Davos vs. Lugano! Strecker vs. Krein!

Das Duell! Früher bekannt aus dem Magazin Slapshot und später aus dem Top Hockey. Jeweils monatlich duellierten sich Klaus Zaugg und Joël Wüthrich zu einem brisanten Thema. Als «Duell im Westentaschenformat» oder als «Duell Zaugg/Wüthrich der armen Männer» duellieren wir uns in der Playoff-Version Davos vs. Lugano 2009. Ein Duell, welches eigentlich schon fast ein vorgezogenes Finalspiel sein könnte. Spitzeneishockey auf beiden Seiten bereits schon im Viertelfinal. Doch wer hat nach der Best of Seven Serie die Nase vorn? HCD vs. Lugano, oder Simon Strecker vs. Michele Krein!


Strecker:
Wenn man in die Vergangenheit schaut, müsste man das «Grande Lugano» klar favorisieren. Doch erstens ist die Vergangenheit vorbei und zweitens ist das Grande Lugano nicht mehr so gross, wie es fürher war. Vor Jahren hätte man sich mit einem fünften Quali Rang nicht zufrieden gegeben.

Doch wer ist überhaupt favorisiert? Beide Teams verfügen über ein starkes Kader. Der HC Lugano hat bestimmt mehr Talent im Team, vor allem die viel stärkeren Ausländer. Davos hat dafür mehr Kampfgeist, mehr Siegeswillen, Davos ist hungriger! Und dies trotz der besten Bilanz aller National-League-A Teams der letzten Jahre! Arno del Curto hat es geschafft, dass keine mentale Müdigkeit im Team einkehrt, keine Genügsamkeit, wie sie zum Beispiel der SC Bern seit Jahren verspürt.

In der Aktuellen Saison gab es bis jetzt sechs Verlängerungen. Davon konnte der HCD vier für sich entscheiden. In der Playoff Serie gab es bis jetzt immer Verlängerung. Von der Wahrscheinlichkeit her müsste es also dem Schweizer Rekordmeister reichen, die Halbfinals zu erreichen.

Doch auf Statistiken sollte man sich nicht verlassen. Es gibt weitere Gründe, warum der HCD die Tessiner schlagen wird. Gerade bei engen Serien, wo sich die Teams ebenbürtig sind, entscheidet am Schluss der Wille! Und Davos hat den stärkeren Willen. Davos hat ein jüngeres Kader mit Spielern, die zwar weniger Talent besitzen, doch dafür um so mehr daran glauben, das Ziel zu erreichen. Davos hat zudem die ausgeglichenere Mannschaft. Davos hat keinen Nummelin, keinen Thoresen und auch keinen Murray. Wenn es dem HCD gelingt, diese Spieler zu neutralisieren, dann ist ein Weiterkommen in die Halbfinals ausser Frage! Beim HCD sind die Skorer viel besser verteilt, jeder kann das entscheidende Tor schiessen. So wie Robin Grossmann im letzten Spiel in der Overtime mit einem scharfen Slapshot.

Krein: Insgesamt sechsmal standen sich die beiden Teams in Playoff-Serien schon gegenüber. Fünfmal (1986, 1988, 1999, 2003 und 2006) konnten die Tessiner die Serie für sich entscheiden. Die Playoff-Statistik spricht also ganz klar für Lugano. Die letzte Playoff-Paarung der beiden Kontrahenten, konnte Lugano mit einer 4:1 Serie im Final für sich entscheiden. Die aktuellen Saisonresultate sprechen aber für den HCD. In vier spielen ging es dreimal in die Verlängerung, wobei die Bündner deren zweimal die Overtime für sich entscheiden konnten.

Was spricht im Viertelfinal 2009 für den HC Lugano? Lugano behagt die Rolle des Aussenseiters besser als die des Favoriten. Bei den letzten drei Meistertiteln startete man aus den Rängen drei (1999), vier (2003) und zwei (2006). Obwohl Davos-Trainer Del Curto sein Team «immer» als Aussenseiter bezeichnet, betrachte ich es für Lugano als Vorteil, vom fünften Rang aus als «Aussenseiter» zu starten.

In den Jahren des Scheiterns spielte Lugano jeweils eine grandiose Qualifikation, die Spieler erreichten ihr Leistungszenit bereits in der Quali, waren aber in den Playoffs ausgebrannt. Dazu kam meistens noch das Verletzungspech. In der aktuellen Saison spielte man eine durchzogene und nicht immer überzeugende Qualifikation und musste einen Trainerwechsel verkraften. Viele Spieler wie Hirschi, Domenichelli, Robitaille, Lemm, Conne und Nummelin standen nicht immer zur Verfügung. Doch rechtzeitig auf die Playoffs kann die Mannschaft erstmals komplett (mit Ausnahme von Paterlini und Domenichelli) antreten. Gerade Steve Hirschi, welcher in den letzten drei Jahren nur 46 Spiele bestreiten konnte, kommt als Sinnbild für Luganos Rückkehr in die Playoffs rechtzeitig zurück.

Unter den besten fünf Skorern der Qualifaktion befinden sich zwei Lugano-Spieler: Patrick Thoresen (63 Punkte) und Petteri Nummelin (62 Punkte). Der beste Davoser ist Michel Riesen mit 41 Punkten (noch hinter Julien Vauclair). Skorerwerte müssen nichts heissen, schlussendlich gewinnt man als Mannschaft und nicht mit Einzelspielern. Dennoch können Thoresen und Nummelin in der Serie gegen die Bündner entscheidende Faktoren sein.

Praktisch niemand glaubt an einen Triumph Luganos über die Bündner, trotzdem traue ich dem siebenfachen Schweizermeister eine «Überraschung» zu. Doch dazu braucht es eine kompakte Mannschaftsleistung, einen David Aebischer in seiner besten NHL-Form, den Willen und den Glauben des Siegens. Dazu kommt das Wissen, dass man in den letzten Jahren alle Playoff-Serien gegen die Bündner gewinnen konnte. Der letzte und bisher einzige Davoser-Playoff-Erfolg gegen Lugano liegt elf Jahre zurück.

Die aussergewöhnliche Geschichte des Dukla-Trikots

Foto: Chris Habegger (rechts) freut sich über das verlorene Dukla-Juwel. (Sandro Stutz)

Eine nicht unbekannte Lokalität in Lyss, es ist Herbst im Jahr 1996, ich und mein Freund Claude M. sind mit seiner Kollegin Nadine H. im Ausgang. Trotz der anwesenden Dame wird an diesem Abend auch über Eishockey gesprochen. Aus dem Gespräch heraus ergibt sich der Zufall, dass Nadine H. ein seltenes tschechisches Eishockeytrikot des Traditionsclubs Dukla Jihlava besitzt. Sie meint, ich könne dieses «Liibli» haben, sie habe es geschenkt bekommen. Beim nächsten Treffen kommt es in der Tiefgarage der nicht unbekannten Lokalität zur Trikot-Übergabe, welche mich höchstens zwei Drinks an die nette Dame kostet.

Es beginnt im Bieler Eisstadion

Doch das ist nicht der Anfang, die Geschichte beginnt schon ein paar Jahre vorher. Der damalige EHC Biel-Fan und heutige Medienverantwortliche Chris Habegger hat anno der 90er Jahre eine nette junge Dame auf der Stehplatztribüne im Bieler Eisstadion kennengelernt. Habegger war schon damals nicht nur Biel-Anhänger, sondern auch ein grosser Bewunderer der tschechoslowakischen Eishockey-Kunst und vorallem Dukla Jihlavas. Aus liebe zu besagter junger Dame, kauft er beim Eishockey-Detailhändler Albert Müller zwei gleiche Trikots des berühmten Armee-Sportklubs, eines für sich und eines für seine Liebe. Wie es bei jungen Liebesgeschichten so läuft, trennten sich nicht nur die Wege des Liebespaars, sondern auch noch die Wege der beiden Dukla-Replicas der Marke Yvette!

Das Tauschgeschäft

Jahre vergehen, Beziehungen gehen auseinander, Eishockeyvereine steigen ab (wie Dukla Jihlava 2005) und verschwinden im irgendwo im Nirgendwo. So verliert auch das Dukla-Trikot der jungen Frau seine Bedeutung. Noch vor 1996 übergibt die ehemalige Freundin Habeggers das besagte Trikot ihrer jüngeren, damals eishockeyverrückten, Schwester Nadine H. Aber auch Nadine H. findet am gelben Hockeylumpen ihrer Schwester kein Gefallen und gibt diesen bei der nächstmöglichen Gelegenheit kurzerhand für zwei Drinks an den Blogschreiber ab.

Der Kreis ist damit noch nicht geschlossen. Zu Beginn der aktuellen Saison 2008-09 lerne ich aus «beruflichen Gründen» Biels Medienchef Habegger kennen. Ich weiss, dass er nebenbei auch dem Dukla-Jihlava-Fanklub Schweiz vorsteht. In der logischen Folge unterhalten wir uns öfters über das tschechoslowakische, tschechische und slowakische Eishockey und die Trikot-Geschichte kommt ans Tageslicht. Sofort erkennt der «Kenner», dass es sich um sein Jihlava-Jersey der Marke Yvette handeln muss.

Zurück zu seinem Besitzer 

Nach einer 17-jährigen Odyssee, kommt das verloren geglaubte «Liibli» endlich wieder zum Vorschein. Was für eine aussergewöhnliche Geschichte, das Replica ist mehr als nur ein normales Eishockeytrikot. Eine unerfüllte Liebesgeschichte hängt mehr als ein Jahrzehnt in meinem Kleiderschrank. Praktisch zeitgleich mit der Übergabe an mich (1996) spielt der EHC Biel während 13 Jahren (1995-2008) in der Nationalliga B, es ist als hätte Biels Aufstieg ein direkter Zusammenhang mit dem verschwundenen Trikot. Ohne die Bieler Rückkehr ins Oberhaus hätte ich Habegger nie kennengelernt und das Replica wäre noch heute in meinem Schrank. Das «Hockeyliibli» ist wieder bei seinem alten Besitzer und wird womöglich sogar an Dukla Jihlava zurückgegeben. Die Geschichte geht weiter…

Amazing Night mit Scott Gomez

«Das gloubt üs ke Sou» sagten wir uns immer wieder gegenseitig am Abend des 21. Januar 2009, in der Plunge-Rooftop-Bar-and-Lounge im Hotel-Gansevoort im New Yorker Meatpacking-District.

Doch nun der Reihe nach. Nach einem bereits sehr unterhaltsamen Spiel der New Jersey Devils gegen die Montreal Canadiens (siehe Blog vom Vortag) liessen wir uns den «Last Evening in New York» in der Plunge-Bar im Hotel Gansevoort bei gemütlichem Gesprächsstoff und zwei Bierchen ausklingen. Ein ganz normaler Abend in Manhattan, oder doch nicht? Die Uhrzeiger standen bei 01 Uhr 20 (amerikanische Zeit) als am Tischchen neben uns ein cooler, südländischer Typ mit zwei wunderschönen, transilvanischen (was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten) Göttinnen niederlies.

You looks like Scott Gomez

Ich sagte zu Kollege Michael: «dä gseht us wie dr Scott Gomez, isch äch das dr Scott Gomez?» im gleichen Moment grüsste Gomez freundlich «hi guys, how are you?», ich: «you looks like Scott Gomez» und dann waren wir dabei! Der ganz normale Abend sollte zu einer «Amazing-Night» werden! Gomez bat uns ohne eine Sekunde zu zögern an seinen Tisch. Scott Gomez, Assistenzcaptain der New York Rangers, ein Mann der 7.357 Mio. US Dollar pro Saison verdient bat uns (zwei Aarberger…) zum Tisch! Wir waren überwältigt, nahezu sprachlos! Unglaublich wie locker und cool der vermeintliche Star drauf war. Ein Top-Shot der NHL und eben doch nur ein Mensch wie Du und ich, unglaublich.

