen die Vorlage zu Daniel Rubins zwölften und bis heute letzten Bieler Treffer.

Nur noch Tschantré und Rytz

Biel-Captain Mathieu Tschantré und der aus dem Lysser Nachwuchs stammende Torhüter Simon Rytz sind die einzigen Akteure welche schon beim Seeländer-Derby 2003 dabei waren.

 

Alle Spiele im Überblick

  1. Oktober 1970 (Industriecup, Final)
    Biel (NLB) – Lyss (2. Liga) 10:3 (5:0, 4:1, 1:2) – Eissporthalle. – 200 Zuschauer. – Tore: Lardon (3), Hügi (3), M. Burri, Kleiner, Greder (2); Birbaum, Oppliger, Hostettler.
  2. September 1989 (Industriecup, Halbfinal)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 2:10 (0:2, 2:4, 0:4) – Eissporthalle. – 1’744 Zuschauer. – Tore: Weber, Weibel; Dupont (2), Gingras, Stehlin, Leuenberger (2), J. Aeschlimann, Kölliker, Boucher
  3. September 1991 (Industriecup, Halbfinal)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 2:4 (0:0, 2:4, 0:0) – Eissporthalle. – 1’360 Zuschauer. – Tore: Bruetsch, Gratton; Schirjajew, Juldaschew, Schneeberger, Martin.
  4. Dezember 1991 (Freundschaftsspiel)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 5:3 (2:2, 1:1, 2:0)
    – Eissporthalle. – 1‘204 Zuschauer. – Tore: Kormann, Bruetsch, Baechler, Posma, Daoust; D. Bregnard, G. Dubois, J. Aeschlimann.
  5. September 1992 (Industriecup, Spiel um Platz drei)
    Biel – Lyss 7:2 (2:1, 3:1, 2:0) – Eissporthalle. – 850 Zuschauer. – Tore: Glanzmann (2), Burillo, D. Dubois, Nuspliger, M. Weber (2); Frutiger, Kormann
  6. Dezember 2003 (Freundschaftsspiel)
    Lyss (1. Liga) – Biel (NLB) 2:12 (0:6, 0:2, 2:4)
    – Seelandhalle. – 400 Zuschauer. – Tore: Krebs, Dazio; M. Beccarelli (2), D. Altorfer, Léchenne (2), Pochon, Nideröst, Furler, Reber, Von Gunten (2), Rubin.

 

Der Bericht wurde am 29. August 2014 im Bieler Tagblatt publiziert. 

Via Würenlos von Zürich bis Stockholm

 

Willi Vögtlin an der A-WM 1989 in Stockholm. Foto: Krein Archiv

Weltklasse-Schiedsrichter Willi Vögtlin an der A-Weltmeisterschaft 1989 in Stockholm. (Foto: Krein-Archiv)

Der schwedische Vizemeister Färjestads BK Karlstad gastiert im Rahmen der Champions-Hockey-League (CHL) in Zürich. Beim Spaziergang ums alterwürdige Hallenstadion rollt ein Fussball direkt vor meinen Augen auf die Hauptstrasse. Selbstverständlich schnappe ich mir den Ball, wie ich mich zurückdrehe winkt mir Färjestad-Keeper Justin Pogge zu und bittet um den Ball, wie könnte es auch anders sein, denn BK steht schliesslich für «Boll Klub.»

Mein Spaziergang führt mich weiter ins benachbarte «Stadiönli» in Oerlikon, drinnen läuft grad ein Freundschaftsspiel zwischen den «Minis» der GCK Lions und dem HC Dragon/Thun. An der Bande der Berner Oberländer steht der ehemalige Nationalmannschafts-Verteidiger Christian Silling.

Von der Konkursmasse in die Champions-Hockey-League

Im Hallenstadion läuft das «Warm-up» der ZSC Lions und der Gäste aus Schweden, dazu gibts folgende Anmerkungen: Färjestads Rickard Wallin spielte einst beim HC Lugano, Zürichs Severin Blindenbacher und der verletzte Ersatzgoalie Luca Boltshauser einst für Färjestad. Der schwedische Headcoach Tommy Samuelsson absolvierte eine NLB-Saison beim SC Luzern und verteidigte an der A-Weltmeisterschaft 1989 für Schweden in Stockholm.

