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Archiv des Autors

Retro-Wick und der SEGA-Mega-Drive

Im Retro-Spiel 2016 erzielt Roman Wick den schnellsten Hattrick der Lions-Geschichte. (Foto: ZSC Lions)

Im Retro-Spiel 2016 gegen den HC Genf-Servette erzielt Roman Wick den schnellsten Hattrick der Lions-Geschichte. (Foto: www.zsclions.ch)

Einmal pro Saison laden die ZSC Lions zu einem Retro-Spiel, wo die Lions in einem Trikot – welches durch eine Abstimmung der Fans bestimmt wird – aus vergangenen Zeiten antreten. In der jüngsten Ausgabe treten die Zürcher im Trikot aus den Saisons 1992-94 gegen den HC Genf-Servette an. Das schwarze Trikot von damals war von Adidas und trug die Sponsorenschriftzüge «Inag» und «Lehmann», Hosensponsor von damals war der japanische Softwareentwickler und Spielkonsolenhersteller «SEGA». Die besten Spieler jeder Heimpartie wurden jeweils mit einer SEGA-Mega-Drive Spielkonsole ausgestattet. Die Kinder der 70er und 80er Jahre sind damit bestens vertraut, eishockeytechnisch sind «EA-Hockey» oder «NHLPA Hockey ’93» Kult.

tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman

Zu jener Zeit, dümpelte Zürichs Retro-Gegner Genf-Servette noch in der Gruppe 3 der 1. Liga, dies ist nicht abwertend gegenüber der Amateurliga gemeint, rum. Auf dem Match-Magazin des Retro-Spiels 2016 ist Roman Wick abgebildet, als ob die Verantwortlichen der Lions oder Stadionspeaker Giovanni «Giovi» Marti dies hätten vorausahnen können. Als Zürichs Topskorer Wick in der 27. Minute das 3:1 erzielt skandiert Marti Wicks Namen gleich dreimal «dä Rrr-oman, dä Rrr-oman, dä Rrr-oman», dies war bei Morris Trachsler (Torschütze zum 1:0) und Ryan Shannon (2:1) nicht der Fall. Marti: «beim dritten Treffer der Lions skandiere ich jeweils dreimal den Vornamen». Beim vierten Treffer der Lions, dem zweiten Wicks, wiederholt Marti spontan den dreifachen Roman und tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman.

Schnellster Lions-Hattrick

Retro-Wick erzielt drei Tore im 2. Drittel, es ist innert 11 Minuten und 23 Sekunden der schnellste Hattrick oder «HattWick» in der Geschichte der Lions, damit unterbietet Zürichs Topskorer seinen Teamkollegen Morris Trachsler um 20 Sekunden. Einen Hattrick den Mann/Kind selbst im alten SEGA-EA-Hockey mit der Schweiz gegen Spanien kaum hätte unterbieten können. Das Retro-Jersey 2016, Replika durch Ochsner, beschert also nicht nur Retro-Wick, sondern auch den Zürchern einen überlegenen Sonntag-Nachmittag. Der klare 5:1-Sieg über Servette ist der sechste Sieg im sechsten Retro-Spiel und damit rücken die Lions an die Tabellenspitze. Und Wick? In der 93er Ausgabe hätte er als «Best Player» einen SEGA-Mega-Drive erhalten, heute ist es ein Gutschein des Zürcher Reisebüros Cruisetour AG.

Die Lions Retro-Spiele

16. Oktober 2016, ZSC Lions (Trikot 1992-94) – HC Genf-Servette 5:1 (1:0, 4:1, 0:0)
25. Oktober 2015, ZSC Lions (Trikot 1973-74) – SCL Tigers 6:3 (2:1, 1:1, 3:1)
12. Oktober 2014, ZSC Lions (Trikot 1948-49) – HC Davos 4:1 (3:1, 1:0, 0:0)
27. Oktober 2013, ZSC Lions (Trikot 1988-89) – SC Bern 6:0 (2:0, 2:0, 2:0)
14. Oktober 2012, ZSC Lions (Trikot 1982-83) – EHC Biel 4:1 (2:1, 2:0, 0:0)
6. November 2010, ZSC Lions (Trikot 30er Jahre) – HC Lugano 6:2 (3:1, 3:1, 0:0)

Michael Krein

Vom «Röselichöhli» zum Fleisch

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Unter Dan Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Unter Heinz Ehlers spielt der HC Lausanne drei Jahre lang unattraktives, aber sehr erfolgreiches Defensiv-Eishockey. Unter Ehlers erreichen die Waadtländer sogar zweimal die Playoffs und sichern sich im vergangenen Jahr souverän den Ligaerhalt. Mit Daniel Ratushny steht neu ein offensiv-ausgerichteter Trainer an der Bande der Löwen und der defensive Froschkönig verwandelt sich in einen offensiven Kronprinzen.

Oder wie es ein Seeländer Polizei-Spotter, ein ziviler Stadionüberwacher im Eisstadion, passend formuliert: «Es ist wie mit dem Röselichöhli», gibts du deinen Kindern drei Jahre Rosenkohl ist das gut, weil sie nichts anderes kennen. Unter dem neuen Familienoberhaupt Ratushny gibts jetzt erstmals Pommes-Frites serviert und die Mannschaft läuft neuerdings auch offensiv auf Hochtouren.

Erfolgreichster Saisonstart

Auch Lausannes Presseverantwortlicher Omar Guess ist von Ratushnys Arbeit begeistert: «Man bemerkt es im Training, die Stimmung ist super, alle haben Freude am Offensiv-Stil des neuen Trainers». Es war auch unter Ehlers gut, fügt der Pressechef dazu. Aber eben, nur gut wie «Röselichöhli». Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über. Unter Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie in ihrer 22-jährigen NLA-Geschichte und holen sieben Siege in den ersten acht Spielen.

Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über

Der österreichische Meistertrainer führte zuletzt den EC Red Bull Salzburg durch Offensiv-Spektakel 2015 und 2016 zu zwei Meistertiteln. Ratushnys Aufgabe in Lausanne ist so schwer wie einen Veganer zum Vegatarier umzufunktionieren. Statistisch ausgedrückt: Vermittle dem schwächsten Offensivteam der NLA der letzten zwei Jahre den Spielstil des stärksten Offensiv-Teams Österreichs der letzten zwei Jahre.

Vorsicht Fleisch

Die Salzburger erzielten in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Ratushny in 54 Spielen 200 (3.7 Tore/Spiel) und 208 Tore (3.85 Tore/Spiel), Lausanne unter Ehlers in 50 Spielen 105 (2.1 Tore/Spiel), respektive 123 (2.5 Tore/Spiel) Treffer. Gespielt ist erst ein Fünftel der Qualifikation, dennoch haben die Lausanner bereits einen Drittel der Punkte der vergangenen Saison auf ihrem Konto. Aber Vorsicht, riecht der ehemalige Veganer erstmals das «Fleisch», genügen in der Waadtländer Kantonshauptstadt auch die vegetarischen Pommes-Frites nicht mehr.

Michael Krein

Unerklärliches aus dem Tal der heulenden Winde

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«AUES GÄH FÜR ROT U GÄUB», Langnaus Heim-Saisonauftakt gegen die ZSC Lions ging in den letzten 100 Sekunden verloren. (Foto: Krein)

Die Krise der SCL Tigers sollte nicht unterschätzt werden. In Langnau beruhigte einst der «Geri vom Bärou», im Zeitnehmerhäuschen in der Ilfishalle die Langnauer-Hockeyfamilie in Krisenzeiten mit dem Spruch: «Ke Angst. So lang i Zytnähmer bi, stige mir nid ab.» Er legte sein Amt völlig überraschend im Sommer 2011 nieder. Im Frühjahr 2013 stiegen die Langnauer noch überraschender zum dritten Mal in die NLB ab.

Wie gross ist Geris Einfluss?

Geri vom Bärou hat, ohne es zu ahnen, auch vor diesem Saisonstart eine Erklärung geliefert: «Müesst de luege ir Vorbereitig heimer aues gwunnä, u ir Meisterschaft verlüre mir de grad diä erste zwe Mätch.» Und es kam noch schlimmer als Geri es erahnte, die Tigers haben die ersten sechs Spiele verloren, drei davon im letzten Drittel und eines nach Verlängerung. Geri hat heute immer noch viel mit Eishockey und den Tigers am Hut. Aber in die Ilfishalle geht er nicht mehr, er ist dafür mehr Zuhause «ums Huus». Könnte Geris Einfluss auf die Langnauer so gross sein wie einst der Einfluss von Godi vom Katzengrat?

So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab

Alles Chabis? Vielleicht, die seltsame Verbindung zwischen unerklärlichen Begebenheiten im Tal der heulenden Winde und Glück und Pech im Eishockey gibt es. Klaus Zaugg beispielsweise erinnert sich noch gut an Godi vom Katzengrat. Die Langnauer mochten in den 70er und 80er Jahren noch so sehr in Abstiegsgefahr stecken, doch Godi beruhigte in den Wirtshäusern: «So lang i läbe stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich immer und immer wieder. 1982 sogar auf Kosten des SC Bern.