Die transilvanischen Göttinnen

Später kamen noch drei Kollegen von Gomez dazu, ein Jugendfreund aus Anchorage, Alaska, ein ex-WG Kollege aus Boston (wohnte mit Gomez und Scott Niedermayer in New Jersey zusammen) und ein Freund aus Chicago. So sassen wir mittendrin bei Talk and Drinks with Gomez and Friends! Natürlich habe ich die zwei Göttinnen nicht vergessen, auch sie sassen da, links neben Scott Gomez. Die eine war seine Freundin, eine rumänische Ärztin, welche er beim Golfen kennengelernt hat, und ihre Schwester. Wir wussten nicht mehr genau von wem wir nun mehr fasziniert waren, von Scott Gomez oder den beiden Vampir-Frauen? Denn Sie waren wirklich Göttinnen (womöglich nicht von dieser Welt, möglicherweise gingen ihre Spuren bis zu Vlad Tepes zurück?) nur so konnten wir und natürlich auch Gomez (er betonte immer wieder, dass dies die «most beautiful Women in the World» sein müssen) die Schönheit dieser Geschöpfe erklären.

Am Vorabend bei Gomez‘ am Tisch, am nächsten Tag in Ehre im NHL-Store. (Michael Möri)

Irgendwo in New York

Zurück zum Eishockey. Gomez ein Star zum anfassen, natürlich hat er alle Runden übernommen, die Bardame servierte im Viertelstunden-Takt «Drinks für alle am Gomez-Tisch.» Nach Gesprächen über Rumänien, Bern, New York, Alaska, Interlaken und die Rangers neigte sich leider auch «An Amazing Night» dem Ende zu. Zurückgeblieben sind schlussendlich die beiden Michaels (Mike and Mike, wie eine Sportsendung auf ESPN heisst) mit einem Tisch voller Getränke welche zuviel serviert wurden. So sassen wir noch eine Weile in der Plunge Bar und beseitigten alle übriggebliebenen Beers und Mojitos und stellten uns die Frage nach dem Glück: In einer 8 Millionen Stadt (Manhattan) oder 20 Millionen Stadt (New York) treffen wir an einem Mittwoch Abend in einer Bar (den Tipp habe ich von meinem Kollegen Marc M. aus W. drei Tage vorher per SMS erhalten) irgendwo in New York, «irgendeinisch fingt z Glück oder dr Gomez eim» könnte man auch sagen.

Arena der Gegensätze

Das im Oktober 2007 eröffnete Prudential-Center ist die modernste Eishockey-Arena der Welt. Innerhalb vom Einzugsgebiet von New York kann man das Prudential-Center, welches den Namen des wichtigsten Finanzunternehmen New Jerseys trägt und welches sich die Namensrechte bis 2017 gesichert hat, mit den altehrwürdigen Kultstätten der Rangers und der Islanders nicht vergleichen. Dieses Prunkstück ist knapp anderthalb Jahre jung. Vorher sind die Devils während 25 Jahren in East Rutherford in der Brendan-Byrne-Arena, später Continental-Airline-Arena, beheimatet. An alter Wirkungsstätte können die Teufel drei Stanley-Cup-Siege feiern.

Die alte und neue Spielstätte Ligen zirka 20 Autominuten voneinander entfernt. Newark ist der östlichste Teil des US-Bundesstaates New Jersey und hat den Spitznamen «Brick-City», wegen der vielen Backsteinhäuser. Die Gegensätze könnten nicht grösser sein. Die Backsteinstadt ist eine düstere Gegend, wie im Film, sind hier brennende Mülltonnen zu sehen und die Fenster der endlosen Häuserblocks sind praktisch alle vergittert.

Es ist eine wahre Erleichterung wenn man die Arena, inmitten der dunklen Hauszeilen erblickt.“

— Gedanke im Stadtteil Newark

In mitten des heruntergekommenen Viertels, thront die neue Arena, sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Oase in der Wüste. Die Beleuchtung ist von weitem zu sehen und strahlt eine Art Sicherheit aus, es ist eine wahre Erleichterung wenn man die Arena, inmitten der dunklen Hauszeilen erblickt und der Gedanke, schnellstmöglich in das Stadion zu kommen bestärkt sich mit jedem Schritt.

Wenn du das Prudential-Center betrittst, weisst du warum die National-Hockey-League das Ziel jedes talentierten Hockeyspielers sein muss, hier musst du hin, hier musst du spielen, dann hast du’s geschafft. Diese Gedanken kreisen durch den Kopf, wenn du die leeren Tribünen anderthalb Stunden vor Spielbeginn, begleitet durch das Orgelspiel, wie in den alten Sega-NHL-Spielen, bestaunst. Dabei lässt dich der «Bass» des Orgelspiels leicht erschüttern und noch vor dem ersten Bully bist du beeindruckt, selbstverständlich ist mir bewusst, dass dies noch für so manche NHL-Arena seine Gültigkeit hat.

Passend zur neusten Arena gastieren die Montreal Canadiens, das wohl traditionsreichste Team der Welt, dazu im hundertjährigen Jubiläum mit speziellem Badge «100 Saisons/Seasons» auf den Schultern.

21. Januar 2009 (19 Uhr) – Spiel 692

Upper Level, Section 212, Row 9, Seat 4

New Jersey Devils – Montreal Canadiens 5:2 (1:0, 2:1, 2:1)
Prudential Center. – 16’235 Zuschauer. – SR Fraser (2) /Martell (26), Devorski (54) /Driscoll (68). – Tore: 12. Martin (Elias, Madden) 1:0. 27. Zajac (Parise, Oduya) 2:0. 34. Gorges (Koivu, D’Agostini) 2:1. 39. Oduya (Martin) 3:1. 43. Parise 4:1. 48. D’Agostini (Markov /Ausschluss Martin) 4:2. 60. (59:05) Elias (Madden, White /Ausschluss Shanahan, ins leere Tor) 5:2. – Strafen: New Jersey 6-mal 2 Minuten, Montreal 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: New Jersey ohne Brookbank, Pandolfo und Leach, Montreal ohne Begin und Chipchura (alle verletzt). Oduya*, Parise** und Martin*** (alle New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet. Montreal ab 58:40 bis 59:05 ohne Torhüter.
New Jersey Devils: Clemmensen (Weekes); Greene, Martin (4), Mottau, Oduya (2), Salvador, White; Clarkson, Elias, Gionta, Holik, Langenbrunner, Madden, Parise (2), Rolston, Rupp (2), Shanahan (2), Zajac, Zubrus.
Montreal Canadiens: Price (Halak); Bouillon (2), Brisebois, Gorges, Hamrlik, Komisarek, Markov; D’Agostini, Koivu, Andrei Kostitsyn (2), Sergei Kostitsyn, Kostopoulos (2), Kovalev, Lang, Lapierre, Pacioretty, Plekanec, Stewart, Latendresse.

Der Charme des Gardens?

Nach dem Islanders-Trip, steht die zweite Partie des Dreitagetripps auf dem Programm. Heute in «The World’s Most Famous Arena», dem Madison-Square-Garden (MSG) inmitten Manhattans Grossstadt-Jungel. Die Geschichte des Gardens beginnt schon 1874 an der Madison Avenue mit dem ersten «Garden», welcher bereits 1890 dem zweiten «Garden» weichen muss, der sich zu diesem Zeitpunkt, dank dem 98 Meter hohen Turm das zweithöchste Gebäude Manhattans nennen darf. Erst beim Bau des dritten Gardens, 1925 kommt Eishockey ins Programm der bereits weltberühmten Veranstaltungsstätte von Inhaber Jack Dempsey. Der neue Besitzer, Boxmanager Tex Rickard lässt den dritten Garden innert 249 Tagen zwischen der 49. und 50. Strasse neu errichten.

Rickard, der erste moderne Boxpromoter in der Geschichte des Sportmarketings eröffnet den neuen Garden mit einem Spiel der National-Hockey-League zwischen den New York Americans und den Montreal Canadiens. Die Canadiens gewinnen die Partie vor 17’442 begeisterten Zuschauern mit 3:1 und werden dafür mit der Prince-of-Wales-Trophy (welche heute für das beste Team der Eastern-Conference vergeben wird) ausgezeichnet. Die Begeisterung ist so gross, dass Besitzer Rickard am 15. Mai 1926 mit den New York Giants sein eigenes Hockeyteam gründet, welches durch die Presse aber als «Tex’s Rangers» bezeichnet wird und als Geburtsstunde der Rangers gilt.

1960 sieht sich das Management des «MSG» nach Bauland um, zwei Tage später bietet die Pennsylvania-Railroad die Luftrechte über ihrem Bahnhof an der 32. Strasse an. Am 28. Oktober 1963 startet der Abriss der Penn-Station und am 11. Februar 1968 wird die aktuelle Spielstätte eröffnet. Am 20. Januar 2009 besuche ich zum zweiten Mal die «berühmteste Arena der Welt», wo Wayne Gretzky 1999 seinen Rücktritt gab, wo Muhammad Ali 1971 gegen Joe Frazier geboxt hat oder wo die Rangers 1994, nach 54 Jahren erstmals wieder einen Stanley-Cup in die Höhe stemmen konnten. Heute Abend empfangen die Rangers die Anaheim Ducks mit Jonas Hiller.

Tex Rickard

„Ist es der spezielle Geruch, welchen man seit der Eröffnung am 11. Februar 1968 noch zu riechen scheint?“

— über die Faszination im MSG

Und dieser Madison-Square-Garden versprüht auch 41 Jahre nach der Eröffnung einen Charme, den ich nicht beschreiben kann. Sind es die historischen Ereignisse die im Hinterkopf präsent sind? Ist es der spezielle Geruch, welchen man seit der Eröffnung am 11. Februar 1968 immer noch zu riechen scheint? Oder sind es einfach «nur» Ausstrahlung und Tradition der New York Rangers? Oder ist es an besagtem Abend einfach nur die Kombination von Henrik Lundqvist, Scott Gomez, Markus Näslund, Chris Drury, Wade Redden und Brandon Dubinsky? «Man muss ihn erleben», beschreibt Harry Valerien, ein Urgestein des deutschen Sportjournalismus, im Buch «Kultstätten des Sports» die Atmosphäre des Gardens.

Im 48. Saisonspiel erleben die 18’200 Fans den 28. Sieg der ehemaligen «Tex’s Rangers» gegen Hiller und die Ducks. Der Schweizer Schlussmann erlebt die Atmosphäre im Madison-Square-Garden zum ersten Mal, diese dürfte trotz Niederlage und einer Abwehrquote von 89.7% (26/29) ebenfalls ein spezieller Moment gewesen sein. Hiller ist nach Reto von Arx, David Aebischer, Martin Gerber, Timo Helbling und Mark Streit erst der sechste Schweizer der im Madison-Square-Garden zum Einsatz kommt.

Blick von der 8. Avenue in Richtung Süden, zwei Fights gibts, am 20. Januar 2009, im Madison-Square-Garden zwischen den New York Rangers und Jonas Hiller’s Anaheim Ducks. (Krein)

20. Januar 2009 – Spiel 684

New York Rangers – Anaheim Ducks 4:2 (1:1, 1:1, 2:0)
Madison-Square-Garden. – 18’200 Zuschauer. – SR Auger (15) /Fraser (2), Devorski (54) /Nowak (77). – Tore: 13. Näslund (Callahan, Gomez /Ausschluss Kunitz) 1:0. 14. Ryan (Pahlsson, Getzlaf /Ausschluss Voros) 1:1. 24. Sjöström (Rozsival /Ausschluss Dan Fritsche, Bankstrafe!) 2:1. 39. Perry (Ebbett, Scott Niedermayer) 2:2. 53. Gomez (Näslund, Zherdev /Ausschluss Pahlsson) 3:2. 60. (59:26) Betts (ins leere Tor, Ausschluss Girardi!) 4:2. – Strafen: New York Rangers 5-mal 2 plus 2-mal 5 Minuten (Dubinsky, Callahan), Anaheim Ducks 7-mal 2 plus 2-mal 5 Minuten (Miller, Moen). – Bemerkungen: New York ohne Prucha und Korpikoski, Anaheim ohne McIver, Marchant und Bodie (ale verletzt), Anaheim ab 59:06 ohne Torhüter. Betts*, Lundqvist** und Gomez*** (alle New York) als beste Spieler ausgezeichnet. Nach dem Spiel Privat-Party mit Scott Gomez.
New York Rangers: Lundqvist (Valiquette); Rozsival, Staal; Girardi (2), Redden, Mara, Kalinin; Zherdev, Dubinsky (5), Voros (6); Gomez, Näslund, Betts, Sjöström, Callahan (5), Drury, Dawes, Fritsche, Orr.
Anaheim Ducks: Hiller (Giguere); Scott Niedermayer, Festerling; Hedican, Montador (2), Pronger, Mikkelson (4); Perry, Getzlaf (2), Kunitz (2); Ebbett, Pahlsson (2), Ryan, Parros, Miller (7), Ryan Carter, Moen (5), Rob Niedermayer, Morrison.

