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Sammelbecken der Weltmeister

Wie der EHC Biel, hat auch der HC Lugano die gleichen drei Schlüsselpositionen mit Finnen besetzt. Der neue Headcoach Sami Kapanen, Verteidiger Atte Ohtamaa (ausgesprochen Oochtama) und Stürmer Jani Lajunen sind das Gegenstück zu Antti Törmänen, Anssi Salmela und Toni Rajala. Ohtamaa holte im vergangenen Frühling in Bratislava, zusammen mit Rajala, den dritten Weltmeistertitel Finnlands. Komplettiert wurden die beiden durch die Schweizer Söldner Petteri Lindbohm (Lausanne) und Harri Pesonen (SCL Tigers).

Zwölf finnische Weltmeister

Doch bereits acht Jahre vor dem aktuellen «Schweizer-Quartett», veredelten sich Lajunen und Salmela an der gleichen Wirkungsstätte mit dem zweiten WM-Gold für Finnland. Zum finnischen Gold-Team gehörten zudem die früher- oder späteren «Schweizer» Juhamatti Aaltonen (Bern), Jarkko Immonen (Zug), Jesse Joensuu (Bern), Niko Kapanen (Zug), Janne Niskala (Zug), Janne Pesonen (Ambri-Piotta), Antti Pihlström (Freiburg-Gottéron), Mika Pyörälä (Bern), Tuomo Ruutu (Davos) und Teammanager Timo Jutila (Bern).

Zwei Drittel des Weltmeisterteams von 1995

Das erste finnische Gold-Kunststück aber haben die drei aktuellen National-League-Trainer Kapanen, Törmänen und Ville Peltonen (Lausanne) bereits 1995, beim ersten WM-Titel Finnlands, geschafft. Zu den «Helden von Stockholm», gehörten neben der gesamten Verteidigung um Erik Hämäläinen (SCL Tigers), Timo Jutila (Bern), Marko Kiprusoff (Kloten), Janne Niinimaa (Davos), Peters Nummelin (Davos und Lugano) Mika Strömberg (Chur) und Hannu Virta (Grasshoppers und ZSC Lions), auch Tero Lehterä (Basel und Ambri-Piotta), Mika Nieminen (Grasshoppers), Janne Ojanen (Lugano), Ari Sulander (ZSC Lions) und Raimo Summanen (Bern und Trainer in Rapperswil-Jona), sowie Headcoach Curt Lundström (Kloten).

Im Fazit heisst dies, wer mit Finnland Weltmeister wird, wird höchstwahrscheinlich irgendwann in seiner Karriere in der Schweiz landen. Aktuell spielen, neben den drei Trainern, vier Weltmeister von 2019- und zwei Weltmeister von 2011 in der National-League.

Die aktuellen Finnland-Weltmeister

Sami Kapanen (Lugano)
Jani Lajunen (Lugano)
Petteri Lindbohm (Lausanne)
Atte Ohtamaa (Lugano)
Ville Peltonen (Lausanne)
Harri Pesonen (SCL Tigers)
Toni Rajala (Biel)
Anssi Salmela (Biel)
Antti Törmänen (Biel)

Mikko Lehtonen und die «Schweizer» Petteri Lindbohm, Harri Pesonen und Toni Rajala an der WM 2019. (Foto: Suomen Jääkiekkoliitto)

Michael Krein

Zwischen Champions- und MySports League

In den ersten drei Partien der Champions-Hockey-League kommt beim EHC Biel die namenlose Nummer 42 zum Einsatz. In seinen ersten Einsätzen gegen den norwegischen Meister Frisk Asker kreiert der «Namenlose» bereits mehrere gefährliche Situationen vor dem Kasten von Nicklas Dahlberg, nun wird auch unter den Zuschauern getuschelt und gemunkelt wer die Nummer 42 wohl sein mag.

Der auffällige Stürmer stand knapp zwei Wochen vorher noch in Zuchwil mit der Nummer 66 auf dem Eis, beim MySports-Vorbereitungsspiel zwischen dem SC Lyss und dem EHC Bülach (4:2). Roman «Romik» Karaffa heisst das 20-jährige Bieler Nachwuchs-Juwel. Der Slowake ist vor fünf Jahren, durch Empfehlung seines Agenten Louis Liesch, von Spisska Nova-Ves in die Schweiz gekommen. Der Stürmer, der in seiner Heimat jeweils die Camps der slowakischen Legende Zdeno Ciger besucht hat, gilt daher neu als «Hockey-Schweizer» und belastet das Ausländer-Kontingent nicht.

«Slowakischer Hockeyschweizer»

Nach fünf Jahren in der Schweiz

Der Topskorer der Bieler Elite-Junioren (55 Punkte in 50 Spielen) wird in dieser Saison mindestens bei drei Mannschaften zum Einsatz kommen: Neben dem Fanionteam des EHC Biel und den Bieler Elite-Junioren, wurde der smarte Flügelstürmer, der auch in der Centerposition eingesetzt werden kann, beim SC Lyss mit einer B-Lizenz ausgestattet. Beim Partnerteam und MySports-League-Aufsteiger wird Karaffa viel Verantwortung übernehmen können. Der neue Lyss-Headcoach Serge Meyer hatte den Spielmacher bereits in den vergangenen zwei Jahren in seinem Kader.

Mit Karaffa steht beim SC Lyss erstmals seit «1993» wieder «Ausländer» im Kader. Beim Abstieg aus der Nationalliga B (NLB) vor 26 Jahren trugen die beiden Kanadier Dave Baseggio und Kent Hulst als letzte Söldner das Lysser Trikot. Lyss-Trainer Meyer absolvierte damals als 16-Jähriger seine erste NLB-Saison. In welchem Spiel Karaffa bei Lyss sein Debüt in der MSL geben wird ist noch unklar. Im ersten Testspiel buchte die Reihe mit Karaffa, Gauthier Girardin und Fabio Mattioni bereits in der vierten Minute den ersten Treffer. Für Lyss also, wie früher desto besser.

Karaffas Debüts

U20 Top (Ajoie): 16. September 2016, Herisau (3 Tore, 2 Assists)
U20 Elite A (Biel): 9. September 2016, in Davos
Champions-Hockey-League (Biel): 29. August 2019, Frisk Asker
MySports-League (Lyss): September 2019

Karaffas erste Champions-Hockey-League Punkte!
6. September 2019, in Asker: 32. Minute, Assist zum 1:1 (Tschantré); 39. Minute, Assist zum 2:1 (Cunti)

Foto: Hervé Chavaillaz

Michael Krein

Stolperstein Bratislava

Foto: Das berühmt-berüchtige Stadioncafe „Pivaren Budik“ (Michael Krein)

Der Schweizer Stolperstein in diesem Jahr hiess Kanada, 0.4 Sekunden fehlten dem Schweizer Nationalteam zum Einzug in den WM-Halbfinal. „Stolperstein“, ist unser WM-Wort 2019. Den ersten „Stolperer“ leistete sich unser Fahrer, mit einem kleinen Umweg, bereits auf der Anfahrt Richtung Flughafen Zürich. Den nächsten „Stolperer“ leistete sich das Personal beim ersten Mittagessen im „Infiniti-Rock-Cafe“ in der Altstadt von Bratislava, über eine Stunde liess die „Burger-Bestellung“ auf sich warten.

Beim Nachmittagsspiel stolperten dann die Italiener bei ihrer 1:7-Schlappe gegen Norwegen, ehe ein Teil unsere Reisecrew für die Tickets des Abendspiels vor den Toren des Stadions-Ondreja-Nepela strauchelte. Über 250 Euro wollte die russische Ticket-Mafia für einen Eintritt. Mein Glück, war die Abwesenheit eines Vorstandsmitglieds des EHC Meinisberg, dessen Name mir soeben entfallen ist. So war ich nicht „Torrianis-Erben“, sondern „Meinisbergs-Erben“ für die beiden Schweizer Partien gegen Schweden und Russland.

