Eishockey im Jahr 2025

Spätestens seit der Filmtrilogie «Back-to-the-Future» ist die Menschheit von Zeitreisen fasziniert. Durch die «Sport Almanach-Szene» im zweiten Teil der Trilogie mag man sich 1985 gefragt haben, wie dies bis ins Jahr 2000 im Eishockey aussehen würde? Nicht der Science-Fiction Schriftsteller Jules Verne, sondern der Weltklasse-Trainer Karel Gut wagte sich 1984 im Buch «Eishockey Weltgeschichte» über «Eishockey im Jahr 2000» zu schreiben. Seine Aussage, «Der Eishockeyspieler der Zukunft wird noch besser und gezielter trainiert sein und damit widerstandsfähiger und weniger verletzungsanfällig», verblüfft aus heutiger Sicht, mit Ausnahme der Verletzungsanfälligkeit, stimmen Gut’s Visionen. Gut, noch weiter: «Die Trainer werden mehr die Gebiete Physiologie und Psychologie usw. in den Trainingsplan einbeziehen» und weiter, «es kommt zu noch engerer Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten», als wären wir im Jahr 2025. Karel Gut, 1927 in Prag geboren, zwischen 1945 und 1991 als Spieler und Trainer tätig, nahm an elf Weltmeisterschaften und fünfmal an Olympischen Spielen teil. Weiter beschrieb er: «Auch in Europa wird es über den Eisflächen grosse Monitore geben wo z. B. zwischen den Spieldritteln die wichtigsten Momente aus dem Spiel nochmals gezeigt werden.» Karel Gut futuriert die Hockey-Zukunft 1984 wie ein Jules Verne-Roman und seine Aussagen sind rückblickend verblüffend. Nur fünf Jahre später gabs in Europa den ersten «Würfel» mit vier Monitoren im brandneuen «Globen», heute Avicii-Arena, in Stockholm.

Wie stehts um Ausrüstungen und Material der Eishockeyspieler der Zukunft? Diese Frage beantwortete ein anderer Visionär dieser Zeit, der Kanadier Gilles Daignault, Inhaber in dritter Generation, von Daignault-Rolland oder besser bekannt als «DR». Der Ausrüster aus Montreal expandierte vor allem in den 90er Jahren nach Europa und in die Schweiz, deren Vertretung sich im «Sporthaus», bei Wüthrich + Co. in Langnau im Emmental befand. DR blickte 1995, wie in «Back-to-the-Future II», 30 Jahre in die Zukunft. In Nordamerika wird der «Back-to-the-Future-Day», seit Marty McFlys fiktiver Ankunft, am 21. Oktober 2015 gar jährlich gefeiert. «Back-to-the-Future-Year» des kanadischen Ausrüsters ist das Jahr 2025. DR stellte 1995 eine Ausrüstung der Zukunft, anhand eines DR-Torhütermodells vor, welches den Spielern der Zukunft von Karel Gut bestmöglichen Schutz geben soll. Durch diesen Werbegag mag man sich gefragt haben, wie dies bis ins Jahr 2025 aussehen würde. Um den Werbegag zusätzlich anzukurbeln, wurde der «Goalie der Zukunft» als Poster verkauft und eines sollte die lange Wartezeit bis ins Jahr 2025 behutsam überstehen, nämlich das Poster des Kolumnenschreibers. Damals, so dachte ich mir, würde ich dieses Poster im Jahr 2025 wieder aus der «Archiv-Schublade» nehmen oder wie sagte der Postbote in der Schlussszene zu Marty McFly, als der DeLorean vom Blitz getroffen worden ist? «Wir haben diesen Umschlag jetzt schon 70 Jahre in unserem Besitz.»

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Der Staub der Stahlträger

Les Vernets 1958 (Bibliothèque de Genève)

Genf-Servette liegt im vierten Heimspiel, im zweiten Drittel, gegen Ambri-Piotta mit 2:4 zurück, eine Mannschaft, welche auf dem Papier den Titel holen kann, sich bisher aber mehr schlecht als recht präsentiert denn die 0:11-Schlappe in Lausanne warf Fragen auf. Doch genau diese zwei Gesichter machen Genf in seiner 120-jährigen Geschichte aus. «Wenn ein Ort keine Geschichte hat, interessiert er mich nicht», sagt ein kultiger Berner Mundartsänger. Und Genf, ist «die Mutter» dieser Aussage. Kein anderer Club hat so vieles durchgemacht wie der HC Genf-Servette und kein anderes Eisstadion ist so lange mit dabei wie die Patinoire-les-Vernets.

Ein Ort der interessanter nicht sein könnte. Auf dem ehemaligen Areal der schweizerischen Landesausstellung von 1896 wird die Patinoire, am 28. November 1958 eröffnet und ist zu diesem Zeitpunkt, nach dem Zürcher Hallenstadion, erst die zweite Eishalle der Schweiz. Heute ist sie als älteste Halle immer noch in Betrieb und wirkt, weitaus jünger als es der Bau des Architekturtrios Albert Cingria, François Maurice und Jean Duret erahnen lässt. Der Bereich der Presseplätze, direkt unter den massiven Stahlträgern, wurde im Lauf der Jahrzehnte verbreitert und es scheint, als ob man hier die Geschichte förmlich riechen kann.

Das Gefühl auf den Presseplätzen gleicht einem alten Theaterbalkon, ein Granatroter Teppich ebnet den Weg zum Kommentatoren Platz, welcher die alten Reporterkabinen während der Ära-Chris McSorley, die längste eines Genfer-Trainers, ersetzt hat. Unverändert sind die imposanten Stahlträger, an denen noch der Staub der vergangenen 67 Jahre zu haften scheint. Etwa von 1959, als hier erstmals zwei Profiteams, die Boston Bruins und die New York Rangers, aus der NHL in der Schweiz gastierten. Oder von 1961, von den Weltmeisterschaften, wo für Frankreich ein gewisser Alain Bozon, der Grossvater von Servettes Tim und Vater von Philippe, dessen Nummer 12 heute unter der Hallendecke hängt, auflief.

Oder von 1963, als sich die beiden Clubs, Urania-Sports und Servette zum Genève-Servette HC formierten und zwischen 1966 und 1971 fünf Vizemeister-Titel und zwei Cupsiege feiern konnten. Selbst der 27-jährige Tiefschlaf, welcher bis in die Niederungen der drittklassigen 1. Liga und fast zum finanziellen Kollaps führte, scheint in den verstaubten Stellen der Stahlträger zu hängen. Während dieser Epoche trat das Schweizer Nationalteam im Dezember 1987 gegen den «Superblock» der Sowjetunion, welche drei Monate zuvor den hochkarätigsten Final in der Geschichte des Canada-Cups bestritten hat, an.

Sogar die Rue-Hans-Wilsdorf 4, die offizielle Adresse der Patinoire, ernannt nach dem Rolex-Gründer schreibt seine eigene Geschichte. Die Geschichte des sechsten Spieltages 2025, zwischen Genf-Servette und Ambri-Piotta, wird von einem 2:4-Rückstand in einen 5:4-Sieg umgewandelt und ein Teil davon bleibt irgendwo an den Stahlträgern hängen.

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Die einzig wahre Trophäe

Stéphane Charlin wurde an den Swiss-Ice-Hockey-Awards, als Torhüter der Saison, mit der Jacques-Plante-Trophy ausgezeichnet. Der Genfer verdiente sich die Auszeichnung mit einer überragenden Saison bei den SCL Tigers. Damit ist Charlin, der zu seinem Stammclub HC Genf-Servette zurückgekehrt, der erste Langnauer welcher die «Trophée-Jacques-Plante», die seit 1987 vergeben wird, gewinnen konnte. Die Auszeichnung für den besten Torhüter, welche zum 38. Mal vergeben wurde, ist die traditionsreichste Auszeichnung des Schweizer Eishockeys, denn keine andere Spieler-Auszeichnung wird in der Schweiz länger vergeben.

Die «Trophée-Jacques-Plante» wurde von Raymonde Plante, der im Wallis lebenden Witwe des legendären NHL-Torhüters Jacques Plante, gestiftet und im August 1986 erstmals in Sierre präsentiert. In Anlehnung an die Georges-Vezina-Trophy (dem Vorbild aus der NHL), wurde die als «Replika» durch die «Silberschmiede» Argeta in Saxon hergestellt und war zu diesem Zeitpunkt eine absolute Neuheit im Schweizer Eishockey. Slapshot berichtete in der Januar Ausgabe von 1987 über die NHL-würdige Trophäe (Foto) mit folgenden Kriterien: Die Torhüter müssen mindestens 29 Spiele absolviert oder 1740 Minuten gespielt haben. Die Trophäe ging damals an den statistisch besten Torhüter der Qualifikation. Der Davoser Richard Bucher wurde als erster Akteur ausgezeichnet. Heute wird die Trophäe jeweils durch Caroline Plante, der Tochter der NHL-Legende, an den besten Torhüter der Liga, nach einer Jury-Wahl, überreicht.

Ihr Vater Jacques Plante wurde 1978 in die Hockey-Hall-of-Fame in Toronto aufgenommen. In 19 NHL-Spielzeiten, zwischen 1953 und 1975, gewann der Torhüter sechsmal den Stanley-Cup mit den Montreal Canadiens, dazu kommen sieben Georges-Vezina-Trophys (Auszeichnung für den besten Goalie der Liga), die Hart-Trophy (wertvollster Spieler der Regular-Season) plus sieben Nominierungen ins All-Star-Team. Seine Rückennummer 1 wird in Montreal nie mehr vergeben. Nach seiner NHL-Karriere liess sich die Torhüterlegende 1984 mit seiner Familie in der Schweiz nieder, wo er auch eine Saison beim HC Sierre als Assistenzcoach von Normand Dubé (Christians Vater) an der Bande stand. 1986, im Alter von 57 Jahren, verstarb die NHL-Legende in Genf an Magenkrebs. Noch im gleichen Jahr hat seine Frau Raymonde die Fondation-Jacques-Plante zur Förderung von Torhütern in der Schweiz gegründet und stiftete den Wanderpokal für den besten Goalie der Nationalliga-A.