Schweizer-Einsätze im Madison-Square-Garden

EinsatzDatumSpielerTeam
119.2.2001Reto von ArxChicago
220.11.2001David AebischerColorado
330.1.2003David AebischerColorado
428.10.2003Martin GerberAnaheim
52.11.2003David AebischerColorado
619.11.2005Martin GerberCarolina
76.3.2006Martin GerberCarolina
830.12.2006Timo HelblingWashington
927.2.2007Mark StreitMontreal
105.4.2007Mark StreitMontreal
1113.10.2007Martin GerberOttawa
1223.12.2007Martin GerberOttawa
1330.12.2007Mark StreitMontreal
1412.1.2008Mark StreitMontreal
154.11.2008Mark StreitNY Islanders
1629.12.2008Mark StreitNY Islanders
1720.1.2009Jonas HillerAnaheim

Per Rail-Road nach Uniondale

Es ist ein kalter Montag, am 19. Januar 2009, in Uniondale, New York, einem Vorort auf Long Island. Schon die Zugfahrt mit der Long-Island-Rail-Road (LIRR) ist ein Erlebnis, die rund 50 Kilometer lange Fahrt führt durch drei Zonen (1, 3 und 4) und 13 Stationen, unter anderem durch die Vororte Queens und Garden City, Mark Streits derzeitiger Wohnort, und endet in Hempstead. In Uniondale angekommen, erwartet uns eine eher düstere Gegend oder wie wir in der Schweiz sagen würden: «ä schäbigi Gägend.»

Dabei sind wir noch nicht mal in der Hälfte der ganzen LIRR-Strecke, denn diese zieht sich über 140 Kilometer quer über die ganze Long Island oder eben «lange Insel» bis in die hintersten Zipfel Greenport oder Montauk, diese beiden Zipfel zieren das Islanders-Logo auf der rechten Seite. Manch eine/einer hat sich schon hinterfragt was denn dieser komische orange Hintergrund soll. Die Heimstätte der Islanders befindet sich noch im ersten Drittel von Long Island.

Nach einer knapp 10-minütigen Busfahrt, erscheint am Horizont das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum, es ist auf diesem flachen Gelände bereits von weitem zu sehen. Auf dem anschliessenden Fussmarsch, vorbei an eben eher «schäbigen» Vorgärten und einem «Used-Gun-Store», wo wohl jeder ohne Waffenschein eine Knarre kaufen kann, stehen wir (die Red. Claude Moeri, Michael Möri und ich), nach dem überqueren des riesigen Stadion-Parkplatzes vor dem Eingang zu einer der geschichtsträchtigsten Arenen der Liga.

Ein super Gefühl, denn in Kürze sollten wir erstmals Streit im Trikot des vierfachen Stanley-Cup-Siegers zu sehen bekommen. Die Arena versprüht einen ähnlichen Charme wie das Pepsi-Colisée in Quebec oder der Madison-Square-Garden und passt zur Bauzeit der 70er Jahre. Die Banner unter der Hallendecke, als Zeitzeugen der glorreichen Islanders-Jahre mit vier Stanley-Cup-Siegen (1980 bis 1983) in Serie, lässt einem in Gedanken erahnen, welche Geschichte in dieser Organisation im Nassau-Coliseum schon geschrieben wurde.

Wow-Moment: In Kürze erblickst du das geschichtsträchtige, vierfache Stanley-Cup-Sieger, Eisfeld der Islanders. (Krein)

Beim zuschauen des Warm-ups des Heimteams wird mir klar, dies muss das Ziel jedes ambitionierten Eishockeyspielers sein, die NHL! «Wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, musst du alles dafür tun» und Streit hat dies mit grosser Ausdauer getan. Im Islanders-Game-Day-Give-Backs (Matchprogramm über alle Spiele von Januar) ist eine fünfseitige Story (von Jason Lockhart) über den Schweizer «Streit on Time» publiziert. Bis auf einen kleinen Flüchtigkeitsfehler ist der New Yorker Journalist hervorragend über das Schweizer Eishockey und Streit in seiner Story «Long wait for NHL’s call pays off for Swiss Star», informiert.

Nicht das Team von Streit ist es welches den dadurch eben nur «fast» perfekten Eishockeytag besiegelt. Washingtons Alexander Ovechkin führt die Capitals mit zwei Treffern zum Sieg. In meinem dritten NHL-Spiel erlebe ich zum zweiten mal ein Tor in der Verlängerung, Ovechkin entscheidet die Partie mit einem Powerplay-Treffer. Immerhin steuert «Streit on Time» beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch Kyle Okposo einen Assistpunkt bei.

19. Januar 2009 – Spiel 678

New York Islanders – Washington Capitals 1:2nV (0:1, 0:0, 1:0, 0:1)
Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum. – 13’917 Zuschauer. – SR Jackson (8) /Meier (34); Devorski (54)/Sericolo (84). – Tore: 7. Ovechkin (Green, Laich /Ausschluss Witt) 0:1. 53. Okposo (Nielsen, Streit /Ausschlüsse Bäckström, Ovechkin) 1:1. 62. (61:46) Ovechkin (Semin, Fedorov /Ausschluss Witt) 1:2. – Strafen: New York 4-mal 2 Minuten, Washington 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: New York Islanders ohne Bergenheim, Campoli, und DiPietro, Washington Capitals ohne Fehr, Johnson und Steckel (alle verletzt). Ovechkin* (Washington) und Okposo** (New York) und Theodore*** (Washington) als beste Spieler ausgezeichnet.
New York Islanders: Danis (Mannino); Streit, Gervais; Hillen, Martinek, Pöck, Witt (4); Sim, Thompson, Jackman; Okposo, Nielsen, Park, Bailey (2), Guerin, Tambellini, Kurtis McLean, Comeau (2), Comrie.
Washington Capitals: Theodore (Machesney); Jurcina, Schultz; Alzner, Erskine, Green, Helmer; Clark (2), Laich, Nylander; Ovechkin (2), Semin (2), Fedorov (2), Bradley, Fleischmann, Gordon, Bäckström (2), Kozlov, Brashear.

Working-Press* Manhattan-Aarberg
Diese Zeilen tippe ich im NHL-Store in New York, 47th Street West – es gibt sehr viel zu erzählen, die Berichte und Eindrücke der drei Spiele der Islanders (Washington), Rangers (Anaheim) und Devils (Montreal) folgen. Als besonderes Highlight darf die Begegnung mit Scott Gomez (verdient 8.8 Mio. $ pro Saison) betrachtet werden… …more later, greets from New York Citys NHL-Reebok-Store.
*Als Anspielung auf den NHL-Journalisten Joël Wüthrich, er benutzt den Ausdruck «Working-Press» für alle seine Übersee-Artikel.

Hektik in extremis an gewohnter Spielstätte

Die Ruhe vor dem Spiel verspricht noch keine Hektik. (Krein)

Eisstadion Biel, eine mir sehr bekannte Spielstätte. Nach der Lysser Eissporthalle habe ich hier die meiste Zeit verbracht. Als zehnjähriger habe ich hier die ersten Eishockeyspiele gesehen. Als aktiver habe ich ein paar Dutzend Spiele als Gegner absolviert, später in der 3. Liga war es meine Heimspielstätte und nochmals kam ich als Gegner nach Biel. Meine 3. Liga Premiere erlebte ich 1997 mit einem Sieg und einem Tor in Biel. Ausgerechnet in Biel sollte ich heute Abend wieder eine Premiere erleben. Die Premiere als „schreibender Journalist“, vorher war ich fürs Fernsehen auf der gegenüberliegenden Seite, doch heute Abend durfte ich mich einer neuen Herausforderung stellen im „zarten“ alter von 31 Jahren.

Das Spiel nahm seinen Lauf, es kam so wie ich es mir nicht erhofft hatte. Das schlimmste was passieren konnte war ein langweiliges, einseitiges und unspektakuläres Spiel, welches keine Geschichten hervorbringen würde. Genau dieses Spiel wurde es. Beinahe hätte der „Aufhänger“ ein Tor erziehlt und eine perfekte Story hätte geschrieben werden können. Doch es kam anders und der erwähnte Spieler, ich habe ihn „Aufhänger“ genannt, traf das Tor nicht. Er kam mir vor wie Krein in seiner Aktivzeit, habe ich doch in Biel auch zahlreiche Torchancen nicht genutzt. Ich erinnere mich an ein Spiel mit dem SC Scheuren gegen den SC Hölstein-Niederdorf wo ich dreimal alleine auf den gegnerischen Torhüter ziehen konnte und dreimal versagte. Doch heute Abend durfte ich nicht versagen.

Natürlich klappt es nicht

Das erste Drittel war vorbei und ich hatte noch kein Drittel des Textes in meiner Word-Datei. In der zweiten Pause schrieb es sich dann besser und schliesslich musste ich am Schluss wieder kürzen, umstellen, ändern, verschieben, löschen und umschreiben. Die Zeit ging wie im Fluge und die Matchuhr zeigte 17:47 im letzten Drittel. Noch eine halbe Stunde bis der Text in der Redaktion sein musste. Danach überschlugen sich die Ereignisse, Spielschluss, Textschluss und Wireless-Schluss! Von der Tribüne hatte ich keine Internetverbindung, so zog ich um, in den Presseraum, dort wieder neu anschliessen (weil der Scheiss-Akku keine Sekunde ohne Stromanschluss läuft!!) und es nochmals versuchen. Natürlich klappte es nicht und mir blieben noch zehn Minuten um zu übermitteln.

Dies hätte auch nicht gereicht um mit dem Auto nach Aarberg zu fahren und von dort aus den Text zu senden. Der Retter war der Radio-Mann der SRG, welchen ich flüchtig kannte. Seine Mausmatte zierte das Logo der Hockey WM in Quebec (siehe Blog „von Helden und Deppen“) und für einen Moment hatte ich das beleuchtete Schloss von Quebec vor Augen. Mit meinem USB-Stick konnte ich die Daten von seinem Notebook mittels meinem E-Mail-Account genau um 22 Uhr 30 (Redaktionsschluss) übermitteln. Danach das Kontrolltelefon und es war geschafft.

Wie die Griechen

Wie die Griechen die olympischen Spiele von Athen rechtzeitig eröffnen konnten, konnte ich rechtzeitig einen schlussendlich kurzen Text übermitteln. Genau dies ist mir vor zehn Jahren nicht gelungen, den Torhüter konnte ich dreimal nicht bezwingen, doch wenigstens hatten wir die Partie mit 5:1 gewonnen. Bei aller Hektik und allem Zeitdruck, alles in allem eine gelungene Premiere? Morgen werd ich’s erst richtig wissen…

Blick, vom 3. Dezember 2008

Sommerpneus und Bednar

Die Autofahrt Bern-Zürich auf der A1 dauert nun einfach zwei bis zweieinhalb Stunden. Zwei Stunden muss man mindestens kalkulieren sonst reichts nicht. Und an besagtem Mittwoch ist noch nicht einmal Freitag-Abend-Verkehr, es ist ein gewöhnlicher Wochentag. Gewöhnlich? Vielleicht doch nicht, denn ich komme unter starkem Schnellfall erst um 19 Uhr in Zürich-Leutschenbach an, dort muss ich noch ein Codec-Gerät holen, mit welchem ich ab 19 Uhr 30 direkt aus dem Hallenstadion berichten soll. Zeitgleich, 500 Meter neben dem SF-Hauptgebäude findet im Hallenstadion bereits die Pressekonferenz statt, ohne mich. Schliesslich treffe ich zehn Minuten später an besagter Spielstätte ein, alles wird mit Hilfe eines deutschen Technikers noch installiert.

Die Partie, für mich ein Knüller, kann beginnen. Eine Affiche der Champions-Hockey-League zwischen dem Schweizermeister und dem Tschechischen-Meister HC Slavia Prag lässt mein Herz ohnehin schon höher schlagen. Wenn man die beiden Teams vergleicht, haben die Zürcher Akteure beispielsweise 602 Spiele in der NHL bestritten, die Prager deren 956 (alleine Kapitän Josef Beranek bestritt 588 Partien). Vier NHL-Drafts bei Zürich stehen zwölf „Draftpicks“ im Kader Slavias gegenüber, was noch nichts heissen mag.

