Faszination Spenglercup

Spenglercup-Sieger Spartak Moskau im orange-blauen Escor-Trikot. (Krein Archiv)

Wenn du dich im Kindesalter frisch mit Eishockey befasst, kommst du nicht um den Spenglercup herum. Was gab es damals schöneres als in der Altjahrswoche an einem verschneiten Weihnachtstag den TV einzuschalten und den Spenglercup zu schauen, besonders cool fand ich wenn die Sonne durch die Hallenfenster noch aufs Eis schien. Meistens waren wir zum Turnierauftakt bei den Grosseltern zum weihnächtlichen Besuch und «Grossmutters Stube» wurde ab 16 Uhr zum Pilgerort für die ganze Familie. Am interessantesten waren jeweils die neuen Teilnehmer, welche noch nie zuvor in Davos zu sehen waren, wie etwa Spartak Moskau in «orange-blau», der Mannheimer ERC in «pink-schwarz», oder Malmö IF mit Werbepartner «Sonntagszeitung.»

Als Fan ausländischer Teams, konnte ich zu meinem Ärger diese Spiele, auswärts bei den Grosseltern, nicht gleichzeitig zuhause aufzeichnen und da niemand wusste wie man den Videorekorder programmiert, erst recht nicht. So wurden die adidas-Trikots jeweils direkt vom Fernseher abgezeichnet oder die Mannschaftsaufstellungen abgeschrieben, was für eine Aufregung und aus heutiger Sicht die pure Hockey-Romantik. Das höchste aller Gefühle vermittelten aber die beiden Kanadier meines Stammclubs, welche sich im Dezember 1989 aus der Provinz direkt ins internationale Rampenlicht spielten.

Erstmals in Davos

Allerdings verpassten Mitch Lamoureux und Don Dietrich mit Team Canada überraschend das Endspiel. Drei Mannschaften waren Punktgleich und so wurde das Torverhältnis aus den Direktbegegnungen massgebend. Der 63. Spenglercup bleibt aber auch deshalb in bester Erinnerung, weil ich am zweiten Spieltag mit meinem Grossvater für einen Tag mit dem Car ins Landwassertal mitreisen durfte. Bei Nacht und Nebel ging’s los und bei Nacht und Nebel ging’s zu Ende. Was für ein Abenteuer, welches fast 24 Stunden gedauert hat. Den ersten Zwischenstopp gabs an der Raststätte Glarnerland und vor der Nachmittagspartie gabs im Haus Rhätikon, direkt bei der Ausseneisbahn, noch eine warme Suppe.

Endlich kam der grosse Moment, der Einmarsch in die Davoser Eissporthalle: Die Dachkonstruktion, eine imposante Erscheinung für jeden zwölfjährigen, dazu die Stars, welche gestern noch am TV-Bildschirm zu sehen waren, in Echt zum greifen nah. Für den HC Davos Selection wars nach der Auftakt-Niederlage am Vorabend schon eine wegweisende Partie und dies gegen Titelverteidiger USA-Selects. Im Tor der Bündner stand der 18-jährige «Junior» Nando Wieser. Derselbe Goalie welcher beim Saisonauftakt des NLA-Absteigers drei Monate vorher, in der Nationalliga B, in der Provinz meines Stammclubs mit 4:2 geschlagen wurde. Dennoch gefiel mir der junge Goalie mit dem Itech-Plexiglas am Jofa-Helm, welcher beim Stand von 2:8 ausgewechselt wurde. Dieser Goalie wird später, zusammen mit meinem Moskito-Teamkollegen Fredy Zwahlen eine Garage in der Provinz führen.

Erstbesuch unerreicht

Prägend blieb der erste Besuch am bekanntesten Klubturnier der Welt bis heute unvergessen. Später folgten zwei weitere Besuche welche rein sportlich wohl höher zu werten waren, jedoch der Faszination des Erstbesuches nie das Wasser reichen konnten. In einem Tagesausflug waren es am 28. Dezember 1992 die Spiele Freiburg-Gottéron Selection gegen Färjestads (5:7) und ZSKA Moskau gegen Team Canada (5:3). Selbst der Besuch zehn Jahre später als geladener VIP-Gast, mit Übernachtung im Hotel Bristol mit Häppchen und Cüpli im beheizten Zelt, blieb mit den Partien Team Canada gegen Turku (4:3) und Davos gegen Köln (5:2) rein emotional unter meinen Erwartungen.

Was mir stets missfiel, dass das Davoser Freundschaftsturnier jeweils medial mehr als eine Weltmeisterschaft abgefeiert wurde und bis heute weit über dem sportlichen Wert präsentiert worden ist. In den neunziger Jahren lief währenddessen, meistens in Düsseldorf, mit dem Europa-Cup-Final das beste Klubturnier Europas in der Schweiz nur als Randnotiz. Vielleicht auch deshalb weil sich unsere Landesmeister ab 1993 nicht mehr dafür qualifizieren konnten. Traditionellerweise bleibt der Spenglercup trotzdem bis in alle Ewigkeit Kult, denn das Einladungsturnier hat noch jeden europäischen Wettbewerb überlebt.