Zu Plantes Ehren wird auch in seiner Heimat, in der Liga seines Geburtsortes, der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL), seit 1970 die «Trophée Jacques Plante» an den Torhüter mit dem geringsten Gegentorschnitt vergeben, zwei der Gewinner spielten später gar in der Schweiz. Im Gegenzug spielten sieben Jacques-Plante-Trophy-Gewinner aus der Schweiz später in der NHL.

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Ein Giant wie die Titanic

Wenn die Belfast Giants in der Schweiz gastieren, dann strömen in Lausanne 5’678 Fans in die Vaudoise-Aréna. Die Stimmung ist bombastisch und der Auftakt mit fünf Toren innert knapp acht Minuten ist so spektakulär wie der nordirische „Riese“ aus Belfast. Der nordirische Klub wurde zu Ehren Finn McCools, einem Riesen der irischen Mythologie, benannt, der Anführer des Kriegerclans Fianna ziert auch das Logo der Briten.

Spektakulär ist auch die Menükarte von Loge Nummer acht, neben Apéro-Häppchen, werden Sandwiches, Pizzen, Hamburger, Hot-Dogs und Crevetten-Cocktails serviert, dazu ein Glas Chasselas. Die Loge bietet beste Kulinarität und Sicht auf das Spielgeschehen. Das Heimteam geht zweimal in Führung, die Gäste gleichen zweimal innert einer halben Minute wieder aus und gehen in der achten Minute gar in Führung. Lausanne-Keeper Connor Hughes wird dabei dreimal mit dem „falschen Stock“ erwischt. Kurz vor Spielbeginn musste Lausannes Schlussmann sein Stockende, so sagt es die IIHF-Regel, weiss isolieren. Innert acht Minuten wurde er dreimal auf Höhe seines Stockenden erwischt.

Belfast und die Titanic

Doch das wars mit der nordirischen Herrlichkeit, die Kampfkraft der grünen Riesen schwand wie die Leckereinen innerhalb der Loge acht. Der Wein, welcher zu Beginn noch freudig offeriert worden ist, soll plötzlich nicht mehr inklusive sein, doch dies tat dem Champions-League-Dinner keinen Abbruch. In der gleichen Loge war auch eine Frau der zuständigen Sportagentur des Wettbewerbs und der rhetorische Austausch über CHL & Co. sprudelte wie der Chasselas.

Sprudelnd war in Laufe der Partie auch die Angriffsmaschinerie der Waadtländer, vier weitere Tore liessen die Nordiren, welche einst noch 3:2 in Führung lagen, gegen den Lausanner Eisberg sinken wie die Titanic. Tatsächlich steht Belfasts SSE-Arena im Titanic-Viertel (Titanic-Quartier), wo der „unsinkbare“ Riese zwischen 1909 und 1912 in der Werft von Harland & Wolff erbaut worden ist. Heute steht das Titanic-Belfast-Museum, welches 100 Jahre nach der Tragödie eröffnet worden ist, neben der Heimspielstätte der Giants.

Katholiken und Protestanten

Erst zur Jahrtausendwende, durch die kanadischen Geschäftsherren Bob Zeller und Albert Maasland gegründet, sind die Giants nicht nur eine Bereicherung für die britische Elite-Ice-Hockey-League, sondern leisten auch einen wichtigen Teil in der durch die Glaubensrichtung (Katholiken und Protestanten) gespaltenen Gesellschaft. Bei den Giants sind die beiden Glaubensrichtungen bunt durchmischt.

Bunt durchmischt sind Lausenner und Nordiren auch nach dem Spiel im Spot-Café der Vaudoise-Aréna, Bier, Wein und Käsefondue laufen über die Bar-Theke wie die zehn Tore der Champions-League-Partie. Feuchtfröhlich und friedlich, in der zuletzt durch hässliche Szenen im Brennpunkt stehenden Olympiastadt. Der Eishockey-Sport verbündet in dieser Nacht nicht nur zwei Glaubensrichtungen, sondern auch zwei Eishockey-Metropolen.

Die Helme der Belfast Giants sind bereit, die Spieler auch? (Krein)
5. September 2025, dritter europäischer Spieltag und erstes Heimspiel der Lausanner. (Krein)
Privat-Loge 8, im letzten Drittel während Belfasts Gastauftritt. (Krein)

Die Gallier des Seelandes

Wir befinden uns im Jahre 2025 n.Chr. Das ganze Seeland hat kein Amateur-Klub mehr. Das Ganze Seeland? Nein!
Ein von unbeugsamen Eishockeybegeisterten bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Niedergang des Lokal-Eishockeys Widerstand zu leisten. Die Einleitung aus den Asterix-Bänden trifft auf die Seeländer Gemeinde Meinisberg (gallisch Meinisberx) zu. Neben dem EHC Biel und dem SC Lyss ist der EHC Meinisberg der letzte verbliebene Aktivverein des einstigen Hockeybooms in dieser Region. Der EHC Nidau (die DNA lebt in Zuchwil weiter), EHC Mett, SC Scheuren, EHC Bellmund, EHC Lengnau, HC Weiss-Blau Lyss (ehem. Yschchrauer), HC Seedorf-Pinguins, HC Rüti-Rangers, EHC Orpund und etwa der EHC Ziegelried-Schüpfen sind über die Jahre alle verschwunden. In den besten Zeiten war gar die Gruppe 6 der 3. Liga zur Hälfte mit Teams, inklusive Meinisberg, aus dem Seeland bestückt.

So feiert der EHC Meinisberg am 10. Mai 2025 sein 50-jähriges Jubiläum, die Gründe warum nur der EHC Meinisberg dem Niedergang getrotzt hat finden sich unter den Rund 250-300 Anwesenden. Die Stimmung ist kollegial, familiär, vertraut und verbunden. Einer benutzte gar, gut gemeint, das böse Wort «Inzucht.» Untereinander ist man nicht nur Bruder, Vater und Sohn, sondern auch Schwager, Götti, Gotte oder Arbeitskollege. Auch für einen Aussenstehenden oder gar ehemaligen Gegner ist das Willkommen jederzeit herzlich und unkompliziert (Warum war ich nie bei Meinisberg?). Zudem pflegt der Verein auch seine eigene Geschichte in eindrücklicher Art und Weise. Die Klub-Historie wird sorgfältig und zentral aufgehoben und besonders beeindruckend ist die Sammlung der alten Trikots, diese werden ebenfalls an einem geheimen Ort, wie Miraculix’ Zaubertrank, im Dorf gelagert. Im Rahmen des Jubiläums durfte man die historischen Trouvaillen gar für einen Fünfliber kaufen.

Schiedsrichter-Supervisor Roland Stalder in seinem Meinisberg-Jersey mit der Rückennummer 7. (Jacqueline Stalder)

Seine Trouvaille gesichert hat sich auch der ehemalige Internationale (drei Weltmeisterschaften, Europacup-Finals) und Nationalliga-Schiedsrichter Roland Stalder, welcher zwischen 1979 und 1984 das rote Wagner-Jersey getragen hat. Stalder schaffte den Sprung vom 3. Liga-Spieler bis zum WM-Schiedsrichter. Den fast gleichen Weg machte auch Peter Kunz selig, die beiden spielten und arbitrierten gar noch gleichzeitig für Meinisberg. Stalder verrät beim Interview auch ein paar Anekdoten über die 80er Jahre. Neben Stalder stehen auch Gründungsmitglied und ehemaliger Spieler und Präsident Heinz Reber (rechts), sowie der zweifache Meistertrainer Dominic Lüthi (links) vor dem Mikrofon (Titelbild). In den Aussagen der drei Protagonisten bestätigen sich die «gallischen Tugenden» als Geheimnis des Erfolges.

Kein Geheimnis ist Meinisberx berühmtester Auftritt der Clubgeschichte, 1999 reisten die Seeländer, begleitet vom Schweizer-Fernsehen (siehe YouTube, unten), nach Dubai an den internationalen Nokia-Cup. Zwei ehemalige Meinisberger tragen zum 50-Jährigen das Trikot der Wüstensöhne, Hanspeter Kopp und Honza Paur, welcher extra aus Adelboden nach Meinisberg gekommen ist. Das Hockeyfest, wie bei «Asterix» jeweils das letzte Bild auf der letzten Seite, dauerte bis in die frühen Morgenstunden, ein Vorstandsmitglied trat gar eine stündige Heimreise per Velo, bis nach Täuffelen an. Mit dieser Einstellung trotzen die Meinisberger allen Widrigkeiten auch in den nächsten 50 Jahren, wenn es heisst: Das ganze Seeland? Nein! Übrigens Meinisberx Fisch von «Verleihnix» gibts wieder im Juni an der Braderie.

50 Jahre Clubgeschichte aus Stoff, Meinisbergs Vermächtnis an sich selbst. (Krein)
Vier ehemalige Spieler des verschwundenen SC Scheuren: Marco Reber (Sohn von Heinz und selber ehem. Spieler/Präsident), Hanspeter Kopp (eine Legende des Nokia-Cups, im Dubai-Jersey) und Urs Heuer (ehem. Spieler/Präsident) gehören auch zur History des EHCM. (Krein)

Inspirierendes Berner Expo-Gelände

In der neuen Berner Expohalle «Genuss & Tradition» geht es zu und her wie in einer Drittelspause der PostFinance-Arena, «Vinspiration» heisst der Genuss, welcher die Besuchenden in Massen zur Weindegustation verführt. Mittendrin ist der gleiche Mann, welcher am 24. April 2025 den Meisterpokal «Twin-Skate» nach Lausanne zur Übergabe an die ZSC Lions chauffiert hat. «Es ist aufgegangen, hätte Lausanne das fünfte Spiel gewonnen, hätte ich während der Berner Ausstellung (BEA) nach Zürich, oder gar zu Spiel sieben, nochmals nach Lausanne fahren müssen», sagt Willi Vögtlin, bei der National-League zuständig für Spiele und Pokal und bei seinem Weinhandel zuständig für Degustation und Genuss. Der Spielplan-General ist währen der finalen Hockey-Phase, gleichzeitig an der Berner Expo engagiert.

