Früher gabs noch den traditionellen SC Rapperswil-Jona oder den «SCRJ» – heute spielen die Rapperswil-Jona Lakers in der Diners-Club Arena – und keiner geht hin! An Auswärtsspielen kommen im Schnitt 25 Fans aus der Rosenstadt. Und genau da ist das Problem, was haben Rosen mit eisblauen Trikots zu tun? Durch den Imagewechsel (neuer Name, neue Farben) verliert der Klub seine ganze Identität.
Wer ennet dem Seedamm will die Lakers?
Michael Krein
Es kommt noch schlimmer: Der Clubpräsident verbietet der Fankurve die alten, traditionellen Clubfarben in rot, blau und weiss zu tragen. Die gegnerischen Fangesänge «Rapperswil-Kinderzoo» könnten nicht passender sein. Warum zügeln wir den ganzen «Kinderzoo» nicht in die «österreichische» Erste-Bank-Eishockey-Zirkus-Liga (den Zirkus Knie gibts ja auch in Österreich)? Niemand südlich vom Seedamm würde die Rosen-Lakers vermissen, niemand will die Lakers länger in der National-League-A erdulden.
Eisblau wie die Erste-Bank
Österreich wäre perfekt. Dort spielen ja bereits schon Kroaten, Slowenen und Ungarn. Die Namen lauten Black Wings, Capitals, Red Bull oder 99ers. Mit Gegnern aus Zagreb, Linz und Szekesfehervar könnten die Lakers unter Umständen sogar im vorderen Mittelfeld mitspielen – und einen Österreicher (Thomas Pöck) hat man bereits in den eigenen Reihen. Und nicht zuletzt passt das «eisblau» schon jetzt perfekt zum Logo der neuen Rappi-Liga.
Selbstverständlich kenne ich den Namen Shin Yahata oder eben Shin Larsson. Ich muss aber zugeben, dass ich Herr Larsson-Yahata am 10. Dezember 2010 in der PostFinance Arena nicht auf anhieb erkenne. Erst als ich seinen Namen höre, ist mir klar wer da zusammen mit Jiri Hrdina, ehemaliger Weltklassespieler und aktueller Scout der Dallas Stars, neben mir sitzt.
1998 in Nagano
Yahata-Larsson ist ehemaliger japanische Nationalspieler und ist als Sohn einer Japanerin und eines Schweden 1974 in Stockholm geboren. Zwischen 1994 und 2002 spielte der ehemalige Stürmer in Japan, für die er auch sieben Weltmeisterschaften- und als Highlight die Olympischen Spiele 1998 in Nagano bestritten hat. Heute ist er als Scout für die San Jose Sharks unterwegs.
So sitzen die zwei NHL-Scouts beim «NLA-Knüller und Ambrì-Nuller» in Bern auf der Medientribüne und mir ist sofort klar welche Spieler sich die beiden anschauen würden, habe mir dies aber von Hrdina noch bestätigen lassen. Interessant, als Hauptproblem bei den Schweizer Spielern mit Jahrgang 1992 und jünger bezeichnet der Dallas-Scout die geringen Körpermasse, dazu gehören Joel Vermin und Grégory Hofmann.
Dallas‘ Liste
Dennoch zeigt er mir eine Liste mit den für die Dallas Stars interessanten Spieler. Und Larsson? Er hat den gleichen Auftrag für die San Jose Sharks, welche übrigens noch nie einen Schweizer gezogen haben. Die beiden Scouts sind für Europa zuständig und werden als nächstes zur U20 Weltmeisterschaft nach Buffalo fliegen.
Es gibt viele Kuriositäten im Eishockey aber sowas hab ich noch nicht erlebt. Am Sonntag, 28. November 2010, spielt der SC Bern gegen die ZSC Lions. Beim Stand von 2:1 für den SCB, zeigt die Anzeigetafel 30:44, als Andres Ambühl aufs SCB-Tor schiesst und jubelt, doch Partie und Matchuhr laufen weiter bis zum nächsten Unterbruch.
Da zeigt die Matchuhr 31:54 und den Spielstand von 2:1. Nach der Videokonsultation des Head-Duos Marco Prugger/Daniel Stricker wird Ambühls Treffer bei 30:44 gegeben, ein korrekter Entscheid, wie auch die Bilder der Hintertor-Kamera auflösen.
„Die 70 Sekunden werden zweimal gespielt.“
— Zurück in die Zukunft
Somit muss auch die Matchuhr von 31:54 auf 30:44 zurückgestellt werden und zeigt neu den Spielstand von 2:2. Und jetzt beginnt die Zeitreise: Lions-Stürmer Patrick Schommer erzielt bei 31:49 den 3:2 Führungstreffer für die Gäste. Die 70 Sekunden werden zweimal gespielt.
Die gleiche Zeit von 31:49 erscheint an diesem Abend zweimal auf der Matchuhr, einmal beim Spielstand von 2:1 für Bern und beim zweiten Mal stehts 2:3 für die Lions. Auch ohne Delorean werden die 15’400 Fans Zeuge einer „Zeitreise“, welche die Lions zwar kurz in Führung bringt, jedoch trotz gütiger Mithilfe der „Zeit“ trotzdem nicht zum Sieg führt.
Wieviele «Nummer Eins» NHL-Draftpicks haben schon in der Schweiz gespielt? Kaum jemand erinnert sich an den ersten «Number One» NHL Draftpick, welcher 1984 in der Schweiz anheuerte, nicht wegen seines Namens, sondern an der Tatsache, dass Dale McCourt einst als Nummer eins im Draft gezogen wurde. Der Kanadier kam direkt von den Toronto Maple Leafs in die Leventina zum NLB-Team HC Ambrì-Piotta.
Später folgen Melvin Bridgman (1975 von Philadelphia gedrafted) beim HC Sierre (wieder in der NLB) und Doug Wickenheiser (1980, Montreal) beim EV Zug. Dies wars dann für eine Weile. Erst in der Lockout Saison 2004/05 folgen zwei weitere «Big Names» ihren drei Vorgängern aus den 80er Jahren den Weg in die Schweiz. Das Duo Joe Thornton (1997, Boston Bruins) und Rick Nash (2002, Columbus Blue Jackets) schiesst Davos zum Schweizermeister- und Spenglercup Titel.
Owen Nolan ist der achte Number-One-Draftpick in der Schweiz
eishockeyblog
Auch der nächste grosse Name kommt ins Bündnerland: Alexandre Daigle (1993, Ottawa Senators), einst als «The-next-One» in der NHL angekündigt, wird in der NHL seinem «Status» nie gerecht, selbst in Davos muss er nach drei Jahren seine Koffer packen. Nur ein Jahr später kommt der Tscheche Patrik Stefan (1999, Atlanta Trashers) zum SC Bern, muss seine Karriere aber nach drei Spielen wegen einer Verletzung frühzeitig beenden.
ZSC Lions-Neuzuzug und NHL-Legende Owen Nolan ist bereits der achte «Number-One-Draftpick» (1990, Quebec Nordiques) und damit ist die Schweiz ist mit acht ehemaligen Nummer Eins-Draft-Picks absoluter Spitzenreiter ausserhalb der NHL.
Zuviel Eishockey im eigenen Land bringt Langeweile, vor allem Herbst-Spiele wie etwa der SC Bern gegen SC Rapperswil-Jona fördern die Abschaffung der sechs Zusatzrunden. Die Liga ist eine Zweiklassengesellschaft und verkommt im Laufe des langen, kalten und dunklen Winters zur Langeweile. Wo kommt man am schnellsten an ein Spiel in einer obersten Spielklasse im Ausland? Für einen Berner Seeländer heisst die Antwort Mannheim, der Tessiner würde nach Italien gehen, der Welsche nach Frankreich und der Bündner nach Österreich. Nur drei Autostunden entfernt liegt Mannheim, der ideale Standort für Abwechslung zum Nationalliga-Alltag.
Die SAP-Arena ist qualitativ und quantitativ für jedes Schweizer Stadion, dies gilt selbst für die neue Bossard Arena, unerreichbar. Die Multifunktionarena hat alles was eine moderne Multifunktionsarena haben muss, dies gilt für die Parkmöglichkeiten (direkt neben der Halle), das Catering auf jeder Etage, der Sitzplatzkomfort (Getränkehalter inklusive) und die Lichter-Show vor dem Spiel. Udo Scholz, der langjährige Stadionspeaker wirkt dreimal professioneller als die Besten unseres Landes, vielleicht ist es auch die Deutsche Tugend der Begeisterung. Die Speakerin in Langnau (Brätt-Mägg-Liin, Ahren Sbiiilo oder Martin Sunnäbärg) würde in Mannheim nicht einmal in der Trainingshalle «speaken» können.
