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Ehlers und das zweite Spiel

Foto: Nikolaj Ehlers (Winnipeg Jets) trifft bei seinem Liga-Debüt zum dritten Mal in seinem zweiten Spiel. (Elsa, Getty Images)

Am 5. Januar 2013 siegte der EHC Biel in einem Qualifikationsspiel gegen die SCL Tigers mit 5:4. Dabei setzte Biel-Trainer Kevin Schläpfer den erst 16-jährigen Junior Nikolaj Ehlers ein. Der Sohn von Heinz Ehlers durfte in seinem zweiten NLA-Spiel in der ersten Linie mit Eric Beaudoin und Emanuel Peter spielen. Nach lediglich 25 Sekunden erwischte der Däne Langnau-Hüter Thomas Bäumle zwischen den Schonern und brachte Biel mit 1:0 in Führung und Ehlers-Junior skorte bereits in seinem zweiten NLA-Spiel.

Auch in Winnipeg zwei Spiele

Auch in der National-Hockey-League (NHL) benötigte Ehlers-Junior nur zwei Spiele für seinen ersten Skorerpunkt. In seiner zweiten Partie für die Winnipeg Jets gab der NHL-Draft von 2014 am 9. Oktober 2015, beim 3:1-Sieg gegen die New Jersey Devils, in der 22. Minute die Vorlage zum 1:0 von Mark Scheifele. Ehlers beendete die Partie mit einer Plus 2 Bilanz und stand 14 Minuten und 14 Sekunden auf dem Eis. Mit seinem ersten Skorerpunkt im zweiten NHL-Spiel ist Ehlers der elfte dänische Punktesammler (siehe unten) in der besten Liga der Welt.

Auch bei den Junioren zwei Partien

In der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) brauchte Ehlers ebenfalls zwei Spiele für den ersten Skorerpunkt. Am 13. September 2013 gab der Rechte Flügel der Halifax Mooseheads in der 17. Minute das Zuspiel auf Danny Moynihan’s 1:0 gegen die Charlottetown Islanders, die Partie ging allerdings 2:5 verloren.

Ehlers‘ zweite Spiele

NLA: 5. Januar 2013, Tor zum 1:0 nach 25 Sekunden.
QMJHL: 13. September 2013, Assist zum 1:0 (Moynihan) nach 17 Minuten und 5 Sekunden.
NHL: 9. Oktober 2015, Assist zum 1:0 (Scheifele) nach 21 Minuten und 3 Sekunden.

-> Ehlers erster NHL-Punkt

Die dänischen NHL-Skorer (Stand 10. Oktober 2015)

Frans Nielsen (NY Islanders), 297 Punkte*
Jannik Hansen (Vancouver), 185 Punkte*
Mikkel Bodker (Arizona), 174 Punkte*
Lars Eller (St. Louis, Montreal), 130 Punkte*
Peter Regin (Ottawa, NY Islanders, Chicago), 67 Punkte
Poul Popiel (Boston, Los Angeles, Detroit, Vancouver, Edmonton), 54 Punkte
Philip Larsen (Dallas, Edmonton), 31 Punkte
Nicklas Jensen (Vancouver), 6 Punkte*
Frederik Andersen (Anaheim), 4 Punkte*
Oliver Lauridsen (Philadelphia), 3 Punkte
Nikolaj Ehlers (Winnipeg), 1 Punkt*

*=noch in der NHL aktiv

Gelingt das zweite Wunder von Lyss?

Im Cup-Spiel gegen Fribourg-Gottéron braucht es vollen Einsatz der Lysser, wie hier Nicola Pfeiffer gegen Biels Mathieu Tschantré im Jubiläumsspiel 2014. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Der SC Lyss und der HC Fribourg-Gottéron, war da nicht mal was? In der Saison 1979/80 spielten die aktuellen Cup-Gegner in der Nationalliga-B-Westgruppe (damals war die NLB in zwei Gruppen unterteilt) viermal gegeneinander und viermal gingen die Freiburger als klare Sieger (9:3, 9:2, 13:1 und 8:4) vom Eis. Für die Seeländer spielten die Üechtländer ein Eishockey vom andern Stern, als logische Folge schaffte Gottéron in dieser Saison den Aufstieg in die Nationalliga A und der SC Lyss musste den Gang in die 1. Liga antreten. Lyss kehrte zwischen 1989 und 1993 nochmals vier Jahre in die NLB zurück, Fribourg spielt seither in der NLA.

David gegen Goliath

35 Jahre später treffen die ehemaligen NLB-Gegner im Rahmen des Swiss-Ice-Hockey-Cup wieder aufeinander und wie in der Saison 1979/80 sind die Rollen immer noch klar verteilt. Lyss empfängt als Zweitplatzierter der 1. Liga, Gruppe 2 den Leader der NLA. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben die beiden Cup-Gegner, beide sind in der aktuellen Meisterschaft noch ungeschlagen. Der Underdog gibt sich kämpferisch: «Wir sind bereit für Fribourg», sagt Lyss-Stürmer Nicola Pfeiffer vor dem Duell «David gegen Goliath». Apropos «David», in Anlehnung an den langjährigen Lyss-Trainer Hans-David Steiger (1993-2006) sollte man das Duell eigentlich «Hans-David gegen Goliath» nennen.

Schaad, Robert und Zaugg, einst mit Roman Josi Elite-Junioren Schweizermeister…

Beim Underdog stehen mit Torhüter Fabian Zaugg, den Verteidigern Dominique Robert und Manuel Schaad immerhin drei ehemalige Elite-Junioren Schweizermeister im Team von Trainer Patrick Glanzmann. Neben den drei Lyssern gehörte Nashville Predators-Verteidiger Roman Josi 2009 ebenso zum Meisterkader wie Etienne Froidevaux (Lausanne), Joël Vermin, Tristan Scherwey, Pascal und Alain Berger und Kevin Fey (Biel). Zudem hat Torhüter Zaugg im August das Trainingslager mit dem EHC Biel bestritten. Neben Zaugg (2008/09 Backup von Marco Bührer), können aber nur Schaad (10 Spiele für den SC Bern) und Florin Gerber (24 Spiele für den EHC Biel) auf NLA-Schnuppereinsätze zurückblicken. Allerdings fallen Schaad (Innenband) und Zaugg (Schulter) kurzfristig verletzungsbedingt aus. Der prominente Gegner aus der NLA kann auf die Erfahrung von 783 NHL-Partien, 73 WM-Spiele und 10 Olympia-Einsätze zählen und muss lediglich auf seinen Captain Julien Sprunger (gesperrt) verzichten.

Der historische 2. Januar 1991

Doch da war noch was anderes zwischen Lyss und Fribourg? Eine ähnliche Rollenverteilung wie heute gab es am 2. Januar 1991, als der damalige B-Ligist den HC Fribourg-Gottéron im Rahmen eines Neujahrsschlagerspiels vor 1’900 Zuschauern empfangen hat. Fribourg trat in Lyss mit dem ganzen Kader, inklusive den sowjetischen Superstars Wjatscheslaw Bykow und Andrei Chomutow an und setzte sich schon nach 6 Minuten mit einem brutalen 4-Tore-Vorsprung ab. Ein krasser Klassenunterschied schien für den Gastgeber Böses erahnen. Im Mittelabschnitt wendeten die Lysser mit einem sensationellen 5:0 das Blatt und schafften gegen den übermächtigen Gegner eine unerwartete Überraschung. Lyss siegte im Freundschaftsspiel gegen Bykow/Chomutow und Co. mit 8:5 und die Halle stand Kopf. Gelingt den tapferen Lyssern nach dem Wunder von 1991 auch das Wunder von 2015?

Alle Partien im Überblick

FS, 2. Januar 1991, Lyss – Fribourg-Gottéron 8:5 (1:4, 5:0, 2:1)
Tore: Pfeuti, Laczko (2), Lamoureux (2), S. Schmid, Weibel, Gagné; Brodmann (3), Theus, Balmer

Industriecup, 16. September 1989, Lyss – Fribourg-Gottéron 4:10 (2:2, 1:2, 1:6)
Tore: Lappert, S. Schmid, Laczko, Brambilla; Hodgson (3), I. Griga (2), Rottaris, Schaller (2), Staub, Stastny

NLB, 22. Januar 1980, Lyss – Fribourg-Gottéron 4:8 (1:3, 0:3, 3:2)
Tore: Riesen, D. Tschannen, Eicher, Mäder; Brand, Lussier (3), Lüdi (2), Marti, Lüthi

NLB, 18. Dezember 1979, Fribourg-Gottéron – Lyss 13:1 (1:1, 5:0, 7:0)
Tore: Uttinger, Lüthi (2), Lussier (3), Rouiller, Rotzetter, Marti (2), Stoll (2), Stempfel; Riesen

NLB, 6. November 1979, Lyss – Fribourg-Gottéron 2:9 (0:2, 0:1, 2:6)
Tore: Bula, Riesen; Lüdi (2), Uttinger, Rouiller (2), Brand, Rotzetter, Jeckelmann, Raemy

NLB, 9. Oktober 1979, Fribourg-Gottéron – Lyss 9:3 (5:0, 3:2, 1:1)
Tore: Stempfel (2), Lussier (2), Marti (2), Jeckelmann, Raemy, Rouiller; Riesen (2), Kohler

 

Die Swiss-Ice-Hockey-Cup 1/16-Finals 2016 (29./30.9.2015)

EHC Burgdorf – SCL Tigers 2:7 (1:3, 0:2, 1:2)
GCK Lions – HC Ambrì-Piotta 1:4 (1:2, 0:0, 0:2)
EHC Olten – EV Zug 2:3 (1:0, 0:2, 1:1)
Hockey Thurgau – Kloten Flyers 1:5 (1:0, 0:1, 0:4)
EHC Wiki-Münsingen – EHC Biel 1:12 (0:4, 1:4, 0:4)
SC Weinfelden – SC Rapperswil-Jona Lakers 2:5 (0:1, 2:1, 0:3)
EHC Brandis – EHC Visp 1:4 (1:1, 0:2, 0:1)
SC Lyss – HC Fribourg-Gottéron (1:3 (0:1, 1:0, 0:2)
EHC Chur – ZSC Lions 2:9 (0:3, 0:4, 2:2)
HC Forward-Morges – Lausanne HC 1:6 (0:2, 0:2, 1:2)
HC Université Neuchâtel – Genève-Servette HC 2:10 (1:2, 1:3, 0:5)
SC Langenthal – SC Bern 2:3 (1:0, 1:2, 0:1)
EHC Winterthur – HC Lugano 1:2 (0:1, 0:0, 1:1)
EHC Dübendorf – HC Davos 5:4 nV (2:1, 1:3, 1:0, 1:0)
HC Ajoie – HC Red Ice Martigny 8:4 (2:1, 3:0, 3:3)
HC Sion-Nendaz 4 Vallées – HC La Chaux-de-Fonds 1:2 (0:1, 1:1, 0:0)

Der Europacup-Methusalem

Petteri Nummelin, der älteste Europacup-Torschütze will noch einen europäischen Titel. (Foto:)

Petteri Nummelin, der älteste Europacup-Torschütze will noch einen europäischen Titel mit Turku. (Foto: Timo Savela)

Am 25. November 2015 feiert Petteri Nummelin seinen 43. Geburtstag, doch der finnische Weltklasse-Verteidiger hat immer noch nicht genug. Im Champions-Hockey-League (CHL) 1/16-Final-Spiel gegen seine finnischen Landsmänner von JYP Jyväsyklä (2:2), erzielte der 42-Jährige den Treffer zum 1:2 für TPS Turku. Mit diesem Treffer dürfte Nummelin der älteste Torschütze eines europäischen Club-Wettbewerbs (Grümpelturniere nicht berücksichtigt) sein.

22 Jahre später spielt Nummelin mit Turku immer noch um den europäischen Titel

Die CHL ist der fünfte europäische Eishockey-Wettbewerb der Hockey-Geschichte, Nummelin ist der einzige aktive CHL-Spieler der schon beim ersten europäischen Klub-Turnier (Europacup, 1965-97) mitgespielt hat. Als damals 18-Jähriger war Nummelin beim Europa-Cup Halbfinal-Turnier im November 1993 in Turku dabei. Einen Monat später folgte die Krönung mit dem ersten Europa-Cup Gold für eine finnische Mannschaft, mit seinem Stammverein TPS Turku besiegte er unter Trainer Wladimir Jursinow den russischen Meister Dynamo Moskau mit 4:3.

