MonatsarchivApril 2016

23 Jahre und Jaromir Jagr

NYI-FLA Jagr-Leddy, Mike Stobe NHLI via Getty Images

Spielen die New York Islanders (Nick Leddy) Playoffs gegen Jaromir Jagr (links), gewinnen sie. (Foto: Mike Stobe/NHLI via Getty Images)

Am 24. April 2016 gewinnen die New York Islanders nach dem 2:1-Overtime-Sieg gegen die Florida Panthers ihre erste Playoff-Serie (4:2) seit 23 Jahren. Overtime-Torschütze John Tavares war beim letzten Serie-Gewinn der Isles, am 14. Mai 1993 zwei Jahre alt und die Florida Panthers wurden erst einen Monat später, am 14. Juni 1993 aus der Taufe gehoben.

Vor 23 Jahren gewinnen die Islanders unter Kult-Trainer Al Arbour (vier Stanley-Cup-Siege mit den Islanders) ihre letzte Playoff-Serie nach einem 4:3-Overtime-Sieg im siebten Spiel gegen den amtierenden Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins. Der Sieg der Islanders kommt einem Wunder gleich, Experten schätzen die Penguins in diesem Jahr sogar noch stärker als bei ihren letzten zwei Stanley-Cup-Titeln (1992 und 1993) ein.

Penguins Star-Ensemble

Die Penguins holen mit 113 Punkten (10 Punkte vor Boston) die Presidents-Trophy (Regular-Season-Sieger) und haben mit Mario Lemieux (160 Skorerpunkte und Art-Ross-Trophy) den besten Spieler der Liga in ihren Reihen. Mit Lemieux, Kevin Stevens, Rick Tocchet und Ron Francis stehen vier Spieler im Kader, welche über 100 Skorerpunkte gebucht haben.

Bei Jagrs letzter Pleite gegen die Islanders, sind seine Teamkollegen Ekblad, Matheson, Barkov, Huberdeau und Trocheck, sowie die Gegenspieler Pelech, Pulock und Strome noch nicht auf der Welt.

Zu diesem Star-Ensemble gehört auch ein 21-jähriger Tschechoslowake, Jaromir Jagr knackt mit 94 Skorerpunkten beinahe 100-Punkte-Marke. Als Held der Viertelfinal-Serie wird aber mit David Volek ein Landsmann der Islanders gefeiert. Der Sohn des ehemaligen Kloten-Trainers Pavel Volek kommt erst im dritten Spiel zum Einsatz und bucht bis zum siebten Spiel keinen Skorerpunkt. An besagtem 14. Mai 1993 (Spiel 7) erzielt «David» gegen «Goliath» zwei Tore und Jagr und Co. scheiden sensationell in der zweiten Playoff-Runde aus.

Jagr und die Islanders

Gegenspieler des jüngsten Erfolges, der nach Brooklyn umgezogenen Franchise, ist wieder Jagr, in seinen 18. Stanley-Cup-Playoffs im Trikot der Panthers. Der 44-jährige Weltklasse-Stürmer realisiert in der Regular-Season immer noch 66 Punkte und ist Topskorer seiner Mannschaft, aber spielen die Islanders Playoffs gegen Jagr, gewinnen Sie. Bei Jagrs letzter Pleite gegen die Islanders, sind seine Teamkollegen Aaron Ekblad, Michael Matheson, Aleksander Barkov, Jonathan Huberdeau und Vincent Trocheck, sowie die Gegenspieler Adam Pelech, Ryan Pulock und Ryan Strome noch nicht auf der Welt.

Jagrs Playoff-Bilanz gegen die Islanders

2006 – 6 Spiele, 0 Tore, 2 Assists, 2 Punkte, 4 Strafminuten, -2
1993 – 7 Spiele, 3 Tore, 4 Assists, 7 Punkte, 8 Strafminuten, +1

24. April 2016 – Spiel 6: New York Islanders – Florida Panthers 2:1 nV (0:1, 0:0, 1:0, 0:0, 1:0)
Barclays Center. – 15’795 Zuschauer. – Tore: 19. Huberdeau (Trocheck, Jokinen) 0:1. 60. Tavares (Kulemin, Leddy) 1:1. 91. Tavares (Okposo, Quine) 2:1. – Strafen: Je 3mal 2 Minuten.
NY Islanders: Greiss; Leddy, Hamonic; De Haan, Boychuk; Hickey, Zidlicky; Quine, Tavares, Okposo; Kulemin, Nielsen, Bailey; Prince, Nelson, Bernier; Martin, Nelson, Clutterbuck.
Florida Panthers: Luongo; Kulikov, Ekblad; Campbell, Gudbranson; Metheson, Petrovic; Huberdeau, Barkov, Jagr; Jokinen, Trocheck, Smith; Hudler, MacKenzie, Purcell; Wilson, Shaw, Thornton.

