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Zwischen Champions- und MySports League

In den ersten drei Partien der Champions-Hockey-League kommt beim EHC Biel die namenlose Nummer 42 zum Einsatz. In seinen ersten Einsätzen gegen den norwegischen Meister Frisk Asker kreiert der «Namenlose» bereits mehrere gefährliche Situationen vor dem Kasten von Nicklas Dahlberg, nun wird auch unter den Zuschauern getuschelt und gemunkelt wer die Nummer 42 wohl sein mag.

Der auffällige Stürmer stand knapp zwei Wochen vorher noch in Zuchwil mit der Nummer 66 auf dem Eis, beim MySports-Vorbereitungsspiel zwischen dem SC Lyss und dem EHC Bülach (4:2). Roman «Romik» Karaffa heisst das 20-jährige Bieler Nachwuchs-Juwel. Der Slowake ist vor fünf Jahren, durch Empfehlung seines Agenten Louis Liesch, von Spisska Nova-Ves in die Schweiz gekommen. Der Stürmer, der in seiner Heimat jeweils die Camps der slowakischen Legende Zdeno Ciger besucht hat, gilt daher neu als «Hockey-Schweizer» und belastet das Ausländer-Kontingent nicht.

«Slowakischer Hockeyschweizer»

Nach fünf Jahren in der Schweiz

Der Topskorer der Bieler Elite-Junioren (55 Punkte in 50 Spielen) wird in dieser Saison mindestens bei drei Mannschaften zum Einsatz kommen: Neben dem Fanionteam des EHC Biel und den Bieler Elite-Junioren, wurde der smarte Flügelstürmer, der auch in der Centerposition eingesetzt werden kann, beim SC Lyss mit einer B-Lizenz ausgestattet. Beim Partnerteam und MySports-League-Aufsteiger wird Karaffa viel Verantwortung übernehmen können. Der neue Lyss-Headcoach Serge Meyer hatte den Spielmacher bereits in den vergangenen zwei Jahren in seinem Kader.

Mit Karaffa steht beim SC Lyss erstmals seit «1993» wieder «Ausländer» im Kader. Beim Abstieg aus der Nationalliga B (NLB) vor 26 Jahren trugen die beiden Kanadier Dave Baseggio und Kent Hulst als letzte Söldner das Lysser Trikot. Lyss-Trainer Meyer absolvierte damals als 16-Jähriger seine erste NLB-Saison. In welchem Spiel Karaffa bei Lyss sein Debüt in der MSL geben wird ist noch unklar. Im ersten Testspiel buchte die Reihe mit Karaffa, Gauthier Girardin und Fabio Mattioni bereits in der vierten Minute den ersten Treffer. Für Lyss also, wie früher desto besser.

Karaffas Debüts

U20 Top (Ajoie): 16. September 2016, Herisau (3 Tore, 2 Assists)
U20 Elite A (Biel): 9. September 2016, in Davos
Champions-Hockey-League (Biel): 29. August 2019, Frisk Asker
MySports-League (Lyss): September 2019

Karaffas erste Champions-Hockey-League Punkte!
6. September 2019, in Asker: 32. Minute, Assist zum 1:1 (Tschantré); 39. Minute, Assist zum 2:1 (Cunti)

Foto: Hervé Chavaillaz

Stolperstein Bratislava

Foto: Das berühmt-berüchtige Stadioncafe „Pivaren Budik“ (Michael Krein)

Der Schweizer Stolperstein in diesem Jahr hiess Kanada, 0.4 Sekunden fehlten dem Schweizer Nationalteam zum Einzug in den WM-Halbfinal. „Stolperstein“, ist unser WM-Wort 2019. Den ersten „Stolperer“ leistete sich unser Fahrer, mit einem kleinen Umweg, bereits auf der Anfahrt Richtung Flughafen Zürich. Den nächsten „Stolperer“ leistete sich das Personal beim ersten Mittagessen im „Infiniti-Rock-Cafe“ in der Altstadt von Bratislava, über eine Stunde liess die „Burger-Bestellung“ auf sich warten.

Beim Nachmittagsspiel stolperten dann die Italiener bei ihrer 1:7-Schlappe gegen Norwegen, ehe ein Teil unsere Reisecrew für die Tickets des Abendspiels vor den Toren des Stadions-Ondreja-Nepela strauchelte. Über 250 Euro wollte die russische Ticket-Mafia für einen Eintritt. Mein Glück, war die Abwesenheit eines Vorstandsmitglieds des EHC Meinisberg, dessen Name mir soeben entfallen ist. So war ich nicht „Torrianis-Erben“, sondern „Meinisbergs-Erben“ für die beiden Schweizer Partien gegen Schweden und Russland.

Drei Stolpersteine

Gestolpert sind auch die Schweizer – und zwar gleich dreimal in unserer Anwesenheit, allerdings sind Niederlagen gegen Schweden (3:4), Russland (0:3) und Tschechien (4:5) nicht wirkliche „Stolpersteine“, aufgrund des Schweizer Kaders allerdings waren die Erwartungen weit höher als dies noch vor 30 Jahren das Fall gewesen war. Damals hiessen die Stolpersteine an der B-Weltmeisterschaft in Oslo und Lillehammer Frankreich (2:5) und Italien (6:7), dies wären auch heute noch echte „Stolperer.“

„Die Italiener feierten schon vor dem Alpenknüller!“

Michael Krein

Italien erwies sich auch für unsere östlichen Nachbarn als echten Stolperstein. Die Azzurri, erstmals mit nur vier Italokanadiern (Italos) an einer A-WM dabei, spielten vor ausverkauften Rängen mit Herz und Leidenschaft gegen die müde und blass wirkenden Österreicher. Patrick Kirchler, der Stadionbeizer des HC Pustertal, hat mir dies schon vor dem „Endspiel“ im Alpenduell prophezeiht: „Uns genügt ein Tor gegen Österreich“, es waren schlussendlich fünf Treffer, mit dem goldenen Penalty des „Italos“ Sean McMonagle. Wobei die Italiener vor dem entscheidenden Spiel, bis in die frühen Morgenstunden in unserer Hotelbar gefeiert haben… (den Ligaerhalt?)

D’Szene isch ä chlini Bar irgendwo…

Apropos „ausverkauft“, erstmals in der Geschichte der Hockey-WM, musste sich der „Schweizer“ ernsthaft um Billette (nicht verwandt mit unserem Kommentator) bemühen. Dabei ist man nicht um die „sowjetische“ Ticketmafia herum gekommen. Dreh- und Angelpunkt der Szene war das Stadioncafé „Pivaren Budik“, dort konnte man für jedes Spiel ein Ticket kaufen, aber nicht zu jedem Preis. In unserer Crew hatten wir einen aus Tschechien stammenden Sbornaja-Liebhaber, welcher sich jeweils vor den „heissen“ Spielen als unser „Winkelried“ ins Stadioncafé stürzte. In der Zwischenzeit nippten wir am hässlichen Krusovice-Bier, welches im- und rund ums Stadion exklusiv ausgeschenkt wurde.

