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Grosse Rochade in der Romandie?

Genfs VR-Präsident Hugh Quennec mischt sich bei Auswärtsspielen auch gerne unter die Fans. (Foto: Andreas Hatos)

Die Playoffs sind kaum eine Woche alt – und die Romands spielen nur noch dort mit, wo keiner sein will: Im Playout-Final (HC Fribourg-Gottéron). Hartnäckig hält sich überall die Argumentation, die grossen deutschschweizer Klubs hätten mehr öffentliche und politische Unterstützung (EV Zug), mehr Budget (ZSC Lions) oder mehr Einfluss (SC Bern). Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. In Genf und Lausanne werden zwei Tage nach dem 0:4-Sweep im Playoff-Viertelfinal gegen Zug, respektive Davos, die Scherben aufgewischt. Oder besser: Es wird mit dem eisernen Besen gekehrt. Im Falle der Waadtländer hält sich die Revolution noch in Grenzen. Dan Ratushny steht als Coach kaum zur Diskussion. Die amerikanischen Eigner sollen gemäss Waadtländer Presse zwar über das Out im Playoff und vor allem die Art und Weise wenig amused gewesen sein. Sportchef Jan Alston lässt sich dahingehend zitieren, dass die Saison bestenfalls befriedigend gewesen sei. Die letzten zehn Runden der Qualifikation und das Playoff aber ungenügend. Grosse Töne für einen Klub, der in der Neuzeit erstens froh sein musste, in die Runde der besten acht Teams vorzustossen und zweitens noch gar nie eine Playoff-Serie gewinnen konnte!

Natürlich: Man rührt jetzt mit der grossen Kelle an – oder besser gesagt mit dem Portemonnaie der Amerikaner. Dieselben Eigner, welche den EHC Kloten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion fallen gelassen haben. Praktisch um jeden freien Spieler auf dem Markt wird für nächste Saison mitgeboten. Das neue Stadion ist mehr als nur eine Planung auf dem Reissbrett. Dennoch birgt die Strategie Gefahren. Lausanne ist und bleibt ein durchschnittliches NLA-Team. Die nächsten zwei Saisons müssen in einem Provisorium über die Bühne gebracht werden. Bei den anderen Klubs – oder besser deren Fanclubs – machen sich die Waadtländer nicht gerade beliebter, indem sie den Gästesektor komplett streichen. Die Amerikaner haben schon in Kloten gezeigt, dass die Lunte zu ihrem Geduldsfaden sehr kurz ist.

Servette ohne Chris McSorley: Kann das gut gehen?

Bei Servette scheint die Lage schlimmer, unübersichtlicher, chaotischer zu sein. Wer hätte gedacht, dass «Monsieur Servette» Chris McSorley nach einer einzigen Playoff Niederlagenserie (und zwei Halbfinal-Qualifikationen hintereinander) gleich zur Disposition steht? Im welschen Fernsehen RTS erklärte ein sichtlich irritierter McSorley auf französisch «J’espère rester!» Wenn man weiss, wie hartnäckig der Kanadier sich der Sprache von Voltaire über all die Jahre verschlossen hat, klingt das schon fast nach einem Hilfeschrei. Was ist passiert? McSorley hat 2016 seine Klub-Anteile an den sowohl omnipräsenten wie auch schwer fassbaren Präsidenten Hugh Quennec abgetreten. Seine Daseinsberechtigung hat sich McSorley mit einem goldenen Fallschirm (sprich Rentenvertrag) als Coach bis in alle Ewigkeit (man spricht von 10 Jahren) gesichert. Doch was nützt ihm das, wenn sein «Freund» Quennec ihn fallen lässt?

…wenn sein «Freund» Quennec ihn fallen lässt?

Im dritten Playoff-Spiel gegen Zug tauchte Quennec mit Hans Kossmann an seiner Seite auf. Sofort schossen Spekulationen ins Kraut. Quennec beschwichtigte und nannte Kossmann einen guten Freund, mit dem er sich ein Eishockeyspiel anschaut. Das war bei McSorley auch mal der Fall. Woher die Finanzen im Fall von Servette stammen, bleibt weiterhin im ungewissen. Gemäss Tribune de Genève, die in Sachen Servette immer aus erster Quelle berichtet, soll die Idee des neuen Stadions «Trèfle-Blanc» wie ein Kartenhaus zusammengefallen sein. Die Stadt Genf jedenfalls ist weder an einer Mitbeteiligung interessiert, noch hat sie irgendwelche Baugesuche aufgelegt. Im Hintergrund treiben auch hier Leute aus Übersee ihre Finanz-Jonglage. Quennec hat mit seinem missglückten Engagement im Fussball (FC Servette) nicht gerade zur Vertrauensbildung beigetragen.

