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Fondue «Essonne» und Mike Ribeiro-Drill

Die Hockey-Journalisten anlässlich des Trainings bei Guy Boucher und Lars Leuenberger. (Foto: PostFinance)

Die Hockey-Journalisten anlässlich des Trainings bei Guy Boucher und Lars Leuenberger. (Foto: PostFinance)

Anlässlich des Eishockey Trainings für Medienschaffende in Bern lädt PostFinance die Journalisten zu einer Trainingseinheit unter SCB-Headcoach Guy Boucher aufs Glatteis. Seine Philosophie und einige Beispiele verrät uns der Quebecois in der Kabine des Fanionteams.

Auf dem Eis gibts dann einige «Denkübungen», welche auch jedem Zweit- bis Viertliga-Akteur gut tun würde. Einige Übungen sind im Ansatz so simpel, dass Sie bereits in ihrer Einfachheit zu kompliziert werden, zum Beispiel die Passübung mit nur einer Scheibe, «la rondelle» wie Boucher in frankokanadischem Akzent erklärt. Auch ich, trotz- oder eben durch 15 Saisons Amateur-Eishockey «pucke»  es auf Anhieb nicht.

Der Mike-Ribeiro-Drill

Später zeigt uns der ehemalige NHL-Coach den «Mike-Ribeiro-Drill» – what the hell is that? Mike Ribeiro (aktuell mit Roman Josi bei den Nashville Predators) spielte von 1997 bis 2000 unter dem damaligen Assistenzcoach Guy Boucher für die Rouyn-Noranda Huskies in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL). Die Übung habe aber nicht direkt mit Ribeiro zu tun, antwortet Boucher auf meine Frage, er gebe einfach jeder Übung einen Spielernamen.

«i was twenty-four, i was single and i was in Paris, it was a great time»

Denkübungen gibts auch beim abschliessenden Fondue-Plausch im Stadion-Restaurant. Als ich Boucher auf seine Zeit in der Saison 1994/95 beim OHC Viry-Essonne (Paris) in Frankreichs Ligue Élite (heute Ligue Magnus) anspreche, beginnt die Zeitreise zurück in die 90er. Der SCB-Trainer kommt ins Schwärmen: «i was twenty-four, i was single and i was in Paris, it was a great time». Bouchers Transfer kam via seines Kollegen Patrice Tremblay (die beiden kannten sich aus gemeinsamen Zeiten bei der McGill Universität) zustande. Die beiden realisierten 1994/95 beim Tabellenletzten aus Paris über 50% aller Treffer im Kollektiv.

Paris, Grindelwald und Japan

Via Viry-Essonne und Telebärn-Journalist Hans Boss kommen wir zum EHC Grindelwald, wo sein Vater (ebenfalls Hans Boss) in den 80er Jahren in der NLB gespielt hat. Da spielte ein gewisser Jerry Byers (43 NHL-Spiele für die Minnesota North Stars, Atlanta Flames und die New York Rangers und übrigens von Salzburg nach Grindelwald gekommen), für das Gletscherdorf. Boss‘ Vater war damals einer der wenigen englischsprechenden Spieler im Kader von Trainer Bruno Steuri und zog deshalb viel mit Byers um die Häuser. Byers beendete seine Karriere beim japanischen Erstligisten Jujo Seishi Kushiro (heute Nippon Paper Cranes).

Berns Japan-Tour

Kushiro – da wird auch SCB-Sportchef Sven Leuenberger mitreden können? Im August 1997 befand sich der SCB nämlich auf Japan-Tournee, Zusammen mit den Adler Mannheim absolvierten die Mutzen um Leuenberger, Tosio und Co. je vier Partien gegen die Kushiro Cranes (9:3) und gegen den japanischen Meister Seibu Tokyo (5:4), sowie zwei gegeneinander (Mannheim gewann 4:3 und 6:5).

