Ein ganz normaler Mittwoch in Arosa?

Ein normaler Mittwoch in Arosa, in Lindemann’s Overtime Bar kümmert sich der Herr des Hauses liebevoll um seine Gäste. Im Buch «Arosa in 100 Geschichten», widmet Autor und Herausgeber Peter Röthlisberger, Guido Lindemann vier Seiten und bezeichnet ihn als «der letzte König.» Bei diesem letzten König habe ich eine Audienz, Guido setzt sich mit einem Espresso zu mir an den Tisch und erzählt von seinem Unfall, von den Enkelkindern im fernen Leksand und von der Verletzung seines Sohnes Kim, welcher vermutlich die ganze Saison mit dem EHC Arosa verpassen wird.

Guido Lindemann, vor seinen legendären Trikots in seiner Overtime Bar. (Krein)

Selbst während des Gesprächs entgeht Lindemann nichts, er begrüsst und verabschiedet kommende und gehende Gäste und hat jeden Winkel seiner Bar, welche gleichzeitig ein Lindemann-Museum ist, im Auge. «Tschau Guido», begrüsst Lindemann den neusten Gast, «er war unser Meistergoalie», erklärt Lindemann. Guido Brun? Habe ich im Hinterkopf, während der andere Guido, zwei Gäste aus Langnau verabschiedet, dazu gibts noch eine Langnauer Anekdote, welche Brun für Lindemann ergänzt.

Ich werde hellhörig und eine spannende Runde scheint sich anzubahnen. Durch meine Herkunft landen wir in Lyss und Brun erzählt vom Meistertitel 1980 in Biel, «die Nacht vor dem Meistertitel logierten wir in Lyss und hatten noch ein Training», beide Meisterspieler von 1980 kommen ins Schwärmen und Anekdoten der Meisternacht von Biel fliessen nur so über den Bartisch. Am liebsten hätte ich mein iPhone gezückt und alles aufgenommen, doch das würde den magischen Moment zum kippen bringen und die Geschichten beeinflussen.

„Am liebsten hätte ich mein iPhone gezückt und alles aufgenommen.“

— Krein über den Moment mit Brun und Lindemann

Torhüter Guido Brun gab nach seinem Shutout beim Meistertitel 1980 den Rücktritt. (Krein)

Der Meistergoalie erzählt von seinem Stammclub, dem SC Luzern, Richard Bucher, seiner Zeit beim HC La Chaux-de-Fonds, von Lasse Liljas Goalietraining am Mittag und der Schussqualität von Markus und Guido Lindemann. Brun selber wechselte in meinem Geburtsjahr vom Spitzenclub La Chaux-de-Fonds zu Arosa. Mit den Neuenburgern wurde er zweimal Vizemeister, doch 1980 musste endlich der Titel her. «Jetzt oder nie», wusste Brun in der Nacht vor dem Meistertitel. Die Ausgangslage war äusserst Spannend, Arosa musste in Biel gewinnen und Davos musste zuhause den SC Bern bezwingen.

Brun wie Eruzione

Arosa siegte vor 9’000 Zuschauern in Biel mit 3:0, Guido Lindemann schoss in der neunten Minute das Game-Winning-Goal, während der SC Bern in Davos mit 3:8 unterlag. Bruns Vorahnung wurde mit seinem einzigen Meistertitel belohnt und der Luzerner hat, wie Mike Eruzione nach Olympia-Gold in Lake Placid, seine Karriere mit der Goldmedaille beendet. «Doch diese Geschichten interessieren heute nur noch uns selber», sagt Brun, dennoch dürfen solche Anekdoten nicht verloren gehen, sie gehören zum Kulturgut des Eishockeysports.

Matthias Kappeler führt den EHC Arosa mit viel Herzblut ins nächste Kapitel. (Krein)

Und wie stehts heute um Arosa? Bei einem Abstecher im EHC Arosa-Fanshop an der Poststrasse gibts nicht nur Bruns und Lindemanns Geschichte in Bildern, sondern auch die aktuellsten Fakten zum Traditionsclub. Der neue Geschäftsführer, welcher auch den Fanshop führt, Matthias Kappeler, der Nachfolger von Adrian Fetscherin, erzählt von den Herausforderungen beim Nachwuchs und Spielbetrieb in der MySports-League. Die zwölf Nachwuchsspieler über die Stufen U13 bis U20 trainieren gemeinsam in Arosa, spielen aber beim EHC Lenzerheide-Valbella. Derweil klingelt das Telefon und der ehemalige Meisterkeeper Brun ist am Apparat, es geht um das Fanionteam. Auch wenn die alten Geschichten heute kaum noch interessieren, Arosas Eishockey lebt von den Legenden von gestern, dies auch an einem ganz normalen Mittwoch?

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