14. Mai 1993 – Spiel 7: Pittsburgh Penguins – New York Islanders 3:4 nV (0:0, 1:1, 2:2, 0:1)
Civic Arena. – Tore: Ulf Samuelsson (Lemieux, Kjell Samuelsson) 1:0. Thomas (Hogue) 1:1. 47. Volek (Ferraro) 1:2. 50. Hogue (Malakhov) 1:3. 57. Francis (Murphy) 2:3. 60. Tocchet (Murphy, Francis) 3:3. 66. Volek (Ferraro) 3:4. – Strafen: Pittsburgh 6mal 2 Minuten, NY Islanders 7mal 2 Minuten.
Pittsburgh: Barrasso; Kjell Samuelsson, Ulf Samuelsson; Taglianetti, Murphy; Jennings, Ramsey; Stevens, Lemieux, Tocchet; Jagr, Francis, Daniels; Joe Mullen, McEachern, Straka; Needham, Tippett, Loney.
NY Islanders: Healy; Kasparaitis, Pilon; Krupp, Kurvers; Malakhov, Vaske; Thomas, Hogue, Brian Mullen; King, Ferraro, Junker; Volek, Turgeon, Vukota; Dalgarno, Loiselle, Fitzgerald.

Huddinge’s Lugano-Erben

Linus Klasen muss aus Kent Johanssons Fusstapfen treten. (Foto: hockeysverige/keystone)

Linus Klasen und Kent Johansson (rechts) stammen beide aus Huddinge. (Foto: hockeysverige/keystone)

Am 2. März 1989 trifft Didier Massy in der fünften Minute als erster Spieler der Geschichte in der Finalserie zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern zum 1:0. Es ist der Auftakt eines bis heute anhaltenden Klassikers des Schweizer Eishockeys. Lugano gewinnt das erste Spiel «erwartungsgemäss» mit 6:2, verliert die «Best-of-Five» Serie aber mit 2:3. Mit diesem Erfolg beendet der SCB unter Trainer Bill Gilligan Luganos dreijährige Vorherrschaft, denn der grosse Dominator unter John Slettvoll verliert erstmals seit Einführung der Playoffs 1985/86 eine Playoff-Serie.

Bern’s Sieg beendet nicht nur Luganos Dominanz, sondern auch die Schweizer-Karriere des Ausnahmekönners Kent Johansson. Der schwedische Internationale in Diensten Lugano’s ist einer der Baumeister der ersten drei Meistertitel (gegen Davos und Kloten) der Bianconeri. In der Serie gegen den SCB gelingen dem Mittelstürmer im dritten Spiel zwei Tore gegen Renato Tosio und Co., zum Sieg reichts aber trotzdem nicht. In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen die Mutzen: Linus Klasen.

In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen den SCB

Wie Johansson stammt auch Klasen vom Stockholmer Provinzklub Huddinge IK. Der schwedische Drittligist, welcher in den 90er Jahren öfters in der Schweiz gastiert, hat unter anderem auch die Weltklasse-Stürmer Michael Nylander (967 NHL-Spiele, 1995/96 bei Lugano) oder Kent’s Bruder Mikael Johansson (vier Meistertitel mit Kloten) hervorgebracht.

Klasen’s Titelhunger

Anders als Klasen hatte Johansson 1989 vor der Finalserie schon vier Meistertitel, drei mit den Bianconeri und einen mit Djurgardens IF Stockholm, in seinem Palmarès. Der Hunger nach einem weiteren Titel war bei Johansson nicht mehr so gross wie das heute bei seinem Klub-Kollegen der Fall ist. Klasen hat zum heutigen Zeitpunkt «erst» eine WM-Bronze-Medaille und einen schwedischen Vize-Meistertitel mit Lulea HF in seiner Tasche. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen den beiden Ausnahmekönnern innerhalb ihrer Epoche bei den Südtessinern.

Klasen bucht im ersten Finalspiel gegen den SCB vier Skorerpunkte und verhilft, anders als Johansson, seiner Mannschaft zum Sieg (5:4). Mit dieser persönlichen Startbilanz dürfte selbst Petteri Nummelin’s Rekord von neun Skorerpunkten aus fünf Finalspielen 2003/04 gegen den SCB geknackt werden. Klasen muss also nicht in Johansson’s-, sondern aus Johansson’s Fussstapfen treten, dann wird ein Titelgewinn eines «Erben aus Huddinge» gegen den SCB zu realisieren sein.

Die Final-Übersicht

1989 Lugano – Bern 2:3-Serie (6:2, 1:5, 3:4, 5:1, 2:4)
1990 Lugano – Bern 3:1-Serie (5:1, 3:5, 7:1, 4:2)
1991 Bern – Lugano 3:1-Serie (3:2, 4:3 nV, 2:4, 2:1 nV)
2004 Lugano – Bern 2:3-Serie (1:3, 1:2, 5:1, 4:3, 3:4 nV)
2016 Lugano – Bern (5:4)