Engagiert war der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter vor 35 Jahren auf dem gleichen Gelände, anlässlich der Weltmeisterschaft 1990 in Bern und Freiburg. An seiner letzten WM pfiff der Baselbieter sechs Spiele in Bern, eines davon, Tschechoslowakei gegen Schweden, gehört auch zu meinen ersten WM-Eindrücken. Überhaupt gehört das Gelände rund um die Berner Expo zu mancher persönlichen Geschichte. Heute trifft man dort beispielsweise Tristan Scherwey, früher war das Gelände rund um das ehemalige Berner Allmend-Stadion das Tor zur grossen, weiten Hockeywelt. Zu Vögtlins Aktivzeit gab es kein Internet und nur SLAPSHOT lieferte sporadisch den «Blick über die Landesgrenzen.» Bei einem BEA-Besuch im Kindesalter, galt der Fokus genau zwei Adressen: Dem Fan-Shop des SC Bern und dem Verkaufsstand von Wüthrich + Co. aus Langnau. Die beiden Aussteller waren im Untergeschoss des Treppenhauses der heutigen Hallen 1.1 und 1.2 untergebracht.

Erste Priorität hatte der SCB-Shop, denn dort lag das internationale Jahrbuch des IIHF, genannt «Eishockey-Almanach», für 14 Franken und 80 Rappen ging der Almanach 90/91 über die Berner-Fan-Theke, dies galt sogar zu «Sackgeld-Zeiten» als Schnäppchen. Denn dieses Buch war mein Lebenselixier, vielleicht ist das Nachschlagewerk auf der gleichen Stufe, wie der berühmte «Sport-Almanach» in Zurück-in-die-Zukunft – mit der grossen Ausnahme, 1990 blickte man, statt in die Zukunft, ins vergangene Hockey-Jahr. Das gesamte Wissen lag in diesen knapp 200 A5-Seiten und bot mir, Jahr für Jahr, beim Selbststudium unbeschreibliche Glanzstunden. Mit dem Rest der Ersparnisse ging es vis-à-vis zu «Wüthrich», denn dort – und nur dort – gab es die NHL. Poster, Wimpel, Pucks, Ministöcke und Pins der wichtigsten NHL-Franchisen.

Die wichtigsten NHL-Franchisen sind auch an der «Vinspiration 2025» ein Thema. Vögtlin holt die nächste Weinflasche, zwischen Traubensorten, Piemont und Sizilien wird auch über die Playoff-Serie der Winnipeg Jets gesprochen. Die Zeiten haben sich längst geändert, das Gelände jedoch, rund um die Berner PostFinance-Arena, schreibt weitere Kapitel über den faszinierendsten Sport der Welt.

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Wer hat das Zähringer-Derby erfunden?

Die Playoffs 2025 bescheren uns in den Viertelfinals das «Zähringer-Derby» und damit die gewohnte Renaissance des Deutschen Adelsgeschlechts. Doch seit wann spricht man eigentlich vom Zähringer-Derby? Die Herzöge Berthold IV und V von Zähringen waren 1157 (Freiburg) und 1191 (Bern) für die Stadtgründung, das Stadtrecht und das Stadtbaukonzept verantwortlich. Unter den Herzögen von Zähringen entstanden im Mittelalter zwölf Städte in Deutschland und der Schweiz, darunter die Eishockey-Relevanten Standorte Bern, Burgdorf, Freiburg im Breisgau, Fribourg, Rheinfelden, Thun und Villingen-Schwenningen.

In der Blütezeit spielten vier Zähringer-Städte, je zwei in Deutschland und der Schweiz, in der obersten Spielklasse. Das erste Zähringer-Derby gabs am 30. September 1980 in der Augustiner-Kunsteisbahn in Freiburg vor 4’200 Zuschauern, NLA-Aufsteiger Gottéron siegte mit 4:1. Die Eishockey-Legende Jakob Lüdi, er sitzt/sass auch bei der aktuellen Serie im Stadion, erzielte einen Hattrick und eröffnete in der 4. Minute das Skore der Geschichte dieses Derbys. Dies geschah ein Jahr vor den Nachbarn aus dem Lande der Gründerväter, welche am 27. September 1981, ihr erstes Derby zweier Zähringerstädte im Oberhaus zu sehen bekamen, der Schwenninger ERC siegte vor heimischem Publikum mit 5:4 gegen den EHC Freiburg. 1993, ein Jahr vor DEL-Gründung, musste der EHC Freiburg Konkurs anmelden und verschwand von der deutschen Eishockey-Landkarte. Seither spielten Freiburger und Schwenninger nie mehr gemeinsam in der obersten Spielklasse. So ist die Paarung zwischen Bern und Freiburg-Gottéron heute weltweit das einzige Derby zwischen Zähringerstädten.

Doch über «Zähringer» und «Eishockey» spricht man erst seit diesem Jahrtausend. Die ersten zwei Playoff-Serien zwischen Bernern und Freiburgern gingen 1991 und 1992 noch fern vom Deutschen Adelsgeschlecht durch die Medien. Erst die dritte Serie, 2008 wurde medial als «Zähringer-Derby» verkauft. Derweil lief in der Zentralschweizer 1. Liga, mit Thun gegen Burgdorf, zwischen 1984 Und 2017 ebenfalls ein Derby der Zähringerstädte. In der Saison 1999/00 gesellte sich gar noch der EHC Rheinfelden für ein Jahr dazu und spielte mit dem Namen «Zähringer» im Logo, die Derbys gegen die beiden Berner Mitstreiter.

Sportjournalistisch sprach «Der Bund», am 29. Februar 1960, anlässlich des NLB-Fussball-Spiels zwischen dem FC Bern und dem FC Freiburg, erstmals von einem «Zähringer-Derby», Es dauerte bis ins Jahr 2002, ehe der Begriff «Zähringer» sich ins Eishockey einschlich. Jürg Vogel, er tippte u. a. auch unter dem Pseudonym George Bird für SLAPSHOT, schrieb in der NZZ, vom 14. September 2002, über das Duell der beiden «Zähringerstädte.» In der Folge verbreitete sich der Begriff «Zähringer-Derby» wie deren Baukunst im Mittelalter. Die Berner Altstadt gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe und vielleicht findet auch das weltweit einzigartige Derby dereinst die Aufnahme, unter der Kategorie der «Schweizer Traditionen», in Kreis des immateriellen Kulturerbes.

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Brot und Färjestad

Zum dritten Mal geht ein Champions-Hockey-Leauge Final auf Schweizer Boden über die Bühne, dabei zum zweiten Mal für die ZSC Lions. Schon vor diesem geschichtsträchtigen Endspiel sind die Zürcher das erfolgreichste Schweizer Hockey-Unternehmen auf internationalem Parkett, dies mit einem europäischen Titel (2009) und dem Victoria Cup. Keine andere Schweizer Clubmannschaft hat grösseres vollbracht, auch nicht die Schweden von Färjestads BK Karlstad. Der zehnfache schwedische Meister konnte europäisch noch nie reüssieren. 1987 und 1989 spielten die Schweden aus der Provinz Värmland zweimal um die europäische Krone. Höchste Zeit also, endlich auch die European-Trophy in die Annalen der Clubgeschichte zu holen. Der Knüller in der Swiss-Life-Arena ist ausverkauft und die ganze Hockeyprominenz der Schweiz ist in den VIP-Zonen zu Gast.

Im Lift mit Jenni’s

Auch zwei ehemalige Schweizer Söldner des schwedischen Vertreters sind mit dabei, Martin Gerber und Marcel Jenni, letzterer fährt mit mir im gleichen Lift, welchen ich, mit der in Zürich traditionellen, Portion «G’hackts und Hörnli» betrete. Mit dieser Portion werde ich die Liftfahrt bis in die fünfte Etage nicht kommentarlos überstehen – noch bevor sich der Lift bewegt kommt der erste Spruch, dem Ghackets-Hörnli-Duft entgegen. Daniela Jenni, Marcel’s Frau, bittet um eine Empfehlung. Auf meine positive Antwort folgt ein Spruch meinerseits – Sie (Frau Jenni) habe in Schweden ja das Brot vermisst – das Schweizer Fernsehen besuchte vor 20 Jahren Jenni und seine damalige Freundin und jetzige Frau in Karlstad. Geblieben ist mir vor allem, dass Jenni’s Partnerin das «Brot» aus der Schweiz vermisst hatte. Zurück im Lift, zeigt sich Frau Jenni äusserst verblüfft und positiv überrascht über meine Bemerkung.

Kein Brot für Färjestad

Das Brot fehlt dann auch Jenni’s Ex-Team. Der schwedische Qualifikationssieger des Vorjahres, immerhin mit sieben ehemaligen und drei künftigen NHL-Spielern, findet nur schwer in die Partie und gerät durch eine Unachtsamkeit im eigenen Slot mit 0:1 in Rückstand. Zürich’s Reihe um Denis Malgin, Sven Andrighetto und Rudolfs Balcers, zusammen 661 NHL-Partien, läuft auf Hochtouren und ist auch für den zweiten Treffer verantwortlich. Reicht es für Färjestad wieder nicht? Holt Zürich erstmals die europäische Krone im eigenen Stadion? Die Stimmung ist bombastisch, 12000 Fans tragen die Lions zum zweiten europäischen Gold der Klubgeschichte. «Mir sind Züri», heisst nun «mir sind d Könige vo Europa». Die Trophäe von 2009 steht, zusammen mit dem Victoria-Cup, in der Vitrine der «Sports Bar 1930», nun kommt ein Kübel dazu, kein Schweizer Team hat international mehr erreicht. Den Victoria-Cup müsste man unbedingt wieder reaktivieren, die NHL kann kommen. Vorher gilt es jedoch, sich zum elften Mal zum König der Schweiz zu krönen.

Der falsche Stampfli

Eigentlich sollte es eine Geschichte über «die Gallier» aus der Ajoie geben, doch der Besuch, zwei Tage vor Redaktionsschluss, im Tal der heulenden Winde lieferte ein Schmankerl, welches der hier schreibende Kolumnist festhalten musste.