Die grosse Rochade

Fragt sich also: Was passiert mit dem Romand-Hockey? Solide finanziert scheint zur Zeit nur Gottéron zu sein. Die Gelder kommen quasi aus dem Staatsfonds der beiden Firmen Groupe E (Strom) und FKB (Kantonalbank). Doch die Freiburger sind mit ihrem Sportchef Christian Dubé mehr als nur in die Bredouille geraten. Trotz massiv teurerem Kader als Lausanne und Servette, finden sie sich im Playout-Final wieder. Und wehe, der Gang in die Ligaqualifikation würde folgen. Die Freiburger haben selbstbewusst für die nächste Saison bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Sie glauben, Ambri-Piotta sei kein echtes Hindernis im Kampf gegen den Abstieg. Nun, wir werden sehen. Mit Reto Berra hat man im Üechtland einen Top-Torhüter verpflichtet (man spricht von einem drei-Jahresvertrag mit Option auf eine vierte Saison). Den tschechischen Supertechniker Cervenka möchte man gerne behalten. Die Verpflichtungen des Skorers Broc Little und des Kapitäns der schwedischen Spitzenmannschaft Färjestads BK, Magnus Nygren, sind mehr als ein Gerücht. Die beiden wichtigsten Personalien Julien Sprunger und Andreï Bykow wurden vorzeitig geregelt.

Bleibt also noch der Coaching-Posten. Und genau hier kommt die Akte McSorley ins Spiel. Denn mit Larry Huras wird das Team an der Saane mit 200-prozentiger Sicherheit nicht in die nächste Saison steigen. Huras kam als Feuerwehrmann und kann wieder gehen. Die Frage ist nur: Wie löst man das finanzielle Problem mit McSorley’s Rentenvertrag? In diesem Falle ist die Schlauheit von Dubé gefragt. Quennec will offensichtlich seinen langjährigen Kumpanen in Genf los werden. Freiburg sucht händeringend nach einem Coach, der dem verwöhnten Team die Flausen austreibt. Und schliesslich würde Gottérons-Ex-Coach, Hans Kossmann in Genf landen. Es wäre mehr als eine Ironie des Schicksals, wenn dabei die beiden Assistenz-Zwillinge René und Louis Matte als Zusatzcoaches zum Handkuss kämen. Bei Ersterem ist seit der Entlassung in Freiburg Langeweile ausgebrochen. Oder wie es sein Zwillingsbruder vor dem letzten Match in Genf gegen Zug treffend sagte: «Il s‘ emmerde…» Oder auf gut Deutsch gesagt: Er hätte Zeit!

Mathias Marti

2’600 Fans beim 2. Liga-Final

2'614 Zuschauer in der 2. Liga, davon träumen sogar einige NLB-Teams. (Foto: HC Sierre)

2’614 Zuschauer in der 2. Liga, davon träumen sogar einige Teams in der NLB. (Foto: HC Sierre)

Tatort Playoff-Final in der 2. Liga, Gruppe 6, Westschweiz, Spiel 4 zwischen dem HC Sierre und dem Villars HC, 2’614 Zuschauer! Eine 2. Liga-Partie mit mehr als 2’600 Zuschauern? Kaum zu glauben. Mit den beiden Traditionsklubs Villars und Sierre messen sich zwei ehemals Grosse des Schweizer Eishockeys in dieser Finalserie. Immerhin gehörte Villars zu den acht Gründungsmitgliedern der Schweizerischen Eishockeyliga (die anderen sieben waren ebenfalls Romands) und wurde in den 60ern sogar zwei Mal Schweizermeister.

Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Während der Villars HC immer noch in der von Madame Potin gesponserten Halle spielt und eigentlich zum Inventar der 1. Liga Westschweizer Gruppe gehört, hat sich Sierre nach dem Zwangs-Abstieg 2013 (notabene unter Trainer Morgan Samuelsson) aus der NLB direkt in der 3. Liga wiedergefunden.

Die Helden um die Gebrüder Croci-Torti und Boucher

Die Villardous (wie sie daheim genannt werden) hatten in der letzten Saison das Pech, die Playoffs in der 1. Liga um einen einzigen Punkt zu verpassen. Vor der Relegationsrunde wurde der Trainervertrag mit dem langjährigen Villars-Crack Gaëtan Boucher verlängert. Doch es kam anders als geplant. Niederlagen gegen Vallée de Joux (mit Coach Beat Kindler) und Yverdon besiegelten den Abstieg der Renards. Das alles hat Boucher an der Bande gar nicht mehr miterlebt. Zunächst wurde er krank gemeldet, anschliessend entlassen.