Wie einst unter Godi vom Katzengrat

Im Herbst 1984 verstarb Godi vom Katzengrat überraschend – und im folgenden Frühjahr stieg der SC Langnau 1985 völlig unerwartet und entgegen jeder Eishockey-Logik zum ersten Mal aus der NLA ab, sechs Jahre später folgte sogar der Gang in die 1. Liga. Ähnliches kann man über Geri vom Bärou berichten, sass er jeweils Zeitnehmerhäuschen neben Kult-Speakerin Christine «Chrige» Nyffeler, konnten sich die Langnauer seit Geris Amtsantritt und dem Wiederaufstieg 1998 über Jahre durch die Playout-Serien und Liga-Qualifikationen retten und Geri beruhigte im Kabäuschen, «So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich, in Geris Gegenwart immer und immer wieder, wie einst unter Godi vom Katzengrat. In der Zeit nach Godi folgten 14 schwere Jahre bis zum Wiederaufstieg der Emmentaler – und in der Zeit nach Geri stehen die Tigers erst im sechsten Jahr…

 

Die Redaktion: Der Blog ist eine Adaption von Klaus Zauggs Geschichte über Godi vom Katzengrat.

Michael Krein

Kevin allein im Stadion

Kevin allein im Stadion vom 16. September 2016 – Spylo-Attacke, Fribourg-Gottéron, Saisonstart? Was da wohl «Kevin allein im Stadion» durch den Kopf geht?

Kevin allein im Stadion vom 8. September 2016 – Nachts, wenn das Training längst beendet ist, lässt er seinen Gedanken freien Lauf… E guete Saisonstart mitenand!

Michael Krein

Wenn der Kojote mit dem Roadrunner…

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Die Tucson Roadrunners starten 2016 als Farmteam der Arizona Coyotes in der American-Hockey-League. (Bild: thehockeynews)

Seit 1949 jagd in der Trickfilm-Serie Looney Tunes Willi Kojote dem Road Runner «meep, meep» hinterher. In der gleichen wüstenartigen Umgebung wird 1967 ein Eishockeyteam Namens Phoenix Roadrunners aus der Taufe gehoben. Wie der «Wegekuckuck» aus dem Trickfilm, rennt das Eishockeyteam aus der Wüste den Ligen hinterher. Innerhalb von 12 Jahren spielen die Roadrunners in vier verschiedenen Profiligen: Western-Hockey-League (WHL), World-Hockey-Association (WHA), der Konkurrenzliga der NHL, Central-Hockey-League (CHL) und Pacific-Hockey-League (PHL) heissen die Stationen der Runners, ehe sie für zehn Jahre aus der wüstenartigen Umgebung verschwinden.

1989 folgt der Re-start des Roadrunners. Es sollte die erfolgreichste Zeit der neuen Roadrunners, welche immer noch in Phoenix beheimatet sind, werden. Dieses Mal in der aufstrebenden Konkurrenzliga der American-Hockey-League (AHL), der International-Hockey-League (IHL). In acht Spielzeiten erreichen die Runners dreimal die Playoffs um den Turner-Cup. Teil dieser Geschichte ist auch der Schweizer Torhüter Pauli Jaks, der 1993 in die Organisation der Los Angeles Kings wechselt und damit zum Farmteam (Phoenix Roadrunners) stösst. In zwei Spielzeiten bestreitet der Tessiner 48 IHL-Spiele für die Roadrunners und steht als erster Schweizer 20 Minuten für die Kings in der NHL im Einsatz.

«Coyotes vertreiben die Roadrunners aus Arizona»

Im Sommer 1996 wechselt die NHL-Franchise aus Winnipeg (Jets) nach Phoenix und nennt sich Coyotes. Nun treffen Kojote und Roadrunner auch Eishockey-technisch zum ersten Mal aufeinander. Bis 2003 tragen die Coyotes ihre Heimspiele in der America-West-Arena aus, die Roadrunners spielen im Arizona-Veterans-Memorial-Coliseum. Wie in der Cartoon-Serie bietet die Hauptstadt von Arizona aber nicht genug Platz für Kojoten und Roadrunner und zwingt letztere nach nur einer «gemeinsamen» Saison den Spielbetrieb in der ohnehin finanziell kriselnden IHL einzustellen.

Kurztrip nach Kanada

Erst sechs Jahre später, taucht der «Wegekuckuck» im 3’000 Kilometer nordöstlich gelegenen Toronto wieder auf. In ungewohnter Umgebung ziehen die Roadrunners nach einer Spielzeit 2’700 Kilometer westwärts nach Edmonton. Die Umsiedlung in den kanadischen Norden entpuppt sich mehr schlecht als recht für die Wüstenvögel. Nach einem weiteren Fehlversuch in der East-Coast-Hockey-League holen sieben Jahre später ausgerechnet die Arizona Coyotes die Roadrunners zurück in ihren Bundesstaat, ins knapp 170 Kilometer von Phoenix entfernte Tucson. Erstmals in der Geschichte des Kojoten und Roadrunners bilden die beiden langjährigen Comic-Feinde ein Duo innerhalb derselben NHL-Organisation. «Durch die geografische Nähe können wir bei der Entwicklung unserer Top-Prospects noch mehr Einfluss nehmen und sie optimal betreuen», sagt Coyotes Manager John Chayka.

In Tucson konnte sich bisher noch nie ein Eishockeyteam etablieren, weder die Tucson Mavericks in der Central-Hockey-League (1975-76), die Tucson Icemen in der Southwest-Hockey-League (1976-77), die Tucson Rustlers in der Professional-Hockey-League (1978-79) oder zuletzt die Tucson Gila Monsters der West-Coast-Hockey-League (1997-99). Trotzdem zeigt sich die AHL erfreut: «Die 29 AHL-Teams, heissen die Fans in Tucson in der Familie der American-Hockey-League herzlich willkommen», sagt AHL-Präsident David Andrews. Ausgerechnet mit der Unterstützung des Kojoten dürfte der Roadrunner im siebten Anlauf in der Umgebung von Arizona endlich heimisch werden.

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Die Kurzeinsätze in der Central-Hockey-League und Pacific-Hockey-League fehlen auf der Übersicht. (Grafik: hockeydb.com)

Michael Krein

Hamburgs DEL-Uhr «eingefreezert»

Hamburgs Christoph Schubert blickt in eine ungewisse Zukunft. (Foto: dpa/Malte Christians/focus.de)

Hamburgs Christoph Schubert blickt in eine ungewisse Zukunft. (Foto: dpa/Malte Christians/focus.de)

Der Hamburger Sportverein (HSV) ist der einzige Fussballverein Deutschlands, der seit der Saison 1963-64 nie aus der Bundesliga abgestiegen ist. Die langjährige Liga-Zugehörigkeit veranlasste den Club-Sponsor Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) 2001, einen Zeitmesser zu installieren. Das Zifferblatt der mittlerweile kultigen Digital-Stadion-Uhr steht beim HSV bei 52 Jahren, 274 Tagen und ein paar Stunden.

Mit anderen zeitlichen Dimensionen hatten die Eishockeyaner der Hamburg Freezers zu kämpfen. Am vergangenen Mittwoch, am 18. Mai 2016 hatte der US-amerikanische Besitzer Anschutz-Entertainment-Group (AEG), die Amerikaner stiegen 2005 auch beim HC Genf-Servette aus, verkündet, keine neue Lizenz für die Spielzeit 2016-17 beantragen zu wollen. Gerade mal eine Woche blieb den Hamburgern Zeit einen neuen Käufer zu finden.

…die Uhr der Eishockeyaner ist nach 13 Jahren und 356 Tagen «eingefreezert» worden.

Der Ankündigung folgte eine Welle der Solidarität und ein grosser Spendenaufruf, Fans überwiesen insgesamt mehr als eine halbe Million Euro zur Rettung des Vereins. Doch selbst mit dieser Summe würden die Freezers in der kommenden Saison rote Zahlen schreiben, für die der Betreiber aufkommen müsse, sagte Anschutz-Europapräsident Tom Miserendino. Die Frist zum Lizenzantrag ist gestern Mitternacht, am 24. Mai 2016 verstrichen und heute steht das ganze Kader (darunter ex-Fribourg-Goalie Sébastien Caron) der Freezers auf dem Transfermarkt.

Die Lizenz und Schubert

Anders als die Uhr der kickenden Stadtnachbarn, ist die Uhr der Eishockeyaner nach 13 Jahren und 356 Tagen «eingefreezert» worden. Auch Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert, er hatte die Spendenaktion organisiert, trauert um «seinen Club». Schuberts Verbindung mit «seinem Club»  könnte tiefer nicht sein, oder anders gesagt, Schubert und die DEL-Lizenz der Freezers sind praktisch unzertrennlich.