Vor dem Spiel zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, auf dem Weg zum Kommentatoren-Platz, kommt mir Yanick Stampfli’s Vater Thomas (Stampfli-Senior) entgegen, der Vater des Biel-Verteidigers ist auch als Assistent der Bieler U15-Elit-Mannschaft bekannt. Nach meinem «Hallo Stamme», grüsst mich der Spielervater leicht irritiert zurück, was mich kurzzeitig erstaunt, dem ich aber keine weitere Beachtung schenke.

Beachtung schenke ich einer Szene in der 40. Minute, Stampfli-Junior spielt die Scheibe in hohem Bogen über die Plexiglasscheibe und wird daraufhin für zwei Minuten in die Kühlbox geschickt. Dies entlockt mir als Kommentator, dass auch dessen Vater sich im hier Stadion befinde. In der Pause werde ich vor dem Presseraum durch Dylan Halter, einem ehemaligen Mitarbeiter des EHC Biel, abgepasst, welcher mir erklärt, dass er meinen Kommentar als WhatsApp-Nachricht seiner Freundin Michelle, der Schwester von Stampfli-Junior, erhalten habe, denn Stampfli-Senior könne unmöglich in Langnau sein.

Zur gleichen Zeit erhält Stampfli-Senior von seiner Frau einen Anruf, ob er in Langnau sei? Ein klärender Anruf Dylan Halters, bei dem der hier schreibende Kolumnist und Kommentator zuhören kann, hilft weiter. Stampfli-Senior sitzt zu diesem Zeitpunkt im U15-Mannschafts-Car, auf der Heimreise von Lausanne. Wen um Himmels Willen habe ich vor dem Spiel gegrüsst? Stampfli’s Zwillingsbruder, vermutet Halter.

Solche Geschichten kennen die Stampfli-Zwillinge, geboren am 13. Mai 1971, zu genüge, «immer wieder werden wir verwechselt», erklärt Thomas noch am Telefon. Thomas und Markus spielten einst für die Elite-Junioren (heute U20-Elit) des EHC Olten und eine gemeinsame U18-Europameisterschaft, 1989 in Kiew, ehe sich ihre Wege 1990 trennten, Goalie Thomas wechselte nach St. Moritz und Stürmer Markus zurück zum Stammclub Solothurn-Zuchwil. Kurioserweise ist ihr damaliger Headcoach aus Oltner-Zeiten, Jaroslav Tuma (SLAPSHOT Nr. 6, 1989), an diesem Abend ebenfalls in Langnau und beobachtet als Agent seinen Langnauer Klienten Jiri Felcman.

Zum Auftakt des Schlussdrittels erklärt der Kommentator und hier schreibende Kolumnist seinen Fauxpas, doch die Causa-Stampfli geht weiter. Kurz vor dem ersten O-Ton meines Interview-Partners Fabio Hofer, erblicken wir gemeinsam den «falschen Stampfli» und Hofer winkt ihm freudig zu.

Zurück in der Kabine habe Hofer von Stampfli-Senior erzählt und Yanick, ebenfalls erstaunt, habe seinen Vater – immer noch auf dem Weg von Lausanne nach Biel – telefonisch kontaktiert…

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Von Statistik und Geschichte

Wenn in der National-League etwas aussergewöhnliches oder rekordverdächtiges passiert, „surren“ die Mobilephones im Hockey-Umfeld: „Gab es dies schon einmal?“ oder „Ist das der jüngste Spieler?“ heissen die Nachrichten. Liga-Mitarbeitende und Medienschaffende suchen in einem Himmelfahrtskommando gemeinsam nach Antworten, irgendwann weiss irgendjemand, irgendetwas und so kommt die Information vielleicht noch während des Spiels an die Öffentlichkeit. So funktioniert die Hockey-Schweiz kurz vor dem Jahr 2025. Einer der führenden Ligen Europas, fehlt die eigene Geschichte. Ganz simpel erklärt, es ist für die Verantwortlichen zu wenig wichtig. Zum andern hat dies auch mit unserer DNA zu tun, hierzulande schert man sich grundsätzlich nicht um vergangenes. Der SCB beispielsweise könnte, durch die Sammlung von „SCB Jüre“ Jürg Wymann, ein hauseigenes Museum wie der FC Barcelona einrichten.

Warum aber gibt es keine Datenbank über den Spielbetrieb? Es gibt einen ehemaligen Verbands- und Ligastatistiker, welcher nicht mehr mit der Liga kooperiert, sonst könnte man zumindest bis zur Einführung der Playoffs, 1985/86, auf seine statistischen Werte zurückgreifen. Werte welche heute in der Aktualität nur noch per Zufall und Efforts von Einzelpersonen an die Öffentlichkeit gelangen.

Fakt ist, die Informationen stehen nicht zur Verfügung. Der ehemalige Liga-Statistiker beglückt die Medienschaffenden, nur nach Lust und Laune nach einem besonderen Ereignis mit seinen Fakten, so auch im Fall des Debüts des 15-jährigen Jonah Neuenschwander. Eine Liste mit den acht Jüngsten Spielern steht in der Nacht nach Neuenschwanders Debüt, morgens um 2 Uhr 36 zur Verfügung. Auf dieser Liste stimmt jedoch das Geburtsdatum des Genfers Jérémy Girard nicht, welcher somit nicht mehr relevant ist. Seit „Einführung der Playoffs“, kommt der jüngste Spieler, ebenfalls aus Biel, Michel Riesen, dies war zumindest im Bieler Umfeld noch halbwegs präsent und ging noch während des Debüts auf die Medienschaffenden über.

Doch was sagt Genf-Servette dazu? Bereits vor Einführung der Playoffs, gab am 15. Januar 1965 der 14-jährige Eric Conne, der Vater von Flavien, beim 8:2 gegen die Neuenburger Young Sprinters, sein Debüt im Trikot der Grenats. Die Zeitung „FAN L’express“ berichtete über das Genfer Wunderkind, welches sich zwischen 1965 und 1977 in die Annalen der Servettiens spielte. Seine Rückennummer 4 hängt unter der Les-Vernets-Hallendecke, zudem ist eine Loge nach dem jüngsten Spieler der Schweizer Nationalliga-Geschichte benannt. Nun müsste man diese Fakten, bei Liga und deren Vertreter nur noch für genug Wichtig erklären und die National-League wäre auch historisch unter den führenden Ligen Europas.

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D Zit louft u louft u louft

Im Herbst 1994 spielte ein gewisser Robert Nardella in der International-Hockey-League (IHL) für die Chicago Wolves. Zur gleichen Zeit spielte ein Martin Schmid beim Zweitligisten SC Biberen und der hier schreibende Kolumnist als Junior beim SC Lyss. Drei unterschiedliche Protagonisten in drei unterschiedlichen Rollen, dessen Wege sich später kreuzen würden. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», singt Kuno Lauener im Züri West-Song «Blues», welcher ebenfalls 1994 auf dem Album «Züri West» erschienen ist.

Durch diese «auti Maschine wo louft u louft u louft», sind die Idole von einst im Laufe der Jahre dem Eishockey-Zirkus entwachsen. So auch Nardella, welchen ich als Nationalspieler Italiens gegen die Schweiz an der A-WM 1995 spielen sah. Nardella spielte bis 1994 beim HC Alleghe, mit einem gewissen Bruce James Cassidy in der Verteidigung. Cassidy? Ja, Cassidy führte 2023 die Vegas Golden Knights zum Stanley-Cup-Titel. Die Stars von einst sind heute Headcoach, Sportchef oder bereits in Rente, denn «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft».

Doch die Wege, wie in jedem Hockey-Umfeld, der eingangs erwähnten Protagonisten werden sich kreuzen. Am 23. Dezember 2001 spielte ich mein erstes Spiel für den SC Biberen in der 2. Liga, zu den Teamleadern unserer Mannschaft gehörte ein gewisser Martin «Tinu» Schmid. Am 19. Oktober 2024 gewann Freiburg-Gottéron zuhause gegen Lugano mit 4:0. Doppelter Torschütze war Sandro Schmid, der Sohn meines ehemaligen Teamkollegen. So landete Schmid-Junior für das MySports-Interview (Foto) bei
mir vor der Kamera.

In der gleichen Woche verkündeten die SC Rapperswil-Jona Lakers die Verpflichtung von Bobby Nardella, Bob Nardella? Ich kannte bisher nur einen «Nardella», Rapperswils Neuzugang ist Roberts (Senior) Sohn. Nardella-Junior debütierte am 25. Oktober 2024 in Biel, welches 1993 auch die Wirkungsstätte von Cassidy, Nardellas ehemaligen Teamkollegen, gewesen ist. Neben seinem Debüt kommentierte ich vier Tage später auch Nardellas ersten Treffer auf Schweizer Eis, auswärts bei Rapperswils 2:4 in Pruntrut. 1994 noch drei willkürlich ausgewählte Namen, dessen Wege sich innerhalb des Mikrokosmos Eishockey irgendwann gekreuzt haben. Es ist der Lauf der Zeit, es ist der Lauf des Lebens und in diesem kleinen Fall nur eine, von tausenden Geschichten rund um die faszinierende «kleine» Welt des Eishockeys. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», zeigt zum einen die Endlichkeit einer Laufbahn und zum andern die Unendlichkeit des Eishockey-Mikrokosmos.

Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.

Technischer Wahnsinn

Ein Spiel welches in Erinnerung bleiben wird, Langnau trifft als achtplatzierter auf den Tabellen-Sechsten Lugano. Die Luganesi führen nach drei Minuten mit 2:0. In der neunten Minute kommt es noch schlimmer, Langnau’s Brian Zanetti, welcher an diesem Abend von Philadelphia Flyers-Scout Sami Kapanen beobachtet wird, muss in die Kühlbox. Eine Minute später spielt sich Harri Pesonen, in Unterzahl, mit einem Weltklasse-Move, seine Scheibenkontrolle ist der absolute Wahnsinn, durch drei Tessiner hindurch und steht alleine vor Landsmann Mikko Koskinen. Allein dieser «stock- und schlittschuhtechnische Wahnsinn» entschädigt diesen denkwürdigen und kuriosen Abend an der Ilfis.