Drei Stolpersteine

Gestolpert sind auch die Schweizer – und zwar gleich dreimal in unserer Anwesenheit, allerdings sind Niederlagen gegen Schweden (3:4), Russland (0:3) und Tschechien (4:5) nicht wirkliche „Stolpersteine“, aufgrund des Schweizer Kaders allerdings waren die Erwartungen weit höher als dies noch vor 30 Jahren das Fall gewesen war. Damals hiessen die Stolpersteine an der B-Weltmeisterschaft in Oslo und Lillehammer Frankreich (2:5) und Italien (6:7), dies wären auch heute noch echte „Stolperer.“

„Die Italiener feierten schon vor dem Alpenknüller!“

Michael Krein

Italien erwies sich auch für unsere östlichen Nachbarn als echten Stolperstein. Die Azzurri, erstmals mit nur vier Italokanadiern (Italos) an einer A-WM dabei, spielten vor ausverkauften Rängen mit Herz und Leidenschaft gegen die müde und blass wirkenden Österreicher. Patrick Kirchler, der Stadionbeizer des HC Pustertal, hat mir dies schon vor dem „Endspiel“ im Alpenduell prophezeiht: „Uns genügt ein Tor gegen Österreich“, es waren schlussendlich fünf Treffer, mit dem goldenen Penalty des „Italos“ Sean McMonagle. Wobei die Italiener vor dem entscheidenden Spiel, bis in die frühen Morgenstunden in unserer Hotelbar gefeiert haben… (den Ligaerhalt?)

D’Szene isch ä chlini Bar irgendwo…

Apropos „ausverkauft“, erstmals in der Geschichte der Hockey-WM, musste sich der „Schweizer“ ernsthaft um Billette (nicht verwandt mit unserem Kommentator) bemühen. Dabei ist man nicht um die „sowjetische“ Ticketmafia herum gekommen. Dreh- und Angelpunkt der Szene war das Stadioncafé „Pivaren Budik“, dort konnte man für jedes Spiel ein Ticket kaufen, aber nicht zu jedem Preis. In unserer Crew hatten wir einen aus Tschechien stammenden Sbornaja-Liebhaber, welcher sich jeweils vor den „heissen“ Spielen als unser „Winkelried“ ins Stadioncafé stürzte. In der Zwischenzeit nippten wir am hässlichen Krusovice-Bier, welches im- und rund ums Stadion exklusiv ausgeschenkt wurde.

Es gab sogar einen Einlass, welcher ohne Ticket erfolgte. Die auserwählten Schweizer wurden durch einen Seiteneingang ins Stadion gelassen, dann auf der Treppe, auf dem Weg zu den Sitzplätzen, gebeten ihren „Eintritt“ zu bezahlen und auf halbem Gang ins Glück sich selbst überlassen, in der Hoffnung, beim öffnen der Türe im obersten Sektor, von niemandem entdeckt zu werden. Gestolpert sei dabei niemand, versicherte mir der Protagonist, bei seiner etwas kuriosen aber durchaus glaubhaften Geschichte. Ach ja, fast hätte ichs vergessen, „Stolperstein Frankreich“, titelte im April 1989 das SLAPSHOT-Magazin Nr. 8, an diesen Titel erinnerten sich zwei Mitglieder unserer Reisegruppe bei der Anfahrt zum Zürcher Flughafen und an der Burgdorfer Dammstrasse liegt sogar noch heute ein echter „Stolperstein“ in den Farben der Franzosen…

Michael Krein

Die Schweizer Langeweile

Bern, Zürich und Davos. Diese drei Mannschaften teilen sich seit 13 Jahren den Schweizermeister-Titel. Es ist fast wie in der alten DDR, da spielten während zwanzig Jahren mit der SG Dynamo Berlin und der SG Dynamo Weisswasser nur zwei Mannschaften um den Titel, allerdings gabs in Ostdeutschland zwischen 1970 und 1990 auch nur diese zwei Klubs. Haben in der Schweiz nur diese drei Teams das Zeug dazu den Titel zu holen? Rein statistisch gesehen, leider Ja. Schauen wir in der Schweiz acht weitere Jahre zurück, kommt mit dem HC Lugano in insgesamt 21 Jahren nur ein weiterer Klub dazu. Langeweile oder Konstanz?

Schwieriger Vergleich

In der National-Hockey-League (NHL) spielen 31 Mannschaften, dies minimiert die Chance auf den Stanley-Cup für jeden Einzelnen. Noch schwieriger gilt ein Vergleich für Teams aus der American-Hockey-League (AHL), hier wurde seit 2007 die halbe Liga ausgewechselt. Gerade mal 14 von 31 Organisationen waren vor 13 Jahren schon dabei, dies erhöht eine wechselnde Titel-Kadenz automatisch. Erstaunlich konstant
blieb die, im gleichen Umfang praktizierende «russische» Kontinental-Hockey-League (KHL), beim stemmen des Gagarin-Cups, mit nur sechs verschiedenen Titelträgern. Aktuell holte der Traditionsclub ZSKA Moskau erstmals seit 1989 und damit seit 30 Jahren wieder einen Meistertitel.

Ist es eine Mentalitätsfrage?

Die Schweiz, lässt sich bestenfalls mit den Ligen Deutschlands, Finnlands, Schwedens und Tschechiens vergleichen und da hinkt die National-League (NL) in Sachen Abwechslung klar hinterher. Selbst in der sechs Teams umfassenden Spanischen Meisterschaft, gabs in der gleichen Zeit fünf verschiedene Titelträger. Eine Frage der Finanzen? Zwischenzeitlich gibt es in der NL mehr als nur drei Finanzkräftige Teams und die ZSC Lions haben sogar die Playoffs verpasst, so gesehen zählt dieser Aspekt nicht mehr.

Schweizer Mentalität?

Ist es eine Mentalitätsfrage? Denn auch im Schweizer Fussball ging der Titel in den letzten 13 Jahren, mit dem BSC Young Boys, dem FC Basel und dem FC Zürich nur an drei verschiedene Teams. Der HC Genf-Servette und der EHC Biel waren mit dem neuen und «alten» Meister sportlich zwar fast auf Augenhöhe, doch in der entscheidenden Phase hat der letzte Wille oder die Klasse gefehlt. Dabei liebt der «Schweizer» doch die Rolle des Aussenseiters. Denn gleichzeitig ist in keinem anderen Land der Welt, der Qualifikationssieger im Viertelfinal so häufig (5-mal) ausgeschieden wie in der Schweiz. Und dennoch, gewinnt am Schluss immer «Berlin» oder «Weisswasser» oder in der eidgenössischen Version eben Bern oder Zürich, in der langweiligsten Meisterschaft seit Auflösung der DDR.

Alle Schweizermeister

Die Ligen im Vergleich (seit 2007)
10 Meister: NHL und Tschechien
7 Meister: AHL, Schweden und Australien
6 Meister: Finnland, KHL
5 Meister: Deutschland, EBEL, Grossbritannien, Norwegen, Slowakei und Spanien
4 Meister: Frankreich
3 Meister: Schweiz

Michael Krein

Von aktuellen und ehemaligen Helden

Foto: Kenneth Graf, Fabio Mattioni, Michael Krein und Torhüter Kevin Geissbühler

Am 28. März 2019 holt sich der SC Lyss, Dank einem 4:0-Auswärtssieg gegen den EHC Arosa, den 1. Liga Schweizermeistertitel. Schon mit dem Titel der Westschweizer Gruppe stand am 12. März 2019 der Aufstieg in die MySports-League fest. Am Samstag folgte der offizielle Empfang durch den Gemeindepräsidenten und die Meisterfeier im Hotel Restaurant Kreuz in Lyss.

Zweiter Meistertitel

Die Lysser holten vor genau 30 Jahren, am 16. März 1989 erst- und letztmals den 1. Liga-Schweizermeister-Titel. Drei Helden von damals sind bei der aktuellen Meisterfeier dabei: Noël Gerber, Reto Gerber und Urs Reber. Keiner konnte sich an eine Meisterfeier von einst erinnern. Damals gabs, trotz dem zusätzlichen Aufstieg in die Nationalliga B, nichts. Die grösste anwesende Lysser-Legende ist Bernhard «Benu» Bula. Bula führte die Mannschaft am 3. März 1979 als Kapitän erstmals in die NLB. Mit dabei waren auch Lucien Ramseyer und Kult-Betreuer Rudolf «Ruedi» Krähenbühl, sie alle sind bei der jüngsten Lysser Erfolgsfeier dabei.