Das welsche Eishockey-Märchen von einst, erlebt in der 2. Liga eine Renaissance…

Der Abstieg war in Villars-sur-Ollon, wie die Station in den Waadtländer Alpen korrekt heisst, ein Drama. Trotzdem haben sich einige der routinierten Spieler auch für die 2. Liga zur Verfügung gestellt: Sémir Dufresne (Captain und Topscorer), Thierry Marro (der Patrick Kane des armen Mannes, würde Michael Krein in Anlehnung an einen berühmten Chronisten sagen), Nicolas Bernasconi (Ex-Martigny), Yves Jelovac (Bruder des EHC Biel Verteidigers) oder Vincent Ermacora (Ex-Gottéron). Präsident Philippe Bonzon (einst Teil der Meistermannschaft in den 60ern und nicht zu verwechseln mit dem französischen Nationalspieler und ex-Servettien Philippe Bozon!) holte junge Spieler, die in Villars ausgebildet wurden, zurück ins Team. Unterstützung erhalten die Renards auch von Lausanne-Hexer Cristobal Huet, der mit seiner Familie in Villars wohnhaft ist. Seine beiden Söhne spielen für die Nachwuchsteams des VHC und oft ist der französische Nationalgoalie in den Trainings der Youngsters engagiert.

Einst Aldo Zenhäusern und Didier Massy, heute Jan Zenhäusern und Johan Massy

Die Sierrois (oder Siderser) haben im März 2013 die Bilanz deponiert und mussten in der 3. Liga einen Neustart als HC Sierre wagen. Dort hielten sie sich nicht lange auf und sind direkt in die 2. Liga aufgestiegen (23 Siege in 23 Spielen). Das deponieren der Bilanz war auch für die stolzen Walliser ein Drama. Die altehrwürdige Patinoire-de-Graben ist dem Schreibenden noch bestens aus Duellen mit dem EHC Biel Mitte der 90er Jahre bekannt. Seither hat sich im Graben nicht viel geändert. Die mehrheitlich aus Stehplätzen bestehende Tribüne ist immer noch aus Holz – die Ambiance dafür einmalig. Hier wie dort wurde rund um altgediente Spieler junges Personal eingebaut. Der Erfolg hat sich rasch eingestellt. Und Sierre kämpft bereits wieder um den Aufstieg in die höchste Amateurklasse!

Zwischenstand in der Finalserie: 2:2

Am Sonntag um 20 Uhr wird es in der Patinoire-de-Villars nochmals heiss zu und her gehen. Die beiden Teams treffen sich zum alles entscheidenden fünften Finalspiel. Die Kapazitäten der Halle in Villars liegen zwar deutlich tiefer als in Sierre – aber mehr als 1’000 Zuschauer werden auch am Sonntag wieder ihre Teams anfeuern. Der Sieger wird sich in einer weiteren best-of-five Serie mit dem HC Star La Chaux-de-Fonds um den Romand-Titel in der 2. Liga messen. Eigentlich würde es sich lohnen, dabei zu sein…

Sierres Michaël Pont im Zweikampf mit Villars' xxx. (Foto: HC Sierre).

Am Sonntag kommt’s in Villars zum 2. Liga-Showdown zwischen Michaël Pont (links) und Mathieu Kohli. (Foto: HC Sierre).

Mathias Marti

Svenska stjärner i NLA: Poängmaskinen

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Sie haben den Titel nicht verstanden? Schade. Ein Schwedisch-Kurs könnte sich in dieser Eishockey-Saison lohnen. Die neuen «stjärner» oder Stars in der NLA entpuppen sich nämlich als wahre Punktemaschinen. Sie wurden bereits vor der Saison als Top-Transfers angekündigt. Linus Klasen in Lugano, Daniel Sondell in Zug und natürlich auch Pär Arlbrandt und Niklas Olausson in Biel. Und sie halten, was man sich von ihnen versprochen hat. Mitte Oktober besetzen die Importspieler aus dem Norden nicht weniger als sieben Plätze in den Top-10 der NLA-Skorerliste.
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Mit Fredda Pettersson, Marcus Paulsson und Nicklas Danielsson beanspruchen Tre-Kronor-Spieler gleich die ersten drei Plätze der Goalgetter. Pierre-Marc Bouchard, der Zuger NHL-Filigrantechniker, verteidigt als Viertplatzierter die Ehre der Kanadier. Sprunger und Wick vervollständigen das Bild der Top-10, beides langjährige Skorer ihrer Teams.

«Die Schweden-Importe sind effiziente Skorermaschinen».

Natürlich ist die Saison noch jung. Natürlich kann sich noch viel ändern. Und natürlich pflegt ein bekannter Eishockey-Chronist jeweils zu sagen: «Die Stars des Herbsts waren noch nie die Stars des Frühlings.» Mag alles sein. Der massive Import aus dem Land der Elche hat sich aber für die meisten Teams gelohnt.

