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«Nino is my Buddy»

Foto: Aussteigen vor dem Marriott’s Hotel in Uniondale: v. li. Brom, Bodmer, Zurbuchen (unten), Saxer, Pfeiffer, Krein und Taxifahrer Serge Mars (hinten). (eishockeyblog.ch)

«I think Track six, but i’m not sure, i let you know about this» sagt der Zugbegleiter als ich ihn über die Gleisnummer beim umsteigen in Jamaica frage. Jamaica? Gemeint ist nicht der Karibikstaat, sondern ein Vorort von New York. Rolf Pfeiffer und ich haben keine guten Erinnerungen an Jamaica, gingen wir doch vor einem Jahr beinahe «lost in Jamaica». Viele Immigranten aus dem Karibikstaat wohnen dort, erklärt uns Taxifahrer Serge Mars zwei Tage vorher. Die letzte und fünfte Station des fünftägigen NHL-Road-Trips ist zum zweiten Mal Uniondale.

Flyers, Sabres, Devils, Ducks, Islanders, Hurricanes, Rangers, Blue Jackets und Senators heissen die klingenden Namen des diesjährigen Trips. Wells Fargo Center, Prudential Center, Nassau Veterans Memorial Coliseum und nicht zu vergessen «The Worlds Most Famous Arena» der Madison Square Garden heissen die NHL-Schauplätze. Nirgends sonst auf der Welt sind innerhalb von zwei Stunden vier NHL-Teams stationiert und nirgends sonst auf der Welt kann man innert fünf Tagen fünf NHL-Spiele in solch kurzer Distanz bewältigen.

Man wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen

Michael Krein

New York gilt nicht nur als «Hauptstadt» der Welt, sondern auch als NHL-Headquarter, an der 1185 Avenue of the Americas oder besser bekannt als 6th Avenue logiert die NHL seit Jahren. Die NHL Hauptzentrale ist in New York so unsichtbar wie die geheimen Waffenlabore des britischen Geheimdienstes in den James Bond Filmen. Von aussen findet man nicht einmal ein Türschild oder ein Logo. Erst an der Rezeption erntet man beim Fragen nach der «NHL» einen verblüfften Blick und wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen. Dabei ist man im offiziellen NHL Reebok Store nebenan schon näher als man denkt, doch kaum ein Kunde würde im Traum erahnen, dass sich das NHL-Hauptquartier im gleichen Gebäude nur wenige Stockwerke höher befindet.

Streets of Philadelphia

Unser NHL-Road-Trip beginnt aber nicht in New York, sondern in Philadelphia – per Amtrak kommt man innert anderthalb Stunden vom Herzen Manhattans in die „Streets of Philadelphia“, sogar Bruce Springsteen hat eine „Retired Number“ an der Stadiondecke – nach einer 15-minütigen Taxifahrt erreicht man das Wells Fargo Center der Philadelphia Flyers. Wir sehen wie die Flyers einen 0:2 Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 7:2-Sieg ge Buffalo Sabres verwandeln. Dabei erleben wir das erste NHL-Tor von Erik Gustafsson und den Ausfall von Daniel Brière. Und ja, das Blut wie zu Zeiten der „Broad Street Bullies“ fliesst jetzt nach dem Spiel, wenn zwei betrunkene Schweizer durch die Sitzreihen die Stadiontreppe herunterstürzen.

Meet-and-Greet mit Hiller und Sbisa

Am zweiten Tag steht Newark auf dem Programm. Beim „Will Call“ Schalter hinterlässt uns Jonas Hiller sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel kurz mit Luca Sbisa und Jonas Hiller unterhalten können. Die Ducks um Hiller und Sbisa verlieren erst im Penaltyschiessen mit 2:3 gegen die New Jersey Devils. Die nächsten Schweizer sehen wir 24 Stunden später auf Long Island. Zu sechst buchen wir ein Taxi und erleben auf der Hinfahrt eine anderthalbstündige Sightseeing Tour – mit dem besten Taxifahrer Long Islands, wie Serge Mars selber von sich behauptet – durch Queens, Jamaica und Uniondale.

Der Weg ins Nassau Veterans Memorial Coliseum führt immer durchs Marriott’s Hotel. Vor und nach dem Spiel ist die „Champions-Bar“ besser besetzt als das Nassau Veterans Memorial Coliseum während des Spiels. Erstmals sehen wir zwei Schweizer im selben Team, Mark Streit und Nino Niederreiter sind die letzten welche nach dem Warm-Up das Eisfeld verlassen. John Tavares ist der Mann des Spiels, Streit bucht zwei Assists und Niederreiter holt in seiner dezimierten Eiszeit das Optimum heraus, die Islanders gewinnen gegen die Carolina Hurricanes verdient mit 4:3.