„Kein Stadion in der Schweiz kann der SAP-Arena das Wasser reichen.“
— Krein
Doch was nützt das beste Stadion, wenn das Kerngeschäft auf dem Eis nicht halten kann was die Arena verspricht? Die Partie der 13. Runde zwischen den Adler Mannheim und den Hamburg Freezers ist nicht besser als das Spiel von vorgestern zwischen Bern und Rapperswil. Da war er wieder, der öde Qualifikationsalltag, auch drei Stunden entfernt. Normalerweise dürfte dies beim sechsfachen Deutschen Meister aber anders sein, denn der Unmut der Fans ist schon zu Beginn der Partie deutlich zu spüren. Es wird geklagt und geklönt über die Leistung der heimischen Akteure. Es läuft überhaupt nicht beim Tabellenachten und die Fehlerquote ist hoch. Auch der Gegner lässt zu wünschen übrig, die Hamburg Freezers liegen derzeit noch einen Rang hinter den Baden-Würtembergern.
Zumindest verleiht die Aura der Arena einen gewissen Glanz und man hat das Gefühl, es sei doch irgendwie besser als in den altersbrüchigen Hallen von Ambrì, Langnau oder Biel. Auch drei Stunden entfernt wird das Spiel schliesslich von einem «ex-Schweizer» entschieden: Verteidiger Jame Pollock trifft 15 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung im Powerplay zum 3:2 für die Adler. Tja, ein mittelmässiges Spiel. kann in einem erstklassigen Stadion dennoch zum unvergesslichen Erlebnis werden, so das Fazit des kurzen Deutschland-Abenteuers. Selbstverständlich vergebe ich, wie als Blick-Redaktor üblich, drei Sterne für die Stars und die Pflaume des Spiels.
Die SCL Tigers gewinnen erstmals seit drei Jahren wieder ein Derby gegen den SC Bern und dies erst noch in Bern. Matchwinner ist der zweifache Penalty-Torschütze Mike Iggulden. Kurz vor dem Interview, wir haben bereits einen Small-Talk und ein Handshake hinter uns und haben uns gegenseitig mit «Mike» vorgestellt. Doch als es mit dem Interview losgehen kann habe ich ein Blackout… …wie heisst der nette Kanadier mit Vornamen? Der Name ist einfach weg.
Das Interview beginnt man immer mit «Vor- und Nachnamen», die SRF-Kamera läuft, der Belichter steht da, der Aufnahmeleiter gibt das OK zum Interview-Start und der Protagonist wartet auf die erste Frage… …alle Blicke, auch diese von der Tribüne, richten sich auf den Interviewer und ich kann ja nicht beginnen mit «Iggulden, congratulation for the victory…»
Ein Blitzgedanke schiesst durch den Kopf, ich habe noch eine Mannschaftsaufstellung in meiner Hosentasche und das Interview beginnt mit einer kleinen Verzögerung. Und Mike Iggulden? …versteht nicht warum «Mike Krein» kurz vor der ersten Frage nochmals in die Hosentasche greifen muss.
21. September 2010
Bern – SCL Tigers 1:2nP (1:1, 0:0, 0:0, 0:1) PostFinance-Arena. – 14’951 Zuschauer. – SR Reiber, Fluri/Müller. – Tore: 8. Simon Moser (Steiner, Pelletier) 0:1. 12. Rüthemann (Hänni, Martin Plüss) 1:1. – Penaltyschiessen: Steiner -, Martin Plüss 1:0; Pelletier -, Rüthemann 2:0; Iggulden 2:1, Vigier -; Brooks 2:2, Pascal Berger -; Camenzind -, McLean -; Dubé -, Iggulden 2:3. – Strafen: Bern 5-mal 2 Minuten, SCL Tigers 4-mal 2 plus 10 Minuten (Schild). – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Gardner; Reber. Bern ohne Dominic Meier und Philipp Furrer, SCL Tigers ohne Christian Moser, Flückiger (alle verletzt). – Pfostenschüsse: Gardner (10.), Pelletier (37./Latte). – Timeout Bern (61.). Bern: Bührer; Roche, Beat Gerber; Krueger, Kwiatkowski; Jobin, Hänni; Stettler; Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Vigier, McLean, Reichert; Gardner, Dubé, Scherwey; Roland Gerber, Froidevaux, Pascal Berger. SCL Tigers: Benjamin Conz; Curtis Murphy, Lardi; Reber, Kim Lindemann; Schilt, Simon Lüthi; Steiner, Pelletier, Simon Moser; Sandro Moggi, Camenzind, Claudio Moggi; Helfenstein, Iggulden, Brooks; Schild, Lukas Haas, Aurelio Lemm; Genazzi.
Das WM-Abenteuer «Deutschland 2010» dauert gerade Mal einen Tag, ein Tag in Mannheim oder die «Mutter aller Niederlagen gegen Deutschland.» Der Roadtrip beginnt vielversprechend und voller Euphorie, doch die Niederlage beginnt bereits bei unserer Abfahrt, ja sie beginnt bereits bei unserem Entscheid nach Deutschland zu fahren. Logisch, dass unsere Naivität später bestraft werden sollte.
Nach dreieinhalb Stunden ist die SAP-Arena in Sichtweite. Via Schwetzingen und Karlsruhe fahren wir praktisch vors Stadion. Im Auto «schwetzen» wir (Rolf Pfeiffer und ich) davon, wie schön ein Schweizer Sieg heute Abend sein wird. Haben wir tatsächlich gemeint: «Wir fahren nach Deutschland und sind dabei wenn die Schweiz in den Halbfinal einzieht! Sowas darf man nicht verpassen!» Eigentlich logisch, dass es immer anders kommt, gerade bei Spielen gegen die «verhassten» Deutschen.
Fakt ist: Von zehn Freundschaftsspielen gegen Deutschland gewinnen wir neun. Von zehn WM-Spielen gewinnen wir vier! Von diesen vier Siegen gewinnen wir nur ein Spiel wo’s um wirklich etwas geht. Bei wichtigen Spielen gewinnen also immer die Deutschen, bis auf eine einzige Ausnahme: 1992, da gewinnen wir nur, weil wir als krasse Aussenseiter antreten können.
In Mannheim sind wir gegen die «Schwaben» der Favorit. Im «Horst» des Mannheimer Bundesadlers verlieren wir gegen eine zweitklassige Deutsche Mannschaft (auch bei Deutschland fehlen einige Leistungsträger) mit 0:1. Es ist die Höchststrafe für jeden Schweizer Hockeyfan der in Mannheim im Stadion sitzen muss. Die Sprechchöre «Scheiss Verlieeee-rer!» oder «ihr könnt Nachhause fahr’n!» lassen Wut, Hass und Aggressivität selbst beim «normalen» Schweizer Hockeygeniesser aufkommen, wir müssen uns wirklich beherrschen beim Abgang aus der SAP-Arena. Wie geschlagene Hunde ertränken wir uns anschliessend beim Bier.
Es bleibt die Erkenntnis: Wir Schweizer haben’s einfach nicht drauf. Wir sind ein Verliererland, die Angst zu verlieren ist trotz 13 Krueger-Jahren immer noch grösser als der Wille zu siegen. Im wichtigsten Spiel seit 1998 verlieren wir gegen den bisher schwächsten Gegner in einem Viertelfinal. Genau genommen haben wir gegen eine B-Nation verloren, denn die Deutschen sind an der letzten Weltmeisterschaft in Bern abgestiegen.
Hat der Verkauf des Trikots das Spiel für Deutschland beeinflusst? (Rolf Pfeiffer)
Vor dem Spiel verkaufe ich einem Deutschen Fan, im Elton-Verschnitt, mein Deutschland-Trikot. Krein und ein Deutschland-Trikot? Dieses habe ich einmal gegen ein Russland-Jersey bei meinem Kollegen und Blog-Initiator Simon Strecker spasseshalber getauscht. Nach dem Trikot-Verkauf kurz vor Spielbeginn habe ich mich daher gut und siegessicher gefühlt, doch vielleicht war die Partnerin von «Elton» bereits die Mutter der Niederlage…
Die Schmach zum Zeitpunkt der Niederlage, als Schweizer im Hexenkessel von Mannheim zu sitzen, grenzt an Höchststrafe. (Krein)
Am Nachmittag gehts entspannt zum skandinavischen Knaller zwischen Schweden und Dänemark. Auch Kevin Schläpfer ist Vorort und auf der Suche nach einem neuen Spieler für Biel: «Eigentlich wollte ich einen Tschechen beobachten, jetzt bin ich am falschen Spiel», so der ironische Biel-Trainer.
Nielsens Stock
Nach dem Viertelfinal-Aus Dänemarks beim applaudieren über Dänemarks WM-Auftritt, streckt mir Dänemarks NHL-Star Frans Nielsen seinen Stock hin? Warum denn gibt mir Nielsen seinen Stock?