Im Sommer 1999 wurde die Lizenz vom EV Landshut, dem damaligen Club Schuberts, nach München verkauft. Schubert wechselte ein Jahr später zu Landshuts Lizenznehmer München Barons. 2002 wurde die Lizenz von Bayern in die Hansestadt weiterverkauft, zeitgleich startete der Verteidiger seine achtjährige NHL-Odysse, um 2010 wieder bei Landshuts Lizenznehmer in Hamburg anzuheuern. Sage mir wo die Lizenz hingeht und ich sage dir wo Schubert spielen wird, warum nicht zurück nach Landshut…

Michael Krein

Zweimal spielen Lassen…

Lasse und Stefan Lassen (rechts) stehen heute 12'000 Kilometer voneinander entfernt im Einsatz. (Foto: Melbourne Ice/GI)

Die Brüder Lasse und Stefan Lassen (rechts) stehen heute rund 12’000 Kilometer voneinander entfernt im Einsatz. (Fotos: Melbourne Ice/Getty Images)

Ein Direktduell hat Dänemark gegen die Schweiz noch nie gewonnen (eishockeyblog hat berichtet), dennoch stehen die Dänen nach 2010 (2:4 gegen Schweden) zum zweiten Mal im Weltmeisterschafts-Viertelfinal. Mit Siegen gegen Norwegen, Lettland, Tschechien und Kasachstan haben die Nordländer die Qualifikation absolut verdient. Verteidiger Stefan Lassen (30) steht in seinem achten WM-Turnier zum zweiten Mal im WM-Viertelfinal. Lassen gehört seit Jahren zum Kern des dänischen Nationalteams, anders als sein jüngerer Bruder Lasse.

Stürmer Lasse Lassen (27) spielte im Vorjahr sechs WM-Vorbereitungsspiele für Dänemark und wurde vor der WM 2015 in Prag und Ostrau aus dem Kader gestrichen. Nach einer erfolgreichen Saison als Kapitän und zweitbester Skorer der Fredrikshavn White Hawks nahm der jüngere Lassen ein Eishockey-Time-Out.

Nach dem Spiel wollen sich die beiden Brüder gegenseitig zum Sieg gratulieren, sei es gegen Finnland oder gegen die Mustangs aus Melbourne.

Derweil hat sein Bruder Stefan seine Karriere fortgesetzt und gehört 2016 zum erfolgreichsten dänischen Nationalteam aller Zeiten. Als Zugabe steht Stefan Lassen heute in St. Petersburg gegen Finnland auf dem Eis. Doch auch Lasse schnürt heute um 20 Uhr (12 Uhr MEZ) in einem Meisterschaftsspiel die Schlittschuhe, aber am anderen Ende der Welt.

Der jüngere Lassen hat nach seinem Eishockey-Time-Out, rechtzeitig zum Saisonstart am 23. April, in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Melbourne Ice angeheuert. In den ersten sechs Partien hat der Däne schon 12 Skorerpunkte auf seinem Konto, während Stefan mit Dänemark gegen Finnland spielt, bestreitet Lasse rund 15’000 Kilometer von seinem Bruder entfernt das Melbourner Derby gegen die Melbourne Mustangs.

Das Tagesziel bleibt für die Brüder das gleiche, nach dem Spiel wollen sich die beiden gegenseitig zum Sieg gratulieren, sei es gegen Finnland oder gegen die Mustangs aus Melbourne.

Die Lassen-Spiele (MEZ)

12 Uhr: Melbourne Ice – Melbourne Mustangs (O’Brien Group Arena, Melbourne) 7:2 (3:1, 2:0, 2:1) Lasse Lassen, Tore zum 2:1, 4:1 und 5:1.
15 Uhr: Finnland – Dänemark (Jubileiny-Sportkomplex, St. Petersburg) 5:1 (1:0, 2:1, 2:0) Stefan Lassen, -3 Bilanz)

Totomat live auf @kr1blog (Twitter)

Michael Krein

Fis(c)herman’s Friend

RSI

Auch mit Patrick Fischer als Headcoach gewinnt die Schweiz gegen Dänemark. (Foto: RSI)

Im Weltmeisterschaftsspiel vom 10. Mai 2016, liegt Dänemark gegen die Schweiz bis zur 50. Minute mit 2:0 in Führung und den Nordländern fehlen nur noch zehn Minuten um Geschichte zu schreiben. Einer der dänischen Hauptdarsteller ist der in Biel gross gewordene Eishockey-Schweizer Nikolaj Ehlers. In der 19. Minute besorgt der 72-fache NHL-Spieler mit einem platzierten Hocheckschuss das 2:0 gegen seinen ehemaligen Biel-Kollegen Reto Berra. Erweisen sich nach Norwegen (3:4 nV) auch die rauen Nordländer aus Dänemark als «zu stark» für die Fis(c)herman’s aus der Schweiz? Der Werbeslogan des englischen Pastillen-Herstellers Fisherman’s Friend passt perfekt.

In zehn WM-Partien gegen Dänemark siegten immer die Schweizer. Dies musste auch Nikolajs Vater und Ex-Lausanne Coach Heinz Ehlers als Spieler an der B-WM 1989 (3:6) und 1995 (1:2) mit zwei Niederlagen anerkennen. Ehlers-Senior steuerte in den beiden Partien gegen die Schweiz 1 Assistpunkt bei. Im Gegensatz zu seinem Vater, scheint Nikolaj gleich in seinem ersten WM-Kracher gegen die Schweiz auf besten Weg einen Sieg zu realisieren.

Fischer schreibt mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten Klasse ein neues Kapitel.

Auf der anderen Seite steht mit Patrick Fischer erstmals seit Simon Schenk und 1987 wieder ein Schweizer Headcoach an der Bande der A-WM. Der letzte Sieg in der obersten Spielklasse unter einem Schweizer Trainer liegt aber schon 54 Jahre zurück, am 8. März 1962 gabs unter Nationaltrainer Beat Rüedi beim 6:3 über Grossbritannien den letzten Sieg. Zehn Minuten trennen Fischer oder Dänemark vor einem neuen Kapitel.

Fischers neues Kapitel

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach? Nach 50 Minuten schwerem Seegang scheinen die starken nordländischen Pastillen dem «Schweizer Fischer» doch noch zu munden. Durch einen Kraftakt besorgen die beiden NHL-Söldner Yannick Weber und Nino Niederreiter bis zur 59. Minute den Ausgleich. «Die Fischer begannen bald, die Pastillen als ihre Freunde zu bezeichnen», hiess es im Hause Fisherman’s Friend kurz nach der Einführung der Kau-Pastillen 1865. 64:08 besiegelt der Overtime-Treffer von Eric Blum die elfte dänische Niederlage im elften WM-Spiel gegen die Eisgenossen.

Damit schreibt Fischer mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten internationalen Klasse ein neues Kapitel Schweizer Eishockey-Geschichte. Und Dänemark? So nahe dran sind die Dänen seit 1969 noch nie, dennoch erweisen sich die Mannen um Ehlers und Co. lediglich als Fis(c)herman’s Friend.

Die Schweizer WM-Bilanz gegen Dänemark

2016, A-WM in Moskau, 3:2 nV
2013, A-WM in Stockholm, 4:1
2008, A-WM in Quebec, 7:2
2007, A-WM in Moskau, 4:1
2003, A-WM in Tampere, 6:2
1997, B-WM in Katowice, 6:4
1996, B-WM in Eindhoven, 10:1
1994, B-WM in Kopenhagen, 2:1
1989, B-WM in Oslo, 6:3
1979, B-WM in Galati, 3:1
1969, C-WM in Skopje, 9:0

Michael Krein

23 Jahre und Jaromir Jagr

NYI-FLA Jagr-Leddy, Mike Stobe NHLI via Getty Images

Spielen die New York Islanders (Nick Leddy) Playoffs gegen Jaromir Jagr (links), gewinnen sie. (Foto: Mike Stobe/NHLI via Getty Images)

Am 24. April 2016 gewinnen die New York Islanders nach dem 2:1-Overtime-Sieg gegen die Florida Panthers ihre erste Playoff-Serie (4:2) seit 23 Jahren. Overtime-Torschütze John Tavares war beim letzten Serie-Gewinn der Isles, am 14. Mai 1993 zwei Jahre alt und die Florida Panthers wurden erst einen Monat später, am 14. Juni 1993 aus der Taufe gehoben.

Vor 23 Jahren gewinnen die Islanders unter Kult-Trainer Al Arbour (vier Stanley-Cup-Siege mit den Islanders) ihre letzte Playoff-Serie nach einem 4:3-Overtime-Sieg im siebten Spiel gegen den amtierenden Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins. Der Sieg der Islanders kommt einem Wunder gleich, Experten schätzen die Penguins in diesem Jahr sogar noch stärker als bei ihren letzten zwei Stanley-Cup-Titeln (1992 und 1993) ein.