Söhne berühmter Väter

Florin Gerber heisst der aktuelle Captain, er hat das «Amt» von Bula und seinem «Götti» Noël Gerber mehr als würdig vertreten, denn er ist erst der dritte Lysser 1. Liga-Aufstiegs-Kapitän der 55-jährigen Clubgeschichte. Der Sohn des langjährigen Verteidigers Reto Gerber ist nicht der einzige mit berühmten Vater. Stürmer Fabio Mattioni fragt mich ob Lyss schon einmal 1. Liga-Meister gewesen sei, verblüfft sagt er, «wir haben schon ein bisschen Geschichte geschrieben?» Klar antworte ich, «etwas was dein Vater nie geschafft hat.» Vater Romeo Mattioni stemmte beim letzten Lysser Meistertitel 1989, den Pokal schon zwei Stufen höher, nämlich beim Schweizermeistertitel mit den SC Bern.

Auf der Kreuz-Toilette, begegnen mir Headcoach Patrick Glanzmann, Lyss-Spieler der ersten NLB-Saison und Stürmer Yanick Kohler, nach meiner Gratulation, selbstverständlich nach dem Händewaschen, erkläre ich Kohler-Junior, ob er wisse, dass sein Vater Thomas bis heute der letzte NLB-Torschütze der Lysser Geschichte sei. Natürlich weiss er dies nicht, denn er war damals, am 27. Februar 1993, gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Erstaunt will er, trotz Meisterfeier, mehr darüber wissen. Im gleichen Lysser Abstiegskader von 1993 spielte auch ein Mann Namens «Fiala», die Rede ist von Hans «Jan» Fiala. Sein Sohn Kevin spielt heute in der National-Hockey-League bei den Minnesota Wild. Ein anderer, Dave Baseggio, ist heute Scout bei den Anaheim Ducks.

Wer weiss, vielleicht reden wir in 30 Jahren mit den alten Legenden von 2019 nicht zwingend über die NHL, aber über ihre langjährigen Karrieren und deren Söhne feiern einen weiteren Lysser Meistertitel. Zurück in die Gegenwart, da freuen wir uns auf eine neue Ära auf nationaler Ebene und auf Gegner wie Dübendorf, Basel, Wiki-Münsingen, Thun, Bülach, Düdingen oder Chur. In diesem Sinne «Hopp Lyss», denn der SC Lyss ist mehr als nur ein Club.

Michael Krein

Das doppelte Saisonende

Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.

Von Lyssern und Oltern

Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.

Meine physisch und psychisch härteste Saison aller Zeiten

Michael Krein

Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»

Von Olten nach Freiburg

Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.

Nach der Saison ist vor der Saison

Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.

Michael Krein

Der Schiri ist Stanley-Cup-Sieger

Sonntag Morgen, die Sonne scheint auf der Kunsteisbahn Hirzenfeld in Münchenbuchsee. Auf dem Eis kämpfen Piccolos und Moskitos beim traditionellen Raiffeisen Moskito-Turnier. Der Schiedsrichter pfeift eine Strafe gegen die Mannschaft des EHC Biel. Biel-Trainer Peter Steinegger, eine Legende des Seeländer Eishockeys, ist mit dem Entscheid nicht einverstanden und gibt dies dem Referee lauthals zu spüren.

Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen

Bei genauerem hinsehen, entpuppt sich der Unparteiische als ehemaliger Weltklassespieler, getarnt als Schiedsrichter. Die Spieler unserer Mannschaft erkennen den Schiri: «Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen», sagen die Dreikäsehoch. Langnau war einst seine erste Station, ehe er via Signau, Thun, wieder Langnau und Färjestads BK Karlstad, den Weg nach Übersee gewagt- und sich mit den Carolina Hurricanes 2006 den Stanley-Cup geholt hat.

Bei Langnaus Elite-Novizen

Martin «Tinu» Gerber will nicht etwa Schiedsrichter werden, nein, als Assistenzcoach von Langnaus Elite-Novizen, absolviert er im Rahmen des Trainerkurses die erforderlichen Einsätze als Schiedsrichter. Die Bieler Moskitos verlieren die hartumkämpfte Partie gegen unsere Mannschaft vom SC Lyss knapp mit 0:1 und Biel-Coach Steinegger wendet sich am Ende des Spiels nochmals an Gerber: «Gerber hat recht und hat das Regelwerk richtig befolgt», sagt Kult-Coach Steinegger mit einem lachen… …in der kleinen Welt des Eishockeys.

Bildergalerie

Michael Krein

Es sind die kleinen Dinge

Foto: Mit Simon Strecker und Marc Möri (1978 – 2019), beim DEL-Playoff-Spiel, Eisbären Berlin – Hamburg Freezers, am 13. März 2009 in der O2 World. (Krein)

Vor zwei Wochen habe ich einen langjährigen und guten Freund verloren, für seine Familie und seinen Freundeskreis gibt es in diesem Moment nichts was einem noch wichtig erscheint. Gegen einen solchen Rückschlag ist ein Spiel der 40. Runde, zwischen dem EHC Biel und den SC Rapperswil-Jona Lakers nur noch eine Randerscheinung, für alle im Stadion Anwesenden aber, ist es an diesem Abend das wichtigste Spiel auf der Welt.

Ein Eishockey-Unternehmen ist wie ein Leben eines Menschen, es vermittelt Liebe, Freude und Leidenschaft, bewältigt aber auch Krisen, Rückschläge und Tiefpunkte. Rapperswil-Jona und Biel haben sich beide aus dem zwischenzeitlichen Abstieg in die Swiss-League (Nationalliga B) wieder ins Oberhaus zurück gekämpft. Beide haben sich nach einer kurzzeitigen Klubfarben-Krise wieder erholt und zur ursprünglichen Identität zurück gefunden.

Vielleicht waren es genau diese Tiefschläge und Krisen, welche nötig waren die Organisation einen Schritt nach vorne zu bringen. Wenn ein Klub, durch Fehlentscheide und Misswirtschaft aber für immer verschwindet, gibt es kein zurück mehr. Deshalb sind es eben doch die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. So gesehen, ist die Partie der 40. Runde eben doch keine Randerscheinung, denn sie ist Teil unseres Lebens, welches wir in vollen Zügen und in jedem Moment geniessen müssen, auch wenn wir dies manchmal kurzzeitig vergessen.

Vorwort aus dem EHC Biel-Matchprogramm, Biel – Rapperswil-Jona, vom 26. Januar 2019

Michael Krein

Das verpasste NHL-Duell

Foto: Trafen in der NHL nie aufeinander, Reto Berra und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)

Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.

Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.

Erstes Duell nach der NHL-Karriere

Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.

Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.

Fünf Duelle vor der NHL-Karriere

Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.

In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.

Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.

Die Duelle Berra gegen Hiller
5. März 2006, 2:5 in Davos
3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz)
5. März 2007, 2:4 in Davos
8. März 2007, 1:3 in Zürich
10. März 2007, 0:3 in Davos
28. September 2018, 3:2 in Biel
16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg
7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg
8. Dezember 2018, 4:1 in Biel
5. Januar 2018 in Biel
16. Februar 2018 in Freiburg

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/berra/

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/hiller/

Michael Krein

Wenn Lysser in Rapperswil-Jona…

Am 23. Oktober 2018 schiesst Steve Mason innert 6 Minuten und 39 Sekunden seine National-League-Tore eins und zwei. Beide Treffer fallen im Powerplay und die Lakers gewinnen gegen Genf-Servette mit 4:3. Die Mason-Doublette zum 3:2 und 4:2 ist wegweisend für Rapperswil-Jonas zweiten Sieg im zwölften Spiel. Der holländisch-kanadische Doppelbürger spielt seit 2015 für die Lakers und kam während der Saison 2015-16 vom niederländischen Spitzenklub Tilburg Trappers in die Rosenstadt.

diese Karte habe ich auch noch

Vor dem Interview mit MySports frage ich den holländischen Internationalen, Mason bestritt fünf Weltmeisterschaften, ob er sich an seinen ersten Verein erinnern könne, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, «ja den SC Lyss.» Steves Vater Doug Mason wurde im Sommer 1992 vom damaligen NLB-Club Lyss als Nachfolger von Mike McParland verpflichtet, so unternahm «klein-Steve» im alter von vier Jahren bei den Lysser Bambinis die ersten Gehversuche auf dem Eis.