Effizienz, Taktik und Teamspirit

Die Schweden versprechen nicht nur Spektakel. Sie sind taktisch (nichts Neues unter der Sonne) hervorragend geschult und die meisten von ihnen gewöhnen sich sehr rasch an die Lebensumstände in der Schweiz. Die Mannschaftsdienlichkeit gehört dabei zum Gesamtpaket. Ein Blick auf die +/- Bilanzen der jeweiligen Spieler unterstreicht dies. In der Strafenstatistik tauchen sie – anders als die Nordamerikaner – kaum in Erscheinung.

Es ist bereits nach einem Fünftel der Qualifikation augenfällig: Teams, die sich mit Nordeuropäern verstärkt haben, gehören zu den Tabellengewinnern. Ausnahme bilden hierbei die Lakers, welche ohne ihre Schweden wohl noch heftiger unter die Räder kämen. Und natürlich die ZSC Lions mit ihrem breiten Kader. Die Ausländer spielen dort eine untergeordnete Rolle. Kloten (ohne Berücksichtigung des Mueller-Transfers) und Gottéron (Ausnahme: Mauldin) gehören bisher mit ihren schwachen Nordamerika-Söldnern zu den deutlichsten Verlierern. Vielleicht sollten Housi und Fige mal einen Blick ‚gen Norden richten?

Mathias Marti

Beton-Hockey als Erfolgsrezept?

Teemu Selänne

Teemu Selänne: 43 jähriger MVP des Olympia-Turniers von Sochi (snstatic.fi)

Als bestbesetztes Hockey-Turnier aller Zeiten wurde das Starterfeld in Sochi bezeichnet. Wohl zu Recht. Doch: was ist vom Glanz der besten Spieler der Welt geblieben? Wenn man die Matches in der Endausmarchung zum Massstab nimmt, nicht viel. Nach dem Finalspiel der Kanadier gegen die Schweden kann man als Eishockey-Liebhaber nur hoffen, dass die Coaches dieser Welt nicht zu genau hingeschaut haben. Ein derart emotionsloses Team mit dem Ahornblatt auf dem Leibchen hat man wohl selten gesehen. Dass die Schweden immer noch besser sind im Abwehr-Riegel bauen und «Midsommar» feiern, als im Offensiv-Feuerwerk zünden…. das ist beileibe nichts Neues. Aber die Kanadier?

Die beiden in der Vorrunde und bis ins Halbfinale begeisternden Teams aus Finnland und den USA haben leider für die Goldmedaille einen wichtigen Vorsatz vergessen: Defense first! Auffällig ist, dass im Allstar-Team nicht etwa die Plätze unisono an die beiden Finalisten vergeben wurden. Ganz im Gegenteil: wer wirklich für Unterhaltung gesorgt hat, waren die Selänne’s, Granlunds und Kessel’s an diesem Turnier. Mit Lundqvist, Karlsson und Doughty sind bezeichnenderweise drei Leute aus der Defensivabteilung der Finalisten im Allstar-Team. Wobei vor allem Karlsson offensiv enorm produktiv war.

Mehr Spektakel als im Vorrundenspiel zwischen Russland und den USA wurde leider an diesem Turnier nie mehr gezeigt. Und dies nicht nur wegen Oshie’s Penalty-Show.

Vielleicht erleben wir auch aus Schweizer Sicht an der WM in Weissrussland wieder mehr Action. Ein Turnier zwar mit weniger Glanz auf dem Papier, aber möglicherweise mehr Unterhaltung auf dem Eis. Zu hoffen wäre es!

Mathias Marti
Julien Vauclair an der Scheibe

Sind die Romands Weicheier?

Julien Vauclair an der Scheibe

Julien Vauclair: der letzte Mohikaner….

Ich behaupte: ja! Beweise für diese Aussage gefällig? Tatort: PostFinanace Arena zu Bern, 14. Dezember 2013. Im vierten Aufeinandertreffen der letztjährigen Finalgegner Bern und Gottéron spielt der SC Bern unter Lars Leuenberger zum ersten mal  «Hit and Run-Hockey». Die ersten sechs Checks schliessen die Berner souverän ab. Kein Freiburger kann auch nur ansatzweise reagieren. Antti Miettinen fällt nach einem korrekten, harten Check von «Bidu» Gerber bereits in den Startminuten aus. Hans Kossmann sieht sich genötigt, sein Timeout  in den ersten acht Minuten zu beziehen, um sein Team vor dem vorzeitigen Untergang zu bewahren. Genützt hat es nur bedingt. Hätten die Berner ihre gefühlten tausend Chancen ausgenützt, wäre eine Kanterniederlage unausweichlich gewesen. So gesehen war das 2:1 Schlussresultat noch das Beste für die Gäste aus dem Üechtland. Das Spiel verläuft genau so, wie der letzte Playoff-Final. Die Berner kaufen dem – vor allem bei den Fans – verhassten Gegner den Schneid von Beginn weg ab.