Ein Palmarès für zwei A4 Seiten

Sagenhafte 22 Jahre später spielt Nummelin mit Turku immer noch um den europäischen Titel. Dazwischen liegen 11 Stationen (Kiekko-67 Turku, Pelicans Lahti, Turku, Frölunda Göteborg, Davos, Columbus Blue Jackets, Lugano, Minnesota, Lugano, Turku und Rauma), 4 Meistertitel (Finnischer Meister mit Turku und Weltmeister 1995 und 2x Schweizermeister 2003 und 2006 mit Lugano), 15 Weltmeisterschaften, Olympische Spiele (2006), World Cup (1996), 9 Nominierungen ins All-Star-Team (5x WM All-Star-Team, 2x NLA All-Star-Team, 2x Spenglercup All-Star-Team) und zahlreiche weitere mehrfache Auszeichnungen als MVP, bester Verteidiger und als Topskorer.

Retired Number in Lugano

In Lugano verabschiedete sich «Nummy» am 30. August 2013, im Alter von 40 Jahren anlässlich eines Abschiedsspiel gegen seinen neuen Verein Lukko Rauma. Der Offensiv-Verteidiger bestritt 423 NLA-Spiele und schoss 139 Tore. Seither hängt Nummelins Trikot mit der Nummer 33 unter dem Hallendach der Resega und wird bei den Bianconeri nie mehr vergeben. Nach einer letzten Saison bei Lukko Rauma gab der Marathon-Man im Frühjahr 2014 seinen Rücktritt um in der vergangenen Saison (2014/15) bei seinem krisengeplagten Stammklub Turku seinen Rücktritt vom Rücktritt zu geben. Jetzt hat Nummelin die Chance seine Karriere, welche vor 22 Jahren mit einem europäischen Titel bei TPS begonnen hat, mit einem europäischen Titel mit TPS zu beenden.

Nummelins Europacup-Marathon

1993-94 TPS Turku (Europacup), 6 Spiele, 2 Tore, 2 Assists (Gold)
1994-95 TPS Turku (Europacup), 7 Spiele, 2 Tore**, 1 Assist**, 2 Strafminuten** (Bronze)
1996-97 Frölunda Indians Göteborg (European-Hockey-League), 5 Spiele, 2 Tore, 2 Assists (Bronze)
2014-15 TPS Turku (Champions-Hockey-League), 4 Spiele, 2 Assists
2015-16 TPS Turku (Champions-Hockey-League), *4 Spiele, *1 Tor, *2 Assists

* Stand 23. September 2015
** Statistik aus dem Halbfinal-Turnier nicht verfügbar

Von Norfolk nach Bern

Die neuen SCB-Kanadier Smith und Conacher jubeln mit Genfs Alexandre Picard für die Norfolk Admirals. (Media Hampton Roads)

Ausgebildet in der amerikanischen College-Liga National-Collegiate-Athletic-Association (NCAA) «N-CEEEE-double-A» kam der Kanadier Cory Conacher noch in seinem letzten College-Jahr zu ersten Einsätzen in der American-Hockey-League (AHL) bei den Rochester Americans (Ex-Klub von Daniel Steiner) und den Milwaukee Admirals (zusammen mit Roman Josi). In seiner ersten richtigen AHL-Saison 2011-12 realisierte der Flügelstürmer für die Norfolk Admirals auf Anhieb 95 Skorerpunkte, stand im All-Rookie-Team, spielte im All-Star-Game, stand im Second All-Star-Team, wurde Rookie des Jahres, AHL MVP und Calder-Cup-Sieger. Diese Traumsaison brachte den Mann aus Ontario in Guy Bouchers Kader der Tampa Bay Lightning. Nach Tampa folgten Kurzengagements bei den Ottawa Senators, Buffalo Sabres und den New York Islanders, wo sich Conacher nicht durchsetzen konnte und zuletzt ins Farmteam der Bridgeport Sound Tigers in die AHL abgeschoben wurde. Innerhalb der AHL wechselte der 25-Jährige in der letzten Saison zu den Utica Comets (ins Team von Sven Bärtschi) in die Organisation der Vancouver Canucks.

Wie Conacher, stammt auch Andrew Ebbett aus der NCAA-Talentschmiede, als zweifacher Central-Collegiate-Hockey-Association-Meister (2003, 2005) mit der University of Michigan Wolverines, stiess der Mittelstürmer zu den Binghamton Senators in die AHL. Während neun Jahren spielte der Mann aus British Columbia für sechs NHL-Organisationen (Anaheim Ducks, Chicago Blackhawks, Minnesota Wild, Phoenix Coyotes, Vancouver Canucks, Pittsburgh Penguins). Nur in den Saisons 2009-10 und 2011-12 wurde Ebbett nie in die AHL geschickt, sonst blieb ihm der Gang in die zweitklassige Liga nicht verwehrt. Neben der sechs NHL-Stationen spielte der Spielmacher auch für die Portland Pirates, Iowa Chops, San Antonio Rampage, Chicago Wolves und zuletzt für die Wilkes-Barre Scranton Penguins.

Trevor Smith stand 2011-12 zusammen mit Conacher im siegreichen Calder-Cup-Team der Norfolk Admirals und stand mit 85 Zählern In der internen Skorerliste gleich hinter seinem neuen SCB-Kollegen. In der siegreichen AHL-Saison absolvierte der Stürmer auch 16 Spiele unter Boucher bei den Lightning. Sein NHL-Debüt gab der ehemalige NCAA-Junior im Team von Mark Streit, 2008 bei den New York Islanders. In den letzten zwei Jahren stand der 30-Jährige in der Organisation der Toronto Maple Leafs, wo er unter anderem auch als Kapitän des AHL-Teams Toronto Marlies auflief.Im Schatten von Conacher und Smith stand damals ein gewisser Tyler Johnson. Der Amerikaner hat im Gegensatz zu den Neo-Bernern heute den Durchbruch in der NHL geschafft. Der Mittelstürmer stand in diesem Frühjahr mit Tampa Bay im Stanley-Cup-Final und wurde mit 23 Punkten, vor dem Ex-Bieler Patrick Kane (Chicago Blackhawks), Playoff Topskorer. Sein Vertrag über 3,3 Millionen US-Dollar pro Saison, läuft bei den Lightning noch bis 2017.

Wenn die Eisbahn einem Parkhaus weichen muss

Foto: Der Parkhaus-Eingang unter dem Dach der Weena Ijshal (in rot), der Rest des Halleneingangs (Michael Krein)

Wer kennt den «IJHC Gunco Pandas Rotterdam?» Vielleicht eine Handvoll Hockeyfanatiker – «SCB-Jüre» Jürg Wymann inklusiv – und der langjährige EHC Chur-Trainer (1985-87, 1992-93, 2010-11, 2013-14) Alex Andjelic kennen den klingenden Namen. Der serbisch-holländische Doppelbürger stand 1991/92 nur eine halbe Saison hinter der niederländischen Bande, ehe er noch im selben Winter Leo Schumacher in Chur (NLA) ersetzen musste. Der prominenteste «Rotterdamer» ist der aktuelle Headcoach der Kloten Flyers, Sean Simpson. Mit den Pandas feierte Simpson 1989 seinen ersten Titelgewinn in Holland und seinen zweiten Meistertitel der Karriere. In 43 Spielen buchte der Kanadier 100 Skorerpunkte für die Mannschaft welche den WWF (World-Wildlife-Fund) Panda auf seinen Trikots trug.

Unter den besten Acht Europas

Mit dem Titelgewinn Rotterdam’s qualifizierten sich die «fliegenden Holländer» zum zweiten Mal für den Europacup, wo sie 1989 bis unter die besten acht Klubteams Europas vorstiessen. Bei der knappen 2:3-Niederlage im Europacup-Halbfinalturnier gegen den SC Bern, brachten die Holländer sogar den Schweizermeister an den Rand einer Niederlage. Dabei sass ihr letztjähriger Topskorer Simpson nur noch als Zuschauer unter den 800 Fans in Bern auf der Tribüne, denn der Kanadier hatte in der Zwischenzeit beim SC Lyss in der Nationalliga B angeheuert und stattete seinen ehemaligen Teamkollegen einen Besuch ab.

Eishalle muss einem Parkhaus weichen 

Zwischen 1987 und 1990 holten die Pandas, welche zwischenzeitlich auch als Turbana‘s (gesponsert durch den weltweit bekannten Bananen-Importeur) aufliefen, drei Titel (1987, 1989, 1990) in vier Jahren und gehörten zu den Top-Klubs des Landes. Doch der steile Aufstieg war nur von kurzer Dauer. Nach nur neun Saisons in der obersten Spielklasse «Eredivisie», standen die Hafenstädter ohne Stadion da. Die Weena Ijshal an der Schaatsbahn 41 bis 45, beim Rotterdamer Bahnhof, musste 1996 aus finanziellen Gründen die Tore schliessen und einem Parkhaus weichen. Wo einst Meistertitel und Europacup-Abenteuer geschrieben wurden, parken heute beim Rotterdamer Bahnhof bis zu 230 Autos gleichzeitig.

Ungewisse Rückkehr

Seit Mitte der 90er Jahre ist Rotterdam auf Hollands Eishockeylandkarte verschwunden und der ehemalige Glanz an der Schaatsbahn scheint an der Rheinmetropole für immer erloschen. Seither ist die Stadt Rotterdam um den Bau einer neuen Eishalle bemüht, ein idealer Standort scheint in nächster Zukunft aber noch nicht in Sicht. In eine gute Zukunft steuert dafür der Niederländische Eishockeyverband, zusammen mit Belgien startet im Herbst 2015 die neue BeNe-League. 17 Mannschaften aus Holland und Belgien spielen in zwei Gruppen. Der holländische Meister Tilburg Trappers bestreitet neben der BeNe-League auch noch die deutsche Oberliga-Meisterschaft, während die Rotterdamer immer noch auf ihre Eisbahn warten.

Foto (links): IJHC Gunco Pandas Rotterdam 1991-92 mit Headcoach Alex Andjelic (unten, fünfter von links). (snipview.com)

Von der «Mission Surprise» zur «NHL Mission»

Timo Meier auf dem Weg zum NHL-Draft 2015. (Foto: thehockeynews.com, getty images)

Timo Meier, im Trikot der Halifax Mooseheads, auf dem Weg zum NHL-Draft. (Foto: thehockeynews.com, getty Images)

Am 17. Dezember 2013 wurde Timo Meier in der SRF-Sendung «Mission Surprise» von seinen Familienangehörigen in Halifax mit einem Besuch überrascht. Der damals noch unbekannte Meier wagte sich wenige Monate vorher ins nordamerikanische Eishockey-Abenteuer. An seiner Seite war das Bieler Nachwuchstalent Nikolaj Ehlers, welcher in der SRF-Sendung den perfekten Lockvogel mimte und seit zwei Jahren mit Meier bei den Halifax Mooseheads in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) spielt.

Zwei Jahre nach Meiers Canadian-Hockey-League (CHL) Juniorendraft, der 18-Jährige wurde 2013 als Nummer 12 von den Mooseheads gezogen, steht Meier nun in der Nacht auf Samstag vor dem «richtigen» NHL-Draft. Dabei wird der Junioren-Internationale mit grosser Wahrscheinlichkeit in der ersten Runde gezogen, der Herisauer steht im NHL-Central-Scouting an zehnter Stelle aller «nordamerikanischen» Feldspieler.

Achter Erstrundendraft

Nach Michel Riesen (1997, Nr. 14), Luca Cereda (1999, Nr. 24), Luca Sbisa (2008, Nr. 19), Nino Niederreiter (2010, Nr. 5), Sven Bärtschi (2011, Nr. 13), Mirco Müller (2013, Nr. 18) und Kevin Fiala (2014, Nr. 11) dürfte Meier als achter Schweizer in der ersten Runde im Draft gezogen werden.

«Timo Meier wird in der Nacht auf Samstag als 57. Schweizer NHL-Draft in die Geschichte eingehen»

Der 1,86 Meter grosse und 95 Kilogramm schwere Powerstürmer hat in der vergangenen Saison in 75 Partien 54 Tore, 57 Assists und 111 Punkte realisiert. Sein Körperbetonter Spielstil kommt dem Herisauer auf dem kleineren Spielfeld entgegen. «Ich bin sehr verbissen», sagte Meier.

