Jahresarchiv2016

Küpfers kanadischer Hockeytraum

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Die Schweizer Fraktion der Parry Sound Islanders, von links Flurin Hobi (77), Claudio Clement (12), Joël Küpfer (22) und Gian-Marco Schumacher (8). (Foto: Parry Sound Islanders)

Neben den Schweizer NHL-Söldnern und den Nachwuchshoffnungen in den drei höchsten kanadischen Juniorenligen Ontario-Hockey-League, Quebec-Major-Junior-Hockey-League und der Western-Hockey-League, spielen auch zahlreiche junge Schweizer in unbekannteren nordamerikanischen Minor-Leagues. Der 21-jährige Seeländer Joël Küpfer spielt seit diesem Herbst in der «Greater-Metro-Junior-A-Hockey-League» bei den Parry Sound Islanders. Der Flügelstürmer aus Lyss berichtet exklusiv für eishockeyblog über seinen kanadischen Hockeytraum und zieht eine erste Zwischenbilanz.

Joël Küpfer aus Parry Sound

Die Liga

Die «Greater-Metro-Junior-A-Hockey-League» (GMHL) umfasst 24 Teams im Raum Central Ontario und Quebec, geteilt in eine North- und eine South Division. Die GMHL ist eine von Hockey-Canada unabhängige Entwicklungsliga, die es jungen Eishockeyspielern aus aller Welt ermöglicht, in Kanada Eishockey zu spielen und sich für das College-Hockey aufzudrängen. Innerhalb der North-Division spielen wir 42 Saisonspiele. Ende Februar starten die Playoffs um den Russell-Cup, diese finden bis zum Finalspiel ebenfalls innerhalb der eigenen Division statt.

Mein Team

Unser Team besteht aus den unterschiedlichsten Nationalitäten und Altersstufen. Da der Eigentümer des Teams von tschechischer Herkunft ist, haben wir acht Tschechen in unseren Reihen. Diese sind technisch und läuferisch sehr gut, jedoch hatten sie zu Beginn Mühe sich im Team zu integrieren. Weiter haben wir vier finnische Mitspieler, diese sind alle grossgewachsen und wirken läuferisch eher langsam, sind dafür aber mit einer sensationellen Schusstechnik ausgestattet.

So erstaunt es nicht, dass mit Valtteri Mäkiviinikka und Benjamin Linna gleich zwei unserer finnischen «Sniper» unter den Topskorern der Liga zu finden sind. Zudem stehen fünf Amerikaner und ein Kanadier im Kader. Die Nordamerikaner besitzen alle ein eigenes Auto und chauffieren uns täglich zu den Eistrainings oder zum Einkaufen. Um unser Team zu komplettieren sind da noch vier Schweizer, drei Jungs aus dem schönen Graubünden und ich, der liebevoll genannte «Bärner Gigu.»

der liebevoll genannte «Bärner Gigu»

Ein sehr vielfältiges Ensemble mit vielen interessanten und guten Persönlichkeiten. Wir haben ein talentiertes Team mit vielen guten Spielern, was für ein gutes Trainingsklima sorgt. Mittlerweile sind wir auch als Mannschaft näher zusammengewachsen, können und müssen aber im Hinblick auf die Playoffs sicherlich noch weiter daran arbeiten.

Start im September

Über den Schweizer Torhüter Léon-Rouven Marty, der letztes Jahr in der GMHL bei den Kingsville Kings gespielt hat, wurde ich auf die Parry Sound Islanders aufmerksam. Im Frühjahr 2016 habe ich mich dann entschieden, mein Studium in Fribourg für ein Jahr zu unterbrechen um nach Kanada zu reisen und dort den Traum eines jeden Hockeyspielers zu leben. Gemeinsam mit meinen drei Schweizer Teamkollegen Claudio Clement, Furin Hobi und Gian-Marco Schumacher (alle vom HC Prättigau-Herrschaft), haben wir am 5. September 2016 die Reise nach Toronto in Angriff genommen.

Zwischenbilanz

Nach einem einwöchigen Trainingscamp hat die Saison bereits begonnen. Mit zwei Kantersiegen (13:1 und 11:0) gegen die Rivalen aus Seguin (Huskies), die im selben Resort wohnen wie wir, konnten wir die Saison wunschgemäss starten. Beim «Christmas-Break» liegen wir mit 24 Siegen und 5 Niederlagen auf dem 2. Rang der North-Division. Wir befinden uns auf dem richtigen Weg, jedoch ist die Liga in letzter Zeit ausgeglichener geworden. Alle Teams werden im Verlaufe der Saison mit weiteren Spielern ergänzt und verstärkt.

Die New Tecumseth Civics, der Leader unserer Division (fünf Punkte vor Parry Sound) hat mit Michael Giugovaz einen Torhüter geholt, der zuvor vier Jahre in der OHL gespielt hat. Gerüchte besagen, dass ihm die Civics sogar ein gutes Salär bezahlen. Normalerweise berappt ein Spieler der GMHL seine Unkosten um in dieser Liga spielen zu können. Trotzdem haben wir das Zeug dazu im Kampf um den Russell-Cup ein Wörtchen mitzureden, der Weg bis zum Final-Einzug ist allerdings noch sehr weit und alles andere als einfach.

Das Grand Tappattoo Resort

Unser Team, sowie die Mannschaft aus Seguin wohnen in einem Ferienresort, welches 15 Minuten ausserhalb von Parry Sound am Otter Lake liegt. Da das Resort im Winter nur wenig Gäste beherbergt, können gleich zwei Eishockeyteams in den Hotelzimmern und Cottages untergebracht werden. Wir werden dreimal täglich verpflegt und die Zimmer werden zweimal wöchentlich gereinigt. Ich würde es aber bevorzugen, wenn wir etwas selbständiger sein könnten und eine eigene Küche zur Verfügung hätten, aber beklagen will ich mich keinesfalls.

Das Hotel liegt zwar abseits der Stadt, mit dem direkten Zugang zum Otter Lake ist es aber sehr schön gelegen. Das Resort bietet neben einem Fitnessraum, Hallenbad und Sauna auch einen Tischtennis-Raum, wo wir – wenn es die Zeit erlaubt – unsere internen Turniere veranstalten. Als es noch etwas wärmer war konnten wir mit den Kanus die wunderschöne Landschaft vom See aus bestaunen, mit dem Wintereinbruch soll in wenigen Wochen auf dem gefrorenen See ein Hockey-Rink entstehen.

Der GMHL-Alltag

Ein normaler Tag beginnt für uns, je nach Wochentag, meistens zwischen 7 Uhr 30 und 9 Uhr 30, mit dem Frühstück. Anschliessend begeben wir uns zum Bobby-Orr-Community-Centre in Parry Sound, (Anm. der Red. Parry Sound ist die Heimatstadt der NHL-Legende Bobby Orr) unserem Heimstadion, wo wir täglich ein anderthalbstündiges Eistraining absolvieren. Der zweite Programmpunkt ist ein «Off-Ice» Training in der lokalen YMCA (Young-Men’s-Christian-Association), eine Art öffentliche Turnhalle, zur Spinning Class (ein relativ hartes Workout auf dem Fahrrad) oder wir haben gemeinsame Lifts im Fitnessraum des Hotels.

Nach einem intensiven Wochenende kommt es auch mal vor dass wir an einem «Competition-Tuesday» ein Eistraining mit vielen kleinen Spielen absolvieren und in der anschliessenden YMCA-Stunde Fussball oder Basketball spielen. Einmal pro Woche, meistens Donnerstags, treffen wir uns zum Videostudium. Dort zeigt uns Coach Doug Raymond diverse Situationen aus den vergangenen Spielen. Weiter studieren wir das Spiel der nächsten Gegner, vor allem in Power- und Boxplaysituationen. Den Rest des Tages haben wir dann meistens zu unserer freien Verfügung. Einmal täglich findet noch eine Englischlektion statt, die allerdings eher für die Tschechen und Finnen, die kaum englisch sprechen, hilfreich ist.

Während des Spiels haben wir neben unseren zwei Coaches einen «Gator» und «Dakota»

An Spieltagen haben wir kein grosses Programm und viel Zeit für individuelle Vorbereitungen. Ich setze mich vor den Spielen jeweils für ca. 20 Minuten aufs Fahrrad, um mich ein wenig aufzulockern. Während des Spiels haben wir neben unseren zwei Coaches einen Betreuer, «Gator» und einen kleinen Jungen namens «Dakota», welche uns begleiten. Da in Parry Sound leider kein Busunternehmen existiert, reisen wir an die Auswärtsspiele mit einem Schulbus. Daher sind die Fahrten sind sehr lang und definitiv alles andere als komfortabel.

Nach dem letzten Spieltag der Woche haben wir jeweils ein «Off-Day», ein trainingsfreier Tag, den wir individuell gestalten können. Im September haben wir beispielsweise einige Spiele des World-Cup-of-Hockey in Toronto- und ein Baseball-Playoffspiel der Toronto Blue Jays besucht. Andere Ausflugsziele für Shopping, Eat&Drink oder um ein bisschen Spass zu haben sind Barrie, Vaughn und natürlich Toronto.