Dazu kommt Basels ex-Goalie Urban Leimbacher, welcher ab der 21. Minute für den angeschlagenen Lukas Flüeler zum europäischen Handkuss kommt, von Basels Konkursmasse direkt in die Champions-Hockey-League. Die Partie bietet gute Unterhaltung, denn beide Mannschaften schenken sich nichts und müssen in die Verlängerung.

Von Wasen bis Stockholm

Auf der Rückfahrt ins «Bernbiet» treffe ich im Würenloser Fressbalken zufällig auf den ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter Willi Vögtlin. Bei einem Schlummertrunk sprechen wir über «Gott und die Hockeywelt», nur wenige Eishockeyverrückte würden bei unserem Themenkatalog mitreden können.

Wir philosophieren über den alten Europacup, die C-Weltmeisterschaften in Puigcerda, die Olympischen Spiele in Calgary, den Industriecup, die U18-Europameisterschaft in Hämeenlinna (1987), den ehemaligen EHC Wasen-Sumiswald-Spieler Gerhard «Schöge» Schöni oder die bereits erwähnte A-Weltmeisterschaft 1989 in Stockholm, wo einst Färjestads Headcoach Samuelsson verteidigt- und Vögtlin geschiedsrichtert hat.

Dübendorf und die Champions League

 

Anhang 1-1

In Dübendorf startet der Champions League Titelverteidiger ZSC Lions zum Auftakt der neugeschaffenen Champions Hockey League gegen den norwegischen Vizemeister Vålerenga IF Oslo. Der Start in der «Provinz» erweist sich als holprige Angelegenheit. In der Kabine der Lions geht plötzlich das Licht aus, Aufstellungen gibt’s keine und eine Pressekonferenz wird von anrennenden Journalisten vergeblich gesucht – rechtzeitig zum Bully liegen die Aufstellungen aber doch noch vor – und der höchste europäische Clubwettbewerb startet in seiner fünften Ausgabe.

Die Gäste aus Norwegen treten mit nur zehn Stürmern und sechs Verteidigern an, dennoch hält die Mannschaft von NHL-Star Espen Knutsen – der Star ist der Trainer – in den ersten zwanzig Minuten mit. Übrigens gewann Vålerenga sein letztes europäisches Pflichtspiel gegen eine Schweizer Mannschaft, in der European Hockey League am 8. Dezember 1998 beim 5:3-Sieg gegen den EV Zug. Dies dürfte wohl keinem der 1’917 Zuschauer im Stadion «im Chreis» in Erinnerung sein, vielleicht kann sich Oslos Teamcaptain Morten Ask noch daran erinnern, denn er ist der einzige der damals schon dabei war.

Morten Ask war schon 1998 mit Vålerenga IF Oslo in der European Hockey League …

 

Dabei war auch Zürichs Luca Cunti, vor sieben Jahren beim 1. Liga Ostschweizer-Meistertitel 2007 mit dem EHC Dübendorf, welcher erst im gesamtschweizerischen 1. Liga-Final gegen den EHC Zuchwil-Regio gestoppt wurde. Vom Siegreichen Champions Hockey League Team der Lions von 2009 sind auch heute noch sieben Spieler im Kader von Marc Crawford.

Wie viele Plätze fasst «im Chreis»?

Zurück zum EHC Dübendorf, wie viele Plätze fasst eigentlich das ehemalige Nationalliga B Stadion? Offizielle Zahlen sagen das Stadion mit dem markanten Schrägdach habe 4’100 Plätze. In der zweiten Drittelspause frage ich mich durch die Halle und keiner, ausser einem älteren Herrn, scheint mir eine Antwort geben zu können. Der langjährige Dübendorf Fan erzählt mir ein paar Episoden aus vergangenen Zeiten und zeigt mir einen nummerierten Sitzplatz im viertausender Bereich. Doch beim heutigen Champions League Spiel wirken bereits die 1’900 wie ein volles Haus, so wie es sich gehört für ein Spiel der europäischen Königsklasse.