Der Bozen Krimi

Dieses Bozen, die italienische Eishockey-Hochburg blüht seit 1947, ohne Unterbruch, in der obersten Spielklasse. Seit 2013 spielen die Südtiroler lieber in der internationalen Alptransit-Liga «win2day-ICE-Hockey-League.» Dies tun sie äusserst erfolgreich, denn die Bozner stehen zum vierten mal innert zehn Jahren im Endspiel um die Karl-Nedwed-Trophy. Gegner ist der frischgebackene österreichische Meister des EC Red Bull Salzburg. Spielen die Bozner im Final, kann ihr Widersacher bereits den österreichischen Pokal in die höhe stemmen. Als Zugabe stemmen die Mozartstädter am 21. April 2023 auch die Karl-Nedwed-Trophy zum achten Mal in die Höhe. Die Finalissima zwischen dem HC Bozen und Salzburg geht über sieben Spiele und mahnt in ihrer Dramatik an einen Text des einstigen Bozner Sport-Journalisten Franz Sinn.

Sinn tippt in den 80er und 90er Jahren die Buchstaben über das italienische Eishockey wie ein Südtiroler Gourmet-Koch ein Michelin-Stern erkocht. Die Zeilen lesen sich wie eine Symphonie eines Viergang-Menüs der italienischen Küche. Die Zeilen vergehen nicht im Gaumen, prägen sich aber literarisch und bildlich ins Gedächtnis. So auch Bozens Meisterstück aus dem Jahre 1990. Sinn beschreibt den elften Titel der Weiss-Roten wie ein Krimi und zieht den Hockeyleser in den Bann. Wer Bozens Meisterstück um seinen NHL-Superstar Mark Napier liest, lässt Italiens Hockey, auch als Schweizer, nie mehr los. Das Schwarz-Weiss-Foto des Kanadiers im Lancia-Bozen-Jersey wird, in farbiger Kleinkunst, nachgezeichnet und die italienische Serie-A wird zur faszinierendsten Nebenliga der Nationalliga-A.

Im Sommer 1990 schreibt der Sensationstransfer von Jari Kurri nach Italien das nächste hochkarätige Kapitel unseres südlichen Nachbarn. Der fünffache Stanley-Cup-Sieger aus Edmonton schlägt Angebote aus der Schweiz und Finnland aus um bei den Devils, der Eishockeyabteilung Silvio Berlusconis, in Mailand zu spielen. Im Sog hochkarätiger Zuzüge und den finanziellen Möglichkeiten der Mailänder Klubs mausern sich die Italiener, mit zahlreichen Italokanadiern (Italos) zu einer festen A-Nation und verbannen gar die Schweiz gleich zweimal in die B-Gruppe. 1991 wird die Alpenliga, hierzulande oft belächelt und wohl nie richtig verstanden, gegründet. Italiener, Österreicher und Slowenen treten in der ersten länderübergreifenden Meisterschaft Europas‘ gegeneinander an. Mit der Alpenliga testet der IIHF die langjährige Idee einer Global-Hockey-League und macht sie zum Vorreiter der späteren European-Hockey-League (1997) und der heutigen Champions-Hockey-League – dazu liefert die Alpenliga in den nachfolgenden Jahren regelmässig hervorragende Ausländer in die NLA.

WM-Stadion von 1994

1999 stellt die Alpenliga ihren Betrieb aus finanziellen Gründen und mangelndem Interesse wieder ein, doch dies nur vorübergehend. 2006 heuern die Slowenen in Österreich an, 2013 folgen die Italiener, heute umfasst die transalpine «win2-day» Liga wieder 13 Teams aus vier Ländern. Bozen, welches die alte Alpenliga als Spitzenklub geprägt hat, spielt auch im April 2023 wieder eine grosse Rolle. Das erfolgsverwöhnte Publikum aus der Dolomitenstadt strömt aber nur in den Playoffs in Scharen in die Eiswelle (Palaonda). Die Stimmung in der Final-Serie ist bombastisch, die Stehrampe unter dem Schriftzug «Figli-di-Bolzano» (Kinder Bozens) ist heissblütig und zelebriert ein Eishockey-Fest von feinsten, so wie man es bei uns von Lugano oder Ambrì kennt. Zu den vier Heimspielen kommen dreimal über 6’000 ins ehemalige WM-Stadion von 1994, an der Luigi-Galvani-Strasse, im Messegelände des Stadtteils «Oberau-Haslach.» Vor dem dritten Spiel, steht ein siebenfacher «Scudetto-Gewinner» und IIHF-Hall-of-Fame-Mitglied Italiens an der Stadionkasse: Lucio «Falco» Topatigh kommt regelmässig an die Spiele, wie sein früherer Bozner Weggefährte Martin Pavlu.