«Wenn ich ein Ziel habe, bin ich sehr fokussiert und arbeite ich hart. Ich sehe mich als komplettes Paket.» Und wenn Meier heute Nacht in der ersten Runde aufgerufen wird, ist dies keine «surprise», sondern der Startschuss zu einer neuen Mission, der «Mission NHL.»

Drei weitere Schweizer

Gute Draft-Chancen werden auch Verteidiger Jonas Siegenthaler (Nr. 12, European Skaters) und Mittelstürmer Denis Malgin (Nr. 20, European Skaters) eingeräumt, die in der vergangenen Saison bei den ZSC Lions, an der U20- und U18 Weltmeisterschaft (beide wurden ins All-Star-Team gewählt) überzeugt haben. Der Stürmer Pius Suter, der nach zwei OHL-Saisons bei Guelph Storm in die Organisation der ZSC Lions zurückkehrt, kann sich ebenfalls Hoffnungen auf einen Draft machen, er rangiert unter den «North American Skaters» auf Platz 74.

McDavid und Eichel

Als Nummer eins wird der Kanadier Connor McDavid (Erie Otters) vor dem Amerikaner Jack Eichel (Boston University) gehandelt. McDavid gilt als grösstes Talent seit Sidney Crosby (2005). Das erste Draftrecht haben die Edmonton Oilers vor den Buffalo Sabres und den Arizona Coyotes. Die 53. Draft-Veranstaltung geht am 26. und 27. Juni in Sunrise, Florida im BB&T Center über die Bühne.

Alle 56 Schweizer-Draftpicks

2014 2 – Kevin Fiala, Noah Rod
2013 4 – Mirco Müller, Sven Andrighetto, Joël Vermin, Fabrice Herzog
2012 2 – Tanner Richard, Christoph Bertschy
2011 2 – Sven Bärtschi, Gregory Hofmann
2010 2 – Nino Niederreiter, Mauro Jörg
2008 2 – Luca Sbisa, Roman Josi
2007 2 – Yannick Weber, Luca Cunti
2006 3 – Reto Berra, Julian Walker, Juraj Simek
2004 4 – Julien Sprunger, Roman Wick, Peter Guggisberg, Mark Streit
2003 5 – Tim Ramholt, Philippe Seydoux, Kevin Romy, Philippe Furrer, Loic Burkhalter
2002 5 – Tobias Stephan, Emanuel Peter, Daniel Manzato, Patrik Bärtschi, Thomas Nüssli
2001 4 – Beat Forster, Raffaele Sannitz, Martin Gerber, Severin Blindenbacher
2000 6 – Sven Helfenstein, Flavien Conne, Thomas Ziegler, Reto von Arx, Martin Höhener, Arne Ramholt
1999 3 – Luca Cereda, Timo Helbling, Goran Bezina
1998 2 – Julien Vauclair, Adrian Wichser
1997 3 – Michel Riesen, David Aebischer, René Stüssi
1996 1 – Mattia Baldi
1994 1 – Lars Weibel
1993 1 – Patrick Howald
1991 1 – Pauli Jaks
1976 1 – Jacques Soguel

Wenn Brent Burns in der Rod Laver Arena spielt

 

Bent Burns, Garnet Exelby und Keith Primeau posieren mit dem Maskottchen der Sydney Bears. (Foto: Sydney Bears)

Brent Burns, Garnet Exelby und Keith Primeau posieren mit dem Maskottchen der Sydney Bears. (Foto: Sydney Bears)

Rod Laver Arena, Allphones Arena, Entertainment Centre und Perth Arena heissen die Schauplätze. Die Sportarten heissen aber nicht Tennis, Basketball oder Volleyball, sondern Eishockey. Während sich auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs die Tampa Bay Lightning und die Chicago Blackhawks um den begehrten Stanley-Cup duellieren, spielen eine kanadische- und amerikanische Auswahl die «Ice Hockey Classic Australia». Die Vier-Spiele-Serie, mit dem Ziel in Down Under für den Eishockeysport zu werben, wird in Melbourne, Sydney, Brisbane und Perth ausgetragen.

NHL- und Schweizer Söldner

Die beiden Mannschaften sind mit David Booth (Toronto Maple Leafs), Jerry D’Amigo (Buffalo Sabres), Taylor Beck (Nashville Predators), Zenon Konopka (HK Sanok, Polen, 354 NHL-Spiele), Garnet Exelby (Dornbirn, 412 NHL-Spiele) und WM All-Star-Team Verteidiger und Weltmeister Brent Burns (San Jose Sharks) auch in Down Under bestens besetzt. Selbst die «Schweiz» ist mit zwei ehemaligen Söldnern vertreten, Brett McLean (wechselt von Lugano nach Linz) trägt das kanadische Trikot in Sydney und Brisbane. Der Ex-Zuger und Langnauer Robbie Schremp spielt alle vier Partien für die USA.

It’s always been on my bucket list, coming to Melbourne, and I’m stoked I got to cross it off playing hockey for a great cause (Brent Burns)

Das erste Spiel fand in der legendären Rod Laver Arena in Melbourne statt, welche kurzum vom Tenniscourt in eine Eishalle verwandelt wurde. Die Atmosphäre in der Rod Laver Arena, wo sonst Roger Federer und Co. die Tennis-Fans von den Sitzen reissen, glich eher einer Riesenparty als einem Sportevent wie die Australien Open. Für Fans und Spieler war die grosse Hockeyparty sichtlich ein Genuss. Dabei avancierte San Joses Burns innert kürze zum Publikumsliebling. «It’s always been on my bucket list, coming to Melbourne, and I’m stoked I got to cross it off playing hockey for a great cause», sagte Burns nach dem 9:6-Sieg über die Amerikaner in Melbourne.

Beste Werbung fürs Eishockey

Die Resultate sind aber zweitrangig, im Vordergrund stehen Spektakel und die Faszination, den sich im Aufschwung befindende Eishockeysport in Australien weiter zu fördern. Gleichzeitig ist die Meisterschaft in der Australian Ice Hockey League (AIHL) voll im Gange. Perth Thunder und Adelaide Adrenaline stehen nach zehn Spielen an der Tabellenspitze. Der aktuelle Titelträger Melbourne Mustangs, steht nach einem enttäuschenden Start nur auf dem zweitletzten Platz. Die NHL-Cracks Brent Burns, Zenon Konopka, Garnet Exelby und USA-Headcoach Keith Primeau (1‘037 NHL-Spiele) standen während des AIHL-Spiels Sydney Bears – Melbourne Mustangs (7:6) für Fotos, Autogramme und Interviews mit den Fans zur Verfügung. Die Tour dauert noch bis am 20. Juni 2015 in Perth, dann müssen sich Australiens Hockey-Fans wieder dem normalen AIHL-Alltag widmen, welcher Ende August mit dem Goodall-Cup, der fünftältesten Hockeytrophäe der Welt, den neuen- und letzten Meister aller Ligen und Länder kührt.

Ice_Hockey_Classic_Australia

Kanada: Tyler Bunz (Edmonton, NHL/Oklahoma, AHL); Brent Burns (San Jose, NHL), Jordon Southorn (Gwinnett, ECHL), Andrew MacWilliam (Toronto, NHL/AHL), Nolan Yonkman (Adirondack, AHL/Jyväskylä, Fi), Mathieu Brisebois (Rockford, AHL); Frazer McLaren (Toronto, AHL), Logan MacMillan (Karaganda, VHL), Taylor Beck (Nashville, NHL), Matt Frattin (Toronto, NHL/AHL), Brett McLean (Lugano, Sz/Linz, Ö), Eric Neilson (Syracuse, AHL), Tyler Gron (Milano, It), Kevin Harvey (Sydney Ice Dogs, AIHL), Ryan Watson (Bakersfield, ECHL), Bryan Cameron (Alaska, ECHL)

USA: Garret Sparks (Orlando, ECHL); Garnet Exelby (Dornbirn), Ned Lukacevic (Coventry, Gb), Matt Williams (Sanok, Pol), Brad Miller (Sonthofen, De), Jason DeSantis (Klagenfurt, Ö); Kevin Baker (Quad City, ECHL), David Booth (Toronto, NHL), Zenon Konopka (Sanok), Jerry D’Amigo (Buffalo, NHL), Rob Schremp (Skelleftea, Sd), Michael Forney (Sheffield/Belfast, Gb), Mike Cichy (Sanok), Bryan Lerg (Worcester, AHL), Kip Brennan, Nick Lazorko (Pensacola, SPHL), Joe Harcharik (Sydney Bears, AIHL); Keith Primeau (Headcoach)

Ice Hockey Classic Australia Tour 2015 

Melbourne (Rod Laver Arena, 15‘000 Plätze), 5. Juni 2015, Kanada – USA 9:6 (4:1, 1:2, 4:3)
Sydney (Allphones Arena, 21‘000 Plätze), 6. Juni 2015, USA – Kanada 6:1
Brisbane (Entertainment Centre, 14‘500 Plätze), 13. Juni 2015
Perth (Perth Arena, 15‘500 Plätze), 20. Juni 2015

Durchgerafflte Hanlon-Äpfel

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Die beiden Villacher Brüder Thomas und Michael Raffl, in den Fussstapfen ihres Vaters Peter. (Foto: alamy.com)

Unter Raffeln versteht man die Zerkleinerung von Obst oder Gemüse mittels einer Raffel. Typische Anwendungen sind Karotten- und Selleriesalat oder Äpfel. Im Weltmeisterschafts-Spiel zwischen der Schweiz und Österreich ist es die Schweiz, die «gerafflt» wird. Die letzte Schweizer WM-Niederlage gegen Österreich datiert vom 2. Mai 1995, als man im schwedischen Gävle unter Mats Waltin im Abstiegsspiel der WM A-Gruppe gegen den kleinen Nachbar sang- und klanglos mit 0:4 unterging. Auf den Tag genau 20 Jahre später (hat noch kein Medium bemerkt), werden die «Hanlon-Äpfel» von den Österreichern mit 4:3 für die Zubereitung eines Schweizer Birchermüeslis «durchgerafflt».

Thomas und Michael Raffl

Dabei treffen die beiden Brüder Thomas und Michael Raffl gleich im Doppelpack zum Ausgleich: Thomas in der 23. Minute zum 1:1 und Michael auf Zuspiel von Thomas, 50 Sekunden vor Schluss zum wichtigen 3:3 für den A-WM-Neuling. Im Penaltyschiessen trifft zwar kein Raffl mehr, Mark Streits Flyers-Teamkollege Michael scheitert an Reto Berra, dennoch stehen die Raffl’s am Ursprung der ersten Schweizer Niederlage gegen die Ösis seit 20 Jahren. Oder anders gesagt, wird «gerafflt», gibt’s keinen Schweizer Sieg.

Wird gerafflt, gibt’s keinen Schweizer Sieg und bei einer Niederlage gegen Österreich folgt der Abstieg

Dies war schon 1983 so. Am 22. März, beim B-WM Auftakt in der japanischen Hauptstadt Tokio lag die Schweiz gegen Österreich mit 5:2 und 7:5 in Front. Weil es aber damals schon «rafflte», reichte es auch 1983 nicht zu einem Schweizer-Sieg. Peter Raffl schoss beim 8:8-Schlussresultat in der 36. Minute den wichtigen 5:5-Ausgleichstreffer. Der Vater der beiden Raffl-Brüder Thomas und Michael beendete seine internationale Karriere nach der B-WM 1991. Seither siegten die Österreicher nur noch ein Mal gegen die Schweiz und verbannte sie 1995 bis zum Aufstieg am grünen Tisch (für die Heim-WM 1998) in die WM B-Gruppe.

Der Abstieg kam nur einmal nicht

Verlor die Schweiz gegen Österreich folgte jeweils der Abstieg. Nicht nur 1995, sondern auch schon 1967 und 1973. An der B-WM 1967 in Wien verlor die Schweiz gegen die Ösis mit 6:7 und stieg in die C-Gruppe ab. An der B-WM 1973 in Graz, ging die Schweiz gegen Österreich mit 4:8 unter und es folgte erneut der Gang in die C-Gruppe. Nur an der B-WM 1966 in Zagreb, schaffte die Schweiz den bisher einzigen Ligaerhalt trotz einer Niederlage gegen Österreich (6:7). Der einzige Trost für die Schweizer: Die Konstellation Raffl und Abstieg gab es bisher noch nie.