„Ich weiss nicht ob es an diesem Abend einen Weltrekord gegeben hat.“

— über die vier erfolgreichen Penaltys von Jaroslav Bednar (Krein)

So wie der Verkehr Richtung Zürich nicht für mich zu laufen schien, schien die Hartgummischeibe nicht für die Zürcher zu laufen. Dennoch bin ich rechtzeitig auf meiner Kommentatoren-Position. Übrigens sitzen neben mir der CHL-Livestream-Kommentator und Co-Kommentator Doug Honegger. Die Tschechen liegen bei 58:10 noch mit 4:2 in Führung, ehe die Zürcher, durch Mathias Seger und Ryan Gardner, innert 18 Sekunden zum 4:4 ausgleichen. Sowas habe ich von einer Schweizer-Mannschaft noch nie gesehen, eindrücklich und unglaublich wie die ZSC Lions zurück gekommen sind, doch dies ist noch nicht der Höhepunkt.

Bednar gegen Alston

Beim Penaltyschiessen treffen unter den ersten drei Schützen nur Jaroslav Bednar (für Prag) und Teamoldie Jan Alston (für die Lions). Von nun treten nur noch Bednar und Alston gegeneinander an, und wie sie dies tun! Bednar wird zum Helden des Abends, der Prager bezwingt Zett-Hüter Ari Sulander noch weitere dreimal in Folge! Die Rolle des tragischen Helden geht an Alston, aber auch er ist sensationell und läuft noch drei weitere Male gegen Prag-Keeper Adam Svoboda an, doch beim letzten Versuch scheitert er. Ich weiss nicht ob an diesem Abend einen Weltrekord gegeben hat. Hat schon jemals ein Spieler vier Penaltys hintereinander im selben Spiel versenkt? Eines werde ich jedenfalls nie mehr vergessen, den Namen Jaroslav Bednar.

Sean Simpson sagt am Schluss, «Hey Lyss!» damit meint er mich, «ich bin ein Fan von Europäischen Vergleichen, meine Spieler wollen sich mit den besten Teams Europas messen und nehmen diese Sache sehr ernst», so Simpson weiter. Weiter begebe auch ich mich – auf die lange und beschwerliche Reise zurück ins Berner Seeland. Lange und beschwerlich, weil es schneit (im Oktober) wie im Hochwinter und weil ich mit Sommerpneus unterwegs bin. Doch auch ich bin zurückgekommen, so wie die Zürcher gegen Prag.

Von Autobahnen und Hamburgern

Immer wieder die Autobahn A1, Stau, Verkehr, Unfälle oder lästige Drängler. Immer wieder Autofahrten durch die Nacht, was mir aber Spass bereitet, dazu läuft ein Song von Züriwest: «dr Kanton Aargou flügt vrbii u millione toti Flüger chläbe chrüz u quer verquetscht a mire Windschutzschibe — chliini Dörfli i de Hügle — luter Hüsli wit u breit — wie Pfäfferchörner über nes gigantischs Rüehrei gschtröit — uf em Näbesitz schtinkt mi Täsche» — mit ein paar Unterlagen über das Eishockeyspiel, über welches soeben im Schweizer Fernsehen berichtet wird.

Das Nachtessen ist jeweils kein «Gourmet», vielleicht eine Bratwurst, ein läppisches Sandwich oder einen Hamburger – übrigens heisst der Hamburger in Klotens Kolping-Arena, trotz Namenwechsel immer noch «Schluefburger» – Fast-Food eben, für einen Fast-Food-Abend oder für zwei-, drei Fast-Food-Abende welche dann zur Fast-Food-Woche werden. Während ich am Steuer sitze, stinken meine Hände noch nach dem Schweissgeruch des Hockeyhandschuhs des Nationalliga-A-Spielers, welcher mir kurz vorher vor dem Interview die Hand schüttelt.

Fast wie die Spieler, spulen auch die Hockey-Journalisten, hauptberufliche, nebenamtliche oder selbsternannte, die Qualifikation von fünfzig Spielen ab. Manchmal erwischt man einen super Abend und alles läuft wie geschmiert, manchmal läufts nicht, so wie das langweilige Spiel auf dem Eis, welches nur eines von fünfzig ist. Doch das wichtigste ist, dass es Spass macht. «Liebe deinen Job und dein Job liebt dich!»

Nun dann, bis zum nächsten Spiel mit Hamburgern, Autofahrten durch die Nacht, stinkenden Händen aber voller Freude und Leidenschaft irgendwo auf dem langen grauen Band — «10 000 Kilometer uf däm länge graue Band — we me wie mir gäng hin u här fahrt git’s eim fei echli es Dürenand — i bi uf em Heiwäg — i weiss scho wieder nümm vo wo — u irgend so’ne Heiwehcountryschlager tropfet us em Radio…» (Züriwest)

18. Oktober 2008 – 16. Runde

Kloten – Rapperswil-Jona 3:1 (1:1, 0:0, 2:0)
Kolping-Arena. – 4’924 Zuschauer. – SR Prugger, Dumoulin /Fluri. – Tore: 16. Nordgren (Burkhalter, Fischer /Ausschlüsse Santala, Schulthess) 0:1. 18. Wick (Du Bois, Brown /Ausschlüsse Jenni; Roest) 1:1. 54. Rothen (Lindemann) 2:1. 60. Rintanen (Jenni, Santala, ins leere Tor) 3:1. – Strafen: Je 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Kloten ohne Winkler und Hofer (beide verletzt). Rapperswil-Jona ohne Svensson, Raffainer, Parati und Schefer (alle verletzt).
Kloten: Rüeger; Schulthess (2), Hamr; Von Gunten, Bonnet; Du Bois, Sidler; Welti, Müller; Wick, Santala (4), Rintanen (2); Lindemann, Brown, Jacquemet; Jenni (2), Liniger, Stancescu; Rothen, Schlagenhauf, Brunner.
Rapperswil Jona: Streit; Lindström (2), Voisard; Guyaz, Fischer; Geyer, Berger; Zangger, Hürlimann; Nordgren (2), Roest (2), Siren; Reuille, Burkhalter, Berglund (2); Debrunner, Tschuor, Friedli; Vögele, Bütler (2), Rizzello.

Die Rangers in Bern

Ein Hauch der Superlative ist schon während des Warm-Ups der New York Rangers in der PostFinance Arena zu spüren. Noch vor wenigen Jahren schien dies unmöglich, die Schweiz verpasste es 1990 die Edmonton Oilers zu engagieren, der Stanley-Cup-Sieger spielte damals in Düsseldorf, Graz und München. Doch nun sind sie da: Wade Redden, Scott Gomez, «King» Henrik Lundqvist, Chris Drury, Dan Fritsche (Neffe von John Fritsche), Nikolai Tscherdew (in journalistischem Deutsch) oder eben «Zherdev», Colton Orr, Aaron Voros oder Brandon Dubinsky… …die weissen Trikots mit dem «Rangers» Schriftzug agieren in allen Belangen eine Klasse besser als wir dies von der Nationalliga-A gewohnt sind.

Alles ist ein bisschen anders als sonst. Nicht nur die Security-Crew – nicht einmal Christian Dubé, er bestritt immerhin 36 Spiele für die Rangers, kann die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten – auch die Medienplätze sind so gut besetzt wie nie zuvor. Als ich irgendwo einen Sitz für mich beanspruchen will, werde ich von einer Hostesse (im Victoria-Cup-Outfit) in höflichem englisch angesprochen: «Are you from the Aargauer Zeitung?» Leider muss ich die Frage mit «Nein» beantworten und mir einen neuen Platz, direkt hinter der Rangers-Spielerbank aufsuchen, immerhin habe ich eine offizielle Akkreditierung des Schweizer Fernsehens (SF) aber keinen fixen Sitzplatz.

Nicht einmal Christian Dubé kann die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten.“

— Beobachtung in der Tiefgarage

Das Schweizer Fernsehen (SF) produziert erstmals mit 18 Kameras, das sind sechs mehr als beim Spenglercup, was dem NHL-Standard in der Regular-Season (in den Playoffs sind es 24 Kameras) entspricht. Das Spiel wird sogar vom «Madison-Square-Garden-TV» live nach Manhattan übertragen. Für die Rangers ist es der erste Europa-Auftritt seit 1981, damals gastierte der Tross für drei Spiele in Stockholm am Dagens-Nyheter-Cup und für eine Partie in Helsinki.

Ein Hauch der Superlative

So sitze ich wie ein kleiner Junge mit grossen Augen hinter den Spielern der Rangers (siehe Foto) und lasse den Zauber des Spiels einfach so auf mich einwirken. Diese Partie gibts in 100 Jahren vielleicht einmal zu sehen. Jede einzelne Minute hat für mich den Hauch der Superlative, auch wenn die Top-Shots Markus Näslund, Henrik Lundqvist (Backup) und Marc Staal für das morgige Spiel um den Victoria-Cup gegen Metallurg Magnitogorsk noch geschont werden.

30. September 2008

SC Bern – New York Rangers 1:8 (0:2, 0:0, 1:6)
PostFinance-Arena. – 16’022 Zuschauer. – SR Koharski/Vinnerborg (Ka/Sd), Morin/Masik (Ka/Slk). – Tore: 5. Girardi (Ausschluss Leuenberger) 0:1. 19. Redden (Rozsival/Ausschlüsse Gamache, Gerber) 0:2. 42. Roche 1:2. 44. (43:55) Drury (Tscherdew/Ausschlüsse Froidevaux, Furrer) 1:3. 45. (44:22) Dubinsky (Ausschluss Furrer) 1:4. 52. (51:35) Kalinin 1:5. 53. (52:35) Korpikoski (Potter) 1:6. 56. Potter (Sjöström/Ausschluss Ziegler) 1:7. 59. Dubinsky (Tscherdew/Ausschluss Abid) 1:8. – Strafen: Bern 9×2 Minuten, NY Rangers 3×2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Rüthemann, Plüss und Jobin (alle verletzt), NY Rangers ohne Näslund, Staal und Rissmiller (alle geschont). Torschüsse 22:46 (3:12, 12:14, 7:20)
SC Bern: Bührer (30. Müller); Roche, Furrer (4); Rytz, Josi; Gerber (2), Kobach; Leuenberger (2); Bärtschi, Dubé, Gamache (2); Bordeleau, T. Meier, Abid (4); P. Berger, Ziegler (2), Reichert; Chatelain, Froidevaux (2), D. Meier; A. Berger.
New York Rangers: Valiquette (Lundqvist); Rozsival (2), Redden; Potter, Fahey; Girardi, Kalinin; Drury, Gomez, Prucha; Tscherdew, Dubinsky, Voros; Callahan, Korpikoski, Sjöström (2); Betts, Orr (2), Fritsche.

Am Spieltag des ersten Victoria-Cups der Eishockey-Weltgeschichte besuche ich das Training der Rangers zwischen 10 Uhr und 11 Uh 15. Die Stimmung ist locker und die Halle für Jedermann zugänglich, so schaut auch die russische Legende Alexander Jakuschew vorbei und unterhält sich mit Nikolai Tscherdew (siehe Video). Am Abend wird das einst so hartumkämpfte Duell zwischen Ost- und West erstmals seit dem 15. Januar 1991 und dem letzten Spiel der legendären «NHL-Super-Series» fortgesetzt. Der europäische Titelträger Metallurg Magnitogorsk empfängt die Rangers, dieses Duell zwischen Europas Nummer-Eins und einem NHL-Teams gabs schon vor Einführung des Victoria-Cups.

1. Oktober 2008

New York Rangers – Metallurg Magnitogorsk 4:3 (0:2, 1:1, 3:0)
PostFinance Arena. – 13’794 Zuschauer. – SR O’Halloran/Rönn (Ka/Fi); Cameron/Fonselius (Ka/Fi). – Tore: 2. Platonov (Chistov) 0:1. 19. Malenkikh (Ausschluss Mara) 0:2. 31. Zavarukhin (Atyushov, Marek/Ausschluss Prucha) 0:3. 39:37 Drury (Zherdev/Ausschlüsse Kaigorodov, Zavarukhin) 1:3. 46. Fritsche (Rozsival) 2:3. 51. Drury (Gomez, Näslund/Ausschluss Chistov) 3:3. 60. (59:40) Callahan 4:3. – Strafen: NY Rangers 7×2 Minuten, Magnitogorsk 9×2 Minuten. – Bemerkungen: 50. Time-out NY Rangers. Torschüsse 44:25 (11:7, 14:12, 19:9).
New York Rangers: Lundqvist (Valiquette); Rozsival, Redden (2); Kalinin, Girardi; Mara (2), Staal; Potter; Drury, Gomez, Näslund (4); Zherdev, Dubinsky, Dawes; Fritsche (2), Betts, Rissmiller; Callahan (2), Korpikoski, Prucha (2).
Metallurg Magnitogorsk: Mezin (Proskuryakov); Atyushov (2), Varlamov (2); Malenkikh, Seluyanov; Pilar (2), Biryukov (2); Ibragimov, Bulin; Simakov, Kaigorodov (2), Marek; Chistov (2), Platonov, Zavarukhin (2); Khlystov, Fedorov, Rolinek; Kudrna, Gusmanov, Ermolayev (4).