Die Romands-Fraktion

Im gesamten Spiel fällt auf: Die Romands-Fraktion der Freiburger ist bei dieser harten Playoff-Gangart unter ferner liefen. Die Herren Bykov, Birbaum, Loeffel, Sprunger, Monnet, Huguenin, Ngoy, Lauper? Wurden nicht gesehen. Der Sensler Center Sandro Brügger sinniert nach dem Spiel in die Mikrophone der Journalisten: «Wir waren überhaupt nicht bereit. Die Berner überfuhren uns gleich zu Beginn». Diese Aussage erstaunt. Haben die Freiburger keine Zeitung gelesen und vom schnellen, harten Hockey der Berner unter Leuenberger keine Kenntnis genommen? Kaum erstaunlich dagegen, stimmen die Berner Fans ihre Lieblings-Parole an die Adresse der Freiburger an: «Nie Schweizermeister, Ihr werdet nie Schweizermeister!» Wohl wahr: denn wer die nötige Härte nicht aufs Eis bringt, wird kaum bis zum letzten Spiel der Saison siegreich bleiben.

Der grösste Erfolg des Schweizer Eishockeys findet ohne Romands statt

Ortswechsel: Stockholm, Globe Arena. Die Schweizer Nati hat nach einer begeisternden WM den Vize-Weltmeistertitel errungen. Auch hier fällt auf: die Romands spielen im Aufgebot von Sean Simpson keine Rolle. Einzige Ausnahme: Julien Vauclair. Es ist wohl nur eine Laune des Schicksals, dass ausgerechnet Vauclair (zugegeben nach einem ausgezeichneten Turnier) den entscheidenden Scheibenverlust im Final gegen Schweden verursacht. Mit im Aufgebot wäre auch der Künstler Monnet gewesen – ausser dem Platz auf der Tribüne schaut für ihn aber keine Minute Eiszeit heraus. Und sonst? Gähnende Leere auf dem Matchblatt.

Erfolg hat, wer hart spielt

Woran liegt es, dass die Romands derart ins Hintertreffen geraten sind? Wenn man sich die erfolgreichsten Teams in den führenden Ligen Europas und Nordamerikas anschaut, waren in den letzten Jahren stets starke, harte, taktisch gute Teams erfolgreich. Skelleftea AIK und Brynäs IF Gävle in Schweden, die Chicago Blackhawks (2x), Boston Bruins und die Los Angeles Kings in der NHL, Eisbären Berlin in der DEL. Die Zeiten der Traumtänzer sind vorbei. Die Weltmeisterschaft in Schweden stützt diese Aussage. Spielstarke Teams, wie die Tschechen oder Russen, mussten die Segel ungewöhnlich früh streichen. Die Schweizer wurden für Ihre harte Arbeit und taktische Reife zu Recht gelobt.

Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer: die weichen, verspielten Romands mögen das harte Spiel auf den Mann überhaupt nicht. Kaum geht an den Banden die Post ab, verlieren sich die Welschen in den Niederungen der neutralen Zone. Vielleicht könnte man sich ennet der Saane bei Chris McSorley in Genf etwas abschauen. Die Härte ins Spiel der Grenats bringen nicht etwa Einheimische, sondern Kanadier, Kanada-Schweizer und…… Deutsch-Schweizer. Die Romands unter Führung von Kevin Romy sind dann und wann noch für die spielerischen Highlights zuständig. Nicht mehr und nicht weniger. Sollte also Gottéron, Lausanne oder sonst ein Team aus der Romandie tatsächlich nächstens mal den Titel holen wollen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Der SCB scheidet vorher im Playoff aus, oder die Romands-Fraktion im Team wird verkleinert.

 

 

Mathias Marti

Kann ein Trainer entlassen und wieder eingestellt werden?

2013-11-28_220813Neuerdings macht die pro-Facebook-Antti-Törmänen-Kampagne auf den Social-Media Kanälen in Bern die Runde. Was romantisch verklärt tönt, ist im SCB Realität. Die Fans lassen sich «ihren Meistertrainer» nicht einfach so vom Konterfei streichen. Doch: kann man einen Trainer feuern, um ihn auf Druck der Supporter eine Woche später wieder einzusetzen. Ich sage «Nein!»