Mit diesem Stock wird der Däne zu den drei besten Spielern seiner Mannschaft gewählt, gibt die Vorlage zum 1:3 und muss wegen eines Cross-Checks und eines Stockschlags zweimal auf die Strafbank. Dann dämmert es, mein T-Shirt lädt Nielsen zu dieser Geste ein. Ich trage das T-Shirt der New York Islanders und Nielsen hält mich vermutlich für einen Dänen…
Die drei besten Dänen der Weltmeisterschaft 2010: Peter Regin, Patrick Galbraith und Frans Nielsen. (Krein)
Die Hockeyreise via Toronto nach New York beginnt bereits im Zug. Schon auf dem Perron treffen wir (TeleBärn-Mann Philippe Delisle und ich) HC Ajoie-Hüter Simon Rytz, im gleichen Zug sitzt Kent Ruhnke und am Flughafen in Zürich checken wir mit EHC Olten-Kanadier und Langnau-Playout-Held Brent Kelly ein. Neben Kelly sitzt auch ein kanadisches Juniorenteam auf dem Flug «Air Canada 879» von Zürich nach Toronto. Eine kanadische Passagierin fragt mich «are you from the Hockeyteam?» Also da sitzt du schon vor dem Take-Off mittendrin im Hockey-Geschehen.
Gottéron im Madison-Square-Garden
In New York angekommen, gehts noch am gleichen Abend in die ESPN-ZONE beim Times Square zu einem Burger, während wir das NCAA, sprich: «EN-Cee-double-A» Halbfinalspiel zwischen Boston College und Miami Ohio (7:1) auf ESPN2 verfolgen. Das erste Highlight folgt am nächsten Tag an gewohnter Spielstätte, im Madison-Square-Garden (The Worlds Most Famous Arena). Die New York Rangers empfangen die Philadelphia Flyers (4:3), mit dabei Fribourg-Gottéron Hüter Sébastien Caron als Backup von Brian Boucher. Ich frage mich, wer ausser uns wohl Carons Freiburger-Logo auf seiner Maske erkennt?
Gottérons Sébastien Caron (hinten an der Bande) gastiert am 9. April für ein Spiel im Garden. (Krein)
Langnaus Speakerin im Prudential Center?
Ausgangspunkt für den nächsten Spieltag ist die Penn-Station an der 34. Strasse. Mit dem Zug gehts in ca. 20 Minuten nach Newark, Spielstätte der New Jersey Devils. Das zweite Hockey-Highlight ist die Partie zwischen den Devils und den New York Islanders (7:1). In der zweitobersten Reihe, Sektion 229, Reihe 8, Platz 11 in einem Stadion (Prudential Center) mit 17’625 Sitzplätzen, ist selbst Mark Streit auf dem Eis schwer zu erkennen. Streits Team erwischt einen rabenschwarzen Abend, deshalb gefallen mir die Worte des Speakers am besten: «Travis Seeejtschaaac, Dainuuuus Zuuuuuubruuus» oder «Segg Pariiiisiiii» – man stelle sich vor Langnaus-Hobby-Speakerin Chrige Nyfeler müsste im Prudential Center ran…
Streits Islanders gehen beim Upper-Bay-Derby am 10. April in Newark unter. (Krein)
Drei Streit-Assists
Es geht Schlag auf Schlag, Tag drei = Spiel drei zwischen den New York Islanders und dem aktuellen Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins (5:6 Overtime). Doch vorher müssen wir per Zug und Taxi nach Uniondale kommen. Erneut startet die Reise in Manhattan, 34. Strasse, 7. Avenue (Penn-Station). Mit der «Long-Island-Rail-Road» fahren wir bis Mineola (ca. 45 Minuten), ab Mineola steigen wir um ins Taxi und sind nach zehn Minuten beim Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum der New York Islanders, Mark Streits Spielstätte. Wir erleben einen würdigen Saisonabschluss der Isles: Nach einem 2:5 Rückstand gleichen die Islanders mit drei Streit Assists zum 5:5 aus und erzwingen die Verlängerung. Sidney Crosby erzielt seine Saisontore 50 und 51 im letzten Spiel der Regular Season und holt, Torgleich mit Steven Stamkos – der am gleichen Abend 13 Sekunden vor Schluss gegen Florida ins leere Tor trifft, die Maurice-Richard-Trophy.
Torfestival und Crosby-Rekord zum Abschluss am 11. April in Uniondale. (Krein)
Von Gretzky bis Isknattleiksfélagio
Zum Abschluss gibts am fünften Tag einen Abstecher in Torontos Hockey Hall-of-Fame, ein absolutes Muss. Selbstverständlich dürfen ein Besuch im Maple Leafs Store, gleich beim Air Canada Centre (Torontos Spielstätte) und in «Wayne Gretzky’s Sportbar» am 99, Blue Jays Way nicht fehlen. Was wir zu diesem Zeitpunkt, am 14. April 2010 noch nicht wissen: ca. 12 Stunden nachdem wir den Nordatlantik und die isländische Küste überfliegen, meldet sich der isländische Vulkan Eyjafjallajökull nach 187 Jahren Stillstand eindrücklich wieder zurück. Ein Heimflug in Extremis also, ansonsten hätten wir auch in Reykjavik notlanden können, denn auch in Island wird Eishockey gespielt, die drei Klubs heissen fast gleich wie der Vulkan: Skautafélag Akureyrar, Skautafélag Reykjavik und Isknattleiksfélagio Björninn.
Samstag, 21. November 2009 – Nostalgie im Eisstadion Biel. Zum 70-jährigen Jubiläum spielt der EHC Biel im blauen Retro-Trikot der 83er Meistersaison. Im Vorfeld dieser Partie (Biel-Fribourg) recherchiere ich nach alten Ergebnissen und Spielern der Saison 1982/83.
Die Resultate aus der Saison 1982/83 zwischen Biel und Fribourg waren sehr Torreich: 7:2, 10:4 und 1:7, lauteten die Heimspiele für die Seeländer. Biel krönte die Saison 1982/83 mit dem dritten und bis heute letzten Meistertitel.
Einer der damals hautnah dabei war, ist der aktuell bei TSR arbeitende Robert „Robelon“ Meuwly. Natürlich konfrontiere ich ihn vor dem Spiel mit der Vergangenheit. Ich staune nicht schlecht als er mir erzählt: „hier haben wir 1982/83 eine deutliche Abfuhr bekommen, zehn Gegentore hab‘ ich damals in einem Spiel kassiert!“
Tatsächlich, es gab ein 10:4 sage ich zu ihm. Robert Meuwly sagt darauf: „ich weiss noch genau an welchem Tag es war“, ich bin verblüfft, Meuwly weiss noch das genaue Datum? Er scheint mindestens so Hockeyverrückt zu sein wie ich?! Er erinnert sich an den 28. September 1982, an jenem Tag hat seine Frau Geburtstag und Meuwly sagte ihr an jenem Morgen: „Heute mache ich ein Shutout, ich fühle mich grossartig, ich schenke dir einen Shutout zum Geburtstag.“
Der folgende Bericht vom Lokalsender TeleBilingue wird durch meinen Berufskollegen Philippe Delisle (TeleBärn) ausfindig gemacht.
Zwischen 0:15 und 0:37 lauere ich durch das Interview von TeleBilingue, allerdings bin vorher selber mit einem SRF-Interview mit Langnau-Trainer Christian Werber beschäftigt. Ist mir dieser Lapsus, am 15. September 2009, wirklich nicht aufgefallen? Andere behaupten der Mann im Hintergrund sei einfach Mediengeil…
Wieder Mal steht Rapperswil-Jona auf dem Programm. Nach einer eher mühsamen und langen, trotz neuer „Züri-West“ Umfahrung, Autofahrt in die Rosenstadt komme ich gut gelaunt in der Diners-Club-Arena an. Kurz vorher noch etwas zu essen? Nein ich spare mir den Appetit auf ein „Schnitzel-Baguette-Brot“ für später auf, nach Arbeitsschluss.
Zu Gast ist der SC Bern, welcher den gleichen Weg auf dem „langen und grauen Band“ hinter sich gelassen hat. Während das Spiel läuft und ich fleissig am kommentieren bin, fällt mir auf, dass sich mindestens drei Lysser im Stadion befinden. Michel Riesen bei den Lakers, Philippe Rytz beim SCB und meine Wenigkeit auf der Tribüne. Mit Riesen habe ich bei den Moskitos des SC Lyss ein paar Spiele bestritten. Philippe Rytz war damals noch zu klein, doch mit seinem Bruder habe ich mehr als nur eine Saison absolviert.
So haben wir alle unseren Weg gemacht, erfolgreicher oder eben weniger erfolgreicher, je nach dem von WO und WIE man es betrachtet. Schliesslich sind wir alle am 23. Oktober 2009 in Rapperswil-Jona gelandet.
Nach dem Spiel gibts leider kein Interview mit Riesen oder Rytz, sondern mit Rappi-Hüter Daniel Manzato (einem Fribourger). Und was war da noch vor dem Spiel? Ach ja ein „Schnitzel-Brot“, doch leider bin ich zu spät, die Food-Theke ist nach Spielschluss bereits geschlossen.
