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Adventszeit ist auch die Zeit der NHL-Scouts

Der 17-jährige Denis Malgin steht zusammen mit Jonas Siegenthaler unter Beobachtung der NHL-Scouts. (Foto: GCK Lions)

Der 17-jährige Denis Malgin steht zusammen mit Jonas Siegenthaler im Fokus der NHL-Scouts. (Foto: GCK Lions)

Sie tummeln sich wieder in den Eisstadien Europas, die Späher der National-Hockey-League (NHL). Allein am letzten Wochenende mit drei Spielrunden waren ein Dutzend NHL-Scouts in der Schweiz unterwegs. Die beiden Scouts der Buffalo Sabres, Fredrik Andersson und Teemu Numminen pendelten von Bern via Zürich nach Kloten. In Bern beobachten die beiden Skandinavier unter anderem Christoph Bertschy, dessen Rechte allerdings schon bei den Minnesota Wild liegen. In Zürich sind es Jonas Siegenthaler und Denis Malgin, in Kloten sind es die jungen Davoser welche die Späher kurz vor ihrem Rückflug interessieren. Auch Pittsburgh-Scout Tommy Westlund ist in Zürich und Kloten anzutreffen.

Ehemalige Spieler 

Andersson, und Numminen waren einst selber Spieler. Andersson langjährier Torhüter bei MoDo Hockey Örnsköldsvik und Numminen war einst auf dem Weg in die NHL seinem älteren Bruder Teppo Numminen zu folgen. Wie Teppo, wurde auch der fünf Jahre jüngere Teemu von den Winnipeg Jets gedrafted, allerdings blieb es beim Draft. Nun beobachtet er selber mögliche Draft-Kandidaten für die Buffalo Sabres. Die beiden Skandinavier sind für das Amateur-Scouting in Europa zuständig. Als Pro-Scout in Buffalo ist übrigens Ex Bern- und Lausanne Trainer John van Boxmeer tätig.

Kalevi Numminen 

Apropos Trainer, Teppo- und Teemus Vater Kalevi Numminen ist in Finnland eine Legende, nach ihm ist sogar die Auszeichnung für den SM-liiga-Trainer des Jahres benannt. Vier Gewinner der Kalevi-Numminen-Trophy waren schon Trainer in der Schweiz. Ex Zug-Trainer Rauno Korpi gewann die Trophäe 1982, 1986 und 1987, der langjährige Kloten-Ausbildner Wladimir Jursinow wurde zwischen 1993 und 1995 drei Mal in Serie ausgezeichnet, ex SCB-Coach Hannu Jortikka zwischen 1999 und 2001 ebenfalls. Der vierte ist Raimo Summanen 2002.

Connor McDavid und Jack Eichel sind die heissesten Anwärter für die Nummer Eins 

Kalevi und Teppo Numminen haben bereits Eishockey-Geschichte geschrieben, Teemu Numminen soll als Scout zumindest den europäischen Teil des Kapitels der Buffalo Sabres von Morgen schreiben. Zu den heissesten Draft-Kandidaten für den Number-One-Draft 2015 zählen der Kanadier Connor McDavid (Erie Otters) und der Amerikaner Jack Eichel (Boston University). Die ersten Europäer sind auf den Positionen sieben und dreizehn des Rankings des International Scouting Services (ISS) vertreten: Oliver Kylington von Färjestads BK Karlstad und der Finne Mikko Rantanen von TPS Turku.

Die Schweizer Draft-Kandidaten

Die hoffnungsvollsten Schweizer Talente des ISS-Rankings sind Jonas Siegenthaler und Denis Malgin (Sohn von Albert Malgin) und dürften beim Draft vom nächsten Juni (26./27.) in Sunrise, Florida zum Zug kommen. Auf der nordamerikanischen Liste stehen die beiden in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) engagierten Kay Schweri (Sherbrooke Faucons) und Timo Meier (Halifax Mooseheads). Unter Beobachtung stehen auch weitere Schweizer Talente wie Dominik Diem (GCK Lions), Colin Fontana (HC Lugano), Fabian Haberstich (SCL Tigers), Auguste Impose (HC Genf-Servette), Roger Karrer (GCK Lions), Timo Haussener (Rapperswil-Jona), Calvin Thürkauf (Zug) sowie die Berner Luca Hischier, Yanik Burren und Dario Meyer. Wichtigster Termin für die jungen Top-Draft-Kandidaten ist die U20 Weltmeisterschaft vom 26. Dezember 2014 bis 5. Januar 2015 in Toronto und Montreal, vor den Toren der National-Hockey-League.