Penguins Star-Ensemble

Die Penguins holen mit 113 Punkten (10 Punkte vor Boston) die Presidents-Trophy (Regular-Season-Sieger) und haben mit Mario Lemieux (160 Skorerpunkte und Art-Ross-Trophy) den besten Spieler der Liga in ihren Reihen. Mit Lemieux, Kevin Stevens, Rick Tocchet und Ron Francis stehen vier Spieler im Kader, welche über 100 Skorerpunkte gebucht haben.

Bei Jagrs letzter Pleite gegen die Islanders, sind seine Teamkollegen Ekblad, Matheson, Barkov, Huberdeau und Trocheck, sowie die Gegenspieler Pelech, Pulock und Strome noch nicht auf der Welt.

Zu diesem Star-Ensemble gehört auch ein 21-jähriger Tschechoslowake, Jaromir Jagr knackt mit 94 Skorerpunkten beinahe 100-Punkte-Marke. Als Held der Viertelfinal-Serie wird aber mit David Volek ein Landsmann der Islanders gefeiert. Der Sohn des ehemaligen Kloten-Trainers Pavel Volek kommt erst im dritten Spiel zum Einsatz und bucht bis zum siebten Spiel keinen Skorerpunkt. An besagtem 14. Mai 1993 (Spiel 7) erzielt «David» gegen «Goliath» zwei Tore und Jagr und Co. scheiden sensationell in der zweiten Playoff-Runde aus.

Jagr und die Islanders

Gegenspieler des jüngsten Erfolges, der nach Brooklyn umgezogenen Franchise, ist wieder Jagr, in seinen 18. Stanley-Cup-Playoffs im Trikot der Panthers. Der 44-jährige Weltklasse-Stürmer realisiert in der Regular-Season immer noch 66 Punkte und ist Topskorer seiner Mannschaft, aber spielen die Islanders Playoffs gegen Jagr, gewinnen Sie. Bei Jagrs letzter Pleite gegen die Islanders, sind seine Teamkollegen Aaron Ekblad, Michael Matheson, Aleksander Barkov, Jonathan Huberdeau und Vincent Trocheck, sowie die Gegenspieler Adam Pelech, Ryan Pulock und Ryan Strome noch nicht auf der Welt.

Jagrs Playoff-Bilanz gegen die Islanders

2006 – 6 Spiele, 0 Tore, 2 Assists, 2 Punkte, 4 Strafminuten, -2
1993 – 7 Spiele, 3 Tore, 4 Assists, 7 Punkte, 8 Strafminuten, +1

24. April 2016 – Spiel 6: New York Islanders – Florida Panthers 2:1 nV (0:1, 0:0, 1:0, 0:0, 1:0)
Barclays Center. – 15’795 Zuschauer. – Tore: 19. Huberdeau (Trocheck, Jokinen) 0:1. 60. Tavares (Kulemin, Leddy) 1:1. 91. Tavares (Okposo, Quine) 2:1. – Strafen: Je 3mal 2 Minuten.
NY Islanders: Greiss; Leddy, Hamonic; De Haan, Boychuk; Hickey, Zidlicky; Quine, Tavares, Okposo; Kulemin, Nielsen, Bailey; Prince, Nelson, Bernier; Martin, Nelson, Clutterbuck.
Florida Panthers: Luongo; Kulikov, Ekblad; Campbell, Gudbranson; Metheson, Petrovic; Huberdeau, Barkov, Jagr; Jokinen, Trocheck, Smith; Hudler, MacKenzie, Purcell; Wilson, Shaw, Thornton.

14. Mai 1993 – Spiel 7: Pittsburgh Penguins – New York Islanders 3:4 nV (0:0, 1:1, 2:2, 0:1)
Civic Arena. – Tore: Ulf Samuelsson (Lemieux, Kjell Samuelsson) 1:0. Thomas (Hogue) 1:1. 47. Volek (Ferraro) 1:2. 50. Hogue (Malakhov) 1:3. 57. Francis (Murphy) 2:3. 60. Tocchet (Murphy, Francis) 3:3. 66. Volek (Ferraro) 3:4. – Strafen: Pittsburgh 6mal 2 Minuten, NY Islanders 7mal 2 Minuten.
Pittsburgh: Barrasso; Kjell Samuelsson, Ulf Samuelsson; Taglianetti, Murphy; Jennings, Ramsey; Stevens, Lemieux, Tocchet; Jagr, Francis, Daniels; Joe Mullen, McEachern, Straka; Needham, Tippett, Loney.
NY Islanders: Healy; Kasparaitis, Pilon; Krupp, Kurvers; Malakhov, Vaske; Thomas, Hogue, Brian Mullen; King, Ferraro, Junker; Volek, Turgeon, Vukota; Dalgarno, Loiselle, Fitzgerald.

Michael Krein

Huddinge’s Lugano-Erben

Linus Klasen muss aus Kent Johanssons Fusstapfen treten. (Foto: hockeysverige/keystone)

Linus Klasen und Kent Johansson (rechts) stammen beide aus Huddinge. (Foto: hockeysverige/keystone)

Am 2. März 1989 trifft Didier Massy in der fünften Minute als erster Spieler der Geschichte in der Finalserie zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern zum 1:0. Es ist der Auftakt eines bis heute anhaltenden Klassikers des Schweizer Eishockeys. Lugano gewinnt das erste Spiel «erwartungsgemäss» mit 6:2, verliert die «Best-of-Five» Serie aber mit 2:3. Mit diesem Erfolg beendet der SCB unter Trainer Bill Gilligan Luganos dreijährige Vorherrschaft, denn der grosse Dominator unter John Slettvoll verliert erstmals seit Einführung der Playoffs 1985/86 eine Playoff-Serie.

Bern’s Sieg beendet nicht nur Luganos Dominanz, sondern auch die Schweizer-Karriere des Ausnahmekönners Kent Johansson. Der schwedische Internationale in Diensten Lugano’s ist einer der Baumeister der ersten drei Meistertitel (gegen Davos und Kloten) der Bianconeri. In der Serie gegen den SCB gelingen dem Mittelstürmer im dritten Spiel zwei Tore gegen Renato Tosio und Co., zum Sieg reichts aber trotzdem nicht. In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen die Mutzen: Linus Klasen.

In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen den SCB

Wie Johansson stammt auch Klasen vom Stockholmer Provinzklub Huddinge IK. Der schwedische Drittligist, welcher in den 90er Jahren öfters in der Schweiz gastiert, hat unter anderem auch die Weltklasse-Stürmer Michael Nylander (967 NHL-Spiele, 1995/96 bei Lugano) oder Kent’s Bruder Mikael Johansson (vier Meistertitel mit Kloten) hervorgebracht.

Klasen’s Titelhunger

Anders als Klasen hatte Johansson 1989 vor der Finalserie schon vier Meistertitel, drei mit den Bianconeri und einen mit Djurgardens IF Stockholm, in seinem Palmarès. Der Hunger nach einem weiteren Titel war bei Johansson nicht mehr so gross wie das heute bei seinem Klub-Kollegen der Fall ist. Klasen hat zum heutigen Zeitpunkt «erst» eine WM-Bronze-Medaille und einen schwedischen Vize-Meistertitel mit Lulea HF in seiner Tasche. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen den beiden Ausnahmekönnern innerhalb ihrer Epoche bei den Südtessinern.

Klasen bucht im ersten Finalspiel gegen den SCB vier Skorerpunkte und verhilft, anders als Johansson, seiner Mannschaft zum Sieg (5:4). Mit dieser persönlichen Startbilanz dürfte selbst Petteri Nummelin’s Rekord von neun Skorerpunkten aus fünf Finalspielen 2003/04 gegen den SCB geknackt werden. Klasen muss also nicht in Johansson’s-, sondern aus Johansson’s Fussstapfen treten, dann wird ein Titelgewinn eines «Erben aus Huddinge» gegen den SCB zu realisieren sein.

Die Final-Übersicht

1989 Lugano – Bern 2:3-Serie (6:2, 1:5, 3:4, 5:1, 2:4)
1990 Lugano – Bern 3:1-Serie (5:1, 3:5, 7:1, 4:2)
1991 Bern – Lugano 3:1-Serie (3:2, 4:3 nV, 2:4, 2:1 nV)
2004 Lugano – Bern 2:3-Serie (1:3, 1:2, 5:1, 4:3, 3:4 nV)
2016 Lugano – Bern (5:4)

Michael Krein

Gault-Millau-Lions für den Ausguss

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger mit 0:4 aus, die ZSC Lions. (Foto: facebook/ZSC Lions)

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger im Viertelfinal mit 0:4 aus. (Foto: facebook/ZSC Lions)

In keiner anderen Liga der Welt scheitert der Qualifikationssieger so oft in der ersten Runde wie in der National League A (NLA). In den letzten zwölf Jahren ist der Schweizer Qualifikationssieger fünfmal im Viertelfinal ausgeschieden. Jüngstes Opfer sind die ZSC Lions, der souveräne Qualifikationssieger hatte nach 50 Runden 31 Punkte, 21 Tore und 10 Siege mehr auf dem Konto als der Achtplatzierte SC Bern. Erstmals ist der Leader gegen den Prügelknaben der Regular Season gar mit 0:4 ausgeschieden, eine Schmach.