Das verpasste Spiel

Am 20. August 2008, steht das Freundschaftsspiel Furusut IL Oslo – Valerenga IF Oslo auf dem Programm, ein Klassiker zwischen zwei norwegischen Traditionsclubs in Oslo. Nach einem Besuch der berühmten Holmenkollen-Schanze, ein olympischen Denkmal von 1952, gehts mit der Metro eine Stunde quer durch die norwegische Hauptstadt, die Station Furuset liegt am anderen Stadtende. Das Furuset-Forum liegt glücklicherweise keine fünf Minuten von der Metro-Station entfernt.

Eine Stunde vor Spielbeginn befinden sich erschreckend wenig Leute rund ums ehemalige WM-Stadion von 1989, auch die Stadionkasse ist geschlossen und die ersten Mannschaft wärmt sich auf fürs Training? Das besagte Vorbereitungsspiel, es steht auf der Homepage beider Clubs, wird kurzfristig abgesagt, wie der Eismeister entgegnet. Die Gäste von Valerenga hätten zu wenig Spieler, ist der Absagegrund. Schade, denn beim norwegischen Rekordmeister steht der ehemalige Weltklasse-Spieler, und für mich beste Norweger aller Zeiten, Espen Knutsen an der Bande. Am 20. August aber, sehe nur ich, alleine an der Bande, dafür bleibt mehr Zeit für eine Stadiontour.

Selbstverständlich gehört auch noch ein Besuch des Jordal-Amfi, Heimstätte des vermissten Gegners, dazu. Am nächsten Vormittag, um 8 Uhr 30, ist die frühere WM- und Olympiahalle geschlossen, doch der Eismeister gewährt mir einen Einblick in die «rote Halle.» Das Jordal-Amfi erlebt neben den Olympischen Spielen 1952, die Eishockey-A-Weltmeisterschaften 1958 und 1999, dazu die B-Weltmeisterschaft 1989 (Foto oben), wo die Schweiz den Aufstieg in die A-Gruppe verpasst.

Das Jordal-Amfi schläft noch an diesem August-Morgen. (Krein)

Zu spät für Plüss

Martin Plüss knapp verpasst, erblicke ich am Sonntag, 17. August 2008 das imposante Scandinavium in Göteborg. Hier hat Plüss die letzten vier Jahre als Hockey-Profi sehr erfolgreich verbracht. In der Lockout-Saison, in der wohl qualitativ besten Spielzeit Schwedens, holte der ehemalige Klotener am 12. April 2005 den Meistertitel mit den Südschweden. In der Finalserie von fünf Spielen, wurde Martin Gerbers Färjestads BK Karlstad in einer 4:1-Serie bezwungen.

Die Multifunktionshalle, welche bereits 1971 eröffnet wurde, war 1981 und 2002 auch schon zweimal Gastgeber für die Weltmeisterschaft. Zum Zeitpunkt der Eröffnung war das Scandinavium, hinter dem Berner Allmend-Stadion, die zweitgrösste Eishalle des Kontinents. In diesem Sommer wechselt Plüss vom drittgrössten Publikum zum grössten Anhang Europas.

Am 2. Oktober gastieren die Ottawa Senators, im Rahmen der NHL-Challenge, im Scandinavium und spielen gegen die Indianer. In den Genuss eines NHL-Vergleichs kommt Plüss in Bern sogar noch zwei Tage früher, denn der SCB misst sich mit den New York Rangers und deren Weltklasse-Keeper Henrik Lundqvist, einst Teamkollege und Meisterspieler von Plüss in Göteborg.

Für Plüss zu spät und für den «Fans Day» knapp einen Monat zu früh, stehe ich am Valhallagatan 1, im südlichen Stadtbezirk Heden von Göteborg. Die Stadt ist, wie in Schweden üblich, äussert Velo-Freundlich, die Fahrradspur verläuft sehr prominent bis ins Zentrum durch die «Halb-Millionen-Stadt», welche innert vier Kilometern vom Eisstadion zu erreichen ist.

Auf dem Weg vom Scandinavium ins Stadtzentrum, fährt man am «Skanegatan» auch beim Ullevi-Stadion der Fussballer vom IFK Göteborg vorbei. Hauptaugenmerk bleibt aber die «Halle» der Hockeyaner, welche übrigens von aussen dem Saddledome in Calgary ähnelt. Allerdings stand das von Poul Hultberg entworfene Stadion schon zwölf Jahre vor der Eröffnung der Olympia-Halle der Calgary Flames.

Die Frölunda Indians gehören seit der Eröffnung des Scandinaviums zu den führenden Adressen Europas, in den letzten vier Jahren pilgerten jeweils über 11’000 Fans an die Spiele des schwedischen Krösus. Bereits 1980-81 verzeichnete Frölunda einen Schnitt von 11’546 Fans pro Spiel, dies bedeutete schon damals Rang zwei hinter dem SC Bern (14’040).

SaisonSchnittRang
89-9011’1752
90-919’0563
91-9210’2183
92-9310’1903
93-948’7173
94-957’9696
95-969’2402
96-976’61812
97-987’5745
98-998’2374
99-008’4166
00-018’1615
01-028’4217
02-039’9664
03-0410’9424
04-0511’6764
05-0611’6823
06-0711’4694
07-0811’6883

Nicht ohne Jönsson

Ängelholm, eine kleine Stadt in Südschweden mit 40’000 Einwohnern, beheimatet ein Eishockeyteam in der zweithöchsten Spielklasse im Land des mehrfachen Weltmeisters. Einer aus dem Olympia-Gold-Team und des Weltmeister-Teams von 2006 spielt beim schwedischen Zweitdivisionär in der „Allsvenskan“, der Verteidiger wird in Turin sogar zum besten Abwehrspieler beim olympischen Turnier gewählt.

Kenny Jönsson, der 705-fache NHL-Spieler der Toronto Maple Leafs und der New York Islanders, spielt seit dem Lockout bei Rögle BK in Ängelholm, seinem Stammclub. Trotzdem gehört der Weltklasse-Back bis 2009 zum schwedischen Nationalteam. Jönsson könnte bei jeder europäischen Topadresse spielen, er bleibt aber in seiner Heimatstadt, im beschaulichen kleinen Ängelholm. Grund genug der Faszination Ängelholm auf den Grund zu gehen.

Die Einkaufsstrasse von Ängelholm am Sonntag-Vormittag. (Krein)

Ängelholm liegt an der Bucht Skälderviken, an der schwedischen Westküste. Durch den langen Sandstrand gilt Ängelholm als bekannter Badeort, das Städtchen ist durch einen Birkenwald von der Nordsee getrennt. Die Stadt wirkt am Sonntag Vormittag, auf der Suche nach einem Kaffee, etwas verschlafen und es sind kaum Leute anzutreffen. An den Türen der Läden, sind die Spuren des Aufstiegs des Rögle Bandyklub (BK) aber noch deutlich sichtbar. Plakate und Zeitungsartikel des Aufstiegs im Frühjahr 2008, sind auch im Spätsommer überall noch präsent. Kapitän Jönsson hat seine Mannschaft erstmals seit dem Abstieg 1996 wieder in die oberste Spielklasse zurück geführt.

Jönsson spielt zwischen 1991 und 1995 bereits für das Fanionteam und steigt 1992 mit Rögle in die Elitserien auf. Nach Jönssons Abgang 1995 Richtung Nordamerika, steigt die Mannschaft im ersten Jahr nach Jönsson wieder in die zweite Liga ab oder anders ausgedrückt: „Ohne Jönsson, keine Elitserien.“ Das Eishockey ist allgegenwärtig und Rögle der wichtigste Verein der Stadt, aktuell wird die Ängelsholm Ishall (Gripenhallen) umgebaut und nennt sich künftig Lindab Arena. Man rüstet sich also für die höhere Aufgabe und möchte sich langfristig in der obersten Spielklasse etablieren.

In der Trainingshalle ist das Eis bereits zubereitet und ein Junioren-Training steht auf dem Programm. Die Lindab-Arena steht im Umbau und sollte zum Saisonstart bereit sein. Rögle, trägt seinen Namen ursprünglich vom Bandyklub, welcher auf einem kleinen See im Dörfchen Rögle, südlich von Ängelholm seinen Ursprung hat. Der 1921 gegründete Tradtionsklub, startet erst in seine achte Spielzeit im schwedischen Oberhaus. Mit Jönsson im Team dürfte der Ligaerhalt aber eine lösbare Aufgabe sein, denn mit seiner Integrationsfigur ist Rögle noch nie abgesteigen.

In der neuen Lindab-Arena soll die Elitserien-Rückkehr erfolgreich werden. (Krein)

Von Helden und Deppen in Quebec

Fantastisch würde ich den Aufenthalt bezeichnen, nun was hat Quebec zu einem fantastischen Ort gemacht? Waren es die zwei-drei Spiele welche wir täglich miterleben durften? Waren es vielleicht die Nightclubs «Maurice» und «Chez Dagobert?» Waren es die interessanten Geschichten welche rund und vor allem neben dem Eis über die Bühne gingen? War es die Fan-Meile mit den zahlreichen heissen Animationsgirls auf ihren futuristischen Zweirädern? War es die Faszination und der Bekanntheitsgrad des Russen Alexander Radulow (er ist DER Held in Quebec)? Das Treffen und Biertrinken mit den Franzosen Sébastien Bordeleau und den Treille-Brüdern? Oder vielleicht doch eher das Treffen in den Katakomben des Colisées mit Mark Streit? Die Altstadt von Quebec oder doch eher die heldenhaften Autofahrten unseres Organisators? Nicht zuletzt dürfen wir «Ernst» (unser Ticketkäufer aus der Schweiz, der seit 40 Jahren in Quebec lebt) und den Bieler Hockeyfan auf dem Velo Downtown Quebec nicht vergessen!

Sébastien Bordeleau hat uns an Frankreichs «Ligaerhalt-Party» im Club-Maurice eingeladen. (Michael Möri)

Das Hockey-Paradies

Zweifellos war es für uns das Paradies, Hockey schauen, Hockey leben, Hockey kaufen, Hockey erleben und Hockey staunen, zwischen Alkohol, Ausgang, Morgenessen, wenig Schlaf (nur ein Mann hatte genügend Schlaf), Autofahrten, 1’000 geilen Weibern, feinem und reichhaltigem Essen und grossen TV-Screens – und die Erkenntnis, dass man den Hockeysport nicht mehr ganz so ernst nehmen kann oder darf – oder, dass auch hier «Deppä», «Giglä» und «Gelackmeierte» zu finden sind. Auch wir outeten uns hin und wieder als Deppen.

„Der grosse Held war Alexander Radulow.“

— Radulow mit der Stafford-Smythe-Trophy (MVP) 2006

Der grosse Held der Weltmeisterschaft 2008 war für mich der Russe Alexander Radulow, er ist DJ im Nobelclub Maurice, Topskorer der Nashville Predators, sein Trikot hängt unter der Hallendecke des Colisées, ist russicher Nationalspieler, ist Memorial-Cup-Sieger und MVP mit den Quebec Remparts (siehe Zitat), wurde als Nr. 15 gedrafted, ist Spieler des Jahres aller kanadischen Juniorenligen (QMJHL, OHL, WHL), hat ein grosses Beziehungsnetz und vergnügt sich mit Schweizer Spielerfrauen, das macht ihn zu meinem WM Helden 2008.

Helden und Deppen

In gewisser Weise waren wir beides, manchmal Helden, manchmal Deppen! Als Deppen haben wir unsere sieben Tickets der Viertel-, Halb- und Finalspiele für je 25 kanadische Dollar an einen ehemaligen Schweizer Geschäftsmann verkauft – eigentlich haben wir unsere Seele verkauft. Als Deppen sah uns wohl auch die englische «Miss-Moneypenny-Verschnitt-Flight-Attendant» in der Maschine der British Airways von Montreal nach London. Eher Helden waren wir auf der Tribüne des Pepsi-Colisées, im «Maurice», im «Chez Dagobert» oder für den Franzosen Yorick Treille, der uns jeweils aus der Warteschlange vor dem Club Maurice durch den VIP-Eingang eingeschleust hat. Nun dann bis zur nächsten WM in der Schweiz, auf der Suche nach neuen Helden und Deppen!

