NHL International-Challenge 1998

Mannschaften:
Tampa Bay Lightning (1 Spiel)
Buffalo Sabres (1 Spiel)
VEU Feldkirch
Klagenfurter AC

Die National Hockey League gastierte mit der «International Challenge» in Innsbruck

Von Werner Schweizer

INNSBRUCK – Die Tampa Bay Lightning und die Buffalo Sabres trugen 3 Vorbereitungsspiele in Österreich aus. Der NHL-Tross wurde bestaunt – und staunte über die Alte Eishockeywelt.

Der Musikantenstadl der Lederhosen hat die Olympia-Eishalle in letzter Zeit schon gefüllt, in ein paar Tagen traben die Lippizaner der spanischen Hofreitschule ein. Aber Eishockey? Vor sieben Jahren, erinnern sich Fachleute, feierten die Innsbrucker mit Trainer Miro Berek einen wichtigen Sieg in der Alpenliga gegen den HC Mailand. Noch früher wirkte hier der ehemalige Schweizer Nationalcoach Ruedi Killias. Heute schwärmen die «Haie» aus, die Innsbrucker Piccolos. Die einst stolze Bewegung mit der «Kampfmannschaft» ist pleite gegangen. Die Junioren schwenken Fahnen mit dem NHL-Logo. Sie empfangen die beiden Gastklubs aus der National-Hockey-League, die ein höchst offizielles «Preseason-Game» austragen.

Rund um das Kassahäuschen haben die Abgesandten der besten und schönsten Liga der Welt eine Budenstadt für ihre Werbebotschaft errichtet, die lautet: «The coolest game on earth.» Kinder und Junggebliebene lassen die Wucht ihres Slapshots elektronisch messen. Der riesige silberne Wanderpokal des Stanley-Cups hat ein eigenes Zelt erhalten und wird scharf bewacht: Nach ausgedehnten Siegesfeiern war er auch schon verschwunden.

Viel Prominenz in noch mehr Rauch

An den Wänden der angegilbten Wandelgänge der Arena prangen die Fotos der Winterspiele von 1964 und 1976. Und der Look der Ordner ist auch aus dieser Zeit. Im Stadion mit der eigenwilligen Architektur und den Tribünen auf den Längsseiten kommt schon in der ersten Pause Dunst auf. Verglichen mit der ungebremsten Rauchproduktion der über 7’000 Zuschauer wirkt das Zürcher Hallenstadion selbst im dritten Drittel eines Derbys wie ein Hort der Frischluft. Gegen Spielschluss sind die oben an der Stirnseite neben der Matchuhr thronenden Chefs der Tampa Bay Lightning nur noch schemenhaft zu erkennen.

Glückliches Österreich – die NHL macht ihre Aufwartung mit fast der gesamten Chefetage und zwei Mannschaften, die den ersten Teil des Trainingscamps sowie drei Spiele absolvieren. Die lokale Politprominenz ist vom Auftritt und dem PR-Effekt angetan. Landeshauptmann Wendelin Weingartner stolziert in einem Dress der Buffalo Sabres herum. Die NHL-Vizepräsidenten Stephen Solomon und Ellis Prince werden am Freitag zum Handshake mit dem Skiverbandspräsidenten Peter Schröcksnadel auf den Patscherkofel verfrachtet.

Der Kommunikationsdirektor Arthur Pincus weibelt derweil gestresst durch die Anlage. Die Gäste haben sich schon in Feldkirch amüsiert-schockiert gezeigt über den Zustand der Eishockey-Infrastruktur in Europa. Sie sind sich eigentliche Eispaläste gewohnt. Für die zur Pingeligkeit neigenden NHL-Logistiker ist es wirklich ein Trip in die Alte Welt. Der Tross von 300 Personen, die sich eine Woche zwischen Feldkirch und Klagenfurt verschoben, lässt ermessen, dass der finanzielle Aufwand gegen zwei Millionen Franken tendierte. Der bekannte Promotor Karl Hofer organisierte vor der «NHL International Challenge» einmal eine ähnlich ambitionierte Veranstaltung – ein Skispringen in New York.