50 Runden Plauschhockey um dann in vier Spielen in die wohlverdienten Ferien zu verreisen? Was haben die ZSC Lions in dieser Saison geleistet? Nichts. Nicht einmal in der Champions-Hockey-League konnten die hochgelobten Zürcher reüssieren. Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen. Das ist die wundersame Saison des souveränen Schweizer Qualifikationssiegers, welcher für den Hauptgang der Saison sogar noch ein Playoff-Logo entworfen hat.

Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen

50 Runden dahin Geplänkel um sich dann in der ersten Playoff-Runde zu verabschieden, dies hätte man auch nach 44 Spielen schaffen können. Sechs Zusatzrunden generieren für die Clubverantwortlichen zwar zusätzliche Matcheinnahmen, tragen aber nicht zum sportlichen Mehrwert bei, im Gegenteil, durch das Aus des Qualisiegers machen die 50 Runden noch weniger sinn. Wer will sich sechsmal Biel gegen Zug oder Bern gegen Lausanne ansehen? Leider ziehen die überflüssigen Spiele immer noch mehr Zuschauer in die Stadien als Bern gegen Linköping oder Zürich gegen Berlin.

Kreuzlingen hat mehr geleistet als die Lions

Zurück zu den Playoff-Versagern aus Zürich. Wenn einer behauptet der Zweitligist EHC Kreuzlingen-Konstanz, wo Roman Wicks Vater Marcel als Geschäftsführer der Bodensee Arena amtet, habe in dieser Saison mehr erreicht als die ZSC Lions, kann man diese Aussage mit einem nicken anerkennen. Die Kreuzlinger haben ihre erste Playoff-Hürde gegen den EHC Bassersdorf mit 3:0-Siegen gemeistert.

Was sind die Gründe für das Scheitern von fünf Schweizer Quali-Siegern in den letzten zwölf Jahren? Zürich schrammte schon in den vergangenen zwei Jahren gegen Lausanne (4:3-Serie) und Biel (4:3-Serie) haarscharf an einer Blamage vorbei. Liegt es an der Mentalität? Bekanntlich kann der Schweizer im Mannschaftssport nicht mit der Favoritenrolle umgehen, dies gilt national und international, darüber könnte man eine Dissertation schreiben (siehe auch eishockeyblog https://www.eishockeyblog.ch/2012/05/von-marignano-bis-helsinki/

Beste Chancen vom Zweiten Tabellenrang

Der «Schweizer» verkörpert gerne die Rolle des Aussenseiters, eine Rolle welche der SCB in der aktuellen Ausgabe perfekt umgesetzt hat. Seit 1999 wurde der Qualifikationssieger in 18 Spielzeiten nur fünfmal Meister, dies entspricht einer Erfolgsquote von 28%. Der Anspruch die Qualifikation zu gewinnen gilt eigentlich nur für den HC Davos, denn die Bündner holten seit 2002 drei Meistertitel als Qualifikationssieger. Für alle Andern gilt, sich möglichst von der Tabellenspitze fern zu halten. Der Grat ist allerdings sehr schmal, denn vom zweiten Tabellenrang stehen die Titelchancen mit 35% am besten.

Anders augedrückt, die Chance als Quali-Sieger den Titel zu holen ist seit 1999 gleich gross wie im Viertelfinal auszuscheiden. Zwischen 1986 und 1998 wurde der Qualifikationssieger in 13 Spielzeiten achtmal Meister. 1995 gewann mit dem EHC Kloten (7. Rang) erstmals ein Team aus der unteren Tabellenhälfte den Meistertitel. Ab 1999 gelang dies zweimal den ZSC Lions (6. Rang, 2008 und 7. Rang 2012) und dem HC Davos (5. Rang) vor Jahresfrist. Einzig der Achtplatzierte schaffte den riesen Coup bisher noch nicht.

Viertelfinal-Aus von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2005 Lugano – Bern 1:4
2006 Bern – Kloten 2:4
2008 Bern – Fribourg-Gottéron 2:4
2009 Bern – Zug 2:4
2016 ZSC Lions – Bern 0:4

Meistertitel von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2002 HC Davos
2007 HC Davos
2010 SC Bern
2011 HC Davos
2014 ZSC Lions

Michael Krein

Der Virus der Schweizer Hockey-Medien

Bern-1967-2016

Der SC Bern hat die Niederlagen-Serie von 1966-67 gebrochen. (Foto: passionhockey.com, Hervé Chavaillaz)

Am Sonntag, 24. Januar 2016 verliert der SC Bern beim EHC Biel (3:4 nV) zum sechsten Mal in Serie. Seit dem Wiederaufstieg (am grünen Tisch) 1986, hat der SCB noch nie sechsmal in Serie verloren. So lautet der Satz, wie er von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) korrekt vermeldet wurde.

Doppelte Unwahrheit

Andere Medien, wie beispielsweise der Blick ändern den korrekten Satz willkürlich in eine Unwahrheit: «Bern verliert beim Schlusslicht Biel zum sechsten Mal in Folge. Das gabs seit 30 Jahren nicht mehr.» Dieser Satz, des Journalisten dessen Namen mir soeben entfallen ist, beinhaltet gleich zwei Unwahrheiten: Erstens spielte der SCB vor 30 Jahren als Qualifikationssieger in der NLB und zweitens gabs dies seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

Die willkürlichen 30 Jahre verbreiten sich durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie ein Virus

Da in der Schweiz die Statistik erst seit 1985-86 geführt wird, ist es zu aufwändig die Zeit vor den Playoffs zu eruieren. Weder ein Medium, noch der Verband nehmen den Aufwand auf sich, die Daten bis zur Gründung der Nationalliga 1937-38 in den tiefen der Annalen zu ergründen. Man kann dies auch als mangelndes Interesse eines privilegierten Jobs bezeichnen.

Daher schleichen sich die ominösen und verfälschten 30 Jahre durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie ein Virus. Der Virus verbreitet sich bis zu einem Interview mit SCB-CEO Marc Lüthi, welchen die 30 Jahre ebenso wenig interessieren wie die andern 95% der Schweizer Hockey-Gefolgschaft. Selbstverständlich hat der SCB andere Probleme als sich um die Geschichte der eigenen Negativserie zu kümmern.

Grösste Niederlagen-Serie seit der Gründung

Eine investigative Recherche, für die Buchhalter unter den Hockey-Besessenen, ergründet auch in der Berner NLA-Abstiegssaison 1981-82 nur vier Niederlagen in Serie. Bis zur letzten Berner Niederlagen-Serie von sechs Spielen muss der Hockey-Chronist bis in die Saison 1966-67 zurückblicken. Zwischen dem 23. Dezember 1966 und dem 21. Januar 1967 mussten die Mutzen letztmals sechsmal* in Folge als Verlierer vom Eis. «Das gabs seit 49 Jahren nicht mehr.» Mit der 4:5-Niederlage in Lausanne wurde der Minusrekord von anno dazumal sogar noch gebrochen und die Mutzen stecken in der grössten Negativ-Spirale innerhalb einer Saison seit der Gründung am 3. November 1930.

Die SCB-Niederlagen-Serie 2015-16

9. Januar 2016, Genève-Servette 3:4 (h)
15. Januar 2016, SCL Tigers 1:2 (a)
16. Januar 2016, Davos 1:2 nP (h)
19. Januar 2016, Genève-Servette 1:4 (a)
23. Januar 2016, Lugano 2:3 nP (h)
24. Januar 2016, Biel 3:4 nV (a)
26. Januar 2016, Lausanne 4:5 nP (a)

* Resultate und Gegner sind eishockeyblog.ch bekannt. eishockeyblog.ch kennt Eishockey. 0 Länderspiele. 77 AL-Partien und 66 Strafminuten :-). Ein Dank geht an «SCB-Jüre» Wymann für die sorgfältige Nachprüfung.

Michael Krein

Der HC Davos greift nach Edelmetall

2006-01-06-Frolunda-Davos

Martin Plüss (#28) musste vor zehn Jahren mit den Frölunda Indians gegen die Davoser Marc Gianola und Reto von Arx unten durch. (Foto: passionhockey.com)

Neben dem Schweizer-Vertreter HC Davos, spielen der finnische Landesmeister Kärpät Oulu (Fi), Frölunda Indians HC Göteborg (Sd) und Lukko Rauma (Fi) um den Finaleinzug der Champions-Hockey-League. Noch keiner der vier Halbfinalisten konnte seit Einführung des Europacups 1965/1966 einen europäischen Titel gewinnen.