Nun stehen wir im «Christmas-Break», die kommenden zwei Wochen werde ich gemeinsam mit den drei Bündnern in Montreal, wir besuchen das NHL-Spiel zwischen den Montreal Canadiens und Nino Niederreiters Minnesota Wild, sowie in Toronto verbringen. Es war bis anhin eine sehr anstrengende und intensive Zeit und da werden zwei «hockeyfreie» Wochen bestimmt nicht schaden, dennoch geniesse ich meinen kanadischen Hockeytraum in vollen Zügen.

Von Gentlemen und Weltenbummlern

Foto: Gisela Schlapbach serviert einen Kaffee am Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen, mit Markus Jutzi und Stefan Sommer (rechts). (eishockeyblog)


Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

Zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

Der Patron von Court

Foto: Eine eigene Hall-of-Fame im Dachstock, Monsieur Charpié (hinten) durchstöbert seine faszinierende Welt des Eishockeys. (Michael Krein)

Die Fahrt durchs Vallée-du-Tavannes führt im östlichen Teil ins verschlafene Dörfchen Court. Das ehemalige Strassenzeilendorf liegt im Berner Jura, hier scheint die Zeit noch stehengeblieben, es ist als würde man zurück in die 80er Jahre versetzt. Treffpunkt ist die Rôtisserie La Calèche, zwischen der Hauptstrasse und der Bahnlinie. Im schmucken, typisch welschen Landgasthof sticht ein Service-Tablar mit dem Mannschaftsfoto des EHC Biel ins Auge. Der ehemalige EHCB-Spieler Francis Lardon führt das Restaurant, Lardon gehörte 1978 zum ersten Bieler Meisterteam.

Den Chef des Hauses sehen wir nicht, denn dies ist auch nur die Zwischenstation auf dem Weg zum Haus von Monsieur Charpié. Der 67-Jährige lebt seit Jahren in seinem eigenen Eishockey-Museum in Court. Auf der Fahrt zu Monsieur Charpié erblicken wir, nach dem überqueren der Birs, den Wegweiser zur Patinoire de Court, die offene Eisbahn auf einer ehemaligen Kuhweide liegt nur 800 Meter von Charpiés Haus entfernt.

ACBB Paris und Wembley Lions

Der Patron, im Team-Kanada-Pullover, öffnet seine Türe wie die Tore zu einem geheimen Nummerndepot einer Schweizer Bank. Bereits der erste Blick bringt uns zurück in die 50er Jahre, das Trikot vom Athletic-Club-de-Boulogne-Billancourt (ACBB) Paris hängt am Treppengeländer, welches zu Charpiés persönlicher Hall-of-Fame in den Dachstock führt. «Das ist das Original-Trikot von Jean Ayer», sagt der passionierte Hockeysammler. Er habe noch mehr von Ayer, unter anderem sämtliche Matchprogramme aus seiner Zeit bei den Wembley Lions in London.

„Du wirst schlichtweg erschlagen

Michael Krein

Schon nur diese Aussage, lässt uns zumindest im Ansatz erahnen, was sich noch alles in seinem Archiv verbergen könnte. Dann betreten wir das Reich Charpiés, es erinnert an den Bieler Spielzeugladen Schöni an der Kanalgasse 37, hier gibt es alles – alles – vom Trikot des EHC Nidau, über sämtliche Trikots des HC Villars und CP Court, bis zu einer Jacke der Montreal Canadiens 1952 von Doug Harvey, die Lizenzen der Croci-Torti’s (Guy, Jean-Luc und Yves), Presseordner des EHC Olten oder sämtliche Chroniken vom Lausanne HC bis zum HC Le Fuet Bellelay.

Emotionale Erschöpfung

Nach ca. 90 Minuten schleicht sich im Denkzentrum eine psychische Übermüdung ein, man ist nicht mehr in der Lage neue Informationen und Eindrücke einzuordnen. Selbst der hartgesottenste Hockey-Romantiker erreicht hier mit der emotionalen Erschöpfung die erste Stufe eines Burnouts. Allerdings lässt sich das Burnout nicht auf negative-, sondern auf den massiven Überfluss positiver Eindrücke zurückführen. Du wirst schlichtweg erschlagen. Und Monsieur Charpié? Der Patron stöbert, räuspert, erzählt und präsentiert einen Leckerbissen nach dem andern.

Hat er selber noch den Überblick? Weiss er wo er was verstaut hat? Woher hat er nur all diese Zeitzeugen? Und was sagt Madame Charpié? Diese Fragen gehen einem zusätzlich durch den Kopf. Es ist pure Eishockey-Romantik, in diesem Archiv scheint die Zeit noch langsamer zu laufen, als dies im Dörfchen Court der Fall zu sein scheint – und das ist gut so. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt mit einem gutmütigen Patron, der hier einen wichtigen, längst verloren gegangenen Teil des Schweizer Eishockeys in welscher Manier, aber mit grösster Sorgfalt beherbergt.

Besuch vom 12. November 2016 – Chris Habegger, Beat Kurt und Michael Krein

Kevin allein im Stadion

Kevin allein im Stadion vom 11. November 2016 – Der Haas hoppelt nach Bern, die SCL Tigers stehen vor den Toren der Stadt. Was der EHC Biel-Bienne Trainer Kevin Schläpfer wohl dazu meint…

Kevin allein im Stadion vom 28. Oktober 2016 – Sieben Niederlagen aus den letzten sieben Spielen… Was ist bloss los mit dem EHC Biel-Bienne? Und wieso ist die Bibel glaubwürdiger als der Blick Sport? «Kevin» weiss es…

Retro-Wick und der SEGA-Mega-Drive

Im Retro-Spiel 2016 erzielt Roman Wick den schnellsten Hattrick der Lions-Geschichte. (Foto: ZSC Lions)

Im Retro-Spiel 2016 gegen den HC Genf-Servette erzielt Roman Wick den schnellsten Hattrick der Lions-Geschichte. (Foto: www.zsclions.ch)

Einmal pro Saison laden die ZSC Lions zu einem Retro-Spiel, wo die Lions in einem Trikot – welches durch eine Abstimmung der Fans bestimmt wird – aus vergangenen Zeiten antreten. In der jüngsten Ausgabe treten die Zürcher im Trikot aus den Saisons 1992-94 gegen den HC Genf-Servette an. Das schwarze Trikot von damals war von Adidas und trug die Sponsorenschriftzüge «Inag» und «Lehmann», Hosensponsor von damals war der japanische Softwareentwickler und Spielkonsolenhersteller «SEGA». Die besten Spieler jeder Heimpartie wurden jeweils mit einer SEGA-Mega-Drive Spielkonsole ausgestattet. Die Kinder der 70er und 80er Jahre sind damit bestens vertraut, eishockeytechnisch sind «EA-Hockey» oder «NHLPA Hockey ’93» Kult.

tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman

Zu jener Zeit, dümpelte Zürichs Retro-Gegner Genf-Servette noch in der Gruppe 3 der 1. Liga, dies ist nicht abwertend gegenüber der Amateurliga gemeint, rum. Auf dem Match-Magazin des Retro-Spiels 2016 ist Roman Wick abgebildet, als ob die Verantwortlichen der Lions oder Stadionspeaker Giovanni «Giovi» Marti dies hätten vorausahnen können. Als Zürichs Topskorer Wick in der 27. Minute das 3:1 erzielt skandiert Marti Wicks Namen gleich dreimal «dä Rrr-oman, dä Rrr-oman, dä Rrr-oman», dies war bei Morris Trachsler (Torschütze zum 1:0) und Ryan Shannon (2:1) nicht der Fall. Marti: «beim dritten Treffer der Lions skandiere ich jeweils dreimal den Vornamen». Beim vierten Treffer der Lions, dem zweiten Wicks, wiederholt Marti spontan den dreifachen Roman und tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman.

Schnellster Lions-Hattrick

Retro-Wick erzielt drei Tore im 2. Drittel, es ist innert 11 Minuten und 23 Sekunden der schnellste Hattrick oder «HattWick» in der Geschichte der Lions, damit unterbietet Zürichs Topskorer seinen Teamkollegen Morris Trachsler um 20 Sekunden. Einen Hattrick den Mann/Kind selbst im alten SEGA-EA-Hockey mit der Schweiz gegen Spanien kaum hätte unterbieten können. Das Retro-Jersey 2016, Replika durch Ochsner, beschert also nicht nur Retro-Wick, sondern auch den Zürchern einen überlegenen Sonntag-Nachmittag. Der klare 5:1-Sieg über Servette ist der sechste Sieg im sechsten Retro-Spiel und damit rücken die Lions an die Tabellenspitze. Und Wick? In der 93er Ausgabe hätte er als «Best Player» einen SEGA-Mega-Drive erhalten, heute ist es ein Gutschein des Zürcher Reisebüros Cruisetour AG.