Die Psychologie des Sports

Natürlich, Törmänen ist ein feiner Gentleman des Eishockeys. Natürlich, er war in zwei Saison erfolgreich beim SCB. Natürlich, man hätte unbedingt mehr Geduld haben sollen. ABER: Es gibt im Sport nichts Schlimmeres, als von einem Entscheid mit weitreichenden Konsequenzen in so kurzer Zeit wieder ab zu weichen. Der Entscheid Törmänen zu entlassen mag noch so falsch sein. Das SCB-Management muss nun die Konsequenzen aus diesem Entscheid tragen. Den Finnen wieder einzusetzen, ist zwar fan-politisch opportun. Aber was, wenn der SCB drei, viermal hintereinander verliert? Plötzlich in den Abstiegsstrudel der Playouts gerät? Kein Trainer der Welt würde mit dieser Vorgeschichte je wieder genügend Kredit bei den Spielern geniessen. Die Macht des Faktischen ist stärker als der Facebook-Wille der Fans!

Und was bleibt?

Der offensichtliche Unwille der Berner im Erfolg und in der Niederlage mehr Demut zu zeigen. Anstatt sich am Meistertitel zu erfreuen, verhunzt man den geschlagenen Gegner (Hurensöhne Gottéron). Dafür zeigt man in der Niederlage nicht den Willen, mehr Geduld auf zu bringen. Wobei die Akzeptanz des Lions-Gegentreffers in der letzten Sekunde vor zwei Jahren von grosser Klasse zeugte!

Zu oft ist in der ehrwürdigen Allmend alles nur «damn-good» oder «bloody crab»! Tatsächlich zeigt Interims-Coach Lars Leuenberger, dass man mit demselben System, denselben Stürmern, demselben Torhüter, denselben Routiniers durchaus zu Punkten kommen kann. Der Erfolg von «Lazer» könnte noch zum Problem für die Berner werden. Zum Abschluss noch eine Frage: Wurde beim EVZ je die Frage nach dem Trainer gestellt? Ok, Doug Shedden wurde auch noch nie Meister mit den Zugern…

 

 

Mathias Marti
Seguin, Zetterberg, Tavares

Die Krise der Lockout-Profiteure

Seguin, Zetterberg, Tavares

Die Zuger, Bieler und Berner Veredelung 2012 wird schmerzlich vemisst. (Foto-Montage: Marti)

Was haben Zug, Biel und der SCB gemeinsam? Ganz einfach: alle drei sind in der Krise und sie alle profitierten in der letzten Saison überdurchschnittlich vom NHL-Lockout.  Die drei Klubs mit unterschiedlichen Budgets, Ambitionen und Potenz zeigen auffällige Gemeinsamkeiten. Beweis gefällig?

Blenden wir zurück ins neblige Biel, Oktober 2012: Die Seeländer starten mit wenig Kredit und Aussicht auf eine Playoff-Qualifikation in die Saison 12/13. Der Start ist miserabel. Nach wochenlanger Spekulation wird der NHL-Lockout Tatsache. Man spricht viel von Stars hier und dort und in der Uhrenstadt macht ein gewisser Tyler Seguin seine Aufwartung. Niemand beachtet den 67 Punkte-Mann der Bruins. Journalisten erkundigen sich beim Pressechef, wie man überhaupt diesen Namen ausspreche… Bis er Tor um Tor erzielt. Bald darauf ergänzt Superstar Patrick Kane den Bostoner Skorer. Die beiden erzielen in 29 resp. 20 Spielen 63 (!) Skorerpunkte und schiessen den EHC in die Playoffs. Tore und Assists die in dieser Saison keiner mehr schiesst. Der Fall ins Playout wird diesmal auch durch den Hockeygott nicht zu verhindern sein.

Zug ohne Brunner und Diaz, wie Fondue ohne Weisswein

Szenenwechsel: der EV Zug verliert im Sommer 2012 mit Damien Brunner seinen wichtigsten Schweizer Stürmer in die NHL. Zwar wird mit Linus Omark ein Schwedischer Künstler verpflichtet, aber das Hauptproblem „Lotter-Goalie“, wie ein Chronist zu sagen pflegt, ist nicht gelöst. Resultat ist ein miserabler Start in die Meisterschaft. Doch Zugs Manager Patrick Lengwiler ist alles andere als langweilig und reagiert als einer der ersten auf den Lockout. Er sorgt nicht nur dafür, dass Brunner und Diaz wieder im Steuerparadies landen, er verpflichtet gleich noch Superstar Henrik Zetterberg dazu. Das Resultat lässt sich sehen: Die drei Lockout Verstärkungen notieren in rund 30 Spielen sagenhafte 118 Skorerpunkte. Und mit Ihnen geht auch der Stern des eigensinnigen Omark auf: 69 Punkte in 48 Spielen. Davon 52 Assists! Zug schafft es weg vom Tabellenende in die Playoffs und scheitert dort im Halbfinale ohne NHL-Verstärkung klar am SCB. Davon ist der EVZ nach fast der Hälfte der Qualifikation im Herbst 2013 weit entfernt. Prognose: Zug erholt sich diesmal nicht mehr und verpasst das Playoff!

