Kennen sie den Kochlöffel? Vielleicht den aus der Küche, nicht aber Jaroslav Kochlöfl, es sei denn sie sind ein Anhänger des EV Zug oder ein Kenner des tschechoslowakischen Eishockeys. Jaroslav Kochlöfl immigrierte 1971 als tschechoslowakischer Flüchtling in die Innerschweiz. Kochlöfl spielte in der Saison 1971-72 beim damaligen Erstligisten EV Zug und wurde in seiner einzigen Zuger Saison mit 21 Toren und 4 Assists in 17 Spielen Topskorer. Dieser Status befördert den Exil-Tschechoslowaken in die Kategorie Drei der «EVZ Wall-of-Fame». Das bedeutet «mindestens fünf Saisons beim EVZ oder mindestens eine Saison EVZ-Topskorer». Wer in Zug an die Wände kommt, wird nach einem genauen Schlüssel definiert.
Jaroslav Kochlöfl, entspricht dem Schlüssel zur «EVZ Wall-of-Fame» (Krein)
Patrick Fischer und Patrick Fischer
Zwei Kategorien höher und zwei Schriftklassen grösser ist der Status von Patrick Fischer II. Der Verteidiger bestritt zehn Saisons für die Zuger und trat im vergangenen Sommer zurück. Fischer wird vor dem Spiel gegen den HC Lugano (1:7) offiziell in der Kategorie Eins der Wall-of-Fame aufgenommen. Ebenfalls auf der Wall-of-Fame steht Lugano-Trainer Patrick Fischer. Zusätzlich hängt Fischers Rückennummer 21 unter der Hallendecke der Bossard-Arena. Damit erfüllt der ehemalige Zuger-Junior mindestens vier von fünf Kriterien, Fischer erfüllt sogar noch ein weiteres Kriterium, welches ihm dann die Ehre einer «Retired Number» unter dem Hallendach gebührt.
Lugano-Trainer Patrick Fischer steht unter seiner gesperrten Rückennummer 21 in Zug. (Krein)
Peter Andersson und Peter Andersson
Peter Andersson spielte ebenfalls in Zug. Gemeint ist aber nicht Luganos aktueller Assistenzcoach und Vater von Ex-Zug-Spieler Calle Andersson, sondern Peter Andersson aus Timra. Zugs Peter Andersson spielte in der Saison 1989-90 beim EVZ und ist aktuell Assistenzcoach bei den SCL Tigers. Peter Andersson (II) aus Karlstad steht seit 2013, als Assistent von Patrick Fischer an der Bande der Bianconeri. Und was macht der andere Patrick Fischer? Sein Name steht auf der Wall-of-Fame, ganz in der Nähe von Kochlöfl. Der Wall-of-Fame würdig sind an diesem Abend aber nur die Spieler von Luganos Patrick Fischer.
Ein berühmter «Eishockey-Chronist» sagte einmal «im Bäre z Madiswil sisi abghoue», gemeint sind die ehemaligen DDR-Nationalspieler Guido Hiller und Stefan Steinbock. Die Geschichte war mir nur schleierhaft bekannt, aus dem deutschen «Eishockey Jahrbuch 90» wusste ich, dass die beiden Spitzensportler in den Westen geflüchtet waren, wenige Wochen später aber wieder in die DDR zurück gekehrt sind. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls eine perfekte Story mit Schweizerbezug.
Im September 1970 beschloss der DDR-Sportverband DTSB, nur noch die Medaillen-intensiven Sportarten zu fördern. «Wir brauchen zum Aufbau der sozialistischen Wirtschaft jede Mark. Um Eishockey zu betreiben, benötigt man jährlich die Finanzen von zirca zwei hochseefisch-verarbeitenden Kühlschiffen. Also, liebe Sportler, was brauchen wir dringender Eishockey oder Kühlschiffe?» lautete die damalige Begründung von Staatssekretär Rudi Hellmann.
20 Jahre Dynamo gegen Dynamo
Ab diesem Zeitpunkt spielten nur noch zwei Mannschaften in der Oberliga der DDR: Der SC Dynamo Berlin und die SG Dynamo Weisswasser. 20 Jahre duellierten sich die beiden «Polizeiclubs» in zahlreichen Serien. In 20 Jahren teilten die «Dynamos» in 178 Spielen alle Ostdeutschen Meistertitel, davon gingen 12 an die Ostberliner und acht an die Lausitzer aus Weisswasser. Zurück zur Geschichte, am 11. November 2014, befördert mich Hauptprotagonist Steinbock per Telefon zurück in die alte Zeit des eisernen Vorhangs.
Wir schreiben das Jahr 1984, es würde noch sechs Jahre dauern bis zum Fall der Mauer, was aber damals noch keiner für möglich gehalten hätte. Auch Hiller und Steinbock nicht, die beiden teilen sich bei ihren Auslandreisen (Weltmeisterschaften, Europacup-Spiele, Freundschaftsturniere und Trainingslager) über Jahre ein Zweierzimmer. «Das schweisst zusammen, da weisst du alles von deinem Partner» sagt Steinbock. Die Idee einer Flucht nach Westen ergab sich im Laufe der Zeit.
Hiller setzt sich in der Schweiz ab
Im September 1984 ist es soweit, Hiller fasst den Entschluss abzuhauen. Der SC Dynamo Berlin, vom Oberaargauer-Cup in Langenthal kommend, mit Spielen gegen Basel (9:3) und Arosa (5:4), übernachtet am Ende der jährlichen Schweizer-Tournee im Hotel Mövenpick in Kloten. Hiller informiert seinen Zimmergenossen Steinbock über seinen Entschluss, doch Steinbock ist noch nicht soweit. So desertiert Hiller im Alleingang und lässt seinen Kumpel zurück.
„Ach du Scheisse, jetzt müssen wir in Zinnwald die Bobbahn putzen“
— Hartmut Nickel
Steinbock wird die schwere Aufgabe haben, am nächsten Morgen die beiden Coaches Joachim Ziesche (1999 Aufnahme in die IIHF Hall-of-Fame) und Hartmut Nickel über Hillers Abgang zu informieren. Nickels Worte wird Steinbock nie vergessen: «Ach du Scheisse, jetzt müssen wir in Zinnwald die Bobbahn putzen».
Steinbock folgt drei Monate später
Nach Hillers Abgang bleibt Steinbock der Kontakt zu seinem Kumpel verwehrt. Ein Teamkollege kauft bei einem Zwischenhalt in Kopenhagen die Bild-Zeitung und da ist ein Artikel über Hillers Engagement beim Bundesligisten Mannheimer ERC publiziert. Bis Weihnachten 1984 fasst auch Steinbock den Entschluss die Flucht nach Westen anzutreten. Steinbock gastiert vom 19. bis 22. Dezember mit der Nationalmannschaft an einem Vierländerturnier in Feldkirch. Die DDR spielt gegen die Schweiz, Holland und Österreich. Steinbock trifft beim 3:3 gegen die Schweiz und macht sich nach dem zweiten Spiel bei Nacht und Nebel auf und davon, ein Taxifahrer fährt den Stürmer kostenlos bis ins deutsche Lindau am Bodensee.
SC Dynamo Berlin in der Ausgabe 1988-89, mit Guido Hiller (mittlere Reihe vierter von links) und Stefan Steinbock (unten zweiter von links).(Eisbären Berlin)
Doch die Freude über die Freiheit ist nur von kurzer Dauer, denn die Ostdeutschen sind ausserhalb der DDR 18 Monate nicht spielberechtigt und erhalten keinen Flüchtlingsausweis. Wer verpflichtet einen Spieler, der erstens nicht spielberechtigt ist und zweitens unter das Ausländerkontingent fällt? Nach einer Probezeit in Mannheim kehrt zunächst Steinbock, später Hiller in einer streng geheim gehaltenen Aktion der Stasi in die DDR zurück. Nach kurzer Sperre dürfen beide wieder spielen. Auch die übliche Strafverfolgung bleibt kurioserweise aus.
Zwischen Mauerfall und Aufnahme in die Bundesliga
Nach dem Mauerfall vom 7. Oktober 1989 wurde die letzte DDR-Meisterschaft noch zu Ende gespielt. Noch niemand dachte an eine Bundesliga-Integration der Ost-Teams. So unterschrieb Steinbock auf eine Anfrage von EV Landshut-Manager Fax Fedra seinen ersten Profivertrag in Landshut. Hiller vorerst noch nicht.
Auf Betreiben des DEB-Präsidenten Otto Wanner dürfen noch vor der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 die beiden Ost-Teams SG Dynamo Weisswasser und SC Dynamo Berlin als Neulinge in der Bundesliga ihr Debüt geben. In Kürze versuchen Rüdiger Noack in Weisswasser und Dieter Waschitowitz in Berlin, die finanziellen Grundlagen für die neue Zukunft zu schaffen. Aus Marketingtechnischen-Gründen wird der SG Dynamo Weisswasser in «Polizei-Eislauf-Verein» (PEV) umbenannt. Der SC Dynamo Berlin nennt sich «EHC Dynamo» und das «D» wird durch den bis heute bekannten «Berliner Eisbär» ersetzt.