Nach dem Schweden-Sieg (unbekannter Schweizer)

Schweden – Schweiz 2:4 (1:2, 0:0, 1:2)
Colisée. – 7’939 Zuschauer. – SR Pellerin /Rönn (Ka/Fi), Fonselius /Geinke (Fi/No). – Tore: 1. (0:48) Paterlini (Di Pietro, Blindenbacher) 0:1. 11. Warg (Martensson, Weinhandl) 1:1. 17. Ambühl (Forster) 1:2. 46. Monnet (Sprunger, Sannitz) 1:3. 60. (59:01) Hörnqvist (Nilsson, Ekman) 2:3. 60. (59:53) Forster (ins leere Tor) 2:4. – Strafen: Schweden 6-mal 2 plus 10 Minuten (Edler) plus Spieldauer (Niclas Wallin), Schweiz 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Schweden ab 59:28 ohne Torhüter. Torschüsse 30:28 (10:7, 10:8, 10:13).
Schweden: Liv (Tellqvist); Jönsson (C), Strålman (2); Edler (12), Niclas Wallin (25); Fernholm, Magnus Johansson; Frögren; Warg, Bäckström, Hörnqvist (2); Ekman, Rickard Wallin, Nilsson (2); Fabricius, Mårtensson, Weinhandl; Johan Andersson, Holmqvist (2), Nilson; Ledin (2).
Schweiz: Hiller (Rüeger); Blindenbacher, Bezina (2); Gerber, Vauclair; Forster, Furrer; Diaz; Di Pietro, Paterlini, Ziegler; Deruns, Jeannin (C), Sannitz; Monnet (2), Reichert (2), Sprunger (2); Ambühl, Wick (2), Bärtschi; Lemm.

Knapp 9000 Zuschauer sitzen bei Frankreich – Weissrussland im Colisée, also rund 1’000 mehr als beim Spitzenspiel Schweiz – Schweden. Im francophonen Quebec avanciert Frankreich zu einer Art «Kanada II.»

Zum 100-jährigen Jubiläum des IIHF kommt die WM 2008 nach Quebec. (Krein)
Dänemarks Mads Bodker (#4) und Schwedens Matthias Weinhandl werden als beste Spieler ausgezeichnet. (Krein)

Beim Zwischenrunden-Spiel der Gruppe E, hat die Schweiz, mit den zwei NHL-Goalies Martin Gerber und Jonas Hiller, gegen Tschechien, mit 16 NHL-Akteuren, in «Spiel 27» in allen Belangen das Nachsehen.Mark Streit, der von Montreal keine WM-Freigabe erhalten hat, verfolgt die Niederlage von der Tribüne aus.

Schweiz – Tschechien, während des 1. Drittels beim Stand von 0:0. (Krein)
Eine Weltklassebank: Kovalchuk (#71), Fedorov (#28) und Ovechkin (#8) warten auf ihren nächsten Einsatz beim Duell der «roten-» gegen die «weissen» Russen. (Krein)
Alexander Ovechkin, beobachtet von Alexander Radulov, verabschiedet sich von NHL-Mannschaftskollege Niklas Bäckström (19), gefolgt von den schwedischen Weltklassegoalies Stefan Liv, der 2011 beim Flugzeugabsturz von Jaroslawl ums Leben kommt, und Henrik Lundqvist. (Krein)
Beim Bully stehen sich Sébastien Bordeleau (Bern) und Jonathan Pittis (Bruder von Domenico) gegenüber. Beide Stürmer treffen beim Knüller um den Ligaerhalt. Italiens Headcoach Michel Goulet muss ausgerechnet in Quebec, seiner ehemaligen NHL-Wirkungsstätte, absteigen. (Krein)
Egal wie gut die Dänen oder wie schlecht die Schweizer, am Ende gewinnt immer die Schweiz. Thierry Paterlini, Thomas Ziegler, Paul di Pietro und Julien Vauclair jubeln in der 32. und 34. Minute gegen Patrick Galbraith und Co. (Krein)
Der ehemalige Langnauer Magnus Johansson wird zum besten Spieler Schwedens ausgezeichnet, dies in einem Spiel unter 26 NHL-Spielern. (Krein)

Während der WM in Quebec gewährt die «Hall-of-Fame», wie schon während des „Rendez-Vous ’87“, mit einem Teil der Ausstellung aus Toronto, einen Einblick in ihr Vermächtnis.

Die Hudson-Battle

Zwei Tage nach dem «In teuflischer Umgebung» gastieren die Teufel durch den Lincoln-Tunnel auf der anderen Seite des Hudson-Rivers. Der Weg führt aber vorher schon über den Hackensack-River, einem Ausleger der Newark-Bay. Ein Derby der ersten Klasse zum 90. mal im Herzen Manhattans. Das letzte Playoff-Duell gewinnen die Devils vor knapp zwei Jahren, im April 2006, mit einem 4:0-Sweep.

Unvergessen ist die hochdramatische Stanley-Cup-Serie im Final der Eastern-Conference 1994, «über sieben Spiele müssen sie gehen», in drei Heimspielen siegen die Rangers im Madison-Square-Garden nur einmal und stehen nach fünf Partien mit 2:3 in der Serie mit dem Rücken zur Wand. Die Rangers gewinnen Spiel sechs in East Rutherford und das siebte- und entscheidende Spiel wird erst in der 84. Minute in der zweiten Overtime durch Stéphane Matteau doch noch zu Gunsten der Rangers entschieden.

Alle sieben Partien sind mit 18’200 (in New York) und 19’040 (in East Rutherford) Zuschauern ausverkauft und die Rangers holen in der Folge am 14. Juni 1994 gegen die Vancouver Canucks im siebten Spiel den letzten Stanley-Cup der Klubgeschichte. Ausverkauft ist auch die neuste Ausgabe zwischen den Rangers und Devils am 9. Dezember 2007, mit dem letztjährigen Lugano-Söldner Jason Strudwick. Die Dramaturgie ist beinahe mit dem unvergessenen Playoff-Duell aus dem Jahre 1994 vergleichbar, denn der Entscheid fällt, im torärmsten Spiel der Geschichte, ebenfalls erst in der Overtime.

Brendan Shanahan, wird im Januar 39-jährig, schiesst als ältester Mann auf dem Eis die Rangers mit dem einzigen Tor des Abends nach 30 Sekunden in der Verlängerung ins Glück. Im Tor der Devils steht in seiner 16. Saison Martin Brodeur, der Weltklasse-Goalie ist der einzige Spieler der von der damaligen «Battle-of-the-Hudson-River» 1994 noch dabei ist. Ausgerechnet Shanahan, der einst, 1987, von den Devils aus New Jersey als Nummer zwei im Draft gezogen wird und vier Spielzeiten in East Rutherford verbringt, entscheidet die 179. «Hudson Rivalry», wie das Duell auch noch genannt wird, für das Team aus Manhattan.

9. Dezember 2007 – Spiel 430

New York Rangers – New Jersey Devils 1:0nV (0:0, 0:0, 0:0, 1:0)
Madison-Square-Garden. – 18’200 Zuschauer. – SR McCreary (7) /Kozari (40), Dapuzzo (60) /McElman (90). – Tor: 61. (60:30) Shanahan (Gomez, Tyutin) 1:0. – Strafen: New York 4-mal 2 Minuten. New Jersey 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Shanahan*, Lundqvist** (beide New York) und Brodeur*** (New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet.

#Spieler#Spieler#Spieler#Spieler
LundqvistCallahanBrodeurGionta
ValiquettePruchaWeekesLangenbrunner
RozsivalMaraGreeneRupp
GirardiOrrWhiteBrylin
ShanahanStrudwickMartinZajac
BettsHollwegBrookbankAsham
DubinskyTyutinPariseClarkson
StaalJagrZubrusElias
GomezHossaPelleyMottau
DruryStrakaMaddenRachunek

Saison 2007-08

DatumSpielResultat
25.10.2007Rangers – Devils2:0
3.11.2007Rangers – Devils2:1nP
14.11.2007Devils – Rangers2:4
9.12.2007Rangers – Devils1:0nV
Bis im April geht die «Battle-of-the-Hudson-River» noch vier mal über den Fluss.
Das 90. Duell im Madison-Square-Garden ist die torärmste Partie der Geschichte und in der zwölften Overtime, erst der fünfte Rangers-Sieg. (Krein)

Bilanz im Garden

SpieleSiege-NYRSiege-NJDRemis
90442917
DatumResultatNotiz
9.12.20071:0nV
3.11.20072:1nP
25.10.20072:0
22.2.20072:3nP
17.12.20061:6
14.11.20063:2
16.10.20064:2
29.4.20062:4Playoff
26.4.20060:3Playoff
22.1.20063:1
20.12.20051:3
5.11.20053:2nP
13.10.20054:1
15.3.20041:3
21.2.20043:7
15.1.20043:3
4.4.20031:2
23.12.20022:2
26.2.20023:4
19.12.20012:2
17.10.20014:4nV
11.2.20011:1
6.1.20015:5
8.2.20002:2
2.2.20001:3
26.12.19993:3
6.1.19992:5Gretzky (NYR)
16.10.19981:2Gretzky (NYR)
9.3.19982:2Gretzky (NYR)
24.1.19983:3Gretzky (NYR)
12.11.19972:3Gretzky (NYR)
8.5.19973:0Playoff, Gretzky (NYR)
6.5.19973:2Playoff, Gretzky (NYR)
17.2.19972:2Gretzky (NYR)
12.1.19973:0Gretzky (NYR)
2.4.19963:1
4.3.19962:2
27.11.19951:1
22.3.19952:5
8.3.19956:4
27.5.19942:1nVPlayoff
23.5.19941:4Playoff
17.5.19944:0Playoff
15.5.19943:4nVPlayoff
26.12.19938:3
5.12.19932:1
31.10.19934:1
4.1.19933:3Brooks (NJD)
23.12.19924:5nVBrooks (NJD)
14.10.19926:1Brooks (NJD)
1.5.19928:4Playoff
27.4.19928:5Playoff
21.4.19923:7Playoff
19.4.19922:1Playoff
22.3.19926:3
4.3.19924:5
23.12.19913:0
16.10.19914:2
26.3.19913:3
24.2.19915:2
13.2.19916:3
30.12.19902:2
19.2.19904:3nV
26.12.19894:4Ruotsalainen (NJD)
6.12.19895:3Ruotsalainen (NJD)
20.2.19897:4
9.1.19894:5
26.12.19885:1
10.10.19880:5
8.3.19887:4
16.12.19879:3
10.11.19872:3
25.3.19872:8Höchster NJD-Sieg
26.1.19876:3
23.12.19868:5
9.10.19863:5
31.3.19869:0Höchster NYR-Sieg, Ruotsalainen (NYR)
23.10.19855:1Ruotsalainen (NYR)
13.10.19852:3nVRuotsalainen (NYR)
17.3.19857:3Ruotsalainen (NYR)
14.1.19851:2Ruotsalainen, Brooks (NYR)
6.1.19855:4nVRuotsalainen, Brooks (NYR)
18.11.19840:6Ruotsalainen, Brooks (NYR)
4.1.19844:3nVRuotsalainen, Brooks (NYR)
12.12.19833:7Ruotsalainen, Brooks (NYR)
5.10.19836:2Ruotsalainen, Brooks (NYR)
1.4.19833:3Ruotsalainen, Brooks (NYR)
6.3.19834:6Ruotsalainen, Brooks (NYR)
9.1.19834:3Ruotsalainen, Brooks (NYR)
12.12.19824:0Ruotsalainen, Brooks (NYR)
Statistik: eishockeyblog

In teuflischer Umgebung

Am 6. Mai 2007 spielen die New Jersey Devils ihr letztes Spiel in ihrer Urstätte in East Rutherford, die Viertelfinalpartie gegen die Ottawa Senators geht mit 2:3- und die Serie mit 1:4 verloren. Letzter Torschütze ist Scott Gomez und das wars nach 25 Jahren in der ursprünglichen Brendan-Byrne-Arena, die ihr Ende unter dem Namen Continental-Airlines-Center erlebt.