Die Lions Retro-Spiele

16. Oktober 2016, ZSC Lions (Trikot 1992-94) – HC Genf-Servette 5:1 (1:0, 4:1, 0:0)
25. Oktober 2015, ZSC Lions (Trikot 1973-74) – SCL Tigers 6:3 (2:1, 1:1, 3:1)
12. Oktober 2014, ZSC Lions (Trikot 1948-49) – HC Davos 4:1 (3:1, 1:0, 0:0)
27. Oktober 2013, ZSC Lions (Trikot 1988-89) – SC Bern 6:0 (2:0, 2:0, 2:0)
14. Oktober 2012, ZSC Lions (Trikot 1982-83) – EHC Biel 4:1 (2:1, 2:0, 0:0)
6. November 2010, ZSC Lions (Trikot 30er Jahre) – HC Lugano 6:2 (3:1, 3:1, 0:0)

Vom «Röselichöhli» zum Fleisch

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Unter Dan Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Unter Heinz Ehlers spielt der HC Lausanne drei Jahre lang unattraktives, aber sehr erfolgreiches Defensiv-Eishockey. Unter Ehlers erreichen die Waadtländer sogar zweimal die Playoffs und sichern sich im vergangenen Jahr souverän den Ligaerhalt. Mit Daniel Ratushny steht neu ein offensiv-ausgerichteter Trainer an der Bande der Löwen und der defensive Froschkönig verwandelt sich in einen offensiven Kronprinzen.

Oder wie es ein Seeländer Polizei-Spotter, ein ziviler Stadionüberwacher im Eisstadion, passend formuliert: «Es ist wie mit dem Röselichöhli», gibts du deinen Kindern drei Jahre Rosenkohl ist das gut, weil sie nichts anderes kennen. Unter dem neuen Familienoberhaupt Ratushny gibts jetzt erstmals Pommes-Frites serviert und die Mannschaft läuft neuerdings auch offensiv auf Hochtouren.

Erfolgreichster Saisonstart

Auch Lausannes Presseverantwortlicher Omar Guess ist von Ratushnys Arbeit begeistert: «Man bemerkt es im Training, die Stimmung ist super, alle haben Freude am Offensiv-Stil des neuen Trainers». Es war auch unter Ehlers gut, fügt der Pressechef dazu. Aber eben, nur gut wie «Röselichöhli». Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über. Unter Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie in ihrer 22-jährigen NLA-Geschichte und holen sieben Siege in den ersten acht Spielen.

Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über

Der österreichische Meistertrainer führte zuletzt den EC Red Bull Salzburg durch Offensiv-Spektakel 2015 und 2016 zu zwei Meistertiteln. Ratushnys Aufgabe in Lausanne ist so schwer wie einen Veganer zum Vegatarier umzufunktionieren. Statistisch ausgedrückt: Vermittle dem schwächsten Offensivteam der NLA der letzten zwei Jahre den Spielstil des stärksten Offensiv-Teams Österreichs der letzten zwei Jahre.

Vorsicht Fleisch

Die Salzburger erzielten in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Ratushny in 54 Spielen 200 (3.7 Tore/Spiel) und 208 Tore (3.85 Tore/Spiel), Lausanne unter Ehlers in 50 Spielen 105 (2.1 Tore/Spiel), respektive 123 (2.5 Tore/Spiel) Treffer. Gespielt ist erst ein Fünftel der Qualifikation, dennoch haben die Lausanner bereits einen Drittel der Punkte der vergangenen Saison auf ihrem Konto. Aber Vorsicht, riecht der ehemalige Veganer erstmals das «Fleisch», genügen in der Waadtländer Kantonshauptstadt auch die vegetarischen Pommes-Frites nicht mehr.

Unerklärliches aus dem Tal der heulenden Winde

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«AUES GÄH FÜR ROT U GÄUB», Langnaus Heim-Saisonauftakt gegen die ZSC Lions ging in den letzten 100 Sekunden verloren. (Foto: Krein)

Die Krise der SCL Tigers sollte nicht unterschätzt werden. In Langnau beruhigte einst der «Geri vom Bärou», im Zeitnehmerhäuschen in der Ilfishalle die Langnauer-Hockeyfamilie in Krisenzeiten mit dem Spruch: «Ke Angst. So lang i Zytnähmer bi, stige mir nid ab.» Er legte sein Amt völlig überraschend im Sommer 2011 nieder. Im Frühjahr 2013 stiegen die Langnauer noch überraschender zum dritten Mal in die NLB ab.

Wie gross ist Geris Einfluss?

Geri vom Bärou hat, ohne es zu ahnen, auch vor diesem Saisonstart eine Erklärung geliefert: «Müesst de luege ir Vorbereitig heimer aues gwunnä, u ir Meisterschaft verlüre mir de grad diä erste zwe Mätch.» Und es kam noch schlimmer als Geri es erahnte, die Tigers haben die ersten sechs Spiele verloren, drei davon im letzten Drittel und eines nach Verlängerung. Geri hat heute immer noch viel mit Eishockey und den Tigers am Hut. Aber in die Ilfishalle geht er nicht mehr, er ist dafür mehr Zuhause «ums Huus». Könnte Geris Einfluss auf die Langnauer so gross sein wie einst der Einfluss von Godi vom Katzengrat?

So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab

Alles Chabis? Vielleicht, die seltsame Verbindung zwischen unerklärlichen Begebenheiten im Tal der heulenden Winde und Glück und Pech im Eishockey gibt es. Klaus Zaugg beispielsweise erinnert sich noch gut an Godi vom Katzengrat. Die Langnauer mochten in den 70er und 80er Jahren noch so sehr in Abstiegsgefahr stecken, doch Godi beruhigte in den Wirtshäusern: «So lang i läbe stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich immer und immer wieder. 1982 sogar auf Kosten des SC Bern.

Wie einst unter Godi vom Katzengrat

Im Herbst 1984 verstarb Godi vom Katzengrat überraschend – und im folgenden Frühjahr stieg der SC Langnau 1985 völlig unerwartet und entgegen jeder Eishockey-Logik zum ersten Mal aus der NLA ab, sechs Jahre später folgte sogar der Gang in die 1. Liga. Ähnliches kann man über Geri vom Bärou berichten, sass er jeweils Zeitnehmerhäuschen neben Kult-Speakerin Christine «Chrige» Nyffeler, konnten sich die Langnauer seit Geris Amtsantritt und dem Wiederaufstieg 1998 über Jahre durch die Playout-Serien und Liga-Qualifikationen retten und Geri beruhigte im Kabäuschen, «So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich, in Geris Gegenwart immer und immer wieder, wie einst unter Godi vom Katzengrat. In der Zeit nach Godi folgten 14 schwere Jahre bis zum Wiederaufstieg der Emmentaler – und in der Zeit nach Geri stehen die Tigers erst im sechsten Jahr…

 

Die Redaktion: Der Blog ist eine Adaption von Klaus Zauggs Geschichte über Godi vom Katzengrat.

Kevin allein im Stadion

Kevin allein im Stadion vom 16. September 2016 – Spylo-Attacke, Fribourg-Gottéron, Saisonstart? Was da wohl «Kevin allein im Stadion» durch den Kopf geht?

Kevin allein im Stadion vom 8. September 2016 – Nachts, wenn das Training längst beendet ist, lässt er seinen Gedanken freien Lauf… E guete Saisonstart mitenand!

Wenn der Kojote mit dem Roadrunner…

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Die Tucson Roadrunners starten 2016 als Farmteam der Arizona Coyotes in der American-Hockey-League. (Bild: thehockeynews)

Seit 1949 jagd in der Trickfilm-Serie Looney Tunes Willi Kojote dem Road Runner «meep, meep» hinterher. In der gleichen wüstenartigen Umgebung wird 1967 ein Eishockeyteam Namens Phoenix Roadrunners aus der Taufe gehoben. Wie der «Wegekuckuck» aus dem Trickfilm, rennt das Eishockeyteam aus der Wüste den Ligen hinterher. Innerhalb von 12 Jahren spielen die Roadrunners in vier verschiedenen Profiligen: Western-Hockey-League (WHL), World-Hockey-Association (WHA), der Konkurrenzliga der NHL, Central-Hockey-League (CHL) und Pacific-Hockey-League (PHL) heissen die Stationen der Runners, ehe sie für zehn Jahre aus der wüstenartigen Umgebung verschwinden.

1989 folgt der Re-start des Roadrunners. Es sollte die erfolgreichste Zeit der neuen Roadrunners, welche immer noch in Phoenix beheimatet sind, werden. Dieses Mal in der aufstrebenden Konkurrenzliga der American-Hockey-League (AHL), der International-Hockey-League (IHL). In acht Spielzeiten erreichen die Runners dreimal die Playoffs um den Turner-Cup. Teil dieser Geschichte ist auch der Schweizer Torhüter Pauli Jaks, der 1993 in die Organisation der Los Angeles Kings wechselt und damit zum Farmteam (Phoenix Roadrunners) stösst. In zwei Spielzeiten bestreitet der Tessiner 48 IHL-Spiele für die Roadrunners und steht als erster Schweizer 20 Minuten für die Kings in der NHL im Einsatz.

