Die Letten kommen

Der EHC Biel empfängt den HC Lausanne, auf der Pressetribüne ist ein TV-Platz mehr eingerichtet als üblich. Heute überträgt der lettische Sender TV3 das Spiel der 25. Runde der National-League nach Lettland. So sitzen neben mir und dem welschen Kommentator David Pietronigro (erster, links von mir) die Letten Toms Pramnieks (in gelb) mit Experte, dem ehemaligen Nationalgoalie, Edgars Masalskis (Mann mit Bart). Für den lettischen Abend trage ich extra den WM-Schal von Riga.

Der lettische Sender begleitete sein Aushängeschild Dynamo Riga zwischen 2008 und 2022 in der russischen KHL. Seit Kriegsbeginn und Riga’s Verzicht gibt es kein erstklassiges Eishockey mehr bei den Balten, die heimische Liga ist zu klein und die nationalen Stars spielen überall in Europa. So werden 2023 die Ligen in Schweden, Tschechien und der Schweiz ins Visier genommen. Der lettische Sender prüft für die kommende Saison mögliche Alternativen zur KHL.

Aufgrund der Reisedistanzen in Russland, ist die Schweiz ein Klacks, ob Zürich, Langnau oder Biel – TV3 berichtete von diesen drei Standorten – alle mitteleuropäischen Teams, liegen näher als die russischen Mannschaften östlich von Ufa. In Biel hätte man gerne über das lettische Duell zwischen den Lausannern Ivars Punnenovs und Ronalds Kenins gegen Biel’s Rihards Bukarts berichtet, auf dem Matchblatt ist an diesem Abend aber nur Kenins.

Die Letten treffen sich aber nach dem Spiel in den Kabinengängen der Tissot-Arena. Die National-League könnte künftig durchaus in Lettland ein Thema sein, aktuell stehen acht lettische Spieler in unserer Liga unter Vertrag. In Tschechiens Extraliga spielen sieben Akteure der Balten und drei in Schweden. Die Schweiz steht den Balten ohnehin schon äusserst nahe, seit Jahren werden lettische Spieler, bereits ab der U15-Stufe zahlreich, in den Hochburgen Oberthurgau und Basel, in die Schweiz vermittelt – dies füllt einen separaten Blog – dazu hat die Schweiz den Letten an der letzten Heim-WM den Weg zur Bronze-Medaille im letzten Gruppenspiel geebnet.

In den 90er Jahren debattierte man über die Aufnahme von Österreich’s Meister VEU Feldkirch in der Schweizer Nationalliga-A. Warum nicht morgen Dynamo Riga in der Schweizer National-League, mit dem Standort Huttwil, integrieren und so den lettischen Markt erobern? An lettischen Spielern mit Schweizerlizenz wird es in naher Zukunft zumindest nicht mangeln. Die Letten kommen…

Die kultige Kaltstätte

Die kalte Kultstätte Ambrìs könnte auch die kultige Kaltstätte heissen. Dies gilt auch für den bitterkalten Januar-Abend 2018 der 44. Runde gegen den EHC Biel. Das eingeschneite Leventiner-Dorf könnte auch jedes Jahr ein perfekter Austragungsort für eine Winter-Classic sein, dies gilt für die Pista la Valascia auch mit dem Dach, denn dieses tut nichts zur Sache.

Vorbereitet für eine Winter-Classic ist auch der welsche Kommentator David Pietronigro, der arme Kerl sitzt als einziger, ich und der Tessiner sitzen im warmen Kabäusschen, draussen. Draussen heisst zwar auf der Presssetribüne oberhalb der Strafbank, jedoch ausserhalb der zusammengeflickten Kommentatoren-Kombüse. So hat Pietronigro neben seinen Unterlagen einen kleinen Heizkörper mitgenommen.

Das ist Winter-Classic. Classic ist auch der Aufstieg zu den Kommentatoren-Plätzen. Zuerst gehts über eine Leiter, dann weiter über einen Holzsteg und Vorsicht, ohne den Kopf einzuziehen gehts nicht. Dies gilt auch für den abenteuerlichen Steg zu den Presseplätzen der schreibenden Medien. Zum Interview kommt Dominic Zwerger, der bei allen Treffern seinen Stock im Spiel hatte. Bis zur Interview-Wand schaffte es auch die Heizung des welschen Kommentators oder wenn der Journalist mit der Heizung zum Interview kommt, dann ist er in Ambrì.

MySports-Kommentator David Pietronigro mit seiner Privatheizung. (Krein)
Kalt ist es auch im Spieltisch-Kabäusschen der Valascia (Krein)

26. Januar 2018

Ambrì-Piotta – Biel 3:2nV (0:1, 2:0, 0:1, 1:0)
Pista la Valascia. – 3’929 Zuschauer. – SR Hebeisen/Wehrli, Bürgi/Stuber. – Tore: 6. Joggi (Sutter) 0:1. 22. Kubalik (Zwerger, Fora/Ausschluss Kreis) 1:1. 33. D’Agostini (Zwerger, Pinana) 2:1.59. Pouliot 2:2. 65. (64:29) Zwerger (Fora, Müller) 3:2. – Strafen: Ambrì-Piotta 3-mal 2 Minuten, Biel 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel zwischen 57:43 und 58:33 ohne Torhüter und mit sechstem Feldspieler.
Ambrì-Piotta: Conz; Zgraggen, Plastino; Gautschi, Fora; Pinana, Ngoy; Jelovac; Zwerger, Emmerton, D’Agostini; Kubalik, Müller, Guggisberg; Lauper, Berthon, Monnet; Bianchi, Kostner, Trisconi.
Biel: Hiller; Jecker, Hächler; Fey, Kreis; Dufner, Maurer; Moser; Rajala, Pouliot, Pedretti; Earl, fuchs, Micflikier; Lüthi, Diem, Schmutz; Wetzel, Sutter, Joggi; Nussbaumer.