Es gab sogar einen Einlass, welcher ohne Ticket erfolgte. Die auserwählten Schweizer wurden durch einen Seiteneingang ins Stadion gelassen, dann auf der Treppe, auf dem Weg zu den Sitzplätzen, gebeten ihren „Eintritt“ zu bezahlen und auf halbem Gang ins Glück sich selbst überlassen, in der Hoffnung, beim öffnen der Türe im obersten Sektor, von niemandem entdeckt zu werden. Gestolpert sei dabei niemand, versicherte mir der Protagonist, bei seiner etwas kuriosen aber durchaus glaubhaften Geschichte. Ach ja, fast hätte ichs vergessen, „Stolperstein Frankreich“, titelte im April 1989 das SLAPSHOT-Magazin Nr. 8, an diesen Titel erinnerten sich zwei Mitglieder unserer Reisegruppe bei der Anfahrt zum Zürcher Flughafen und an der Burgdorfer Dammstrasse liegt sogar noch heute ein echter „Stolperstein“ in den Farben der Franzosen…

Die Schweizer Langeweile

Bern, Zürich und Davos. Diese drei Mannschaften teilen sich seit 13 Jahren den Schweizermeister-Titel. Es ist fast wie in der alten DDR, da spielten während zwanzig Jahren mit der SG Dynamo Berlin und der SG Dynamo Weisswasser nur zwei Mannschaften um den Titel, allerdings gabs in Ostdeutschland zwischen 1970 und 1990 auch nur diese zwei Klubs. Haben in der Schweiz nur diese drei Teams das Zeug dazu den Titel zu holen? Rein statistisch gesehen, leider Ja. Schauen wir in der Schweiz acht weitere Jahre zurück, kommt mit dem HC Lugano in insgesamt 21 Jahren nur ein weiterer Klub dazu. Langeweile oder Konstanz?

Schwieriger Vergleich

In der National-Hockey-League (NHL) spielen 31 Mannschaften, dies minimiert die Chance auf den Stanley-Cup für jeden Einzelnen. Noch schwieriger gilt ein Vergleich für Teams aus der American-Hockey-League (AHL), hier wurde seit 2007 die halbe Liga ausgewechselt. Gerade mal 14 von 31 Organisationen waren vor 13 Jahren schon dabei, dies erhöht eine wechselnde Titel-Kadenz automatisch. Erstaunlich konstant
blieb die, im gleichen Umfang praktizierende «russische» Kontinental-Hockey-League (KHL), beim stemmen des Gagarin-Cups, mit nur sechs verschiedenen Titelträgern. Aktuell holte der Traditionsclub ZSKA Moskau erstmals seit 1989 und damit seit 30 Jahren wieder einen Meistertitel.

Ist es eine Mentalitätsfrage?

Die Schweiz, lässt sich bestenfalls mit den Ligen Deutschlands, Finnlands, Schwedens und Tschechiens vergleichen und da hinkt die National-League (NL) in Sachen Abwechslung klar hinterher. Selbst in der sechs Teams umfassenden Spanischen Meisterschaft, gabs in der gleichen Zeit fünf verschiedene Titelträger. Eine Frage der Finanzen? Zwischenzeitlich gibt es in der NL mehr als nur drei Finanzkräftige Teams und die ZSC Lions haben sogar die Playoffs verpasst, so gesehen zählt dieser Aspekt nicht mehr.

Schweizer Mentalität?

Ist es eine Mentalitätsfrage? Denn auch im Schweizer Fussball ging der Titel in den letzten 13 Jahren, mit dem BSC Young Boys, dem FC Basel und dem FC Zürich nur an drei verschiedene Teams. Der HC Genf-Servette und der EHC Biel waren mit dem neuen und «alten» Meister sportlich zwar fast auf Augenhöhe, doch in der entscheidenden Phase hat der letzte Wille oder die Klasse gefehlt. Dabei liebt der «Schweizer» doch die Rolle des Aussenseiters. Denn gleichzeitig ist in keinem anderen Land der Welt, der Qualifikationssieger im Viertelfinal so häufig (5-mal) ausgeschieden wie in der Schweiz. Und dennoch, gewinnt am Schluss immer «Berlin» oder «Weisswasser» oder in der eidgenössischen Version eben Bern oder Zürich, in der langweiligsten Meisterschaft seit Auflösung der DDR.

Alle Schweizermeister

Die Ligen im Vergleich (seit 2007)
10 Meister: NHL und Tschechien
7 Meister: AHL, Schweden und Australien
6 Meister: Finnland, KHL
5 Meister: Deutschland, EBEL, Grossbritannien, Norwegen, Slowakei und Spanien
4 Meister: Frankreich
3 Meister: Schweiz

Von aktuellen und ehemaligen Helden

Foto: Kenneth Graf, Fabio Mattioni, Michael Krein und Torhüter Kevin Geissbühler

Am 28. März 2019 holt sich der SC Lyss, Dank einem 4:0-Auswärtssieg gegen den EHC Arosa, den 1. Liga Schweizermeistertitel. Schon mit dem Titel der Westschweizer Gruppe stand am 12. März 2019 der Aufstieg in die MySports-League fest. Am Samstag folgte der offizielle Empfang durch den Gemeindepräsidenten und die Meisterfeier im Hotel Restaurant Kreuz in Lyss.

Zweiter Meistertitel

Die Lysser holten vor genau 30 Jahren, am 16. März 1989 erst- und letztmals den 1. Liga-Schweizermeister-Titel. Drei Helden von damals sind bei der aktuellen Meisterfeier dabei: Noël Gerber, Reto Gerber und Urs Reber. Keiner konnte sich an eine Meisterfeier von einst erinnern. Damals gabs, trotz dem zusätzlichen Aufstieg in die Nationalliga B, nichts. Die grösste anwesende Lysser-Legende ist Bernhard «Benu» Bula. Bula führte die Mannschaft am 3. März 1979 als Kapitän erstmals in die NLB. Mit dabei waren auch Lucien Ramseyer und Kult-Betreuer Rudolf «Ruedi» Krähenbühl, sie alle sind bei der jüngsten Lysser Erfolgsfeier dabei.

Söhne berühmter Väter

Florin Gerber heisst der aktuelle Captain, er hat das «Amt» von Bula und seinem «Götti» Noël Gerber mehr als würdig vertreten, denn er ist erst der dritte Lysser 1. Liga-Aufstiegs-Kapitän der 55-jährigen Clubgeschichte. Der Sohn des langjährigen Verteidigers Reto Gerber ist nicht der einzige mit berühmten Vater. Stürmer Fabio Mattioni fragt mich ob Lyss schon einmal 1. Liga-Meister gewesen sei, verblüfft sagt er, «wir haben schon ein bisschen Geschichte geschrieben?» Klar antworte ich, «etwas was dein Vater nie geschafft hat.» Vater Romeo Mattioni stemmte beim letzten Lysser Meistertitel 1989, den Pokal schon zwei Stufen höher, nämlich beim Schweizermeistertitel mit den SC Bern.

Auf der Kreuz-Toilette, begegnen mir Headcoach Patrick Glanzmann, Lyss-Spieler der ersten NLB-Saison und Stürmer Yanick Kohler, nach meiner Gratulation, selbstverständlich nach dem Händewaschen, erkläre ich Kohler-Junior, ob er wisse, dass sein Vater Thomas bis heute der letzte NLB-Torschütze der Lysser Geschichte sei. Natürlich weiss er dies nicht, denn er war damals, am 27. Februar 1993, gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Erstaunt will er, trotz Meisterfeier, mehr darüber wissen. Im gleichen Lysser Abstiegskader von 1993 spielte auch ein Mann Namens «Fiala», die Rede ist von Hans «Jan» Fiala. Sein Sohn Kevin spielt heute in der National-Hockey-League bei den Minnesota Wild. Ein anderer, Dave Baseggio, ist heute Scout bei den Anaheim Ducks.

Wer weiss, vielleicht reden wir in 30 Jahren mit den alten Legenden von 2019 nicht zwingend über die NHL, aber über ihre langjährigen Karrieren und deren Söhne feiern einen weiteren Lysser Meistertitel. Zurück in die Gegenwart, da freuen wir uns auf eine neue Ära auf nationaler Ebene und auf Gegner wie Dübendorf, Basel, Wiki-Münsingen, Thun, Bülach, Düdingen oder Chur. In diesem Sinne «Hopp Lyss», denn der SC Lyss ist mehr als nur ein Club.

Der Schiri ist Stanley-Cup-Sieger

Sonntag Morgen, die Sonne scheint auf der Kunsteisbahn Hirzenfeld in Münchenbuchsee. Auf dem Eis kämpfen Piccolos und Moskitos beim traditionellen Raiffeisen Moskito-Turnier. Der Schiedsrichter pfeift eine Strafe gegen die Mannschaft des EHC Biel. Biel-Trainer Peter Steinegger, eine Legende des Seeländer Eishockeys, ist mit dem Entscheid nicht einverstanden und gibt dies dem Referee lauthals zu spüren.

Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen

Bei genauerem hinsehen, entpuppt sich der Unparteiische als ehemaliger Weltklassespieler, getarnt als Schiedsrichter. Die Spieler unserer Mannschaft erkennen den Schiri: «Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen», sagen die Dreikäsehoch. Langnau war einst seine erste Station, ehe er via Signau, Thun, wieder Langnau und Färjestads BK Karlstad, den Weg nach Übersee gewagt- und sich mit den Carolina Hurricanes 2006 den Stanley-Cup geholt hat.

Bei Langnaus Elite-Novizen

Martin «Tinu» Gerber will nicht etwa Schiedsrichter werden, nein, als Assistenzcoach von Langnaus Elite-Novizen, absolviert er im Rahmen des Trainerkurses die erforderlichen Einsätze als Schiedsrichter. Die Bieler Moskitos verlieren die hartumkämpfte Partie gegen unsere Mannschaft vom SC Lyss knapp mit 0:1 und Biel-Coach Steinegger wendet sich am Ende des Spiels nochmals an Gerber: «Gerber hat recht und hat das Regelwerk richtig befolgt», sagt Kult-Coach Steinegger mit einem lachen… …in der kleinen Welt des Eishockeys.

Bildergalerie

Es sind die kleinen Dinge

Foto: Mit Simon Strecker und Marc Möri (1978 – 2019), beim DEL-Playoff-Spiel, Eisbären Berlin – Hamburg Freezers, am 13. März 2009 in der O2 World. (Krein)

Vor zwei Wochen habe ich einen langjährigen und guten Freund verloren, für seine Familie und seinen Freundeskreis gibt es in diesem Moment nichts was einem noch wichtig erscheint. Gegen einen solchen Rückschlag ist ein Spiel der 40. Runde, zwischen dem EHC Biel und den SC Rapperswil-Jona Lakers nur noch eine Randerscheinung, für alle im Stadion Anwesenden aber, ist es an diesem Abend das wichtigste Spiel auf der Welt.

Ein Eishockey-Unternehmen ist wie ein Leben eines Menschen, es vermittelt Liebe, Freude und Leidenschaft, bewältigt aber auch Krisen, Rückschläge und Tiefpunkte. Rapperswil-Jona und Biel haben sich beide aus dem zwischenzeitlichen Abstieg in die Swiss-League (Nationalliga B) wieder ins Oberhaus zurück gekämpft. Beide haben sich nach einer kurzzeitigen Klubfarben-Krise wieder erholt und zur ursprünglichen Identität zurück gefunden.

Vielleicht waren es genau diese Tiefschläge und Krisen, welche nötig waren die Organisation einen Schritt nach vorne zu bringen. Wenn ein Klub, durch Fehlentscheide und Misswirtschaft aber für immer verschwindet, gibt es kein zurück mehr. Deshalb sind es eben doch die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. So gesehen, ist die Partie der 40. Runde eben doch keine Randerscheinung, denn sie ist Teil unseres Lebens, welches wir in vollen Zügen und in jedem Moment geniessen müssen, auch wenn wir dies manchmal kurzzeitig vergessen.

Vorwort aus dem EHC Biel-Matchprogramm, Biel – Rapperswil-Jona, vom 26. Januar 2019

Das verpasste NHL-Duell

Foto: Trafen in der NHL nie aufeinander, Reto Berra und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)

Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.

Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.

Erstes Duell nach der NHL-Karriere

Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.

Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.

Fünf Duelle vor der NHL-Karriere

Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.

In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.

Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.

Die Duelle Berra gegen Hiller
5. März 2006, 2:5 in Davos
3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz)
5. März 2007, 2:4 in Davos
8. März 2007, 1:3 in Zürich
10. März 2007, 0:3 in Davos
28. September 2018, 3:2 in Biel
16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg
7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg
8. Dezember 2018, 4:1 in Biel
5. Januar 2018 in Biel
16. Februar 2018 in Freiburg

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/berra/

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/hiller/

Ist der Bann der «Besiegbaren» gebrochen?

Ist Luganos Bann der «besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Ist Luganos Bann der «Besiegbaren» nach dem Spengler Cup 2015 gebrochen? (Foto: HC Lugano)

Wetten dass, der HC Lugano im Frühling 2016 erstmals seit zehn Jahren eine Playoff-Serie gewinnt? Nach der Teilnahme am Spengler Cup 1991 hat Lugano schon einmal einen Bann gebrochen. Nach dem zweiten Spengler Cup Auftritt können die Tessiner in den Playoffs den Bann ihrer neunjährigen Negativ-Serie endlich beenden.

Seit ihrem letzten Meistertitel 2006 haben die stolzen Bianconeri keine einzige Playoff-Serie mehr gewonnen und im Frühling 2016 droht sogar das zehnjährige Jubiläum. Nach Luganos erster Spengler Cup Teilnahme im Dezember 1991 haben die Tessiner unbewusst den Grundstein der «Unbesiegbaren» zu den «Besiegbaren» gelegt.

Bis 1991 kennt Lugano nur den Playoff-Final

Bis im Frühling 1991 haben die Luganesi keine einzige Playoff Viertelfinal- oder Halbfinal Serie verloren. Seit Einführung der Playoffs, 1985/86 spielten die Tessiner bis 1991 immer im Final, dabei ging die Mannschaft von «Trainer-Magier» John Slettvoll viermal als Schweizermeister (1986, 1987, 1988, 1990) hervor, zweimal reichte es «nur» zum Vizemeistertitel (1989, 1991).

Bis zu Luganos erster Spengler Cup Teilnahme kennt man am Lago-di-Lugano meisterschaftstechnisch nur den Playoff-Final. So auch bei der ersten Spengler Cup Teilnahme 1991, als der HC Lugano-Selection erst im Endspiel an ZSKA Moskau (2:5) scheitert. Lugano erreicht an besagtem Turnier als erste Schweizer Klub-Mannschaft das Endspiel der Neuzeit am berühmtesten Grümpelturnier der Welt.

Durch den Spengler Cup vom Bann der Unbesiegbaren zum Bann der Besiegbaren…

Zwei Monate später starten die Bianconeri als Tabellenzweiter und Meisterschaftsfavorit wie üblich in die Playoff-Viertelfinals, der krasse Aussenseiter heisst dieses mal Zürcher Schlittschuhclub (ZSC). Für die Zürcher ist es erst die zweite Playoff-Teilnahme der Klubgeschichte und Luganos weiterkommen daher eine reine Formsache.

Das Wunder von Zürich

Die Zürcher, welche während der Meisterschaft ihren Trainer Dr. Pavel Wohl durch Arno del Curto (von Herisau gekommen) ersetzen, erweisen sich als unerwartete Knacknuss für die erfolgsverwöhnten Südtessiner. Bereits das erste Heimspiel verlieren die Bianconeri überraschend mit 5:7. Trotz einem 10:0-Sieg im dritten Spiel scheiden die Luganesi in der Best-of-Five Serie gegen den Tabellensiebten sensationell mit 1:3 aus. Die Medien berichten über das «Wunder von Zürich», denn erstmals in der Schweizer Playoff-Geschichte verliert ein Viertelfinal-Favorit gegen einen Aussenseiter.

Nach dem erfolgreichen Spengler Cup vor 24 Jahren, wurde der Bann der «Unbesiegbaren» gebrochen und es folgte ein erstmaliges Ausscheiden Luganos in den Viertelfinals. Nach dem erfolgreichen Spengler Cup 2015 wurde der Bann der «Besiegbaren» gebrochen und es folgt Luganos erstmalige Halbfinal-Qualifikation seit zehn Jahren. Die Antwort auf diese Prognose wird uns die Mannschaft von Douglas Arthur Shedden spätestens am 17. März 2016 geben können.