Einst gegen Rapperswil-Jona

Vater Doug wurde, in der schlechtesten Lysser NLB-Saison, mit nur einem Sieg nach neun Spielen im Oktober 1992 entlassen. Mason wurde im Heimspiel gegen den HC Thurgau, in der zweiten Drittelspause beim Stand von 0:4 seines Amtes enthoben. Dennoch erinnert sich Steve immer noch bestens an das kurze Gastspiel: «Diese Karte (siehe Foto) habe ich auch noch», sagt der freundliche Mittelstürmer der Lakers. Übrigens, den Saisonauftakt 1992 verloren die Lysser unter Coach Mason gegen Rapperswil-Jona mit 1:8.

Michael Krein

Wenn Stewart klingelt…

Patrick Glanzmann und Präsident Mathias Müller empfangen Cliff Stewart. (Myriam Koubâa)

Europapark Rust, irgendwo zwischen «Silverstar» und «Poseidon» erreicht mich eine Whatsapp-Nachricht meines einstigen Eishockey-Kollegen Jarno Michel. Der ehemalige Lyss-Trainer Cliff Stewart weilt für ein paar Tage in Lyss und wolle sich ein Training der ersten Mannschaft ansehen, ob ich ihm weiterhelfen könne. Natürlich stösst der ehemalige Torhüter und Spieler aus dem Lysser-Nachwuchs bei mir auf ein offenes Ohr, Cliff Stewart wurde 1980 als erster vollamtlicher Profitrainer in Lyss engagiert.

Langjähriger Lyss-Kontakt

Der 71-jährige Kanadier befindet sich auf Europa-Tour und besucht seine ehemaligen Wirkungsstätten, unter anderem war er auch an der Jubiläumsfeier im holländischen Geleen, wo er zwischen 1992 und 1997 als Headcoach bei den «Meetpoint Eaters» im Amt war. Sein Engagement in Lyss kam unter der Präsidentschafts-Ära von Peter Bangerter zustande. Nach nur einer Saison im Seeland, bleibt Stewart – der im Sommer 1981 zum EV Zug gewechselt hat – stets mit dem langjährigen OK-Präsident des Lysser Industriecups, Jürg Michel in Kontakt, der Vater meines aktuellen Whatsapp-Informanden.

Stewart richtet ein paar Worte an die 1. Mannschaft

Wenn Stewart 37 Jahre nach seinem Abgang die Lysser Seelandhalle betreten wird, dann muss dies in einem angemessenen Rahmen passieren. So kontaktiere ich noch aus dem Europapark den neuen Präsidenten Mathias Müller, welcher sofort alle Hebel in Bewegung setzt um die einstige Trainerlegende in Lyss zu empfangen. Bestenfalls hätte man Stewart zum Saisonauftakt gegen den HC St. Imier, am 29. September auf dem Eis begrüssen wollen, der Kanadier allerdings hat seinen Rückflug bereits einen Tag vorher gebucht.

Ein würdiger Empfang

So wird Stewart mit seiner Gattin Gloria am Mittwoch, 26. September, um 19 Uhr von Lyss-Coach Patrick Glanzmann und Präsident Müller zu einem Training des Fanionteams empfangen. In der Kabine richtet Stewart ein paar Worte an die jüngste Ausgabe des Schlittschuhclub Lyss. Stewart seinerzeit erreichte das Saisonziel «Aufstiegsspiele zur NLB» 1980-81 nicht. Übrigens, von Stewarts Mannschaft ist heute noch einer im Nachwuchs-Trainerstaff tätig, Novizen-Trainer und Eisplaner Urs Christen. Vor lauter hektik wird beinahe noch das Erinnerungsfoto für «Socialmedia» vergessen. Die fleissige Club-Sekretärin, womöglich durch eine Info aus dem Europapark beauftragt, eilt noch rechtzeitig vorbei. Stewarts Europa-Tournee geht in Lyss zu Ende, meine im «holländischen Teil» des Europaparks…

Michael Krein

Die Genfer Energy-Line

Lance Bouma und Tommy Wingels beim Torjubel 2017-18 für die Chicago Blackhawks. (Mark J. Rebilas-USA TODAY Sports)

Genf-Servettes nordamerikanische Neuzugänge Lance Bouma und Tommy
Wingels haben zusammen 868 NHL-Partien bestritten. Bouma und Wingels haben

in der letzten Saison beide in Organisation der Chicago Blackhawks gespielt.

Beide wurden noch vor den Playoffs transferiert. Bouma in die American-Hockey-
League zu den Rockford IceHogs und Wingels nach Boston. Beide waren vorher über mehrere Jahre Stammspieler in der besten Liga der Welt.

Die Energy-Line

Die beiden Powerstürmer spielten bei den Blackhawks in der vierten Reihe, der
«Energy-Line», wie Headcoach Joel Quenneville die Reihe mit Bouma, Wingels
und John Hayden bezeichnet hat. Neben ihrem physischen Spiel, steuerten die drei Energie-Spieler zusammen auch 34 Skorerpunkte bei.

Nach der Versetzung ins Farmteam, folgt nun der logische Schritt nach Europa,
für Bouma ist Genf die erste Station auf dem alten Kontinent. Wingels hat den
Lockout 2012-13 in der zweiten finnischen Liga bei KooKoo Kouvola verbracht.
Michael Krein

Wenn sich IFK und Jokerit in Küssnacht heimlich duellieren

Warten gespannt auf ihren nächsten Einsatz, die Spieler mit den Rückennnummern 15, 14 und 16. (Michael Krein)

Antti Törmänen und Waltteri Immonen haben zwischen 1990 und 1998 sieben Jahre zusammen beim finnischen Topklub Jokerit Helsinki verbracht. Seit 2008 ist Immonen als Assistenztrainer in der Schweiz tätig, Törmänen kam drei Jahre später zum SC Bern. Heute stehen die zwei Finnen bei Kloten und Biel an der Bande.

Szenenwechsel: Es ist Samstag, sieben Uhr in der Früh, die ersten Eltern treffen mit ihren Kindern in der Rigihalle in Küssnacht ein. Eines von zahlreichen Piccolo-Turnieren, welches Wochenende für Wochenende auf allen Eisbahnen in der Schweiz über die Bühne geht. Erstmals dabei beim Küssnachter SC ist ein Jungtrainer, gleichzeitig spielt der Mann mit «Jokerit Helsinki» Baseballcap im Fanionteam in der 2. Liga.

 Tragen die Spieler ihre echten Namen auf ihren Trikots?

Der Jungtrainer mit der Jokerit-Mütze ist der Sprössling von Waltteri Immonen. Doch er ist nicht der einzige Finne, welcher an diesen Samstag Vormittag in der Rigihalle im Einsatz steht. Bei den Piccolos des SC Lyss steht ebenfalls ein Finne auf dem Matchblatt, dabei handelt es sich um den jüngeren Sohn des Trainers der 1. Mannschaft des EHC Biel. Biel und Lyss arbeiten bei den jüngsten zusammen, so gehören solche Aufgebote zur Tagesordnung. Törmänen Junior trägt sogar noch die Stulpen von IFK Helsinki, dem letzten Klub, vor Papas Wechsel ins Berner Seeland.

