NHL Challenge Epson-Cup 1990

Wie faszinierend ist das denn. Die National-Hockey-League gastiert in Düsseldorf. Was hätte ich damals für dieses Live-Erlebnis gegeben. St. Louis‘ Steve Tuttle pflügt sich in vollem Tempo durch die Düsseldorfer Gegenwehr mit Peter Hejma und Andreas Brockmann, in den türkisfarbenen Epson-Jerseys. Einzig das Schweizer Eishockeymagazin SLAPSHOT (Nr. 1, September 1990) vermittelt mir diesen Hauch der Superlative:

Im Rahmen des Epson-Cups 1990 gastierten in Düsseldorf gleich zwei NHL-Mannschaften. Der frisch gebackene Stanley-Cup-Sieger aus Edmonton sowie die St. Louis Blues. In Direktduell zwischen den beiden NHL-Teams fegten die Blues die Edmonton Oilers mit einer 10:1-Packung buchstäblich vom Eis. Für die Düsseldorfer gab es Ehrenresultate. Zum ersten Mal in der Geschichte, spielte mit der Düsseldorfer EG eine westeuropäische Mannschaft gegen waschechte NHL-Teams. Die Resultate sind Ehrenmeldungen: Die Düsseldorfer unterlagen den Edmonton Oilers bloss 0:2 und den St. Louis Blues 1:3. allerdings waren sie in der Saisonvorbereitung wesentlich weiter als ihre prominenten Gegner: Edmonton und St. Louis bestritten in Düsseldorf ihre Saisonspiele eins und zwei, die DEG stand nach zehn Vorbereitungsspielen und zehn Siegen nahezu im Vollsaft, immerhin fand der Epson-Cup eine Woche vor dem Bundesliga-Start statt.

Trotz knappen Resultaten chancenlos

Die Düsseldorfer hatten allerdings trotz den knappen Resultaten nie den Hauch einer Chance. Wohl waren sie dank läuferischer Klasse, guter Organisation und strikter Disziplin optisch ein nahezu gleichwertiger Gegner. Aber in die Abschlussgünstigen Räume vor das gegnerische Tor vermochten sie nicht einzudringen. In dieser Zone waren die NHL-Verteidiger, alleine schon von der Rohkraft her eine Nummer grösser als europäische Abwehrspieler, uneingeschränkte Herrscher.

In 28 Minuten Überzahl keinen Treffer

Selbst nahezu während 28 Minuten Überzahlspiel brachten die Deutschen in den zwei Partien gegen Edmonton und St. Louis keinen Treffer zustande. Die deutsche Härte, an WM-Turnieren oft besungen, war für die NHL-Haudegen mehr oder weniger eine Streicheleinheit. Die DEG, unter dem neuen Trainer Hans Zach, dürfte eine der physisch und psychisch stärksten Mannschaften Westeuropas sein. Der deutsche Meister bewies immerhin, dass auch ein westeuropäisches Team gegen NHL-Gegner kein Kanonenfutter ist.

(Andreas Menzel)

«Wir hatten keinen Spaziergang erwartet, wir wussten, wie gut der Gegner vor allem läuferisch sein würde. Wir haben aber weder unseren Stil gespielt noch unsere normale Leistungsstärke erreicht, vor allem vom physischen Engagement her haben wir nicht unser ganzes Potential ausgespielt. Vielleicht nur knapp 50 Prozent.»

— Mark Messier

«Schulreisli» mit 160 Personen

Die Nordamerikaner selbst schätzen das Gastspiel in erster Linie als «Schulreisli» ein, sie durften Frauen oder Freundinnen mit nach Europa nehmen, der gesamte Tross der Blues und Oilers umfasste 160 Personen. St. Louis reiste von Düsseldorf wieder zurück in die Heimat, Edmonton blieb noch eine Woche in Europa, absolvierte ein Trainingslager in Seefeld und spielte in Graz gegen den EC Graz.