Forst und Red Bull

Italienische Ausnahmekönner von Topatighs Format fehlen heute in Bozen. Gerade mal fünf echte Italiener sind beim dritten Spiel im Einsatz: Pascal Brunner, Leonardo Felicetti, Luca Frigo, Daniel Frank, und Enrico Miglioranzi. Nicht im Aufgebot, dafür bereit für ein Treffen auf der Tribüne ist Hannes Kasslatter. Der Grödner kämpft um einen Stammplatz und ist nach Dave Baseggio, der «zweite Lysser» beim erfolgreichsten Klub Italiens. Unterhalb der VIP-Plätze, wo neben Kasslatter auch Bozens Eishockey-Vater Dieter Knoll die Spiele verfolgt, sind die Presseplätze. Diese bieten beste Sicht, für die grossen Medien, wie etwa die Dolomiten-Zeitung – welche seit Jahrzehnten vorzüglich über Italiens Eishockey berichtet – gibt es sogar eine eigene Kabine. Neben mir berichtet Alexander Foppa von den SportNews.bz über das dritte Finalspiel. Dieses läuft nicht für die Männer in den grünen «Forst-Bier-Helmen» – die Südtiroler Bierbrauerei ist seit 1991 an Bord – eine zweifache Überzahl-Situation nutzen die Special-Teams von Headcoach Glen Hanlon, dem ehemaligen Schweizer Nationaltrainer, nicht und so gehen die Männer in den silber-blauen «Red-Bull-Helmen» kurze Zeit später mit 2:0 in Front. Der Energy-Drink siegt im dritten Spiel mit 4:1 über die Biermarke. Die Energie fehlt den Boznern auch im letzten Heimspiel und der Bozen-Krimi wird im siebten Spiel in der 59. Minute durch den dänischen Internationalen Nicolai Meyer entschieden. Bier gibt’s nun für Red Bull und selbst Franz Sinn hätte den neusten Bozen-Krimi kaum besser, als in der Realität, illustrieren können.

DatumSpielFans
6.4.Bozen – Salzburg1:05 589
8.4.Salzburg – Bozen1:03 600
11.4.Bozen – Salzburg1:46 432
14.4.Salzburg – Bozen3:03 600
16.4.Bozen – Salzburg4:3nV6 800
18.4.Salzburg – Bozen3:43 600
21.4.Bozen – Salzburg1:26 800

Final – Spiel III – 11. April 2023 – 19 Uhr 30

HC Bozen Südtirol-Alperia – EC Red Bull Salzburg 1:4 (0:1, 0:1, 1:2)
Palaonda/Sparkasse-Arena. – 6 432 Zuschauer (Saisonrekord). – SR Hronsky/Nikolic, Durmis/Nothegger. – Tore: 6. Schneider (Harnisch, Nissen) 0:1. 35. Robertson 0:2. 42. Huber (Robertson, Stajnoch) 0:3. 45. Culkin 1:3. 60. (59:48) Raffl (ins leere Tor) 1:4. – Strafen: Bozen 5-mal 2 Minuten, Salzburg 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bozen ohne Amorosa, Kasslatter und Matus; Salzburg ohne Auer, Maier, Predan und Schreier (alle überzählig). Salzburg 52. Time-out. Bozen zwischen 58:12 und 59:48 ohne Torhüter. Torschüsse 32:33 (7:15, 10:11, 15:7).
Bozen: Harvey (Bernard); Culkin, Miglioranzi (2); Hults, Dalhuisen (4); Valentine (2), Di Perna (2); Ginnetti; Frattin, Hults, Thomas; Halmo, McClure, Gazley; Frigo, Mantenuto, Frank; Felicetti, Alberga, Miceli; Brunner.
Red Bull Salzburg: Tolvanen (Kickert); Heinrich, Lewington (2); MacWilliam (2), Genoway; Robertson, Stajnoch; Stapelfeld; Harnisch, Nissner (2), Schneider; Huber (2), Bourke, Thaler; Hochkofler, Wukowits, Huber; Raffl, Baltram, Meyer; Nikolaus Heigl.