Und was ist eigentlich mit dem Landgasthof Bären in Madiswil? Dynamo logierte im Rahmen des Oberaargauer Cups zwar im besagten Landgasthof, jedoch traten an diesem Ort weder Hiller noch Steinbock die Flucht an. Nach der Wende spielten Hiller und Steinbock später zwischen 1996 und 1998 nochmals zwei Saisons zusammen für den ETC Crimmitschau, wo Steinbock heute fürs Sponsoring der «Eispiraten» zuständig ist, in der zweithöchsten deutschen Spielklasse.
Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz. (Hervé Chavaillaz)
Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.
Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.
Pressemitteilung erst nach dem Spiel
Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?
Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.
Pressemitteilung HC Fribourg-Gottéron
Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.
Gretzky einst Zenhäuserns Idol
Als 16-Jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.
Der Zenhäusern-Clan anno 1988 (von links): Gerd, Aldo und Jan (spielt aktuell beim HC Sierre). (Snapshot)
Spielt Bern in Europa bleibt die Stehrampe zu. Dies ist bereits in den 90er Jahren so. Anlässlich des Europa-Cups 1991-92 gastiert zum Auftakt des Halbfinalturniers der jugoslawische Vertreter Olimpija Laibach – gerade mal 800 Leute wollen den Schweizermeister gegen den unbekannten Gegner sehen. 23 Jahre später bleibt die Stehrampe, wie zu Gilligans-Zeiten, wieder zu. Der Gegner kommt aber nicht aus Jugoslawien, sondern aus dem Land des WM-Finalisten Finnland.
„Dr Bärner wott Aromat“ sagt Massimo Rocchi in seiner Nummer, „ja dr Bärner wott Langnou u Bieu“ – quasi das Aromat des hiesigen Hockeylandes statt ein neues, unbekanntes Gewürz aus dem hohen Norden. Ausgerechnet in Bern klappts nicht mit Europa, der Zuschauerkrösus Europas glänzt seit 2001 nur in der heimischen, bekannten Meisterschaft. „Kommen die Finnen ist keiner mehr dinnen“ oder „kommt Tappara ist keiner mehr da“ oder eben, wie Rocchi es passend in seiner Nummer „Essen in der Schweiz“ beschreibt, der Berner will Aromat.
„Dr Bärner wott Aromat.“
– Massimo Rocchi, über das Essen in der Schweiz
In den beiden CHL-Partien gegen die europäischen Topadressen Ocelari Trinec und Tappara Tampere füllen die 4’677 und 4’731 Fans nicht einmal die 6’800 Sitzplätze und bringen den SCB auf einen Schnitt von 4’704 Fans pro Spiel. Damit liegt Europas Krösus in Europas Königsklasse zuschauermässig nur auf Rang sieben. Der 08/15-Fan kann (noch) nichts mit der neugeschaffenen CHL anfangen. Erstens verfügt er nur über mangelnde Kenntnisse und zweitens reicht sein Hockey-Horizont knapp bis zu den Tribünen des Stade-de-Suisse, schade eigentlich.
Die ersten 50 Minuten geben dem 08/15-Fan jedoch recht, denn die Partie gegen Tappara beginnt erst nach 49 Minuten, ab da wird dann alles geboten was ein Spitzenspiel haben muss: Spannung, Aufholjagd, Penalty in der Overtime, Schlägereien und als Krönung noch das Penaltyschiessen mit einem Berner Sieg. Was will man mehr? Aromat? Nach der Niederlage gegen Trinec sagt ein SCB-Funktionär: «diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä Schissdräck» und nach dem Knüller gegen Tappara sagt Trainer Guy Boucher immerhin: «Ich konnte mein Team im Penaltyschiessen beobachten», doch so richtig angekommen ist der SCB noch nicht.
Zuschauer (alle 2 Heimspiele)
#
Club
Land
Schnitt
1.
Eisbären Berlin
De
5’930
2.
Hamburg Freezers
De
5’509
3.
Adler Mannheim
De
5’250
4.
Kosice
Slk
5’124
5.
Linköping
Sd
4’824
6.
Frölunda Göteborg
Sd
4’723
7.
Bern
Sz
4’704
8.
Genf-Servette
Sz
4’645
Vor sechs Jahren
An die Zahlen der Champions-Hockey-League, der Ausgabe 2008-09, kommen die Berner nach zwei Partien ebenfalls nicht. 6’756 und 7’057 wollen im Herbst 2008 die beiden Spiele (Schnitt 6’907) gegen die Espoo Blues und HV71 Jönköping sehen.
Der schwedische Vizemeister Färjestads BK Karlstad gastiert im Rahmen der Champions-Hockey-League (CHL) in Zürich. Beim Spaziergang ums alterwürdige Hallenstadion rollt ein Fussball direkt vor meinen Augen auf die Hauptstrasse. Selbstverständlich schnappe ich mir noch vor einem anbrausenden Auto den Ball, wie ich mich zurückdrehe winkt mir Färjestad-Keeper Justin Pogge (Foto oben) zu und bittet um den Ball, wie könnte es auch anders sein, denn BK steht schliesslich für «Boll Klub.»
Mein Spaziergang führt mich, vorbei an der Chad-Silver-Bronzeplastik, welche ursprünglich für die Weltmeisterschaft 1998 erstellt worden ist, weiter ins benachbarte «Stadiönli» in Oerlikon. Drinnen läuft grad ein Freundschaftsspiel zwischen den «Minis» der GCK Lions und dem HC Dragon/Thun. An der Bande der Berner Oberländer steht der ehemalige Nationalmannschafts-Verteidiger Christian Silling.
Die WM-Plastik von 1998, wurde erst nach Chad Silvers Tod zur Gedenkstatue umfunktioniert. (Krein)
Von der Konkursmasse in die Champions-Hockey-League
Im Hallenstadion läuft das «Warm-up» der ZSC Lions und der Gäste aus Schweden, dazu gibts folgende Anmerkungen: Färjestads Rickard Wallin spielte einst beim HC Lugano, Zürichs Severin Blindenbacher und der verletzte Ersatzgoalie Luca Boltshauser einst für Färjestad. Der schwedische Headcoach Tommy Samuelsson absolvierte eine NLB-Saison beim SC Luzern und verteidigte an der Weltmeisterschaft 1989 für Schweden in Stockholm.
Dazu kommt Basels ex-Goalie Urban Leimbacher, welcher ab der 21. Minute für den angeschlagenen Lukas Flüeler zum europäischen Handkuss kommt, von Basels Konkursmasse direkt in die Champions-Hockey-League. Die Partie bietet gute Unterhaltung, denn beide Mannschaften schenken sich nichts und müssen in die Verlängerung.
Von Wasen bis Stockholm
Auf der Rückfahrt ins «Bernbiet» treffe ich im Würenloser Fressbalken zufällig auf den ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter Willi Vögtlin. Bei einem Schlummertrunk sprechen wir über «Gott und die Hockeywelt», nur wenige Eishockeyverrückte würden bei unserem Themenkatalog mitreden wollen.
„Willi Vögtlin an der Weltmeisterschaft 1989 in Stockholm, beim nachmessen des Stockes von Vladimir Ruzicka.“
— Michael Krein, Archiv
Wir philosophieren über den Europacup, die C-Weltmeisterschaften im spanischen Puigcerda, die Olympischen Spiele in Calgary, den Industriecup in Lyss, die U18-Europameisterschaft 1987 in Hämeenlinna, über den ehemaligen EHC Wasen-Sumiswald-Spieler Gerhard «Schöge» Schöni oder die bereits erwähnte WM 1989 in Stockholm, wo einst Färjestads Headcoach Samuelsson verteidigte- und Vögtlin geschiedsrichtert hat.
In Dübendorf startet der längste Champions-Hockey-League (CHL) Titelverteidiger ZSC Lions zum Auftakt der neugeschaffenen CHL gegen den norwegischen Vizemeister Vålerenga IF Oslo. Der Start in der «Provinz» in Dübendorf erweist sich als holprige Angelegenheit. In der Kabine der Lions geht plötzlich das Licht aus, daher muss Assisten Rob Cookson auf die Toilette ausserhalb der Kabine, Aufstellungen gibt’s keine und eine Pressekonferenz wird von anrennenden Journalisten vergeblich gesucht – rechtzeitig zum Bully liegen die Aufstellungen aber doch noch vor – und der höchste europäische Clubwettbewerb startet in seiner fünften Ausgabe.
