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Die tschechische Elite trifft sich in Jihlava

ZU_150 Zu Ehren von Ivan Hlinka…

Vor zehn Jahren verunfallte Ivan Hlinka in der Nähe von Karlovy Vary (Karlsbad) tödlich. Auf einen Schlag verlor das tschechische Eishockey nicht nur einen ausgewiesenen Fachmann und grossen Eishockeyspieler und späteren sehr erfolgreichen Coach, sondern auch eine Vaterfigur. Ivan Hlinka hielt die Fäden in der Tschechischen Republik im Eishockey zusammen. Eine Eishockeywelt ohne Ivan war schlicht undenkbar. Viele Kenner sehen auch in diesem Zusammenhang den Niedergang des tschechischen Eishockeys. Hlinka war ein schlauer Fuchs und verstand es auch schwierig zu führende Spieler für die Nationalmannschaft zu gewinnen. Der sensationelle Sieg an den Olympischen Spielen in Nagano 1998 sollte ihm Recht geben, ebenso die nachfolgenden drei WM-Titel von 1999, 2000 und 2001. Ivan Hlinka genoss nicht nur im heimischen Litvínov (Oberleutensdorf) wo er die Gegner austanzte und später den Club übernahm, grosse Sympathien.

 

2004 verlor die Tschechische Republik ihren Hockey-Gott…

Zu Ehren von Ivan Hlinka gelang es Bedřich Ščerban dem Generalmanager vom HC Dukla Jihlava, ein Showspektakel auf die Beine zu stellen, über das wohl noch in zehn Jahren gesprochen wird. Das komplette Team Nagano 1998 tritt gegen den Golden Hattrick 1999/2000/2001 an. Einzig Robert Lang und Petr Svoboda konnten am Event nicht teilnehmen, ansonsten war alles da, was Tschechien zu bieten hat:

Jaromír Jágr

Team Nagano 1998: Hašek (31. Čechmánek) – Šlégr, Šmehlík, Hamrlík, L. Procházka, Kučera, Špaček – Straka, Beránek, Jágr – Hejduk, Robert Reichel, Martin Ručinský – David Moravec, Pavel Patera, M. Procházka – Čaloun.

Coach: Lener, Ruzicka, Dopita
Golden Hattrick 1999-2000-2001: Hnilička (31. Salfický) – Martínek, Karel Pilař, Buzek, Kaberle, Benýšek, Štěpánek, Vykoukal – Broš, Čajánek, Ujčík – Vlasák, Hlinka, Kucharčík – Tomajko, Šimíček, Varaďa.
Coach: Augusta, Martinec
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Ausverkauftes Horácko-Stadion in Jihlava

Das letzte Mal war das alte Horácký zimní stadion vor zehn Jahren im Jahr 2004 ausverkauft. Jaromír Jágr gastierte in der Lockout-Season mit dem HC Kladno in Jihlava. Damals gab’s für ihn eine 5:0-Klatsche. Dukla’s Jan Šmarda verfolgte und bewachte den Topstar bis in die Garderobe – eine Szene, die mich an Biel’s Bernhard Wist im Kampf gegen Fribourg’s Kanadier Sauvé erinnerte. Auch Jaromír Jágr gab entnervt auf. Zehn Jahre später spielt er wieder in Jihlava und füllt die Halle noch einmal. Die ganze tschechische Eishockeywelt schaute an diesem Samstag auf die 50.000 Einwohner-Stadt auf der böhmisch-mährischen Höhe. Ein Ort, wo es im Winter richtig kalt werden kann und wenn der Wind einem so richtig seine Kälte ins Gesicht peitscht, kann’s ungemütlich werden. Nicht nur auf dem Eis. Ja, es ist ein hartes Pflaster und Dukla liess selten Punkte zu Hause liegen und liess den Gegner erfrieren. Die Zeiten haben sich geändert. Dukla spielt heute in der zweithöchsten Liga vorne mit und baut eine junge, starke Mannschaft auf, die bis in 5 Jahren den Aufstieg schaffen kann.