Der Erdnuss-Pokal

Foto: Der Twin Skate kurz nach dem gescheiterten Hebeversuch von HCD-Teamleiter Paul Berri. (Screenshot SRF)

Seit 1981 ist das HC Davos-Urgestein Paul Berri im Betreuungsstab des 31-fachen Schweizermeisters. In 34 Jahren hat Berri acht Schweizer-Meistertitel (1984, 1985, 2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015) mit dem HCD gefeiert. Beim achten- und gleichzeitig 31. Titel des Klubs lässt Berri in den Katakomben des Hallenstadions den gelben Plexiglaspokal fallen und der als «unzerstörbar» geltende «Twin-Skate» zerfällt in seine Einzelteile. Kein aktueller Betreuer hat mehr Pokale und Meistertitel gefeiert als der HCD-Teamleiter. In Berris Laufbahn waren schon vier verschiedene Meister-Pokale im Umlauf, drei davon gingen schon durch Berris Hände. Der aktuellste ging eine halbe Stunde nach der Pokalübergabe in die Brüche. War der Kult-Betreuer etwa zu fahrlässig?

Pokaltechnisch ein Eishockey-Entwicklungsland

Nein. Die Schweiz ist das einzige Land mit einem Plexiglas-Pokal, sogar die Neuseeländer und Spanier jubeln mit traditionsreichem Edelmetall. Seit 1997 feiert der Schweizermeister jeweils in Glas oder Kunststoff. Der SC Bern gewann 1997 als erstes den hässlichen blauen «Schirmständer». Zehn Jahre hat der Schirmständer, welcher auch schon geklaut, zerscherbelt und umgespritzt wurde, überlebt. Den letzten Schirmtitel feierte der HC Davos 2007, ehe der neue postgelbe «Plexi-Ständer» mit dem sechsten Meistertitel der ZSC Lions 2008 seine Premiere feiern konnte. Der von der Designagentur Hug & Dorfmüller gestaltete «Twin-Skate», wurde bei seiner Vorstellung als unzerstörbar betitelt. So kurz wie 2015 war seine Lebensdauer nach einem Titelgewinn aber noch nie, glücklicherweise war es nur ein Replica, denn das Original kommt jewils nicht bis ins Stadion.

If you pay peanuts, you get monkeys

Sir James Goldsmith
René Huguenin (HC La Chaux-de-Fonds) stemmt 1973 den letzten echten Schweizer Pokal zum sechsten Titelgewinn in Serie in die Höhe. (Foto: Sport Hits)
René Huguenin (HC La Chaux-de-Fonds) stemmt 1973 den letzten, echten Schweizer Pokal zum Titelgewinn in die Höhe. (Sport Hits 1973)

2008 hat sich der ehemals Schweizerische Eishockeyverband (SEHV) marketingtechnisch ein neues Label verpasst. Die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) hat sich der Amerikanisierung des Westens angepasst. Seither wird hier nicht mehr in der traditionellen Nationalliga A und B, sondern in der «National-Hockey-Lea…», natürlich der «National League A and B» gespielt. Anstatt sich pokaltechnisch dem Westen, welcher die Tradition sämtlicher Trophäen ehrenhaft zu pflegen weiss, anzupassen hat die sich die Liga leider nur Namenstechnisch angepasst und damit gleich zwei Identitäten verloren: Den Liga-Namen, gegründet 1937, und den Pokal.

Die verlorene Pokal-Kultur 

Der letzte, richtige Pokal (gestifted durch die Uhrenfirma Omega) wurde mit dem sechsten Titelgewinn des HC La Chaux-de-Fonds 1973 aus dem Verkehr gezogen, seither gibts in der Schweiz nur noch «Erdnuss-Pokale». Sir James Goldsmith sagte einmal: «If you pay peanuts, you get monkeys» (Wer nur mit Erdnüssen bezahlt, braucht sich nicht wundern wenn er von Affen bedient wird), nichts passt treffender als die Plastik-Krönung des Schweizermeisters und dessen Umgang mit dem Lohn für den Titel. Der «Twin Skate»  hat weder Kult noch Tradition, daher ist auch ein «fallen und liegen lassen» für einen frischgebackenen Schweizermeister nur eine Randnotiz. Ein echter und geschichtsträchtiger Pokal wie etwa der erste Omega-Pokal (bis 1957 in einer siebener-Serie vom EHC Arosa gewonnen) würde auch in der Schweiz in ehrenhafter und «nordamerikanischer Tradition»  den Respekt von Trainern, Spielern, Betreuern und Medien ohne auch nur den Hauch von Erdnuss-Kontamination geniessen können.

Der Omega-Pokal 1957, im nordamerikanischen Stil. (Foto: Chronik EHC Arosa)
Der Omega-Pokal 1957. (Chronik EHC Arosa)

Pokalhistorie
1946* – 1957 Omega-Pokal
1958 – 1973 Omega-Pokal II
1974 – 1991 Omega-Pokal III
1992 – 1996 Skulptur (Ivo Soldini)
1997 – 2007 Schirmständer (Oskar Buchs)
2007 – Twin Skate

*Angabe ohne Gewähr

Abstecher in die «Operettenliga»

Foto: Wiens Andreas Nödl setzt sich gegen die beiden Salzburger Brett Sterling (links) und Ryan Duncan durch. (Markus Knoblechner, MK Media)

Fünf Tage nach dem Start zum Schweizer Playoff-Final sind auch unsere östlichen Nachbarn zur Endspielserie gestartet. Die beiden Champions-Hockey-League-Teilnehmer EC Red Bull Salzburg und Vienna Capitals stehen sich in der «Best-of-Seven» Serie gegenüber. Die Wiener haben letzten Herbst auf europäischem Parkett immerhin den Schweizer Meister und aktuellen Finalisten ZSC Lions in der Gruppenphase ausgeschaltet. Salzburg blieb gegen schwache Kloten Flyers ebenfalls zweimal siegreich und scheiterte äusserst ärgerlich in den Playoffs am schwedischen Spitzenteam und späteren Cup-Sieger Lulea HF.

Im Zeichen des roten Bullen

Zum Auftakt der Operettenliga-Finals, wie ein Schweizer Chronist die Ösi-Liga jeweils bezeichnet, steht sich die stärkste Mannschaft aus der Qualifikationsphase (Salzburg) und der Tabellenfünfte (Vienna Capitals) im Salzburger Volksgarten, der Spielstätte des Eishockeyteams von Dietrich Mateschitz gegenüber. Hier steht alles im Zeichen des roten Bullen. Selbst die Bandenwerbung lässt neben der Dosen-Werbung nur drei weitere Sponsoren zu, Stiegl, Suzuki und die Erste Bank, der Rest gehört zum Red Bull-Imperium.

In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer verspeist

Michael Krein

Logisch gibt’s auch im «Red Bullschen» Presseraum einen ganzen Kühlschrank des gesamten Salzburger Produktemixes. Selbstverständlich darf sich der Journalist nach belieben der kühlen Dosengetränke und dem Bullen-Wasser LunAqua bedienen. Zum Hauptgang gibt’s Wiener Schnitzel, etwa ein Wink zum Verzehr des heutigen Gegners aus der Hauptstadt? Übrigens, der letzte Wiener-Sieg (4:2) in Salzburg datiert vom 24. März 2013.

Die Vienna Capitals treten mit zehn Legionären an, davon haben acht Spieler Erfahrung in der NHL gesammelt. Der bekannteste unter ihnen ist aber ein Österreicher: Andreas Nödl, in der vergangenen Saison noch bei den Bullen und im Try-Out beim HC Lausanne, bestritt 195 Spiele für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes. Salzburg spielt mit neun Ausländern (mit Ex-Ambrì Verteidiger Zdenek Kutlak) und zahlreichen österreichischen Internationalen, angeführt von Thomas Raffl (Bruder von Philadelphias Michael Raffl). Raffl ist es, welcher in der 20. Minute das Skore der Final-Serie 2015 eröffnet. Trotz des Verzehrs von mehreren Dutzend Wiener Schnitzel in besagtem Presseraum, steht es nach 40 Minuten erst 2:1 für die Bullen.

Hinkender Zuschauerschnitt

In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer vor offiziell 3’200 Zuschauern endgültig mit 6:1 verspeist. Gemäss der Salzburger Nachrichten (SN) sollen aber 3’600 Fans in der Halle gewesen sein. Der offizielle Zuschauerschnitt der Mozartstädter liegt unter 3’000 und damit sind die Bullen nicht einmal unter den Top-100 Europas klassiert. Sogar die Schweizer NLB-Klubs Langnau (5’053) und Olten (3’634) haben den höheren Schnitt. Der Finalgegner aus Wien, die Vienna Capitals liegen mit einem Schnitt von 4’569, knapp hinter dem EHC Biel, immerhin auf Rang 71 des europäischen Klub-Rankings. Die 14’000 Karten für die ersten beiden Playoff-Final-Heimspiele gegen Salzburg waren innert Kürze ausverkauft.

In Sachen Zuschauerzahlen mögen die Österreicher mit den Schweizern derzeit (noch) nicht mitzuhalten, aus sportlicher Sicht hatten die Ösis im letzten Direktvergleich aber die Nase vorn. Vor dem nächsten Direktvergleich stehen in den beiden Nachbarländern aber noch zwei heisse Finalserien an.

Die Lakers haben es endlich geschafft

Vor zwei Jahren noch Weltmeister, jetzt kämpf er mit den Lakers um den Ligaerhalt. (Foto: 20min)

Für Weltmeister Niklas Person gibts bei den Lakers nichts mehr zu gewinnen, nur schlimmeres zu verhindern. (Foto: 20min)

Nur drei aktuelle NLA Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht bis heute als unabsteigbar.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen zumindest in der Ligaqualifikation gegen den Meister der NLB. Nach verlorener Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Ligaquali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen in der Ligaqualifikation

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das 10-jährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Schweizer Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999/00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5 nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «Aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Ligaquali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994/95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4 nP, 5:4 nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Ligaquali), die Reduktion in der Ligaquali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit der Zusammenarbeit mit dem SC Herisau. Zudem gibt’s in der Ligaquali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Ligaqualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für die bevorstehende Ligaqualifikation gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Ligaqualifikation in der Saison 1999/00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen.

Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (2x Lausanne, Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen WM-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Option Erste-Bank-Eishockey-Liga oder KHL

Falls in Rapperswil das «worst case» mit dem Abstieg eintreffen sollte, könnten die Ostschweizer immer noch einen Antrag in Österreichs «Erste-Bank-Eishockey-Liga*»- oder für Rapperswiler-Verhältnisse eher angemessen in der russischen Kontinental-Hockey-League (KHL) stellen. In beiden Fällen könnte dann der Plan mit dem SC Herisau als Farmteam in der NLB trotzdem umgesetzt werden und der Unterhaltungswert würde selbst den Zirkus Knie in seinen besten Zeiten erblassen lassen. *eishockeyblog berichtete schon 2011: https://www.eishockeyblog.ch/2011/01/lakers-ab-nach-sterreich/

Die Liga-Qualifikation im aktuellen Modus

2014 Biel – Visp 4:1
2013 SCL Tigers – Lausanne 2:4
2012 Ambrì-Piotta – Langenthal 4:1
2011 Ambrì-Piotta – Visp 4:1
2010 Biel – Lausanne 4:3
2009 Biel – Lausanne 4:3
2008 Basel – Biel 0:4
2007 SCL Tigers – Biel 4:1
2006 Fribourg-Gottéron – Biel 4:2
2005 Lausanne – Basel 2:3
2004 Lausanne – Biel 4:0
2002 Chur – Genève-Servette 0:4
2001 La Chaux-de-Fonds – Lausanne 2:4
2000 Rapperswil-Jona – Chur 4:1
1999 SCL Tigers – Chur 4:3

 

Auch der Blick wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts wissen.

Auch der Boulevard wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts mehr wissen…

 

2’600 Fans beim 2. Liga-Final

2'614 Zuschauer in der 2. Liga, davon träumen sogar einige NLB-Teams. (Foto: HC Sierre)

2’614 Zuschauer in der 2. Liga, davon träumen sogar einige Teams in der NLB. (Foto: HC Sierre)

Tatort Playoff-Final in der 2. Liga, Gruppe 6, Westschweiz, Spiel 4 zwischen dem HC Sierre und dem Villars HC, 2’614 Zuschauer! Eine 2. Liga-Partie mit mehr als 2’600 Zuschauern? Kaum zu glauben. Mit den beiden Traditionsklubs Villars und Sierre messen sich zwei ehemals Grosse des Schweizer Eishockeys in dieser Finalserie. Immerhin gehörte Villars zu den acht Gründungsmitgliedern der Schweizerischen Eishockeyliga (die anderen sieben waren ebenfalls Romands) und wurde in den 60ern sogar zwei Mal Schweizermeister.

Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Während der Villars HC immer noch in der von Madame Potin gesponserten Halle spielt und eigentlich zum Inventar der 1. Liga Westschweizer Gruppe gehört, hat sich Sierre nach dem Zwangs-Abstieg 2013 (notabene unter Trainer Morgan Samuelsson) aus der NLB direkt in der 3. Liga wiedergefunden.

Die Helden um die Gebrüder Croci-Torti und Boucher

Die Villardous (wie sie daheim genannt werden) hatten in der letzten Saison das Pech, die Playoffs in der 1. Liga um einen einzigen Punkt zu verpassen. Vor der Relegationsrunde wurde der Trainervertrag mit dem langjährigen Villars-Crack Gaëtan Boucher verlängert. Doch es kam anders als geplant. Niederlagen gegen Vallée de Joux (mit Coach Beat Kindler) und Yverdon besiegelten den Abstieg der Renards. Das alles hat Boucher an der Bande gar nicht mehr miterlebt. Zunächst wurde er krank gemeldet, anschliessend entlassen.

Das welsche Eishockey-Märchen von einst, erlebt in der 2. Liga eine Renaissance…

Der Abstieg war in Villars-sur-Ollon, wie die Station in den Waadtländer Alpen korrekt heisst, ein Drama. Trotzdem haben sich einige der routinierten Spieler auch für die 2. Liga zur Verfügung gestellt: Sémir Dufresne (Captain und Topscorer), Thierry Marro (der Patrick Kane des armen Mannes, würde Michael Krein in Anlehnung an einen berühmten Chronisten sagen), Nicolas Bernasconi (Ex-Martigny), Yves Jelovac (Bruder des EHC Biel Verteidigers) oder Vincent Ermacora (Ex-Gottéron). Präsident Philippe Bonzon (einst Teil der Meistermannschaft in den 60ern und nicht zu verwechseln mit dem französischen Nationalspieler und ex-Servettien Philippe Bozon!) holte junge Spieler, die in Villars ausgebildet wurden, zurück ins Team. Unterstützung erhalten die Renards auch von Lausanne-Hexer Cristobal Huet, der mit seiner Familie in Villars wohnhaft ist. Seine beiden Söhne spielen für die Nachwuchsteams des VHC und oft ist der französische Nationalgoalie in den Trainings der Youngsters engagiert.

Einst Aldo Zenhäusern und Didier Massy, heute Jan Zenhäusern und Johan Massy

Die Sierrois (oder Siderser) haben im März 2013 die Bilanz deponiert und mussten in der 3. Liga einen Neustart als HC Sierre wagen. Dort hielten sie sich nicht lange auf und sind direkt in die 2. Liga aufgestiegen (23 Siege in 23 Spielen). Das deponieren der Bilanz war auch für die stolzen Walliser ein Drama. Die altehrwürdige Patinoire-de-Graben ist dem Schreibenden noch bestens aus Duellen mit dem EHC Biel Mitte der 90er Jahre bekannt. Seither hat sich im Graben nicht viel geändert. Die mehrheitlich aus Stehplätzen bestehende Tribüne ist immer noch aus Holz – die Ambiance dafür einmalig. Hier wie dort wurde rund um altgediente Spieler junges Personal eingebaut. Der Erfolg hat sich rasch eingestellt. Und Sierre kämpft bereits wieder um den Aufstieg in die höchste Amateurklasse!

Zwischenstand in der Finalserie: 2:2

Am Sonntag um 20 Uhr wird es in der Patinoire-de-Villars nochmals heiss zu und her gehen. Die beiden Teams treffen sich zum alles entscheidenden fünften Finalspiel. Die Kapazitäten der Halle in Villars liegen zwar deutlich tiefer als in Sierre – aber mehr als 1’000 Zuschauer werden auch am Sonntag wieder ihre Teams anfeuern. Der Sieger wird sich in einer weiteren best-of-five Serie mit dem HC Star La Chaux-de-Fonds um den Romand-Titel in der 2. Liga messen. Eigentlich würde es sich lohnen, dabei zu sein…

Sierres Michaël Pont im Zweikampf mit Villars' xxx. (Foto: HC Sierre).

Am Sonntag kommt’s in Villars zum 2. Liga-Showdown zwischen Michaël Pont (links) und Mathieu Kohli. (Foto: HC Sierre).

Streit und Plüss, die 77er Dauerbrenner

Martin Plüss (links) und Mark Streit spielen wie eine gute Flasche wein, "wie älter desto besser." (Foto: EPA)

Martin Plüss (links) und Mark Streit spielen wie eine gute Flasche Wein, wie älter desto besser. (Foto: EPA)

Um mit den Topnationen mithalten zu können, brauche die Schweiz mehr Spieler vom Format eines Mark Streit oder Martin Plüss. Diese Aussage hat Reijo Ruotsalainen an der Eishockey Weltmeisterschaft 2009 in Bern gemacht. Der Weltklasse-Verteidiger weiss wovon er spricht, der finnische Internationale hat mit dem SC Bern zwischen 1988 und 1992 drei Meistertitel geholt. Nach einer kurzen Rückkehr für 18 Spiele beim damaligen Zürcher SC beendete der hervorragende Schlittschuhläufer 1996 seine Schweizer Karriere. In der National-Hockey-League (NHL) bestritt der in Oulu geborene Finne zwischen 1981 und 1990, 532 Spiele (84 Tore, 75 Assists) für die New York Rangers, Edmonton Oilers und die New Jersey Devils. 1987 und 1990 gewann er mit den Oilers den Stanley-Cup, 1986 spielte er nach Jari Kurri als zweiter Finne an einem NHL All-Star-Game.

Im gleichen Jahr als Ruotsalainen 1977 als 17-Jähriger in der SM-liiga debütierte, erblickten die beiden von Ruotsalainen gelobten Schweizer Martin Plüss (5. April) und Mark Streit (11. Dezember) das Licht der Welt. Plüss und Streit gehören heute zu den weltbesten Spieler ihres Jahrgangs. Doch dies war nicht immer so.

Als Nachwuchsspieler nie erste Wahl

Ab 1995 wurde in der Schweiz ein inoffizielles Ranking mit den besten Nachwuchsspielern des Landes geführt. Plüss wurde damals noch nicht einmal unter den Top 21 Stürmer berücksichtigt. Ein Jahr später lag der Dielsdorfer immerhin auf Rang 14. Mark Streit wurde 1995 als 9. und 1996 als 7. Verteidiger, hinter Spielern wie Jerry Zuurmond oder Daniel Aegerter geführt.

An der U20 Weltmeisterschaft 1996 in Boston gehörten die beiden zwar zum berühmten Juniorenteam welches erstmals mit den ganz grossen (1:2 gegen Kanada) mitspielen konnte, die beiden waren (Jahrgänge 1976 und jünger) aber erst Ergänzungsspieler. Streit schoss in fünf Partien ein Tor, Plüss blieb blieb in sechs Spielen punktelos. Punktbester Schweizer mit Jahrgang 1977 war Grasshoppers-Stürmer André Baumann. Baumann beendete seine Karriere 1999 in der NLB bei Lausanne.

1997 erstmals im Rampenlicht

Ein Jahr später an der Junioren Heim-WM 1997 in Genf und Morges erreichten die beiden mit dem 7. Platz das bis damals beste Ergebnis einer Schweizer U20-Nationalmannschaft. Plüss lag hinter dem um zwei Jahre jüngeren damaligen Supertalent Michel Riesen schon an zweiter Stelle der internen Skorerliste. Streit schoss das erste Tor für die Schweiz beim wichtigen 1:1 gegen Tschechien und spielte sich als erst zweiter Schweizer, nach Pauli Jaks 1991, in ein U20 WM All-Star-Team.

Den Titel holten sich die Kanadier. Unter Headcoach Mike Babcock standen unter anderem Christian Dubé, Daniel Brière und der erst 18-jährige Joe Thornton im Weltmeisterteam von Genf. Im 22-Mann Kader des Weltmeisters standen 17 Spieler mit Jahrgang 1977, davon spielten 14 später in der NHL. Heute noch aktiv in der besten Liga der Welt ist aber nur noch, mehr schlecht als recht, Daniel Brière (Colorado Avalanche). Der zweite heute noch aktive Weltmeister ist Kanadas Junior des Jahres 1996, Christian Dubé (Fribourg-Gottéron). Die beiden Jahrhundert-Talente der 90er Jahre stehen heute in ihren Ligen nur noch im Schatten ihrer Altersgenossen Streit und Plüss.

Nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 spielen in der NHL, in der Schweiz sind es nur noch fünf

In der NHL sind heute (Stand März 2015) nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 unter Vertrag. Die Verteidiger Zdeno Chara (Boston), Willie Mitchell (Florida), Stéphane Robidas (Toronto), Marek Zidlicky (New Jersey) und Mark Streit, sowie die Stürmer Kevyn Adams (Pittsburgh), Daniel Brière, Jarome Iginla (beide Colorado) und Shawn Thornton (Florida). Ausser vielleicht Jarome Iginla und Zdeno Chara hat heute keiner nur annähernd eine so tragende Rolle wie Streit in Philadelphia. Dasselbe gilt für Martin Plüss in der Schweiz. Auch da ist die einzige Ausnahme ZSC-Lions-Captain Mathias Seger. Die weiteren 77er Dubé (wird er Sportchef in Fribourg?), Joël Kwiatkowski und Byron Ritchie haben ihren Zenit längst überschritten.

Dauerbrenner Streit und Plüss

SCB-Captain Plüss spielt mit 37 Jahren vielleicht so gut wie nie zuvor und erreicht seine zweithöchste Punktzahl (45 Punkte) in der Skorerwertung seiner ganzen NLA-Karriere. Nur 2001 war er noch besser (Nicht berücksichtigt sind die 50 Punkte aus der Saison 2006/07 in der schwedischen Elitserien bei Frölunda Göteborg). Der SCB-Teilzeit Captain und Topskorer ist auf und neben dem Eis immer noch der absolute Leader und wurde, nach 2001 und 2013, zum dritten Mal in seiner Karriere zum wertvollsten Spieler (MVP) der NLA gewählt.

Philadelphia-Assistenz-Captain Streit steht mit 37 Jahren unter den Top-12 aller NHL-Verteidigern und liegt aktuell nur drei Zähler hinter seinem Altersgenossen und Mittelstürmer Iginla in der Gesamt-Skorerwertung. Aktuell ist Streit statistisch der weltbeste Verteidiger in seinem Jahrgang und er gehört auf und neben den Eis zu den Führungspersönlichkeiten des Teams von Headcoach Craig Berube. Selbst die NHL-Werte Ruotsalainens hat Streit, mit Ausnahme des Stanley-Cup-Gewinns, längst geknackt – und aktiv ist er mindestens noch bis 2017 und steht dann in seinem 40. Lebensjahr.

Mark Streit schoss schon über 40 Powerplay-Tore in der NHL. (Foto: NZZ)

Mark Streit ist statistisch mit Abstand der weltbeste noch aktive Verteidiger seines Jahrgangs. (Foto: NZZ)

Weitere 77er Jahrgänge in obersten Spielklassen
Jiri Burger (HC Vitkovice)
Ilya Gorokhov (Lokomotiv Yaroslavl)
Jochen Hecht (Adler Mannheim)
David Hruska (HC Karlovy Vary)

Petr Kadlec (HC Plzen)
Tomi Kallio (Växjö Lakers)
Alexei Kalyuzhny (Dinamo Minsk)
Ondrej Kratena (HC Plzen)
Ville Nieminen (Lukko Rauma)
Marcus Nilson (Djurgardens IF Stockholm)
Esa Pirnes (Kärpät Oulu)
Ales Pisa (HC Pardubice)
Jaroslav Roubik (HC Pardubice)
Radovan Somik (HC Pardubice)
Alexei Vasilyev (Lokomotiv Yaroslavl)
Lukas Zib (HC Vitkovice)

 

Šimeks prominenter Passgeber bei Torpremiere

Juraj Simek beim interview nach seinem ersten Treffer für TPS Turku. (Foto: Timo Savela)

Juraj Simek im Interview bei den finnischen TV-Kollegen nach seinem ersten Treffer für TPS Turku. (Foto: Timo Savela)

Im Dezember 2014 wechselte der Genfer Stürmer Juraj Šimek zum elffachen finnischen Meister TPS Turku in die SM-liiga. Schweizer in der SM-liiga? Šimek ist erst der vierte Schweizer in der obersten finnischen Spielklasse. Das erste Spiel für TPS (Turun Palloseura) bestritt Simek am  27. Dezember 2014 bei der 1:4-Heimniederlage gegen Lukko Rauma.

