Gault-Millau-Lions für den Ausguss

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger mit 0:4 aus, die ZSC Lions. (Foto: facebook/ZSC Lions)
Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger im Viertelfinal mit 0:4 aus. (Foto: facebook/ZSC Lions)

In keiner anderen Liga der Welt scheitert der Qualifikationssieger so oft in der ersten Runde wie in der National League A (NLA). In den letzten zwölf Jahren ist der Schweizer Qualifikationssieger fünfmal im Viertelfinal ausgeschieden. Jüngstes Opfer sind die ZSC Lions, der souveräne Qualifikationssieger hatte nach 50 Runden 31 Punkte, 21 Tore und 10 Siege mehr auf dem Konto als der Achtplatzierte SC Bern. Erstmals ist der Leader gegen den Prügelknaben der Regular Season gar mit 0:4 ausgeschieden, eine Schmach.

50 Runden Plauschhockey um dann in vier Spielen in die wohlverdienten Ferien zu verreisen? Was haben die ZSC Lions in dieser Saison geleistet? Nichts. Nicht einmal in der Champions-Hockey-League konnten die hochgelobten Zürcher reüssieren. Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen. Das ist die wundersame Saison des souveränen Schweizer Qualifikationssiegers, welcher für den Hauptgang der Saison sogar noch ein Playoff-Logo entworfen hat.

Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen

50 Runden dahin Geplänkel um sich dann in der ersten Playoff-Runde zu verabschieden, dies hätte man auch nach 44 Spielen schaffen können. Sechs Zusatzrunden generieren für die Clubverantwortlichen zwar zusätzliche Matcheinnahmen, tragen aber nicht zum sportlichen Mehrwert bei, im Gegenteil, durch das Aus des Qualisiegers machen die 50 Runden noch weniger sinn. Wer will sich sechsmal Biel gegen Zug oder Bern gegen Lausanne ansehen? Leider ziehen die überflüssigen Spiele immer noch mehr Zuschauer in die Stadien als Bern gegen Linköping oder Zürich gegen Berlin.

Kreuzlingen hat mehr geleistet als die Lions

Zurück zu den Playoff-Versagern aus Zürich. Wenn einer behauptet der Zweitligist EHC Kreuzlingen-Konstanz, wo Roman Wicks Vater Marcel als Geschäftsführer der Bodensee Arena amtet, habe in dieser Saison mehr erreicht als die ZSC Lions, kann man diese Aussage mit einem nicken anerkennen. Die Kreuzlinger haben ihre erste Playoff-Hürde gegen den EHC Bassersdorf mit 3:0-Siegen gemeistert.

Was sind die Gründe für das Scheitern von fünf Schweizer Quali-Siegern in den letzten zwölf Jahren? Zürich schrammte schon in den vergangenen zwei Jahren gegen Lausanne (4:3-Serie) und Biel (4:3-Serie) haarscharf an einer Blamage vorbei. Liegt es an der Mentalität? Bekanntlich kann der Schweizer im Mannschaftssport nicht mit der Favoritenrolle umgehen, dies gilt national und international, darüber könnte man eine Dissertation schreiben (siehe auch eishockeyblog https://www.eishockeyblog.ch/2012/05/von-marignano-bis-helsinki/

Beste Chancen vom Zweiten Tabellenrang

Der «Schweizer» verkörpert gerne die Rolle des Aussenseiters, eine Rolle welche der SCB in der aktuellen Ausgabe perfekt umgesetzt hat. Seit 1999 wurde der Qualifikationssieger in 18 Spielzeiten nur fünfmal Meister, dies entspricht einer Erfolgsquote von 28%. Der Anspruch die Qualifikation zu gewinnen gilt eigentlich nur für den HC Davos, denn die Bündner holten seit 2002 drei Meistertitel als Qualifikationssieger. Für alle Andern gilt, sich möglichst von der Tabellenspitze fern zu halten. Der Grat ist allerdings sehr schmal, denn vom zweiten Tabellenrang stehen die Titelchancen mit 35% am besten.

Anders augedrückt, die Chance als Quali-Sieger den Titel zu holen ist seit 1999 gleich gross wie im Viertelfinal auszuscheiden. Zwischen 1986 und 1998 wurde der Qualifikationssieger in 13 Spielzeiten achtmal Meister. 1995 gewann mit dem EHC Kloten (7. Rang) erstmals ein Team aus der unteren Tabellenhälfte den Meistertitel. Ab 1999 gelang dies zweimal den ZSC Lions (6. Rang, 2008 und 7. Rang 2012) und dem HC Davos (5. Rang) vor Jahresfrist. Einzig der Achtplatzierte schaffte den riesen Coup bisher noch nicht.

Viertelfinal-Aus von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2005 Lugano – Bern 1:4
2006 Bern – Kloten 2:4
2008 Bern – Fribourg-Gottéron 2:4
2009 Bern – Zug 2:4
2016 ZSC Lions – Bern 0:4

Meistertitel von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2002 HC Davos
2007 HC Davos
2010 SC Bern
2011 HC Davos
2014 ZSC Lions

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