Der «technische Wahnsinn» nimmt seine Fortsetzung im zweiten Drittel, welches geprägt ist von Video-Reviews und zahlreichen Unterbrüchen. Der Wahnsinn liegt dieses mal im «Zytnehmerhüsli» von Christine Nyfeler. Zweimal gibt es eine fünfminütige Video-Review, zurecht, bei Calvin Thürkauf’s Treffer. Später folgt eine Strafe, welche durch einen technischen Fehler ,auf der Uhr nicht ins laufen gebracht wird, welche in einer fünfminütigen Zeitrechnung in Nyfeler’s «Häuschen» wieder korrigiert werden muss.

Kanditat Zanetti

Der Wahnsinn des zweiten Drittel’s ist auch für den NHL-Scout aus Finnland aussergewöhnlich. Mit dem Draft-Prospect der Flyers zeigt sich der 918-fache NHL-Spieler zufrieden, nach dem Ausfall von Juuso Riikola spielt Zanetti auch im Powerplay und steuert beim zweiten Treffer einen Assistpunkt bei. Kapanen, der von Schweden gekommen ist, reist am Sonntag nach Prag um weitere Kandidaten für die NHL-Organisation zu begutachten, ehe es, in einem «flugtechnischen Wahnsinn» wieder nach Kuopio geht. Bevor Schützling Zanetti zum Austausch mit dem Flyers-Scout kommt, wird unser Gespräch durch Lugano-Goalie Koskinen, äusserst herzlich, mit einem langen «moooi» (Hallo) auf finnisch unterbrochen. Koskinen spielte 2012-13 unter Teambesitzer Kapanen bei KalPa Kuopio, denn auch die kleine, vernetzte Eishockeywelt ist der absolute Wahnsinn.

Die Letten kommen

Der EHC Biel empfängt den HC Lausanne, auf der Pressetribüne ist ein TV-Platz mehr eingerichtet als üblich. Heute überträgt der lettische Sender TV3 das Spiel der 25. Runde der National-League nach Lettland. So sitzen neben mir und dem welschen Kommentator David Pietronigro (erster, links von mir) die Letten Toms Pramnieks (in gelb) mit Experte, dem ehemaligen Nationalgoalie, Edgars Masalskis (Mann mit Bart). Für den lettischen Abend trage ich extra den WM-Schal von Riga.

Der lettische Sender begleitete sein Aushängeschild Dynamo Riga zwischen 2008 und 2022 in der russischen KHL. Seit Kriegsbeginn und Riga’s Verzicht gibt es kein erstklassiges Eishockey mehr bei den Balten, die heimische Liga ist zu klein und die nationalen Stars spielen überall in Europa. So werden 2023 die Ligen in Schweden, Tschechien und der Schweiz ins Visier genommen. Der lettische Sender prüft für die kommende Saison mögliche Alternativen zur KHL.

Aufgrund der Reisedistanzen in Russland, ist die Schweiz ein Klacks, ob Zürich, Langnau oder Biel – TV3 berichtete von diesen drei Standorten – alle mitteleuropäischen Teams, liegen näher als die russischen Mannschaften östlich von Ufa. In Biel hätte man gerne über das lettische Duell zwischen den Lausannern Ivars Punnenovs und Ronalds Kenins gegen Biel’s Rihards Bukarts berichtet, auf dem Matchblatt ist an diesem Abend aber nur Kenins.

Die Letten treffen sich aber nach dem Spiel in den Kabinengängen der Tissot-Arena. Die National-League könnte künftig durchaus in Lettland ein Thema sein, aktuell stehen acht lettische Spieler in unserer Liga unter Vertrag. In Tschechiens Extraliga spielen sieben Akteure der Balten und drei in Schweden. Die Schweiz steht den Balten ohnehin schon äusserst nahe, seit Jahren werden lettische Spieler, bereits ab der U15-Stufe zahlreich, in den Hochburgen Oberthurgau und Basel, in die Schweiz vermittelt – dies füllt einen separaten Blog – dazu hat die Schweiz den Letten an der letzten Heim-WM den Weg zur Bronze-Medaille im letzten Gruppenspiel geebnet.

In den 90er Jahren debattierte man über die Aufnahme von Österreich’s Meister VEU Feldkirch in der Schweizer Nationalliga-A. Warum nicht morgen Dynamo Riga in der Schweizer National-League, mit dem Standort Huttwil, integrieren und so den lettischen Markt erobern? An lettischen Spielern mit Schweizerlizenz wird es in naher Zukunft zumindest nicht mangeln. Die Letten kommen…

Sprunger von Zähringen

Das 1000. Spiel im Zähringer-Derby, besser kann das Jubiläum des Freiburger Kapitäns nicht fallen. Der Begriff „Zähringer-Derby“, durch die Medien erfunden, taucht im Eishockey-Duell erst 2003 in den Freiburger Nachrichten auf. Bereits 1960 berichteten die Freiburger Nachrichten vom Zähringer-Derby zwischen dem FC Fribourg und dem Berner-Sport-Club Young Boys. Das Duell beginnt jedoch schon im zwölften Jahrhundert, als sich die Gebiete der Herzöge von Zähringen bis in die Schweiz erstreckten, sie gründeten zwölf Zähringer-Städte, unter anderem Freiburg (1157) und Bern (1191), wobei letztere das Duell um die Ernennung zur Bundesstadt gewinnen konnten.

Das jüngste Duell steht im Zeichen des Freiburger Kapitäns und seinem 1’000. Spiel für die Zähringer aus Freiburg. Passender hätte sein Jubiläum nicht fallen können. Sprunger ist nach Reto von Arx, erst der zweite Spieler welcher alle 1’000 Partien für den gleichen Klub absolviert hat. Gegen den Davoser absolvierte der damals 16-Jährige am 27. September 2002 in Davos sein erstes NLA-Spiel. Sein erstes Derby gegen den SCB spielte Sprunger auf den Tag genau, am 27. September 2003 in Bern, gegen seinen heutigen Trainer Christian Dubé.

Am Abend des 7. Oktober 2023 stürmt der Jubilar an der Seite seines langjährigen Weggefährten Andrei Bykov, einst Mitglied der gefürchteten SBP-Reihe (Sprunger-Bykov-Plüss), welche erst im Zähringer-Final 2013 vom SCB gestoppt werden konnte. Im jüngsten Derby feiert der Kapitän mit einem 3:1-Sieg, als 15. Spieler im 1’000er Club, einen perfekten Freiburger Abend. In den anschliessenden Feierlichkeiten, krönt sich Sprunger, im Jersey einer seiner Vorgänger, Jean-Charles Rotzetter, vor 9’009 Fans zum Herzog von Zähringen.

Fribourg-Gottéron – Bern 3:1 (2:0, 0:0, 1:1)
BCF-Arena. – 9009 Zuschauer (ausverkauft). – SR Urban/Piechaczek, Meusy/Francey. – Tore: 5. Marchon (Wallmark, Sörensen) 1:0. 14. Wallmark (De la Rose, Borgman/Ausschluss Honka) 2:0. 46. Lehmann (Bader) 2:1. 51. Sörensen (De la Rose, Borgman/Ausschluss Loeffel) 3:1. – Strafen: Fribourg-Gottéron 3-mal 2 Minuten, Bern 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Sutter (verletzt), Bern ohne Fahrni, Zgraggen (beide verletzt), Frk und Reideborn (beide überzählig). Bern von 56:42 bis 57:32, 57:40 bis 59:32 und ab 59:39 ohne Torhüter.
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Jecker; Diaz, Borgman; Seiler, Dufner (2); Streule; Bertschy, De la Rose, DiDomenico; Sprunger, Schmid, Bykov; Binias, Walser, Jörg; Sörensen (4), Wallmark, Marchon; Mottet.
Bern: Wüthrich; Loeffel (2), Nemeth; Untersander, Kreis (2); Honka (4), Paschoud; Füllemann; Sceviour (2), Knight, Kahun; Lehmann, Baumgartner, Luoto; Vermin, Bader, Moser (2); Schild, Ritzmann, Scherwey; Fuss.

Mayers Backup-Dilemma

Wenns nicht läuft, läufts nicht. Dies gilt für den Saisonstart 2023-24 bei Meister Genf-Servette. Genf verliert am Dienstag mit 1:6 beim HC Lausanne und am Freitag mit 1:7 bei Fribourg-Gottéron. Was ist nur los mit dem Meister? In Freiburg wird der fünffache NHL-Backup-Goalie in der 27. Minute, beim Stand von 1:5 aus Sicht der Genfer eingewechselt. Diese Einwechslung hätte Robert Mayer nicht in Freiburg, sondern eigentlich in der NHL verdient.

Am 9. Mai 2013 steht Mayer, zusammen mit Raphael Diaz, mit den Montreal Canadiens in der ersten Playoff-Runde gegen Ottawa im Line-Up der Canadiens. Montreal taucht an diesem Abend gegen die Senators mit 1:6 und scheidet mit einer 1:4-Serie im kanadischen Duell gegen Ottawa aus. Montreals Torhüter Peter Budaj steht während 60 Minuten zwischen den Pfosten, Headcoach Michel Therrien hätte Mayer die NHL-Fauertaufe ermöglichen können und Mayer wäre der 22. Schweizer NHL-Spieler gewesen. Heute ist Mayer lediglich in der Datenback der NHL-Backup-Goalies zu finden. Mayer hätte den NHL-Einsatz verdient, der Schlussmann spielte während fünf Jahren in der Organisation der Canadiens, kam aber, neben fünf NHL-Backup-Partien, «nur» im Farmteam der Hamilton Bulldogs zum Einsatz.

Zehn Jahre später, am 22. September 2023, sitzt Mayer wieder auf der Ersatzbank und Diaz m Einsatz. Jedoch in einer ganz anderen Rollenverteilung. Genfs Nummer eins, hat die undankbare Aufgabe, erst beim 1:6 ins Spielgeschehen einzugreifen und das tut er wortwörtlich mit einem Big-Save in seinem Fänger. In der 54. Minute wird’s dem Meistergoalie jedoch zu bunt, seine Vorderleute lassen auch ihn, gegen Diaz und Co., mehrmals kläglich im Stich. Mayers Wut, mit der Hoffnung seine Vorderleute aus dem Tiefschlaf zu erwecken, entlädt sich beim «verbrätschen seines Stocks», der stellvertretend für die ganze Mannschaft büssen muss. Es ist ein Einsatz, welcher Mayer nicht beim 1:7 in Freiburg, sondern eigentlich beim 1:6 in Montreal verdient hätte.