Um den Appetit doch noch stillen zu können blieb mir nur noch eine Möglichkeit: 10′ DIECI! Einer der Mitgründer der in Rapperswil bekannten Pizza-Kette (welche auch noch eine Bar und eine Gelateria an bester Lage betreibt) ist ex-NLA-Crack Harry Rogenmoser. Als ich meine Bestellung aufgebe, erkenne ich neben mir Sandro Tschuor (Lakers), der kurz vorher noch mit Riesen und gegen Rytz um Punkte gekämpft hat. Unsere beiden Pizzen kommen sogar auf dieselbe Rechnung, doch wir bezahlen selbstverständlich getrennt. Ich wünsche ihm einen guten Appetit und ein gutes Spiel morgen in Biel, wo auch ich wieder dabei sein werde… Rapperswil-Bern, Biel-Rapperswil.
Nach den ersten Stationen Biel und Bern gings einmal mehr ins Tal der heulenden Winde. Langnau stand wieder auf dem Programm, ich hab mich gefragt, wie viele Male ich wohl schon hier gewesen bin? An meinen erstmaligen Besuch in der Ilfis-Halle kann ich mich noch gut erinnern, als 11-jähriger bestritt ich hier mein erstes Meisterschaftsspiel mit den Moskitos des SC Lyss. Wir kamen ohne Vorahnung, wir wussten nicht, dass wir hier auf den wohl besten Nachwuchs der Schweiz treffen werden und gingen gegen Jan von Arx & Co. mit 0:10 unter.
Heute kam ich unter ganz anderen Umständen in die Ilfis. Nach einem verrückten Spiel, welches die Gäste aus Biel noch für sich entscheiden konnten, gab es zwei Stimmen der beiden Coaches (Ruhnke und Weber). Während der Verlängerung klingelte noch mein Natel, eine Nummer aus Genf, TSR wollte auch noch ein Kommentar zum Spiel von Philippe Seydoux. Ausgerechnet Seydoux, Ihn hatte ich vier Tage vorher im Blick-Bericht als „die Pflaume des Spiels“ bezeichnet. Doch Seydoux hatte glücklicherweise keine Ahnung wen er vor sich hatte, falls er den Bericht vom letzten Samstag überhaupt gelesen hat?
Es ist wieder soweit, die ersten Spiele sind irgendwie immer etwas spezielles, neue Spieler, neue Trikots, neue und alte Gesichter im Stadion – einige alte Hockeyfreunde meiner Aktivzeit oder aktuelle Bekannte und Journalisten kehren, nach einem langen Sommer, alle wieder in die Eishallen zurück. Schon auf dem Weg ins Stadion lief der Draht heiss – letzte Anweisungen der Sportredaktion, seinen es Zeilenangaben oder inhaltliches. Auch der Kollege vom Schweizer Radio DRS, der den Auftakt in Freiburg erleben wird, wollte kurz wissen wo und für wen ich heute im Einsatz stehe.
Gottérons Juniorentrainer
Dann gehts endlich los, Pressekonferenz und Spielbeginn – und der Saisonauftakt 2009-10 ist schon bald wieder Geschichte. Neben mir auf der Medientribüne sitzt Gottérons Elite-Juniorentrainer und hat die Aufgabe, den morgigen Gegner (HC Genf-Servette) zu beobachten. Der Beobachter, ein ehemaliger NLA- und 1. Liga Torhüter, ist mir vor allem durch seine Zeit beim SC Lyss bekannt. Wir haben sogar Mal ein Freundschaftsspiel im selben Team bestritten, er konnte sich sogar noch daran erinnern, ans Spiel natürlich – nicht an mich.
„Der Respekt gegenüber ausländischen Trainer ist dort riesig gewesen.“
— Alex Reinhard über Salzburg
Während unserem Gespräch in den Drittels-Pausen, hat mir vor allem sein Engagement im Ausland imponiert. Drei Jahre war er als Junioren- und Torhütertrainer in der Mozart- und Red-Bull-Stadt Salzburg tätig. Eine Erfahrung welche er nicht missen möchte, der Respekt gegenüber ausländischen Trainer sei dort riesig gewesen. Nicht zu vergleichen mit einem Engagement im eigenen Land. Kommt dazu, dass es in Salzburg (fast) keine finanziellen Grenzen gab. So jettete man während der Saison kurz nach Monza um bei einer Trainingsfahrt auf der Rennstrecke den Teamgeist zu fördern.
Auch Salzburg siegte
Auch beim aktuellen Spiel zwischen dem EHC Biel und Genf-Servette standen zwei Akteure (Goran Bezina und Richard Jackman) mit Salzburger Vergangenheit auf dem Eis. Die Gäste aus Genf bezwangen die Seeländer mit 3:1. Der Matchbericht war in der Tasche und eben, der Saisonauftakt war bereits wieder Geschichte. Übrigens, auch Salzburg gewann sein erstes Spiel mit 7:6 in Klagenfurt…
Am 17. August 2003 besuchte ich das Spiel zwischen den Sydney Bears und den Canberra Knights in der Australian-Ice-Hockey-League. Auf dem Matchblatt stand ein gewisser Andrew Truman, gesponsert von der Firma „Pacific Prospect“, bei Sydney haben alle Spieler einen privaten Geldgeber. Truman war an diesem Abend als Ersatzausländer überzählig. Anderhalb Jahre später tauchte derselbe Truman erstmals in der Schweizer Nationalliga auf.
Truman gilt als Weltenbummler, welcher sein Handwerk bei verschiedenen A-Midget-Juniorenteams im Mutterland des Eishockey erlernt hatte. Danach folgten drei Saisons in der Klasse „Junior A“, SJHL, AJHL und AWHL hiessen die weiteren Stationen. 1994 erzielte Truman für zwei Teams sagenhafte 256 Tore in nur einer Saison. Zwischen 2000 und 2002 spielte er in der South-Saskatchewan-Junior-Hockey-League (SSJHL), wo er mit den Estevan Bruins einen Meistertitel feiern konnte. 2003 erzielte Truman in 18 Spielen, 21 Punkte für die Sydney Bears in Australien. Der Abstecher nach Down Under galt als Vorbereitung für die anschliessend geplante Saison in Finnland. Bei Haukat Järvenpää, in der zweithöchsten Suomi-Liga Mestis, kam er jedoch nur zu Trainingseinsätzen.
(EHC Sursee)
„Die Truman-Show geht um die Eishockey-Welt“
— Michael Krein
Zurück zur Nationalliga. In der Saison 2004-05 kam der Kanadier zu seine Feuertaufe in der Nationalliga-B. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Olten-Söldner Albert Malgin, wurde er zunächst für drei Partien (sehr kostengünstig) verpflichtet. Doch das Gastspiel des kanadischen Stürmers war beim EHC Olten bereits nach einem Spiel wieder zu Ende. Im Training war man zwar von seinen Qualitäten überzeugt, jedoch konnte er kurzfristig keine Impulse geben, war dem EHC Olten Trainer Dario Andenmatten im „Oltner Tagblatt“ zu entnehmen. Truman stand vom 9. bis zum 18. Dezember 2004 bei den Solothurnern unter Vertrag.
Doch Truman gab schon vorher sein Debüt auf Schweizer Eis. Der Zweitliga Klub EHC Sursee verpflichtete ihn, zusammen mit seinem Bruder Lance Truman, für drei Spiele. In diesen drei 2. Liga Partien zeigte Truman alles andere als eine Truman-Show, vier Tore und zwei Assists waren zu wenig um später in der NLB eine Rolle spielen zu können. Truman ist ein Weltenbummler und wir warten gespannt auf die Fortsetzung der aussergewöhnlichen „Truman-Show“, wo wird er als nächstes anheuern?
Nach 19 Jahren kehrt die Eishockey Weltmeisterschaft wieder nach Bern zurück. Ich kann mich noch gut erinnern, damals als 12-Jähriger durfte ich mir drei Spiele in Bern ansehen. Als sei es gestern gewesen, nie mehr werde ich das Spiel Kanada gegen Finnland vergessen, Suomi führte mit 4:0 und verlor die Partie noch mit 5:6, ein sensationeller Steve Yzerman führte bei Kanada Regie.
Ein Akteur dieses Turniers ist auch heute noch dabei, der unermüdliche Tscheche Jaromir Jagr, damals spielte er im Junioren-Sturm mit Robert Holik und Robert Reichel und war eine der Entdeckungen dieses Turniers. Der einzige Schweizer Teilnehmer 1990 war Schiedsrichter Willi Vögtlin, 19 Jahre später ist Vögtlin mein regelmässiger Sitznachbar auf der Pressetribüne in Bern.