Ein aufmerksamer Gegenspieler Küssnachts, neben Törmänen stehend, will mehr wissen und fragt erstaunt: «Tragen die Spieler ihre echten Namen auf ihren Trikots?» Ob dies dem Küssnachter Assistenten finnischer Herkunft ebenfalls aufgefallen ist? Vermutlich nicht, warum auch, denn Riki Immonen hat immer in der Schweiz gespielt. So duellieren sich «heimlich» die Söhne aus der finnischen Hauptstadt im schweizerischen Küssnacht, in der Schweizer-Nachwuchsausgabe mit dem besseren Ende für «Jokerit».

Michael Krein

Vier Schweizer im Draft 2018 gezogen

Der Bündner Nico Gross wurde im Draft 2018 als erster Schweizer gezogen. (Goodall Media/oshawagenerals.com)

Mit Nico Gross, Philipp Kurashev, Akira Schmid und Tim Berni wurden beim NHL-Draft in Dallas vier Schweizer gezogen. Zwischen 1976 und 2018 wurden bisher 69 Spieler aus der Schweiz im Draft berücksichtigt. Als Nummer eins wurde der schwedische Verteidiger Rasmus Dahlin von den Buffalo Sabres ausgewählt. Dahlin ist nach Mats Sundin (1989), erst die zweite Nummer eins aus dem Land des Weltmeisters. Der 18-Jährige spielt für die Frölunda Indians in Göteborg und wurde bei der U20-WM zum besten Verteidiger ausgezeichnet.

Dritter Schweizer der Rangers

Als erster Schweizer wurde Nico Gross in der vierten Runde als Nr. 101, von den New York Rangers gezogen. Der Verteidiger in Diensten der Oshawa Generals, kam in der Ontario-Hockey-League in 63 Spielen auf 14 Skorerpunkte. Der St. Moritzer hat drei U18 Weltmeisterschaften- und zwei U20 WM-Turniere bestritten und spielte in der Schweiz zuletzt bei der EV Zug Academy. Bei den New York Rangers ist Gross, nach Sven Helfenstein (2000) und Philippe Furrer (2003) der dritte Schweizer Draftpick der Geschichte.

Gross, Kurashev, Schmid und Berni sind die NHL-Drafts Nummer 66 bis 69

Philipp Kurashev kam ebenfalls in der vierten Runde, als Nummer 120 der Chicago Blackhawks zum Zug. Der Sohn von Chur-Trainer Konstantin Kurashev spielt seit zwei Jahren in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League bei den Quebec Remparts. Der Stürmer kam dabei in 134 Spielen auf 122 Skorerpunkte. Bei Chicago ist der Junioren-Internationale, nach Lars Weibel (1994), Reto von Arx und Arne Ramholt (beide 2000), der vierte gezogene Schweizer, wobei nur Von Arx zu NHL-Einsätzen gekommen ist.

Auf Senn folgt Schmid

In der fünften Runde wurde Langnaus Goalie-Talent Akira Schmid von den New Jersey Devils als Nummer 136 ausgewählt. Die Organisation von Nico Hischer und Mirco Müller, wählte mit Gilles Senn (Davos) schon im vergangenen Jahr einen Torhüter aus der National-League. Schmid kam in der vergangenen Saison in sechs Mannschaften zum Einsatz. Neben dem U18, U19 und U20 Nationalteam, wurde der 18-Jährige bei Langnaus Elite-Junioren, beim Partnerteam EHC Thun und für eine Partie der SCL Tigers (22. März 2018) in der National-League eingesetzt. Bei den Devils ist Schmid, nach Mauro Jörg (2010), Hischer und Senn der vierte gedraftete Schweizer.

Berni nach Columbus

Als vierter und letzter Schweizer wurde Tim Berni in Runde sechs von den Columbus Blue Jackets als Nummer 159 ausgewählt. Der Verteidiger der ZSC Lions kam in 15 Playoff-Spielen beim Schweizermeister zum Einsatz und absolvierte die U20 WM in Buffalo. Für Columbus ist Berni, nach Raffaele Sannitz (2001) und Calvin Thürkauf (2016) erst der dritte berücksichtigte Schweizer in der aktuellen Organisation von Dean Kukan.

Deutscher in erster Runde

Der deutsche Dominik Bokk wurde von den St. Louis Blues in der ersten Runde als Nummer 25 gewählt. Der 18-Jährige Stürmer der Växjö Lakers ist, nach Olaf Kölzig (1989), Marco Sturm (1996), Marcel Goc (2001) und Leon Draisaitl (2014), erst der fünfte Deutsche, der in der ersten Runde des Drafts gezogen wurde. In der letzten Runde als Nummer 170 der Florida Panthers, wurde mit Justin Schütz ein zweiter Deutscher ausgewählt.

Michael Krein

Die Hockeygötter bei den Briten

Grossbritannien kehrt nach 25 Jahren wieder auf die Weltbühne zurück. (TeamGBicehockey, Twitter)

Hochspannnung herrscht vor der letzten Runde der «B-WM» oder der «Division 1-A-WM» in Budapest. Fünf von sechs Mannschaften können noch aufsteigen. Die Konstellation ist kompliziert, Grossbritannien liegt mit neun Punkten auf dem ersten Platz, gefolgt vom Quartett aus Italien, Kasachstan, Slowenien und Ungarn mit je sechs Zählern. Als Absteiger stehen einzig die Polen fest, welche im kommenden Jahr durch Litauen ersetzt werden.

Fünf Teams können aufsteigen

In der Ausgangslage haben die Briten die besten Karten, denn ihnen genügt ein Punkt nach 60 Minuten, alle andern brauchen einen Sieg. Im Mittagsspiel legt Kasachstan mit einem 6:1-Sieg über Polen vor. Am Nachmittag nehmen die Slowenen beim Stand von 3:3 gegen Italien ihren Torhüter aus dem Kasten und kassieren zwei Sekunden vor Schluss das 3:4.

Vor dem Abschlussknüller zwischen Gastgeber Ungarn und Neuling Grossbritannien, haben drei Mannschaften neun Zähler auf dem Punktekonto. Grossbritannien, Italien und Kasachstan. Der Gastgaber benötigt deshalb einen Sieg um einen von zwei Aufstiegsplätzen zu ergattern. Bei einem Sieg der Magyaren hätten die ersten vier Teams je neun Punkte, in den Direktbegegnungen würden Kasachstan und Ungarn aufsteigen.

Nach 25 Jahren kehren die Briten wieder auf die Eishockey-Weltbühne zurück

Die Ungarn legen vor 7’870 Fans in der vierten Minute durch einen Powerplay-Teffer durch Christopher Bodo vor, doppeln in der 42. Minute durch Csanad Erdely nach und legen den Grundstein für den Aufstieg. Doch die Briten kommen zurück, mit dem Anschlusstreffer in der 52. Minute durch Robert Dowd, auf Zuspiel des Ex-Langnauers Brendan Brooks. Drei Minuten vor Schluss können die Ungarn zu einem, durch Robert Farmer verschuldeten, Penalty anteten und den Aufstieg klarmachen.

Es scheint als tragen die Hockeygötter an diesem Abend ein britisches Trikot. Ben Bowns pariert und die Briten erkämpfen, mit sechs Feldspielern und ohne Torhüter, 15 Sekunden vor Schluss durch eben diesen Farmer den sensationellen Ausgleich. Zu diesem Zeitpunkt sind die Briten und die Italiener, durch den Sieg im Direktduell gegen Kasachstan, wieder A-Klassig. Was für ein Krimi, bei dem die Squadra Azzuara, mit den «Schweizern» Diego Kostner, Tommaso Goi und Luca Zanatta als Zuschauer in der ausverkauften Laszlo-Papp-Arena auch noch in den letzten 15 Sekunden, die Ungarn bringen die Scheibe noch zweimal in den britischen Torraum, mitzittern müssen.

Im Durchmarsch

Erst vor Jahresfrist sind die Briten aus der «Division-1-B-Gruppe» in die Division-1-A-Gruppe aufgestiegen, nun folgt der direkte Wiederaufstieg. Gleiches gelang den Briten schon beim letzten Aufstieg ins Oberhaus 1993 in Eindhoven, damals marschierte die Mannschaft von Coach Alex Dampier ebenfalls auf direktem Weg von der C- in die A-WM. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die jüngste Britische Ausgabe nur vier eingebürgerte Kanadier in seinen Reihen hat, dies dürfte den grössten britischen Spieler aller Zeiten, Tony Hand besonders erfreuen.