Die Gäste aus Norwegen treten mit nur zehn Stürmern und sechs Verteidigern an, dennoch hält die Mannschaft vom ehemaligen NHL-Star Espen Knutsen – der Star ist der Trainer – in den ersten zwanzig Minuten gut mit. Übrigens gewann Vålerenga sein letztes europäisches Pflichtspiel gegen eine Schweizer Mannschaft, in der European-Hockey-League, am 8. Dezember 1998, beim 5:3-Sieg gegen den EV Zug. Dies dürfte wohl keinem der 1’917 Zuschauer im Stadion «im Chreis» in Erinnerung sein, vielleicht kann sich Oslos Kapitän Morten Ask noch daran erinnern, denn er ist der einzige der damals schon dabei war.
Dabei in Dübendorf war einst auch Zürichs Luca Cunti, vor sieben Jahren beim 1. Liga Ostschweizer-Meistertitel 2007 mit dem EHCD, welcher erst im gesamtschweizerischen 1. Liga-Final gegen den EHC Zuchwil-Regio gestoppt wurde. Vom Siegreichen CHL-Team der Lions von 2009 sind auch heute noch sieben Spieler im Kader von NHL-Coach Marc Crawford. NHL-Erfahrung hat auch Oslos Coach, Espen „Shampo“ Knutsen, der bis heute grösste norwegische Spieler allere Zeiten spielt zwischen 1997 und 2004 207-mal für die Anaheim Ducks und die Columbus Blue Jackets.
Wie viele Plätze fasst «im Chreis»?
Zurück zum EHC Dübendorf, wie viele Plätze fasst eigentlich das ehemalige Nationalliga-B Stadion? Offizielle Zahlen sagen das Stadion mit dem markanten Schrägdach habe 4’100 Plätze. In der zweiten Drittelspause frage ich mich durch die Halle und keiner, ausser einem älteren Herrn, scheint mir eine Antwort geben zu können. Der langjährige Dübendorf-Fan erzählt mir ein paar Episoden aus vergangenen Zeiten und zeigt mir einen nummerierten Sitzplatz im Viertausender Bereich. Doch beim heutigen Champions-League-Spiel wirken bereits die 1’900 wie ein volles Haus, so wie es sich gehört für ein Spiel der europäischen Königsklasse.
Die Champions-Hockey-League ist nach fünf jähriger Pause endlich wieder zurück. (Krein)
Der schwedische Weltklassegoalie Henrik Lundqvist gewann fast alles was es im Eishockey zu gewinnen gibt: Olympia-Gold, Olympia-Bronze, Weltmeiterschaftsgold, zweimal Weltmeisterschafts-Silber sowie zweimal U20-Weltmeisterschaftsgold. Dazu kommen zwei schwedische Meistertitel (2005 mit Martin Plüss) und der Victoria-Cup in Bern. Nur der Stanley-Cup fehlt „King-Henrik“, wie der Ausnahmekönner, welcher auch ein bisschen was von Schauspieler Bradley Cooper verkörpert, während 15 Jahren im Madison-Square-Garden frenetisch gefeiert wird.
Der Stanley-Cup-Sieg bleibt dem Vezina-Trophy-Gewinner von 2012 zwar verwehrt, dennoch ist der schwedische Zwilling, sein Bruder Joel spielt bei Frölunda in Göteborg, eine Ausnahmeerscheinung. Doch Lundqvists NHL-Karriere beginnt eher holprig. Im NHL-Draft 2000 wird der Goalie erst in der siebten Runde als Nr. 205 von den Rangers gezogen. Im gleichen Jahr wird beispielsweise Sven Helfenstein als Nr. 175 von den Rangers gedraftet oder der israelische Nationalspieler Max Birbraer als Nummer Nr. 67 von den New Jersey Devils. Bereits in der dritten Runde wird Henriks Zwillingsbruder Joel von den Dallas Stars als Nummer 68 gezogen.
„Lundqvist kommt erst als 22. Torhüter in der siebten Runde zum Zug.“
— Michael Krein
Unter den Torhütern wird Rick di Pietro 2000 als Nr. 1, vom Stadtrivalen aus Long Island gezogen. Lundqvist kommt erst als 22. Torhüter in der siebten Runde zum Zug. Vor dem späteren Weltklassegoalie werden 13 Keeper berücksichtigt, welche später nie eine einzige NHL-Partie absolvieren werden. Mit Levente Szuper wird sogar ein Ungar vor Lundqvist gezogen. Auch Rangers-Intern ist Lundqvist hinter Brandon Snee nur zweite Wahl- und unter seinen Landsleuten hinter Mikael Tellqvist und Stefan Liv nur dritte Wahl. Was war mit dem Scouting im Jahr 2000 mag sich manch einer Fragen, denn später wird keiner aus der folgenden Liste (unten) Lundqvist (1’017 Spiele) das Wasser reichen können.
Die Torhüter vor Lundqvist im Draft 2000
Nummer
Name
Organisation
NHL-Spiele
1
Rick di Pietro
NY Islanders
328
9
Brent Krahn
Calgary
1
44
Ilya Bryzgalov
Anaheim
512
45
Mathieu Chouinard
Ottawa
1
60
Dan Ellis
Dallas
219
70
Mikael Tellqvist
Toronto
114
84
Peter Hamerlik
Pittsburgh
0
90
Jean-François Racine
Toronto
0
102
Stefan Liv
Detroit
0
111
Ghyslain Rousseau
Buffalo
0
116
Levente Szuper
Calgary
0
120
Davis Parley
Florida
0
143
Brandon Snee
NY Rangers
0
164
Matus Kostur
New Jersey
0
165
Nathan Masters
Los Angeles
0
166
Nolan Schaefer
San Jose
7
168
Zdenek Smid
Atlanta
0
169
Shane Bendera
Columbus
0
171
Roman Cechmanek
Philadelphia
235
177
Mike Ayers
Chicago
0
203
Juri Penko
Nashville
0
205
Henrik Lundqvist
NY Rangers
1’017
Rückblickend haben die Rangers doch noch ein glückliches Händchen, mit ihrer siebten Wahl im Jahr 2000. Drei Jahre später sichern sich die Rangers die Rechte des an sechster Position gedrafteten Keepers Al Montoya. Das Supertalent spielt keine einzige Partie für das Team am Broadway. In 15 Saisons steht „King-Henrik“ in 1’017 Partien als Nummer eins zwischen den Pfosten der Blueshirts.
In gerade mal 14 Partien kann ich die „Faszination Lundqvist“ in fünf verschiedenen Ländern bei vier verschiedenen Wettbewerben „mittendrin statt nur dabei“ erleben. Dabei geht das Team von „King-Henrik“ nur dreimal als Verlierer vom Eis. Bei der NHL-Challenge 2010 in Zug sitzt Lundqvist als Ersatz auf der Tribüne der Bossard-Arena und erlebt die Rangers-Niederlage, neben General-Manager Glen Sather, nur als Zuschauer.
Im Rahmen des Sportjounalismus-Lehrgangs an der Universtät Salzburg steht ein bekannter Name unter den heutigen Dozenten, Doktor Gerhard Kuntschik erweist unserem Lehrsaal die Ehre. «Kuntschik» lese ich seit meinem Kindesalter über das Eishockey beim östlichen Nachbarn. Der Doktor doziert das Fach «Sport in den Printmedien» und erzählt aus seinem grossen Fundus an Sportgeschichten. Kuntschiks Vorliebe gilt dem Eishockey und dies passt perfekt für meine Wenigkeit.
Noch während des Unterrichts kommen wir bereits in den Genuss von Eishockey-Geschichten, nach meinem Stichwort «Canada-Cup 1987» gehts gedanklich nach Hamilton zu den Spielen des Jahrhunderts. Auch Sean Simpson wird zum Thema, da Simpson einst eine halbe Spielzeit für den Salzburger EC, damals in der zweithöchsten Liga gespielt hat. Simpson, so Kuntschik, war 1987 ebenfalls beim Canada-Cup, aber als Zuschauer.
Über Simpsons Engagement beim EC Salzburg in der Saison 1984-85 ist nur wenig bekannt. Statistiken sind auf keinem Portal zu finden, daher kommt der Besuch der Salzburger-Nachrichten (SN) gerade richtig. Mit Herr Kuntschik dislozieren wir in das Verlagshaus an die Karolingerstrasse 40. Die SN erscheinen erstmals am 7. Juni 1945 als eine der ersten Tageszeitungen Österreichs nach dem zweiten Weltkrieg. Das Verlagshaus beherbergt neben der hauseigenen Druckerei auch ein grosses Archiv.
Die Zeit erlaubt es, uns bei Bedarf auch durch die alten gebundenen grossen A3-Zeitungsbände zu blättern. In meinem Fokus stehen die SN ab Herbst 1984 bis zum Frühling 1985, also Simpsons Zeit in der Mozartstadt. Simpson, der erfolgreichste Trainer des Schweizer Eishockeys und wie ich, mit Lysser Vergangenheit. Immer wieder gibts diese Verbindung, welche mich ein Leben lang begleiten wird. Genau 30 Jahre nach Simpson führt auch mein Weg an die Salzach, nicht als Ausländer des hiesigen Hockeyteams, aber zumindest als Ausländer der hiesigen Universität.