«Nino is my Buddy»

Foto: Aussteigen vor dem Marriott’s Hotel in Uniondale: v. li. Brom, Bodmer, Zurbuchen (unten), Saxer, Pfeiffer, Krein und Taxifahrer Serge Mars (hinten). (eishockeyblog.ch)

«I think Track six, but i’m not sure, i let you know about this» sagt der Zugbegleiter als ich ihn über die Gleisnummer beim umsteigen in Jamaica frage. Jamaica? Gemeint ist nicht der Karibikstaat, sondern ein Vorort von New York. Rolf Pfeiffer und ich haben keine guten Erinnerungen an Jamaica, gingen wir doch vor einem Jahr beinahe «lost in Jamaica». Viele Immigranten aus dem Karibikstaat wohnen dort, erklärt uns Taxifahrer Serge Mars zwei Tage vorher. Die letzte und fünfte Station des fünftägigen NHL-Road-Trips ist zum zweiten Mal Uniondale.

Flyers, Sabres, Devils, Ducks, Islanders, Hurricanes, Rangers, Blue Jackets und Senators heissen die klingenden Namen des diesjährigen Trips. Wells Fargo Center, Prudential Center, Nassau Veterans Memorial Coliseum und nicht zu vergessen «The Worlds Most Famous Arena» der Madison Square Garden heissen die NHL-Schauplätze. Nirgends sonst auf der Welt sind innerhalb von zwei Stunden vier NHL-Teams stationiert und nirgends sonst auf der Welt kann man innert fünf Tagen fünf NHL-Spiele in solch kurzer Distanz bewältigen.

Man wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen

Michael Krein

New York gilt nicht nur als «Hauptstadt» der Welt, sondern auch als NHL-Headquarter, an der 1185 Avenue of the Americas oder besser bekannt als 6th Avenue logiert die NHL seit Jahren. Die NHL Hauptzentrale ist in New York so unsichtbar wie die geheimen Waffenlabore des britischen Geheimdienstes in den James Bond Filmen. Von aussen findet man nicht einmal ein Türschild oder ein Logo. Erst an der Rezeption erntet man beim Fragen nach der «NHL» einen verblüfften Blick und wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen. Dabei ist man im offiziellen NHL Reebok Store nebenan schon näher als man denkt, doch kaum ein Kunde würde im Traum erahnen, dass sich das NHL-Hauptquartier im gleichen Gebäude nur wenige Stockwerke höher befindet.

Streets of Philadelphia

Unser NHL-Road-Trip beginnt aber nicht in New York, sondern in Philadelphia – per Amtrak kommt man innert anderthalb Stunden vom Herzen Manhattans in die „Streets of Philadelphia“, sogar Bruce Springsteen hat eine „Retired Number“ an der Stadiondecke – nach einer 15-minütigen Taxifahrt erreicht man das Wells Fargo Center der Philadelphia Flyers. Wir sehen wie die Flyers einen 0:2 Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 7:2-Sieg ge Buffalo Sabres verwandeln. Dabei erleben wir das erste NHL-Tor von Erik Gustafsson und den Ausfall von Daniel Brière. Und ja, das Blut wie zu Zeiten der „Broad Street Bullies“ fliesst jetzt nach dem Spiel, wenn zwei betrunkene Schweizer durch die Sitzreihen die Stadiontreppe herunterstürzen.

Meet-and-Greet mit Hiller und Sbisa

Am zweiten Tag steht Newark auf dem Programm. Beim „Will Call“ Schalter hinterlässt uns Jonas Hiller sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel kurz mit Luca Sbisa und Jonas Hiller unterhalten können. Die Ducks um Hiller und Sbisa verlieren erst im Penaltyschiessen mit 2:3 gegen die New Jersey Devils. Die nächsten Schweizer sehen wir 24 Stunden später auf Long Island. Zu sechst buchen wir ein Taxi und erleben auf der Hinfahrt eine anderthalbstündige Sightseeing Tour – mit dem besten Taxifahrer Long Islands, wie Serge Mars selber von sich behauptet – durch Queens, Jamaica und Uniondale.

Der Weg ins Nassau Veterans Memorial Coliseum führt immer durchs Marriott’s Hotel. Vor und nach dem Spiel ist die „Champions-Bar“ besser besetzt als das Nassau Veterans Memorial Coliseum während des Spiels. Erstmals sehen wir zwei Schweizer im selben Team, Mark Streit und Nino Niederreiter sind die letzten welche nach dem Warm-Up das Eisfeld verlassen. John Tavares ist der Mann des Spiels, Streit bucht zwei Assists und Niederreiter holt in seiner dezimierten Eiszeit das Optimum heraus, die Islanders gewinnen gegen die Carolina Hurricanes verdient mit 4:3.