Bereits im zweiten Spiel schoss Šimek in der 35. Minute nach einem Zuspiel von Petteri Nummelin, der am 30. Dezember 2014 im Alter von 42 Jahren sein Comeback gab, das zwischenzeitliche 3:1 für Turku gegen Ilves Tampere. Die Gäste drehten das Spiel aber noch und gewannen mit 6:4. Mit seinem Treffer geht Simek als erst dritter Schweizer SM-liiga-Torschütze in die Geschichte ein.

Šimeks SM-liiga-Vorgänger

SM-liiga-Pionier ist der Worber Laurent Müller, der ehemalige Stürmer gab in der Saison 2005/06 ein kurzes Gastspiel bei JYP Jyväskylä und buchte in 10 Spielen 3 Skorerpunkte (2 Tore). Müller ging am 21. September 2001 als erster Schweizer SM-liiga-Torschütze (ins leere Tor) beim 0:3-Sieg Jyväskyläs bei Jokerit Helsinki in die Geschichte ein. Am 26. September schoss Müller seinen ersten „richtigen“ Treffer im Powerplay gegen SaiPa Lappeenranta.

Nach Müller und Helbling ist Šimek erst der dritte Schweizer SM-liiga-Torschütze

Auf Müller folgte eine Saison später der Verteidiger Philippe Seydoux zum damaligen finnischen Meister HPK Hämeenlinna, Seydoux absolvierte nur 6 Partien und sass dabei zweimal auf der Strafbank. Erst vier Jahre später wechselte mit Timo Helbling der dritte Schweizer nach Finnland zu Kärpät Oulu. Der Verteidiger absolvierte 42 Spiele für den aktuellen finnischen Meister und kam auf 5 Skorerpunkte (2 Tore).

Die Finnland-Pioniere

Der heimliche Finnland Pionier heisst aber Krister Cantoni. Der Tessiner war schon 1989 als Junior für zwei Jahre in Turku bei TPS, im selben Team stand damals ein gewisser Petteri Nummelin. Ambri-Verteidiger Marc Gautschi spielte 2002/03 in der zweiten finnischen Liga (Mestis) bei Hermes Kokkola und kam in 43 Spielen auf 16 Skorerpunkte (3 Tore).

Dauerbrenner Nummelin

Fast schon unheimlich ist Nummelins Comback mit 42 Jahren. Der fünffache WM-All-Star-Team Verteidiger debütierte vor 22 Jahren in der SM-liiga bei TPS, damals war Šimek gerade mal 5-jährig. In der Zwischenzeit sammelte Nummelin in 22 Saisons und 15 Weltmeisterschafts-Turnieren 62 Titel (darunter 4 Meistertitel, 7 WM-Medaillen, 1 Olympia-Medaille) und Auszeichnungen (darunter 9 All-Star-Team Nominationen), ehe er nun nach einem zwischenzeitlichen Rücktritt als Captain wieder zu seinem Stammclub aufs Eis zurückgekehrt ist. Für Turku bestreitet Nummelin aber erst die fünfte Saison.

 

30. Dezember 2014

TPS Turku – Ilves Tampere 4:6 (0:1, 3:1, 1:4)
HK Arena. – 4’907 Zuschauer. – SR Hakkarainen, Metsälä. – Tore: 9. Meskanen (Savilahti, Asplund/PPG) 0:1. 30. Sointu (Lasch, Koskiranta) 1:1. 34. Sointu (Seigo, Lasch/PPG) 2:1. 35. Šimek (Nummelin, Nakladal) 3:1. 40. Meskanen (Savilahti, Kukkonen) 3:2. 43. Zalewski (Tyrväinen, Järventie) 3:3. 45. Lasch (Sointu, Mojzis/PPG) 4:3. 56. Meskanen (Savilahti, Asplund) 4:4. 58. Tyrväinen (Järventie, Rautiainen) 4:5. 60. Sandell (Laakso/ins leere Tor) 4:6.
TPS Turku: Lassila; Eronen, Fryman, Gysbers, Koskiranta, Kulmala, Lasch, Lindsten, Lucenius, Mojzis, Nakladal, Nieminen, Nummelin, Pikkarainen, Seigo, Seikola, Siiki, Šimek, Sointu, Virtala.
Ilves Tampere: Korpisalo; Asplund, Järventie, Kivistö, Kukkonen, Laakso, Levo, Mäkinen, Meskanen, Moiso, Näppilä, Polak, Rautiainen, Riekkinen, Salmela, Sandell, Savilahti, Tyrväinen, Veistola, Zalewski.

Ein dänisches Eishockey-Märchen

Oliver Björkstrand (links) feiert mit Nikolaj Ehlers einen dänischen Treffer gegen Russland. (Foto: Chris Young)

Oliver Björkstrand (links) feiert mit Nikolaj Ehlers einen dänischen Treffer gegen Russland. (Foto: Chris Young)

Würde Dänemarks bekanntester Dichter und Schriftsteller Hans-Christian Andersen ein Eishockeymärchen schreiben, wäre es das Märchen der dänischen U20-Nationalmannschaft. Bis 2002 pendelte das dänische Junioren-Nationalteam zwischen der Weltmeisterschafts- B und C-Klasse hin und her. Dabei waren die Auftritte Dänemarks in der zweiten Klasse noch seltener, zwischen 1986 und 2002 wurde in fünf B-Weltmeisterschaften der Ligaerhalt nur drei Mal geschafft. Vor 14 Jahren verloren die Dänen das Division II-WM-Spiel (die frühere C-Gruppe) um Platz drei gegen Litauen, ehe sie erst ein Jahr später zusammen mit Japan, Lettland und Kroatien den Aufstieg in die Division I (B-Gruppe) realisieren konnten. Schlüsselspieler der letzten «C-Mannschaft» von 2002 war ein gewisser Frans Nielsen, späterer Teamkollege von Mark Streit und Nino Niederreiter bei den New York Islanders, wo er heute zu den wichtigsten Spielern gehört.

Toronto und Montreal

An der U20-Weltmeisterschaft in Toronto in Montreal bestreiten die Dänen, nach 2008 und 2012 erst ihre dritte A-WM. Am 30. Dezember 2014, gelingt den Dänen in ihrem 16. Spiel im Oberhaus der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz. Dänemark holt aber bereits gegen Russland (2:3 nP) und Tschechien (3:4 nV) je einen Punkt und verliert nur gegen WM-Topfavorit Schweden nach 60 Minuten (1:5). Durch den sensationellen Erfolg gegen die Schweiz bestreitet die Mannschaft von Headcoach Olaf Eller, der Vater von Lars (Montreal Canadiens) und Mads Eller (im U20-Team), ihren ersten Viertelfinal der Geschichte gegen den haushohen Favoriten und Gastgeber Kanada.

Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv

Wer sind diese dänischen Helden? Sechs Akteure spielen in den nordamerikanischen Juniorenligen OHL, QMJHL und WHL, einer in der North-American-Hockey-League (NAHL) und vier in Schweden. Die zwei absoluten Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv sind Oliver Björkstrand, Nikolaj Ehlers und Torhüter Georg Sørensen. Björkstrand kommt aus einer amerikanischen Eishockeyfamilie, sein Vater Todd siedelte 1988 von den USA nach Dänemark über und absolvierte 14 Saisons beim dänischen Spitzenclub Herning IK, wo er später auch als Headcoach tätig war. 1989 gewann der Amerikaner mit den US-Selects den Spengler Cup. Ebenfalls beim Spengler Cup spielte Olivers Bruder Patrick, bei Medvescak Zagreb. Oliver spielt seit 2012 bei den Portland Winterhawks, dem ehemaligen Team von Nino Niederreiter und Sven Bärtschi, in der Western-Hockey-League und wurde 2013 als Nr. 89 von den Columbus Blue Jackets gedrafted. An der U20-WM erzielte er in vier Spielen bereits vier Tore und ist in den Top Ten der Skorerliste.

Ehlers, ähnlich wie Björkstrand

Wie Björkstrand stammt auch Nikolaj Ehlers aus einer Hockeyfamilie. Vater Heinz ist Trainer beim HC Lausanne und ist seit einem kurzen Gastspiel 1993/94 als Spieler und seit 2007 als Trainer in der Schweiz (beides beim EHC Biel) bekannt. Durch Vaters Engagement bei Biel durchlief Nikolaj zwischen 2007 und 2013 sämtliche Juniorenstufen beim EHC Biel und debütierte in der Saison 2012/13 als 16-Jähriger in der NLA. Im Sommer 2013 wechselte Ehlers Junior ebenfalls nach Nordamerika zu den Halifax Mooseheads (mit Timo Meier) in die Quebec-Major-Junior-Hockey-League.

Im 16. Spiel gelingt Dänemark der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz.

 

In seiner ersten Saison schlug Ehlers in Halifax ein wie eine Bombe und holte zehn Auszeichnungen, darunter die «Mike-Bossy-Trophy» für den Spieler dem die besten Chancen eingeräumt werden für eine erfolgreiche Karriere in der National-Hockey-League, dazu wurde er «Rookie-of-the-Year» der QMJHL und der gesamten Canadian-Hockey-League (CHL), welche alle drei Ligen OHL, WHL und QMJHL umfasst. Komplettiert wurde Ehlers erfolgreichste Saison der Karriere beim Draft 2014, als Nr. 9 der Winnipeg Jets. Ehlers Cousin Alexander True, dessen Vater Søren True 1993/94 zwei Spiele für Thurgau absolvierte, steht ebenfalls im WM-Kader der U20.

Erfolgreichste Entwicklung der letzten 20 Jahre

Zurück zu Dänemark. Keine andere Eishockey-Nation hat sich in den letzten zwanzig Jahren so gut entwickelt wie die Nordländer. Die A-Nationalmannschaft spielte 1991 ebenfalls noch in der drittklassigen WM C-Gruppe, ist seit 2002 A-klassig und hat sich unter der Weltelite etabliert. Die U20 steht heute erstmals in einem WM-Viertelfinal und die U18 strebt im April 2015 die Rückkehr ins Oberhaus an. Auch wenn das dänische Eishockey-Märchen heute gegen Kanada vorübergehend zu Ende gehen sollte, besser hätte es auch Hans-Christian Andersen nicht schreiben können.

Vom Nirgendwo an die Weltspitze

Evelina Raselli im Zweikampf mit Kanadas Hayley Wickenheiser an den Olympischen Spielen in Sotschi. (Foto: canada.com)

Evelina Raselli (rechts) im Zweikampf mit Kanadas Hayley Wickenheiser an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014. (Foto: canada.com)

Zwischen dem 5. und 7. Dezember treten die Frauen des HC Lugano im Halbfinalturnier des European-Womens-Champions-Cup gegen den Deutschen Meister ESC Planegg, die Herlev Hornets aus Dänemark und dem HC Neuilly-sur-Marne aus Frankreich an. Nach Olympia-Bronze greift Luganos Nationalspielerin Evelina Raselli auch nach europäischem Edelmetall.

Für Lugano ist es bereits die fünfte Teilnahme im Meistercup. Dreimal qualifizierten sich die Tessinerinnen für das Finalturnier. 2011 holten die Luganesi erstmals europäisches Edelmetall. Es war gleichzeitig die erste internationale Medaille für Lugano-Spielerin Evelina Raselli.

Seit 2008 spielt die 22-jährige Bündnerin beim Frauenteam des HC Lugano. Was die damals 16-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass in den nächsten sechs Jahren drei Schweizermeistertitel-, Weltmeisterschaftsbronze- und olympisches Edelmetall folgen würden.

Wo liegt Le Prese?

Raselli ist im kleinen Bündner Dörfchen Le Prese, einem «Kreis» der Gemeinde Poschiavo aufgewachsen. Der südlichste Zipfel des Bündnerlandes liegt als «Halbexklave» in Italien und ist «irgendwo im Nirgendwo». Die sechs Gemeinden von Poschiavo zählen zusammen gerade mal knapp 3’500 Einwohner.