«Coyotes vertreiben die Roadrunners aus Arizona»

Im Sommer 1996 wechselt die NHL-Franchise aus Winnipeg (Jets) nach Phoenix und nennt sich Coyotes. Nun treffen Kojote und Roadrunner auch Eishockey-technisch zum ersten Mal aufeinander. Bis 2003 tragen die Coyotes ihre Heimspiele in der America-West-Arena aus, die Roadrunners spielen im Arizona-Veterans-Memorial-Coliseum. Wie in der Cartoon-Serie bietet die Hauptstadt von Arizona aber nicht genug Platz für Kojoten und Roadrunner und zwingt letztere nach nur einer «gemeinsamen» Saison den Spielbetrieb in der ohnehin finanziell kriselnden IHL einzustellen.

Kurztrip nach Kanada

Erst sechs Jahre später, taucht der «Wegekuckuck» im 3’000 Kilometer nordöstlich gelegenen Toronto wieder auf. In ungewohnter Umgebung ziehen die Roadrunners nach einer Spielzeit 2’700 Kilometer westwärts nach Edmonton. Die Umsiedlung in den kanadischen Norden entpuppt sich mehr schlecht als recht für die Wüstenvögel. Nach einem weiteren Fehlversuch in der East-Coast-Hockey-League holen sieben Jahre später ausgerechnet die Arizona Coyotes die Roadrunners zurück in ihren Bundesstaat, ins knapp 170 Kilometer von Phoenix entfernte Tucson. Erstmals in der Geschichte des Kojoten und Roadrunners bilden die beiden langjährigen Comic-Feinde ein Duo innerhalb derselben NHL-Organisation. «Durch die geografische Nähe können wir bei der Entwicklung unserer Top-Prospects noch mehr Einfluss nehmen und sie optimal betreuen», sagt Coyotes Manager John Chayka.

In Tucson konnte sich bisher noch nie ein Eishockeyteam etablieren, weder die Tucson Mavericks in der Central-Hockey-League (1975-76), die Tucson Icemen in der Southwest-Hockey-League (1976-77), die Tucson Rustlers in der Professional-Hockey-League (1978-79) oder zuletzt die Tucson Gila Monsters der West-Coast-Hockey-League (1997-99). Trotzdem zeigt sich die AHL erfreut: «Die 29 AHL-Teams, heissen die Fans in Tucson in der Familie der American-Hockey-League herzlich willkommen», sagt AHL-Präsident David Andrews. Ausgerechnet mit der Unterstützung des Kojoten dürfte der Roadrunner im siebten Anlauf in der Umgebung von Arizona endlich heimisch werden.

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Die Kurzeinsätze in der Central-Hockey-League und Pacific-Hockey-League fehlen auf der Übersicht. (Grafik: hockeydb.com)

Hamburgs DEL-Uhr «eingefreezert»

Foto: Der langjährige Kapitän Christoph Schubert (hinten) spielte sechs Jahre in Hamburg. (Felix König)

Der Hamburger Sportverein (HSV) ist der einzige Fussballverein Deutschlands, der seit der Saison 1963-64 nie aus der Bundesliga abgestiegen ist. Die langjährige Liga-Zugehörigkeit veranlasste den Club-Sponsor Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) 2001, einen Zeitmesser zu installieren. Das Zifferblatt der mittlerweile kultigen Digital-Stadion-Uhr steht beim HSV bei 52 Jahren, 274 Tagen und ein paar Stunden.

Mit anderen zeitlichen Dimensionen hatten die Eishockeyaner der Hamburg Freezers zu kämpfen. Am vergangenen Mittwoch, am 18. Mai 2016 hatte der US-amerikanische Besitzer Anschutz-Entertainment-Group (AEG), die Amerikaner stiegen 2005 auch beim HC Genf-Servette aus, verkündet, keine neue Lizenz für die Spielzeit 2016-17 beantragen zu wollen. Gerade mal eine Woche blieb den Hamburgern Zeit einen neuen Käufer zu finden.

…die Uhr der Eishockeyaner ist nach 13 Jahren und 356 Tagen «eingefreezert» worden

Michael Krein

Der Ankündigung folgte eine Welle der Solidarität und ein grosser Spendenaufruf, Fans überwiesen insgesamt mehr als eine halbe Million Euro zur Rettung des Vereins. Doch selbst mit dieser Summe würden die Freezers in der kommenden Saison rote Zahlen schreiben, für die der Betreiber aufkommen müsse, sagte Anschutz-Europapräsident Tom Miserendino. Die Frist zum Lizenzantrag ist gestern Mitternacht, am 24. Mai 2016 verstrichen und heute steht das ganze Kader (darunter ex-Fribourg-Goalie Sébastien Caron) der Freezers auf dem Transfermarkt.

Die Lizenz und Schubert

Anders als die Uhr der kickenden Stadtnachbarn, ist die Uhr der Eishockeyaner nach 13 Jahren und 356 Tagen «eingefreezert» worden. Auch Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert, er hatte die Spendenaktion organisiert, trauert um «seinen Club». Schuberts Verbindung mit «seinem Club»  könnte tiefer nicht sein, oder anders gesagt, Schubert und die DEL-Lizenz der Freezers sind praktisch unzertrennlich.

Im Sommer 1999 wurde die Lizenz vom EV Landshut, dem damaligen Club Schuberts, nach München verkauft. Schubert wechselte ein Jahr später zu Landshuts Lizenznehmer München Barons. 2002 wurde die Lizenz von Bayern in die Hansestadt weiterverkauft, zeitgleich startete der Verteidiger seine achtjährige NHL-Odysse, um 2010 wieder bei Landshuts Lizenznehmer in Hamburg anzuheuern. Sage mir wo die Lizenz hingeht und ich sage dir wo Schubert spielen wird, warum nicht zurück nach Landshut…

Zweimal spielen Lassen…

Lasse und Stefan Lassen (rechts) stehen heute 12'000 Kilometer voneinander entfernt im Einsatz. (Foto: Melbourne Ice/GI)

Die Brüder Lasse und Stefan Lassen (rechts) stehen heute rund 12’000 Kilometer voneinander entfernt im Einsatz. (Fotos: Melbourne Ice/Getty Images)

Ein Direktduell hat Dänemark gegen die Schweiz noch nie gewonnen (eishockeyblog hat berichtet), dennoch stehen die Dänen nach 2010 (2:4 gegen Schweden) zum zweiten Mal im Weltmeisterschafts-Viertelfinal. Mit Siegen gegen Norwegen, Lettland, Tschechien und Kasachstan haben die Nordländer die Qualifikation absolut verdient. Verteidiger Stefan Lassen (30) steht in seinem achten WM-Turnier zum zweiten Mal im WM-Viertelfinal. Lassen gehört seit Jahren zum Kern des dänischen Nationalteams, anders als sein jüngerer Bruder Lasse.

Stürmer Lasse Lassen (27) spielte im Vorjahr sechs WM-Vorbereitungsspiele für Dänemark und wurde vor der WM 2015 in Prag und Ostrau aus dem Kader gestrichen. Nach einer erfolgreichen Saison als Kapitän und zweitbester Skorer der Fredrikshavn White Hawks nahm der jüngere Lassen ein Eishockey-Time-Out.

Nach dem Spiel wollen sich die beiden Brüder gegenseitig zum Sieg gratulieren, sei es gegen Finnland oder gegen die Mustangs aus Melbourne.

Derweil hat sein Bruder Stefan seine Karriere fortgesetzt und gehört 2016 zum erfolgreichsten dänischen Nationalteam aller Zeiten. Als Zugabe steht Stefan Lassen heute in St. Petersburg gegen Finnland auf dem Eis. Doch auch Lasse schnürt heute um 20 Uhr (12 Uhr MEZ) in einem Meisterschaftsspiel die Schlittschuhe, aber am anderen Ende der Welt.

Der jüngere Lassen hat nach seinem Eishockey-Time-Out, rechtzeitig zum Saisonstart am 23. April, in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Melbourne Ice angeheuert. In den ersten sechs Partien hat der Däne schon 12 Skorerpunkte auf seinem Konto, während Stefan mit Dänemark gegen Finnland spielt, bestreitet Lasse rund 15’000 Kilometer von seinem Bruder entfernt das Melbourner Derby gegen die Melbourne Mustangs.

Das Tagesziel bleibt für die Brüder das gleiche, nach dem Spiel wollen sich die beiden gegenseitig zum Sieg gratulieren, sei es gegen Finnland oder gegen die Mustangs aus Melbourne.