Die beiden letzten offiziellen europäischen Titel gewannen mit Lulea HF (2015) und den ZSC Lions (2008) Vertreter aus Schweden und der Schweiz. Nun stehen sich die Kontrahenten der beiden letzten Sieger-Nationen bereits im Halbfinal gegenüber.

Schlechte Erinnerungen an den HCD

Zum zweiten Mal in der Klubgeschichte trifft Davos in einem Europacup-Spiel auf die Frölunda Indians. Beim letzten Aufeinandertreffen am 6. Januar 2006 deklassierten die Bündner die Westschweden (Västra Svenska) beim European-Champions-Cup (ECC) gleich mit 6:2.

Die beiden Mannschaften haben mit den Teams vor zehn Jahren nicht mehr viel zu tun. Nur noch Davos-Trainer Arno del Curto, Andres Ambühl und die Frölunda-Stürmer Joel Lundqvist (Zwillingsbruder von Rangers-König Henrik) und Robin Figren sind noch dabei. Ebenfalls mit von der Partie beim schwedischen Meister war damals Berns Martin Plüss (er sass beim ersten Davoser Treffer auf der Strafbank).

Frölunda liegt an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL)

Während der HCD auf eine ganze Sturmreihe (Gregory Sciaroni, Dario Simion und Marcus Paulsson) verzichten muss, kann die Mannschaft von Roger Rönnberg in Bestbesetzung antreten, nur Verteidiger Lukas Bengtsson fehlt verletzungsbedingt. Die Schweden liegen nach dem 6:0-Sieg am 9. Januar gegen Färjestads BK Karlstad an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL) und scheinen für den CHL-Halbfinal gerüstet.

Für Davos ist es nach 1985, 1986, 2006 und 2008 die fünfte Teilnahme an einem europäischen Klub-Wettbewerb, 2006 gab es European-Champions-Cup-Bronze. Frölunda kämpft zum vierten mal um europäisches Edelmetall, für die Schweden gab es 1997 EHL-Bronze und im Vorjahr mussten sich die Indianer erst im Final gegen ihre Landsmänner aus Lulea geschlagen geben.

Die Davoser Europacup-Bilanz gegen schwedische Teams

5. Februar 1986 in Davos, Södertälje SK 5:9 (3:2, 0:5, 2:2)
6. Februar 1986 in Zürich, Södertälje SK 5:9 (2:1, 2:5, 1:3)
6. Januar 2006 in St. Petersburg, Frölunda Indians HC Göteborg 6:2 (2:0, 2:1, 2:1)
20. August 2015 in Karlstad, Färjestads BK Karlstad 4:0 (0:0, 3:0, 1:0)
28. August 2015 in Davos, Färjestads BK Karlstad 0:1 nV (0:0, 0:0, 0:0, 0:1)
1. Dezember 2015 in Davos, Skelleftea AIK 1:1 (1:0, 0:1, 0:0)
8. Dezember 2015 in Skelleftea, Skelleftea AIK 4:1 (2:0, 0:1, 2:0)

Der Spielbericht vom 6. Januar 2006

Frölunda Indians HC Göteborg – HC Davos 2:6 (0:2, 1:2, 1:2)
Eispalast, St. Petersburg. – 2’500 Zuschauer. – SR Karabanov (Ru); Elistratov, Kalinin (Ru). – Tore: 13. Wilson (Ackeström, Marha/Ausschluss Plüss) 0:1. 17. Wilson (Guggisberg) 0:2. 22. Marha (Guggisberg, Hauer/Ausschluss Sundin) 0:3. 24. Oduya (Witehall/Ausschluss Christen) 1:3. 28. Hauer (Wilson/Ausschluss Niemi) 1:4. 43. Jan von Arx (Reto von Arx, Riesen/Ausschluss Tukio) 1:5. 48. Reto von Arx (Hauer, Riesen/Ausschlüsse Niemi, Lundqvist) 1:6. 53. Kallio (Koivisto, Sundin/Ausschluss Hahl) 2:6. – Strafen: Je 9mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Frölunda ohne Kahnberg, Tolsa, Esbjörs (alle verletzt), Axelsson und Sebastian Karlsson (U20 WM). Davos ohne Heberlein und Winkler (beide verletzt).
Frölunda: Salo; Sundin, Koivisto; Alavaara, Niemi; Oduya, Tukio; Porseland, Demén-Willaume; Andersson,  Johnson, Kallio; Madsen, Plüss, Högardh; Lundqvist, Patrik Karlsson, Witehall; Figren, Zackrisson.
Davos: Hiller; Jan von Arx, Gianola; Blatter, Hauer; Kress, Ackeström; Häller, Arne Ramholt; Hahl, Reto von Arx, Riesen; Wilson, Marha, Guggisberg; Willis, Rizzi, Christen; Bruderer, Sutter, Ambühl.

 

Michael Krein

Der andere Riesen «the other Riesen»

CBR Brave-Spieler Alain Riesen besucht seinen Eishockey-Ursprung in Bern. (Foto: Michael Krein)

CBR Brave-Spieler Alain Riesen besucht seinen Eishockey-Ursprungsort, die Berner PostFinance Arena. (Foto: M. Krein)

Eishockeytechnisch hat die Schweiz und Australien nicht viele Gemeinsamkeiten. An der C-Weltmeisterschaft 1974 trafen die beiden Nationalteams im Palais-des-Sports in Grenoble erstmals aufeinander. Der 20:0-Sieg der Eisgenossen ist bis heute der höchste Sieg der Geschichte des Schweizer Nationalteams, der ehemalige Nationaltorhüter Robert «Robelon» Meuwly sagt noch heute «i ha ke Pögg berüehrt». Auf die Frage wie hoch wohl seine Mannschaft (Canberra Brave) gegen die beiden heutigen Gegner SC Bern und Kloten Flyers verlieren würde, antwortet Alain Riesen mit demselben Resultat: «twenty-zero.»

Ursprung in der Berner Allmend

Alain Riesen? Sein Name lässt nichts über seine wahre Herkunft vermuten: Australien. Riesens Eltern sind 1987 durch ein Jobangebot in Australiens Hauptstadt Canberra aus Bern nach Down Under ausgewandert. Drei Jahre später, am 5. September 1990 hat Alain Riesen in Canberra das Licht der Welt erblickt. Im Alter von zwölf Jahren reist Riesen mit seinen Eltern in die Schweiz und besucht sein erstes Eishockeyspiel im Berner Allmend-Stadion. «Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen», nennt Riesen, der auch ein gebrochenes Berndeutsch spricht, als Grund für seine exotische sportliche Affinität im Land des Rugbys.

Der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga

Als 18-Jähriger debütiert der Doppelbürger 2009 in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Canberra Knights, dem traditionsreichsten von acht AIHL-Teams. Seine Schweizer Wurzeln führen den Stürmer in der Saison 2012/2013 zum EHC St. Moritz. Er habe ein paar Schweizer Klubs, darunter auch den EHC Wiki-Münsingen wo einst sein Grossvater gespielt hat, kontaktiert, sagt Riesen. Die Bündner boten dem College-Absolventen neben dem Hockey-Abenteuer auch eine Saisonstelle in einem Sportgeschäft, also spielte der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga.

Saisonstart im April

Im Dezember 2015 kehrt der 25-Jährige für einen Monat in die Schweiz zurück um seiner Freundin Chloe neben Paris und London auch sein Mutterland zeigen zu können. Neben den obligaten Sehenswürdigkeiten wie Luzern, Zermatt oder Genf gehören auch drei Eishockeyspiele dazu. Riesen, der bei seinem Onkel in Gasel weilt, besucht zwei Spiele in Bern, seinem Lieblingsclub und ein Spiel in Davos. Beeindruckt von der imposanten Kulisse in Bern startet der «Australier» im April 2016, die AIHL läuft von April bis August, in seine achte AIHL-Saison mit den CBR (Canberra) Brave, dort spielt der Rechtsschütze seine Heimspiele vor 800 Zuschauern. Die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftsport der Welt ist aber auch beim «anderen» Riesen mindestens so gross wie die Kulisse der PostFinance Arena.

Alain Riesen beim Abschluss gegen die Sydney Ice Dogs. (Foto: CBR Brave/Facebook)

Alain Riesen (#32) am 6. Juni 2015, bei Canberras 4:1-Sieg gegen die Sydney Ice Dogs. (Foto: Paul Furness)

Michael Krein

Ist der Bann der «Besiegbaren» gebrochen?