Luganos Playoff-Vergleich

Die «Unbesiegbaren» vor dem Spengler Cup 1991

1985 / 1986 Meister: Sierre 2:0-Serie, Davos 2:0
1986 / 1987 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0
1987 / 1988 Meister: Davos 3:1, Kloten 3:0
1988 / 1989 Vizemeister: Fribourg-Gottéron 2:0, Ambrì-Piotta 3:0, Bern 2:3
1989 / 1990 Meister: Ambrì-Piotta 2:0, Kloten 3:0, Bern 3:1
1990 / 1991 Vizemeister: Biel 3:0, Kloten 3:1, Bern 1:3

Die «Besiegbaren» vor dem Spengler Cup 2015

2006 / 2007 Viertelfinal: Kloten 2:4
2007 / 2008 Playout
2008 / 2009 Viertelfinal: Davos 3:4
2009 / 2010 Viertelfinal: Bern 0:4
2010 / 2011 Playout
2011 / 2012 Viertelfinal: Fribourg-Gottéron 2:4
2012 / 2013 Viertelfinal: Zug 3:4
2013 / 2014 Viertelfinal: Genève-Servette 1:4
2014 / 2015 Viertelfinal: Genève-Servette 2:4

Adventszeit ist auch die Zeit der NHL-Scouts

Der 17-jährige Denis Malgin steht zusammen mit Jonas Siegenthaler unter Beobachtung der NHL-Scouts. (Foto: GCK Lions)

Der 17-jährige Denis Malgin steht zusammen mit Jonas Siegenthaler im Fokus der NHL-Scouts. (Foto: GCK Lions)

Sie tummeln sich wieder in den Eisstadien Europas, die Späher der National-Hockey-League (NHL). Allein am letzten Wochenende mit drei Spielrunden waren ein Dutzend NHL-Scouts in der Schweiz unterwegs. Die beiden Scouts der Buffalo Sabres, Fredrik Andersson und Teemu Numminen pendelten von Bern via Zürich nach Kloten. In Bern beobachten die beiden Skandinavier unter anderem Christoph Bertschy, dessen Rechte allerdings schon bei den Minnesota Wild liegen. In Zürich sind es Jonas Siegenthaler und Denis Malgin, in Kloten sind es die jungen Davoser welche die Späher kurz vor ihrem Rückflug interessieren. Auch Pittsburgh-Scout Tommy Westlund ist in Zürich und Kloten anzutreffen.

Ehemalige Spieler 

Andersson, und Numminen waren einst selber Spieler. Andersson langjährier Torhüter bei MoDo Hockey Örnsköldsvik und Numminen war einst auf dem Weg in die NHL seinem älteren Bruder Teppo Numminen zu folgen. Wie Teppo, wurde auch der fünf Jahre jüngere Teemu von den Winnipeg Jets gedrafted, allerdings blieb es beim Draft. Nun beobachtet er selber mögliche Draft-Kandidaten für die Buffalo Sabres. Die beiden Skandinavier sind für das Amateur-Scouting in Europa zuständig. Als Pro-Scout in Buffalo ist übrigens Ex Bern- und Lausanne Trainer John van Boxmeer tätig.

Kalevi Numminen 

Apropos Trainer, Teppo- und Teemus Vater Kalevi Numminen ist in Finnland eine Legende, nach ihm ist sogar die Auszeichnung für den SM-liiga-Trainer des Jahres benannt. Vier Gewinner der Kalevi-Numminen-Trophy waren schon Trainer in der Schweiz. Ex Zug-Trainer Rauno Korpi gewann die Trophäe 1982, 1986 und 1987, der langjährige Kloten-Ausbildner Wladimir Jursinow wurde zwischen 1993 und 1995 drei Mal in Serie ausgezeichnet, ex SCB-Coach Hannu Jortikka zwischen 1999 und 2001 ebenfalls. Der vierte ist Raimo Summanen 2002.

Connor McDavid und Jack Eichel sind die heissesten Anwärter für die Nummer Eins 

Kalevi und Teppo Numminen haben bereits Eishockey-Geschichte geschrieben, Teemu Numminen soll als Scout zumindest den europäischen Teil des Kapitels der Buffalo Sabres von Morgen schreiben. Zu den heissesten Draft-Kandidaten für den Number-One-Draft 2015 zählen der Kanadier Connor McDavid (Erie Otters) und der Amerikaner Jack Eichel (Boston University). Die ersten Europäer sind auf den Positionen sieben und dreizehn des Rankings des International Scouting Services (ISS) vertreten: Oliver Kylington von Färjestads BK Karlstad und der Finne Mikko Rantanen von TPS Turku.

Die Schweizer Draft-Kandidaten

Die hoffnungsvollsten Schweizer Talente des ISS-Rankings sind Jonas Siegenthaler und Denis Malgin (Sohn von Albert Malgin) und dürften beim Draft vom nächsten Juni (26./27.) in Sunrise, Florida zum Zug kommen. Auf der nordamerikanischen Liste stehen die beiden in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) engagierten Kay Schweri (Sherbrooke Faucons) und Timo Meier (Halifax Mooseheads). Unter Beobachtung stehen auch weitere Schweizer Talente wie Dominik Diem (GCK Lions), Colin Fontana (HC Lugano), Fabian Haberstich (SCL Tigers), Auguste Impose (HC Genf-Servette), Roger Karrer (GCK Lions), Timo Haussener (Rapperswil-Jona), Calvin Thürkauf (Zug) sowie die Berner Luca Hischier, Yanik Burren und Dario Meyer. Wichtigster Termin für die jungen Top-Draft-Kandidaten ist die U20 Weltmeisterschaft vom 26. Dezember 2014 bis 5. Januar 2015 in Toronto und Montreal, vor den Toren der National-Hockey-League.

Svenska stjärner i NLA: Poängmaskinen

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Sie haben den Titel nicht verstanden? Schade. Ein Schwedisch-Kurs könnte sich in dieser Eishockey-Saison lohnen. Die neuen «stjärner» oder Stars in der NLA entpuppen sich nämlich als wahre Punktemaschinen. Sie wurden bereits vor der Saison als Top-Transfers angekündigt. Linus Klasen in Lugano, Daniel Sondell in Zug und natürlich auch Pär Arlbrandt und Niklas Olausson in Biel. Und sie halten, was man sich von ihnen versprochen hat. Mitte Oktober besetzen die Importspieler aus dem Norden nicht weniger als sieben Plätze in den Top-10 der NLA-Skorerliste.
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Mit Fredda Pettersson, Marcus Paulsson und Nicklas Danielsson beanspruchen Tre-Kronor-Spieler gleich die ersten drei Plätze der Goalgetter. Pierre-Marc Bouchard, der Zuger NHL-Filigrantechniker, verteidigt als Viertplatzierter die Ehre der Kanadier. Sprunger und Wick vervollständigen das Bild der Top-10, beides langjährige Skorer ihrer Teams.

«Die Schweden-Importe sind effiziente Skorermaschinen».

Natürlich ist die Saison noch jung. Natürlich kann sich noch viel ändern. Und natürlich pflegt ein bekannter Eishockey-Chronist jeweils zu sagen: «Die Stars des Herbsts waren noch nie die Stars des Frühlings.» Mag alles sein. Der massive Import aus dem Land der Elche hat sich aber für die meisten Teams gelohnt.

Effizienz, Taktik und Teamspirit

Die Schweden versprechen nicht nur Spektakel. Sie sind taktisch (nichts Neues unter der Sonne) hervorragend geschult und die meisten von ihnen gewöhnen sich sehr rasch an die Lebensumstände in der Schweiz. Die Mannschaftsdienlichkeit gehört dabei zum Gesamtpaket. Ein Blick auf die +/- Bilanzen der jeweiligen Spieler unterstreicht dies. In der Strafenstatistik tauchen sie – anders als die Nordamerikaner – kaum in Erscheinung.