Der SCB steht heuer genau dort, wo er letzte Saison eigentlich schon gestanden hätte…

Bleibt noch der Ligakrösus aus der Bundesstadt. Viel wird vor der Saison 12/13 spekuliert über das Team von Antti Törmänen. Zu alt, zu langsam, zu schwach in der Defensive. Tatsächlich legen die Berner vor einem Jahr einen schwachen Saisonstart hin. Bis die wundersame Erlösung aus der NHL in Form des Lockouts kommt. Mark Streit und Roman Josi verleihen der löchrigen Berner Defensive nicht nur Stabilität, sondern auch Vorwärtsdrang. In den ersten drei, vier Spielen wird an den Berner Stammtischen zwar noch dauernd über Streits mangelnde Performance gemault. Aber die Werte lassen sich sehen: Der Kapitän der Schweizer Nati notiert in 32 Spielen 26 Punkte. Und viel wichtiger, er weist eine +19 Bilanz auf. Roman Josi stösst etwas früher zum Team, erleidet aber eine Verletzung. Trotzdem sind auch seine Werte beeindruckend: 17 Punkte in 26 Spielen und vor allem eine +14 Bilanz. Keine anderen Mutzen-Verteidiger weisen auch nur annähernd so gute +/- Bilanzen auf. Streit überzeugt zusätzlich seinen Kumpel John Tavares aus New York, nach Bern zu wechseln. Tavares überflügelt die ganze Lockout-Armada mit seinen Werten: in 28 Spielen erzielt er nicht weniger als 42 Punkte. Aber er hat nicht nur Vorwärtsdrang, sondern sichert auch die Defensive ab. Seine +16 Bilanz spricht Bände.

Der Coach unter Beschuss

Dass Törmänen noch am 29. September 2012 vor dem Rauswurf stand, haben viele SCB-Anhänger nach dem Meistertitel schon wieder vergessen. Die BZ formulierte es damals so: «Die Verpflichtung von Tavares gründet nicht im verpatzten SCB-Saisonstart, in die Wege geleitet worden war sie vor der schwachen Vorstellung am Dienstag gegen Rapperswil (1:3-Heimniederlage). Der Druck auf Coach Antti Törmänen wird durch die Verstärkungen nicht kleiner. Lüthi mag nicht auf Trainerdiskussionen eingehen, sagt nur: Ich erwarte Leistung. Jetzt erst recht.» Das kommt einem doch im Herbst 2013 alles sehr bekannt vor…

Mathias Marti

Wenn das alte Hallenstadion-Feeling in Lyss auflebt

Hockey Day Lyss

Swiss Ice Hockey Day 2013 in Lyss

Tatort: Eishalle Lyss

Anlass: Swiss Ice Hockey Day 2013

Anwesend: Nationaltrainer Sean Simpson, die ex-Lysser Philipp & Simon Rytz, Geoff Kinrade (SCB), Manuel Gossweiler (EHC Biel), rund 50 begeisterte Kids

Organisiert: SC Lyss und seine Juniorenverantwortlichen

Essen: Fondue und Lysser Bratwurst in der Hallenbeiz

Stimmung: Ausgelassen bis enthusiastisch; Eine Atmosphäre in der Fondue-geschwängerten Halle, wie beim legendären ZSC…..

Erfolgsfaktor: Viele kleine Eisflitzer, welche in einer gut vorbereiteten Umgebung dem Puck nachjagen konnten!

Verbesserungspotenzial: Die Lysser hätten es verdient, noch mehr Publikum anzuziehen.

Mathias Marti

Endlich in der NLA angekommen

Ralph Stalder: Der Jörg Reber der Romandie

Ralph Stalder: Der Jörg Reber der Romandie

«Ja, es hat gedauert, bis ich endlich in der National League A angekommen bin!» Der dies sagt, ist Ralph Stalder – 27jähriger Linksverteidiger beim Aufsteiger Lausanne. Stalder hat eine wahre Hockey-Odysee hinter sich. Aus der Talentschmiede in Zunzgen-Sissach herkommend (wie Kevin Schläpfer, Oliver Kamber und Marc Grieder), hat sich der Oberbaselbieter zuerst in Davos nicht durchsetzen können. Via Powermäuse aus Olten ist er schliesslich in Basel – beim EHC gelandet. «Irgendwie komisch: hier in Lausanne bin ich 2005 mit Basel zwar aufgestiegen, ich konnte mich aber in der Nati A nicht halten».