Fribourg-Gottéron – Genève-Servette 7:1 (2:1, 5:0, 0:0)
BCF-Arena. – 9 009 Zuschauer (ausverkauft). – SR Tscherrig /Piechaczek, Gnemmi /Meusy. – Tore: 6. Sörensen 1:0. 12. Borgman (Diaz) 2:0. 18. Maurer (Jooris) 2:1. 22. Sörensen 3:1 (Penalty). 25. De la Rose (DiDomenico) 4:1. 27. Jörg (Binias) 5:1. 30. DiDomenico (Gunderson, Mottet/Ausschluss Winnik) 6:1. 32. Sörensen (Marchon) 7:1. – Strafen: Fribourg-Gottéron 2-mal 2 Minuten, Genève-Servette 6-mal 2 plus 5 Minuten (Rod) plus Spieldauer (Rod). – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Bykow (verletzt) und Streule (gesperrt), Genève-Servette ohne Lennström und Richard (beide verletzt).
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Jecker; Diaz, Borgman; Sutter, Seiler (4); Dufner; Bertschy, De la Rose, DiDomenico; Sprunger, Schmid, Mottet; Binias, Walser, Jörg; Sörensen, Wallmark, Marchon.
Genève-Servette: Descloux (27. Mayer); Karrer (2), Chanton; Vatanen, Völlmin; Jacquemet (4), Le Coultre; Maurer; Praplan (2), Filppula, Winnik (2); Hartikainen, Manninen, Haapala; Miranda, Pouliot, Rod (27); Maillard (2), Jooris, Bertaggia; Cavalleri.

Der grosse Showdown

Was für ein Finish, die 52. und letzte Runde der National-League 2022-23 hat es in sich. Vier Mannschaften kämpfen noch um drei Pre-Playoff-Plätze, zwei Teams kämpfen um einen direkten Playoff-Platz und nochmals zwei Equipen spielen um den Qualifikationssieg. Für jeden Kommentator ist diese letzte Runde ein Hochgenuss, die Vorbereitungen laufen im Vorfeld auf Hochtouren und die Anspannung steigt. Heute Abend gibts kein einzelnes Hauptspiel, nein alle Affichen bilden in einer Konferenz-Schaltung das Hauptspiel. Auf dem Schauplatz «Lugano» braucht der Lokalmatador unbedingt einen Sieg, dies gilt aber auch für Biel, wenn es den erstmaligen Qualifikationssieg will.

Grande wie einst?

Die Stimmung vor dem Spiel rund um die TV-Crew ist locker und fröhlich, alle sind gut drauf. Im Treppenhaus begegne ich Lugano CEO Marco Werder, der ehemalige NLA-Crack ist ebenfalls gut drauf und für einen Schwatz bereit, alles was du jetzt noch zu hören kriegst kannst du vielleicht noch im Live-Spiel verwenden und sei es eine Anekdote aus Werders Hockey-Anfängen. Die ehemalige Resega, einst gerade gut genug für Luganos Endspiele, ist heute auch im letzten Qualifikationsspiel, einer durchzogenen und enttäuschenden Spielzeit der Bianconeri, mit 5’700 Fans gefüllt wie zu Grande-Luganos-Zeiten. Dieses Grande-Lugano scheint in den ersten Minuten als Revival auf dem Eis zu zaubern.

Hauptschauplatz Lugano

Und dann kommt Biel, was für eine Schlussphase, die Ergebnisse in den verschiedenen Schauplätzen überschlagen sich und Lugano zittert isch plötzlich noch in die Pre-Playoffs, während Biel am ersten Qualifikationssieg aller Zeiten schnuppert. Gut nehmen wir mal die Saison 1980-81 dazu, da schaffte Biel nach der Vorrunde von 28 Spielen den ersten Schlussrang. So bleibt Schauplatz Lugano in den letzten zehn Minuten die einzige noch relevante Örtlichkeit der letzten Entscheidung im grossen Showdown. Wow – was für ein Abend – was für eine Sportart und was für ein Spiel. Für solche Partien leben und lieben wir, die hockeyinfizierten und besessenen Individuen, für solche Höhepunkte schwärmen und träumen wir und das ist erst der Anfang – die Spiele um den postgelben Plexiglas-Pokal mögen beginnen.

4. März 2023 – 52. Runde

Lugano – Biel 5:6nP (4:1, 1:1, 0:3, 0:1)
Cornér-Arena. – 5 781 Zuschauer. – SR Piechaczek (De)/Hebeisen, Wolf/Urfer. – Tore: 2. Kessler (Rajala) 0:1. 5. Zanetti (Herburger) 1:1. 10. Granlund (Bennett, Marco Müller) 2:1. 13. Morini (Andersson, Thürkauf /Ausschluss Schneeberger) 3:1. 19. Alatalo (Klok, Herburger) 4:1. 24. Marco Müller 5:1. 30. Sallinen (Olofsson /Ausschluss Fazzini) 5:2. 53. Kessler 5:3. 57. (56:11) Haas (Kessler, Rajala) 5:4. 57. (56:53) Lööv (Haas) 5:5. – Penaltyschiessen: Kessler -, Müller -; Brunner 0:1, Fazzini -; Olofsson -, Granlund 1:1; Künzle -, Bennett -; Haas 1:2, Carr -. – Strafen: Lugano 2-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lugano ohne Arcobello, Connolly und Gerber (alle verletzt), Biel ohne Cunti, Hischier, Hofer, Rathgeb, Tanner (alle verletzt) und Säteri (krank). Biel von 58:30 bis 59:22 und ab 59:24 ohne Torhüter.
Lugano: Koskinen; Alatalo, Klok; Riva, Mirco Müller; Andersson, Guerra; Wolf; Bennett, Marco Müller, Granlund; Carr, Thürkauf (2), Patry; Fazzini (2), Morini, Josephs; Walker, Herburger, Zanetti; Vedova.
Biel (2): Van Pottelberghe (13.-20. Rytz); Schneeberger (2), Lööv; Jakowenko, Grossmann; Delémont, Forster; Christen; Reinhard, Haas, Olofsson; Kessler, Sallinen, Rajala (2); Brunner, Sheahan, Künzle (2); Froidevaux, Schläpfer, Stampfli; Bärtschi.

Rajala statt Cervenka

Bereits vor dem Spiel ist klar, heute ist ein Interview mit Liga-Topskorer Roman Cervenka geplant. Für die MySports-Rubrik „Insights“ soll der tschechische Ausnahmekönner nach dem Spiel in Biel über seine aktuelle Form auskunft geben. Die aktuelle Form Cervenkas bedeutet in Zahlen, 23 Skorerpunkte aus den letzten zehn Partien. Die SC Rapperswil-Jona Lakers haben in den letzten sieben Spielen nur einmal verloren, nämlich das einzige Spiel, in dem Cervenka nicht gepunktet hat.

In der 45. Runde, beim 69. Aufeinandertreffen zwischen Rapperswilern und Bielern soll der letztjährige Schweizer Liga-Topskorer und zweifache tschechische Liga-Topskorer (2010 und 2016) wieder nicht punkten. Vor dem Spiel sprücheln wir, mit Pressechef Andi Ruefer und Hausfotograf Stephan Kubacki, ein ehemaliger 2. Liga-Topskorer, im Presseraum „was wenn er einen Restausschluss erhält?“ Dies sei der einzige Fall, bei dem ich den Weltmeister von 2010 nicht interviewen könne.

Gesagt getan, Cervenka kassiert nach einem Schubser gegen den Linesman Eric Cattaneo in der achten Minute einen Restausschluss. Das wars, das Interview für die Sonntagssendung und das Spiel der Lakers gehen verloren. Dafür springt ein anderer Weltmeister in die Bresche: Biels Toni Rajala. Der Finne erzielt am Dienstag in Davos, nach 14 Spielen ohne persönlichen Torerfolg, den Game-Winner und trifft kurz nach Cervenkas Restausschluss, in der 14. Minute zum 2:0 und legt mit einer Vorlage zum 1:0 den Grundstein zum dritten Bieler-Sieg in Serie. Zu guter letzt, übernimmt der Finne auch noch Cervenkas Rolle als Interview-Partner.

3. Februar 2023 – 45. Runde

Biel – Rapperswil-Jona Lakers 3:0 (2:0, 0:0, 1:0)
Tissot-Arena. – 5’735 Zuschauer. – SR Stolc (Slk)/Hungerbühler, Cattaneo/Gurtner. – Tore: 1. (1:00) Sallinen (Hischier, Rajala) 1:0. 14. Rajala 2:0. 57. Olofsson (Hofer, Lööv) 3:0. – Strafen: Biel 4-mal 2 Minuten, Rapperswil-Jona Lakers 2-mal 2 Minuten plus Spieldauer (Cervenka). – Bemerkungen: Biel ohne Cunti, Forster und Sheahan (alle verletzt), Rapperswil-Jona Lakers ohne Alge, Elsener, Jensen (alle verletzt) und Jordan (überzähliger Ausländer).
Biel: Säteri; Rathgeb, Lööv; Delémont, Grossmann; Schneeberger, Yakovenko; Stampfli; Hofer, Haas (4), Olofsson; Hischier, Sallinen, Rajala; Brunner, Tanner (2), Künzle (2); Froidevaux, Schläpfer, Kessler; Bärtschi.
Rapperswil-Jona Lakers: Meyer; Noreau, Maier; Aebischer (2), Djuse; Vouardoux, Profico; Baragano; Aberg, Rowe, Cervenka (20); Moy, Schroeder, Wetter; Zangger (2), Albrecht, Lammer; Wick, Dünner, Forrer; Cajka.