The World’s Most Famous Arena

Zurück nach Manhattan und zum Madison Square Garden. Die New York Rangers sind, gemessen an ihrer Zeitachse, das traditionsreichste- aber auch die erfolgloseste Mannschaft New Yorks. Seit der Gründung 1926 holen die Rangers vier Stanley-Cups, die Islanders, holen in 46 Spielzeiten weniger ebenfalls vier mal den Pott. Noch besser sind die New Jersey Devils, denn sie müssen in 76 Jahren nur noch einen Titel holen um das Palmarés der Rangers zu egalisieren. Trotzdem gelten die Rangers als „Kultteam der Original Six“ und der Madison Square Garden ist Weltberühmt. Ruhm und Kult sind grösser als New Yorks Erfolge, umso wichtiger, dass die Rangers aktuell die Rangliste der Eastern Conference anführen.

Gegen den Conference-Letzten aus dem Westen, die Columbus Blue Jackets um Captain Rick Nash, reichts erst zum Overtime–Sieg (3:2). Schlüsselszene ist ein nicht gegebener regulärer Rangers-Treffer im Mitteldrittel. Das Head-Duo Stephane Auger/Don van Massenhoven (pfeifen schon am Vortag in Uniondale) greift zum Telefonhörer nach Toronto – sämtliche Torentscheide werden in Toronto gemanagt, wie uns Luca Sbisa in Newark erzählt hat – wo sich dieses mal die Verantwortlichen in der Zentrale im 11 Stock an der Bay Street wohl gerade ein Nickerchen gönnen? Denn das Video auf dem Screen zeigt die Puck-Überquerung der Torlinie bei 00:01 Sekunden und führt zu einem kurzzeitigen „raunen“ im Garden.

Howie und die Rookies

Zurück zu meinem Long-Island-Rail-Road-Trip nach Uniondale, nach anderthalb Stunden und einer kurzen Taxifahrt erreiche ich das Marriott’s Hotel in Unodale. Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Veterans Memorial Coliseum, hier logieren nicht nur sämtliche Gästeteams und Gegner der Islanders, sondern auch sämtliche Fans oder die Islanders-Rookies. Und wer das Marriott’s mit dem Taxi verlässt, kommt kaum an Howie Kats vorbei. Kats ist selbständiger Taxifahrer, gehört aber seit Jahren zum Hotelinventar. Kats ist eine Art fahrendes Islanders-Lexikon oder der Hockey-Journalist unter den Taxifahrern. „Nino is my Buddy“ sagt Kats nachdem ich ihn über meine Herkunft orientiere. Howie begleitet jeden Rookie bei dessen Ankunft und kennt die neuen Spieler zu Beginn besser als Isles-Headcoach Jack Capuano.

Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Coliseums

Ich selber fahre nach dem letzten Spiel, welches für die Islanders die bitterste Niederlage (0:6) der aktuellen Saison absetzt, zum dritten Mal mit Howie’s Taxi und die Fahrt zum JFK Airport ist kurzweilig. Wir unterhalten uns über David Ullström, Rick Di Pietro, Evgeny Nabokov, Mark Streit, Nino Niederreiter und über die guten, alten Stanley-Cup-Zeiten (1980-83) der Isles. Als Schweizer (Mark und Nino sei Dank) kann ich sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Unsere NHL-Söldner leisten also nicht nur Pionierarbeit für Sven Bärtschi und Co., sondern auch für Meier und Müller, welche zumindest auf Long Island bei Howie Kats nicht mehr mit Andersson und Johansson verwechselt werden. Und übrigens, Kats ist jüdischer Abstammung und hat sowenig mit Katzen zu tun wie Schweizer mit Schweden.

NHL Draft 2011 – Live Blog

NHL Entry Draft 2011

NHL Entry Draft 2011

Live aus St. Paul, Minnesota, USA
Sven Bärtschi als zweithöchster Swiss-Draft ever als Nr. 13 von den Calgary Flames gezogen. Bärtschi löst somit auch Michel Riesen als bisher höchsten „Berner“ Draft (Nr. 14, 1997) ab. Unter den zwölf Draftpicks vor Bärtschi wurden nur Kanadier und Schweden berücksichtigt, Bärtschi wurde noch vor dem erstem Amerikaner, Russen, Finnen und Tschechen gezogen. Ambris Gregory Hofmann musste sich bis in die vierte Runde gedulden, ehe er von den Carolina Hurricanes, nach Daniel Manzato (2002) der zweite Carolina Draft, als Nr. 103 gezogen wurde. Ambris Hofmann ist, nach Pauli Jaks, Baldi, Cereda, Thomas Ziegler und Burkhalter, der sechste Draftpick der Leventiner.