Die «kanadisierung» des britischen Eishockeys in den 90er Jahren, hat der Ausnahmekönner und erste NHL-Draftpick von der Insel, stets bemängelt und hat sich zeitweise sogar geweigert fürs Nationalteam zu spielen. Beim letzten Aufstieg 1993 standen neben Hand, 13 Akteure kanadischer Herkunft im Kader. Damals mit dabei war der Verteidiger Michael O’Connor, ein eingebürgerter Kanadier der Durham Wasps. Sein Sprössling Ben O’Connor, geboren in Durham, gehört in Budapest als echter Brite mit sechs Skorerpunkten zu den Schlüsselspielern der grossartigen Mannschaft von Coach Peter Russell.

Das Aufstiegsteam 2018: Ben Bowns (Cardiff), Jackson Whistle (Belfast); David Phillips (Sheffield), Ben O’Connor (Sheffield), Dallas Ehrhardt (Manchester), Mark Richardson (Cardiff), Stephen Lee (Nottingham), Paul Swindlehurst (Manchester), Zach Sullivan (Braehead); Brett Perlini (Nottingham), Robert Farmer (Nottingham), Colin Shields (Belfast), Robert Lachowicz (Nottingham), Oliver Betteridge (Nottingham), Jonathan Phillips (Sheffield), Robert Dowd (Sheffield), Mike Hammond (Manchester), Brendan Brooks (Braehead), Benjamin Davies (Guildford), Matthew Myers (Cardiff), Liam Kirk (Sheffield), Luke Ferrara (Coventry); Peter Russell; Adam Keefe, Corey Neilson.

Der Weg der Briten in die WM-A-Gruppe
Kroatien 4:2 (2017)
Estland 5:1 (2017)
Litauen 5:1 (2017)
Niederlande 14:0 (2017)
Japan 4:0 (2017)
Slowenien 3:1
Kasachstan 1:6
Polen 5:3
Italien 4:3
Ungarn 3:2 nP

Michael Krein

Von Fankulturen und Draft-Kandidaten

Folgt auf Jonas Siegenthaler bald ein weiterer Zürcher ins Camp der Washington Capitals? (russianmachineneverbreaks.com)

Tissot-Arena in Biel, die Pressekonferenz wurde von den beiden Presse-Verantwortlichen Sandro Frei und Silvan Andrey abgehalten, da betritt ein gut gekleideter, älterer Herr den Presseraum. Höflich bittet er den Pressechef um eine Aufstellung. Wer noch spät im Presseraum herumlungert, bemerkt den nicht alltäglichen Gast und erkennt ihn durch seine englische Sprache. Sofort ist klar, die Scouts aus der National-Hockey-League bummeln wieder durch die europäischen Stadien, allerdings trägt er ein Logo von ZSKA Moskau auf seiner Jacke.

Eigentlich nichts spezielles und dennoch fragt man sich, wen beobachtet er? Was notiert er? Welcher Akteur imponiert ihm? Auf der Pressetribüne, wie könnte es auch anders sein, nimmt der freundliche, ältere Herr neben mir Platz und fragt vorher ob dieser Sitz noch frei sei. Im Smalltalk gibt Danny Brooks einiges Preis: Als Scout der Washington Capitals tourt er einige Wochen durch Europa, zum Playoff-Beginn weilt er noch in der Schweiz, dann geht er eine Woche nach Schweden.

Europäisches Nashville

Auf die Frage wen er den heute Abend beobachtet, zeigt sich der Scout, wie erwartet bedeckt, „i look for everyone“, sagt er lachend. Er füt hinzu, dass ihm die europäscihe Stadion Atmosphäre imponiert, seine Tochter und seine Frau, wären sie hier, würden sie mitten in der Stehrampe stehen. Statt über mögliche Kandidaten für die Capitals, unterhalten wir uns über die unterschiedliche Fankultur zwischen Europa und Nordamerika. „Am ehesten kommt Nashville an die Stimmung der Europäer, in Nashville ist das Publikum frenetischer als in der NHL üblich“, sagt Brooks weiter.

„i look for everyone“

Und Brooks weiss wovon er spricht, als Spieler hat er in den neunziger Jahren in Grossbritannien gespielt und als Assistenztrainer war ein Jahr in der Kontinental-Hockey-League bei ZSKA Moskau tätig. Zurück zum Spiel: Die Intensität gefällt ihm, auf dem Eis gehts ziemlich zur Sache, die Bieler führen nach 40 Minuten mit 2:0 und ein erster Vorgeschmack auf die Playoffs ist zu spüren. Am Montag besucht er das „Rückspiel“ in Zürich oder das 50. und letzte Qualifikationsspiel.

Erste Saison für Siegenthaler

Washington hat sich 2015 die Rechte von Zürichs Jonas Siegenthaler gesichert und ihn im Draft in der zweiten Runde als Nummer 57 gezogen. Man sei in sehr zufrieden mit Siegenthaler sagt Brooks weiter. Nach zwei Stippvisiten, bestreitet der 20-jährige Verteidiger seine erste „ganze“ Saison in Nordamerika und ist im AHL-Team der Hershey Bears parkiert. In Hershey ist Siegenthaler, nach David Aebischer und Timo Helbling, erst der dritte Schweizer in der 80-jährigen Klubgeschichte.

In der Schweiz ist Brooks kein unbekannter, im Juli 2014 sorgte der irisch-amerikanische Doppelbürger beim SC Bern für kuriose Schlagzeilen. Nachdem Brooks als Assistent von Guy Boucher verpflichtet wurde, wurde das Engagement nach knapp einer Woche wieder aufgelöst. Brooks, der bereits zwei Jahre als Assistent von Boucher in Drummondville tätig war, soll gleichzeitig in Frankreich einen Vertrag unterschrieben haben.

Michael Krein

Wenn Törmänen auf Jalonen trifft

Antti Törmänen trifft als Biel-Trainer erstmals auf seinen Landsmann Kari Jalonen und den SC Bern. (Hervé Chavaillaz)

Am 13. Januar 2018 trifft der EHC Biel-Coach Antti Törmänen im Rahmen der National-League zum ersten Mal wieder auf den SC Bern. Am 22. November 2013 hat Törmänen mit dem SCB seine letzte NLA-Partie gegen Biel mit 1:4 verloren. Bei Törmänens Comeback am 12. Dezember 2017 gegen den HC Lausanne siegte Biel wieder mit 4:1. Der Auftakt unter dem ersten finnischen Trainer in Biel ist mehr als geglückt. In den ersten neun Spielen unter dem Finnen haben die Seeländer sieben Partien gewonnen, gepunktet haben die Bieler sogar in jedem Spiel seit Törmänens Ankunft.

Vier Jahre Gegner in der finnischen «Liiga»

Mit Samuel Kreis und Julian Schmutz stehen zwei Spieler im Kader, welche schon unter Törmänen in Bern gespielt haben. Keine gemeinsame Vergangenheit haben die finnischen Headcoaches von Biel und Bern. Die beiden kennen sich aus der finnischen «Liiga», damals noch «SM-Liiga», nur als Gegner. Zwischen 1990 und 1994 traf Kari Jalonen mit TPS Turku und Lukko Rauma während vier Saisons auf Antti Törmänen und Jokerit Helsinki. Beide konnten in dieser Zeit je zwei Meistertitel feiern: Jalonen 1991 und 1993 mit Turku, Törmänen 1992 und 1994 mit Jokerit. Allerdings trafen die beiden erst 1994 im Halbfinal zwischen Jokerit und Rauma erstmals in den Playoffs, mit dem besseren Ende für den aktuellen Biel-Trainer, aufeinander.