Retro-Biel mit Meisterspiel

Zu Ehren der letzten Bieler Meistermannschaft aus der Saison 1982-83 empfängt der EHC Biel den HC Lugano, im 126. NL-Direktvergleich, im Retro-Jersey aus der glorreichen Zeit. Die Retro-Kampagne läuft bereits einen Monat zuvor auf Hochtouren, der Superstar aus der Saison 1982-83, Richmond Gosselin reist mit seiner ganzen Familie aus Übersee an. Solche Spiele gibts viel zu wenig, in der Schweiz gibts keine Geschichtskultur, die Hockey-Schweiz besitzt als einzige Top-8-Nation keine Hall-of-Fame und unsere Liga verfügt über kein Statistikportal, welches die Partie Biel – Lugano vor 40 Jahren ausspucken lässt.

40 Jahre

Biel und Lugano spielten bis auf einen Tag genau, es war am 4. Dezember 1982, in Biel gegeneinander. Lugano, welches erst zum zweiten Mal in der NLA-Geschichte in Biel gastierte, fügte den Seeländern ihre erste Heimniederlage zu, dank eines überragenden Torhüters Alfio Molina. Aus dieser Equipe finden 40 Jahre später 20 Mitglieder den Weg in die Tissot-Arena und werden in der ersten Drittelspause vor 6’000 Fans geehrt. Ihre Nachkommen liefern, trotz der Retro-Jerseys, ein miserables erstes Drittel und müssten eigentlich in Rückstand liegen. 40 Jahre nach Molina ist der Schlussmann auf der Gegenseite der Held: Der Finne Harri Säteri pariert, unter Beobachtung von Olivier Anken, alles was es zu halten gibt.

Es ist der Geist der 83er Meisterhelden, der den Puck nach einem Schuss von Damien Brunner, via Mirco Müllers Schlittschuh, ins Tor der Bianconeri ablenken lässt. Mit diesem Energieschub erhöhen die Seeländer zwei Minuten später durch eine herrliche Kombination, welche selbst die Meisterhelden nur selten erzielt hätten, durch Mike Künzle, Luca Hischier und Viktor Lööv auf 2:0 – der Rest ist auch 2022 Geschichte. Vom siegreichen Bieler Team 2022 war zum Zeitpunkt des letzten Bieler Titels erst ein Spieler auf der Welt: Beat Forster erblickte 17 Tage vor dem Titel, am 19. Februar 1983 in Arosa (5:2-Sieg), das Licht der Welt. Retro-Forster ist somit prädestiniert sich kurz vor der Kamera über Spiel und Retro zu äussern (siehe unten). Sein Trikot-Vorgänger Marco Koller, heute Teamleiter beim EHC Adelboden, hat Forster in der Kabine noch nicht getroffen, die Legenden besuchen direkt nach dem Spiel die Katakomben des Fanionteams.

Retro-Faszination

Solch ein Spiel – in Übersee eine Normalität – in der Schweiz eine Seltenheit, wird in Biel vorzüglich zelebriert an diesem 3. Dezember 2022, auch wenn die Bieler 40 Jahre zuvor in sechs Spielen nie im weissen Jersey gegen Lugano gespielt haben. Wie das? Biel trat in der Meistersaison bei Heimspielen jeweils im blauen adidas-Jersey an – und Lugano? Spielte in der alten Resega in weiss und damit der Gast aus dem Seeland wieder in blau. Die Meisterfeier gaben die Bieler, welche damals vier Runden vor Schluss den Titel bereits auf sicher hatten, im letzten Spiel jedoch ebenfalls in weiss. Und wer weiss, wann die Bieler ihre nächste Meisterfeier geben… ….wissen wir vielleicht in 40 Jahren.

3. Dezember 2022 – 28. Runde

Biel – Lugano 3:0 (0:0, 2:0, 1:0)
Tissot-Arena. – 6’075 Zuschauer. – SR Stolc (Slk)/Tscherrig, Gnemmi/Stalder. – Tore: 33. Brunner (Iakovenko, Rajala /Ausschluss Thürkauf) 1:0. 35. Lööv (Hischier, Künzle) 2:0. 44. Haas (Rathgeb, Hofer /Ausschluss Herburger) 3:0. – Strafen: Je 7-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Reinhard und Schneeberger (beide verletzt). Lugano ohne Walker (verletzt) und Kaski (überzählig). Lugano von 53:42 bis 59:15 und 59:35 bis 59:39 ohne Torhüter.
Biel: Säteri; Rathgeb, Lööv (2); Iakovenko, Grossmann (2); Delémont, Forster; Stampfli; Kessler, Sallinen, Rajala (2); Hofer, Haas (4), Olofsson; Brunner, Cunti (2), Künzle; Froidevaux (2), Schläpfer, Hischier; Tanner.
Lugano: Koskinen; Alatalo (2), Mirco Müller; Andersson, Riva; Wolf, Guerra; Villa; Connolly, Arcobello, Granlund (2); Zanetti, Thürkauf (4), Carr; Fazzini, Herburger (4), Marco Müller; Gerber, Morini, Josephs (2); Bedolla.

Wenn die NHL ruft

Wenn die National-Hockey-League ruft, dann ist das eine Ehre. Die Ehre wird dabei noch ehrenvoller, wenn es dabei um die schweizerischste Franchise aller Franchisen geht. Die New Jersey Devils aus dem gleichnamigen Bundesstaat ennet dem Hudson River beschäftigen Nico Hischier, Akira Schmid und Jonas Siegenthaler. Dies hätte sich nun keiner erträumt, der in den 90er Jahren auf der Sega-Mega-Drive die NHL-Spiele von EA-Sports Tag und Nacht durchgespielt hat. Damals war bereits Ken Baumgartner ein «Schweizer» und der erste echte NHL-Schweizer Pauli Jaks wurde ab NHL’95 selbst kreiert und bei den Los Angeles Kings länger als nur ein Drittel eingesetzt.

Kultsender Sportkanal

Im Alter von 45 Jahren ist sie also da, die Premiere als NHL-Live-Kommentator. Hätte ich dies dem 15-jährigen «Ich» von 1992 erzählt, hätte dieser den schon etwas älteren Herrn aus der Zukunft für einen Spinner gehalten. Damals gab es nur den guten, alten «Sportkanal», im NHL-Magazin führte Michael Schürmann, der wohl kompetenteste NHL-Kommentator aller Zeiten, in hervorragender Rhetorik durch die Highlights der faszinierenden und fernen Liga aus Übersee. Geschrieben wurde hierzulande zu dieser Zeit noch kaum über diese Liga, man musste, neben Schürmanns TV-Bildern, schon die «The Hockey News» abonnieren, um Up-to-Date zu sein.

Experte und Scout

Einer der diese ganze Entwicklungsgeschichte «Mittendrin, statt nur dabei» mitgemacht hat, ist der heutige Co-Kommentator und NHL-Scout Thomas Roost. Er weiss alles was man über jeden einzelnen Spieler wissen muss. Sein Werdegang ist ebenso faszinierend wie die schweizerische NHL-Entwicklung zwischen 1992 und 2022. Mit Roost an meiner Seite, musste nun das ganze Wissen der letzten 35 Jahre für dieses erste Spiel, am 19. November 2022, als «Schürmann im Westentaschenformat» gebündelt werden. Um 19 Uhr steigt sie also, die erste NHL-Partie, am rechten «Zürisee-Ufer» im schmucken Erlenbach. Die Devils gastieren in Ottawa bei den Senators, welche exakt vor 30 Jahren, 1992 ins Liga-Geschehen eingegriffen haben.

Teuflische Rekordjagd

Das schweizerische New Jersey steckt im zweitbesten Lauf aller Zeiten, würde die Serie von elf Siegen ausgerechnet heute Abend reissen? Es wäre ein Schönheitsfehler dieses für mich geschichtsträchtigen Abends. Der Franchise-Rekord von 13 Siegen stammt aus der Spielzeit nach dem zweiten Stanley-Cup 2000-01. Captain Hischier, welcher das erste Drittel durch einen Crosscheck Austin Watsons früher verlassen muss, führt die Devils zum zwölften Vollerfolg und trägt, zusammen mit Schmid und Siegenthaler, zu dieser Premiere mehr als nur erfolgreich bei.

Ottawa Senators – New Jersey Devils 1:5 (0:2, 1:2, 0:1)
Canadian-Tire-Center. – 18’881 Zuschauer. – SR Lambert (37)/Blandina (39), Alphonso (52)/Tobias (61). – Tore: 8. Haula (Zetterlund, Severson /Ausschluss Brunnström) 0:1. 16. Bastian (Wood, McLeod) 0:2. 23. Boqvist (Sharangovich, Siegenthaler) 0:3. 38. Brassard (Brännström, Giroux) 1:3. 40. Sharangovich (Hischier /Ausschluss McLeod!) 1:4. 58. McLeod (ins leere Tor) 1:5. – Strafen: Ottawa Senators 4-mal 2 Minuten, New Jersey Devils 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Ottawa ohne Chabot und Norris (beide verletzt), New Jersey ohne Bernier (verletzt). Ottawa ab 58. ohne Torhüter. Sharangovich*, Schmid** und Bastian*** (alle New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet.
Ottawa Senators: Forsberg (23. Talbot); Sanderson, Hamonic; Brännström (2), Zub; Holden, Bernard-Docker; Tkachuk, Stützle, Giroux; DeBrincat, Brassard (2), Joseph; Motte, Pinto, Batherson (2); Kelly, Gambrell (2), Watson.
New Jersey Devils: Schmid (Vanecek); Siegenthaler (2), Hamilton; Graves, Marion; Smith, Severson; Tatar, Hischier, Zetterlund; Haula, Hughes, Bratt; Sharangovich, Boqvist, Mercer; Wood, McLeod (2), Bastian.

Das vielseitigste Derby

Im Frühling 1963 fusionieren die beiden «Hockey-Clubs» Genève und Servette. Die zwei Nationalliga-B-Ligisten formieren sich um mit gemeinsamen Kräften den Aufstieg in die Nationalliga-A zu schaffen. In der Westgruppe der NLB spielt zu diesem Zeitpunkt auch der HC Lausanne und so steigt das erste Genfersee-Derby oder Lac-Leman-Derby, wie man es heute kennt, am 28. November 1963 in der Patinoire les Vernets, mit einem 4:2-Heimsieg der Grenats. Es ist der Startschuss des vielseitigsten Derby auf Schweizer Eis, denn kein anderes Derby ging bisher auf drei verschiedenen Bühnen übers Eis.