Es ist bereits nach einem Fünftel der Qualifikation augenfällig: Teams, die sich mit Nordeuropäern verstärkt haben, gehören zu den Tabellengewinnern. Ausnahme bilden hierbei die Lakers, welche ohne ihre Schweden wohl noch heftiger unter die Räder kämen. Und natürlich die ZSC Lions mit ihrem breiten Kader. Die Ausländer spielen dort eine untergeordnete Rolle. Kloten (ohne Berücksichtigung des Mueller-Transfers) und Gottéron (Ausnahme: Mauldin) gehören bisher mit ihren schwachen Nordamerika-Söldnern zu den deutlichsten Verlierern. Vielleicht sollten Housi und Fige mal einen Blick ‚gen Norden richten?

Dübendorf und die Champions League

 

Anhang 1-1

In Dübendorf startet der Champions League Titelverteidiger ZSC Lions zum Auftakt der neugeschaffenen Champions Hockey League gegen den norwegischen Vizemeister Vålerenga IF Oslo. Der Start in der «Provinz» erweist sich als holprige Angelegenheit. In der Kabine der Lions geht plötzlich das Licht aus, Aufstellungen gibt’s keine und eine Pressekonferenz wird von anrennenden Journalisten vergeblich gesucht – rechtzeitig zum Bully liegen die Aufstellungen aber doch noch vor – und der höchste europäische Clubwettbewerb startet in seiner fünften Ausgabe.

Die Gäste aus Norwegen treten mit nur zehn Stürmern und sechs Verteidigern an, dennoch hält die Mannschaft von NHL-Star Espen Knutsen – der Star ist der Trainer – in den ersten zwanzig Minuten mit. Übrigens gewann Vålerenga sein letztes europäisches Pflichtspiel gegen eine Schweizer Mannschaft, in der European Hockey League am 8. Dezember 1998 beim 5:3-Sieg gegen den EV Zug. Dies dürfte wohl keinem der 1’917 Zuschauer im Stadion «im Chreis» in Erinnerung sein, vielleicht kann sich Oslos Teamcaptain Morten Ask noch daran erinnern, denn er ist der einzige der damals schon dabei war.

Morten Ask war schon 1998 mit Vålerenga IF Oslo in der European Hockey League …

 

Dabei war auch Zürichs Luca Cunti, vor sieben Jahren beim 1. Liga Ostschweizer-Meistertitel 2007 mit dem EHC Dübendorf, welcher erst im gesamtschweizerischen 1. Liga-Final gegen den EHC Zuchwil-Regio gestoppt wurde. Vom Siegreichen Champions Hockey League Team der Lions von 2009 sind auch heute noch sieben Spieler im Kader von Marc Crawford.

Wie viele Plätze fasst «im Chreis»?

Zurück zum EHC Dübendorf, wie viele Plätze fasst eigentlich das ehemalige Nationalliga B Stadion? Offizielle Zahlen sagen das Stadion mit dem markanten Schrägdach habe 4’100 Plätze. In der zweiten Drittelspause frage ich mich durch die Halle und keiner, ausser einem älteren Herrn, scheint mir eine Antwort geben zu können. Der langjährige Dübendorf Fan erzählt mir ein paar Episoden aus vergangenen Zeiten und zeigt mir einen nummerierten Sitzplatz im viertausender Bereich. Doch beim heutigen Champions League Spiel wirken bereits die 1’900 wie ein volles Haus, so wie es sich gehört für ein Spiel der europäischen Königsklasse.

Kevin Fiala als Nummer 11 nach Nashville

Foto: Bill Streicher-USA TODAY Sports

Kevin Fiala im Trikot der Nashville Predators. (Foto: Bill Streicher-USA TODAY Sports)

Kevin Fiala wird beim NHL-Draft in Philadelphia als Nummer elf in der ersten Runde gezogen. Damit ist Fiala der siebte Schweizer Erstrundendraft der Geschichte.

Fiala ist hinter Nino Niederreiter (Nr. 5, 2010) der zweithöchste Schweizer Draft der bisher 53 gezogenen Schweizer. Der Uzwiler verdrängte Sven Bärtschi (Nr. 13, 2011) von der zweiten Position. In den letzten fünf Jahren sind vier Schweizer (Niederreiter, Bärtschi, Mirco Müller und Fiala) in der ersten Runde gezogen worden.

Kevin Fialas Vater Yan (Hans) Fiala, spielte in der Saison 1992-93 35 Spiele für den NLB-Club SC Lyss.

 

Nashville ist bekannt dafür, für seine Schweizer Affinität. Neben Roman Josi und Simon Moser ist Fiala der dritte Schweizer in der Organisation der Predators. Fiala ist nach Timo Helbling (1999, Nr. 162), Martin Höhener (2000, Nr. 284) und Josi (2008, Nr. 38), der vierte Schweizer der von den Predators gezogen wurde.

1984 und 2014 ein Ehlers

Zwei Positionen vor Fiala wurde Nikolaj Ehlers von den Winnipeg Jets ausgewählt. Der 18-jährige Ex-Bieler erzielte In der vergangenen Saison für die Halifax Mooseheads in der  QMJHL in 79 Partien 132 Skorerpunkte. Ehlers ist wie Fiala der zweithöchste dänische NHL Draft nach Mikkel Boedker (Nr. 8, 2008). Nikolajs Vater und aktueller Lausanne-Trainer Heinz Ehlers war 1984 der erste Däne, der als Nr. 188 von den New York Rangers gezogen wurde.

Rod, Merzlikins und Walker

In der zweiten Runde kam als Nr. 53 mit Noah Rod der zweite Schweizer zum Zug. Rod ist erst der zweite Schweizer Draft der Sharks-Geschichte. Luganos lettischer Torhüter Elvis Merzlikins wurde als Nr. 76 von den Columbus Blue Jackets gedrafted. Hockey-Geschichte schrieb der 20-jährige Australier Nathan Walker. Als erster Spieler Ozeaniens wurde der aus New South Wales stammende Stürmer in der dritten Runde als Nr. 89 von den Washington Capitals gezogen.

 

 

Die Fussball-Helden von Rio

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Wenn sich die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft für die Fussball Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro qualifiziert ist dies zweifellos eine grosse Sache: «Jetzt werden wir Weltmeister» oder «unsere WM-Helden» titeln die Boulevard-Medien jeweils nach solchen fussballerischen Grosstaten. Nach der EURO 2004 in Portugal erschien das Buch «Die Helden von Portugal» – etwas falsch verstanden? Ein Held ist eine Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten, die sie zu besonders hervorragenden Leistungen treibt. Die Heldentat von Portugal war eine Spuck-Affäre und ein Unentschieden gegen Kroatien.

«Jetzt werden wir Weltmeister»

Vier Jahre später, an der Heim-Europameisterschaft, forderte die Fussball-Schweiz den EM-Titel und die «Helden» wurden Gruppenletzter. Und an der WM? 2006 spielten die Schweizer eine hervorragende Vorrunde mit Siegen gegen Togo und Südkorea, «jetzt werden wir Weltmeister» war sich der «Fussball-Mainstream» landesweit einig. Endstation Achtelfinal nach Penaltyschiessen, die Schweizer gewinnen nie in einem Penaltyschiessen, gegen die «Fussball-Grossmacht» Ukraine. Die letzte Heldentat vollbrachten die Schweizer an der WM 2010 in Südafrika. Ein 1:0-Sieg gegen den aktuellen und späteren Weltmeister Spanien zum WM-Auftakt: «Jetzt werden wir Weltmeister» feierten die Eidgenossen. Was zu diesem Zeitpunkt nur Phil Delisle wusste, der Sieg gegen Spanien sollte der einzige bleiben, die weiteren Kontrahenten Chile und Honduras erwiesen sich als unbezwingbare Gegner.

