Wenn Sporthistorik in der Luft liegt

Julien Sprunger hat Geschichte geschrieben. (Krein)

Julien Sprunger kann heute Geschichte schreiben, nur noch ein Skorerpunkt fehlt dem 34-jährigen um den Klubrekord von Wjatscheslaw Bykow zu egalisieren. 651 Skorerpunkte hat Bykow zwischen 1990 und 1998 für die Freiburger realisiert. Ein 22-jähriger Rekord kann also heute gebrochen werden, dies im beschaulichen Emmental. Immer wieder Langnau und immer wieder anders als geplant heissen die Spiele in der kompliziertesten Saison aller Zeiten.

Eigentlich hätte Gottéron heute ja in Lugano gespielt und Genf-Servette wäre ins Emmental gefahren. Stattdessen kommt es zur 135. NLA-Begegnung (auch vor Einführung der Playoffs mitgezählt) zwischen Emmentalern und Üechtländern und die Chance einen sporthistorischen Moment zu erleben. Solche Momente liegen manchmal in der Luft, kommt dazu, dass ich in den letzten 18 Jahren einige hockeyhistorische Schlüsselmomente miterleben durfte.

„Michu mich erwärmt dieses Spiel nicht““

— Alfred Bohren

Doch die Partie entpuppt sich im zweiten Drittel als zähe und lustlose Angelegenheit, kaum eine nennenswerte Szene erwärmt die wenigen Gemüter. Neben mir sitzt, wie in Langnau üblich, Hockey-Koryphäe Alfred Bohren und sagt „Michu mich erwärmt dieses Spiel nicht“, die Spielzüge passen zur bitterkalten Ilfishalle. In der Pause wird die Angelegenheit immerhin durch ein angeregtes Gespräch zwischen Bohren und dem ersten Schweizer Stanley-Cup-Sieger kurzzeitig aufgeheizt.

Erst in der Schlussphase

Auch der Hauptprotagonist bleibt bis zur 48. Minute blass. Dann punktet Sprunger mit der Vorlage zum 4:0 durch Daniel Brodin und die Partie beginnt zumindest sporthistorisch an Bedeutung. In den letzten zwölf Minuten gehts nur noch um Sprungers Rekord oder den ersten Shutout von Goalie-Neuling Connor Hughes (sprich „Juus“). Der Freiburger Captain hat in 17 Spielen vier Punkte erzielt und heute soll er zweimal punkten?

Und er tut es, in der 58. Minute realisiert Sprunger seinen 652. Skorerpunkt und überholt den Ausnahmekönner aus der ehemaligen Sowjetunion. Und dieser gehört zu den ersten Gratulanten per Whatsapp, wie Sprunger im Interview erzählt. Die kalte Ilfis-Nacht gerät ins vergessen und das sporthistorische Ereignis lässt den 15. Dezember 2020 in die Geschichtsbücher eingehen. Und Hughes? Feiert ganz nebenbei noch seinen ersten Sieg und Shutout in der National-League und wer weiss, vielleicht gewinnt auch dieses Ereignis erst in 22 Jahren an Bedeutung?

SCL Tigers – Freiburg-Gottéron 0:5 (0:2, 0:0, 0:3)
Ilfishalle. – 0 Zuschauer. – SR Salonen (Fi)/Staudenmann, Progin/Duarte. – Tore: 7. Gunderson (DiDomenico, Schmid) 0:1. 18. Bykov (Stalberg, Rossi/ Ausschluss Schilt) 0:2. 43. Herren (DiDomenico, Walser) 0:3. 48. Brodin (Sprunger, DiDomenico /Ausschluss Bircher) 0:4. 58. Sprunger (Gunderson /Ausschluss Blaser) 0:5. – Strafen: SCL Tigers 6-mal 2 plus 2-mal 10 Minuten (Berger, Blaser), Freiburg-Gottéron 4-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Maxwell; Stalberg. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Erni, Leeger, Zaetta (alle krank), Diem, Kuonen (beide verletzt) und Earl (überzählig), Freiburg-Gottéron ohne Furrer (verletzt) und Desharnais (überzählig).
SCL Tigers: Punnenovs; Blaser, Schilt; Glauser, Grossniklaus; Huguenin, Lardi; Bircher; Sturny, Flavio Schmutz, Julian Schmutz; Weibel, Maxwell, Nilsson; Neukom, Berger, Dostoinov; Rüegsegger, Melnalksnis, Andersons; Petrini.
Freiburg-Gottéron: Hughes; Gunderson, Chavaillaz; Aebischer, Abplanalp; Sutter, Jecker; Bougro, Kamerzin; DiDomenico, Schmid, Herren; Brodin, Marchon, Stalberg; Sprunger, Andrei Bykow, Mottet; Rossi, Walser, Jörg.

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