Wer in den späten 80ern und frühen 90ern gesagt hätte, 2022 spielen Genf-Servette und Lausanne in der Nationalliga-A, heute National-League, gegeneinander, hätte man die Person für verrückt erklärt. Zwischen 1985 und 1991 duellieren sich die See-Rivalen während vier Jahren in den Niederungen der 1. Liga und der hinteren Tabellenhälfte der NLB. Genfer und Lausanner steigen in ihren schwächsten Epochen sogar vier- (1981, 1986, 1989 und 1991) bzw. zweimal (1984 und 1986) in die 1. Liga ab.

Nie gemeinsam im Oberhaus

Trotz ruhmreicher Vergangenheit in der obersten Liga, Genf-Servette zwischen 1964 und 1975 und Lausanne zwischen 1941 und 1954, zwischen 1957 bis 1961 und zwischen 1978 und 1981 und als gemeinsamer Ausrichter der Eishockey Weltmeisterschaft 1961, steigt das erste Duell im Oberhaus erst im Playoff-Zeitalter, am 21. September 2002 in Genf – und wieder siegen die Servettiens (5:3). In bisher 64 NLA-Vergleichen führen die «Grenats» mit 40 zu 25 Siegen. Die Favoritenrolle gehört auch 2022 dem Fusionsclub von Genf und Servette, als Leader empfängt die Mannschaft von Jan Cadieux, dessen Vater Paul-André im 1. Liga-Duell die Lausanner 1988 zweimal bezwang, im 110. Duell über alle drei Ligen das zwölftplatzierte Lausanne.

Auch 59 Jahre nach dem ersten Vergleich steigt das Lac-Leman-Derby, an der gleichen, mehrfach renovierten Kultstätte in Genf. Das architektonische Meisterwerk von François Maurice, Jean Duret und Albert Cingria, wird im Dezember 1958 eröffnet. Im Januar 1959 macht sogar die National-Hockey-League halt an der Arve, an der Rue-Hans-Wilsdorf, benannt nach dem Rolex-Gründer. In zwei Showspielen stehen sich die Boston Bruins und die New York Rangers gegenüber.

Genfersee-Spektakel

Als Showspiel könnte man auch die neueste Ausgabe der vielseitigsten Derby-Affiche des Eishockeys bezeichnen. Zwei Restausschlüsse werden begleitet von drei Powerplay-Treffern, ein zweitore-Rückstand wird zweimal ausgeglichen und die Entscheidung fällt erst im Penaltyschiessen. Das Lac-Leman-Derby, wie es auch in der Deutschschweiz genannt wird, hält was es verspricht und geht zum 18. Mal in der Geschichte in eine Overtime. Dazu kommt John Fust’s letztes Spiel als Trainer, er wird am nächsten Tag, als neuer Sportchef, seinen Nachfolger an der Bande der Waadtländer gleich selber verkünden. Das vielseitigste Derby der Hockeywelt sorgt auch im jüngsten Kapitel am Genfersee für Spektakel.

LigaSpieleGenfRemisLausanne
NLA654025
NLB408725
1. Liga523
Total11050753
Statistik: eishockeyblog

5. November 2022 – 110. Derby

Genf-Servette – Lausanne 4:3nP (1:0, 1:1, 1:2, 0:0)
Les Vernes. – 7 135 Zuschauer (ausverkauft!). – SR Piechaczek/Borga, Altmann/Wolf. – Tore: 14. Rod (Hartikainen, Filppula /Ausschluss Sekac) 1:0. 30. Hartikainen (Winnik, Filppula/Ausschluss Jelovac) 2:0. 32. Jelovac 2:1. 41. (40:34) Omark (Tömmernes, Filppula/Ausschluss Almond) 3:1. 46. Riat (Holdener, Fuchs) 3:2. 60. (59:11) Riat (Gernat, Kovacs) 3:3 (Lausanne ohne Torhüter). – Penaltyschiessen: Fuchs 0:1, Winnik 1:1; Riat -, Hartikainen 2:1; Kovacs -, Tömmernes -; Sekac -, Praplan 3:1. – Strafen: Genf-Servette 2-mal 2 plus 5 Minuten (Karrer) plus Spieldauer (Karrer), Lausanne 5-mal 2 plus 5 Minuten (Hügli) plus Spieldauer (Hügli). – Bemerkungen: Genf-Servette ohne Descloux, Pouliot, Smons und Vatanen (alle verletzt). Lausanne von 58:00 bis 59:11 ohne Torhüter.
Genf-Servette: Mayer; Jacquemet, Tömmernes (2); Karrer (25), Maurer (2); Völlmin, Le Coultre; Chanton; Miranda, Filppula, Winnik; Hartikainen, Richard, Rod; Praplan, Smirnovs, Omark; Antonietti, Jooris, Bertaggia; Derungs.
Lausanne: Punnenovs; Gernat, Genazzi; Jelovac (2), Frick; Sidler, Marti; Holdener; Riat, Fuchs, Sekac (2); Bozon, Jäger, Salomäki; Kovacs, Audette, Panik; Hügli (25), Almond (2), Kenins (4); Pedretti.

Amerika git’s nid

Bis Ende der 90er Jahre ist die National-Hockey-League von der Schweiz so weit entfernt, wie einst Amerika für «Colombo», wie 1994 im Züri-West-Song «Amerika git’s nid» von Kuno Lauener passend umgesetzt. Nur wenige Schweizer Journalisten erleben die sogenannte «Belle-Epoche» der NHL und kehren mit leuchtenden Augen aus Amerika zurück, doch niemand weiss so richtig ob’s dieses «Amerika» so wirklich gibt, nichts beschreibt dies treffender als Züri-West’s Refrain: „Amerika git’s nid, sie hei’s gar niä gfungä – Amerika git’s nid, das isch nume ä Gschicht – Amerika git’s nid, aues glogä u erfungä – Amerika gits nid, Amerika isch nume es Grücht.“ Erst im Januar 1995 wird das Gerücht durch die Pionierleistung von Pauli Jaks zur Geschichte.

2022 und 43 Schweizer NHL-Spieler später weiss jeder, das es das mythische «NHL-Amerika git» und wie. Heute ist die NHL allgegenwärtig und der Traum jedes Hockeytalents – und sie gastiert bereits zum sechsten Mal in der Schweiz, die European-Tour von 1959 in Genf und Zürich nicht mit eingerechnet. Und wenn «Amerika» in Europa gastiert, ist alles anders. Sämtliche Zweifel in Lauener’s Refrain werden auf einen Schlag ausgeräumt. Die Medien-Akkreditierung wird durch eine Schwedin administriert: «Sorry i’m from Sweden», sagt sie nach meiner berndeutschen Frage.

Selbst die treuesten SCB-Funktionäre dürfen das Training der prominenten Gäste in der PostFinance Arena nicht besuchen und der heimische SC Bern wird beim Sonntagstraining aufs unterirdische Trainingsfeld degradiert. Die Nashville Predators trainieren ab 11 Uhr, während 30 Minuten auf dem Hauptfeld der Arena, ehe sie ihre Eisschicht vor geschlossenen Türen und Vorhängen in der Trainingshalle fortsetzen. Neben dem «besenreinen Stadion», Nachwuchskabinen inklusive und dem kompletten Wechsel sämtlicher Sponsoren, sowie dem Grossteil der Stadioneinnahmen, werden auf dem grösseren Eisfeld sogar die Bully-Kreise neu gezeichnet, damit der Winkel für die NHL-Goalies stimmt. Für den Berner Schlussmann Philip Wüthrich, spielt dies aus Sicht «Amerikas» keine Rolle. Während des Spiels scheint dies für den hervorragend spielenden Wüthrich tatsächlich keine Rolle zu spielen – er pariert Schuss um Schuss und wird zurecht als drittbester Spieler der Partie ausgezeichnet.

NIEDERREITER
JOSI

Der Rummel um und in der Arena ist der absolute Wahnsinn, alles was Rang und Namen hat – und alles was nicht Rang und Namen hat – tummelt sich im langsamen Schritt-Tempo durch die Tribünengänge. Jeden Meter kennst du irgendjemanden aus dem Hockeyumfeld und selbst Nashvilles General-Manager David Poile oder Triple-Gold-Club-Legende Peter Forsberg gehen in diesem Tohuwabohu unter. Im «Bärengraben» tummeln sich nach dem Spiel über 100 Journalisten wie in einem Ameisenhaufen, dennoch behalten die Medien-Verantwortlichen beider Seiten den Überblick. Das unerreichbare Amerika, welches vor 30 Jahren nur vom Hörensagen durch eine Handvoll Pioniere nach Drehbuch und Hollywood gerochen hat, ist nun da – und wie. «Amerika git’s» und dies allen Belangen anlässlich seines bereits zwölften Einzel-Auftritts auf Schweizer Eis.

Die sportliche Kontrolle auf dem Eis übernimmt zunächst aber nicht Amerika, sondern der Gast im eigenen Stadion und geht mit 1:0 in Führung. Ab der 27. Minute schlägt die teuerste Angriffsreihe Nashvilles, 21.5 Millionen Saisonverdienst, mit Duchene-Granlund-Forsberg gleich doppelt zu. Zweimal trifft auch Berns verlorener Sohn Roman Josi. «Wie nach Drehbuch» meint mein Sitznachbar der deutschen Eishockeynews und NHL-Kenner Joël Wüthrich, ich entgegne das «kontroverse Duell»* mit einem «Nein», wie einst in der gleichnamigen Slapshot-Rubrik* zwischen Wüthrich und Klaus Zaugg. Apropos Zaugg, der beim SCB äusserst «beliebte» Chronist findet kurz vor Spielbeginn auf der Medientribüne seinen Sitzplatz nicht: «I ha niene ä Platz», der SCB habe ihm einen Medienplatz verwehrt, entpuppt sich aber als «gloge u erfunge u isch nume es Grücht» – aber Amerika git’s!

Mikael Granlund, Nino Niederreiter und Matt Duchene vor dem nächsten Einsatz gegen den SCB. (Kein)