Weltrekord ohne Goalie?

Das Hinspiel gewannen die Berner in Salzburg mit 4:1, die Gäste brauchen also einen Sieg mit drei Toren Differenz. Nach 25 Minuten liegen die Österreicher aber wieder mit zwei Toren im Hintertreffen. Jetzt hilft nur noch «äänen Red Bull», der den Ösis Flügel verleiht. Der Energiedrink scheint zu wirken, denn innert neun Minuten gleichen die Mozartstädter zum 3:3 aus. Den Bullen fehlen aber immer noch zwei Tore um überhaupt in die Overtime zu kommen.

Der richtige Kraftakt des österreichischen Meisters kommt erst in der Schlussphase. Torhüter Luka Gracnar wird bereits fünf Minuten vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler ersetzt, ob das gut kommt? Trotz aller Energie, welche eine Red Bull Dose freisetzen kann, scheint ein weiterkommen der Mannschaft von Greg Poss ein Ding der Unmöglichkeit.


Luka Gracnar

„Während vier Minuten und 51 Sekunden einen leeren Kasten.“

— ein Weltrekord?

Zu einem weiteren Treffer kommen die Salzburger nicht. Beeindruckend ist aber die Tatsache, dass die Red Bulls während 4 Minuten und 51 Sekunden keinen Gegentreffer in den leeren Kasten hinnehmen müssen. Die Berner kommen in dieser Phase zu keinem Abschluss. Nur kurzzeitig kehrt Gracnar, beim Bully in der eigenen Zone, für fünf Sekunden in seinen Kasten zurück.

Trotz dem Aus in den Sechzehntelfinals, scheinen die Männer in den silber-blauen Helmen in Bern einen Weltrekord aufgestellt zu haben. Red Bull verleiht bekanntlich Flügel, oder zumindest einen Eintrag ins Guiness Buch.

Die Red-Bull-Dosen in Form eines Helms verleihen erst am Schluss Flügel. (Krein)

Vom «Röselichöhli» zum Fleisch

Unter Heinz Ehlers spielt der HC Lausanne drei Jahre lang unattraktives, aber sehr erfolgreiches Defensiv-Eishockey. Unter Ehlers erreichen die Waadtländer sogar zweimal die Playoffs und sichern sich im vergangenen Jahr souverän den Ligaerhalt. Mit Daniel Ratushny steht neu ein offensiv-ausgerichteter Trainer an der Bande der Löwen und der defensive Froschkönig verwandelt sich in einen offensiven Kronprinzen.

Oder wie es ein Seeländer Polizei-Spotter, ein ziviler Stadionüberwacher im Eisstadion, passend formuliert: «Es ist wie mit dem Röselichöhli», gibts du deinen Kindern drei Jahre Rosenkohl ist das gut, weil sie nichts anderes kennen. Unter dem neuen Familienoberhaupt Ratushny gibts jetzt erstmals Pommes-Frites serviert und die Mannschaft läuft neuerdings auch offensiv auf Hochtouren.

Erfolgreichster Saisonstart

Auch Lausannes Presseverantwortlicher Omar Guess ist von Ratushnys Arbeit begeistert: «Man bemerkt es im Training, die Stimmung ist super, alle haben Freude am Offensiv-Stil des neuen Trainers». Es war auch unter Ehlers gut, fügt der Pressechef dazu. Aber eben, nur gut wie «Röselichöhli». Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über. Unter Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie in ihrer 22-jährigen NLA-Geschichte und holen sieben Siege in den ersten acht Spielen.

Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über

Der österreichische Meistertrainer führte zuletzt den EC Red Bull Salzburg durch Offensiv-Spektakel 2015 und 2016 zu zwei Meistertiteln. Ratushnys Aufgabe in Lausanne ist so schwer wie einen Veganer zum Vegatarier umzufunktionieren. Statistisch ausgedrückt: Vermittle dem schwächsten Offensivteam der NLA der letzten zwei Jahre den Spielstil des stärksten Offensiv-Teams Österreichs der letzten zwei Jahre.

Vorsicht Fleisch

Die Salzburger erzielten in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Ratushny in 54 Spielen 200 (3.7 Tore/Spiel) und 208 Tore (3.85 Tore/Spiel), Lausanne unter Ehlers in 50 Spielen 105 (2.1 Tore/Spiel), respektive 123 (2.5 Tore/Spiel) Treffer. Gespielt ist erst ein Fünftel der Qualifikation, dennoch haben die Lausanner bereits einen Drittel der Punkte der vergangenen Saison auf ihrem Konto. Aber Vorsicht, riecht der ehemalige Veganer erstmals das «Fleisch», genügen in der Waadtländer Kantonshauptstadt auch die vegetarischen Pommes-Frites nicht mehr.

Foto: Hervé Chavaillaz

Wiener-Schnitzel in Salzburg

Fünf Tage nach dem Start zum Schweizer Playoff-Final sind auch unsere östlichen Nachbarn zur Endspielserie gestartet. Die beiden Champions-Hockey-League-Teilnehmer EC Red Bull Salzburg und Vienna Capitals stehen sich in der «Best-of-Seven» Serie gegenüber. Die Wiener haben letzten Herbst auf europäischem Parkett immerhin den Schweizer Meister und aktuellen Finalisten ZSC Lions in der Gruppenphase ausgeschaltet. Salzburg blieb gegen schwache Kloten Flyers ebenfalls zweimal siegreich und scheiterte äusserst ärgerlich in den Playoffs am schwedischen Spitzenteam und späteren Cup-Sieger Lulea HF.

Im Zeichen des roten Bullen

Zum Auftakt der Operettenliga-Finals, wie ein Schweizer Chronist die Ösi-Liga jeweils bezeichnet, steht sich die stärkste Mannschaft aus der Qualifikationsphase (Salzburg) und der Tabellenfünfte (Vienna Capitals) im Salzburger Volksgarten, der Spielstätte des Eishockeyteams von Dietrich Mateschitz gegenüber. Hier steht alles im Zeichen des roten Bullen. Selbst die Bandenwerbung lässt neben der Dosen-Werbung nur drei weitere Sponsoren zu, Stiegl, Suzuki und die Erste Bank, der Rest gehört zum Red Bull-Imperium.

Logisch gibt’s auch im «Red Bullschen» Presseraum einen ganzen Kühlschrank des gesamten Salzburger Produktemixes. Selbstverständlich darf sich der Journalist nach belieben der kühlen Dosengetränke und dem Bullen-Wasser LunAqua bedienen. Zum Hauptgang gibt’s Wiener Schnitzel, etwa ein Wink zum Verzehr des heutigen Gegners aus der Hauptstadt? Übrigens, der letzte Wiener-Sieg (4:2) in Salzburg datiert vom 24. März 2013.

Die Vienna Capitals treten mit zehn Legionären an, davon haben acht Spieler Erfahrung in der NHL gesammelt. Der bekannteste unter ihnen ist aber ein Österreicher: Andreas Nödl, in der vergangenen Saison noch bei den Bullen und im Try-Out beim HC Lausanne, bestritt 195 Spiele für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes. Salzburg spielt mit neun Ausländern (mit Ex-Ambrì Verteidiger Zdenek Kutlak) und zahlreichen österreichischen Internationalen, angeführt von Thomas Raffl (Bruder von Philadelphias Michael Raffl). Raffl ist es, welcher in der 20. Minute das Skore der Final-Serie 2015 eröffnet. Trotz des Verzehrs von mehreren Dutzend Wiener Schnitzel in besagtem Presseraum, steht es nach 40 Minuten erst 2:1 für die Bullen.

