MonatsarchivJuni 2019

Stolperstein Bratislava

Foto: Das berühmt-berüchtige Stadioncafe „Pivaren Budik“ (Michael Krein)

Der Schweizer Stolperstein in diesem Jahr hiess Kanada, 0.4 Sekunden fehlten dem Schweizer Nationalteam zum Einzug in den WM-Halbfinal. „Stolperstein“, ist unser WM-Wort 2019. Den ersten „Stolperer“ leistete sich unser Fahrer, mit einem kleinen Umweg, bereits auf der Anfahrt Richtung Flughafen Zürich. Den nächsten „Stolperer“ leistete sich das Personal beim ersten Mittagessen im „Infiniti-Rock-Cafe“ in der Altstadt von Bratislava, über eine Stunde liess die „Burger-Bestellung“ auf sich warten.

Beim Nachmittagsspiel stolperten dann die Italiener bei ihrer 1:7-Schlappe gegen Norwegen, ehe ein Teil unsere Reisecrew für die Tickets des Abendspiels vor den Toren des Stadions-Ondreja-Nepela strauchelte. Über 250 Euro wollte die russische Ticket-Mafia für einen Eintritt. Mein Glück, war die Abwesenheit eines Vorstandsmitglieds des EHC Meinisberg, dessen Name mir soeben entfallen ist. So war ich nicht „Torrianis-Erben“, sondern „Meinisbergs-Erben“ für die beiden Schweizer Partien gegen Schweden und Russland.

Drei Stolpersteine

Gestolpert sind auch die Schweizer – und zwar gleich dreimal in unserer Anwesenheit, allerdings sind Niederlagen gegen Schweden (3:4), Russland (0:3) und Tschechien (4:5) nicht wirkliche „Stolpersteine“, aufgrund des Schweizer Kaders allerdings waren die Erwartungen weit höher als dies noch vor 30 Jahren das Fall gewesen war. Damals hiessen die Stolpersteine an der B-Weltmeisterschaft in Oslo und Lillehammer Frankreich (2:5) und Italien (6:7), dies wären auch heute noch echte „Stolperer.“

„Die Italiener feierten schon vor dem Alpenknüller!“

Michael Krein

Italien erwies sich auch für unsere östlichen Nachbarn als echten Stolperstein. Die Azzurri, erstmals mit nur vier Italokanadiern (Italos) an einer A-WM dabei, spielten vor ausverkauften Rängen mit Herz und Leidenschaft gegen die müde und blass wirkenden Österreicher. Patrick Kirchler, der Stadionbeizer des HC Pustertal, hat mir dies schon vor dem „Endspiel“ im Alpenduell prophezeiht: „Uns genügt ein Tor gegen Österreich“, es waren schlussendlich fünf Treffer, mit dem goldenen Penalty des „Italos“ Sean McMonagle. Wobei die Italiener vor dem entscheidenden Spiel, bis in die frühen Morgenstunden in unserer Hotelbar gefeiert haben… (den Ligaerhalt?)

D’Szene isch ä chlini Bar irgendwo…

Apropos „ausverkauft“, erstmals in der Geschichte der Hockey-WM, musste sich der „Schweizer“ ernsthaft um Billette (nicht verwandt mit unserem Kommentator) bemühen. Dabei ist man nicht um die „sowjetische“ Ticketmafia herum gekommen. Dreh- und Angelpunkt der Szene war das Stadioncafé „Pivaren Budik“, dort konnte man für jedes Spiel ein Ticket kaufen, aber nicht zu jedem Preis. In unserer Crew hatten wir einen aus Tschechien stammenden Sbornaja-Liebhaber, welcher sich jeweils vor den „heissen“ Spielen als unser „Winkelried“ ins Stadioncafé stürzte. In der Zwischenzeit nippten wir am hässlichen Krusovice-Bier, welches im- und rund ums Stadion exklusiv ausgeschenkt wurde.

Es gab sogar einen Einlass, welcher ohne Ticket erfolgte. Die auserwählten Schweizer wurden durch einen Seiteneingang ins Stadion gelassen, dann auf der Treppe, auf dem Weg zu den Sitzplätzen, gebeten ihren „Eintritt“ zu bezahlen und auf halbem Gang ins Glück sich selbst überlassen, in der Hoffnung, beim öffnen der Türe im obersten Sektor, von niemandem entdeckt zu werden. Gestolpert sei dabei niemand, versicherte mir der Protagonist, bei seiner etwas kuriosen aber durchaus glaubhaften Geschichte. Ach ja, fast hätte ichs vergessen, „Stolperstein Frankreich“, titelte im April 1989 das SLAPSHOT-Magazin Nr. 8, an diesen Titel erinnerten sich zwei Mitglieder unserer Reisegruppe bei der Anfahrt zum Zürcher Flughafen und an der Burgdorfer Dammstrasse liegt sogar noch heute ein echter „Stolperstein“ in den Farben der Franzosen…