Was mich an diesem 30. August 2014 erwartete war ein unvergessliches Ereignis. Ein unglaublicher Mix an Nostalgie, Gegenwart und einzigartiger Momente. Es war ein perfekter Tag für den Eishockey-Fan. Die Schlange für die Autogrammstunde betrug bereits um 12 Uhr schon fast 750m die Fanartikel um 14 Uhr ausverkauft, bei Türöffnung um 16 Uhr 15 wurde die alte Halle fast wie von Piraten geentert. Keine 20 Minuten später war sie proppenvoll. Offiziell 7200 Zuschauer, inoffiziell wohl etwas mehr. Es lief mir kalt den Rücken herunter. Erinnerungen an die grossen Zeiten von Dukla wurden wieder wach. Schliesslich war ich ja 1991 beim bis jetzt letzten und zwölften Titel auch dabei ebenso wie an den Auf- und Abstiegsspielen. Was hier im Stadion meines Herzclubs abging war unglaublich und jeder sprach in diesem Land heute von JIHLAVA und da kommt man an Dukla nicht vorbei.

Das tschechische Fernsehen übertrug natürlich den kompletten Anlass samt Rahmenprogramm. Ein schönes Gefühl, die bordeaux-gelben Mauern des 1956 erbauten Stadions endlich wieder im TV zu sehen.

ZU_91 Das Spiel endete mit einem 7:7-Remis. Die Fans bereiteten den zum Teil immer noch aktiven Spielern (ua. Jágr, Čajánek, Ručinský, Šlégr, Vlasák) und den Legenden eine unglaublich Atmosphäre. La-Ola-Welle, Fangesänge und diverse Choreos in Erinnerung an Ivan Hlinka liessen niemanden kalt. Ergreifend auch, als Ivan Hlinka’s Frau den Puck zum Face-Off einwarf.

 Jaromír Jágr: Das Publikum in Jihlava war phantastisch. Die Kabinen sind im Vergleich vor 10 Jahren besser geworden. Vielleicht sollten wir an der WM 2015 die Aktion wiederholen. Da kämen wohl gegen 17’000 Zuschauer 🙂

Tore und Assists: 

Nagano 199828. Hejduk (Reichel, Ručinský), 33. Ručinský (Hejduk, Reichel), 34. Straka (Šlégr, Jágr), 41. Ručinský (Reichel), 48. Jágr (Straka), 49. Moravec (Hamrlík, Hejduk), 55. Patera (Moravec, Šlégr)

Golden Hattrick: 13. Vlasák (Kucharčík, Hlinka.), 15. Ujčík (Pilař, Martínek), 22. Hlinka (Vlasák), 36. Kucharčík (Vlasák, Martínek), 41. Broš (Čajánek), 52. Hlinka (Pilař), 57. Kucharčík (Hlinka, Vlasák). 

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Die Erkenntnis nach diesem Tag: es ist zu hoffen, dass das tschechische Eishockey wieder an Qualität gewinnen wird. Die Resultate der U16, U18 und U20 stimmen mich positiv. Die Handschrift von Robert Reichel im Juniorenbereich ist zu erkennen. Es wurde wieder einmal dem hinterletzten klar, dass Eishockey DER Sport in der Tschechischen Republik ist und Dukla Jihlava zu mir gehört wie Wayne Gretzky zu Kanada.

Ein grosser Dank an Bedřich Ščerban und seinem ganzen Team im Umfeld vom HC Dukla Jihlava. Ohne zahlreiche Überstunden und unermüdlichem Einsatz wäre dieser Event nicht möglich gewesen.