Heldenhafte Rückkehr ist sicher

Szenenwechsel: Im Frühjahr 2013 holte die Eishockey-Nationalmannschaft in Stockholm die WM-Silber-Medaille. Es war das erste Eishockey-Edelmetall seit 1935. Die Hockey-Nati hat als «die Helden von Stockholm» nicht nur Schweizer Sportgeschichte-, sondern auch Eishockeygeschichte geschrieben. Wo liegt nun der Unterschied zwischen den Helden von Portugal und den Helden von Stockholm? Beide Mannschaften haben «Heldentaten» vollbracht, oder war die Sache mit den «Fussball-Helden» eher als ein «ihr seid mir vielleicht Helden» zu verstehen? Umgangssprachlich wird der Begriff «Held» ja auch ironisch verwendet. Eine WM- oder EM-Qualifikation der Fussballer ist gleichzusetzen mit einer Eishockey-Medaille. Wetten dass? …die «heldenhaften» Fussballer auch in Brasilien die Gruppenphase mit Honduras, Ecuador und Frankreich nicht überstehen – als «Helden» werden sie sowieso zurückkehren, so wie die Hockey-Cracks, nach ihrer nächsten Medaille.

Vom Bettler zum König?

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Der schwedische Weltklassegoalie Henrik Lundqvist gewann schon fast alles was es im Eishockey zu gewinnen gibt: Olympia-Gold 2006, Olympia-Bronze 2014, U20-Weltmeisterschaftsgold 2000 und 2001, holte zweimal den schwedischen Meisterkübel 2003 und 2005 (mit Martin Plüss) und zweimal WM-Silber 2003 und 2004. Nur der Stanley-Cup fehlt „King-Henrik“, wie er im Madison Square Garden jeweils gefeiert wird.

Erstmals seit ihrem vierten und letzten Stanley-Cup-Sieg stehen die New York Rangers wieder im Endspiel und die Chancen auf den Pott sind so gut wie nie zuvor. Dabei begann Lundqvists NHL-Karriere alles andere als optimal. Im NHL-Draft wurde der Schwede von den Rangers erst in der siebten Runde als Nr. 205 gezogen. Im gleichen Jahr wurde Sven Helfenstein als Nr. 175 von den Rangers gedraftet.

Ungaren, Briten, Israeli und Sven Helfenstein wurden im Jahr 2000 noch vor Henrik Lundqvist gedrafted!

Unter den Torhütern wurde Rick Di Pietro als Nr. 1, von den New Yorker Stadtrivalen aus Long Island gezogen. Sogar der ungarische Nationalkeeper Levente Szuper wurde vor Lundqvist als Nr. 116 von den Calgary Flames berücksichtigt. Es kommt noch eindrücklicher, der israelische Nationalspieler Max Birbraer (Nr. 67) und der Brite Colin Shields (Nr. 195) wurden ebenso vor dem kühlen Schweden gedraftet.

Rückblickend gesehen gabs „King Henrik“ für die Rangers als absolutes Schnäppchen. Drei Jahre später sicherten sich die Rangers, den an sechster Position gedrafteten Keeper Al Montoya. Lundqvist bestritt bis heute über 600 Spiele für New York, im Gegensatz zum Topdraft von 2004 mit knapp 90 NHL-Partien.

 

 

Beton-Hockey als Erfolgsrezept?

Teemu Selänne

Teemu Selänne: 43 jähriger MVP des Olympia-Turniers von Sochi (snstatic.fi)

Als bestbesetztes Hockey-Turnier aller Zeiten wurde das Starterfeld in Sochi bezeichnet. Wohl zu Recht. Doch: was ist vom Glanz der besten Spieler der Welt geblieben? Wenn man die Matches in der Endausmarchung zum Massstab nimmt, nicht viel. Nach dem Finalspiel der Kanadier gegen die Schweden kann man als Eishockey-Liebhaber nur hoffen, dass die Coaches dieser Welt nicht zu genau hingeschaut haben. Ein derart emotionsloses Team mit dem Ahornblatt auf dem Leibchen hat man wohl selten gesehen. Dass die Schweden immer noch besser sind im Abwehr-Riegel bauen und «Midsommar» feiern, als im Offensiv-Feuerwerk zünden…. das ist beileibe nichts Neues. Aber die Kanadier?

Die beiden in der Vorrunde und bis ins Halbfinale begeisternden Teams aus Finnland und den USA haben leider für die Goldmedaille einen wichtigen Vorsatz vergessen: Defense first! Auffällig ist, dass im Allstar-Team nicht etwa die Plätze unisono an die beiden Finalisten vergeben wurden. Ganz im Gegenteil: wer wirklich für Unterhaltung gesorgt hat, waren die Selänne’s, Granlunds und Kessel’s an diesem Turnier. Mit Lundqvist, Karlsson und Doughty sind bezeichnenderweise drei Leute aus der Defensivabteilung der Finalisten im Allstar-Team. Wobei vor allem Karlsson offensiv enorm produktiv war.

Mehr Spektakel als im Vorrundenspiel zwischen Russland und den USA wurde leider an diesem Turnier nie mehr gezeigt. Und dies nicht nur wegen Oshie’s Penalty-Show.

Vielleicht erleben wir auch aus Schweizer Sicht an der WM in Weissrussland wieder mehr Action. Ein Turnier zwar mit weniger Glanz auf dem Papier, aber möglicherweise mehr Unterhaltung auf dem Eis. Zu hoffen wäre es!

Julien Vauclair an der Scheibe

Sind die Romands Weicheier?

Julien Vauclair an der Scheibe

Julien Vauclair: der letzte Mohikaner….

Ich behaupte: ja! Beweise für diese Aussage gefällig? Tatort: PostFinanace Arena zu Bern, 14. Dezember 2013. Im vierten Aufeinandertreffen der letztjährigen Finalgegner Bern und Gottéron spielt der SC Bern unter Lars Leuenberger zum ersten mal  «Hit and Run-Hockey». Die ersten sechs Checks schliessen die Berner souverän ab. Kein Freiburger kann auch nur ansatzweise reagieren. Antti Miettinen fällt nach einem korrekten, harten Check von «Bidu» Gerber bereits in den Startminuten aus. Hans Kossmann sieht sich genötigt, sein Timeout  in den ersten acht Minuten zu beziehen, um sein Team vor dem vorzeitigen Untergang zu bewahren. Genützt hat es nur bedingt. Hätten die Berner ihre gefühlten tausend Chancen ausgenützt, wäre eine Kanterniederlage unausweichlich gewesen. So gesehen war das 2:1 Schlussresultat noch das Beste für die Gäste aus dem Üechtland. Das Spiel verläuft genau so, wie der letzte Playoff-Final. Die Berner kaufen dem – vor allem bei den Fans – verhassten Gegner den Schneid von Beginn weg ab.

Die Romands-Fraktion

Im gesamten Spiel fällt auf: Die Romands-Fraktion der Freiburger ist bei dieser harten Playoff-Gangart unter ferner liefen. Die Herren Bykov, Birbaum, Loeffel, Sprunger, Monnet, Huguenin, Ngoy, Lauper? Wurden nicht gesehen. Der Sensler Center Sandro Brügger sinniert nach dem Spiel in die Mikrophone der Journalisten: «Wir waren überhaupt nicht bereit. Die Berner überfuhren uns gleich zu Beginn». Diese Aussage erstaunt. Haben die Freiburger keine Zeitung gelesen und vom schnellen, harten Hockey der Berner unter Leuenberger keine Kenntnis genommen? Kaum erstaunlich dagegen, stimmen die Berner Fans ihre Lieblings-Parole an die Adresse der Freiburger an: «Nie Schweizermeister, Ihr werdet nie Schweizermeister!» Wohl wahr: denn wer die nötige Härte nicht aufs Eis bringt, wird kaum bis zum letzten Spiel der Saison siegreich bleiben.