Die Lassen-Spiele (MEZ)

12 Uhr: Melbourne Ice – Melbourne Mustangs (O’Brien Group Arena, Melbourne) 7:2 (3:1, 2:0, 2:1) Lasse Lassen, Tore zum 2:1, 4:1 und 5:1.
15 Uhr: Finnland – Dänemark (Jubileiny-Sportkomplex, St. Petersburg) 5:1 (1:0, 2:1, 2:0) Stefan Lassen, -3 Bilanz)

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Fis(c)herman’s Friend

RSI

Auch mit Patrick Fischer als Headcoach gewinnt die Schweiz gegen Dänemark. (Foto: RSI)

Im Weltmeisterschaftsspiel vom 10. Mai 2016, liegt Dänemark gegen die Schweiz bis zur 50. Minute mit 2:0 in Führung und den Nordländern fehlen nur noch zehn Minuten um Geschichte zu schreiben. Einer der dänischen Hauptdarsteller ist der in Biel gross gewordene Eishockey-Schweizer Nikolaj Ehlers. In der 19. Minute besorgt der 72-fache NHL-Spieler mit einem platzierten Hocheckschuss das 2:0 gegen seinen ehemaligen Biel-Kollegen Reto Berra. Erweisen sich nach Norwegen (3:4 nV) auch die rauen Nordländer aus Dänemark als «zu stark» für die Fis(c)herman’s aus der Schweiz? Der Werbeslogan des englischen Pastillen-Herstellers Fisherman’s Friend passt perfekt.

In zehn WM-Partien gegen Dänemark siegten immer die Schweizer. Dies musste auch Nikolajs Vater und Ex-Lausanne Coach Heinz Ehlers als Spieler an der B-WM 1989 (3:6) und 1995 (1:2) mit zwei Niederlagen anerkennen. Ehlers-Senior steuerte in den beiden Partien gegen die Schweiz 1 Assistpunkt bei. Im Gegensatz zu seinem Vater, scheint Nikolaj gleich in seinem ersten WM-Kracher gegen die Schweiz auf besten Weg einen Sieg zu realisieren.

Fischer schreibt mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten Klasse ein neues Kapitel.

Auf der anderen Seite steht mit Patrick Fischer erstmals seit Simon Schenk und 1987 wieder ein Schweizer Headcoach an der Bande der A-WM. Der letzte Sieg in der obersten Spielklasse unter einem Schweizer Trainer liegt aber schon 54 Jahre zurück, am 8. März 1962 gabs unter Nationaltrainer Beat Rüedi beim 6:3 über Grossbritannien den letzten Sieg. Zehn Minuten trennen Fischer oder Dänemark vor einem neuen Kapitel.

Fischers neues Kapitel

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach? Nach 50 Minuten schwerem Seegang scheinen die starken nordländischen Pastillen dem «Schweizer Fischer» doch noch zu munden. Durch einen Kraftakt besorgen die beiden NHL-Söldner Yannick Weber und Nino Niederreiter bis zur 59. Minute den Ausgleich. «Die Fischer begannen bald, die Pastillen als ihre Freunde zu bezeichnen», hiess es im Hause Fisherman’s Friend kurz nach der Einführung der Kau-Pastillen 1865. 64:08 besiegelt der Overtime-Treffer von Eric Blum die elfte dänische Niederlage im elften WM-Spiel gegen die Eisgenossen.

Damit schreibt Fischer mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten internationalen Klasse ein neues Kapitel Schweizer Eishockey-Geschichte. Und Dänemark? So nahe dran sind die Dänen seit 1969 noch nie, dennoch erweisen sich die Mannen um Ehlers und Co. lediglich als Fis(c)herman’s Friend.

Die Schweizer WM-Bilanz gegen Dänemark

2016, A-WM in Moskau, 3:2 nV
2013, A-WM in Stockholm, 4:1
2008, A-WM in Quebec, 7:2
2007, A-WM in Moskau, 4:1
2003, A-WM in Tampere, 6:2
1997, B-WM in Katowice, 6:4
1996, B-WM in Eindhoven, 10:1
1994, B-WM in Kopenhagen, 2:1
1989, B-WM in Oslo, 6:3
1979, B-WM in Galati, 3:1
1969, C-WM in Skopje, 9:0

23 Jahre und Jaromir Jagr

NYI-FLA Jagr-Leddy, Mike Stobe NHLI via Getty Images

Spielen die New York Islanders (Nick Leddy) Playoffs gegen Jaromir Jagr (links), gewinnen sie. (Foto: Mike Stobe/NHLI via Getty Images)

Am 24. April 2016 gewinnen die New York Islanders nach dem 2:1-Overtime-Sieg gegen die Florida Panthers ihre erste Playoff-Serie (4:2) seit 23 Jahren. Overtime-Torschütze John Tavares war beim letzten Serie-Gewinn der Isles, am 14. Mai 1993 zwei Jahre alt und die Florida Panthers wurden erst einen Monat später, am 14. Juni 1993 aus der Taufe gehoben.

Vor 23 Jahren gewinnen die Islanders unter Kult-Trainer Al Arbour (vier Stanley-Cup-Siege mit den Islanders) ihre letzte Playoff-Serie nach einem 4:3-Overtime-Sieg im siebten Spiel gegen den amtierenden Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins. Der Sieg der Islanders kommt einem Wunder gleich, Experten schätzen die Penguins in diesem Jahr sogar noch stärker als bei ihren letzten zwei Stanley-Cup-Titeln (1992 und 1993) ein.

Penguins Star-Ensemble

Die Penguins holen mit 113 Punkten (10 Punkte vor Boston) die Presidents-Trophy (Regular-Season-Sieger) und haben mit Mario Lemieux (160 Skorerpunkte und Art-Ross-Trophy) den besten Spieler der Liga in ihren Reihen. Mit Lemieux, Kevin Stevens, Rick Tocchet und Ron Francis stehen vier Spieler im Kader, welche über 100 Skorerpunkte gebucht haben.

Bei Jagrs letzter Pleite gegen die Islanders, sind seine Teamkollegen Ekblad, Matheson, Barkov, Huberdeau und Trocheck, sowie die Gegenspieler Pelech, Pulock und Strome noch nicht auf der Welt.

Zu diesem Star-Ensemble gehört auch ein 21-jähriger Tschechoslowake, Jaromir Jagr knackt mit 94 Skorerpunkten beinahe 100-Punkte-Marke. Als Held der Viertelfinal-Serie wird aber mit David Volek ein Landsmann der Islanders gefeiert. Der Sohn des ehemaligen Kloten-Trainers Pavel Volek kommt erst im dritten Spiel zum Einsatz und bucht bis zum siebten Spiel keinen Skorerpunkt. An besagtem 14. Mai 1993 (Spiel 7) erzielt «David» gegen «Goliath» zwei Tore und Jagr und Co. scheiden sensationell in der zweiten Playoff-Runde aus.

Jagr und die Islanders

Gegenspieler des jüngsten Erfolges, der nach Brooklyn umgezogenen Franchise, ist wieder Jagr, in seinen 18. Stanley-Cup-Playoffs im Trikot der Panthers. Der 44-jährige Weltklasse-Stürmer realisiert in der Regular-Season immer noch 66 Punkte und ist Topskorer seiner Mannschaft, aber spielen die Islanders Playoffs gegen Jagr, gewinnen Sie. Bei Jagrs letzter Pleite gegen die Islanders, sind seine Teamkollegen Aaron Ekblad, Michael Matheson, Aleksander Barkov, Jonathan Huberdeau und Vincent Trocheck, sowie die Gegenspieler Adam Pelech, Ryan Pulock und Ryan Strome noch nicht auf der Welt.

Jagrs Playoff-Bilanz gegen die Islanders

2006 – 6 Spiele, 0 Tore, 2 Assists, 2 Punkte, 4 Strafminuten, -2
1993 – 7 Spiele, 3 Tore, 4 Assists, 7 Punkte, 8 Strafminuten, +1

24. April 2016 – Spiel 6: New York Islanders – Florida Panthers 2:1 nV (0:1, 0:0, 1:0, 0:0, 1:0)
Barclays Center. – 15’795 Zuschauer. – Tore: 19. Huberdeau (Trocheck, Jokinen) 0:1. 60. Tavares (Kulemin, Leddy) 1:1. 91. Tavares (Okposo, Quine) 2:1. – Strafen: Je 3mal 2 Minuten.
NY Islanders: Greiss; Leddy, Hamonic; De Haan, Boychuk; Hickey, Zidlicky; Quine, Tavares, Okposo; Kulemin, Nielsen, Bailey; Prince, Nelson, Bernier; Martin, Nelson, Clutterbuck.
Florida Panthers: Luongo; Kulikov, Ekblad; Campbell, Gudbranson; Metheson, Petrovic; Huberdeau, Barkov, Jagr; Jokinen, Trocheck, Smith; Hudler, MacKenzie, Purcell; Wilson, Shaw, Thornton.