Hinkender Zuschauerschnitt

In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer vor offiziell 3’200 Zuschauern endgültig mit 6:1 verspeist. Gemäss der Salzburger Nachrichten (SN) sollen aber 3’600 Fans in der Halle gewesen sein. Der offizielle Zuschauerschnitt der Mozartstädter liegt unter 3’000 und damit sind die Bullen nicht einmal unter den Top-100 Europas klassiert. Sogar die Schweizer NLB-Klubs Langnau (5’053) und Olten (3’634) haben den höheren Schnitt. Der Finalgegner aus Wien, die Vienna Capitals liegen mit einem Schnitt von 4’569, knapp hinter dem EHC Biel, immerhin auf Rang 71 des europäischen Klub-Rankings. Die 14’000 Karten für die ersten beiden Playoff-Final-Heimspiele gegen Salzburg waren innert Kürze ausverkauft.

In Sachen Zuschauerzahlen mögen die Österreicher mit den Schweizern derzeit (noch) nicht mitzuhalten, aus sportlicher Sicht hatten die Ösis im letzten Direktvergleich aber die Nase vorn. Vor dem nächsten Direktvergleich stehen in den beiden Nachbarländern aber noch zwei heisse Finalserien an.

Kein Durchkommen für Wiens Andreas Nödl gegen die beiden Salzburger Brett Sterling (links) und Ryan Duncan. (Markus Knoblechner)

7. April 2015 Final – Spiel 1

EC Red Bull Salzburg – UPC Vienna Capitals 6:1 (1:0, 1:1, 4:0)
Eisarena Volksgarten. – 3’200 Zuschauer (ausverkauft!). – SR Smetana/Trilar, Kaspar/Nagy. – Tore: 20. Raffl (Trattnig, Heinrich) 1:0. 38. Duncan (Fahey) 2:0. 40. Magowan (Rotter) 2:1. 41. Hughes (Heinrich, Sterling/Ausschluss Bois) 3:1. 50. Fahey (Heinrich, Walter/Ausschlüsse Foucault, Bois) 4:1. 52. Beach (Fahey, Walter) 5:1. 60. (59:29) Sterling (Hughes, Heinrich) 6:1. – Strafen: Salzburg 3×2 Minuten, Vienna 9×2 Minuten.
EC Red Bull Salzburg: Gracnar; Milam, Fahey; Heinrich, Pallestrang; Trattnig, Kutlak; Mühlstein, Pöck; Latusa, Komarek, Raffl; Hughes (2), Duncan, Sterling; Beach (4), Walter, Kristler; Rauchenwald, Brucker, Cijan.
UPC Vienna Capitals: Zaba; Iberer, Carson; Fraser, Lakos; Klimbacher, Peter (4); Hackl, Puschnik; Foucault (2), MacArthur, Ferland; Magowan, Watkins (2), Rotter; Nödl (2), Bois (4), Sylvester; Fischer (2), Schiechl, Hartl (2).

Red Bull und Red Bulls

Wenn Playoff-Zeit herrscht, gilt dies Länderübergreifend. Zum Direktvergleich gibts nach dem Viertelfinalknüller zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel, die österreichische Version zwischen dem EC Red Bull Salzburg und dem EC Villacher SV. Durch den Salzburger Medienchef Guido Stapelfeldt kann ich mein Presseticket am Info Point bei der Kasse Nummer zwei beim Salzburger Volksgarten abholen.