Der grösste Erfolg des Schweizer Eishockeys findet ohne Romands statt

Ortswechsel: Stockholm, Globe Arena. Die Schweizer Nati hat nach einer begeisternden WM den Vize-Weltmeistertitel errungen. Auch hier fällt auf: die Romands spielen im Aufgebot von Sean Simpson keine Rolle. Einzige Ausnahme: Julien Vauclair. Es ist wohl nur eine Laune des Schicksals, dass ausgerechnet Vauclair (zugegeben nach einem ausgezeichneten Turnier) den entscheidenden Scheibenverlust im Final gegen Schweden verursacht. Mit im Aufgebot wäre auch der Künstler Monnet gewesen – ausser dem Platz auf der Tribüne schaut für ihn aber keine Minute Eiszeit heraus. Und sonst? Gähnende Leere auf dem Matchblatt.

Erfolg hat, wer hart spielt

Woran liegt es, dass die Romands derart ins Hintertreffen geraten sind? Wenn man sich die erfolgreichsten Teams in den führenden Ligen Europas und Nordamerikas anschaut, waren in den letzten Jahren stets starke, harte, taktisch gute Teams erfolgreich. Skelleftea AIK und Brynäs IF Gävle in Schweden, die Chicago Blackhawks (2x), Boston Bruins und die Los Angeles Kings in der NHL, Eisbären Berlin in der DEL. Die Zeiten der Traumtänzer sind vorbei. Die Weltmeisterschaft in Schweden stützt diese Aussage. Spielstarke Teams, wie die Tschechen oder Russen, mussten die Segel ungewöhnlich früh streichen. Die Schweizer wurden für Ihre harte Arbeit und taktische Reife zu Recht gelobt.

Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer: die weichen, verspielten Romands mögen das harte Spiel auf den Mann überhaupt nicht. Kaum geht an den Banden die Post ab, verlieren sich die Welschen in den Niederungen der neutralen Zone. Vielleicht könnte man sich ennet der Saane bei Chris McSorley in Genf etwas abschauen. Die Härte ins Spiel der Grenats bringen nicht etwa Einheimische, sondern Kanadier, Kanada-Schweizer und…… Deutsch-Schweizer. Die Romands unter Führung von Kevin Romy sind dann und wann noch für die spielerischen Highlights zuständig. Nicht mehr und nicht weniger. Sollte also Gottéron, Lausanne oder sonst ein Team aus der Romandie tatsächlich nächstens mal den Titel holen wollen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Der SCB scheidet vorher im Playoff aus, oder die Romands-Fraktion im Team wird verkleinert.

 

 

NHL Scouts in Biel

San Jose Sharks Scout Shin Yahata-Larsson (links) im Bieler Presseraum - Foto: Sandro Stutz/sast-photos

San Jose Sharks-Scout Shin Yahata-Larsson (links) im Bieler Presseraum. (Foto: Sandro Stutz/sast-photos)

Auch unsere Liga wird regelmässig von National-Hockey-League-Scouts heimgesucht. So auch am 7. Dezember 2013 beim Spiel EHC Biel – ZSC Lions (3:5). Angekündigt war zunächst nur Shin Larsson, oder eben Shin Yahata-Larsson. Der Scout der San Jose Sharks ist schwedisch-japanischer Doppelbürger und kann seinen Namen wie Biels Ahren Spylo-Nittel variabel einsetzen. So spielte der Stürmer 1998 an den Olympischen Spielen in Nagano – unter dem ehemaligen Biel-Coach Björn Kinding – als Shin Yahata (den ledigen Namen seiner Mutter). Ursprünglich stammt der Scout aber aus dem schwedischen Leksand, wo man ihn Shin Larsson nennt.

Patrick Kane lässt Biel grüssen

Bekanntlich sind die Scouts ja nie alleine unterwegs, so auch in Biel. Yahata-Larsson wird von seinem Berufskollegen aus Chicago begleitet. Dieser überbringt dem Bieler Pressechef Silvan Andrey gleich ein «Hello from Patrick Kane», welches Andrey gerne in die Bieler Katakomben weitergegeben hat, worauf einige geantwortet haben sollen «welcher Kane?». Wie Kane ist auch Yahatas Kollege, der Hüne (192cm, 97kg) aus Chicago in der Schweiz kein unbekannter. Der Schwede Mats Hallin bestritt in der Saison 1986/87 vier Spiele für den HC Lugano, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, HC Ambrì-Piotta-Bösewicht Misko Antisin zu verprügeln. Das Spiel zwischen Ambrì und Lugano ging als grösste Massenschlägerei im Schweizer Eishockey in die Geschichte ein.

Die Schweizer Draft-Kandidaten 

Wen wollen die beiden NHL-Scouts denn beobachten? Auf der Liste des NHL-Central-Scoutings ist von den heutigen Gegnern kein einziger Draft-Kandidat nominiert. Lions-Goalie Melvin Nyffeler wurde bereits im Vorjahr als möglicher Draft-Kandidat gehandelt. Die aktuellen Draft-Kandidaten sind Klotens Fabio Högger, Luca Hischier (Bern), Luca Fazzini (Lugano), Cédric Maurer und Patrick Brändli (beide Zug), Simon Kindschi und Gilles Senn (beide Davos), Noah Rod und Gauthier Descloux (Genf-Servette), Andy Ritz (Langnau), Noele Trisconi (Ambrì-Piotta), Fabian Heldner (Visp) und Silvio Schmutz (Thurgau).

Kann ein Trainer entlassen und wieder eingestellt werden?

2013-11-28_220813Neuerdings macht die pro-Facebook-Antti-Törmänen-Kampagne auf den Social-Media Kanälen in Bern die Runde. Was romantisch verklärt tönt, ist im SCB Realität. Die Fans lassen sich «ihren Meistertrainer» nicht einfach so vom Konterfei streichen. Doch: kann man einen Trainer feuern, um ihn auf Druck der Supporter eine Woche später wieder einzusetzen. Ich sage «Nein!»

Die Psychologie des Sports

Natürlich, Törmänen ist ein feiner Gentleman des Eishockeys. Natürlich, er war in zwei Saison erfolgreich beim SCB. Natürlich, man hätte unbedingt mehr Geduld haben sollen. ABER: Es gibt im Sport nichts Schlimmeres, als von einem Entscheid mit weitreichenden Konsequenzen in so kurzer Zeit wieder ab zu weichen. Der Entscheid Törmänen zu entlassen mag noch so falsch sein. Das SCB-Management muss nun die Konsequenzen aus diesem Entscheid tragen. Den Finnen wieder einzusetzen, ist zwar fan-politisch opportun. Aber was, wenn der SCB drei, viermal hintereinander verliert? Plötzlich in den Abstiegsstrudel der Playouts gerät? Kein Trainer der Welt würde mit dieser Vorgeschichte je wieder genügend Kredit bei den Spielern geniessen. Die Macht des Faktischen ist stärker als der Facebook-Wille der Fans!

Und was bleibt?

Der offensichtliche Unwille der Berner im Erfolg und in der Niederlage mehr Demut zu zeigen. Anstatt sich am Meistertitel zu erfreuen, verhunzt man den geschlagenen Gegner (Hurensöhne Gottéron). Dafür zeigt man in der Niederlage nicht den Willen, mehr Geduld auf zu bringen. Wobei die Akzeptanz des Lions-Gegentreffers in der letzten Sekunde vor zwei Jahren von grosser Klasse zeugte!