14. Mai 1993 – Spiel 7: Pittsburgh Penguins – New York Islanders 3:4 nV (0:0, 1:1, 2:2, 0:1)
Civic Arena. – Tore: Ulf Samuelsson (Lemieux, Kjell Samuelsson) 1:0. Thomas (Hogue) 1:1. 47. Volek (Ferraro) 1:2. 50. Hogue (Malakhov) 1:3. 57. Francis (Murphy) 2:3. 60. Tocchet (Murphy, Francis) 3:3. 66. Volek (Ferraro) 3:4. – Strafen: Pittsburgh 6mal 2 Minuten, NY Islanders 7mal 2 Minuten.
Pittsburgh: Barrasso; Kjell Samuelsson, Ulf Samuelsson; Taglianetti, Murphy; Jennings, Ramsey; Stevens, Lemieux, Tocchet; Jagr, Francis, Daniels; Joe Mullen, McEachern, Straka; Needham, Tippett, Loney.
NY Islanders: Healy; Kasparaitis, Pilon; Krupp, Kurvers; Malakhov, Vaske; Thomas, Hogue, Brian Mullen; King, Ferraro, Junker; Volek, Turgeon, Vukota; Dalgarno, Loiselle, Fitzgerald.

Huddinge’s Lugano-Erben

Linus Klasen muss aus Kent Johanssons Fusstapfen treten. (Foto: hockeysverige/keystone)

Linus Klasen und Kent Johansson (rechts) stammen beide aus Huddinge. (Foto: hockeysverige/keystone)

Am 2. März 1989 trifft Didier Massy in der fünften Minute als erster Spieler der Geschichte in der Finalserie zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern zum 1:0. Es ist der Auftakt eines bis heute anhaltenden Klassikers des Schweizer Eishockeys. Lugano gewinnt das erste Spiel «erwartungsgemäss» mit 6:2, verliert die «Best-of-Five» Serie aber mit 2:3. Mit diesem Erfolg beendet der SCB unter Trainer Bill Gilligan Luganos dreijährige Vorherrschaft, denn der grosse Dominator unter John Slettvoll verliert erstmals seit Einführung der Playoffs 1985/86 eine Playoff-Serie.

Bern’s Sieg beendet nicht nur Luganos Dominanz, sondern auch die Schweizer-Karriere des Ausnahmekönners Kent Johansson. Der schwedische Internationale in Diensten Lugano’s ist einer der Baumeister der ersten drei Meistertitel (gegen Davos und Kloten) der Bianconeri. In der Serie gegen den SCB gelingen dem Mittelstürmer im dritten Spiel zwei Tore gegen Renato Tosio und Co., zum Sieg reichts aber trotzdem nicht. In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen die Mutzen: Linus Klasen.

In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen den SCB

Wie Johansson stammt auch Klasen vom Stockholmer Provinzklub Huddinge IK. Der schwedische Drittligist, welcher in den 90er Jahren öfters in der Schweiz gastiert, hat unter anderem auch die Weltklasse-Stürmer Michael Nylander (967 NHL-Spiele, 1995/96 bei Lugano) oder Kent’s Bruder Mikael Johansson (vier Meistertitel mit Kloten) hervorgebracht.

Klasen’s Titelhunger

Anders als Klasen hatte Johansson 1989 vor der Finalserie schon vier Meistertitel, drei mit den Bianconeri und einen mit Djurgardens IF Stockholm, in seinem Palmarès. Der Hunger nach einem weiteren Titel war bei Johansson nicht mehr so gross wie das heute bei seinem Klub-Kollegen der Fall ist. Klasen hat zum heutigen Zeitpunkt «erst» eine WM-Bronze-Medaille und einen schwedischen Vize-Meistertitel mit Lulea HF in seiner Tasche. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen den beiden Ausnahmekönnern innerhalb ihrer Epoche bei den Südtessinern.

Klasen bucht im ersten Finalspiel gegen den SCB vier Skorerpunkte und verhilft, anders als Johansson, seiner Mannschaft zum Sieg (5:4). Mit dieser persönlichen Startbilanz dürfte selbst Petteri Nummelin’s Rekord von neun Skorerpunkten aus fünf Finalspielen 2003/04 gegen den SCB geknackt werden. Klasen muss also nicht in Johansson’s-, sondern aus Johansson’s Fussstapfen treten, dann wird ein Titelgewinn eines «Erben aus Huddinge» gegen den SCB zu realisieren sein.

Die Final-Übersicht

1989 Lugano – Bern 2:3-Serie (6:2, 1:5, 3:4, 5:1, 2:4)
1990 Lugano – Bern 3:1-Serie (5:1, 3:5, 7:1, 4:2)
1991 Bern – Lugano 3:1-Serie (3:2, 4:3 nV, 2:4, 2:1 nV)
2004 Lugano – Bern 2:3-Serie (1:3, 1:2, 5:1, 4:3, 3:4 nV)
2016 Lugano – Bern (5:4)

Gault-Millau-Lions für den Ausguss

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger mit 0:4 aus, die ZSC Lions. (Foto: facebook/ZSC Lions)

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger im Viertelfinal mit 0:4 aus. (Foto: facebook/ZSC Lions)

In keiner anderen Liga der Welt scheitert der Qualifikationssieger so oft in der ersten Runde wie in der National League A (NLA). In den letzten zwölf Jahren ist der Schweizer Qualifikationssieger fünfmal im Viertelfinal ausgeschieden. Jüngstes Opfer sind die ZSC Lions, der souveräne Qualifikationssieger hatte nach 50 Runden 31 Punkte, 21 Tore und 10 Siege mehr auf dem Konto als der Achtplatzierte SC Bern. Erstmals ist der Leader gegen den Prügelknaben der Regular Season gar mit 0:4 ausgeschieden, eine Schmach.

50 Runden Plauschhockey um dann in vier Spielen in die wohlverdienten Ferien zu verreisen? Was haben die ZSC Lions in dieser Saison geleistet? Nichts. Nicht einmal in der Champions-Hockey-League konnten die hochgelobten Zürcher reüssieren. Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen. Das ist die wundersame Saison des souveränen Schweizer Qualifikationssiegers, welcher für den Hauptgang der Saison sogar noch ein Playoff-Logo entworfen hat.

Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen

50 Runden dahin Geplänkel um sich dann in der ersten Playoff-Runde zu verabschieden, dies hätte man auch nach 44 Spielen schaffen können. Sechs Zusatzrunden generieren für die Clubverantwortlichen zwar zusätzliche Matcheinnahmen, tragen aber nicht zum sportlichen Mehrwert bei, im Gegenteil, durch das Aus des Qualisiegers machen die 50 Runden noch weniger sinn. Wer will sich sechsmal Biel gegen Zug oder Bern gegen Lausanne ansehen? Leider ziehen die überflüssigen Spiele immer noch mehr Zuschauer in die Stadien als Bern gegen Linköping oder Zürich gegen Berlin.

Kreuzlingen hat mehr geleistet als die Lions

Zurück zu den Playoff-Versagern aus Zürich. Wenn einer behauptet der Zweitligist EHC Kreuzlingen-Konstanz, wo Roman Wicks Vater Marcel als Geschäftsführer der Bodensee Arena amtet, habe in dieser Saison mehr erreicht als die ZSC Lions, kann man diese Aussage mit einem nicken anerkennen. Die Kreuzlinger haben ihre erste Playoff-Hürde gegen den EHC Bassersdorf mit 3:0-Siegen gemeistert.

Was sind die Gründe für das Scheitern von fünf Schweizer Quali-Siegern in den letzten zwölf Jahren? Zürich schrammte schon in den vergangenen zwei Jahren gegen Lausanne (4:3-Serie) und Biel (4:3-Serie) haarscharf an einer Blamage vorbei. Liegt es an der Mentalität? Bekanntlich kann der Schweizer im Mannschaftssport nicht mit der Favoritenrolle umgehen, dies gilt national und international, darüber könnte man eine Dissertation schreiben (siehe auch eishockeyblog https://www.eishockeyblog.ch/2012/05/von-marignano-bis-helsinki/

Beste Chancen vom Zweiten Tabellenrang

Der «Schweizer» verkörpert gerne die Rolle des Aussenseiters, eine Rolle welche der SCB in der aktuellen Ausgabe perfekt umgesetzt hat. Seit 1999 wurde der Qualifikationssieger in 18 Spielzeiten nur fünfmal Meister, dies entspricht einer Erfolgsquote von 28%. Der Anspruch die Qualifikation zu gewinnen gilt eigentlich nur für den HC Davos, denn die Bündner holten seit 2002 drei Meistertitel als Qualifikationssieger. Für alle Andern gilt, sich möglichst von der Tabellenspitze fern zu halten. Der Grat ist allerdings sehr schmal, denn vom zweiten Tabellenrang stehen die Titelchancen mit 35% am besten.

Anders augedrückt, die Chance als Quali-Sieger den Titel zu holen ist seit 1999 gleich gross wie im Viertelfinal auszuscheiden. Zwischen 1986 und 1998 wurde der Qualifikationssieger in 13 Spielzeiten achtmal Meister. 1995 gewann mit dem EHC Kloten (7. Rang) erstmals ein Team aus der unteren Tabellenhälfte den Meistertitel. Ab 1999 gelang dies zweimal den ZSC Lions (6. Rang, 2008 und 7. Rang 2012) und dem HC Davos (5. Rang) vor Jahresfrist. Einzig der Achtplatzierte schaffte den riesen Coup bisher noch nicht.