The World’s Most Famous Arena

Zurück nach Manhattan und zum Madison Square Garden. Die New York Rangers sind, gemessen an ihrer Zeitachse, das traditionsreichste- aber auch die erfolgloseste Mannschaft New Yorks. Seit der Gründung 1926 holen die Rangers vier Stanley-Cups, die Islanders, holen in 46 Spielzeiten weniger ebenfalls vier mal den Pott. Noch besser sind die New Jersey Devils, denn sie müssen in 76 Jahren nur noch einen Titel holen um das Palmarés der Rangers zu egalisieren. Trotzdem gelten die Rangers als „Kultteam der Original Six“ und der Madison Square Garden ist Weltberühmt. Ruhm und Kult sind grösser als New Yorks Erfolge, umso wichtiger, dass die Rangers aktuell die Rangliste der Eastern Conference anführen.

Gegen den Conference-Letzten aus dem Westen, die Columbus Blue Jackets um Captain Rick Nash, reichts erst zum Overtime–Sieg (3:2). Schlüsselszene ist ein nicht gegebener regulärer Rangers-Treffer im Mitteldrittel. Das Head-Duo Stephane Auger/Don van Massenhoven (pfeifen schon am Vortag in Uniondale) greift zum Telefonhörer nach Toronto – sämtliche Torentscheide werden in Toronto gemanagt, wie uns Luca Sbisa in Newark erzählt hat – wo sich dieses mal die Verantwortlichen in der Zentrale im 11 Stock an der Bay Street wohl gerade ein Nickerchen gönnen? Denn das Video auf dem Screen zeigt die Puck-Überquerung der Torlinie bei 00:01 Sekunden und führt zu einem kurzzeitigen „raunen“ im Garden.

Howie und die Rookies

Zurück zu meinem Long-Island-Rail-Road-Trip nach Uniondale, nach anderthalb Stunden und einer kurzen Taxifahrt erreiche ich das Marriott’s Hotel in Unodale. Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Veterans Memorial Coliseum, hier logieren nicht nur sämtliche Gästeteams und Gegner der Islanders, sondern auch sämtliche Fans oder die Islanders-Rookies. Und wer das Marriott’s mit dem Taxi verlässt, kommt kaum an Howie Kats vorbei. Kats ist selbständiger Taxifahrer, gehört aber seit Jahren zum Hotelinventar. Kats ist eine Art fahrendes Islanders-Lexikon oder der Hockey-Journalist unter den Taxifahrern. „Nino is my Buddy“ sagt Kats nachdem ich ihn über meine Herkunft orientiere. Howie begleitet jeden Rookie bei dessen Ankunft und kennt die neuen Spieler zu Beginn besser als Isles-Headcoach Jack Capuano.

Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Coliseums

Ich selber fahre nach dem letzten Spiel, welches für die Islanders die bitterste Niederlage (0:6) der aktuellen Saison absetzt, zum dritten Mal mit Howie’s Taxi und die Fahrt zum JFK Airport ist kurzweilig. Wir unterhalten uns über David Ullström, Rick Di Pietro, Evgeny Nabokov, Mark Streit, Nino Niederreiter und über die guten, alten Stanley-Cup-Zeiten (1980-83) der Isles. Als Schweizer (Mark und Nino sei Dank) kann ich sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Unsere NHL-Söldner leisten also nicht nur Pionierarbeit für Sven Bärtschi und Co., sondern auch für Meier und Müller, welche zumindest auf Long Island bei Howie Kats nicht mehr mit Andersson und Johansson verwechselt werden. Und übrigens, Kats ist jüdischer Abstammung und hat sowenig mit Katzen zu tun wie Schweizer mit Schweden.

In den Katakomben von Mannheim

Mannheim – einfach nur „WOW“ geht einem durch den Kopf, wenn man die SAP Arena betritt. Nun habe ich den direkten Vergleich, innert 24 Stunden besuche ich die Bossard Arena in Zug und die SAP Arena. Ich muss zugestehen, die Bossard Arena kommt nie und nimmer an das Mannheimer Prunkstück heran.

Dafür die Partie! Anders als die Zuger, geraten die Adler gegen die Buffalo Sabres (ohne Jochen Hecht!) schon früh in Rückstand, 0:3 stehts nach 20 Minuten und die Partei ist bereits gelaufen. Da nützt das beste Stadion nichts! In der ersten Drittelspause begegnen mir im Stadionflur zwei Männer in Schale? Ja klar, Jim Corsi (früherer Azzuri-Hexer und aktueller Torhütertrainer der Sabres) und Teppo Numminen (Ex-Spieler und aktueller Assistenzcoach der Sabres).  Diese beiden erwecken kurzzeitig nostalgische-Gefühle, bis ich mein Getränk und meine Stadionwurst zu Gemüte führen kann.

Weiter mit Nostalgie gehts in der zweiten Drittelspause, René Corbets Rückennumer 20, wird in einer unvergesslichen Zeremonie, von Corbet selber an die Hallendecke gezogen. Harold Kreis (Nr. 3), Marcus Kuhl (Nr. 15), Stéphane Richer (Nr. 25) und Robert Müller (Nr. 80) heissen die anderen unsterblichen.