Die Pressetribüne hatte den zusätzlichen Vorteil, gleich hinter den Cheerleaders sitzen -und arbeiten zu können. Wobei dies in langweiligen Partien auch zur Ablenkung führen konnte. Zur Ablenkung nach den Partien, da war ach Hockey-Prominenz unterwegs, erfüllte auch die Oldies-Bar ihren Dienst. Bei einem Umtrunk wurde auch der Victoria-Cup-Gegner der ZSC Lions entlarvt. Die Chicago Blackhawks werden sich im Herbst mit dem Champions-Hockey-League-Sieger messen.
Die Presseplätze, hinter der Cheerlaeder-Bühne. (Krein)Es gibt auch konzentrierte Journalisten. (Krein)
Der heimliche WM-Star
Wer erinnert sich an das Maskottchen von 1990? Der Eisbär mit dem klingenden Namen «Pady» war vor 19 Jahren in der Kostüm-Version nur eine Zeitluppen-Ausgabe vom heimlichen WM-Star Cooly. Die Männer unter dem «Cooly-Kostüm» stammen aus Kanada, in Quebec standen sie erstmals im internationalen Rampenlicht und wurden an einer professionellen Maskottchen-Schule ausgebildet.
Alexander Radulow, bei seiner Landsfrau im Interview. (Krein)
Wieder HeldRadulow?
Wie schon im vergangenen Jahr in Quebec ist der Russe Alexander Radulow wieder omnipräsent und hat das «Zeug» auch in Bern zum WM-Helden zu avancieren. In Quebec geschah dies meistens noch neben dem Eis, in Bern aber zaubert die Quebec-Legende vor allem in spielerischer Hinsicht. Radulow ist es, welcher im Finalspiel das Game-Winning-Goal gegen die Kanadier erzielt. Zum wertvollsten Spieler wird aber sein Landsmann Ilja Kowaltschuk gewählt.
Interview-Duell im Bärengraben
In der Mixed-Zone, in Berner Sprache auch bekannt als Bärengraben und während der SCB-Spiele, Hauptstandort von «SCB-Jüre» Wymann, war während der Weltmeisterschaft auch ein Duell unter den Moderatorinnen, in den Favoritenrollen standen die USA und Russland, am 2. Mai kam zum Direktduell, quasi zum WM Final der Interviews und die Partie auf dem Eis ging ganz nebenbei mit 4:1 an die Russen.
Die amerikanische Journalistin mit Lee Stempniak… (Krein)…und das russische Pendant mit Alexander Radulow. (Krein)
Doch auch Lettland, hatte seine an der WM bekannte Frauen-Fraktion dabei. Auch SF-Mann Lukas Studer ist dies aufgefallen, so sassen wir beide (unten) gegen Österreich im lettischen Fansektor.
An jeder WM dabei, die drei blonden Lettinen. (Krein)Die SF-Fraktion Lukas Studer und Krein im lettischen Fansektor gegen Österreich. (Krein)Gewannen das entscheidende Spiel gegen die Schweiz, die Letten. (Krein)
Szuperman
Der Ungarische Torhüter und NHL-erprobte Levente Szuper wird seinem Namen mehr als gerecht. Bei genauem hinschauen erkennt man vorne auf seiner Maske das Superman-Logo, doch dieses besteht nicht nur aus einem «S», sondern aus den Buchstaben «SZ», Szuperman eben. Trotz dem Szuperman reichte es den tapferen Ungarn nicht zum Ligaerhalt, gegen die Slowakei haben nur 13 Sekunden zu einem Punktgewinn gefehlt.
Nicht ungern mit Ungarn
Die Partie Ungarn gegen Weissrussland durfte ich, durch meinen Blick-Bericht die «Gulaschtruppe», auf den offiziellen Teamplätzen der Ungarn, neben dem Nachwuchstalent Daniel Koger (20) verbringen. Die Karten habe ich vor der Partie direkt im Hotelzimmer bei Ungarns Assistenten Diego Scandella (einst auch Assistent bei den Devils Mailand) abgeholt. Koger spielt in Österreich beim EC Red Bull Salzburg und wurde nun für die Relegationsrunde nachnominiert. Koger dürfte künftig wieder mitverantwortlich, für die magyarische Rückkehr in die A-Gruppe sein.
Trotz heissblütigen Magyaren und einer Fan-Übermacht am Schluefweg… (Krein)…reichte es gegen Weissrussland nicht. (Krein)
Der WM-Standort Bern bietet neben dem Fan-Village, einem Medienbus auch eine Synthice Anlage, Timo Helbling ist Vertreter der finnischen Marke Nordicice Consulting und steht als Berater zur Stelle, das Kunststoff-Eis darf selbstverständlich in der Fanzone ausprobiert werden.
Doch Bern als Hauptschauplatz hatte auch eine Schwäche, so konnte man, wenn man sich geschickt angestellt hat, zwischen der Nachmittags- und Abendpartie in der Arena verweilen, es gab, so wurde es erzählt, eine unkontrollierte Pufferzone. Bis auf diese Kleinigkeit hat Bern als Hauptort seine Pflicht, wie schon 1990, bei teilweise sommerlichen Temperaturen erfüllt. Nicht erfüllt hat die Schweiz, welche ihr Minimalziel, trotz besserer Besetzung als vor Jahresfrist in Quebec, nicht erreicht hat.
Dänemark hat den Ligaerhalt geschafft. (Krein)Für Schweden gabs Bronze. (Krein)Den Final gegen Russland knapp verpasst, die US-Amerikaner. (Krein)
Auch der Schwarzmarkt florierte, beim Finalspiel um den Weltmeistertitel wollten die Tickethändler über 400 Franken für einen Sitzplatz. Wahnsinn und dennoch wurden solche Summen bezahlt. Trotz der hohen Preise, waren die offiziellen Plätze der IIHF nicht gut besetzt. Die Familie Bykow aber nahm ihre Plätze ein und liess sich das Spiel zwischen dem Team ihres Vaters und Gatten und den Kanadiern nicht entgehen.
Der Schluss ist an Dramatik kaum zu überbieten, es wäre sogar die 400 Franken wert, die Kanadier liegen 27 Sekunden vor Schluss mit einem Treffer zurück und kommen zum Bully in der russischen Zone. Sechs Sekunden vor Schluss kommt zum letzten Bully der Weltmeisterschaft 2009, dann feiert das Team von Wjatscheslaw Bykow den zweiten Titel in Folge.
Dramatik pur: 27 Sekunden vor Schluss, Time-out Lindy Ruff. (Krein)Letztes Bully für Danny Heatley und Co., 6 Sekunden vor Schluss. (Krein)Alexei Morosow, René Fasel und Cooly, drei Hauptdarsteller der WM. (Krein)
Im Rahmen der Weltmeisterschaft, gibts in der Einkaufspassage des Stade-de-Suisse (Wankdorf) eine historische Masken-Ausstellung von Torhüter-Legenden aus der Schweiz und aus Übersee. Die Masken von Gilles Gratton, Wayne Stephenson oder Gerry Cheevers sind auch schon im deutschen Sport-Kurier Jahrbuch erschienen, doch in Bern sind sie zum greifen nah.
Playoff-Zeit ist die beste Zeit. Nun gehts nach Deutschland in die Hauptstadt zum Playoff-Viertelfinal-Auftakt der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL). Mit den Eisbären Berlin (1.) und den Hamburg Freezers (8.) treffen zwei Anschutz-Teams aufeinander. Am Nachmittag schlendern wir noch am Brandenburger-Tor entlang, als mir drei bekannte Gesichter auffallen, es sind die Gesichter der Champions-Hockey-League-Helden und Schweizer Playoff-Versagern: Mathias Seger, Lukas Grauwiler und Andri Stoffel flanieren ebenfalls ums Brandenburger Tor herum… …weitere «Schweizer» stehen auf dem heutigen Matchblatt: Ex-ZSC Lions Teamkollege Andy Roach und der ex-Klotener Deron Quint (beide Eisbären Berlin).
Auch drei Akteure der ZSC Lions sind am 13. März 2009 beim Brandenburger-Tor. (Krein)
Nach einem fünfminütigen Fussmarsch vom Berliner Ostbahnhof in Friedrichshain ist sie zu sehen, die O2 World Arena, aktuell Europas modernste Arena. Am 10. September 2008 wurde sie eröffnet. Man könnte die O2 World auch als «Prudential Center Europas» (die aktuell modernste NHL-Arena) bezeichnen, jede europäische Organisation würde von solch einer Arena träumen. Man sitzt wie in einer NHL-Arena, auf dem Oberrang, im Block 405, in der elften Reihe, in einem bequemen Sessel, auf dem neunten Sitz und ausgestattet mit eigenem Getränkehalter, bereits ein dünner Pullover genügt zum Familienerlebnis wie in einem grossen Kino.