Michael Krein

Der 27. Dezember, kein gewöhnlicher Tag

Ein kleiner, zwölfjähriger Junge sass am 22. Februar in einer Ferienwohnung in Saas Fee vor dem Fernseher. Eigentlich hätte der Junge längst schlafen sollen, denn es war schon 23 Uhr, und die Frage ob er sich das Eishockeyspiel der Amerikaner gegen die Sowjets anschauen dürfe, wurde von seinem Vater, dem späteren Präsidenten des SC Lyss positiv beantwortet. So wird der Moskito-Spieler Zeuge des grössten Eishockeywunders aller Zeiten, dem „Miracle on Ice.“ Denn die Nacht vom 22. auf den 23. Februar war keine gewöhnliche Nacht. Für den Eishockey-Sport und für den zwölfjährigen Jungen nicht. Es war der Tag, an dem das Team USA, ein zusammengewürfelter Haufen namenloser College-Boys mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren, bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid für den wohl grössten Moment in der Geschichte des Eishockeys- und einen der grössten Sensationen in der Geschichte des Sports sorgte, an dem ein paar Studenten die unbesiegbare Sowjetunion mit 4:3 besiegten.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste, der zwölfjährige Junge wird später als Rekordspieler des SC Lyss in die Annalen eingehen und bestreitet alle 178 Nationalliga-B-Spiele in der erfolgreichsten Zeit des Seeländer Vereins. Das Wunder von Lake Placid hat nicht nur den Lysser Kultspieler Noël Gerber geprägt, sondern rückwirkend auch seinen heutigen Assistenztrainer bei den Lysser Bambini, allerdings war dieser damals gerade mal zweieinhalb Jahre alt und hat das Wunder von Lake Placid nicht mal im Traum mitbekommen.

Von Lake Placid nach Bern

Die beiden Nachwuchstrainer stehen am 27. Dezember 2017 angespannt im „Bären Graben“ der PostFinance Arena, ihre Mannschaft wird in Kürze den Final des NOVO-Future-Cup bestreiten, dem wohl prestigeträchtigsten Bambini-Turnier in der Region. Noch nie konnte eine Lysser Nachwuchs-Mannschaft den Pott ins Seeland holen, im Final standen die Lysser aber schon im Vorjahr. Doch auch der 27. Dezember 2017, scheint kein gewöhnlicher Tag zu sein. Ähnlich wie die US-Boys vor knapp 28 Jahren, sind auch die Lysser ein zusammengewürfelter Haufen namenloser Unterstufenschüler. Zwei Stürmer und der Torhüter kommen aus Biel, ein Stürmer aus Zuchwil, der Kern aber stammt aus der Nachwuchsabteilung des SC Lyss, welcher auf der untersten Stufe eine Partnerschaft mit dem grossen Nachbar pflegt.

Herb zu Craig: „ich habe kein gutes Gefühl“, Craig zu Herb: „ich auch nicht“

Die Aufgabe ist nicht einfach, denn Auftaktgegner HC Dragon Thun, eine Mannschaft gegen die es während der Meisterschaft meistens nichts zu holen gibt, wurde schon Morgens um neun mit 6:1 geschlagen. Der Gegner aus dem Oberland teilt auch noch die gleiche Kabine wie die Mannschaft aus Lyss. Trotz der Auftaktniederlage haben sich die Thuner während des Turniers von Spiel zu Spiel gesteigert und das entscheidende Spiel um den Finaleinzug gegen den Lokalmatador SC Bern gewonnen. Und Lyss? Die Lysser haben ihre letzten drei Vorrundenspiele nach belieben mit 4:0, 10:0 und 11:1 dominiert. Es ist als trifft der Qualifikationssieger auf den Achtplatzierten und wie wir aus der Geschichte kennen, ist das kein leichtes Unterfangen, gibt es doch unzählige Beispiele über das Scheitern des Favoriten in der ersten Playoffrunde.

Sind die U9-Spieler wirklich bereit? Können sie im entscheidenden Moment wieder einen Gang höher schalten, fragen sich Herb“ und „Craig“. In Anlehnung an den 22. Februar von 1980 nennen wir die beiden Coaches „Herb“ Brooks (Gerber) und „Craig“ Patrick (Krein). Die Kinder zeigen keine Anzeichen von Nervosität und sind sich ihres Sieges ziemlich sicher und genau das beunruhigt das Trainerduo. Sind die beiden schon zu lange im Eishockeygeschäft? Denn bekanntlich gewinnt man am gleichen Turnier fast nie zweimal gegen den gleichen Gegner.

Ein grosser Schritt für den SC Lyss

Beide erinnern sich an Brooks‘ Rede vor dem Spiel gegen die Sowjetunion und kommen ins grübeln: „Was erzählen wir einer Bambini-Mannschaft?“ Herb zu Craig: „ich habe kein gutes Gefühl“, Craig zu Herb: „ich auch nicht“, die Nervosität der beiden Coaches darf sich nicht auf die zusammengewürfelte Truppe übertragen. Diese legt sich auch nicht während der langgezogenen Final-Zeremonie, die Bambini können in der PostFinance Arena einlaufen wie dies jeweils die „Grossen“ tun, mit Feuer, Flamme und Bärengebrüll – dies wird sie ein „Leben“ lang prägen. Die Jungs laufen ein wie die College-Boys 1980 im Olympic Fieldhouse, die Gesichter sind voller Zuversicht und Unbekümmertheit, der „Wille“ zu gewinnen ist grösser als die „Angst“ vor dem verlieren. Nur im Ansatz können die Coaches erahnen, wie schwierig es sein muss bei einem Profiteam an der Bande zu stehen.

Wie einst die Sowjets, beginnen die Thuner furios und gehen Zeitgleich mit dem ersten, weinend auf die Bank zurückkehrenden Lyss-Spieler mit 1:0 in Führung. Zum ersten Mal sind die Lysser im Rückstand. Doch die Mannschaft lässt sich, wie die Amerikaner am 22. Februar, nicht aus der Ruhe bringen und gleicht sofort aus. Es scheint als sei ein kleiner Funken der Gold-Boys von Lake Placid knapp 28 Jahre später nach Bern gesprungen, die Sowjets aus Thun werden mit 4:1 bezwungen. Für den zusammengewürfelten Lysser-Haufen geht der 27. Dezember in die Geschichte ein, denn es ist ein grosser Schritt für die Lysser und ein kleiner Schritt für die Eishockey-Welt.

Michael Krein

Herisauer Meisterhelden wieder vereint

Drei Herisauer auf einen Streich: Beat Forster (links), Jonas Hiller und Thomas Nüssli (SCL Tigers) beim Bieler Heimauftakt 2017-18. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Es gilt bis heute als kuriosestes Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte. Im Weltmeisterschafts-Viertelfinal in Quebec, am 14. Mai 2008, bezwingt Philippe Furrer mit einem Slapshot seinen eigenen Torhüter Martin Gerber und bringt Russland noch im ersten Drittel mit 3:0 in Führung.

Was hat der 14. Mai 2008 mit dem EHC Biel zu tun? An diesem Tag bestreiten die beiden Herisauer Beat Forster und Jonas Hiller (er wird in der 27. Minute, beim Stand von 0:5, für Gerber eingewechselt) ihr letztes gemeinsames Pflichtspiel. Vorher absolvieren die beiden vier gemeinsame Profi-Saisons mit dem HC Davos und die WM 2007 in Russland.

Gemeinsam Meister mit Herisau

Forster und Hiller stammen beide aus der Nachwuchsabteilung des SC Herisau und spielen schon 1990 zusammen bei den Piccolos, später gehören sie zu den Teamstützen bei Herisaus Elite-Novizen. welche unter Trainer Marcel Bruderer sensationell den Schweizermeistertitel ins Appenzell holen. Neben Forster und Hiller gehören auch die Ex-Bieler und aktuellen Langnauer Thomas Nüssli und Emanuel Peter zu Herisaus Meisterkader 1997-98.

Hiller und Forsters erstes gemeinsames Pflichtspiel seit neun Jahren

Im Sommer 1999 wechselt Forster nach Davos, Hiller folgt dem Weg ins Bündnerland erst ein Jahr später. 2001 wird Forster von den Phoenix Coyotes als Nummer 78 gedrafted und Hiller wird übergangen. Auch Peter (Nr. 142) und Nüssli (Nr. 277) werden 2002 im Draft gezogen. Eine NHL-Karriere macht aber nur der im Draft übergangene Hiller, der sich in 404 NHL-Spielen in neun Saisons zum Dollarmillionär entwickelt.

