Der Wahnsinn von Genf

Headcoach Lars Leuenberger fordert «Herz» vor dem Spiel, dies setzt seine Mannschaft innert 112 Sekunden um. (Krein)

Nach 57 Minuten und 28 Sekunden steht es 1:0 für den HC Genf-Servette, der EHC Biel braucht unbedingt einen Sieg um sich noch direkt für die Playoffs zu qualifizieren. Nach 59 Minuten und 21 Sekunden steht es 5:1 für Biel – unmöglich? Deshalb lieben wir den faszinierendsten Sport der Welt, Biel schiesst innert 112 Sekunden fünf Tore und bleibt damit im Rennen um einen direkten Playoff-Platz. Beat Forster, Yannick Rathgeb (Biel ohne Torhüter), zweimal Fabio Hofer und Janis Moser heissen die Torschützen des «Wahnsinns von Genf.»

Wie vor 45 Jahren

Was für ein Spiel, sechs Kommentatoren legen nach 60 Minuten mit ungläubigen aber glücklichen Gesichtern ihr Headset ab, einen Treffer haben wir in 57 Minuten kommentiert… …der Rest geht in die Geschichtsbücher ein. Apropos Geschichte, die Seeländer verblüfften schon einmal mit einem Torrausch: Am 6. Januar 1976 lag Biel nach 57 Minuten gegen den HC Sierre mit 4:6 Toren in Rückstand in die Überraschung für die Walliser gegen den Leader schien perfekt. Nur eine Minute später stand es 8:6 für die Hausherren. Was für ein Schlussspurt, angefeuert von 7’700 Zuschauern, schossen die Seeländer innert 53 Sekunden vier Tore. Reto Lohrer, René Berra, Barry Jenkins und René Stämpfli hiessen die Torschützen zwischen 57:21 und 58:14 beim «Wunder» von Biel.

Das «Wahnsinn» von Genf geht unter die Haut, Direktbeteiligte und Journalisten sind Minuten später noch beflügelt durch den Effort der Seeländer. Aber nicht alle sind derart aufgewühlt, Beat Forster, «Flaschenöffner» für Biel und Urheber des Genfer Unheils, ist schon kurz nach dem Spiel äusserst gelassen, was man von mir und meinen Fragen nicht behaupten kann (Interview): Sollte es nicht «abgezeichnet» heissen? Einen äusserst turbulenten Tag hinter sich hat Biel-Sportchef Martin Steinegger, am Nachmittag sieht er wie Biels U20-Elit-Junioren im Playoff-Final gegen Zug (2:7) fünf Gegentore innert 12 Minuten und 42 Sekunden hinnehmen müssen, ein paar Stunden später wird er Zeuge des Wahnsinns von Genf.

Verarbeiten ohne Bier

Auch Fabio Hofer, der an drei Treffern beteiligt ist, hat sowas weder in Österreich noch in der Schweiz je erlebt und muss dies geistig noch verarbeiten. Nach den Interviews würden sich die Berichterstatter nach so einem Spiel normalerweise in der Prime’s Fine Food & Sports Bar, dem ehemaligen «McSorley’s», ein Bierchen gönnen um erlebtes gemeinsam zu verarbeiten. Ja dieses Spiel hätte eine ausverkaufte Les Vernets Halle mehr als verdient gehabt, es ist eines jener Spiele über welches man in 45 Jahren noch darüber spricht, ob dann noch einer weiss, weshalb es keine Zuschauer gab?

Wie ich, muss Fabio Hofer eben erlebtes noch verarbeiten. (Andreas Ruefer)

Der 112-Sekunden Wahnsinn von 2021

ZeitSekundenTorschützeSpielstand
57:290Forster (Hofer, Künzle)1:1
57:4112Rathgeb (Pouliot, Trettenes)1:2
58:0334Hofer (Lindbohm, Komarek)1:3
58:5687Hofer (Van Pottelberghe)1:4
59:21112Moser (Pouliot, Brunner)1:5

Das 53-Sekunden Wunder von 1976

ZeitSekundenTorschützeSpielstand
57:210Lohrer5:6
57:4625Berra6:6
57:5938Jenkins7:6
58:1453Stämpfli8:6

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.