«Ich bin ein Berliner?» …oder eben doch nur Pfannkuchen. (Krein)
Von der Grossmutter bis zum Hardcore-Fan, dazu zählen unter anderem die Fans in der Dynamo-Kluft, ist hier alles anzutreffen. Zu Zeiten der ersten Bundesliga-Derbys gegen den Berliner SC Preussen gabs jeweils reichlich Zoff, doch heute ist davon nichts mehr zu sehen. Anders als bei gemächlicher Atmosphäre in der NHL, ist die Stimmung hier riesig – Deutschland eben. Die 14’200 in der ausverkauften «World» sind mit blauen, weissen und roten Klatschpappen ausgestattet und lassen die Arena zum Tollhaus werden. Kulinarisch vermisse ich nur eines, einen «Hamburger!» Stattdessen gibs «Hotdogs» welche an die Würste in Übersee erinnern, doch was ist heute passender als vor- oder während des Spiels einen «Hamburger» zu verzehren?
„Ihre Geschichte haben die Ossies trotz neuer Arena, Namen- und Standortwechsel nicht vergessen: Dynamo!“
— Krein
Die bedauernswerten Gäste scheinen auch ohne «Hamburger» auf der Stadion-Speisekarte «verzehrt» zu werden. Der Qualifikationssieger und aktuelle Meister dominiert das erste Drittel nach Belieben, trotz einem Schussverhältnis von 18:2, führen die «Ostdeutschen» nach zwanzig Minuten nur mit 1:0. Die äusserst effizient spielenden Gäste aus der Hansestadt kommen in der 52. Minute sogar zum 3:3-Ausgleich. Unter dem Ansporn des zweithöchsten Zuschauerschnitts Europas und der Anwesenheit von Doppel-Klub-Inhaber Philipp Anschutz spielt sich der ehemalige «Polizei-Klub» noch zum verdienten und wichtigen 5:3-Sieg im ersten Spiel der «Anschutz-Serie.»
Der ehemalige DDR-Klub zählt heute zu Europas Top-Adressen. Wer hätte dies einst gedacht, im ersten Bundesliga-Jahr nach der Wiedervereinigung mussten die «Eisbären», damals noch als EHC Dynamo Berlin in die 2. Bundesliga absteigen. Doch anders als der West-Klub BSC Preussen, schafft der 15-fache DDR-Meister im Westen die Wende, nicht zuletzt Dank des US-amerikanischen Investors Anschutz-Entertainment-Group (AEG), welche seit 1999 alleinige Inhaberin der Eisbären ist und 2002 auch beim Gegner aus Hamburg eingestiegen ist.
Dynamo ist allgegenwärtig
Die Geschichte haben die Ossies trotz neuer Arena, Namen- und Standortwechsel von Hohenschönhausen an den Ostbahnhof nicht vergessen. Fangesänge wie «Berlin-Ost, Berlin-Ost, Berlin-Ost» oder «Dyyynamo, Dyyynamo, Dyyynamo» sind ebenso präsent wie Dynamo-Schals, Trikots, Fahnen oder die Fanzeitung «Eis-Dynamo.» Die Organisation ist auch für jeden Schweizer ansteckend und manch einer ist geneigt zu sagen «Ich bin ein Berliner.»
Die O2 World, eine imposante Erscheinung bei Nacht. (Krein)
Sicht vom Block 405, von der elften Reihe im Oberrang der O2 World. (Krein)
Drei deutsche Meisterbanner 2005, 2006 und 2008, oberhalb der beeindruckenden Kulisse. (Krein)
«O2 can do» und die Eisbären auch, beim 5:3 ins leere Tor. (Krein)
Sicht vom Unterrang, nach dem Spiel. (Krein)
Simon Strecker (Initiant eishockeyblog), Marc Möri und der Blogger (v. li.). (Krein)
Das Tor aus den Angeln gehoben und Bully vor dem Kasten von Berlins Rob Zepp. (Krein)
Foto: Chris Habegger (rechts) freut sich über das verlorene Dukla-Juwel. (Sandro Stutz)
Eine nicht unbekannte Lokalität in Lyss, es ist Herbst im Jahr 1996, ich und mein Freund Claude M. sind mit seiner Kollegin Nadine H. im Ausgang. Trotz der anwesenden Dame wird an diesem Abend auch über Eishockey gesprochen. Aus dem Gespräch heraus ergibt sich der Zufall, dass Nadine H. ein seltenes tschechisches Eishockeytrikot des Traditionsclubs Dukla Jihlava besitzt. Sie meint, ich könne dieses «Liibli» haben, sie habe es geschenkt bekommen. Beim nächsten Treffen kommt es in der Tiefgarage der nicht unbekannten Lokalität zur Trikot-Übergabe, welche mich höchstens zwei Drinks an die nette Dame kostet.
Es beginnt im Bieler Eisstadion
Doch das ist nicht der Anfang, die Geschichte beginnt schon ein paar Jahre vorher. Der damalige EHC Biel-Fan und heutige Medienverantwortliche Chris Habegger hat anno der 90er Jahre eine nette junge Dame auf der Stehplatztribüne im Bieler Eisstadion kennengelernt. Habegger war schon damals nicht nur Biel-Anhänger, sondern auch ein grosser Bewunderer der tschechoslowakischen Eishockey-Kunst und vorallem Dukla Jihlavas. Aus liebe zu besagter junger Dame, kauft er beim Eishockey-Detailhändler Albert Müller zwei gleiche Trikots des berühmten Armee-Sportklubs, eines für sich und eines für seine Liebe. Wie es bei jungen Liebesgeschichten so läuft, trennten sich nicht nur die Wege des Liebespaars, sondern auch noch die Wege der beiden Dukla-Replicas der Marke Yvette!
Das Tauschgeschäft
Jahre vergehen, Beziehungen gehen auseinander, Eishockeyvereine steigen ab (wie Dukla Jihlava 2005) und verschwinden im irgendwo im Nirgendwo. So verliert auch das Dukla-Trikot der jungen Frau seine Bedeutung. Noch vor 1996 übergibt die ehemalige Freundin Habeggers das besagte Trikot ihrer jüngeren, damals eishockeyverrückten, Schwester Nadine H. Aber auch Nadine H. findet am gelben Hockeylumpen ihrer Schwester kein Gefallen und gibt diesen bei der nächstmöglichen Gelegenheit kurzerhand für zwei Drinks an den Blogschreiber ab.
Der Kreis ist damit noch nicht geschlossen. Zu Beginn der aktuellen Saison 2008-09 lerne ich aus «beruflichen Gründen» Biels Medienchef Habegger kennen. Ich weiss, dass er nebenbei auch dem Dukla-Jihlava-Fanklub Schweiz vorsteht. In der logischen Folge unterhalten wir uns öfters über das tschechoslowakische, tschechische und slowakische Eishockey und die Trikot-Geschichte kommt ans Tageslicht. Sofort erkennt der «Kenner», dass es sich um sein Jihlava-Jersey der Marke Yvette handeln muss.
Zurück zu seinem Besitzer
Nach einer 17-jährigen Odyssee, kommt das verloren geglaubte «Liibli» endlich wieder zum Vorschein. Was für eine aussergewöhnliche Geschichte, das Replica ist mehr als nur ein normales Eishockeytrikot. Eine unerfüllte Liebesgeschichte hängt mehr als ein Jahrzehnt in meinem Kleiderschrank. Praktisch zeitgleich mit der Übergabe an mich (1996) spielt der EHC Biel während 13 Jahren (1995-2008) in der Nationalliga B, es ist als hätte Biels Aufstieg ein direkter Zusammenhang mit dem verschwundenen Trikot. Ohne die Bieler Rückkehr ins Oberhaus hätte ich Habegger nie kennengelernt und das Replica wäre noch heute in meinem Schrank. Das «Hockeyliibli» ist wieder bei seinem alten Besitzer und wird womöglich sogar an Dukla Jihlava zurückgegeben. Die Geschichte geht weiter…
«Das gloubt üs ke Sou» sagten wir uns immer wieder gegenseitig am Abend des 21. Januar 2009, in der Plunge-Rooftop-Bar-and-Lounge im Hotel-Gansevoort im New Yorker Meatpacking-District.
Doch nun der Reihe nach. Nach einem bereits sehr unterhaltsamen Spiel der New Jersey Devils gegen die Montreal Canadiens (siehe Blog vom Vortag) liessen wir uns den «Last Evening in New York» in der Plunge-Bar im Hotel Gansevoort bei gemütlichem Gesprächsstoff und zwei Bierchen ausklingen. Ein ganz normaler Abend in Manhattan, oder doch nicht? Die Uhrzeiger standen bei 01 Uhr 20 (amerikanische Zeit) als am Tischchen neben uns ein cooler, südländischer Typ mit zwei wunderschönen, transilvanischen (was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten) Göttinnen niederlies.