«La rondelle» versteht sich eben «rund» um die Welt, ob im fernen Kushiro, in Bern oder in Paris und vor allem bei der McGill Universität, Bouchers Herkunft. Die McGill Universität steht am Ursprung der wichtigsten Eishockey Regeln, welche 1880 durch den Studenten James Creighton entwickelt und niedergeschrieben wurden.

Das Berliner Wunder von Mannheim

 

Die Eisbären erzwingen in Mannheim das siebte Spiel. (Foto: DPA/Welt Online)

Die Eisbären erzwingen in Mannheim das fünfte Spiel. (Foto: DPA/Welt Online)

Wenn Rumänien gegen Litauen an der B-Weltmeisterschaft“vier Minuten vor Schluss noch 3:5 zurück liegt und die Partie innert zwei Minuten in einen 6:5 Sieg verwandelt, nehmen dies gerade mal 140 Nasen in der Halle von Krynica zur Kenntnis. Der Spielausgang hat im Nachhinein für beide Teams keine Auswirkung über den Klassenerhalt.

Das Wunder von Stockholm

Im Oktober 2011 führt AIK Solna Stockholm nach zwei Dritteln gegen HV71 Jönköping souverän mit 6:2, in der 42. Minute fällt durch Oscar Ahlström sogar noch das das 7:2. Es geht nur noch darum wie hoch der Sieg bis zur 60. Minute ausfallen würde. Doch alles kommt anders. In der 48. Minute erzielt Jönköping innerhalb von sieben Sekunden zwei Treffer – und für AIK kommts noch schlimmer. Innerhalb von 133 Sekunden gelingt Jönköping zwischen der 51. und 53. Minute der 7:7-Ausgleich! Logischerweise gelingt den Gästen aus Jönköping im Shootout durch Jukka Voutilainen der Siegestreffer zum 7:8 Endstand.

DEL-Final

Wer glaubt, solche «Eishockey Wunder» gibts nur in bedeutungslosen Qualifikationsspielen, wird im DEL Finale 2012 eines besseren belehrt! In der Best-of-five Serie führen die Adler Mannheim mit 2:1 in der Serie und können im vierten Spiel Zuhause in der proppenvollen SAP-Arena alles klar machen. In der ersten Minute erzielt Christoph Ullmann auch schon den Führungstreffer – die Halle steht bereits Kopf – und die Eisbären Berlin stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach einem offenen Schlagabtausch führen die Adler 14 Minuten vor Schluss mit 5:2, Berlin scheint am Boden. Mannheim greift bereits nach dem Pokal und keiner der 13’600 Fans – selbst der optimistischste «Dynamo-Anhänger» im Stadion würde jetzt noch eine Reichsmark (die alte DDR-Währung) auf die Eisbären wetten.

Harold Kreis geht mit seiner Mannschaft ehrenhaft unter…

Nur zehn Sekunden nach dem 5:2 fällt der 3:5-Anschlusstreffer der Berliner durch Jimmy Sharrow. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Mannheimer total neben den Schlittschuhen und kommen kaum noch über die rote Linie. Innert sechs Minuten läuft der «Dynamo» bis zum 5:5-Ausgleich auf Hochtouren. Wie kann man einen Dreitore Vorsprung in einem Endspiel verspielen? Adler-Trainer Harold Kreis – hat immerhin in der Schweiz schon zwei Titel geholt – kann Mannheims Untergang in den letzten 14 Minuten nicht stoppen und geht mit seiner Mannschaft ehrenhaft unter… selbst Kevin Schläpfer hätte diesen Vorsprung mit dem EHC Biel verwalten können, lässt mich der Biel-Trainer auf seiner Heimfahrt aus Staubig wissen.

Die Eisbären gewinnen in der Verlängerung (64. T.J. Mulock) und holen als Zugabe im fünften Finalspiel Zuhause den sechsten DEL-Titel seit dem Fall der Berliner Mauer. Um es in «Schwyzerdütsch» auszudrücken, die Eisbären Berlin sind die ZSC Lions Deutschlands und die Adler müssen sich als den «SCB Deutschlands» trösten lassen.