Ist Luganos Bann der «besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Ist Luganos Bann der «Besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Wetten dass, der HC Lugano im Frühling 2016 erstmals seit zehn Jahren eine Playoff-Serie gewinnt? Nach der Teilnahme am Spengler Cup 1991 hat Lugano schon einmal einen Bann gebrochen. Nach dem zweiten Spengler Cup Auftritt können die Tessiner in den Playoffs den Bann ihrer neunjährigen Negativ-Serie endlich beenden.

Seit ihrem letzten Meistertitel 2006 haben die stolzen Bianconeri keine einzige Playoff-Serie mehr gewonnen und im Frühling 2016 droht sogar das zehnjährige Jubiläum. Nach Luganos erster Spengler Cup Teilnahme im Dezember 1991 haben die Tessiner unbewusst den Grundstein der «Unbesiegbaren» zu den «Besiegbaren» gelegt.

Bis 1991 kennt Lugano nur den Playoff-Final

Bis im Frühling 1991 haben die Luganesi keine einzige Playoff Viertelfinal- oder Halbfinal Serie verloren. Seit Einführung der Playoffs, 1985/86 spielten die Tessiner bis 1991 immer im Final, dabei ging die Mannschaft von «Trainer-Magier» John Slettvoll viermal als Schweizermeister (1986, 1987, 1988, 1990) hervor, zweimal reichte es «nur» zum Vizemeistertitel (1989, 1991).

Bis zu Luganos erster Spengler Cup Teilnahme kennt man am Lago-di-Lugano meisterschaftstechnisch nur den Playoff-Final. So auch bei der ersten Spengler Cup Teilnahme 1991, als der HC Lugano-Selection erst im Endspiel an ZSKA Moskau (2:5) scheitert. Lugano erreicht an besagtem Turnier als erste Schweizer Klub-Mannschaft das Endspiel der Neuzeit am berühmtesten Grümpelturnier der Welt.

Durch den Spengler Cup vom Bann der Unbesiegbaren zum Bann der Besiegbaren…

Zwei Monate später starten die Bianconeri als Tabellenzweiter und Meisterschaftsfavorit wie üblich in die Playoff-Viertelfinals, der krasse Aussenseiter heisst dieses mal Zürcher Schlittschuhclub (ZSC). Für die Zürcher ist es erst die zweite Playoff-Teilnahme der Klubgeschichte und Luganos weiterkommen daher eine reine Formsache.

Das Wunder von Zürich

Die Zürcher, welche während der Meisterschaft ihren Trainer Dr. Pavel Wohl durch Arno del Curto (von Herisau gekommen) ersetzen, erweisen sich als unerwartete Knacknuss für die erfolgsverwöhnten Südtessiner. Bereits das erste Heimspiel verlieren die Bianconeri überraschend mit 5:7. Trotz einem 10:0-Sieg im dritten Spiel scheiden die Luganesi in der Best-of-Five Serie gegen den Tabellensiebten sensationell mit 1:3 aus. Die Medien berichten über das «Wunder von Zürich», denn erstmals in der Schweizer Playoff-Geschichte verliert ein Viertelfinal-Favorit gegen einen Aussenseiter.

Nach dem erfolgreichen Spengler Cup vor 24 Jahren, wurde der Bann der «Unbesiegbaren» gebrochen und es folgte ein erstmaliges Ausscheiden Luganos in den Viertelfinals. Nach dem erfolgreichen Spengler Cup 2015 wurde der Bann der «Besiegbaren» gebrochen und es folgt Luganos erstmalige Halbfinal-Qualifikation seit zehn Jahren. Die Antwort auf diese Prognose wird uns die Mannschaft von Douglas Arthur Shedden spätestens am 17. März 2016 geben können.

Luganos Playoff-Vergleich

Die «Unbesiegbaren» vor dem Spengler Cup 1991

1985 / 1986 Meister: Sierre 2:0-Serie, Davos 2:0
1986 / 1987 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0
1987 / 1988 Meister: Davos 3:1, Kloten 3:0
1988 / 1989 Vizemeister: Fribourg-Gottéron 2:0, Ambrì-Piotta 3:0, Bern 2:3
1989 / 1990 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0, Bern 3:1
1990 / 1991 Vizemeister: Biel 3:0, Kloten 3:1, Bern 1:3

Die «Besiegbaren» vor dem Spengler Cup 2015

2006 / 2007 Viertelfinal: Kloten 2:4
2007 / 2008 Playout
2008 / 2009 Viertelfinal: Davos 3:4
2009 / 2010 Viertelfinal: Bern 0:4
2010 / 2011 Playout
2011 / 2012 Viertelfinal: Fribourg-Gottéron 2:4
2012 / 2013 Viertelfinal: Zug 3:4
2013 / 2014 Viertelfinal: Genève-Servette 1:4
2014 / 2015 Viertelfinal: Genève-Servette 2:4

Michael Krein

Seit 18 Jahren warten wir auf sein NHL-Debüt

Hunter Shinkaruk bei seinem NHL-Debüt 2015 und bei seinem Auftritt mit den Calgary Hitmen 1997. (Fotos: Claus Anderson/Getty Images, Dave Chidley/Calgary Sun)

Hunter Shinkaruk bei seinem NHL-Debüt 2015 und bei seinem Auftritt als 2-Jähriger mit den Calgary Hitmen 1997. (Fotos: Claus Anderson/Getty Images, Dave Chidley/Calgary Sun)

Im Kultfilm «Zurück in die Zukunft II» wird der fliegende DeLorean mit Doc Emmet Brown (Christopher Lloyd) in den Schlussminuten von einem Blitz getroffen, einen Augenblick später kommt ein Postbote mit einem Brief von 1885 für Marty McFly (Michael J. Fox): «Wir haben diesen Umschlag nun schon seit 70 Jahren in unserem Besitz!… …Wir hatten schon Wetten abgeschlossen, ob dieser Marty hier sein würde!»

Nicht 70 aber 18 Jahre warte ich auf das verfassen dieses Berichts über den Kanadier Hunter Shinkaruk. 1997 stiess auf ein Foto eines 2-jährigen Knirps, der im WHL-Team (Western-Hockey-League) der Calgary Hitmen bei der Torbeschwörung mittun durfte. Sein Vater war Klub-Zahnarzt und der kleine Hunter war jeweils beim Warm-up mit den Grossen auf dem Eis. Zu seiner Unzufriedenheit musste man den «Kleinen» kurz vor Spielbeginn vom Eis nehmen. «Mein Vater sagte, ich war wütend weil ich nicht mitspielen durfte», sagt Shinkaruk heute.

ich war wütend weil ich nicht mitspielen durfte. (Hunter Shinkaruk)

Wie das Postamt von Hill Valley in «Zurück in die Zukunft II», habe ich das Foto von Calgary-Sun-Fotograf Dave Chidley vor 18 Jahren in mein Archiv gelegt um die Geschichte in ferner Zukunft zu Ende zu bringen. Tatsächlich stösst mir 2010 im Kader der Medicine Hat Tigers der Name «Shinkaruk» ins Auge, es ist der «Kleine» aus der Zeitung. 2013 wird Shinkaruk in der ersten Runde als Nummer 24 von den Vancouver Canucks gedrafted.

Am 16. November 2015 ist es soweit. Bei den Canucks fallen die Stürmer Alexandre Burrows (Geburt seines Sohnes Jacob, vielleicht der nächste Hunter?) und Brandon Sutter (verletzt) aus und Shinkaruk wird für die Partie gegen die Montreal Canadiens vom AHL-Farmteam Utica Comets für die NHL aufgeboten. Nach 18 Jahren darf der «Kleine» endlich bei den ganz Grossen ran, der Center spielt in einer Linie mit Adam Cracknell und Derek Dorsett und kommt dabei auf 13 Einsätze und eine Eiszeit von 9 Minuten und 35 Sekunden. Vielleicht hätte ich wie der Postbote eine Wette abschliessen sollen…

Michael Krein

Jari Kurri als Scout in Biel

Jari Kurri (rechts) am 13. November 2015 auf der Medientribüne in Biel. (Foto: Janne Vuorinen)

Jari Kurri (rechts) am 13. November 2015 auf der Medientribüne in der Bieler Tissot-Arena. (Foto: Janne Vuorinen)

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topklub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference».

Salminen im Fokus

Zur Zeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die  Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Jari Kurri in Tramelan unter Beobachtung von Beat Cattaruzza

Jari Kurri (Devils Mailand) 1990 unter Beobachtung von Biels Beat Cattaruzza. (Foto: Krein-Archiv)

Michael Krein

Hans Kossmann auf Albert Müllers Spuren

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Der 27-jährige Hans Kossmann trug das Trikot seines neuen Arbeitgebers schon 1989 im Albert Müller-Katalog. (Foto: Albert Müller/Krein-Archiv)

Am Sonntag, 25. Oktober 2015 wird Hans Kossmann beim HC Ambrì-Piotta als neuer Trainer präsentiert. Der Kanada-Schweizer unterzeichnet beim Tabellenschlusslicht einen Vertrag bis Ende der Saison 2016/17. Dass Kossmann mal in Ambrì anheuern würde, wusste der frühere Eishockey-Ausrüster Albert Müller schon vor 26 Jahren.