Olten-Basel-Olten-Basel-Olten

Also ging es weiter auf  Wanderschaft. Statt mit Basel in der obersten Liga, ging «Staldi», wie er von seinen Kollegen genannt wird, wieder in Olten auf Puckjagd. In den darauf folgenden zwei Saisons pendelte die Nummer 14 zwischen Basel und Olten. Er erlebte auch den bitteren Abstieg 2008 und die 0:4 Pleite der Basler in der Ligaquali gegen den EHC Biel.

Ohne Lust auf eine weitere Saison in Basel wechselte der 1m78 kleine Defensivspezialist zu Langenthal. Während der Saison wurde er kurzfristig an den damaligen NLA-Aufsteiger Biel ausgeliehen, wo er mit einem gewissen Jörg Reber verteidigte. Zufall oder nicht: wenn man heute Stalder in der Pationoire de Malley auf dem Eis beobachtet, erinnert sein Spiel unweigerlich an das Grosshöchstettener-Fossil. «Ich habe damals in Biel bei Räbi einiges abgeschaut» lacht Stalder, auf den Vergleich angesprochen.

Aber wie das Hockey-Leben so spielt, erlebt Stalder den Ligaerhalt der Bieler aktiv mit, muss aber für die Saison 2008/2009 in Lausanne wiederum in der zweithöchsten Spielklasse unterschreiben. Dort hat er sich gehalten und ist nach vier weiteren Saisons endlich, endlich im Hockeyhimmel – sprich in der NLA – angekommen.

Mathias Marti
Copyright Kloten Flyers

Kloten und der heimliche Transfer-Coup

Copyright Kloten Flyers

Peter Mueller im Dress der Florida Panthers, Neuzugang der Kloten Flyers

Peter Mueller? Klarer Fall: Pitsch, der sich auf den Kopf stellende, immer im Schatten von Pirmin stehende, Zürcher Grossmaul-Abfahrer. Was hat dieser Peter Mueller auf einem Eishockeyblog zu suchen? Nichts, wahrlich gar nichts. Die Rede ist von seinem Namensvetter. Peter Mueller, born (no, not in Adliswil) in Bloomington, im US-Bundesstaat Minnesota.

Er trägt seit dieser Saison die Nummer 88 der Flyers. «Seine» Nummer 88. Bisher nahmen nur Hockey-Experten Kenntnis vom heimlichen Transfer-Coup der Flieger. Mueller, Gardemasse von 1m88 und 95 Kilogramm schwer, hat das Pech einen schweizerischen Allerweltsnamen zu besitzen. Wer nichts her gibt beim Namen, ist auch nichts wert. Oder etwa doch nicht? Kein grosser Name also? Gräbt man ein bisschen tiefer in den NHL-Analen, stellt man interessantes fest. Mueller war ein Schnell-Starter. Er wurde 2006 von Phoenix als Nummer 8 gedraftet und erzielte in der ersten NHL Saison (2007/2008) in 81 Spielen satte 54 Punkte. Ausgezeichnete Werte für einen Rookie. Im darauffolgenden Jahr gehörte er – immer noch bei Phoenix – zu den fleissigen Skorern und sammelte 36 Punkte.

Von den Panthers zu den Flyers

Dann kam der Wechsel nach Colorado und mit ihm der Taucher. Eine Saison konnte Mueller gar nicht mittun. Der darauffolgende Wechsel nach Florida gab ihm wieder Auftrieb. Allerdings waren die Panthers vorsichtig und offerierten nur einen 1Jahres-Kontrakt. In Florida waren zwar die Skorerwerte nicht top – aber wen wundert es, bei einer der schwächsten Franchise. Dennoch war der als Center oder Flügel einsetzbare Stürmer von grossem Wert.

Das ist alles trockene Tinte auf altem Papier. Die lange Haarpracht aus der NHL ist weg. Mueller nun bei Kloten. Die Flyers haben einen Transfer-Coup gelandet und das Beste: niemand hat’s bemerkt. Die Klotener hatten bisher noch nicht einmal Zeit, ein aktuelles Foto im Flyers Outfit auf die Homepage zu laden. So überrascht waren sie vermutlich selber über den prominenten Neuzugang. Mueller hat sehr gute Hände und eine ausgezeichnete Spielübersicht. Der Mann ist erst 25 Jahre alt und im besten Hockeyalter. Mit seinen Voraussetzungen wird Mueller in dieser Saison zu einer prägenden Figur auf Schweizer Eis. Wetten?

Mathias Marti