Spielverderber Ottawa

Nach einem Saisonauftakt von neun Auswärtspartien, eröffnen die Devils ihre neue Heimat im Prudential Center am 25. Oktober 2007. Und wieder heisst der Gegner Ottawa. Und wieder gehen die Senatoren aus der kanadischen Hauptstadt mit einem 4:1 als Sieger vom Eis. Erster- und einziger Devils-Torschütze ist Brian Gionta.

Zum zwölften Heimspiel im neuen Center lande ich, an einem kalten Dezember-Abend, rechtzeitig am Flughafen Newark. Zum Hotel-Check-In reichts aber nicht mehr vor dem Spiel. So geht’s per Taxi direkt durch die düstere Gegend der «Brick-City», wie Newark rund um New York genannt wird, ans Spiel gegen die Washington Capitals. Auch für die Gäste ist es das erste Spiel in der neusten NHL-Arena.

   «Devils Hockey» in der Inaugural-Season an der Lafayette Street 25, an einem kalten Dezember-Abend 2007. (Krein)

An den Strassen rund ums Stadion hängen bereits die Fahnen der Devils und lassen erste Vorfreude aufkommen, nach einem kurzen innehalten und einem Blick der kahlen und kalten Lafayette-Street entlang, kommt der Gedanke schnellst möglichst ins Stadion zu kommen. Doch irgendwie passt die düstere Umgebung zu den Devils. Der Legende nach soll es in New Jersey seit dem 18. Jahrhundert immer wieder zu Sichtungen mit einem teufelartigen Wesen gekommen sein.

Die Legende des Jersey Devil

1905 Im Januar 1909 schafft es die Legende sogar ins «Philadelphia-Evening-Bulletin», wo mehrere Augenzeugen den «Jersey Devil», welches auch als «the Beast from East» genannt wird, gesehen haben wollen. Durch diese Ereignisse werden sogar Schulen und Geschäfte kurzzeitig geschlossen. Das Teufelswesen soll Hunden oder Pferden ähneln, rotglühende Augen und Hörner haben. Die Legende wird später durch Geschichtsprofessoren, widerlegt.

Der Teufel schafft es trotzdem ins Hockeybusiness, bereits 1964 spielen die Jersey Devils (siehe Foto) in der Eastern-Hockey-League (EHL). Diese Legende inspiriert 1982, nach dem Umzug der Rockies aus Denver, auch die Macher der New Jersey Devils und die aktuelle Umgebung des Stadions könnte dies nicht besser unterstreichen, teuflisch eben.

7. Dezember 2007 – Spiel 412

New Jersey Devils – Washington Capitals 3:2 (2:0, 0:0, 1:2)
Prudential-Center. – 17’625 Zuschauer. – SR Morton (36)/McGeough (19), Nelson (80)/Wheler (56). – Tore: 12. Vishnevski 1:0. 16. Zubrus (Gionta, Elias/Ausschluss Schultz) 2:0. 46. Semin (Bäckström) 2:1. 47. Zajac (Brookbank, Langenbrunner) 3:1. 59. Laich (Motzko, Ovechkin) 3:2. – Strafen: New Jersey 4-mal 2 Minuten, Washington 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Zubrus*, Brodeur** und Vishnevski*** (alle New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet.

#Spieler#SpielerSpieler#Spieler#
BrodeurGiontaKolzigKozlov
WeekesLangenbrunnerJohnsonMorrisonn
Vishnevski16ZubrusPothierSemin
WhiteBrylinPotiSteckel
GreeneZajacOvechkinFleischmann
MartinAshamBradleyMotzko
BrookbankClarksonPettingerGreen
PariseEliasBackstromLaing
PelleyMottauLaichSchultz
MaddenRachunekJurcinaBrashear

Aegerter und die Gastfreundlichkeit

Meran, bekannt für seine Heilbäder als Kurort im schönen Südtirol oder die zahlreichen Besuche von Kaiserin Sissi, aber auch bekannt durch den Hockey-Club Meran. Nach einem Abstecher aus der Meraner Altstadt, wo in einem Sportgeschäft das letzte Meistertrikot (Foto) hängt, erreicht man zu Fuss innert 15 Minuten die Meranarena, das renovierte Stadion des zweifachen italienischen Meisters.

Unter Bryan Lefley holten die Südtiroler 1986 ihren ersten „Scudetto“, unter Miroslav Frycer und Gary Clark holten die Ladiner 1999 den zweiten Titel. Zuletzt spielte der italienische Zweitligist unter dem Schweizer Bruno Aegerter und holte den Titel in der Serie B.

Die Halle ist im Hochsommer selbstverständlich geschlossen, doch ein Eismeister „knorzt“ etwas in seinem Kämmerlein. Die Stadiontüren kann er mir nicht öffnen, doch nach einem kurzen Smalltalk über den HCM und meine Herkunft, aus dem gleichen Land wie deren beliebter Meistertrainer Aegerter, lassen den Eismeister in seinen Schubladen grübeln.

Ein Programm der U18-EM 2006, Meran war Austragungsort, und paar Aufkleber des HC Merano überreicht mir der freundliche Eismeister. Aegerter muss hier gute Arbeit verrichtet haben oder ist es einfach die übliche Südtiroler Gastfreundlichkeit?

Més que un Club

Wer 1989 im offiziellen Jahrbuch des IIHF, dem «International IIHF-Yearbook 1988-89» auf den Seiten 161 und 162 die spanische Meisterschaft studiert, kommt ins Grübeln, dies noch mehr im Kindesalter. Vier Mannschaften spielen 1988 um den spanischen Meistertitel, Txuri Urdin, CC Hielo Jaca, Puigcerda und der FC Barcelona? Im Alter von elf Jahren fragst du dich, sind das die Fussballer welche Eishockey spielen? Sind das die gleichen Spieler wie im Fussballteam? Da die Spanier auf dem Eis ja nicht zur Weltspitze gehören, könnten die Fussballer durchaus so gut Eishockey spielen um dabei den spanischen Titel zu holen? Fragen über Fragen, denn diese zwei Seiten sind nun während eines Jahres die einzige Quelle der iberischen Halbinsel.

Im Laufe der Jahre beantworten sich die Fragen um die Eishockeyabteilung des grossen FC Barcelona aufgrund der Spieler, welche mehr und mehr unter den Topskorern der Liga auftauchen, von selbst. 1991-92 stellt der FCB die drei besten Skorer der Liga, darunter ist der Nationalverteidiger Miguel Baldris, welcher 1986 sogar von den Buffalo Sabres gedraftet wurde. Baldris stammt jedoch wie die beiden anderen Goalgetter Denis Bourque und Pierre Millier aus Kanada. Die Puckjäger der katalanischen Fussballabteilung holen 1997 und 2002 ihre Meistertitel drei- und vier.

Erst am 27. April 2007 betrete ich erstmals die «Pista-de-Hielo» auf dem grossen Campus-Barcelonas. Neben dem imposanten Fussballstadion «Camp-Nou» mit 98’787 Plätzen, geht die kleine «Eishalle», eröffnet am 23. Oktober 1971, mit gerade mal 1’256 Plätzen unter. Dennoch haben die Geschehnisse in diese Halle schon einiges geboten. 1972 erlebte die Eishockeyabteilung unter dem finnischen Trainer Juhani Wahlsten ihre Premiere, neben 1994 ging hier auch 1979 die C-Weltmeisterschaft über die Bühne und die Spanier stürmten mit den vier einheimischen Bienvenido Aguado, Simo Ramon Regada, Juan-Carlos Cebrian und FCB-Captain Carlos Kubala auf den hervorragenden fünften Rang.

„Training? Immer am Donnerstag?“

— Eismeister der FCB Pista de Gel

Kubala ist der wichtigste Spieler aus der Sektion «Hoquei Hielo» innerhalb des Vereins, sein Vater Laszlo ist eine Fussball-Legende und wurde 1999 zum grössten Barça-Spieler aller Zeiten gewählt. Die Eishockeysektion wird auf der Homepage unter «Other sports» geführt und gehört zu den Randsportarten des Klubs. Trikots der Eishockeysektion gibts in keinem Souvenirshop, aber immerhin finde ich in einem FCB-Jahrbuch ein Foto des aktuellen Teams. Der Eismeister kommt sogar ins Grübeln wenn man ihn um die Trainingszeiten fragt, mit einer unsicheren Antwort sagt der nette Mann, wie einst Wally (Walter Reilly) bei Crocodile Dundee, rückfragend: «Immer am Donnerstag?»

Während meines Barcelona-Trips im April 2007 verpasse ich die spanischen Kufencracks um gut einen Monat. Das letzte Spiel ging hier am 17. März über die Eisfläche. In der Copa-del-Rey sowie in der Meisterschaft war für die «blaugrana» jeweils im Halbfinal gegen Jaca bzw. Puigcerda Schluss. Trotz des minimalen Trainingsaufwandes des Spitzenclubs, hat Barça aber sämtlichen Schweizer Nationalliga-Vertretern eines voraus, denn der Fussballclub zeigt sich äusserst grosszügig gegenüber der Eishockeyabteilung und der Eisbetrieb wird auch im Sommer fortgesetzt. Der FC Barcelona ist halt eben rundum «més-que-un-Club» (mehr als ein Club), auch wenns dabei «nur» um eine Randsportart geht.

Die fehlende Sekunde der Resega

Wenn der HC Lugano kurz vor einem Schweizermeister-Titel steht, dies Zuhause in der «Pista-la-Resega», gibts in der «Curva-Nord» kein halten mehr. Die Spannung des fanatischen Publikums ist kaum zu beschreiben, vielleicht ist es wie kurz vor dem Start zu einem 100-Meter-Final. Wenn der Startschuss erfolgt, explodiert der 100-Meter-Sprinter. Für Lugano heisst das, die Fans brechen über Banden und Abschrankungen herein, wie beim Bruch eines Staudamms.

Wenn also Ville Peltonen bei Spielzeit 59 Minuten und 59 Sekunden, die Scheibe im leeren Davoser Kasten zum 3:1 versenkt, dann wars dies. Das Schauspiel ist unbezahlbar und emotional kaum zu verarbeiten und das Erlebnis für jeden nicht-Lugano-Fan fast beängstigend. Es ist die pure Leidenschaft des gesamten Sottoceneris welche hier in wenigen Minuten wie der Lago di Lugano überläuft.

„Die Dämme brechen bei Peltonens 3:1, eine Sekunde vor Schluss.“

— Michael Krein

Auf dem Videowürfel steht immer noch 59:59, die Spieler sind bereits im Fan-Taumel unter gegangen und auf dem Würfel leuchtet «CAMPIONI!!!» Wo sind die Schiedsrichter? Wo sind die Gäste aus dem Bündnerland? Muss die Sekunde noch gespielt werden oder darf man eine Sekunde vor dem offiziellen Spielende den Match so als zu Ende gespielt werten? Und der Meisterschütze Peltonen? Wird mit Sprechchören «Vii-lle Pel-too-nen» frenetisch gefeiert.

Selbstverständlich wäre in dieser Sekunde nichts mehr passiert. Lugano war seit dem vierten Viertelfinal-Spiel, am 14. März, nach dem Overtime-Sieg in der Leventina gegen den HC Ambrì-Piotta nicht mehr zu stoppen. Einen Monat später, am 13. April, knapp vor 22 Uhr 30, geht die wohl beeindruckendste Auferstehung in der Geschichte des Schweizer Eishockeys mit dem siebten Meistertitel Luganos, eine Sekunde zu früh, zu Ende.

Der siebte Titel Luganos stillt selbst unseren Hunger noch nicht, so gibts in der ebenfalls ausverkauften Resega-Bar «Club 41», keine Champignons Pizza, sondern eine Campioni-Pizza, welche uns den Magen füllt. Die Meisterfeier auf dem Gemeinde-Boden «Porza» dauert noch bis in die frühen Morgenstunden und auch in der Meisterkabine schauen wir bei Sannitz und Co. kurz vorbei. Unser Nachtlager übrigens, wurde vor dem Spiel kurzerhand durch meine Arbeitskolleginnen der Manpower-Filiale, an der «Via Pretorio» organisiert, «Grande» dieses Lugano.

