Vom Nirgendwo an die Weltspitze

Evelina Raselli im Zweikampf mit Kanadas Hayley Wickenheiser an den Olympischen Spielen in Sotschi. (Foto: canada.com)
Evelina Raselli (rechts) im Zweikampf mit Kanadas Hayley Wickenheiser an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014. (Foto: canada.com)

Zwischen dem 5. und 7. Dezember treten die Frauen des HC Lugano im Halbfinalturnier des European-Womens-Champions-Cup gegen den Deutschen Meister ESC Planegg, die Herlev Hornets aus Dänemark und dem HC Neuilly-sur-Marne aus Frankreich an. Nach Olympia-Bronze greift Luganos Nationalspielerin Evelina Raselli auch nach europäischem Edelmetall.

Für Lugano ist es bereits die fünfte Teilnahme im Meistercup. Dreimal qualifizierten sich die Tessinerinnen für das Finalturnier. 2011 holten die Luganesi erstmals europäisches Edelmetall. Es war gleichzeitig die erste internationale Medaille für Lugano-Spielerin Evelina Raselli.

Seit 2008 spielt die 22-jährige Bündnerin beim Frauenteam des HC Lugano. Was die damals 16-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass in den nächsten sechs Jahren drei Schweizermeistertitel-, Weltmeisterschaftsbronze- und olympisches Edelmetall folgen würden.

Wo liegt Le Prese?

Raselli ist im kleinen Bündner Dörfchen Le Prese, einem «Kreis» der Gemeinde Poschiavo aufgewachsen. Der südlichste Zipfel des Bündnerlandes liegt als «Halbexklave» in Italien und ist «irgendwo im Nirgendwo». Die sechs Gemeinden von Poschiavo zählen zusammen gerade mal knapp 3’500 Einwohner.

Die Familie Raselli betreibt das Sporthotel Raselli, welches nur 50 Meter von der örtlichen Eisbahn liegt. Das Eisfeld liegt direkt vor der Haustüre und es war naheliegend, dass sich die kleine Schwester dem Hobby ihrer zwei Eishockey spielenden Brüder und ihres Vaters anschliessen würde.

Via Celerina und St. Moritz nach Lugano

Schon früh stand «Eve» mit den Jungs des HC Poschiavo auf dem Eis. Um ihr Talent noch besser zu fördern, spielte Raselli später für die Frauen des SC Celerina und die Junioren des EHC St. Moritz. Der Wechsel zum HC Lugano kam durch die Familie Crameri zustande. Anita Crameri, die Frau vom ehemaligen Lugano-Spieler und aktuellen St. Moritz-Trainer Gian Marco Crameri, fädelte den Kontakt zum Tessiner Tradionsclub ein.

Nach Olympia- und Weltmeisterschafts-Bronze fehlt noch europäisches Edelmetall

Dabei war der damals angehenden Handelsmittelschülerin kein Weg zu weit. Während ihrer dreijährigen Ausbildung in Samedan fuhr Raselli jeweils am Freitagabend für das Wochenende ins 190km entfernte Lugano, wo sie seit Abschluss ihrer Weiterbildung wohnt und mit einer 80-Prozent-Anstellung in einem Treuhandbüro arbeitet. Die restlichen 20-Prozent benötigt sie für Nationalmannschafts-Zusammenzüge, wo die Stürmerin seit 2011 der Stammformation angehört.

Erfolgreiches 2014

In den letzten drei Jahren entwickelte sich die gebürtige «Puschlaverin» in Lugano zu einer Schlüsselspielerin und zählt heute zu den besten Eishockeyspielerinnen des Landes. Die vergangene Saison ist die bisher erfolgreichste ihrer noch jungen Karriere.

An den Olympischen Winterspielen in Sotschi errang Raselli mit den Schweizerinnen sensationell Olympia-Bronze. Danach folgte der dritte Meistertitel mit dem HC Lugano. Durch diese Erfolge wurde die aktuelle Topskorerin (10 Spiele, 32 Punkte) der Liga für die Wahl zur «Bündner Sportlerin des Jahres 2014» nominiert.

Der Champions-Cup fehlt noch

Die Champions-Cup-Gegnerinnen aus Planegg, Herlev und Neuilly-sur-Marne sind gewarnt, denn Raselli und Lugano wollen auch europäisches Edelmetall. Der zusätzliche Heimvorteil stärkt das Team von Trainer Marzio Brambilla in der Rolle des Favoriten – und für den Einzug ins europäische Finalturnier ist für Raselli bekanntlich kein Weg zu weit…

*Das Porträt von Evelina Raselli wurde im Rahmen des Studiums an der Universität Salzburg publiziert.

HC Lugano 2014/15: Evelina Raselli (sitzend, zweite von rechts)
HC Lugano 2014-15: Evelina Raselli, sitzend, zweite von rechts. (Foto: HC Lugano)

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