Cristobal Huet und die ZSC Lions, die Geschichte beginnt in Playoff-Final 2000 zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions. Als amtierender Meister verliert das in der Qualifikation übermächtige Lugano die Finalserie gegen die Zürcher mit 2:4. Dies vor allem, weil die Tessiner mit Huet im Tor in Zürich alle drei Spiele (2:3, 1:3 und 3:4) verlieren.
Huets einziger Playoff-Sieg in vier Spielzeiten
Der gleiche Schauplatz ein Jahr später. Die ZSC Lions verlieren Spiel vier Zuhause mit 0:4 und liegen in der Serie mit 1:3 hinten. Luganos 4:0-Auswärts-Sieg ist zu diesem Zeitpunkt Huets einziger Sieg auf Zürcher-Playoff-Eis. Lugano verliert in der Folge nicht nur die restlichen drei Spiele (Endstand 3:4) sondern auch noch zum zweiten Mal in Folge den Meistertitel an die Lions.
Gleicher Schauplatz eine weitere Saison später. Huet und der HC Lugano scheitern bereits im Halbfinal an den Zürchern und gewinnen im Hallenstadion wieder keine einzige Playoff-Partie (1:6, 1:2nP und 3:4nP). Nach der Saison verlässt Huet das Tessin in Richtung National-Hockey-League.
Auch mit den Blackhawks klappts nicht
In der Zwischenzeit holen die Lions den Titel der Champions-Hockey-League und qualifizieren sich 2009 für den Victoria-Cup gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks. Zu diesem Zeitpunkt steht Huet zwischen den Pfosten der Blackhawks. Am Vortag fegen die NHL-Stars um Patrick Kane, Jonathan Toews und Duncan Keith den HC Davos mit 9:2 vom Eis, im Tor steht Huets Backup-Goalie Antti Niemi.
Einen Tag später spielen die Blackhawks in Bestbesetzung mit Standard-Hüter Huet gegen die Zürcher Underdogs. An diesem Tag sollte Huet mit Chicago den «Zett» endlich in die Knie zwingen. Doch Huets ZSC-Fluch scheint, egal in welcher Besetzung Huet gegen die Löwen antritt, stärker zu sein als die gesamte Klasse des späteren Stanley-Cup-Siegers (acht Monate später holen die Blackhawks den Stanley-Cup). Sensationell unterliegen die Blackhawks mit Huet gegen die ZSC Lions mit 1:2 und verlieren das Spiel um den Victoria-Cup.
Was mit Chicago nicht klappt, gelingt mit Lausanne
In drei Playoff-Serien mit dem Grande-Lugano der zweiten Epoche und den Chicago Blackhawks gelingt dem Franzosen gerade Mal ein Sieg in Zürich. Anders ausgedrückt, spielt Huet, gewinnt Zürich? Bis zum ersten Viertelfinalspiel 2013-14 gegen den HC Lausanne zumindest. Ausgerechnet mit der nominell schwächsten Mannschaft, mit der Huet je gegen die Zürcher angetreten ist, dem Qualifikations-Achten Lausanne holt Huet gleich im ersten Spiel ein Sieg im Hallenstadion. Zufall? Die richtige Chemie zwischen dem gebürtigen Franzosen und der Romandie? …oder kehren die alten Begebenheiten des «Fluchs» im zweiten Spiel in Zürich wieder zurück? Huet wird in der 29. Minute, beim Stand von 3:0 für die Lions ausgewechselt, doch die Serie geht weiter und der «Fluch» wird uns die Antwort bis spätestens am 25. März 2014 geben.
Der 21-jährige Schweizer Léonardo Heitor Fuhrer spielt seit 2012 beim Farmteam des EC Red Bull Salzburg in Österreich. Aktuell spielen die Bullen in der obersten russischen Juniorenliga MHL (Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga). Der Sohn der Schweizer Eishockey-Legende Riccardo Fuhrer gehört zu den Leistungsträgern und Topskorern des Teams und ist der erste Schweizer in der MHL.
Am 8. Januar 2014, verliert Red Bull gegen Dynamo St. Petersburg mit 2:6, nach dem Spiel der 37. Runde treffe ich mich, zusammen mit Markus Knoblechner (Fotos, Video), im Salzburger Medienraum mit dem jungen Schweizer Talent. Fuhrer erzählt was ihn in der Organisation der Bullen fasziniert und warum er gerne noch ein weiteres Jahr in der Mozartstadt anhängen würde.
Wie es sich gehört, eine Red-Bull-Dose ist stets dabei. (Markus Knoblechner)
Léonardo Fuhrer, du bestreitest die zweite Saison in Salzburg, wie wohl fühlst du dich hier? Fuhrer: Salzburg ist eine richtig schöne Stadt, man hat alles hier, Skate-Mill, viele Trainings (jeweils Vormittags und Abends), qualifizierte Trainer und eine professionelle Organisation. Salzburg ist perfekt für die Weiterentwicklung jedes einzelnen Spielers, ich fühle mich wohl in dieser Umgebung.
Warum eigentlich Salzburg? Fuhrer: Ich absolvierte die ganze Nachwuchsabteilung bei Fribourg-Gottéron und war bis zu meinem Wechsel nur „Fribourg“ orientiert, bis mir mein Vater aufzeigte, dass es noch anderes gibt als Fribourg. Mein Vater hat den damaligen Red Bull Headcoach Pierre Pagé (Ex-Ambrì-Piotta, heute EHC Red Bull München) kontaktiert, so konnte ich mir während der Nationalmannschafspause im Februar 2013 die Akademie in Salzburg anschauen und habe drei Trainings absolviert. Ich war sofort begeistert. Page wollte mich und so ging ich und wagte das Abenteuer Salzburg.
Wie hat dein Umfeld reagiert? Fuhrer: Meine Mannschafskollegen waren alle schockiert als Sie von meinem Wechsel erfahren haben und konnten den Wechsel nicht verstehen. Für meine Mutter war es auch hart, es ist für keine Mutter einfach wenn ihr Kind wegzieht. Mein Vater hat mich bei meinem Entscheid unterstützt, denn der Weg zum Eishockeyprofi hat auch seinen Preis gab er mir auf dem Weg.
Dies ist ein untypischer Weg, sonst kommen die Österreicher eher in die Schweiz, du machst das Gegenteil, du symbolisierst eine Vorreiterrolle als erster Schweizer in der MHL… Fuhrer: Was Salzburg bieten kann können sonst nicht viele Klubs bieten, medizinisch, infrastrukturell und in der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend. Dies gab für mich den Ausschlag nach Salzburg zu kommen.
In der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend
Léonardo Fuhrer
Kann das in der Schweiz niemand bieten? Fuhrer: Hier sind sehr viele Personen innerhalb des Team-Staffs, welche alle vollamtlich für uns tätig sind, sowas ist in der Schweiz bei keinem Juniorenteam üblich.
Du bist im Vorjahr direkt von den Elite-A-Junioren in den Red-Bull-Hockey-Rookies-Cup (RBHRC) gekommen, wie schwierig war die Umstellung? Fuhrer: Das schwierigste war die Umstellung der weiten Distanzen, wir spielten vorwiegend gegen tschechische Mannschaften, dabei war die kürzeste Strecke eine fünfstündige Reise nach Pilsen, die längste Reise dauerte acht Stunden nach Prag.
Auch am Bully ist Fuhrer stark. (Markus Knoblechner)
Und wie war die Umstellung vom RBHRC zur MHL (Molodezhaya Hokkeinaya Liga)? Fuhrer: Noch schwieriger (lacht), wir reisen jeweils nach München oder Wien, von dort aus fliegen wir direkt nach St. Petersburg oder nach Moskau. Die längste Reise hatten wir nach Jaroslawl. Zuerst flogen wir nach Moskau, dann gings nach einer 10-stündigen Busfahrt weiter nach Tscherepowetz (3:1-Sieg gegen Almas) zum Spiel, dort haben wir anschliessend übernachtet. Am nächsten Tag ging es nach 14 weiteren Busstunden nach Jaroslawl (2:8-Niederlage gegen Lokomotiv) zum nächsten Spiel. Die weiteste Reise liegt aber noch vor uns, gegen Chabarowsk (Amur Tigers) fliegen wir ca. acht bis neun Stunden bis an die chinesische Grenze (8000 km). Doch es wird jeweils genügend Zeit eingeplant, so dass wir uns vor und nach den langen Reisen gut erholen können.
Krein: Wie hoch schätzt du das Niveau der MHL ein? Fuhrer: Hier wird dir definitiv nichts geschenkt, jeder Fehler wird sofort gnadenlos ausgenutzt und du musst dir jeden Punkt hart erkämpfen. Es gibt hier keine schlechten Gegner.