Die Düsseldorfer Andreas Brockmann und Peter Hejma (links) attackieren St. Louis‘ Steve Tuttle. (SLAPSHOT)

6. September 1990

Düsseldorfer EG – St. Louis Blues 1:3 (1:1, 0:0, 0:2)
Brehmstrasse. – 5’800 Zuschauer. – SR Schnieder (De). – Tore: 6. Brind’Amour (Brown, Stevens) 0:1. 18. Willmann (Gerd Truntschka, Amann) 1:1. 52. Hull (Oates) 1:2. 55. Geoff Courtnall (McLean, Brind’Amour) 1:3. – Strafen: Düsseldorf 2-mal 2 Minuten, St. Louis Blues 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Düsseldorf ohne Bernd Truntschka (verletzt), St. Louis Blues ohne Featherstone, Snepsts, Wilson und Raglan (alle überzählig).
Düsseldorf: De Raaf; Hiemer, Schmidt; Niederberger, Amann; Sterflinger, Kreutzer; Lee, Valentine, Werner; Hegen, Gerd Truntschka, Flemming; Willmann, Brockmann, Kasper; Hejma, Scholz, Schulz.
St. Louis Blues: Riendeau (41. Hebert); Stevens, Jeff Brown; Dirk, Paul Cavallini; Roberts, Tilley; Momesso, Oates, Hull; Lowry, Tuttle, Rich Sutter; Courtnall, Brind’Amour, McLean; Gino Cavallini, Ronning, Chase.

7. September 1990

St. Louis Blues – Edmonton Oilers 10:1 (2:0, 3:1, 5:0)
Brehmstrasse. – 5’000 Zuschauer. – Tore: Courtnall (4), Jeff Brown, Tuttle, (2), Rich Sutter (2), Brind’Amour; Lamb. – Strafen: St. Louis Blues 5-mal 2 plus 5 Minuten (Rich Sutter), Edmonton Oilers 5-mal 2 plus 5 Minuten (Anderson)

Dieter Hegen und Gerd Truntschka beschäftigen die Oilers-Abwehr mit Craig Muni und Mike Greenlay. (Horstmüller GmbH)

8. September 1990

Düsseldorfer EG – Edmonton Oilers 0:2 (0:0, 0:1, 0:1)
Brehmstrasse. – 8’125 Zuschauer. – SR Ondertoller (De). – Tore: 37. Messier (Simpson) 0:1. 49. Joseph (Messier, Anderson) 0:2. – Strafen: Düsseldorf 4-mal 2 plus 10 Minuten (Kreutzer); Edmonton Oilers 10-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Düsseldorf ohne Bernd Truntschka (verletzt), Edmonton ohne Gelinas und Tikkanen (beide verletzt) und Ranford, Lowe, Currie (alle überzählig).
Düsseldorf: De Raaf; Hiemer, Schmidt; Niederberger, Amann; Sterflinger, Kreutzer; Lee, Valentine, Werner; Hegen, Gerd Truntschka, Flemming; Willmann, Brockmann, Kasper; Hejma, Scholz, Schulz.
Edmonton Oilers: Reddick (30. Greenlay); Joseph, Muni; Steve Smith, Beukeboom; Gregg, Huddy; Anderson, Messier, Simpson; Lamb, Murphy, Graves; MacTavish, Linseman, Semenov; Geoff Smith, Ruzicka, Brown; Klima.

Epson-Cup-Ticket Spiel 3: DEG – Edmonton Oilers. (Axel Dubelowski)

Die St. Louis Blues gewinnen die erste Austragung des Epson-Cups. Neben dem Topskorer des Turniers stellen die Blues auch vier Spieler im All-Star-Team. Stanley-Cup-Sieger Edmonton enttäuschte beim 1:10 gegen seinen Liga-Konkurrenten.