Der 63. Spenglercup, 1989

27. Dezember 1989

Davos Selection – USA Selects 3:9 (0:1, 2:5, 1:3)
Eissporthalle. – 7’000 Zuschauer. – SR Moreno, Höltschi/Schmid. – Tore: 2. Hiltner (Lavarre) 0:1. 21. Fritsche (Hughes) 0:2. 21. Nilsson (Rosenast) 1:2. 25. Costello (Toomey) 1:3. 28. MacSwain (Sasso) 1:4. 29. Toomey (Galiani, Fritsche) 1:5. 33. Nethery (Lawless, Terry) 2:5. 38. MacSwain (Costello) 2:6. 43. Caplan (MacSwain) 2:7. 43. Erickson (Galiani) 2:8. 50. Nilsson (Gagnon /Ausschluss Otto) 3:8. 56. Crawford (Costello, Moore) 3:9. – Strafen: Davos Selection 3-mal 2 Minuten, USA Selects 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: 22. Tor von Terry annulliert (Torraumbehinderung). 39. Pfostenschuss Fritsche. Terry (Davos) und MacSwain (USA) als beste Spieler ausgezeichnet. 
Davos Selection: Wieser (44. Buriola); Poulin, Naud; Gagnon Peter Andersson; Campbell, Simonet; Laine, Malinowski, Hänggi; Rosenast, Yates, Nilsson; Hofmann, Terry, Lawless; Winistörfer, Nethery, Lüthi.
USA Selects: Blue; Hughes, Otto; Bill Schafhauser, McColgan; Marshall, Caplan; Fritsche, Galiani, Erickson; Lavarre, Erdall, Hiltner; Crawford, Costello, Moore; MacSwain, Sasso, Toomey.

Färjestads Jan Ingman, noch in den Meisterschafts-Stulpen mit Sparbanken-Werbung, beunruhigt Spartak Moskaus Abwehr. (Krein Archiv)

Färjestads BK – Spartak Moskau 3:4 (2:2, 0:0, 1:2)
Eissporthalle. – 5’700 Zuschauer. – SR Vögtlin, Peter Kunz/Stalder. – Tore: 1. Mischukow (Tkatschuk) 0:1. 11. Lars Karlsson (Ottosson, Lundh) 1:1. 13. Fokin (Borschtschewski /Ausschluss Roupé) 1:2. 14. Lundh 2:2. 47. Loob (Ingman) 3:2. 54. Fokin (Borschtschewski /Ausschluss Andersson) 3:3. 59. Tkatschuk (Barkow) 3:4. – Strafen: Färjestad 6-mal 2 Minuten, Spartak Moskau 5-mal 2 Minuten.
Färjestads BK: Bergman; Peter Andersson II, Jacob Karlsson; Artursson, Samuelsson; Duus, Berglund; Loob, Gustafsson, Ingman; Ottosson, Rundqvist, Lundh; Holmberg, Lars Karlsson, Roupé.
Spartak Moskau: Marjin; Tschistjakow, Tjurikow; Fokin , Jaschtschin; Tjutikow, Usanow; Mischukow, Schipitsin, Tkatschuk; Borschtschewski, Salomatin, Prochorow; Ageikin, Barkow, Wolgin; Zinin, Gulin, Martinow.

Die weiteren Partien

26. Dezember: Spartak Moskau – Team Canada 4:1 (2:0, 0:0, 2:1), Davos Selection – Färjestad 5:7 (1:2, 2:3, 2:2); 28. Dezember: Team Canada – Färjestad 7:5 (2:2, 1:2, 4:1), Spartak Moskau – USA Selects 7:3 (2:0, 4:2, 1:1); 29. Dezember: Davos Selection – Spartak Moskau 7:6 (5:2, 2:1, 0:3), Team Canada – USA Selects 6:8 (2:1, 4:2, 0:5); 30. Dezember: Färjestad – USA Selects 6:3 (3:0, 2:1, 1:2), Davos Selection – Team Canada 2:5 (0:3, 2:0, 0:2); 31. Dezember, Final: Spartak Moskau – Färjestad 5:3 (1:1, 4:0, 0:2)

Rangliste

1. Spartak Moskau (SU)421:146
2. Färjestads BK Karlstad (Sd)*421:194
3. Team Canada*419:194
4. USA Selects*423:224
5. HC Davos Selection (Sz)417:272
*Torverhältnis in den Direktbegegnungen: Färjestad +1, Team CAnada 0, USA Selects -1

All-Star-Team: Alexei Marjin (Spartak Moskau); Sergej Fokin (Spartak Moskau), Brad Schlegel (Team Canada); Hakan Loob (Färjestad), Bengt-Ake Gustafsson (Färjestad), Alexej Tkatschuk (Spartak Moskau)

Topskorer: Lane Lambert (Canada), 9 Punkte (6 Tore, 3 Assists)

Nachhaltigkeit des 89er Spenglercups

Peter Andersson ist später Assistent in Langnau und bei den GCK Lions
Peter Andersson II spielt später in Lugano und sein Sohn Calle als «Schweizer» ebenfalls in der National-League.
Alexander Barkow sein Sohn Aleksandr ist später Dollar-Millionär in der NHL bei den Florida Panthers.
Bengt-Ake Gustafsson ist später Trainer in der Schweiz und sein Sohn Anton als «Schweizer» ebenfalls.
Martin Hänggi beeindruckt mich Jahre später bei Swiss-Ice-Hockey in Flims und Lyss als Eislaufcoach.
Daniel Naud ist später Assistent in Biel.
Kent Nilsson sein Sohn spielt später ebenfalls als «Schweizer» für die ZSC Lions.
Peter Ottosson spielt später für Kloten.
Nando Wieser spielt später ein Jahr in Lyss und ist heute Garagist in der Seeländer Hockey-Provinz.
Willi Vögtlin liefert mir später den Wein und ist als Spielplan-Chef an zahlreichen Spielen der National-League anzutreffen.

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