Harte Arbeit zahlt sich aus, Jubel gegen St. Petersburg. (Markus Knoblechner)
Red Bull Salzburg liegt aktuell auf einem Playoff-Platz (Rang 11. in der Western Conference), was ist das Saisonziel? Fuhrer: Ganz klar die Playoffs zu erreichen und diese werden wir auch erreichen.
Du gehörst zu den besten Skorern des Teams, Salzburg scheint dir gut zu liegen? Fuhrer: Man muss auch gute Mitspieler haben, denn in erster Linie zählt nur das Team.
Wie wirst du als Red Bull-Spieler in der Schweiz wahrgenommen? Fuhrer: Bei meinem Transfer hab ich sicherlich die Aufmerksamkeit auf mich gezogen, doch wie ich in der Schweiz wirklich wahrgenommen werde kann ich nicht beurteilen. Zu Beginn meines Wechsels spielten wir mit den Red Bulls (U20) gegen die Schweizer U19 Nationalmannschaft und konnten das Spiel mit 3:2 gewinnen. Sean Simpson (Schweizer Nationaltrainer) stand damals bei der Schweiz an der Bande und weiss das ich in Salzburg spiele.
Wie wichtig ist die Rolle deines Vaters? Fuhrer: Wir diskutieren und telefonieren viel. Wir besprechen jeweils persönliche Details und setzen uns gemeinsame Ziele, welche wir nach dem Spiel zusammen analysieren.
Wie sieht so ein persönliches Ziel aus? Fuhrer: Zum Beispiel jedes 1:1-Duell an der Bande zu gewinnen, zwei Torschüsse pro Drittel abzugeben, meinen Mitspielern gute Torchancen zu offerieren oder das Backchecking – es sind kleine aber entscheidende Dinge die ich mit meinem Vater als Ziele definiere.
Wie sieht deine Zukunft aus? Fuhrer: Im Moment konzentriere ich mich voll auf die aktuelle Saison, mit den Red Bulls will ich die Playoffs in der MHL bestreiten und möglichst lange dabei sein. Danach werde ich mit Red Bull über die Zukunft sprechen, ich würde sehr gerne in Salzburg bleiben. Es gibt hier keinen Tag wo ich nicht etwas Neues dazulernen kann, dies will ich geniessen solange ich hier bin. Langfristig ist eine Rückkehr in die Schweiz sicher ein Thema.
Red Bull in der Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga
Das Farmteam der Red Bulls, das sich aus Spielern des EC Red Bull Salzburg und des EHC Red Bull München zusammensetzt, nimmt in dieser Saison erstmals an der MHL, der russischen Juniorenliga, teil. Für die Red Bulls ist dieser Schritt nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine unglaubliche Herausforderung. Zugleich bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, die Entwicklung der jungen Farmteam-Spieler noch stärker zu forcieren und die Talente aus dem Red Bull Hockey Model schrittweise an ein sehr hohes internationales Niveau heranzuführen. Total 39 Mannschaften messen sich in 56 Runden auf der höchsten «russischen» Juniorenstufe. Am 5. März 2014 besuche ich eine weitere Partie zwischen Salzburg und Dynamo Riga (1:9).
Fotos/Kamera: Markus Knoblechner
Interview im Rahmen des Studienlehrgangs an der Universität Salzburg.
1993 trinke ich in der Schweiz meine erste Red-Bull-Dose, die damals noch verbotene Substanz ist zu diesem Zeitpunkt hierzulande verboten und wird direkt aus dem Kofferraum vor den Partylokalen «illegal» verkauft. Ein Dose geht für einen Fünfliber über den Parkplatz. Später gibts das Energiegetränk dann legal auch in kleinen Flaschen. Rund 20 Jahre später stehe ich im Januar an einem Dienstag-Abend nun in der Salzburger Eisarena und „Red Bull“ wird hier in Kürze als österreichischer Spitzenklub das Eis betreten. Die Faszination der Bullen und die Abwechslung zum Schweizer Alltag ist aufregend wie einst der Dosenkauf aus dem Kofferraum.
Die Bullen legen los wie es ihr Geld- und Namensgeber verspricht, nach einem fulminanten Start fliegen die Bullen förmlich über den Tabellenführer aus Wien hinweg und führen nach fünf Minuten mit 2:0. Dies erkennt auch Vienna Capitals-Coach Tommy Samuelsson und nimmt bereits nach vier Minuten ein Time-out. Innert kürze kommen die Gäste zu zwei Break-Möglichkeiten, scheitern aber an Luka Gracnar, welcher heute Bernd Brückler vertritt. Der Slowene scheint ebenfalls Flügel zu haben und feiert gar einen Shutout.
„Shutout auf dem Eis, umgänglich neben dem Eis.“
— Krein über Luka Gracnar
Anschliessend gibt der slowenische Nationalgoalie für seine Teamkollegen Troy Milam und Co. in «Die Bar», einer Karaoke-Bar am Salzburger Rudolfskai eine kleine Privatparty. Gracnar spendiert auch unserer Studenten-Runde, bei uns mit dabei sind auch zwei ehemalige Red-Bull-Spieler mit gutem Draht zum Team, einen Kübel Gerstenwein, welcher bis in die frühen Morgenstunden direkt an der Salzach durch die Kehlen fliesst.
Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.
Beim SC Bern bin ich immer gern, denn hier sind die besten Medienplätze der Nationalliga A, die Sicht aufs Eisfeld ist hervorragend. Das Matchblatt heute weist zwei kleine Schreibfehler auf und auf dem neuen Videowürfel leuchtet immer noch das «alte» Logo des heutigen Gegners HC Genf-Servette. Bis auf ein paar Details ist hier alles up-to-date.
Die fehlenden Interview-Partner
In der zweiten Drittelspause vermeldet Berns Medienchef Christian Dick den Ausfall von Silberheld und Post-Topskorer Martin Plüss – ausgerechnet Plüss, er sollte bei meinem «Kollegen» vom Teleclub zum Interview antreten, das wird wohl nix. Glücklicherweise ist mein Interview-Partner bereits zum Interview angemeldet und die Fragen sind bereit.
Vier Minuten vor Schluss: Matt Lombardi wird von einem Geoff-Kinrade-Schuss am Gesicht getroffen, der Kanadier muss in der Kabine verarztet werden. Tja und das wäre mein Interview-Partner gewesen und auch das wird nun nix. Kurzfristig einigen wir uns auf Goran Bezina und Kaspars Daugavins anstelle Lombardis. Beim Abgang in die Interview-Zone «Bärengraben», sehe ich wie selbst SCB-Goalietrainer Rupert Meister, ehemaliger DEL und Bundesliga Goalie, ohne gültiges Ticket nicht an den Security-Frauen vorbei gelassen wird.
Horizontale Lage
Nach dem Spiel genehmigen sich ein paar Medienvertreter beim gemütlichen Talk mit einem ehemaligen SCB-Manager ein paar Bierchen. Der SCB-Manager wurde 1990 im Rahmen der Weltmeisterschaft in Bern offiziell als Schiedsrichter verabschiedet. Das Logo der 90er WM hängt noch heute in den Katakomben der ehemaligen Allmend, aber warum zum Teufel in der horizontalen Lage? Doch dies interessiert leider eben so wenig wie das falsche Servette-Logo auf dem Berner Videowürfel…
Auch unsere Liga wird regelmässig von National-Hockey-League-Scouts heimgesucht. So auch am 7. Dezember 2013 beim Spiel EHC Biel – ZSC Lions (3:5). Angekündigt war zunächst nur Shin Larsson, oder eben Shin Yahata-Larsson. Der Scout der San Jose Sharks ist schwedisch-japanischer Doppelbürger und kann seinen Namen wie Biels Ahren Spylo-Nittel variabel einsetzen. So spielte der Stürmer 1998 an den Olympischen Spielen in Nagano – unter dem ehemaligen Biel-Coach Björn Kinding – als Shin Yahata (den ledigen Namen seiner Mutter). Ursprünglich stammt der Scout aber aus dem schwedischen Leksand, wo man ihn Shin Larsson nennt.
Patrick Kane lässt Biel grüssen
Bekanntlich sind die Scouts ja nie alleine unterwegs, so auch in Biel. Yahata-Larsson wird von seinem Berufskollegen aus Chicago begleitet. Dieser überbringt dem Bieler Pressechef Silvan Andrey gleich ein «Hello from Patrick Kane», welches Andrey gerne in die Bieler Katakomben weitergegeben hat, worauf einige geantwortet haben sollen «welcher Kane?». Wie Kane ist auch Yahatas Kollege, der Hüne (192cm, 97kg) aus Chicago in der Schweiz kein unbekannter. Der Schwede Mats Hallin bestritt in der Saison 1986-87 vier Spiele für den HC Lugano, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, HC Ambrì-Piotta-Bösewicht Misko Antisin zu verprügeln. Das Spiel zwischen Ambrì und Lugano ging als grösste Massenschlägerei im Schweizer Eishockey in die Geschichte ein.