You looks like Scott Gomez
Ich sagte zu Kollege Michael: «dä gseht us wie dr Scott Gomez, isch äch das dr Scott Gomez?» im gleichen Moment grüsste Gomez freundlich «hi guys, how are you?», ich: «you looks like Scott Gomez» und dann waren wir dabei! Der ganz normale Abend sollte zu einer «Amazing-Night» werden! Gomez bat uns ohne eine Sekunde zu zögern an seinen Tisch. Scott Gomez, Assistenzcaptain der New York Rangers, ein Mann der 7.357 Mio. US Dollar pro Saison verdient bat uns (zwei Aarberger…) zum Tisch! Wir waren überwältigt, nahezu sprachlos! Unglaublich wie locker und cool der vermeintliche Star drauf war. Ein Top-Shot der NHL und eben doch nur ein Mensch wie Du und ich, unglaublich.
Die transilvanischen Göttinnen
Später kamen noch drei Kollegen von Gomez dazu, ein Jugendfreund aus Anchorage, Alaska, ein ex-WG Kollege aus Boston (wohnte mit Gomez und Scott Niedermayer in New Jersey zusammen) und ein Freund aus Chicago. So sassen wir mittendrin bei Talk and Drinks with Gomez and Friends! Natürlich habe ich die zwei Göttinnen nicht vergessen, auch sie sassen da, links neben Scott Gomez. Die eine war seine Freundin, eine rumänische Ärztin, welche er beim Golfen kennengelernt hat, und ihre Schwester. Wir wussten nicht mehr genau von wem wir nun mehr fasziniert waren, von Scott Gomez oder den beiden Vampir-Frauen? Denn Sie waren wirklich Göttinnen (womöglich nicht von dieser Welt, möglicherweise gingen ihre Spuren bis zu Vlad Tepes zurück?) nur so konnten wir und natürlich auch Gomez (er betonte immer wieder, dass dies die «most beautiful Women in the World» sein müssen) die Schönheit dieser Geschöpfe erklären.
Am Vorabend bei Gomez‘ am Tisch, am nächsten Tag in Ehre im NHL-Store. (Michael Möri)
Irgendwo in New York
Zurück zum Eishockey. Gomez ein Star zum anfassen, natürlich hat er alle Runden übernommen, die Bardame servierte im Viertelstunden-Takt «Drinks für alle am Gomez-Tisch.» Nach Gesprächen über Rumänien, Bern, New York, Alaska, Interlaken und die Rangers neigte sich leider auch «An Amazing Night» dem Ende zu. Zurückgeblieben sind schlussendlich die beiden Michaels (Mike and Mike, wie eine Sportsendung auf ESPN heisst) mit einem Tisch voller Getränke welche zuviel serviert wurden. So sassen wir noch eine Weile in der Plunge Bar und beseitigten alle übriggebliebenen Beers und Mojitos und stellten uns die Frage nach dem Glück: In einer 8 Millionen Stadt (Manhattan) oder 20 Millionen Stadt (New York) treffen wir an einem Mittwoch Abend in einer Bar (den Tipp habe ich von meinem Kollegen Marc M. aus W. drei Tage vorher per SMS erhalten) irgendwo in New York, «irgendeinisch fingt z Glück oder dr Gomez eim» könnte man auch sagen.
Das im Oktober 2007 eröffnete Prudential-Center ist die modernste Eishockey-Arena der Welt. Innerhalb vom Einzugsgebiet von New York kann man das Prudential-Center, welches den Namen des wichtigsten Finanzunternehmen New Jerseys trägt und welches sich die Namensrechte bis 2017 gesichert hat, mit den altehrwürdigen Kultstätten der Rangers und der Islanders nicht vergleichen. Dieses Prunkstück ist knapp anderthalb Jahre jung. Vorher sind die Devils während 25 Jahren in East Rutherford in der Brendan-Byrne-Arena, später Continental-Airline-Arena, beheimatet. An alter Wirkungsstätte können die Teufel drei Stanley-Cup-Siege feiern.
Die alte und neue Spielstätte Ligen zirka 20 Autominuten voneinander entfernt. Newark ist der östlichste Teil des US-Bundesstaates New Jersey und hat den Spitznamen «Brick-City», wegen der vielen Backsteinhäuser. Die Gegensätze könnten nicht grösser sein. Die Backsteinstadt ist eine düstere Gegend, wie im Film, sind hier brennende Mülltonnen zu sehen und die Fenster der endlosen Häuserblocks sind praktisch alle vergittert.
„Es ist eine wahre Erleichterung wenn man die Arena, inmitten der dunklen Hauszeilen erblickt.“
— Gedanke im Stadtteil Newark
In mitten des heruntergekommenen Viertels, thront die neue Arena, sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Oase in der Wüste. Die Beleuchtung ist von weitem zu sehen und strahlt eine Art Sicherheit aus, es ist eine wahre Erleichterung wenn man die Arena, inmitten der dunklen Hauszeilen erblickt und der Gedanke, schnellstmöglich in das Stadion zu kommen bestärkt sich mit jedem Schritt.
Wenn du das Prudential-Center betrittst, weisst du warum die National-Hockey-League das Ziel jedes talentierten Hockeyspielers sein muss, hier musst du hin, hier musst du spielen, dann hast du’s geschafft. Diese Gedanken kreisen durch den Kopf, wenn du die leeren Tribünen anderthalb Stunden vor Spielbeginn, begleitet durch das Orgelspiel, wie in den alten Sega-NHL-Spielen, bestaunst. Dabei lässt dich der «Bass» des Orgelspiels leicht erschüttern und noch vor dem ersten Bully bist du beeindruckt, selbstverständlich ist mir bewusst, dass dies noch für so manche NHL-Arena seine Gültigkeit hat.
Passend zur neusten Arena gastieren die Montreal Canadiens, das wohl traditionsreichste Team der Welt, dazu im hundertjährigen Jubiläum mit speziellem Badge «100 Saisons/Seasons» auf den Schultern.
New Jersey Devils – Montreal Canadiens 5:2 (1:0, 2:1, 2:1) Prudential Center. – 16’235 Zuschauer. – SR Fraser (2) /Martell (26), Devorski (54) /Driscoll (68). – Tore: 12. Martin (Elias, Madden) 1:0. 27. Zajac (Parise, Oduya) 2:0. 34. Gorges (Koivu, D’Agostini) 2:1. 39. Oduya (Martin) 3:1. 43. Parise 4:1. 48. D’Agostini (Markov /Ausschluss Martin) 4:2. 60. (59:05) Elias (Madden, White /Ausschluss Shanahan, ins leere Tor) 5:2. – Strafen: New Jersey 6-mal 2 Minuten, Montreal 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: New Jersey ohne Brookbank, Pandolfo und Leach, Montreal ohne Begin und Chipchura (alle verletzt). Oduya*, Parise** und Martin*** (alle New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet. Montreal ab 58:40 bis 59:05 ohne Torhüter. New Jersey Devils: Clemmensen (Weekes); Greene, Martin (4), Mottau, Oduya (2), Salvador, White; Clarkson, Elias, Gionta, Holik, Langenbrunner, Madden, Parise (2), Rolston, Rupp (2), Shanahan (2), Zajac, Zubrus. Montreal Canadiens: Price (Halak); Bouillon (2), Brisebois, Gorges, Hamrlik, Komisarek, Markov; D’Agostini, Koivu, Andrei Kostitsyn (2), Sergei Kostitsyn, Kostopoulos (2), Kovalev, Lang, Lapierre, Pacioretty, Plekanec, Stewart, Latendresse.
Nach dem Islanders-Trip, steht die zweite Partie des Dreitagetripps auf dem Programm. Heute in «The World’s Most Famous Arena», dem Madison-Square-Garden (MSG) inmitten Manhattans Grossstadt-Jungel. Die Geschichte des Gardens beginnt schon 1874 an der Madison Avenue mit dem ersten «Garden», welcher bereits 1890 dem zweiten «Garden» weichen muss, der sich zu diesem Zeitpunkt, dank dem 98 Meter hohen Turm das zweithöchste Gebäude Manhattans nennen darf. Erst beim Bau des dritten Gardens, 1925 kommt Eishockey ins Programm der bereits weltberühmten Veranstaltungsstätte von Inhaber Jack Dempsey. Der neue Besitzer, Boxmanager Tex Rickard lässt den dritten Garden innert 249 Tagen zwischen der 49. und 50. Strasse neu errichten.
Rickard, der erste moderne Boxpromoter in der Geschichte des Sportmarketings eröffnet den neuen Garden mit einem Spiel der National-Hockey-League zwischen den New York Americans und den Montreal Canadiens. Die Canadiens gewinnen die Partie vor 17’442 begeisterten Zuschauern mit 3:1 und werden dafür mit der Prince-of-Wales-Trophy (welche heute für das beste Team der Eastern-Conference vergeben wird) ausgezeichnet. Die Begeisterung ist so gross, dass Besitzer Rickard am 15. Mai 1926 mit den New York Giants sein eigenes Hockeyteam gründet, welches durch die Presse aber als «Tex’s Rangers» bezeichnet wird und als Geburtsstunde der Rangers gilt.
