Die Lakers haben es geschafft

Rapperswils Pressechef René Schmid hat die Liga-Quali nicht verdient, flankiert vom ehemaligen Presseverantwortlichen der ZSC Lions, Andreas Hatos. (Krein)

Nur drei Nationalliga-A Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht nicht nur in den Medien als unabsteigbar. Nun haben es die Lakers geschafft und stehen zumindest in der Liga-Qualifikation gegen den Meister der Nationalliga-B.

Selbstverständlich hat dies niemand verdient im Umfeld der freundlichen Organisation am Zürichsee, schon gar nicht der flotte Pressechef René Schmid, der nun wie viele seiner Arbeitskolleginnen und Kollegen um seinen Job bangt, wie er nach dem Spiel gegen Ambrì-Piotta im Presseraum erzählt.

Nach verlorener 3:6-Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Liga-Quali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

„Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.“

— Anders Eldebrink

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das zehnjährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999-00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Liga-Qualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Liga-Quali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994-95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4nP, 5:4nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Liga-Quali), die Reduktion in der Liga-Quali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit dem SC Herisau. Zudem gibts in der Liga-Quali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Liga-Qualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für das bevorstehende Duell gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Liga-Qualifikation in der Saison 1999-00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen. Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (zweimal Lausanne, Genf-Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen Weltmeisterschafts-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Die Liga-Qualifikation

JahrPaarungSerie
2014Biel – Visp4:1
2013SCL Tigers – Lausanne2:4
2012Ambrì-Piotta – Langenthal4:1
2011Ambrì-Piotta – Visp4:1
2010Biel – Lausanne4:3
2009Biel – Lausanne4:3
2008Basel – Biel0:4
2007SCL Tigers – Biel4:1
2006Freiburg-Gottéron – Biel4:2
2005Lausanne – Basel2:3
2004Lausanne – Biel4:0
2002Chur – Genf-Servette0:4
2001La Chaux-de-Fonds – Lausanne2:4
2000Rapperswil-Jona – Chur4:1
1999SCL Tigers – Chur4:3

28. März 2015

Rapperswil-Jona – Ambrì-Piotta 3:6 (2:1, 0:2, 1:3)
Diners-Club-Arena. – 5306 Zuschauer. – SR Eichmann/Stricker, Espinoza/Küng. – Tore: 2. Pedretti (Kuonen) 1:0. 11. Mikael Johansson (Ausschlüsse Stucki; Hächler) 2:0. 14. Lauper (Hall) 2:1. 29. O’Byrne (Lauper) 2:2. 30. Birbaum (Pestoni) 2:3. 51. Aucoin (Pestoni, Bouillon/Ausschlüsse Profico; Lhotak) 2:4. 52. Walsky (Geyer) 3:4. 54. Pestoni (Lhotak) 3:5. 59. Daniel Steiner (Poudrier) 3:6 (ins leere Tor). – Strafen: Rapperswil-Jona 5-mal 2 Minuten, Ambrì-Piotta 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Valentin Lüthi, Friedli, Sven Berger, Neukom, Jordy Murray, Frei (alle verletzt), Danielsson (gesperrt), Penker und Rapuzzi (überzählige Ausländer), Ambrì-Piotta ohne Gautschi, Fuchs, Kobach (alle verletzt), Giroux (gesperrt), Duca (krank), Masalskis und Forget (beide überzählige Ausländer).
Rapperswil-Jona: Wolf; Blatter, Fransson; Hächler, Walser; Fröhlicher, Geyer; Profico; Walsky, Persson, Mikael Johansson; Kuonen, Obrist, Pedretti; Ryser, Hürlimann, Schommer; Rizzello, Flavio Schmutz, Sieber; Nils Berger.
Ambrì-Piotta: Zurkirchen; O’Byrne, Zgraggen; Birbaum, Bouillon; Trunz, Sidler; Grieder, Chavaillaz; Steiner, Hall, Lauper; Pestoni, Aucoin, Stucki; Dostoinow, Schlagenhauf, Elias Bianchi; Grassi, Poudrier, Lhotak.

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