Viertelfinal-Aus von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2005 Lugano – Bern 1:4
2006 Bern – Kloten 2:4
2008 Bern – Fribourg-Gottéron 2:4
2009 Bern – Zug 2:4
2016 ZSC Lions – Bern 0:4

Meistertitel von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2002 HC Davos
2007 HC Davos
2010 SC Bern
2011 HC Davos
2014 ZSC Lions

Der Virus der Schweizer Hockey-Medien

Bern-1967-2016

Der SC Bern hat die Niederlagen-Serie von 1966-67 gebrochen. (Foto: passionhockey.com, Hervé Chavaillaz)

Am Sonntag, 24. Januar 2016 verliert der SC Bern beim EHC Biel (3:4 nV) zum sechsten Mal in Serie. Seit dem Wiederaufstieg (am grünen Tisch) 1986, hat der SCB noch nie sechsmal in Serie verloren. So lautet der Satz, wie er von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) korrekt vermeldet wurde.

Doppelte Unwahrheit

Andere Medien, wie beispielsweise der Blick ändern den korrekten Satz willkürlich in eine Unwahrheit: «Bern verliert beim Schlusslicht Biel zum sechsten Mal in Folge. Das gabs seit 30 Jahren nicht mehr.» Dieser Satz, des Journalisten dessen Namen mir soeben entfallen ist, beinhaltet gleich zwei Unwahrheiten: Erstens spielte der SCB vor 30 Jahren als Qualifikationssieger in der NLB und zweitens gabs dies seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

Die willkürlichen 30 Jahre verbreiten sich durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie ein Virus

Da in der Schweiz die Statistik erst seit 1985-86 geführt wird, ist es zu aufwändig die Zeit vor den Playoffs zu eruieren. Weder ein Medium, noch der Verband nehmen den Aufwand auf sich, die Daten bis zur Gründung der Nationalliga 1937-38 in den tiefen der Annalen zu ergründen. Man kann dies auch als mangelndes Interesse eines privilegierten Jobs bezeichnen.

Daher schleichen sich die ominösen und verfälschten 30 Jahre durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie ein Virus. Der Virus verbreitet sich bis zu einem Interview mit SCB-CEO Marc Lüthi, welchen die 30 Jahre ebenso wenig interessieren wie die andern 95% der Schweizer Hockey-Gefolgschaft. Selbstverständlich hat der SCB andere Probleme als sich um die Geschichte der eigenen Negativserie zu kümmern.

Grösste Niederlagen-Serie seit der Gründung

Eine investigative Recherche, für die Buchhalter unter den Hockey-Besessenen, ergründet auch in der Berner NLA-Abstiegssaison 1981-82 nur vier Niederlagen in Serie. Bis zur letzten Berner Niederlagen-Serie von sechs Spielen muss der Hockey-Chronist bis in die Saison 1966-67 zurückblicken. Zwischen dem 23. Dezember 1966 und dem 21. Januar 1967 mussten die Mutzen letztmals sechsmal* in Folge als Verlierer vom Eis. «Das gabs seit 49 Jahren nicht mehr.» Mit der 4:5-Niederlage in Lausanne wurde der Minusrekord von anno dazumal sogar noch gebrochen und die Mutzen stecken in der grössten Negativ-Spirale innerhalb einer Saison seit der Gründung am 3. November 1930.

Die SCB-Niederlagen-Serie 2015-16

9. Januar 2016, Genève-Servette 3:4 (h)
15. Januar 2016, SCL Tigers 1:2 (a)
16. Januar 2016, Davos 1:2 nP (h)
19. Januar 2016, Genève-Servette 1:4 (a)
23. Januar 2016, Lugano 2:3 nP (h)
24. Januar 2016, Biel 3:4 nV (a)
26. Januar 2016, Lausanne 4:5 nP (a)

* Resultate und Gegner sind eishockeyblog.ch bekannt. eishockeyblog.ch kennt Eishockey. 0 Länderspiele. 77 AL-Partien und 66 Strafminuten :-). Ein Dank geht an «SCB-Jüre» Wymann für die sorgfältige Nachprüfung.

Der HC Davos greift nach Edelmetall

2006-01-06-Frolunda-Davos

Martin Plüss (#28) musste vor zehn Jahren mit den Frölunda Indians gegen die Davoser Marc Gianola und Reto von Arx unten durch. (Foto: passionhockey.com)

Neben dem Schweizer-Vertreter HC Davos, spielen der finnische Landesmeister Kärpät Oulu (Fi), Frölunda Indians HC Göteborg (Sd) und Lukko Rauma (Fi) um den Finaleinzug der Champions-Hockey-League. Noch keiner der vier Halbfinalisten konnte seit Einführung des Europacups 1965/1966 einen europäischen Titel gewinnen.

Die beiden letzten offiziellen europäischen Titel gewannen mit Lulea HF (2015) und den ZSC Lions (2008) Vertreter aus Schweden und der Schweiz. Nun stehen sich die Kontrahenten der beiden letzten Sieger-Nationen bereits im Halbfinal gegenüber.

Schlechte Erinnerungen an den HCD

Zum zweiten Mal in der Klubgeschichte trifft Davos in einem Europacup-Spiel auf die Frölunda Indians. Beim letzten Aufeinandertreffen am 6. Januar 2006 deklassierten die Bündner die Westschweden (Västra Svenska) beim European-Champions-Cup (ECC) gleich mit 6:2.

Die beiden Mannschaften haben mit den Teams vor zehn Jahren nicht mehr viel zu tun. Nur noch Davos-Trainer Arno del Curto, Andres Ambühl und die Frölunda-Stürmer Joel Lundqvist (Zwillingsbruder von Rangers-König Henrik) und Robin Figren sind noch dabei. Ebenfalls mit von der Partie beim schwedischen Meister war damals Berns Martin Plüss (er sass beim ersten Davoser Treffer auf der Strafbank).

Frölunda liegt an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL)

Während der HCD auf eine ganze Sturmreihe (Gregory Sciaroni, Dario Simion und Marcus Paulsson) verzichten muss, kann die Mannschaft von Roger Rönnberg in Bestbesetzung antreten, nur Verteidiger Lukas Bengtsson fehlt verletzungsbedingt. Die Schweden liegen nach dem 6:0-Sieg am 9. Januar gegen Färjestads BK Karlstad an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL) und scheinen für den CHL-Halbfinal gerüstet.

Für Davos ist es nach 1985, 1986, 2006 und 2008 die fünfte Teilnahme an einem europäischen Klub-Wettbewerb, 2006 gab es European-Champions-Cup-Bronze. Frölunda kämpft zum vierten mal um europäisches Edelmetall, für die Schweden gab es 1997 EHL-Bronze und im Vorjahr mussten sich die Indianer erst im Final gegen ihre Landsmänner aus Lulea geschlagen geben.

Die Davoser Europacup-Bilanz gegen schwedische Teams

5. Februar 1986 in Davos, Södertälje SK 5:9 (3:2, 0:5, 2:2)
6. Februar 1986 in Zürich, Södertälje SK 5:9 (2:1, 2:5, 1:3)
6. Januar 2006 in St. Petersburg, Frölunda Indians HC Göteborg 6:2 (2:0, 2:1, 2:1)
20. August 2015 in Karlstad, Färjestads BK Karlstad 4:0 (0:0, 3:0, 1:0)
28. August 2015 in Davos, Färjestads BK Karlstad 0:1 nV (0:0, 0:0, 0:0, 0:1)
1. Dezember 2015 in Davos, Skelleftea AIK 1:1 (1:0, 0:1, 0:0)
8. Dezember 2015 in Skelleftea, Skelleftea AIK 4:1 (2:0, 0:1, 2:0)

Der Spielbericht vom 6. Januar 2006

Frölunda Indians HC Göteborg – HC Davos 2:6 (0:2, 1:2, 1:2)
Eispalast, St. Petersburg. – 2’500 Zuschauer. – SR Karabanov (Ru); Elistratov, Kalinin (Ru). – Tore: 13. Wilson (Ackeström, Marha/Ausschluss Plüss) 0:1. 17. Wilson (Guggisberg) 0:2. 22. Marha (Guggisberg, Hauer/Ausschluss Sundin) 0:3. 24. Oduya (Witehall/Ausschluss Christen) 1:3. 28. Hauer (Wilson/Ausschluss Niemi) 1:4. 43. Jan von Arx (Reto von Arx, Riesen/Ausschluss Tukio) 1:5. 48. Reto von Arx (Hauer, Riesen/Ausschlüsse Niemi, Lundqvist) 1:6. 53. Kallio (Koivisto, Sundin/Ausschluss Hahl) 2:6. – Strafen: Je 9mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Frölunda ohne Kahnberg, Tolsa, Esbjörs (alle verletzt), Axelsson und Sebastian Karlsson (U20 WM). Davos ohne Heberlein und Winkler (beide verletzt).
Frölunda: Salo; Sundin, Koivisto; Alavaara, Niemi; Oduya, Tukio; Porseland, Demén-Willaume; Andersson,  Johnson, Kallio; Madsen, Plüss, Högardh; Lundqvist, Patrik Karlsson, Witehall; Figren, Zackrisson.
Davos: Hiller; Jan von Arx, Gianola; Blatter, Hauer; Kress, Ackeström; Häller, Arne Ramholt; Hahl, Reto von Arx, Riesen; Wilson, Marha, Guggisberg; Willis, Rizzi, Christen; Bruderer, Sutter, Ambühl.