Zu oft ist in der ehrwürdigen Allmend alles nur «damn-good» oder «bloody crab»! Tatsächlich zeigt Interims-Coach Lars Leuenberger, dass man mit demselben System, denselben Stürmern, demselben Torhüter, denselben Routiniers durchaus zu Punkten kommen kann. Der Erfolg von «Lazer» könnte noch zum Problem für die Berner werden. Zum Abschluss noch eine Frage: Wurde beim EVZ je die Frage nach dem Trainer gestellt? Ok, Doug Shedden wurde auch noch nie Meister mit den Zugern…

 

 

Endlich in der NLA angekommen

Ralph Stalder: Der Jörg Reber der Romandie

Ralph Stalder: Der Jörg Reber der Romandie

«Ja, es hat gedauert, bis ich endlich in der National League A angekommen bin!» Der dies sagt, ist Ralph Stalder – 27jähriger Linksverteidiger beim Aufsteiger Lausanne. Stalder hat eine wahre Hockey-Odysee hinter sich. Aus der Talentschmiede in Zunzgen-Sissach herkommend (wie Kevin Schläpfer, Oliver Kamber und Marc Grieder), hat sich der Oberbaselbieter zuerst in Davos nicht durchsetzen können. Via Powermäuse aus Olten ist er schliesslich in Basel – beim EHC gelandet. «Irgendwie komisch: hier in Lausanne bin ich 2005 mit Basel zwar aufgestiegen, ich konnte mich aber in der Nati A nicht halten».

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Also ging es weiter auf  Wanderschaft. Statt mit Basel in der obersten Liga, ging «Staldi», wie er von seinen Kollegen genannt wird, wieder in Olten auf Puckjagd. In den darauf folgenden zwei Saisons pendelte die Nummer 14 zwischen Basel und Olten. Er erlebte auch den bitteren Abstieg 2008 und die 0:4 Pleite der Basler in der Ligaquali gegen den EHC Biel.

Ohne Lust auf eine weitere Saison in Basel wechselte der 1m78 kleine Defensivspezialist zu Langenthal. Während der Saison wurde er kurzfristig an den damaligen NLA-Aufsteiger Biel ausgeliehen, wo er mit einem gewissen Jörg Reber verteidigte. Zufall oder nicht: wenn man heute Stalder in der Pationoire de Malley auf dem Eis beobachtet, erinnert sein Spiel unweigerlich an das Grosshöchstettener-Fossil. «Ich habe damals in Biel bei Räbi einiges abgeschaut» lacht Stalder, auf den Vergleich angesprochen.

Aber wie das Hockey-Leben so spielt, erlebt Stalder den Ligaerhalt der Bieler aktiv mit, muss aber für die Saison 2008/2009 in Lausanne wiederum in der zweithöchsten Spielklasse unterschreiben. Dort hat er sich gehalten und ist nach vier weiteren Saisons endlich, endlich im Hockeyhimmel – sprich in der NLA – angekommen.

Saisonauftakt in der 2. Jahreshälfte

Zum «gefühlten» 257mal betrete ich das Bieler Eisstadion, diese Kultstätte wird dem Bieler eines Tages noch fehlen, es ist wie ein «Heimkommen» – überall werden Hände geschüttelt, ein «Hallo» hier ein «Sälü» da.

Wo waren die denn alle?

Ich frage mich wo wir alle den Sommer verbracht haben? Fotografen, Journalisten, Fans, Freunde, Funktionäre, Schiedsrichter, Schiri-Obmänner, Speaker, Eismeister, Pressechefs, Eishockeyspieler… und natürlich Jerry de Jonckheere – «er weiss alles was man über den EHC Biel und die hier beheimateten Vereine wissen muss» würde ein berühmter Filmcharakter zu sagen pflegen.

Die erfolgreiche 1. Jahreshälfte

Und da ist noch ein ehemaliger Lyss-Team-Kollege, Roger R. heute Moskito-Trainer in Biel, Vorzeige-Vater und vorzüglicher Planer im Kinderkriegen. Denn seine 3 Kinder sind alle in der 1. Jahreshälfte geboren, so wie wie es seinerzeit im J+S Eishockey-Trainerkurs gelehrt wurde. Eine Studie besagt, dass die in der 1. Jahreshälfte geborenen sportlich bessere Aussichten haben als Kinder der 2. Jahreshälfte. 

Die Oberbaselbie«l»er

Die Antwort erhalten wir in rund 15, spätestens 20 Jahren und wie war eigentlich das Spiel? Kurz gesagt: Ein Sissacher und ein Österreicher zeigten ihre coolness im wahrsten Sinne des Wortes. Apropos Zunzgen-Sissach, eine tragische Geschichte, denn der Oberbaselbieter Traditionsklub hat immer wieder grosse Spieler hervorgebracht, einer ist heute Biel-Trainer ein anderer Biel-Spieler …geboren in der 1. Jahreshälfte.

Biasca, die Coyotes des Schweizer Eishockeys

Foto: Kapitän Nicola Medici feiert Chiassos 2. Liga-Titel 2010. (Ti-Press)

Der HC Biasca übernimmt den 1. Liga Platz des HC Chiasso. Dieser wiederum übernimmt Biascas Platz in der 2. Liga. Damit holt der HC Ambri-Piotta sein 1. Liga-Partnerteam in seine Nähe.

Nach dem „Deal“ zwischen dem EHC Arosa und dem SC Bern im Frühjahr 1986, ist es der grösste „Umzug“ der Schweizer Hockeygeschichte. Was in der National-Hockey-League fast zum „Yearly-Business“ gehört, hat nun auch die Hockeyschweiz erreicht.

Anfang März hat der HC Chiasso aus finanziellen Gründen seinen Rückzug aus der 1. Liga bekannt gegeben. Dafür übernimmt der 2. Liga Klub HC Biasca auf die kommende Saison 2013-14 den Platz in der obersten Amateurklasse. Im Gegenzug wechselt Chiasso in die 2. Liga und an die Stelle der Leventiner.

Geografisch sinnvoll

Klubnamen, Spielerlizenzen und die Spielorte werden getauscht. Mit dem Transfer des HC Chiasso, holt der HC Ambri-Piotta sein Partnerteam in die Leventina. So können künftig Ambris Elite-Junioren von 1. Liga Einsätzen im 30 Kilometer entfernten Biasca profitieren.

Eine ähnliche Situation gab es schon vor Jahresfrist zwischen Luganos Partnerteams HC Ceresio und GDT Bellinzona. Der 2. Liga Klub Bellinzona tauschte seinen Platz mit dem 1. Ligisten Ceresio. Absurd, denn ursprünglich war Chiasso Luganos Farmteam und Bellinzona kooperierte mit Ambri, alles noch klar?

Irren und Wirren um die Klub-Geschichte

Teams werden verschoben, getauscht und umbenannt. Dies ist eine Verfälschung der Geschichte und die Klub-History wird komplizierter als jede Ahnenforschung von Männern welche den Nachnamen ihrer Ehefrau übernehmen.

Die Winnipeg Jets sind das Paradebeispiel. 1996 wurden die Jets in die Wüste nach Phoenix transferiert. Die gesperrten Rückennummern von Bobby Hull und Thomas Steen, welche nie ein Spiel für die Coyotes absolviert haben, hängen nun unter dem Hallendach der Glendale Arena in Arizona.

Die neuen Winnipeg Jets, nach dem Transfer aus Atlanta 2011, erben wiederum die „Geschichte“ der Atlanta Trashers um die zurückgezogene Nummer des tödlich verunfallten Dan Snyder. Wo liegt nun Chiasso? In Biasca – oder erbt die Grenzstadt schon bald einen Platz in der NLA als HC Faido?

Die wichtigsten Umzüge:
2013 Ceske Budejovice nach Hradec Kralove
2012 HC Lev Poprad nach Prag
2011 Atlanta Trashers nach Winnipeg
2002 München Barons nach Hamburg
1997 Hartford Whalers nach Carolina
1996 Winnipeg Jets nach Atlanta
1995 Quebec Nordiques nach Denver (Colorado Avalanche)
1993 Minnesota North Stars nach Dallas
1982 Colorado Rockies nach New Jersey
1980 Atlanta Flames nach Calgary
1976 Kansas City Scouts nach Denver (Colorado Rockies)
1976 Oakland Seals nach Cleveland (Barons)
1934 Ottawa Senators nach St. Louis (Eagles)
1930 Pittsburgh Pirates nach Philadelphia (Quakers)