Vorher bleibt aber noch Zeit in der „Two Seasons Sportsbar“ direkt im Stadion einzukehren. Da gibts zahlreiche Geschichten von frühzeitig angereisten Villacher Fans zu hören. Die interessanteste Villacher-Story liefert aber der ehemalige Bullen-Stürmer Markus Unterweger, er erzählt die Geschichte von VSV-Trainer Hannu Järvenpää, als er einst die 4. Reihe im Derby gegen den Klagenfurter AC nur sporadisch einsetzen wollte, diese aber ein Tor geschossen habe, so auch bei ihrem nächsten Einsatz – dies zwang Järvenpää die vierte Reihe durchspielen zu lassen.

Auch heute treten die Gäste aus Villach mit vier Reihen an, wie auf dem Matchblatt zu entnehmen ist und wie es sich für Salzburg gehört, steht den Pressevertretern ein Kühlschrank mit Red Bull Dosen zur Verfügung. Selbstverständlich steht eine Dose bei meinem Presseplatz. Als Fotograf mit dabei, ist auch mein Studienkollege Markus Knoblechner, er liefert die Fotos während der Partie für den internen Gebrauch der roten Bullen.

Die Red Bull-Dose (rechts vom Notebook) gehört zum Presse-Standard. (Krein)

Pressetechnisch und spielerisch könnte dieses dritte Spiel der Serie auch in der Schweiz stattfinden. Für mich wirkt natürlich alles einen Tick spezieller in der weiten östlichen Ferne. Beim Eingang gibts das Club-Magazin «Bully», ein Hochglanz-Heft, welches zwei-monatlich und «gratis» erscheint. Dazu gibt einen Medien-Guide, welchem in der Schweiz nur der Guide des HC Ambri-Piotta paroli bieten kann.

Nationalverteidiger Dominique Heinrich präsentiert das neuste «Bully.» (Krein)

Und was bieten die Bullen auf dem Eis? Kyle Beach bringt die Hausherren schon in der 2. Minute in Führung. 13 Sekunden vor der ersten Pause doppelt Aggressiv-Leader Thomas «Pomsche» Raffl nach. Salzburg übersteht auch sämtliche Phasen in nummerischer Unterlegenheit und der Slowene Luka Gracnar feiert einen Shutout. Die Red Bulls halten was Red Bull verspricht und Playoff in Österreich ist auch für einen Schweizer ein Genuss.

10. März 2015 – Viertelfinal – Spiel 3

Auf Simpsons Spuren

Im Rahmen des Sportjounalismus-Lehrgangs an der Universtät Salzburg steht ein bekannter Name unter den heutigen Dozenten, Doktor Gerhard Kuntschik erweist unserem Lehrsaal die Ehre. «Kuntschik» lese ich seit meinem Kindesalter über das Eishockey beim östlichen Nachbarn. Der Doktor doziert das Fach «Sport in den Printmedien» und erzählt aus seinem grossen Fundus an Sportgeschichten. Kuntschiks Vorliebe gilt dem Eishockey und dies passt perfekt für meine Wenigkeit.

Noch während des Unterrichts kommen wir bereits in den Genuss von Eishockey-Geschichten, nach meinem Stichwort «Canada-Cup 1987» gehts gedanklich nach Hamilton zu den Spielen des Jahrhunderts. Auch Sean Simpson wird zum Thema, da Simpson einst eine halbe Spielzeit für den Salzburger EC, damals in der zweithöchsten Liga gespielt hat. Simpson, so Kuntschik, war 1987 ebenfalls beim Canada-Cup, aber als Zuschauer.

Über Simpsons Engagement beim EC Salzburg in der Saison 1984-85 ist nur wenig bekannt. Statistiken sind auf keinem Portal zu finden, daher kommt der Besuch der Salzburger-Nachrichten (SN) gerade richtig. Mit Herr Kuntschik dislozieren wir in das Verlagshaus an die Karolingerstrasse 40. Die SN erscheinen erstmals am 7. Juni 1945 als eine der ersten Tageszeitungen Österreichs nach dem zweiten Weltkrieg. Das Verlagshaus beherbergt neben der hauseigenen Druckerei auch ein grosses Archiv.