Die Schweizer Draft-Kandidaten
Wen wollen die beiden NHL-Scouts beobachten? Auf der Liste des NHL-Central-Scoutings ist von den heutigen Gegnern kein einziger Draft-Kandidat nominiert. Lions-Goalie Melvin Nyffeler wurde bereits im Vorjahr als möglicher Draft-Kandidat gehandelt. Die aktuellen Draft-Kandidaten sind Klotens Fabio Högger, Luca Hischier (Bern), Luca Fazzini (Lugano), Cédric Maurer und Patrick Brändli (beide Zug), Simon Kindschi und Gilles Senn (beide Davos), Noah Rod und Gauthier Descloux (Genf-Servette), Andy Ritz (Langnau), Noele Trisconi (Ambrì-Piotta), Fabian Heldner (Visp) und Silvio Schmutz (Thurgau).
Shin Yahata-Larsson wurde mit Kokudo fünfmal japanischer Meister, 1999 Liga-Topskorer, sowie ins All-Star-Team gewählt.
Von der ersten Red Bull Dose, welche in den frühen 90er Jahren in der Schweiz als verbotene Substanz direkt vor den Party-Lokalitäten aus Auto-Kofferräumen verkauft wird, bis zum ersten Spiel im Salzburger Volksgarten dauert es gute 20 Jahre. Die verbotene Substanz ist auch in der Schweiz längst legal und die silber-blaue Dose ist der Helm des Eishockey-Clubs der Mozartstadt.
Aber auch der Gegner, welcher zur Zeit der verbotenen Substanz bei uns nur als „Torte“ bekannt ist, trägt keine normale Helmfarbe. Die Helme sind kupferfarbig und glänzen im Scheinwerferlicht wie einst unsere UBS-Goldhelme der 90er Jahre. Der Linzer Verteidiger mit der Rückennumer 41 ist nicht mit den Goldhelmen, aber mit der Schweiz bestens vertraut, er verteidigte zwsichen 2007 und 2001 vier Jahre für die SCL Tigers. Curtis Murphy ist auch an deisem Abend im Salzburger Volksgarten einer der auffälligsten Akteure und steuert für die Kupferhelme die Vorlage zum 2:4 Gregor Baumgartners bei.
Dieses mal reichts nicht für die Black Wings, welche den Bullen ihre letzte Niederlage am 20. Oktober in Salzburg zugefügt haben. Salzburg realisiert, durch Red Bull Flügel verleiht, den zwölften Sieg in Serie schon im ersten Drittel und drei Treffern in den ersten 14 Minuten und einem unheimlichen Tempo in den ersten Minuten. Diese Operettenliga, wie die Liga in der Schweiz jeweils despektierlich genannt wird, hat einiges zu bieten und manches NLA-Team, nicht nur die „Schwarzen Flügel“ aus Linz, hätte heute hier Flügel lassen müssen.
Simon Rytz war zwar die Nummer eins auf dem Matchblatt, spielte aber nicht. (Hervé Chavaillaz)
Biel gewinnt zum zweiten Mal im dritten Heimspiel den Zusatzpunkt nach Penaltyschiessen. Im Gedränge der Katakomben der Kabinengänge wird Biel-Goalie Simon Rytz interviewt. Auf die Frage eines Journalisten «heiter scho mau drü Penaltys ghäbt» muss sich Rytz kurz hintersinnen, denn der Lysser stand ja gar nicht im Tor!
Meili statt Rytz
Ausgangspunkt für den Lapsus gab die Mannschaftsaufstellung, denn gemäss Matchblatt wurde vor dem Spiel Rytz als Nummer eins im Spiel gegen den Kantonsrivalen aus Bern gemeldet. Tatsächlich steht aber Lukas Meili von Beginn weg zwischen den Pfosten – doch kaum einer bemerkt den Wechsel – was mir höchst bedenklich erscheint. Es ist als ob man bei einem Date erst nach zwei Stunden bemerken würde, dass die falsche Frau am Tisch sitzt.
Welcher Goaliewechsel?
Teilweise mussten die ganzen Matchberichte, welche während zwei Stunden auf Rytz geschrieben wurden nochmals gründlich revidiert werden – andere fragten wann denn Biel den Torhüter gewechselt hätte oder ob Biel auf das Penaltyschiessen einen Goaliewechsel vorgenommen habe. Selbstverständlich sind mir die Namen der betroffenen Medien entfallen. Zudem fängt Meili mit der rechten Hand, Rytz mit der linken.
Schläpfer wie Hartley?
«Das isch ä Fehler vo dämm wo s Matchblatt gschriebä het, mit so Sache befassi mi nid», sagte Kevin Schläpfer auf die Frage ob Rytz absichtlich als Nummer eins aufgeführt wurde. Wir erinnern uns an Bob Hartley, seine Mannschaftsaufstellungen sind schon heute Kult, denn seine wild durcheinander gewirbelten, unkorrekten Matchblätter waren Teil des siebten Meistertitels.
Kambers Vorankündigung
Alles andere als eine Irreführung war Oliver Kambers Facebook-Eintrag vor dem SCB-Spiel: «How many fans go to EHCB – SC BERN ?! Are you ready for Kamber’s show?» postete der Facebook-Profil-Verantwortliche des Baselbieters. Kamber’s Worten folgten Taten: Mit einem Zuckerpass war er Vorbereiter des Bieler Ausgleichstreffers, mit einem verwerteten Penalty war er der Vollstrecker beim Penaltyschiessen. Wer war nun der Matchwinner, Torhüter Rytz oder Kamber?
Kevin Schläpfer gratuliert Oliver Kamber zu seiner «Show.» (Hervé Chavaillaz)
Erstmals seit 1984 lief trug wieder ein Bertaggia die Zuger-Farben auf heimischem Eis. Lugano-Legende Sandro Bertaggias Sohn Alessio wechselte auf die aktuelle Saison von den Brandon Wheat Kings aus der Western-Hockey-League an den Zugersee. Der junge Bertaggia trug sich mit einem Assist auch gleich in die Skorerliste ein, es war der erste EVZ-Skorerpunkt eines Bertaggias seit 1984, was für eine Geschichte.
Wer’s mit den Rangers nicht schafft, schaffts mit Biel
Eine andere Geschichte ist die Story von Biel’s Brendan Bell. Der Kanadier ging hier im Herbst 2011 mit den New York Rangers mit 4:8 unter – mit Biel führte der Verteidiger nach 34 Minuten mit 3:0! Was er mit den Rangers nicht schaffte, schafft er mit Biel? Nein, denn ausgerechnet Bell leitete mit einem dummen Scheibenverlust das 1:3 der Zuger und somit den Untergang bis zur 3:4-Niederlage aus Sicht der Seeländer ein.
Schnapszeiten und Kaffi-fertig
Und was gabs sonst noch in der Bossard-Arena «von Zug» – ach ja die Schnapszahlen, die gib’s in jedem verdammten Spiel – die Spielzeit in Zug wurde Beispielsweise bei 28:28, bei 30:30 und bei 49:49 gestoppt. Apropos Schnaps oder Kaffi-Schnaps – wo ist eigentlich der Fanklub von Rotkreuz? In der alterwürdigen Hertihalle wurde man jeweils von den Rotkreuzern, die nie ohne Militärkanister Kaffee-Schnaps angereist sind und ihre Sitze direkt unterhalb der Kommentatoren-Plätze hatten, pausentlich mit Kaffi-Schnaps verpflegt, kalt aber herrlich wars.
14. September 2013
Zug – Biel 4:3 (0:1, 1:2, 3:0) Bosshard. – 6’026 Zuschauer. – SR Prugger/Stricker, Tscherrig/Wüst. – Tore: 18. Spylo (Gossweiler, Ehrensperger) 0:1. 31. Brendan Bell (Ellison/Ausschluss Patrick Fischer II) 0:2. 34. Wetzel (Kellenberger, MacMurchy) 0:3. 38. Suri 1:3. 45. Fabian Schnyder (Bertaggia) 2:3. 47. Christen 3:3. 52. Tim Ramholt 4:3. – Strafen: Zug 6-mal 2 Minuten, Biel 5-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Fabian Sutter; Tschantré. – Bemerkungen: Zug ohne Hutchinson, Holden und Yannick Blaser, Biel ohne Gaetan Haas (alle verletzt), Untersander (krank) und Sutter (gesperrt). – Timeout: Zug (59:53); Biel (58:57). Zug: Boucher; Chiesa, Tim Ramholt; Patrick Fischer II, Erni; Simon Lüthi, Alatalo; Schmuckli, Diem; Christen, Fabian Sutter, Casutt; Suri, Schremp, Martschini; Bertaggia, Wellwood, Fabian Schnyder; Sven Lindemann, Schneuwly, Lammer. Biel: Meili; Brendan Bell, Dario Trutmann; Gossweiler, Fey, Christian Moser, Gloor; Cadonau, Rouiller; Marc Wieser, Ellison, Tschantré; Ehrensperger, Peter, Spylo; Herburger, Oliver Kamber, Ulmer; MacMurchy, Kellenberger, Wetzel.