Die Familie Raselli betreibt das Sporthotel Raselli, welches nur 50 Meter von der örtlichen Eisbahn liegt. Das Eisfeld liegt direkt vor der Haustüre und es war naheliegend, dass sich die kleine Schwester dem Hobby ihrer zwei Eishockey spielenden Brüder und ihres Vaters anschliessen würde.

Via Celerina und St. Moritz nach Lugano

Schon früh stand «Eve» mit den Jungs des HC Poschiavo auf dem Eis. Um ihr Talent noch besser zu fördern, spielte Raselli später für die Frauen des SC Celerina und die Junioren des EHC St. Moritz. Der Wechsel zum HC Lugano kam durch die Familie Crameri zustande. Anita Crameri, die Frau vom ehemaligen Lugano-Spieler und aktuellen St. Moritz-Trainer Gian Marco Crameri, fädelte den Kontakt zum Tessiner Tradionsclub ein.

Nach Olympia- und Weltmeisterschafts-Bronze fehlt noch europäisches Edelmetall

Dabei war der damals angehenden Handelsmittelschülerin kein Weg zu weit. Während ihrer dreijährigen Ausbildung in Samedan fuhr Raselli jeweils am Freitagabend für das Wochenende ins 190km entfernte Lugano, wo sie seit Abschluss ihrer Weiterbildung wohnt und mit einer 80-Prozent-Anstellung in einem Treuhandbüro arbeitet. Die restlichen 20-Prozent benötigt sie für Nationalmannschafts-Zusammenzüge, wo die Stürmerin seit 2011 der Stammformation angehört.

Erfolgreiches 2014

In den letzten drei Jahren entwickelte sich die gebürtige «Puschlaverin» in Lugano zu einer Schlüsselspielerin und zählt heute zu den besten Eishockeyspielerinnen des Landes. Die vergangene Saison ist die bisher erfolgreichste ihrer noch jungen Karriere.

An den Olympischen Winterspielen in Sotschi errang Raselli mit den Schweizerinnen sensationell Olympia-Bronze. Danach folgte der dritte Meistertitel mit dem HC Lugano. Durch diese Erfolge wurde die aktuelle Topskorerin (10 Spiele, 32 Punkte) der Liga für die Wahl zur «Bündner Sportlerin des Jahres 2014» nominiert.

Der Champions-Cup fehlt noch

Die Champions-Cup-Gegnerinnen aus Planegg, Herlev und Neuilly-sur-Marne sind gewarnt, denn Raselli und Lugano wollen auch europäisches Edelmetall. Der zusätzliche Heimvorteil stärkt das Team von Trainer Marzio Brambilla in der Rolle des Favoriten – und für den Einzug ins europäische Finalturnier ist für Raselli bekanntlich kein Weg zu weit…

*Das Porträt von Evelina Raselli wurde im Rahmen des Studiums an der Universität Salzburg publiziert.

HC Lugano 2014/15: Evelina Raselli (sitzend, zweite von rechts)

HC Lugano 2014-15: Evelina Raselli, sitzend, zweite von rechts. (Foto: HC Lugano)

«Australier» erobern die National-Hockey-League

Ryan Lowe bei seinem ersten NHL-Einsatz am 26. November 2014. (Foto: Screenshot SNW)

Torhüter Ryan Lowe bei seinem ersten NHL-Einsatz am 26. November 2014 mit den San Jose Sharks. (Foto: Screenshot SNW)

Ex-NHL-Star Rob Zamuner wechselte 2006 im «Herbst» seiner Karriere via EHC Basel zu den Brisbane Blue Tongues in die Australian Ice Hockey League (AIHL). Zamuners Engagement in Queensland sorgte damals für grosses Aufsehen. Steve McKenna und der Ex-Bieler Jesse Belanger sind zwei weitere Beispiele von NHL-Spielern welche in Down Under anheuerten.

Last played pro in Australia with the Sydney Bears

Doch es geht auch in die Gegenrichtung. Bei den San Jose Sharks sind gleich beide Backup-Torhüter Alex Stalock und Troy Grosenick verletzt. So wurde für die Partie gegen die Calgary Flames (0:2) als Backup für Antti Niemi der Amerikaner Ryan Lowe ins Team von Mirco Müller (siehe eishockeyblog.ch) und Joe Thornton berufen. Der 30-jährige Torhüter spielte in der Saison 2013 für die Sydney Bears und vorher zwei Jahre für die Canberra Knights in der AIHL. Nun kam der Torhüter-Trainer der San Jose Junior Sharks, vier Tage vor seinem 31. Geburtstag, in der Nacht vom 26. November gegen die Calgary Flames als Backup zur NHL-Feuertaufe.

Auf Elliots Spuren

Lowe ist nicht der erste Torhüter welcher nach einem Engagement in Australien zu NHL-Einsätzen gekommen ist. Jason Elliot stand in der Saison 1992 als 16-jähriger bei den Canberra Knights zwischen den Pfosten und hütete an der C-Weltmeisterschaft 1993 das Tor des australischen Nationalteams. Zwischen 2000 und 2002 wurde der Australier als Backup ins Kader der Detroit Red Wings berufen.

Walker in Hershey

Der nächste mögliche australische NHL-Kandidat ist der Stürmer Nathan Walker. Der NHL-Draftpick vom letzten Sommer (Nr. 89, Washington Capitals) ist bei den Hershey Bears in der American Hockey League (AHL) mit einem Zweiweg-Vertrag parkiert.

Sydney Bears-Hüter Ryan Lowe pariert einen Penalty gegen Perth Thunder. (Foto: zvg)

Sydney Bears-Hüter Ryan Lowe pariert einen Penalty gegen Perth Thunder. (Foto: zvg)

 Hier gehts zum AIHL ALMANAC 2014: http://www.lulu.com/shop/search.ep?keyWords=AIHL+ALMANAC+2014&type=

 

 

 

 

 

Von Fischers, Anderssons und Kochlöffel

Jaroslav Kochlöfl, Mitglied er «EVZ Wall-of-Fame»

Jaroslav Kochlöfl, Mitglied der «EVZ Wall-of-Fame» (Foto: eishockeyblog.ch)

 

Kennen Sie den Kochlöffel? Vielleicht den aus der Küche, nicht aber Jaroslav Kochlöfl, es sei denn Sie sind ein Anhänger des EV Zug oder ein Tschechoslowaken Insider. Jaroslav Kochlöfl immigrierte 1971 als tschechoslowakischer Flüchtling in die Innerschweiz. Kochlöfl spielte in der Saison 1971/72 beim Erstligisten EV Zug und wurde in seiner einzigen Zuger Saison mit 21 Toren und 4 Assists in 17 Spielen Topskorer. Dieser Status befördert den Exil-Tschechoslowaken in die Kategorie 3 der «EVZ Wall-of-Fame». Kategorie 3 bedeutet «mindestens fünf Saisons beim EVZ oder mindestens eine Saison EVZ-Topskorer».

3. Kategorie (klein): Mindestens 5 Saisons beim EVZ oder mindestens eine Saison EVZ-Topscorer

 

Patrick Fischer und Patrick Fischer 

Zwei Kategorien höher und zwei Schriftklassen grösser ist der Status von Patrick Fischer (II). Der Verteidiger bestritt zehn Saisons für den EV Zug und trat im vergangenen Sommer zurück. Fischer wird vor dem Spiel gegen den HC Lugano (1:7) offiziell in der Kategorie 1 der EVZ Wall-of-Fame aufgenommen. Ebenfalls auf der EVZ Wall-of-Fame steht Lugano-Trainer Patrick Fischer. Zusätzlich hängt Fischers Rückennummer 21 unter der Hallendecke der Bossard-Arena. Damit erfüllt der ehemalige Zug-Junior mindestens vier von fünf Kriterien, Fischer erfüllt sogar alle fünf, für eine «Retired Number» in Zug.

2. Kategorie (mittel): Mindestens 8 Saisons beim EVZ oder Schweizermeister mit dem EVZ

 

Peter und Peter Andersson

Übrigens Peter Andersson spielte ebenfalls in Zug. Gemeint ist aber nicht Luganos Assistenzcoach und Vater von Ex-Zug-Spieler Calle Andersson, sondern Peter Andersson aus Timra. Zugs Peter Andersson spielte in der Saison 1989/90 beim EVZ und ist aktuell Assistenzcoach bei den SCL Tigers. Peter Andersson (II) aus Karlstad steht seit 2013 als Assistent von Patrick Fischer an der Bande der Bianconeri. Und was macht der andere Patrick Fischer? Sein Name steht auf der EVZ Wall-of-Fame, ganz in der Nähe von Jaroslav Kochlöfl – oder ist es der andere Patrick Fischer?

1. Kategorie (gross): Mindestens 10 Saisons beim EVZ oder drei oder mehr Saisons EVZ-Topscorer

Bei Nacht und Nebel in den Westen

Ein berühmter «Eishockey-Chronist» sagte einmal «im Bäre z Madiswil sisi abghoue», gemeint sind die ehemaligen DDR-Nationalspieler Guido Hiller und Stefan Steinbock. Die Geschichte war mir nur schleierhaft bekannt, aus dem deutschen Eishockey Jahrbuch 90 wusste ich, dass die beiden Spitzensportler in den Westen geflüchtet waren, wenige Wochen später aber wieder in die DDR zurück gekehrt sind. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls eine perfekte Story mit Schweizerbezug.

Im September 1970 beschloss der DDR-Sportverband DTSB, nur noch die Medaillen-intensiven Sportarten zu fördern. «Wir brauchen zum Aufbau der sozialistischen Wirtschaft jede Mark. Um Eishockey zu betreiben, benötigt man jährlich die Finanzen von circa zwei hochseefisch-verarbeitenden Kühlschiffen. Also, liebe Sportler, was brauchen wir dringender Eishockey oder Kühlschiffe?» lautete die damalige Begründung von Staatssekretär Rudi Hellmann.

20 Jahre Dynamo gegen Dynamo

Ab diesem Zeitpunkt spielten nur noch zwei Mannschaften in der Oberliga der DDR: Der SC Dynamo Berlin und die SG Dynamo Weisswasser. 20 Jahre duellierten sich die beiden «Polizeiclubs» in best-of-six, best-of-eight, best-of-ten, best-of-twelve und zuletzt in best-of-five-in-five Serien. In 20 Jahren teilten die «Dynamos» in 178 Spielen alle Ostdeutschen Meistertitel, davon gingen 12 an die Berliner und acht an die Lausitzer aus Weisswasser.

Zurück zur Geschichte, wir schreiben das Jahr 1984, es würde noch sechs Jahre dauern bis zum Fall der Mauer, was aber damals noch keiner für möglich gehalten hätte. Auch Guido Hiller und Stefan Steinbock nicht, die beiden teilen sich bei ihren Auslandreisen (Weltmeisterschaften, Europacup-Spiele, Freundschaftsturniere und Trainingslager) über Jahre ein Zweierzimmer. «Das schweisst zusammen, da weisst du alles von deinem Partner» sagt Steinbock. Die Idee einer Flucht nach Westen ergab sich im Laufe der Zeit.

Hiller setzt sich in der Schweiz ab

Im September 1984 ist es soweit, Hiller fasst den Entschluss abzuhauen. Der SC Dynamo Berlin, vom Oberaargauer-Cup in Langenthal kommend, übernachtet am Ende der jährlichen Schweizer-Tournee im Hotel Mövenpick in Kloten. Hiller informiert seinen Zimmergenossen Steinbock über seinen Entschluss, doch Steinbock ist noch nicht soweit. So desertiert Hiller im Alleingang und lässt seinen Kumpel zurück.

«Ach du Scheisse, jetzt müssen wir in Zinnwald die Bobbahn putzen»

Hartmut Nickel

Steinbock wird die schwere Aufgabe haben, am nächsten Morgen die beiden Coaches Joachim Ziesche (1999 Aufnahme in die IIHF Hall-of-Fame) und Hartmut Nickel über Hillers Abgang zu informieren. Nickels Worte wird Steinbock nie vergessen: «Ach du Scheisse, jetzt müssen wir in Zinnwald die Bobbahn putzen».