 

 

Fotos: Christoph Habegger, Michala Kodysová

Die aussergewöhnliche Geschichte des Dukla-Trikots

 

Chris Habegger (rechts) freut sich über das verlorene Dukla-Juwel. (Foto: Sandro Stutz)

Eine nicht unbekannte Lokalität in Lyss, es ist Herbst im Jahr 1996, ich und mein Freund Claude M. sind mit seiner Kollegin N. H. im Ausgang. Trotz der anwesenden Dame wird an diesem Abend auch über Eishockey gesprochen. Aus dem Gespräch heraus ergibt sich der Zufall, dass N. H. ein seltenes tschechisches Eishockeytrikot des Traditionsclubs Dukla Jihlava besitzt. Sie meint, ich könne dieses «Liibli» haben, sie habe es geschenkt bekommen. Beim nächsten Treffen kommt es in der Tiefgarage der nicht unbekannten Lokalität zur Trikot-Übergabe, welche mich höchstens zwei Drinks an die nette Dame kostet.

Es beginnt im Bieler Eisstadion

Doch das ist nicht der Anfang, die Geschichte beginnt schon ein paar Jahre vorher. Der damalige EHC Biel-Fan und heutige Medienverantwortliche Chris Habegger hat anno der 90er Jahre eine nette junge Dame auf der Stehplatztribüne im Bieler Eisstadion kennengelernt. Habegger war schon damals nicht nur Biel-Anhänger, sondern auch ein grosser Bewunderer der tschechoslowakischen Eishockey-Kunst und vorallem Dukla Jihlavas. Aus liebe zu besagter junger Dame, kauft er beim Eishockey-Detailhändler Albert Müller zwei gleiche Trikots des berühmten Armee-Sportklubs, eines für sich und eines für seine Liebe. Wie es bei jungen Liebesgeschichten so läuft, trennten sich nicht nur die Wege des Liebespaars, sondern auch noch die Wege der beiden Dukla-Replicas der Marke Yvette!

Das Tauschgeschäft

Jahre vergehen, Beziehungen gehen auseinander, Eishockeyvereine steigen ab (wie Dukla Jihlava 2005) und verschwinden im irgendwo im Nirgendwo. So verliert auch das Dukla-Trikot der jungen Frau seine Bedeutung. Noch vor 1996 übergibt die ehemalige Freundin Habeggers das besagte Trikot ihrer jüngeren, damals eishockeyverrückten, Schwester. Auch N. H. findet am gelben Hockeylumpen ihrer Schwester kein Gefallen und gibt diesen bei der nächstmöglichen Gelegenheit kurzerhand für zwei Drinks an den Blogschreiber ab.

Der Kreis ist damit noch nicht geschlossen. Zu Beginn der aktuellen Saison 2008/09 lerne ich aus «beruflichen Gründen» Biels Medienchef Habegger kennen. Ich weiss, dass er nebenbei auch dem Dukla Jihlava Fanklub Schweiz vorsteht. In der logischen Folge unterhalten wir uns öfters über das tschechoslowakische, tschechische und slowakische Eishockey und die Trikot-Geschichte kommt ans Tageslicht. Sofort erkennt der «Kenner», dass es sich um sein Jihlava-Jersey der Marke Yvette handeln muss.

Zurück zu seinem Besitzer 

Nach einer 17-jährigen Odysse kommt das verloren geglaubte «Liibli» endlich wieder zum Vorschein. Was für eine aussergewöhnliche Geschichte, das Replica ist mehr als nur ein normales Eishockeytrikot. Eine unerfüllte Liebesgeschichte hängt mehr als ein Jahrzehnt in meinem Kleiderschrank. Praktisch zeitgleich mit der Übergabe an mich (1997) spielt der EHC Biel während 13 Jahren (1995-2008) in der Nationalliga B (NLB), es ist als hätte Biels Aufstieg ein direkter Zusammenhang mit dem verschwundenen Trikot. Ohne die Bieler Rückkehr ins Oberhaus hätte ich Habegger nie kennengelernt und das Replica wäre noch heute in meinem Schrank. Das «Hockeyliibli» ist wieder bei seinem alten Besitzer und wird womöglich sogar an Dukla Jihlava zurückgegeben. Die Geschichte geht weiter…