1.St. Louis Blues220013:24
2.Edmonton Oilers21013:102
3.Düsseldorfer EG20021:50

All-Star-Team

Helmut de Raaf (DEG); Geoff Smith (Oilers), Kevin Stevens (Blues); Brett Hull (Blues), Brind’Amour (Blues), Geoff Courtnall (Blues)

Der Oilers-Tross dislozierte anschliessend via Seefeld nach Graz und München um dort zwei weitere Partien gegen den österreichischen Spitzenclub Graz und gegen Hedos München zu absolvieren. Die Schweizer-Vertreter haben dieses Spektakel enttäuschenderweise verpasst. Verpasst haben dies auch, trotz allen finanziellen Möglichkeiten inklusive einer hochmodernen Arena, die Devils Mailand mit ex-Oiler Jari Kurri.

14. September 1990

EC ATSE Graz – Edmonton Oilers 3:12 (0:3, 0:4, 3:5)
Liebenau. – 5’000 Zuschauer. – SR Korentschnig, Eiger/Pammer (alle Ö). – Tore: 3. Anderson 0:1. 10. Anderson 0:2. 20. Graves 0:3. 22. Brown 0:4. 31. Lamb 0:5. 36. Geoff Smith 0:6. 38. Currie 0:7. 44. Simpson 0:8. 49. Groulx 1:8. 49. Ruzicka 1:9. 50. Simpson 1:10. 52. Havasi 2:10. 53. Semenov 2:11. 59. Sivec 3:11. 60. Brown 3:12.
Graz: Rudman; Dorn, Geiger; Doyle, Havasi; Kompajn, Bidovec; Gardner, Peter Znenahlik, Szybisti; Sivec, Groulx, Nachbaur; Mezei, Prat, König; Loibnegger, Walter Znenahlik, Gross.
Edmonton Oilers: Ranford (30. Greenlay); Gregg, Lowe; Joseph, Muni; Beukeboom, Steve Smith; Anderson, Messier, Simpson; Semenov, Ruzicka, Lamb; Murphy, Graves, Klima; Brown, Linseman, Gelinas.

15. September 1990

EC Hedos München – Edmonton Oilers 4:8 (0:3, 2:2, 2:3)
Olympiapark. – 6’300 Zuschauer (ausverkauft!). – SR Radosai, Pfahler/Winklmeier (alle De). – Tore: 7. MacTavish (Anderson) 0:1. 10. Currie (Geoff Smith) 0:2. 13. Brown (Messier, Steve Smith) 0:3. 23. Messier (MacTavish) 0:4. 31. Currie (Murphy, Messier) 0:5. 33. Berry (Hodgson) 1:5. 39. Funk (Baier) 2:5. 41. Klima (Graves, Anderson) 2:6. 50. Berry (Betz, Hodgson) 3:6. 58. Berry (Hodgson) 4:6. 58. Ruzicka (Semenov, Steve Smith) 4:7. 59. Semenov (Lamb) 4:8. – Strafen: Edmonton Oilers 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Hedos München ohne Kaminski (verletzt), Edmonton Oilers ohne Gelinas, Tikkanen (beide verletzt), Greenlay, Gregg und Simpson (alle überzählig).
Hedos München: Zankl (31. Meister); Denisiuk, Stumpf; Gailer, Grzesiczek; Berndaner (C), Heinold; Berry, Hodgson, Betz; Steiger, Maj, Volland; Vanik, Langlois, Funk; Sterflinger, Baier, Andrysek.
Edmonton Oilers: Ranford (31. Reddick); Steve Smith, Beukeboom; Joseph (2), Lowe; Huddy, Geoff Smith; Muni (2); Murphy, Graves, Klima; Lamb, Anderson, Messier (C); Linseman, Semenov, Currie, MacTavish (2), Brown, Ruzicka.

TeamSPSNTore
St. Louis Blues22013:2
Edmonton Oilers43123:17
EC Hedos München1014:8
Düsseldorfer EG2021:5
EC ATSE Graz1013:12

Quellen: „Düsseldorfer EG – Aus alten Zeiten – 1935 bis 2006“ (facebook-Gruppe), Eishockey-Magazin (De), Slapshot Magazin (Sz), Sport-Zeitung (Sz)