Ein heisser Juli-Abend in Worb, im Wislepark ist der Badirummel in der frühen Abenddämmerung noch voll im Gang, ebenfalls voll im Gang in der Eisbahn nebenan ist das Warm-up, auf dem Eis stehen aber nicht etwa der EHC Mirchel, EHC Worb oder der SC Ursellen, welcher das KHL-Spiel organisiert, sondern die beiden KHL-Vertreter SKA St. Petersburg und die Kasachen von Barys Astana.
Vor den Kabinen-Containern steht der fünffache Weltmeister und zweifache Olympiasieger Alexei Kasatonow, der ehemalige Verteidigungspartner von Wjatscheslaw Fetisow ist seit zwei Jahren General-Manager beim russischen Topklub SKA St. Petersburg. Nach einem kurzen Small-Talk und einem Erinnerungsfoto wird das hauseigene TV von SKA darauf aufmerksam und will ein Interview, mit Kasatonow? Nein mit mir?
Ein Schweizer der über SKA Auskunft geben kann ist der Aufhänger der Russen. Selbstverständlich willige ich ein, mal auf der anderen Seite der Kamera zu stehen und das bei SKA-TV in Sankt Petersburg. Einst gab ich hier mein 2. Liga-Debüt, heute das russische TV-Debüt. Das idyllische Worb scheint mir aber heute besser gesinnt als vor 13 Jahren.
Alexei Kasatonow, sein Palmarès ist unerschöpflich. (Anna Nasarowa)
Es ist ein heisser Sommertag, niemand denkt in der Umgebung der Bozner Eiswelle «Palaonda» an Eishockey, ein kleiner, geschlossener Imbissstand in den Farben des HC Bozen deutet einzig auf den Eishockeysport hin. Auch das Eisstadion, welches im Mai 1994, bei ähnlichen Temperaturen, auch WM-Schauplatz ist, ist auf den ersten Blick nicht als Eishalle auszumachen. Die Stadion-Beiz ist offen und eine Handvoll Stammgäste diskutieren schon am frühen Nachmittag feuchtfröhlich mit dem Stadionwirt. Dieser gewährt, durch das Stadionbeizli hindurch, auch im Sommer Einlass in die Heimstätte der erfolgreichsten italienischen Eishockey-Organisation.
Ruhmreiche Hallendecke
Die Saison 2012-13 ist leider schon Geschichte und die unteren Sitzreihen in der Multifunktionshalle, wie beim Zürcher Hallenstadion, schon eingefahren. Dennoch gibts noch Spuren aus der vergangenen Meisterschaft, ein Matchprogramm liegt noch auf der Medientribüne. Als Qualifikationsdritter scheitert Bozen vorzeitig im Viertelfinal am späteren Meister AS Asiago. Für die Bozner ist es die vorerst letzte Meisterschaft in der heimischen Serie-A, die Südtiroler wechseln auf kommende Saison hin in die österreichische Erste-Bank-Eishockey-Liga (EBEL).
42 Spiele, 76 Tore und 78 Assists – das ist die Bilanz von Mark Napier, dem Star von Meister HC Bozen
– Franz Sinn, Eishockey-Journalist
Damit verliert die Serie-A, welche in den 90er Jahren ihre letzte Blütezeit erlebt, den wichtigsten Klub der heimischen Liga. Unter der Hallendecke der Bozner Eiswelle hängen Fahnen von 19 italienischen Meistertiteln, in schweizerdeutsch ausgedrückt, es ist als würde der HC Davos in die KHL wechseln. Die Meisterfahne 1990, sie hängt vor dem ersten Alpenliga-Titel, lässt mich in Gedanken an den fabelhaften Bericht von Franz Sinn, einem bedeutenden Eishockey-Reporter Italiens, zurück schwelgen. Die Seite 107 im deutschen «Eishockey Jahrbuch 1990» sind die Zeilen über «Italien» und dessen Meisterstück, welches als regelrechter Krimi niedergeschrieben ist. Wer diese Zeilen liest, wer sich die Messehalle, die Vorgängerin der Palaonda, vorstellen kann und wer dieses Foto (oben) von Mark Napier im rot-weissen Lancia-Jersey sieht, will nach Bozen. Doch diese Bozner wollen nach Österreich und spielen künftig lieber gegen Tiroler, statt gegen Vicenzer oder Ladiner. Ein Tiefschlag für die italienische Liga, aber eine Chance für Bozen, welches sich durch den Ligawechsel und seine, für italienische Verhältnisse, hohen Zuschauerzahlen, neue finanzielle- und sportliche Möglichkeiten erhofft.
Wie einst in der Alpenliga?
Bozen spielt schon früher eine grosse Rolle in der länderübergreifenden Meisterschaft der 90er Jahre. In der Alpenliga spielen die Südtiroler immer an der Spitze mit und holen, nach zwei Silbermedaillen, 1994 vor heimischer Kulisse gegen die grossen Devils aus Mailand den ersten Alpen-Cup-Pokal. 1995 folgt der zweite internationale Titel, beim gewinn der Euroliga, verstärkt der zweifache Stanley-Cup-Sieger Jaromir Jagr die «Weiss-roten» im Endspiel gegen den HC Rouen. Bozen hat immer schon grosse Stars ins Alto-Adige (Südtirol) gelockt, wie etwa Ron Chipperfield, Kent Nilsson, Mark Pavelich oder eben Napier, einst überragender Mann bei Franz Sinn’s Krimi-Titel 1990. Seine 154 Skorerpunkte in 42 Spielen sind noch heute eine Rekordmarke. Ein «Scudetto» kommt vorerst keiner mehr dazu und das «alte Matchprogramm» auf der Pressetribüne wird zum Relikt.
Künftige Bozner-Stars, wie einst der grosse Napier, schreiben ihre erfolgreiche Hockey-Geschichte in Zukunft wieder zusammen mit Österreichern und Slowenen, wie früher in der guten, alten Alpenliga. Auch auf der anderen Seite des Brennerpasses (Brennero) dürfte ein Titelgewinn um die «Champions-Trophy» bald als Fahne unter der Hallendecke der Palaonda hängen und Franz Sinn wird den einstigen Krimi neu als Symphonie niederschreiben.
Der Auftrag für den 14. Juni 2013 lautet, die drei Schweizer NHL-Grössen Roman Josi, Mark Streit und Yannick Weber bei ihrem Krafttraining in Bern zu begleiten. Die drei Berner NHL-Verteidiger trainieren alle zusammen bei Harry Andereggen. Für das Sportpanorama vom 16. Juni, treffen wir (SRF) die drei am Freitag Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr im Fitnessstudio Fit-Line in der Nähe des Insel-Spitals in Bern.
Der fehlende Journalist
Die Kamerafrau kommt direkt aus Zürich, auch ich habe sie noch nie gesehen, so warten wir (Streit, Weber, die Kamerafrau und ich) an der Getränkebar des Studios auf den noch fehlenden Akteur und frischgebackenen Silbermedaillengewinner und wertvollsten Spieler der Weltmeisterschaft in Stockholm, Roman Josi. Bereits gibts ein erstes Erinnerungsfoto mit Streit und Weber und die Kamerafrau sagt «nun fehlt nur noch der Journalist,» aber da stehe ich doch? Streit, Weber und ich als «falscher Josi» warten auf Krein?
Der falsche und der echte Josi. (Angela Meschini)
Wer ist Roman Josi?
Die beiden NHL-Cracks Streit und Weber verstehen nicht ganz und wissen nicht, dass sich die Kamerafrau und ich bis heute nie begegnet sind, und antworten «nein Josi fehlt.» Für einen kurzen Augenblick bin ich eine NHL-Grösse und ein WM-MVP. Nach einer kurzen Aufklärung nehmen es alle mit Humor, ehe der echte Josi doch noch eintrifft. Ehrlich gesagt, am liebsten hätte ich als «falscher Josi» gleich mittrainiert. Wobei mir Fitnesscoach Andereggen während des harten Trainings erklärt, dass dies eher ein lockeres Training sei, so stehe ich doch Lieber auf der anderen Seite der Kamera und lasse dem echten Josi den Vortritt fürs Grobe.
Trainings-Drahtzieher Mark Streit beim rackern. (Krein)
Der Startschuss unserer diesjährigen WM-Reise erfolgte in Lyss. Lyss ein «kleines Dorf» mit 13’000 Einwohnern im Berner Seeland, wo einst der aktuelle Nationaltrainer(held) Sean Simpson am Industriecup (dem Flachland Spenglercup) 1989 gegen den EHC Biel debütierte. Bereits in der 5. Minute musste er damals durch eine Verletzung die Partie beenden und so startete die wohl eindrücklichste Trainerkarriere der Schweizer Hockeygeschichte (Champions-Hockey-League-Sieger 2009, Victoria-Cup-Sieger 2009 und WM Silber 2013).