Die Zeit erlaubt es, uns bei Bedarf auch durch die alten gebundenen grossen A3-Zeitungsbände zu blättern. In meinem Fokus stehen die SN ab Herbst 1984 bis zum Frühling 1985, also Simpsons Zeit in der Mozartstadt. Simpson, der erfolgreichste Trainer des Schweizer Eishockeys und wie ich, mit Lysser Vergangenheit. Immer wieder gibts diese Verbindung, welche mich ein Leben lang begleiten wird. Genau 30 Jahre nach Simpson führt auch mein Weg an die Salzach, nicht als Ausländer des hiesigen Hockeyteams, aber zumindest als Ausländer der hiesigen Universität.

Der Schweizer MHL-Pionier

Der 21-jährige Schweizer Léonardo Heitor Fuhrer spielt seit 2012 beim Farmteam des EC Red Bull Salzburg in Österreich. Aktuell spielen die Bullen in der obersten russischen Juniorenliga MHL (Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga). Der Sohn der Schweizer Eishockey-Legende Riccardo Fuhrer gehört zu den Leistungsträgern und Topskorern des Teams und ist der erste Schweizer in der MHL.

Am 8. Januar 2014, verliert Red Bull gegen Dynamo St. Petersburg mit 2:6, nach dem Spiel der 37. Runde treffe ich mich, zusammen mit Markus Knoblechner (Fotos, Video), im Salzburger Medienraum mit dem jungen Schweizer Talent. Fuhrer erzählt was ihn in der Organisation der Bullen fasziniert und warum er gerne noch ein weiteres Jahr in der Mozartstadt anhängen würde.

Wie es sich gehört, eine Red-Bull-Dose ist stets dabei. (Markus Knoblechner)

Léonardo Fuhrer, du bestreitest die zweite Saison in Salzburg, wie wohl fühlst du dich hier?
Fuhrer: Salzburg ist eine richtig schöne Stadt, man hat alles hier, Skate-Mill, viele Trainings (jeweils Vormittags und Abends), qualifizierte Trainer und eine professionelle Organisation. Salzburg ist perfekt für die Weiterentwicklung jedes einzelnen Spielers, ich fühle mich wohl in dieser Umgebung.

Warum eigentlich Salzburg?
Fuhrer: Ich absolvierte die ganze Nachwuchsabteilung bei Fribourg-Gottéron und war bis zu meinem Wechsel nur „Fribourg“ orientiert, bis mir mein Vater aufzeigte, dass es noch anderes gibt als Fribourg. Mein Vater hat den damaligen Red Bull Headcoach Pierre Pagé (Ex-Ambrì-Piotta, heute EHC Red Bull München) kontaktiert, so konnte ich mir während der Nationalmannschafspause im Februar 2013 die Akademie in Salzburg anschauen und habe drei Trainings absolviert. Ich war sofort begeistert. Page wollte mich und so ging ich und wagte das Abenteuer Salzburg.

Wie hat dein Umfeld reagiert?
Fuhrer: Meine Mannschafskollegen waren alle schockiert als Sie von meinem Wechsel erfahren haben und konnten den Wechsel nicht verstehen. Für meine Mutter war es auch hart, es ist für keine Mutter einfach wenn ihr Kind wegzieht. Mein Vater hat mich bei meinem Entscheid unterstützt, denn der Weg zum Eishockeyprofi hat auch seinen Preis gab er mir auf dem Weg.

Dies ist ein untypischer Weg, sonst kommen die Österreicher eher in die Schweiz, du machst das Gegenteil, du symbolisierst eine Vorreiterrolle als erster Schweizer in der MHL…
Fuhrer: Was Salzburg bieten kann können sonst nicht viele Klubs bieten, medizinisch, infrastrukturell und in der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend. Dies gab für mich den Ausschlag nach Salzburg zu kommen.

In der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend

Léonardo Fuhrer

Kann das in der Schweiz niemand bieten?
Fuhrer: Hier sind sehr viele Personen innerhalb des Team-Staffs, welche alle vollamtlich für uns tätig sind, sowas ist in der Schweiz bei keinem Juniorenteam üblich.