 

Der andere Riesen «the other Riesen»

Foto: Alain Riesen (#32) am 6. Juni 2015, bei Canberras 4:1-Sieg gegen die Sydney Ice Dogs. (Paul Furness)

Eishockeytechnisch hat die Schweiz und Australien nicht viele Gemeinsamkeiten. An der C-Weltmeisterschaft 1974 trafen die beiden Nationalteams im Palais-des-Sports in Grenoble erstmals aufeinander. Der 20:0-Sieg der Eisgenossen ist bis heute der höchste Sieg der Geschichte des Schweizer Nationalteams, der ehemalige Nationaltorhüter Robert «Robelon» Meuwly sagt noch heute «i ha ke Pögg berüehrt». Auf die Frage wie hoch wohl seine Mannschaft (Canberra Brave) gegen die beiden heutigen Gegner SC Bern und Kloten Flyers verlieren würde, antwortet Alain Riesen mit demselben Resultat: «twenty-zero.»

Ursprung in der Berner Allmend

Alain Riesen? Sein Name lässt nichts über seine wahre Herkunft vermuten: Australien. Riesens Eltern sind 1987 durch ein Jobangebot in Australiens Hauptstadt Canberra aus Bern nach Down Under ausgewandert. Drei Jahre später, am 5. September 1990 hat Alain Riesen in Canberra das Licht der Welt erblickt. Im Alter von zwölf Jahren reist Riesen mit seinen Eltern in die Schweiz und besucht sein erstes Eishockeyspiel im Berner Allmend-Stadion. «Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen», nennt Riesen, der auch ein gebrochenes Berndeutsch spricht, als Grund für seine exotische sportliche Affinität im Land des Rugbys.

Der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga

Als 18-Jähriger debütiert der Doppelbürger 2009 in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Canberra Knights, dem traditionsreichsten von acht AIHL-Teams. Seine Schweizer Wurzeln führen den Stürmer in der Saison 2012/2013 zum EHC St. Moritz. Er habe ein paar Schweizer Klubs, darunter auch den EHC Wiki-Münsingen wo einst sein Grossvater gespielt hat, kontaktiert, sagt Riesen. Die Bündner boten dem College-Absolventen neben dem Hockey-Abenteuer auch eine Saisonstelle in einem Sportgeschäft, also spielte der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga.

Saisonstart im April

Im Dezember 2015 kehrt der 25-Jährige für einen Monat in die Schweiz zurück um seiner Freundin Chloe neben Paris und London auch sein Mutterland zeigen zu können. Neben den obligaten Sehenswürdigkeiten wie Luzern, Zermatt oder Genf gehören auch drei Eishockeyspiele dazu. Riesen, der bei seinem Onkel in Gasel weilt, besucht zwei Spiele in Bern, seinem Lieblingsclub und ein Spiel in Davos. Beeindruckt von der imposanten Kulisse in Bern startet der «Australier» im April 2016, die AIHL läuft von April bis August, in seine achte AIHL-Saison mit den CBR (Canberra) Brave, dort spielt der Rechtsschütze seine Heimspiele vor 800 Zuschauern. Die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftsport der Welt ist aber auch beim «anderen» Riesen mindestens so gross wie die Kulisse der PostFinance Arena.

Fotos: CBR Brave-Spieler Alain Riesen besucht seinen Eishockey-Ursprungsort, die Berner PostFinance Arena. (Michael Krein)

Ist der Bann der «Besiegbaren» gebrochen?

Ist Luganos Bann der «besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Ist Luganos Bann der «Besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Wetten dass, der HC Lugano im Frühling 2016 erstmals seit zehn Jahren eine Playoff-Serie gewinnt? Nach der Teilnahme am Spengler Cup 1991 hat Lugano schon einmal einen Bann gebrochen. Nach dem zweiten Spengler Cup Auftritt können die Tessiner in den Playoffs den Bann ihrer neunjährigen Negativ-Serie endlich beenden.

Seit ihrem letzten Meistertitel 2006 haben die stolzen Bianconeri keine einzige Playoff-Serie mehr gewonnen und im Frühling 2016 droht sogar das zehnjährige Jubiläum. Nach Luganos erster Spengler Cup Teilnahme im Dezember 1991 haben die Tessiner unbewusst den Grundstein der «Unbesiegbaren» zu den «Besiegbaren» gelegt.

Bis 1991 kennt Lugano nur den Playoff-Final

Bis im Frühling 1991 haben die Luganesi keine einzige Playoff Viertelfinal- oder Halbfinal Serie verloren. Seit Einführung der Playoffs, 1985/86 spielten die Tessiner bis 1991 immer im Final, dabei ging die Mannschaft von «Trainer-Magier» John Slettvoll viermal als Schweizermeister (1986, 1987, 1988, 1990) hervor, zweimal reichte es «nur» zum Vizemeistertitel (1989, 1991).

Bis zu Luganos erster Spengler Cup Teilnahme kennt man am Lago-di-Lugano meisterschaftstechnisch nur den Playoff-Final. So auch bei der ersten Spengler Cup Teilnahme 1991, als der HC Lugano-Selection erst im Endspiel an ZSKA Moskau (2:5) scheitert. Lugano erreicht an besagtem Turnier als erste Schweizer Klub-Mannschaft das Endspiel der Neuzeit am berühmtesten Grümpelturnier der Welt.

Durch den Spengler Cup vom Bann der Unbesiegbaren zum Bann der Besiegbaren…

Zwei Monate später starten die Bianconeri als Tabellenzweiter und Meisterschaftsfavorit wie üblich in die Playoff-Viertelfinals, der krasse Aussenseiter heisst dieses mal Zürcher Schlittschuhclub (ZSC). Für die Zürcher ist es erst die zweite Playoff-Teilnahme der Klubgeschichte und Luganos weiterkommen daher eine reine Formsache.

Das Wunder von Zürich

Die Zürcher, welche während der Meisterschaft ihren Trainer Dr. Pavel Wohl durch Arno del Curto (von Herisau gekommen) ersetzen, erweisen sich als unerwartete Knacknuss für die erfolgsverwöhnten Südtessiner. Bereits das erste Heimspiel verlieren die Bianconeri überraschend mit 5:7. Trotz einem 10:0-Sieg im dritten Spiel scheiden die Luganesi in der Best-of-Five Serie gegen den Tabellensiebten sensationell mit 1:3 aus. Die Medien berichten über das «Wunder von Zürich», denn erstmals in der Schweizer Playoff-Geschichte verliert ein Viertelfinal-Favorit gegen einen Aussenseiter.

Nach dem erfolgreichen Spengler Cup vor 24 Jahren, wurde der Bann der «Unbesiegbaren» gebrochen und es folgte ein erstmaliges Ausscheiden Luganos in den Viertelfinals. Nach dem erfolgreichen Spengler Cup 2015 wurde der Bann der «Besiegbaren» gebrochen und es folgt Luganos erstmalige Halbfinal-Qualifikation seit zehn Jahren. Die Antwort auf diese Prognose wird uns die Mannschaft von Douglas Arthur Shedden spätestens am 17. März 2016 geben können.

Luganos Playoff-Vergleich

Die «Unbesiegbaren» vor dem Spengler Cup 1991

1985 / 1986 Meister: Sierre 2:0-Serie, Davos 2:0
1986 / 1987 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0
1987 / 1988 Meister: Davos 3:1, Kloten 3:0
1988 / 1989 Vizemeister: Fribourg-Gottéron 2:0, Ambrì-Piotta 3:0, Bern 2:3
1989 / 1990 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0, Bern 3:1
1990 / 1991 Vizemeister: Biel 3:0, Kloten 3:1, Bern 1:3

Die «Besiegbaren» vor dem Spengler Cup 2015

2006 / 2007 Viertelfinal: Kloten 2:4
2007 / 2008 Playout
2008 / 2009 Viertelfinal: Davos 3:4
2009 / 2010 Viertelfinal: Bern 0:4
2010 / 2011 Playout
2011 / 2012 Viertelfinal: Fribourg-Gottéron 2:4
2012 / 2013 Viertelfinal: Zug 3:4
2013 / 2014 Viertelfinal: Genève-Servette 1:4
2014 / 2015 Viertelfinal: Genève-Servette 2:4