Steinbock folgt drei Monate später

Nach Hillers Abgang bleibt Steinbock der Kontakt zu seinem Kumpel verwehrt. Ein Teamkollege kauft bei einem Zwischenhalt in Kopenhagen die Bild-Zeitung und da ist ein Artikel über Hillers Engagement beim Bundesligisten Mannheimer ERC publiziert. Bis Weihnachten 1984 fasst auch Steinbock den Entschluss die Flucht nach Westen anzutreten. Steinbock gastiert vom 19. bis 22. Dezember mit der Nationalmannschaft an einem Vierländerturnier in Feldkirch. Die DDR spielt gegen die Schweiz, Holland und Österreich. Nach dem zweiten Spiel, macht sich Steinbock bei Nacht und Nebel auf und davon, ein Taxifahrer fährt den Stürmer kostenlos bis ins deutsche Lindau am Bodensee.

Doch die Freude über die Freiheit ist nur von kurzer Dauer, denn die Ostdeutschen sind ausserhalb der DDR 18 Monate nicht spielberechtigt und erhalten keinen Flüchtlingsausweis. Wer verpflichtet einen Spieler, der erstens nicht spielberechtigt ist und zweitens unter das Ausländerkontingent fällt? Nach einer Probezeit in Mannheim kehrt zunächst Steinbock, später Hiller in einer streng geheim gehaltenen Aktion der Stasi in die DDR zurück. Nach kurzer Sperre dürfen beide wieder spielen. Auch die übliche Strafverfolgung bleibt kurioserweise aus.

Zwischen Mauerfall und Aufnahme in die Bundesliga

Nach dem Mauerfall vom 7. Oktober 1989 wurde die letzte DDR-Meisterschaft noch zu Ende gespielt. Noch niemand dachte an eine Bundesliga-Integration der Ost-Teams. So unterschrieb Steinbock auf eine Anfrage von EVL-Manager Fax Fedra seinen ersten Profivertrag in Landshut. Hiller vorerst noch nicht.

Auf Betreiben des DEB-Präsidenten Otto Wanner dürfen noch vor der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 die beiden Ost-Teams SG Dynamo Weisswasser und SC Dynamo Berlin als Neulinge in der Bundesliga ihr Debüt geben. In Kürze versuchen Rüdiger Noack in Weisswasser und Dieter Waschitzowitz in Berlin, die finanziellen Grundlagen für die neue Zukunft zu schaffen. Aus Marketing-technischen-Gründen wird der SG Dynamo Weisswasser in «Polizei-Eislauf-Verein» (PEV) umbenannt. Der SC Dynamo Berlin nennt sich «EHC Dynamo» und das «D» wird durch den bis heute bekannten «Berliner Eisbär» ersetzt.

Und was ist eigentlich mit dem Landgasthof Bären in Madiswil? Dynamo logierte im Rahmen des Oberaargauer Cups zwar im besagten Landgasthof, jedoch trat an diesem Ort keiner die Flucht an. Guido Hiller und Stefan Steinbock spielten später zwischen 1996 und 1998 nochmals zwei Saisons zusammen für den ETC Crimmitschau, wo Steinbock heute fürs Marketing der «Eispiraten» zuständig ist, in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Apropos Hiller und Steinbock, auf meiner Recherche durchs world-wide-web stiess ich irrtümlicherweise auf einen Torhüter Namens Hiller und eine Torhütermaske mit einem Steinbock. Der Torhüter der Calgary Flames hat so wenig mit den ehemaligen Ostdeutschen zu tun wie Madiswil mit der Flucht in den Westen.

Müller und Andrighetto, die aktuellsten Schweizer NHL-Torschützen

Mirco Müller feiert seinen ersten NHL-Treffer, gefolgt von Passagier Matt Nieto. (Foto: sharks.nhl.com)

Mirco Müller feiert seinen ersten NHL-Treffer, gefolgt von Passgeber Matt Nieto (Nr. 83). (sharks.nhl.com)

Mirco Müller gelingt am 30. Oktober 2014 sein erstes Tor in der National-Hockey-League. Nach 16 Minuten und 6 Sekunden trifft der Verteidiger bei der 3:4-Niederlage gegen Minnesota Wild (mit Nino Niederreiter) zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung der Sharks.

Der erst 19-jährige Winterthurer bringt den Puck nach der Vorarbeit von Matt Nieto und James Sheppard seitlich vors Tor, wo ihn Minnesotas Stürmer Zach Parise unhaltbar für seinen eigenen Torhüter Darcy Kuemper ablenkt. Für Müller ist es der dritte Skorerpunkt im neunten NHL-Spiel.

Mit diesem Treffer ist Mirco Müller erst der zwölfte NHL-Torschütze der Schweiz. Unter den Schweizer Verteidigern ist er nach Mark Streit, Yannick Weber, Luca Sbisa, Raphael Diaz und Roman Josi der sechste Torschütze.

14 Jahre nach Reto von Arx‘ Meilenstein in Columbus, ist Verteidiger Mirco Müller der zwölfte- und Stürmer Sven Andrighetto der dreizehnte NHL-Torschütze der Schweiz.

Rund einen Monat nach Müller reiht sich der nächste Schweizer in die NHL-Torschützenliste ein. Sven Andrighetto erzielt bei seinem Debüt am 6. Dezember 2014 bereits sein erstes NHL-Tor. Dabei bezwingt der NHL-Draft von 2013 Dallas-Hüter Kari Lehtonen.

Sechs Tage- und zwei Spiele später trifft der Zürcher erneut, beim 6:2-Sieg gegen den aktuellen Stanley-Cup-Sieger Los Angeles Kings erzielt der 21-jährige Dübendorfer den Treffer zum 5:2 gegen Kings-Goalie Martin Jones.

Alle 13 Schweizer Torschützen

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Reto von Arx (Chicago Blackhawks), trifft in seinem zweiten NHL-Spiel gleich zwei Mal. Beim Eröffnungsspiel der Columbus Blue Jackets am 7. Oktober 2000 geht der Langnauer als erster Schweizer NHL-Torschütze (gegen Ron Tugnutt)  in die Geschichte ein. Total 19 Spiele, 3 Tore

Mark Streit (Montreal Canadiens, New York Islanders, Philadelphia Flyers), erst sechs Jahre nach Reto von Arx geht der Verteidiger als zweiter Torschütze in die Geschichte ein. Beim 4:1-Sieg gegen die San Jose Sharks am 14. Januar 2006, bezwingt er Evgeny Nabokov im Powerplay auf Zuspiel von Andrei Markov und Alexei Kovalev (ex-Visp). Total 627 Spiele, 83 Tore.

Patrick Fischer (Phoenix Coyotes), trifft als zweiter Stürmer am 28. Oktober 2006 in Phoenix gegen die New York Rangers zum 2:6 Zwischenstand. Im Tor steht kein geringerer als «King» Henrik Lundqvist. Total 27 Spiele, 4 Tore.

Yannick Weber (Montreal Canadiens, Vancouver Canucks), erzielt – auf Zuspiel von Glen Metropolit – am 20. April 2009 gegen Tim Thomas das Tor zum 2:2-Zwischenstand gegen die Boston Bruins. Total 195 Spiele, 15 Tore.

Nino Niederreiter (New York Islanders, Minnesota Wild), geht am 13. Oktober 2010 als jüngster Islanders-Torschütze aller Zeiten in die Geschichte ein. Auf Zuspiel von Doug Weight und Michael Grabner bezwingt der Churer Michal Neuvirth im Tor der Capitals. Total 186 Spiele, 32 Tore.

Luca Sbisa (Philadelphia Flyers, Anaheim Ducks, Vancouver Canucks), bezwingt am 28. Dezember 2010 Phoenix-Hüter Ilya Bryzgalov zum 1:0. Beim 3:1 von Anaheim ist auch Jonas Hiller mit dabei. Total 305 Spiele, 11 Tore.

Raphael Diaz (Montreal Canadiens, Vancouver Canucks, New York Rangers, Calgary Flames), schiesst am 18. Oktober 2011 die Montreal Canadiens gegen Buffalo mit 1:0 in Front. Nach dem Spiel wird der Zuger zum «Third-Star» des Spiels ausgezeichnet. Total 166 Spiele, 6 Tore.

Roman Josi (Nashville Predators), trifft am 10. Dezember 2011 gegen Anaheim (mit Luca Sbisa) im Powerplay zum 2:1. Shea Weber und Martin Erat geben die Assists beim 3:2-Sieg gegen die Ducks. Total 211 Spiele, 26 Tore.

Sven Bärtschi (Calgary Flames), erzielt gleich drei Tore in den ersten vier Spielen. Das erste am 12. März 2012 in St. Paul gegen die Minnesota Wild auf Zuspiel von Derek Smith (heute ZSC Lions) und Tom Kostopoulos. Total 65 Spiele, 8 Tore.

Damien Brunner (Detroit Red Wings, New Jersey Devils), ist am 22. Januar 2013 der zehnte Schweizer NHL-Torschütze. Auf Zuspiel von Pavel Datsyuk und Henrik Zetterberg (mit Brunner in Zug) erzielt er den Ehrentreffer Detroits bei der 1:2-Niederlage gegen Dallas. Total 135 Spiele, 30 Tore.

Simon Moser (Nashville Predators), trifft am 1. März 2014 gegen Winnipegs Ondrej Pavelec zum 1:3 gegen die Jets. Moser wird als „third Star“ ausgezeichnet. Total 6 Spiele, 1 Tor.

Mirco Müller (San Jose Sharks), 30. Oktober 2014. Total 24 Spiele, 1 Tor.

Sven Andrighetto (Montreal Canadiens), 6. Dezember 2014, Total 3 Spiele, 2 Tore.

Stand: 14. Dezember 2014

Svenska stjärner i NLA: Poängmaskinen

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Biels Schweden-Trio: Pär Arlbrandt, Dragan Umicevic und Niklas Olausson (Foto: Hervé Chavaillaz)

Sie haben den Titel nicht verstanden? Schade. Ein Schwedisch-Kurs könnte sich in dieser Eishockey-Saison lohnen. Die neuen «stjärner» oder Stars in der NLA entpuppen sich nämlich als wahre Punktemaschinen. Sie wurden bereits vor der Saison als Top-Transfers angekündigt. Linus Klasen in Lugano, Daniel Sondell in Zug und natürlich auch Pär Arlbrandt und Niklas Olausson in Biel. Und sie halten, was man sich von ihnen versprochen hat. Mitte Oktober besetzen die Importspieler aus dem Norden nicht weniger als sieben Plätze in den Top-10 der NLA-Skorerliste.
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Mit Fredda Pettersson, Marcus Paulsson und Nicklas Danielsson beanspruchen Tre-Kronor-Spieler gleich die ersten drei Plätze der Goalgetter. Pierre-Marc Bouchard, der Zuger NHL-Filigrantechniker, verteidigt als Viertplatzierter die Ehre der Kanadier. Sprunger und Wick vervollständigen das Bild der Top-10, beides langjährige Skorer ihrer Teams.

«Die Schweden-Importe sind effiziente Skorermaschinen».

Natürlich ist die Saison noch jung. Natürlich kann sich noch viel ändern. Und natürlich pflegt ein bekannter Eishockey-Chronist jeweils zu sagen: «Die Stars des Herbsts waren noch nie die Stars des Frühlings.» Mag alles sein. Der massive Import aus dem Land der Elche hat sich aber für die meisten Teams gelohnt.

Effizienz, Taktik und Teamspirit

Die Schweden versprechen nicht nur Spektakel. Sie sind taktisch (nichts Neues unter der Sonne) hervorragend geschult und die meisten von ihnen gewöhnen sich sehr rasch an die Lebensumstände in der Schweiz. Die Mannschaftsdienlichkeit gehört dabei zum Gesamtpaket. Ein Blick auf die +/- Bilanzen der jeweiligen Spieler unterstreicht dies. In der Strafenstatistik tauchen sie – anders als die Nordamerikaner – kaum in Erscheinung.

Es ist bereits nach einem Fünftel der Qualifikation augenfällig: Teams, die sich mit Nordeuropäern verstärkt haben, gehören zu den Tabellengewinnern. Ausnahme bilden hierbei die Lakers, welche ohne ihre Schweden wohl noch heftiger unter die Räder kämen. Und natürlich die ZSC Lions mit ihrem breiten Kader. Die Ausländer spielen dort eine untergeordnete Rolle. Kloten (ohne Berücksichtigung des Mueller-Transfers) und Gottéron (Ausnahme: Mauldin) gehören bisher mit ihren schwachen Nordamerika-Söldnern zu den deutlichsten Verlierern. Vielleicht sollten Housi und Fige mal einen Blick ‚gen Norden richten?