«Pizza-Campioni» mit meinem langjährigen Sturmpartner Markus Eggimann (links) und Michael Möri. (Claude Moeri)

13. April 2006 – 5. Finalspiel

Lugano – Davos 3:1 (1:0, 1:1, 1:0)
Resega. – 7’800 Zuschauer (ausverkauft). – SR Reiber, Wehrli /Wirth. – Tore: 9. Nummelin (Jeannin, Gardner /Ausschluss Sutter) 1:0. 22. Guggisberg 1:1. 25. Sannitz (Nummelin, York /Ausschluss Kress) 2:1. 60. (59:59) Peltonen (Metropolit, ins leere Tor) 3:1. – Strafen: Lugano 5-mal 2 Minuten, Davos 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lugano ohne Conne (verletzt), Bianchi, Hänni, Norris und Oksa (alle überzählig), Davos ohne Heberlein (verletzt), Blatter und Wilson (beide überzählig). – Davos ab 59:19 ohne Goalie. – Time-outs: 60. (59:24) Lugano, 60. (59:49) Davos.
Lugano: Rüeger; York, Vauclair; Guyaz, Cantoni; Nummelin, Hirschi; Gardner, Metropolit, Peltonen; Hentunen, Sannitz, Jeannin; Näser, Wirz, Murovic; Reuille, Romy, Fuchs.
Davos: Hiller; Gianola, Jan von Arx; Hauer, Häller; Winkler, Kress; Ramholt, Ackeström; Riesen, Reto von Arx, Christen; Juhlin, Marha, Hahl; Guggisberg, Rizzi, Ambühl; Bruderer, Sutter, Burkhalter.

Turin retour in zwanzig Stunden

Olympische Spiele haben auch als Zuschauer etwas magisches, meine Kindheitserinnerungen gehen nach Albertville, das Olympische Turnier findet 1992 in einer sonnigen Februarwoche statt, die Hälfte der Spiele verpasse ich, weil ich mit der Schule im Skilager weile. Dennoch prägt mich das Turnier von Meribel. Die Franzosen steigen als frische A-Nation erstmals, auf Kosten der Schweiz in die Top-Acht auf. Die Schweiz enttäuscht mit dem zehnten Rang. Unvergessen bleibt Deutschlands Penaltykrimi gegen Kanada, mit dem «tragischen Helden» Peter Draisaitl.

Mit diesen Erinnerungen steht Olympia 2006 vor der Haustüre. So nah wie jetzt werde ich die Olympischen Spiele so schnell nicht wieder besuchen können. Also dann, nichts wie hin nach Turin. Mittwochs in der Früh, am 22. Februar, morgens um 7 Uhr 30 startet unsere olympische Mission in Lyss. 16 Uhr 30 sitzen wir in der provisorischen Olympiahalle von Turin, der «Esposizioni», an der Via Petrarca.

Vorher haben wir kurz Zeit, mit dem Olympischen Bus – wir parkieren am Stadtrand – ins Zentrum zu fahren und uns zu verpflegen. Die Strassen Turins sind äusserst belebt, überall sind Teamjacken von Athletinnen und Athleten zu sehen, ein Stadtzentrum ist nicht wirklich auszumachen, denn in der Trabantenstadt ist irgendwie überall Stadtzentrum. Der Olympia-Shop hält nicht was er verspricht, die Artikel sind nicht wirklich kaufwürdig. Hilfreich und freundlich sind dafür die Tourist-Guides, welche dich an jeder Ecke mit Karten und Wegweisern versorgen.

Doch nun zum Spielbeginn in der «Esposizioni.» Das Viertelfinalspiel zwischen der überraschenden Schweiz und dem Favoriten aus Schweden beginnt. Nach 30 Minuten stehts bereits 4:1 für die Mannschaft von Bengt-Ake Gustafsson und leider kann das Team von Ralph Krueger nicht an die Leistungen gegen Kanada (2:0) und Tschechien (3:2) anknüpfen. Die Erwartungen vor der Partie waren hoch, die Enttäuschung ebenfalls. So verabschiedet sich die Schweiz, trotz sensationellem Turnier, bereits im Viertelfinal. Im Duell der ehemaligen Feldkircher verliert Lehrer Krueger gegen seinen ehemaligen Schüler.

Am Abend steht ein weiterer Leckerbissen auf dem Programm, Russland trifft auf Kanada und beide in NHL-Bestbesetzung. Dazwischen gibts aber auch für uns einen «Leckerbissen» in Form einer Pizza, beim «echten Italiener» um die Ecke. Am Nachbartisch sitzen ebenfalls zwei Schweizer, Jann Billeter und Stefan Figi. Nach einem Smalltalk und einem guten Appetit bei Pizza-Prosciutto und Co. freuen wir uns alle auf die bevorstehende Affiche. Auf dem Weg zur «Pala Hockey» liegt an der Via Pietro Giuria 42 sogar ein Hockey-Shop mit dem passenden Namen Winter-World.

Kris Draper und Pavel Datsyuk bestreiten das Bully zum besten Spiel welches ich je im Stadion gesehen habe. Mit einem unheimlichen Tempo begegnen sich die grössten Rivalen des Eishockeysports in der hauptsächlich durch Russen besetzte Olympia-Halle. Eine Minute vor Schluss, beim Stand von 0:1, ersetzen die Kanadier Martin Brodeur durch einen sechsten Feldspieler, 28 Sekunden später muss Chris Pronger auf die Strafbank, Brodeur kehrt zurück und Russland erzielt noch das 2:0.

«Turin-retour» ist, trotz der Schweizer Niederlage, ein voller Erfolg. Die Reise hat sich gelohnt, auch wenn sich die Rückfahrt via Grosser Sankt Bernhard bis morgens um 4 Uhr ermüdend dahinzieht. Zwanzig Stunden und dreissig Minuten dauert der olympische Traum, kurz, intensiv, spektakulär und einmalig, so das Fazit. Der nächste Besuch bei den Olympischen Spielen wird frühestens 2018 sein.

Schweiz – Schweden 2:6 (1:2, 0:3, 1:1)
4′ H. Sedin (D. Sedin, Lidström) 0:1.
9′ Streit (Della Rossa, Plüss) 1:1,
14′ Modin (Forsberg, Alfredsson) 1:2,
23′ Zetterberg (Holmström, K. Jönsson) 1:3,
30′ M. Sundin (Lidström, Alfredsson) 1:4,
33′ M. Sundin (Forsberg, Tjärnqvist) 1:5,
41′ Lemm (Rüthemann) 2:5,
49′ Pahlsson (Alfredsson, Axelsson) 2:6.

Esposizioni: 2970 Zuschauer
SR: Marouelli (Ka); Nelson, Seljanin (USA/Russ)
Str. (Sz): 4×2′
Str. (Sd): 1×2′

Schweiz: Gerber; Keller, Streit; Blindenbacher (2), Hirschi; Seger, Bezina; Forster, Vauclair; DiPietro, Plüss, Della Rossa; Paterlini (2), Rüthemann, Ambühl; Conne (2), Jenni (2), Fischer; Lemm, Jeannin, Wichser.
Schweden: Lundqvist; Lidström, Öhlund; Hävelid, Tjärnqvist; K. Jönsson, Bäckman; R. Sundin; Modin, M. Sundin, Forsberg; Alfredsson, Pahlsson, Axelsson; Holmström (2), J. Jönsson, Zetterberg; Samuelsson, H. Sedin, D. Sedin; Hannula.

Russland – Kanada 2:0 (0:0, 0:0, 2:0)
42′ Ovechkin (Kozlov) 1:0,
60′ Kovalev (A. Markov) 2:0.

Esposizioni: 4130 Zuschauer
SR: Larue (USA); Sericolo, Karlsson (USA/Sd)
Str. (R): 8×2′, 1×5′ plus Spieldauer (Malkin)
Str. (K): 8×2′

Russland: Nabokov; A. Markov, D. Markov (2); Tjutin, Volchenkov; Kasparaitis, Gonchar (2); Vishnevski, Zhukov (2); Kovalev (2), Datsyuk, Kovalchuk; Kozlov, Yashin, Ovechkin (2); Sushinski (2), Malkin (25), Charitonov; Afinogenov (2), Korolyuk, Taratuchin (2).
Kanada: Brodeur; Foote, Redden; Bouwmeester, Pronger (4); Blake, Regehr; McCabe; Iginla, Sakic, Gagné (2); Heatley, Richards (2), Draper; Bertuzzi (2), Thornton, Nash (2); St. Louis, Lecavalier (2), Smyth (2); Doan.

Tiroler Wasserkraft und Nordamerika-Pioniere

Innsbruck, Olympiastadt von 1964 und 1976, Wintersportort im schönen Tirol. Premiere in der österreichischen Bundesliga, in der 49. Runde gehts zum Spiel des HC «Tiroler Wasserkraft» Innsbruck gegen die Vienna Capitals. Ich erinnere mich an den «Gösser» EV Innsbruck, welcher 1989 beim Europacup in Bern gastiert oder an den Schweizer Bundestrainer Rudi Killias, welcher in der letzten Blütezeit Innsbrucks an der Bande steht. Die Sponsoren prägen das österreichische Eishockey seit Jahren. Nicht nur auf dem Eis dominiert die Werbung, sondern auch auf dem Tenü der Spieler. Als Kind ist dies für mich höchst beeindruckend und heute eher wieder gewöhnungsbedürftig.

Hohenberger und Baumgartner

Mit Martin Hohenberger (1995) und Gregor Baumgartner (1997) stehen zwei der ersten österreichischen NHL-Draftpicks in den beiden Kadern. Beide wurden von den Montreal Canadiens gezogen und beide spielten den Grossteil ihrer Karriere in Nordamerika, für Baumgartner ist es die erste Station seit seiner Rückkehr im letzten Sommer. Hohenberger bringt es auf neun AHL-Spiele für die Fredericton Canadiens, Baumgartner kommt auf 35 AHL-Partien mit den Utah Grizzlies, wo Mark Streit ein Jahr vor dem Österreicher gespielt hat. Ein weiterer ehemaliger US-Söldner ist Wiens André Lakos, der Verteidiger überflügelt mit 184 Einsätzen in der AHL seine beiden Wegbereiter, Lakos wurde 1999 von den New Jersey Devils gezogen.

Trotz der Abwesenheit von Hohenberger, erwischt das «Tabellenschlusslicht» aus Innsbruck den besseren Start und geht in der kalten Olympiahalle mit 1:0 in Führung. Der Schlüssel zum Innsbrucker Sieg ist die 23. Spielminute, innert 13 Sekunden schiessen die Haie zwei Tore und ziehen mit 3:0 davon. In der zwölften Reihe auf der Westtribüne notiere ich zwei Wiener Anschlusstreffer, das «Kelly-Chips-Team» um Baumgartner und Lakos kommt noch einmal ran, ehe Peter Kasper mit der «Tiroler Wasserkraft» für die Haie, nach acht Niederlagen in Serie, ins leere Tor der Wiener den Schlusspunkt setzt. Eine gelungene Abwechslung zur Schweiz und eine zwar etwas kalte, aber gemütliche Atmosphäre im legendären Olympiastadion, welches für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr umgerüstet wird.

Auch dieser alterwürdige Teil muss dem Umbau zur WM-Halle 2005 weichen. (Krein)

Sonntag, 29. Februar 2004 (Runde)

HC TWK Innsbruck – Vienna Capitals 4:2 (1:0, 2:1, 1:1)
Olympiahalle. – 1’200 Zuschauer. – SR Carlsson, Neuwirth/Six. – Tore: 7. Lindner (L. Schwitzer, Kasper) 1:0. 23. (22:33) Schlögl (Strobl) 2:0. 23. (22:46) Tropper (Fox, Guidarelli) 3:0. 29. P. Harand (Kniebügel, Latusa) 3:1. 56. Juza (C. Harand, Baumgartner) 3:2. 60. Kasper (Fox, ins leere Tor) 4:2. – Strafen: Innsbruck 6×2 Minuten, Vienna 4×2 Minuten.
Innsbruck: Dalpiaz (Gottardis); Mellitzer, Stern, Praxmarer, F. Schwitzer (2), Rahm, Silfwerplatz (2), Mana, Kasper; Schönberger, Mössmer, Höller, Lindner (2), Schlögl (2), L. Schwitzer, Guidarelli, Fox (2), Tropper (2), Strobl.
Vienna Capitals: Leinonen (Bartholomäus); Wieselthaler (2), P. Lakos (2), Ponto, Havasi, Werenka, A. Lakos, Privoznik; Kniebügel, Tsurenkov, Latusa, P. Harand, Craig (2), Podloski, C. Harand (2), Juza, Baumgartner, Leiner.