Schon im ersten NLA-Spiel siegreich

Ihre erste gemeinsame NLA-Partie bestreitet das Appenzeller-Duo am 17. September 2004 mit dem HC Davos gegen den HC Lugano, vor 6’333 Zuschauern bezwingen sie die Tessiner mit 3:2 und Forster erzielt in der 58. Minute das «Game-Winning-Goal.» Durch den NHL-Lockout stehen auch die NHL-Stars Rick Nash und Joe Thornton erstmals auf Davoser Eis. Siegreich sind Forster und Hiller auch bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt seit neun Jahren, beim 3:0-Auswärtssieg am 8. September 2017 in Kloten. Forster spricht in Biel sogar vom Meistertitel, auch für Herisaus Novizen schien dies einst unmöglich…

Michael Krein

Von Boulogne-Billancourt bis Bercy

Foto: Ehrfurcht in der legendären Eisbahn des ACBB Paris. (Rolf Pfeiffer)

Paris und Eishockey? Im Vorfeld der Weltmeisterschaft hält sich die Freude nach Paris zu reisen in Grenzen, nicht nur wegen der Terroranschläge, sondern auch weil in Paris kein WM-Fieber entfacht werden könne oder wie es ZüriWest im Song «Paris» treffend formuliert: «Schiss-Paris». Es ist Sonntag, die Sonne scheint, in der Brasserie Jean Baptiste in Boulogne-Billancourt gibts bereits um 11 Uhr keine Croissants mehr, die Bedienung kommt «tout-de-suite», «sofort» heisst im Pariser Aussenquartier geschlagene 20 Minuten. 1,7 Kilometer entfernt steht die Patinoire de Boulogne-Billancourt, vor rund 60 Jahren ist dies Dreh- und Angelpunkt des französischen Eishockeys. Der Athletic-Club Boulogne-Billancourt (ACBB) wird hier im Dezember 1955 vom Pariser Unternehmer Philippe Potin aus der Taufe gehoben.

Boulogne-Billancourt

Die Eisbahn, inmitten eines verschlafenen Quartiers erinnert noch heute an die alte Zeit, nur anhand der parkierten Autos bewegt man sich in Gegenwart. Die gut erhaltene und teilweise renovierte Eishalle hat ihren Charme der 50er Jahre nicht verloren, eine Vitrine erinnert an die grossen Erfolge der Vergangenheit, 1959 gastieren mit den Boston Bruins und New York Rangers sogar zwei NHL-Teams. Es ist gut vorstellbar, wie es in den 60er Jahren kurz vor Spielbeginn ausgesehen haben könnte, mit Stürmer Elvin Friedrich und Torhüter Jean Ayer würden wir* zwei Schweizer-Söldner gegen den HC Chamonix spielen sehen. Friedrich und das Frankokanadische Starensemble holt in seiner Blütezeit drei französische Meistertitel und drei Spenglercup-Siege, ehe die legendäre Mäzenin Madame Janine Potin ihre Meistertruppe mit Friedrich nach Villars verlegt.

Spieler aber keine Klubs

Paris ist eishockeytechnisch wichtiger als es scheint, ist aber in der Gegenwart tatsächlich in Vergessenheit geraten. In der obersten französischen Spielklasse, der Ligue Magnus, ist seit dem Abstieg des Pariser-Vorortklubs Jets de Viry-Châtillon im Jahr 2001 kein Klub mehr vertreten. Der letzte Pariser Meistertitel der Français-Volants Paris liegt bereits 28 Jahre zurück, die «Flügel» spielen aktuell in der Anonymität der dritthöchsten Spielklasse. Noch tiefer ist der ACBB Paris gefallen, der ehemalige Spitzenclub spielt noch eine Klasse tiefer als die Français-Volants. Im WM-Kader von Coach Dave Henderson stehen immerhin drei Spieler aus der Nachwuchsabteilung von Viry, Stéphane und Teddy Da Costa, sowie Yohann Auvitu, dazu kommen die in Paris geborenen Antonin Manavian und Ronan Quemener, dies sind 20% der «Equipe-Tricolore».

„Paris ist eishockeytechnisch wichtiger als es scheint“

Michael Krein

Durch die WM will der französische Verband den Eishockeysport in Paris wieder ankurbeln, doch die Begeisterung hält sich, trotz der guten Auftritte der «les Bleus», in Grenzen, die Zuschauerzahlen sind schlecht, selbst die Spiele Frankreichs (alle als «trois etoiles» Spiele deklariert und somit die teuerste Kategorie) sind nie ausverkauft. Auch der Bierkonsum hat im Stadion keinen Platz und eine alkoholfreie Brühe kostet 10 Euro. Dafür gibts rund ums Stadion an der Rue de Bercy viele «Brasserien», unser* Favorit ist die Brasserie les Spectacles mit dem Zaubertrank «Pelforth Blonde», welches der Schweizer Fan-Delegation, den Holländern des Eishockeys, ausgiebig ausgeschenkt wird. Ausserhalb von Bercy ist nichts von der WM zu sehen, an einem Schaufenster an der Champs-Élyssés ist eine kleine Werbung zu sehen, welche aber nur den scharfsinnigsten unter den Hockey-Affinen ins Auge sticht. Dabei steht Paris am 15. Mai 1908 im Zentrum des internationalen Eishockeys, an der Rue de Province 34 wird der IIHF als Ligue Internationale de Hockey sur Glace (LIHG) durch die Landesverbände Belgien, Grossbritannien, Schweiz und Frankreich gegründet. Der Französische Verbandspräsident Louis Magnus (nach ihm sind die Liga und der Meisterpokal in Frankreich benannt) ist zugleich erster IIHF-Präsident. Seit 2007 wird der französische Cup-Final in der AccorHotels Arena vor jeweils fünfstelliger Zuschauerkulisse ausgetragen.

Eisgenossen und Schweizergardisten

Mit Andres Ambühl als erster Schweizer WM-Torschütze seit des letzten WM-Treffers 1951 durch Ueli Poltera (Arosa), trifft erneut ein Bündner auf Pariser Boden. Die jüngste Schweizer Ausgabe ist auf dem besten Weg in die Fussstapfen ihrer Vorgänger zu treten, welche vor 66 Jahren unter Headcoach Bibi Torriani die Bronze-Medaille nachhause bringen. Die Mannschaft von Patrick Fischer spielt ihre zweitbeste Vorrunde der Neuzeit und steht im Viertelfinal, nur noch beim WM-Silber 2013 war man vor der Endrunde besser klassiert. Nach einem mirakul(ix)ösen (mit Verdacht auf gallischen Zaubertrank) 3:2-Sieg über Kanada, gelingt einen Tag später beinahe (der Zaubertrank hat nachgelassen) noch der erste WM-Sieg über Finnland seit 1972. Eisgenossen und «Schiss-Paris», eine Wort-Kombination welche im «Vocabulaire» des Eishockeys nicht existiert. In diesem Zusammenhang müssen die Eisgenossen wohl mit den Schweizergardisten verwechselt worden sein, welche während der französischen Revolution auf dem heutigen Place de la Concorde mehr als nur Haare lassen mussten. Apropos rollende Köpfe, an der «gallischen» WM müssen ausgerechnet die Römer wieder in die Zweitklassigkeit absteigen.

Schweizer Resultate in Paris
1951: Norwegen 8:1, Grossbritannien 7:1, Finnland 4:1, Schweden 3:3, Kanada 1:5, USA 5:1
2017: Slowenien 5:4 nP, Norwegen 3:0, Frankreich 3:4 nP, Weissrussland 3:0, Kanada 3:2 nV, Finnland 2:3 nV, Tschechien 3:1, Schweden 1:3

*Eindrücke und Erlebnisse von Rolf Pfeiffer und Michael Krein, unterstützt durch Pelforth

Michael Krein

eishockeyblog als „Experte“ im Owayo Magazin

Michael Krein