Starköl und das «Lotterteam»
Ein bekannter Schweizer Eishockey «Chronist» erzählte mir nach unserem 3:2-Auftaktsieg, übrigens der erste Schweizer Sieg in Stockholm seit 1948!, über den Gastgeber: «Schweeedä het äs Lotter-Team.» Er hatte nicht unrecht, denn bis zur Ankunft der Sedin-Zwillinge war der Gastgeber alles andere als überzeugend und erknorzte sich ein 2:1-Sieg gegen Weissrussland und musste gegen die Schweiz (2:3), sowie gegen Kanada (0:3) die (Wasa)-Segel streichen. Die Segel streichen mussten auch wir, ohne dabei etwas bemerkt zu haben, da wir 24 Stunden lang nichts flüssiges zu uns genommen ausser dem tückischen Starköl.
Antti Törmänen ist Experte beim finnischen TV. (Finnischer TV-Mann)
Die Zwillinge aus Örnsköldsvik
Dank der Ankunft der Sedins verwandelten sich die Schweden vom «Lotter» zu einem «Team» und segelten wie eine schwedische Galeone zum 9. WM-Titel, so wie es das schwedische Kriegsschiff Wasa vor 385 Jahren hätte tun sollen. Ich bin überzeugt, ohne die Sedins wären die «Lotter-Schweden» des Chronisten wohl schon im Viertelfinal gegen die Kanadier wie die Wasa auf ihrer Jungfernfahrt im Hafen (Globen) von Stockholm mit wehenden Fahnen abgesoffen. Übrigens haben die Sedins in zehn Pflicht-Spielen (inkl. Junioren WM) gegen die Schweiz nur einmal verloren, an der U20 WM 1998 (mit Julien Vauclair) mit 1:2 nach Penaltyschiessen. Vorsicht: Die Sedins werden gerne mit ihrem Schweizer Pendant, den Marti-Bros (beide sprechen fliessend schwedisch und es fliesst schwedisch) verwechselt.
In 78 Jahren um die Welt
Etwas jünger als der Untergang der Wasa ist der letzte Silber-Medaillengewinn der Schweiz. 1935 holten die Eisgenossen zum einzigen Mal WM-Silber. Den heutigen Weltmeister Schweden schlug man im Eröffnungsspiel in Davos mit 6:1. Es folgten Siege über Holland, Frankreich, Grossbritannien und die Tschechoslowakei. Gegen Ungarn und Österreich kamen wir nicht über ein Unentschieden hinaus. Die 1. Niederlage mussten wir damals wie heute erst im Finalspiel hinnehmen beim 2:4 gegen Kanada (vertreten durch die Winnipeg Monarchs). Damals noch nicht dabei waren die USA und die Sowjetrussen.
Während Schweden – Tschechien fädelt SCB-Sportchef Sven Leuenberger die Rückkehr von Justin Krueger ein. (Rolf Pfeiffer)
Der Kreis der Silber-Helden
Bis zum 19. April 2013 gab es zwölf Schweizer Silber-Medaillen-Gewinner: Die Goalies Albert Künzler und Arnold Hintz, die Verteidiger Ernst Hug, Christian Badrutt und Oscar Schmid sowie die Stürmer Pic (Ferdinand) und Hans Cattini, Bibi Torriani (der Ni-Sturm), Herbert und Charly Kessler, Peter Müller und Thomas Pleisch. Die zwölf Legenden von anno 1935 werden nun komplettiert durch Martin Gerber, Reto Berra, Mathias Seger, Roman Josi, Julien Vauclair, Raphael Diaz, Philippe Furrer, Eric Blum, Patrick von Gunten, Robin Grossmann, Severin Blindenbacher, Andres Ambühl, Nino Niederreiter, Martin Plüss, Simon Moser, Denis Hollenstein, Simon Bodenmann, Luca Cunti, Ryan Gardner, Reto Suri, Matthias Bieber, Julian Walker, Morris Trachsler und Thibaut Monnet, sowie die überzähligen Tobias Stephan und Dario Bürgler.
All-Star-Abwehr
Mit Vauclair und Josi figurieren erstmals in der Hockeygeschichte gleich zwei Schweizer im WM All-Star-Team, ebenfalls werden jeweils die drei besten Spieler jeder Mannschaft gewählt. Dabei ist Vauclair der einzige Spieler aus dem All-Star-Team welcher nicht unter die drei besten seiner Mannschaft gewählt wurde, wie das? Das All-Star-Team wird jeweils durch die Medienvertreter gewählt, die drei besten Spieler durch die Headcoaches. Josi wurde zudem noch zum «besten Verteidiger» sowie zum «wertvollsten Spieler» der WM ausgezeichnet. Als dann Kommentator Jann Billeter (nicht zu verwechseln mit Biljeter) mit Malkin und Kovalchuk MVPs aus vergangenen Jahren aufgezählt hat, fügte Mario Rottaris (Burgdorf-Gretzky) noch «Yzerman» hinzu. Steve Yzerman wurde an der WM 1990 in Bern und Fribourg zwar WM-Topskorer, aber nicht zum «MVP» gewählt, da diese Auszeichnung erst seit 1999 (Teemu Selänne) vergeben wird.
Offene Fragen
Ein paar Fragen bleiben aber auch nach der WM unbeantwortet. Warum haben die Schwedinnen hinten an ihrer Hose immer einen kleinen Reissverschluss? Warum war die Schweizerin aus dem Aargau mit ihrem Bruder an der WM? Warum waren die Prinzessinnen Victoria und Madeleine nie im Stadion? Warum sagte mir der Türsteher vor dem Club «you give me a drunk impression?» Und die Mutter aller Fragen, warum zum Teufel ist die Wasa gesunken?
Die Schweizer Delegation im Globen. (Krein)Die Stimmung nach Schwedens Sieg gegen Tschechien. (Krein)Reto Berra (Würfel im Globen) ist gegen Schweden Back-up. (Krein)Eindrückliche Eröffnungszeremonie nach dem Warm-up. (Krein)
Der Djurgarden, zu deutsch «Tiergarten», nachdem der schwedische Rekordmeister Djurgardens IF Stockholm benannt ist, muss durchquert werden auf dem Weg ins Wasa-Museum. Aber auch der Weg durch den Garten ist seit der Kindheit ein Ziel. Passend zum goldenen Eingangstor, trägt sich der «Djurgarden» in den 90er Jahren gleich doppelt in die Siegerliste der europäischen Königsklasse ein.
Djurgardsslätten. (Krein)Das Tor zum Djurgarden. (Krein)Die Karte des Djurgarden. (Krein)Nicklas Lidström’s Stock in Djurgarden’s Fan-Shop. (Selfie)
Es ist angerichtet, in der proppenvollen Patinoire de Malley. (Krein)
Am 4. März 1961 verliert der NLA-Klub HC Lausanne gegen NLB-Meister SC Langnau das zweite Spiel in der Liga-Qualifikation im Emmental mit 3:8, die Langnauer steigen damit zum ersten Mal in die Nationalliga A auf und Lausanne steigt nach vier Jahren im Oberhaus wieder in die Zweitklassigkeit ab.
52 Jahre später stehen die gleichen Teams wieder im Fokus der Ligazugehörigkeit, dieses Mal in umgekehrten Rollen und Langnau muss in Lausanne zum sechsten Spiel antreten. Die unterklassigen Waadtländer revanchieren sich und schiessen den Traditionsclub aus dem Emmental nach 15 Jahren in die Nationalliga B.
„Wo ist die Kamera?“
— Michael Krein (SRF) und Alex Tamburini (RSI)
Nach dem Spiel brechen alle Dämme, fürs Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) soll ich vier Interviews liefern, Jörg Reber und Wolfgang Schickli von den Tigers, Oliver Setzinger und Gerd Zenhäusern für den Aufsteiger. Bis zur Spielerbank kämpfe ich mich, zusammen mit RSI-Kommentator Alessandro «Alex» Tamburini, durch – doch wo ist die Kamera oder wo ist der Kameramann?
Verloren in Lausanne sind nicht nur wir, auf der Suche nach dem rettenden Kameramann, sondern vor allem die Langnauer. Die Organisation mit all ihren treuen Helfern und Funktionären ist mir in den letzten elf Jahren ans Herz gewachsen, keiner in der Organisation der SCL Tigers verdient diesen Abstieg. Mit Lausanne kehrt trotzdem eine hervorragende und historische Eishockeystätte ins Rampenlicht zurück.
16. April 2013,der Aufstieg ist perfekt, kurze Zeit später brechen alle Dämme. (Krein)