1960 sieht sich das Management des «MSG» nach Bauland um, zwei Tage später bietet die Pennsylvania-Railroad die Luftrechte über ihrem Bahnhof an der 32. Strasse an. Am 28. Oktober 1963 startet der Abriss der Penn-Station und am 11. Februar 1968 wird die aktuelle Spielstätte eröffnet. Am 20. Januar 2009 besuche ich zum zweiten Mal die «berühmteste Arena der Welt», wo Wayne Gretzky 1999 seinen Rücktritt gab, wo Muhammad Ali 1971 gegen Joe Frazier geboxt hat oder wo die Rangers 1994, nach 54 Jahren erstmals wieder einen Stanley-Cup in die Höhe stemmen konnten. Heute Abend empfangen die Rangers die Anaheim Ducks mit Jonas Hiller.
Tex Rickard
„Ist es der spezielle Geruch, welchen man seit der Eröffnung am 11. Februar 1968 noch zu riechen scheint?“
— über die Faszination im MSG
Und dieser Madison-Square-Garden versprüht auch 41 Jahre nach der Eröffnung einen Charme, den ich nicht beschreiben kann. Sind es die historischen Ereignisse die im Hinterkopf präsent sind? Ist es der spezielle Geruch, welchen man seit der Eröffnung am 11. Februar 1968 immer noch zu riechen scheint? Oder sind es einfach «nur» Ausstrahlung und Tradition der New York Rangers? Oder ist es an besagtem Abend einfach nur die Kombination von Henrik Lundqvist, Scott Gomez, Markus Näslund, Chris Drury, Wade Redden und Brandon Dubinsky? «Man muss ihn erleben», beschreibt Harry Valerien, ein Urgestein des deutschen Sportjournalismus, im Buch «Kultstätten des Sports» die Atmosphäre des Gardens.
Im 48. Saisonspiel erleben die 18’200 Fans den 28. Sieg der ehemaligen «Tex’s Rangers» gegen Hiller und die Ducks. Der Schweizer Schlussmann erlebt die Atmosphäre im Madison-Square-Garden zum ersten Mal, diese dürfte trotz Niederlage und einer Abwehrquote von 89.7% (26/29) ebenfalls ein spezieller Moment gewesen sein. Hiller ist nach Reto von Arx, David Aebischer, Martin Gerber, Timo Helbling und Mark Streit erst der sechste Schweizer der im Madison-Square-Garden zum Einsatz kommt.
Blick von der 8. Avenue in Richtung Süden, zwei Fights gibts, am 20. Januar 2009, im Madison-Square-Garden zwischen den New York Rangers und Jonas Hiller’s Anaheim Ducks. (Krein)
Es ist ein kalter Montag, am 19. Januar 2009, in Uniondale, New York, einem Vorort auf Long Island. Schon die Zugfahrt mit der Long-Island-Rail-Road (LIRR) ist ein Erlebnis, die rund 50 Kilometer lange Fahrt führt durch drei Zonen (1, 3 und 4) und 13 Stationen, unter anderem durch die Vororte Queens und Garden City, Mark Streits derzeitiger Wohnort, und endet in Hempstead. In Uniondale angekommen, erwartet uns eine eher düstere Gegend oder wie wir in der Schweiz sagen würden: «ä schäbigi Gägend.»
Dabei sind wir noch nicht mal in der Hälfte der ganzen LIRR-Strecke, denn diese zieht sich über 140 Kilometer quer über die ganze Long Island oder eben «lange Insel» bis in die hintersten Zipfel Greenport oder Montauk, diese beiden Zipfel zieren das Islanders-Logo auf der rechten Seite. Manch eine/einer hat sich schon hinterfragt was denn dieser komische orange Hintergrund soll. Die Heimstätte der Islanders befindet sich noch im ersten Drittel von Long Island.
Nach einer knapp 10-minütigen Busfahrt, erscheint am Horizont das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum, es ist auf diesem flachen Gelände bereits von weitem zu sehen. Auf dem anschliessenden Fussmarsch, vorbei an eben eher «schäbigen» Vorgärten und einem «Used-Gun-Store», wo wohl jeder ohne Waffenschein eine Knarre kaufen kann, stehen wir (die Red. Claude Moeri, Michael Möri und ich), nach dem überqueren des riesigen Stadion-Parkplatzes vor dem Eingang zu einer der geschichtsträchtigsten Arenen der Liga.
Das Coliseum aus Sicht des «Used-Gun-Store», links das Marriott’s. (Krein)Die düstere Gegend in Uniondale. (Krein)Ein riesiger Parkplatz und sein Coliseum, passend dazu „The Lighthouse at Long Island“, das Coliseum ist ein Leuchtturm in dieser Gegend. (Krein)Der Eingang zu den Gates 11-14. (Krein)
Ein super Gefühl, denn in Kürze sollten wir erstmals Streit im Trikot des vierfachen Stanley-Cup-Siegers zu sehen bekommen. Die Arena versprüht einen ähnlichen Charme wie das Pepsi-Colisée in Quebec oder der Madison-Square-Garden und passt zur Bauzeit der 70er Jahre. Die Banner unter der Hallendecke, als Zeitzeugen der glorreichen Islanders-Jahre mit vier Stanley-Cup-Siegen (1980 bis 1983) in Serie, lässt einem in Gedanken erahnen, welche Geschichte in dieser Organisation im Nassau-Coliseum schon geschrieben wurde.
Wow-Moment: In Kürze erblickst du das geschichtsträchtige, vierfache Stanley-Cup-Sieger, Eisfeld der Islanders. (Krein)
Beim zuschauen des Warm-ups des Heimteams wird mir klar, dies muss das Ziel jedes ambitionierten Eishockeyspielers sein, die NHL! «Wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, musst du alles dafür tun» und Streit hat dies mit grosser Ausdauer getan. Im Islanders-Game-Day-Give-Backs (Matchprogramm über alle Spiele von Januar) ist eine fünfseitige Story (von Jason Lockhart) über den Schweizer «Streit on Time» publiziert. Bis auf einen kleinen Flüchtigkeitsfehler ist der New Yorker Journalist hervorragend über das Schweizer Eishockey und Streit in seiner Story «Long wait for NHL’s call pays off for Swiss Star», informiert.
Nicht das Team von Streit ist es welches den dadurch eben nur «fast» perfekten Eishockeytag besiegelt. Washingtons Alexander Ovechkin führt die Capitals mit zwei Treffern zum Sieg. In meinem dritten NHL-Spiel erlebe ich zum zweiten mal ein Tor in der Verlängerung, Ovechkin entscheidet die Partie mit einem Powerplay-Treffer. Immerhin steuert «Streit on Time» beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch Kyle Okposo einen Assistpunkt bei.
New York Islanders – Washington Capitals 1:2nV (0:1, 0:0, 1:0, 0:1) Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum. – 13’917 Zuschauer. – SR Jackson (8) /Meier (34); Devorski (54)/Sericolo (84). – Tore: 7. Ovechkin (Green, Laich /Ausschluss Witt) 0:1. 53. Okposo (Nielsen, Streit /Ausschlüsse Bäckström, Ovechkin) 1:1. 62. (61:46) Ovechkin (Semin, Fedorov /Ausschluss Witt) 1:2. – Strafen: New York 4-mal 2 Minuten, Washington 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: New York Islanders ohne Bergenheim, Campoli, und DiPietro, Washington Capitals ohne Fehr, Johnson und Steckel (alle verletzt). Ovechkin* (Washington) und Okposo** (New York) und Theodore*** (Washington) als beste Spieler ausgezeichnet. New York Islanders: Danis (Mannino); Streit, Gervais; Hillen, Martinek, Pöck, Witt (4); Sim, Thompson, Jackman; Okposo, Nielsen, Park, Bailey (2), Guerin, Tambellini, Kurtis McLean, Comeau (2), Comrie. Washington Capitals: Theodore (Machesney); Jurcina, Schultz; Alzner, Erskine, Green, Helmer; Clark (2), Laich, Nylander; Ovechkin (2), Semin (2), Fedorov (2), Bradley, Fleischmann, Gordon, Bäckström (2), Kozlov, Brashear.
Working-Press* Manhattan-Aarberg Diese Zeilen tippe ich im NHL-Store in New York, 47th Street West – es gibt sehr viel zu erzählen, die Berichte und Eindrücke der drei Spiele der Islanders (Washington), Rangers (Anaheim) und Devils (Montreal) folgen. Als besonderes Highlight darf die Begegnung mit Scott Gomez (verdient 8.8 Mio. $ pro Saison) betrachtet werden… …more later, greets from New York Citys NHL-Reebok-Store. *Als Anspielung auf den NHL-Journalisten Joël Wüthrich, er benutzt den Ausdruck «Working-Press» für alle seine Übersee-Artikel.