First Round

1 EDM Ryan Nugent-Hopkins (CAN), CE, Red Deer Rebels (WHL)
2 COL Gabriel Landeskog (SWE), LW, Kitchener Rangers (OHL)
3 FLA Jonathan Huberdeau (CAN), CE, Saint John Sea Dogs (QMJHL)
4 NJD Adam Larsson (SWE), D, Skelleftea AIK (SWE)
5 NYI Ryan Strome (CAN), CE, Niagara Ice Dogs (OHL)
6 OTT Mika Zibanejad (SWE), CE, Djurgardens IF Stockholm (SWE)
7 WPG Mark Scheifele (CAN), CE, Barrie Colts (OHL)
8 PHI Sean Couturier (CAN), CE, Drummondville Voltigeurs (QMJHL)
9 BOS Doug Hamilton (CAN), D, Niagara Ice Dogs (OHL)
10 MIN Jonas Brodin (SWE), D, Färjestads BK Karlstad (SWE)
11 COL Duncan Siemens (CAN), D, Saskatoon Blades (WHL)
12 CAR Ryan Murphy (CAN), D, Kitchener Rangers (OHL)
13 CGY Sven Bärtschi (SUI), LW, Portland Winterhawks (WHL)
14 DAL Jamie Oleksiak (USA), D, Northeastern University (Hockey-East)
15 NYR J. T. Miller (USA), LW, USA U18 (USHL)
16 BUF Joel Armia (FIN), RW, Ässät Pori (FIN)
17 MTL Nathan Beaulieu (CAN), D, Saint John Sea Dogs (QMJHL)
18 CHI Mark McNeill (CAN), CE, Prince Albert Raiders (WHL)
19 EDM Oscar Klefbom (SWE), D, Färjestads BK Karlstad (SWE)
20 PHX Connor Murphy (USA), D, USA U18 (USHL)
21 OTT Stefan Noesen (USA), RW, Plymouth Whalers (OHL)
22 TOR Tyler Biggs (USA), RW, USA U18 (USHL)
23 PIT Joseph Morrow (CAN), D, Portland Winterhawks (WHL)
24 OTT Matt Puempel (CAN), LW, Peterborough Petes (OHL)
25 TOR Stuart Percy (CAN), D, Mississauga St. Michael’s (OHL)
26 CHI Philipp Danault (CAN), LW, Victoriaville Tigres (QMJHL)
27 TBL Vladislav Namestnikov (RUS), CE, London Knights (OHL)
28 MIN Zack Phillips (CAN), CE, Saint John Sea Dogs (QMJHL)
29 VAN Nicklas Jensen (DEN), LW, Oshawa Generals (OHL)
30 ANA Rickard Rakell (SWE), LW, Plymouth Whalers (OHL)
103 CAR Gregory Hofmann (SUI), CE, HC Ambri-Piotta (SUI)

KHL vs NHL 111-59-42-10

In einem packenden Spiel schlagen die Russen aus St. Petersburg die Carolina Hurricanes. Es war nicht bloss ein Freundschaftsspiel, schon nur die Rivalität zwischen der russischen KHL und der NHL ist heute wieder so gross wie zu den Zeiten des Kalten Krieges. Es fehlte an nichts! Packende Torszenen und russische Kombinationen wie zu Zeiten des Super-Blocks waren ebenso zu sehen wie harte Checks und grobe Faustkämpfe (Harrison vs. Golovkov). Der Sieg der Russen aus der ehemaligen Stadt Leningrad lässt die alten Zeiten der „Super Series“ wieder aufleben, schon damals gingen die NHL-Teams meistens als Verlierer vom Eis. Mit dem Sieg St. Petersburg’s steigt die Bilanz zu Gunsten der „Sowjets“ auf 59 Siege, gegenüber 41 Flops und 10 Unentschieden, sowie 414 Toren zu 362 Gegentreffern! Dies ist erst die zweite Partie zwischen einem NHL- und einem KHL Team seit 1991 (Ende der Super Series). Die Vergleiche zwischen Ost und West, zwischen KHL und NHL sollten dringend wieder zur regelmässigkeit wie zwischen 1976 und 1991 werden, denn das ist beste Werbung für’s Eishockey. – Telegramm im nächsten Blog