Amateur in Dübendorf

Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Kossmann in der Schweiz. Durch seine Schweizer Wurzeln (sein Vater ist im 2. Weltkrieg nach Kanada ausgewandert), lancierte Kossmann seine Schweizer Karriere 1985 beim HC Genf-Servette in der NLB. 1989 wechselte der Stürmer zum Erstligisten EHC Dübendorf, wo der Eishockey-Händler Albert Müller im Schlossacher 21 seinen Hauptsitz hatte.

Fotomodell bei Albert Müller

Die Dübendorfer 1. Liga-Cracks standen in dieser Zeit regelmässig als Teilzeit-Models für den Hockey-Katalog ihres Ausrüsters vor der Kamera, so auch der unbekannte Kossmann. Der 27-Jährige stand für einen CCM-Schulterschutz und diverse Trikots Modell. So ist der neue Ambrì-Trainer von 2015 bereits 1989/90 auf der Seite 92 im Ambrì Fan-Jersey abgebildet. Des weiteren präsentierte er sich im Dress des Kantonsrivalen HC Lugano, der Sowjetunion, den Toronto Maple Leafs, New York Rangers, Boston Bruins und Dynamo Riga. Was nicht ist, kann ja noch werden, zumindest bei Hans Kossmann.

Michael Krein

Gerbers Zeitreise in die Ilfishalle

Gerbe

Martin Gerber beim SRF-Interview nach seinem ersten Sieg im zweiten Auswärtsspiel in Langnau. (Foto: SRF)

Am 24. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner.

Vor 22 Jahren in der 1. Liga

In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.

In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor (Martin Gerber)

So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.

Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga

Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).

Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub.

Als ob es gestern gewesen wäre

Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silbermedaillen Gewinner von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.

 

Martin Gerbers Gastspiele in Langnau

19. Oktober 1993, 1. Liga: SC Langnau – SC Thun 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
3’394 Zuschuer. – Gerbers Gegentore: 3. Moser. 25. Markus Hirschi. 35. Michael Rentsch. 46. Lüthi. 51. Reto von Arx. 51. Walter Gerber.

23. Oktober 2015, NLA: SCL Tigers – Kloten Flyers 4:5 (0:3, 2:1, 2:1)
5’842 Zuschauer. – Gerbers Gegentore: 21. Nüssli. 30. DiDomenico. 49. Albrecht. 55. DiDomenico.

 

Foto

Martin Gerber (vorderste Reihe, dritter von rechts) 1992/93 beim Zweitligisten SC Signau. (Foto: Krein-Archiv)

 

Quellen: Rolf Schlapbach (SCL Tigers), Alex Reymondin (EHC Thun)

Michael Krein

Boucher und die Lightning-Connection

Die Berner TAmpa-Fraktion:

Die Lightning-Connection: Timo Helbling, Guy Boucher, Trevor Smith, Cory Conacher und Sean Bergenheim. (Fotos: zvg)

Beim SC Bern sind aktuell fünf ehemalige Protagonisten der Tampa Bay Lightning engagiert. Die Neuzugänge Cory Conacher, Trevor Smith, Sean Bergenheim und Timo Helbling, sowie der bisherige Headcoach Guy Boucher. Sie alle standen einst in der Organisation der Lightning. Die drei Stürmer Bergenheim, Conacher und Smith spielten zwischen 2010 und 2013 unter Boucher bei Tampa in der National-Hockey-League (NHL). Der Pionier unter dem Quintett ist aber Helbling, er stand bereits 2005/06 beim damaligen Stanley-Cup-Sieger unter Vertrag.

Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness (Guy Boucher)

In der NHL realisierte das Berner-Quartett in 156 Spielen 70 Skorerpunkte. In der Schweiz kommen die ehemaligen «Blitze» in den ersten 15 Qualifikations-Runden auf 29 Zähler. Am 20. Oktober 2015 gastiert der Tabellenzehnte HC Ambrì-Piotta in der PostFinance Arena. Nach 40 Minuten führen die Leventiner mit 3:1 und Bouchers Trainerstuhl gerät, gezeichnet durch die jüngsten Berner Auftritte und die nordamerikanische Gerüchteküche, ins Wanken. Doch die Blitze am Berner Eishockeyhimmel scheinen die Notsignale ihres ehemaligen NHL-Coaches noch rechtzeitig zu erhören.

Sechs Skorerpunkte der Lightning-Connection

Im letzten Drittel schlagen die «SCB-Blitze» gleich fünfmal in Ambrìs Gehäuse ein und der SCB gewinnt in einem spektakulären Eishockeyabend mit 6:3. Bouchers Lightning-Connection steuert bei der grossen Tampa-Show sechs Skorerpunkte (Helbling 3, Conacher 2, Smith 1) bei und verschafft ihrem ehemaligen NHL-Trainer Luft nach oben. «Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness», nennt Boucher als Schlüssel zum siegreichen Abend. Anders als die «Bern Lightning» präsentiert sich das Fanionteam in der NHL. Tampa Bay verliert am selben Abend gegen Roman Josi und die Nashville Predators mit 4:5 nach Penaltyschiessen, ob Jon Coopers Gameplan nicht konsequent umgesetzt wurde?

Michael Krein

Ehlers und das zweite Spiel

Nikolaj Ehlers trifft zum dritten Mal im zweiten Spiel. (Foto: Elsa, Getty Images)

Nikolaj Ehlers (Winnipeg Jets) trifft bei seinem Liga-Debüt zum dritten Mal in seinem zweiten Spiel. (Foto: Elsa, Getty Images)

Am 5. Januar 2013 siegte der EHC Biel in einem Qualifikationsspiel gegen die SCL Tigers mit 5:4. Dabei setzte Biel-Trainer Kevin Schläpfer den erst 16-jährigen Junior Nikolaj Ehlers ein. Der Sohn von Heinz Ehlers durfte in seinem zweiten NLA-Spiel in der ersten Linie mit Eric Beaudoin und Emanuel Peter spielen. Nach lediglich 25 Sekunden erwischte der Däne Langnau-Hüter Thomas Bäumle zwischen den Schonern und brachte Biel mit 1:0 in Führung und Ehlers-Junior skorte bereits in seinem zweiten NLA-Spiel.

Auch in Winnipeg zwei Spiele

Auch in der National-Hockey-League (NHL) benötigte Ehlers-Junior nur zwei Spiele für seinen ersten Skorerpunkt. In seiner zweiten Partie für die Winnipeg Jets gab der NHL-Draft von 2014 am 9. Oktober 2015, beim 3:1-Sieg gegen die New Jersey Devils, in der 22. Minute die Vorlage zum 1:0 von Mark Scheifele. Ehlers beendete die Partie mit einer Plus 2 Bilanz und stand 14 Minuten und 14 Sekunden auf dem Eis. Mit seinem ersten Skorerpunkt im zweiten NHL-Spiel ist Ehlers der elfte dänische Punktesammler (siehe unten) in der besten Liga der Welt.

Auch bei den Junioren zwei Partien

In der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) brauchte Ehlers ebenfalls zwei Spiele für den ersten Skorerpunkt. Am 13. September 2013 gab der Rechte Flügel der Halifax Mooseheads in der 17. Minute das Zuspiel auf Danny Moynihan’s 1:0 gegen die Charlottetown Islanders, die Partie ging allerdings 2:5 verloren.

Ehlers‘ zweite Spiele

NLA: 5. Januar 2013, Tor zum 1:0 nach 25 Sekunden.
QMJHL: 13. September 2013, Assist zum 1:0 (Moynihan) nach 17 Minuten und 5 Sekunden.
NHL: 9. Oktober 2015, Assist zum 1:0 (Scheifele) nach 21 Minuten und 3 Sekunden.

-> Ehlers erster NHL-Punkt

Die dänischen NHL-Skorer (Stand 10. Oktober 2015)

Frans Nielsen (NY Islanders), 297 Punkte*
Jannik Hansen (Vancouver), 185 Punkte*
Mikkel Bodker (Arizona), 174 Punkte*
Lars Eller (St. Louis, Montreal), 130 Punkte*
Peter Regin (Ottawa, NY Islanders, Chicago), 67 Punkte
Poul Popiel (Boston, Los Angeles, Detroit, Vancouver, Edmonton), 54 Punkte
Philip Larsen (Dallas, Edmonton), 31 Punkte
Nicklas Jensen (Vancouver), 6 Punkte*
Frederik Andersen (Anaheim), 4 Punkte*
Oliver Lauridsen (Philadelphia), 3 Punkte
Nikolaj Ehlers (Winnipeg), 1 Punkt*

*=noch in der NHL aktiv

Michael Krein