In den Katakomben von Mannheim

Mannheim – einfach nur „WOW“ geht einem durch den Kopf, wenn man die SAP-Arena betritt. Nun habe ich den direkten Vergleich, innert 24 Stunden besuche ich die Bossard-Arena in Zug und die SAP-Arena in Mannheim. Ich muss zugestehen, die Bossard-Arena kommt nie und nimmer an das Mannheimer Prunkstück heran.

Spiel statt Stadion

Dafür die Partie! Anders als die Zuger, geraten die Adler gegen die Buffalo Sabres (ohne Jochen Hecht) schon früh in Rückstand, 0:3 stehts nach 20 Minuten und das Spiel ist bereits gelaufen. Da nützt das beste Stadion nichts! In der ersten Drittelspause begegnen mir im Stadionflur zwei Männer in Schale? Ja klar, Jim Corsi (früherer Azzuri-Hexer und aktueller Torhütertrainer der Sabres) und Teppo Numminen (Ex-Spieler und aktueller Assistenzcoach der Sabres).  Diese beiden erwecken kurzzeitig nostalgische-Gefühle, bevor ich mir mein Getränk und meine Stadionwurst zu Gemüte führen kann.

Corbets Nummer 20

Weiter mit Nostalgie gehts in der zweiten Drittelspause, René Corbets Rückennumer 20, wird in einer unvergesslichen Zeremonie, von Corbet selber unter die Hallendecke gezogen. Harold Kreis (Nr. 3), Marcus Kuhl (Nr. 15), Stéphane Richer (Nr. 25) und Robert Müller (Nr. 80) heissen die anderen unsterblichen.

Andere Dimensionen, nur drei Stunden entfernt!

http://www.adler-mannheim.de

Zuviel Schweizer Eishockey bringt Langeweile, vorallem Spiele wie Bern-Rapperswil-Jona fördern die Abschaffung von viel zuvielen Qualispielen. Die Liga ist eine Zweiklassengesellschaft und wird auf die Dauer langweilig. Nun wo kommt man am schnellsten an ein Spiel in einer obersten Spielklasse im Ausland? Die Antwort heisst für mich als Seeländer: Mannheim. Der Tessiner würde wohl nach Italien gehen und der Bündner nach Österreich. Mannheim liegt nur drei Autostunden von mir entfernt, also ideal für ein bisschen Abwechslung. Und so war es auch. Schon nur die SAP-Arena ist qualitativ und quantitativ für jedes Schweizer Stadion (auch für die neue Bossard Arena) unerreichbar. Der Stadionspeaker wirkt dreimal professioneller als die Besten unseres Landes. Von den Schlechtesten will ich gar nicht reden. Die Speakerin in Langnau (Brät Mägg Liin, Ahren Sbiiilo) würde in Mannheim nicht einmal in der Trainingshalle den Nachwuchs speaken können. Das Catering mahnt an eine NHL-Arena, die Plätze und die Show vor dem Spiel ebenso.

Einzig die Klasse des Spiels ist trotz allem drumherum nicht besser! Doch man hat zumindest das Gefühl, es sei doch irgendwie besser als in Ambri, Langnau oder Biel. Das Spiel wird schliesslich auch von einem „Ex-Schweizer“ entschieden: Jame Pollock trifft im Powerplay 15 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung. Es standen sich der Tabellenachte (Mannheim) und der Tabellenneunte (Hamburg) gegenüber, dementsprechend hoch war auch die Fehlerquote beider Teams. Adler Mannheim-Hamburg Freezers 3:2 nach Verlängerung. Ein mittelmässiges Spiel in einen erstklassigen Stadion. Ein Erlebnis war es allemal und bestimmt auch nicht das letzte. Und noch was, die Stars des Spiels waren ***N. Goc (Mannheim), **Pollock (Mannheim), *Festerling (Hamburg), die Pflaume: Reul (Mannheim) – mit seiner hohen Fehlerquote ein Schatten seiner selbst. Auch da Mal andere Namen aus anderen Teams, was für eine Abwechslung.

Working-Press/MK Hockey Aarberg-Mannheim