Hasek, Fäuste und gestohlene Stöcke

Auf dem Eis gehören die Sympathien ohne Zweifel dem tschechischen Olympiasieger Dominik Hasek, der in der NHL auch zum besten Goalie (Vezina-Trophy) und zum wertvollsten Spieler (Hart-Trophy) der vergangenen Saison gewählt wurde. Auf der andern Seite hat Tampa Bay kaum attraktive Spielernamen zu bieten. Der Applaus auf den Rängen steigert sich erst bei besonders krachenden Chacks oder Ansätzen von Keilereien. Das Publikum verhält sich in Innsbruck kaum anders als in Nordamerika. Offiziell ist Fighting verpönt, aber in der Hitze der Nacht gehören die Kämpfe halt immer noch dazu. Es wird nach NHL-Regeln gespielt. Die rote Mittellinie hat ihre frühere Bedeutung in der NHL noch. Insgesamt sind Wucht und Härte nach einer Woche Eistraining bereits auf einem weitaus höheren Standard als in den europäischen Meisterschaften. Wer als Verteidiger nicht mindestens 1,90 m misst, darf sich keine Aussichten auf einen Platz machen.

Dies erfuhren auch die beiden österreichischen Spitzenklubs Feldkirch und Klagenfurt, die in ihren Vergleichen mit der NHL chancenlos blieben. Den direkten Vergleich, der in lokalen Kabelnetzen in Florida und New York direkt übertragen wurde, gewann der «Blitz» aus Tampa 3:1 und kassierte das Preisgeld von 50’000 Dollar. Dafür fehlten bei der Rückreise 50 Stöcke, die aus der Halle entwendet worden waren.

Die Organisatoren und NHL-Vizepräsident Stephen Solomon zeigen sich mit der Resonanz dieser Woche mehr als zufrieden. Die Österreicher hoffen deshalb auf eine Partnerschaft mit der Liga und das nächste Mal auf ein offizielles Punktspiel. Ähnliche Hoffnungen machen sich allerdings auch Stadienbetreiber in anderen Grossstädten. Die Interessenten aus der Schweizer Nationalliga für die Präsentation eines NHL-Klubs haben bisher vor den immensen Kosten kapituliert.

15. September 1998

VEU Feldkirch – Tampa Bay Lightning 1:4 (0:1, 0:2, 1:1)
Vorarlberghalle. – 5’640 Zuschauer. – SR Walkam, McCourt/Pare (alle NHL). – Tore: 7. Janney 0:1. 26. Kubina (Janney) 0:2. 32. Ysebaert (Janney) 0:3. 52. Nasheim 1:3 (Ausschluss Tampa Bay). 60. Zamuner (ins leere Tor) 1:4. – Strafen: Feldkirch 3-mal 2 Minuten. Tampa Bay Lightning 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Feldkirch ohne Lavoie (Comeback nach Kreuzbandoperation am Wochenende), Tampa Bay Lightning ohne Puppa, Cullimore, Dykhuis, Larocque, McBain, Tucker, Spring, Peterson, McCarthy, Cullen, Clark (alle überzählig).
Feldkirch: Campese (31. Divis); Nordmark, Bergqvist, Strandberg, Nasheim…
Tampa Bay Lightning: Schwab (31. Ranford); Nazarov, Hogue, Janney, Kubina, Ysebaert, Zamuner, Richer, Sykora, Mara, Kelly, Lecavalier…

16. September 1998

Klagenfurter AC – Buffalo Sabres 1:5 (1:2, 0:1, 0:2)
Stadthalle. – 5’000 Zuschauer. – Tore: 1. Grosek 0:1. 8. Shuchuk (Kalt) 1:1. 18. Ward 1:2. 23. Kruse 1:3. 49. Peca 1:4. 53. Ward 1:5.
Klagenfurt: …Shuchuk, Kalt…
Buffalo Sabres: Hasek (Roloson); Satan, Barnaby, Grosek, Ward, Kruse, Peca…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.