Du bist im Vorjahr direkt von den Elite-A-Junioren in den Red-Bull-Hockey-Rookies-Cup (RBHRC) gekommen, wie schwierig war die Umstellung?
Fuhrer: Das schwierigste war die Umstellung der weiten Distanzen, wir spielten vorwiegend gegen tschechische Mannschaften, dabei war die kürzeste Strecke eine fünfstündige Reise nach Pilsen, die längste Reise dauerte acht Stunden nach Prag.

Auch am Bully ist Fuhrer stark. (Markus Knoblechner)

Und wie war die Umstellung vom RBHRC zur MHL (Molodezhaya Hokkeinaya Liga)?
Fuhrer: Noch schwieriger (lacht), wir reisen jeweils nach München oder Wien, von dort aus fliegen wir direkt nach St. Petersburg oder nach Moskau. Die längste Reise hatten wir nach Jaroslawl. Zuerst flogen wir nach Moskau, dann gings nach einer 10-stündigen Busfahrt weiter nach Tscherepowetz (3:1-Sieg gegen Almas) zum Spiel, dort haben wir anschliessend übernachtet. Am nächsten Tag ging es nach 14 weiteren Busstunden nach Jaroslawl (2:8-Niederlage gegen Lokomotiv) zum nächsten Spiel. Die weiteste Reise liegt aber noch vor uns, gegen Chabarowsk (Amur Tigers) fliegen wir ca. acht bis neun Stunden bis an die chinesische Grenze (8000 km). Doch es wird jeweils genügend Zeit eingeplant, so dass wir uns vor und nach den langen Reisen gut erholen können.

Krein: Wie hoch schätzt du das Niveau der MHL ein?
Fuhrer: Hier wird dir definitiv nichts geschenkt, jeder Fehler wird sofort gnadenlos ausgenutzt und du musst dir jeden Punkt hart erkämpfen. Es gibt hier keine schlechten Gegner.

Harte Arbeit zahlt sich aus, Jubel gegen St. Petersburg. (Markus Knoblechner)

Red Bull Salzburg liegt aktuell auf einem Playoff-Platz (Rang 11. in der Western Conference), was ist das Saisonziel?
Fuhrer: Ganz klar die Playoffs zu erreichen und diese werden wir auch erreichen.

Du gehörst zu den besten Skorern des Teams, Salzburg scheint dir gut zu liegen?
Fuhrer: Man muss auch gute Mitspieler haben, denn in erster Linie zählt nur das Team.

Wie wirst du als Red Bull-Spieler in der Schweiz wahrgenommen?
Fuhrer: Bei meinem Transfer hab ich sicherlich die Aufmerksamkeit auf mich gezogen, doch wie ich in der Schweiz wirklich wahrgenommen werde kann ich nicht beurteilen. Zu Beginn meines Wechsels spielten wir mit den Red Bulls (U20) gegen die Schweizer U19 Nationalmannschaft und konnten das Spiel mit 3:2 gewinnen. Sean Simpson (Schweizer Nationaltrainer) stand damals bei der Schweiz an der Bande und weiss das ich in Salzburg spiele.

Wie wichtig ist die Rolle deines Vaters?
Fuhrer: Wir diskutieren und telefonieren viel. Wir besprechen jeweils persönliche Details und setzen uns gemeinsame Ziele, welche wir nach dem Spiel zusammen analysieren.

Wie sieht so ein persönliches Ziel aus?
Fuhrer: Zum Beispiel jedes 1:1-Duell an der Bande zu gewinnen, zwei Torschüsse pro Drittel abzugeben, meinen Mitspielern gute Torchancen zu offerieren oder das Backchecking – es sind kleine aber entscheidende Dinge die ich mit meinem Vater als Ziele definiere.

Wie sieht deine Zukunft aus?
Fuhrer: Im Moment konzentriere ich mich voll auf die aktuelle Saison, mit den Red Bulls will ich die Playoffs in der MHL bestreiten und möglichst lange dabei sein. Danach werde ich mit Red Bull über die Zukunft sprechen, ich würde sehr gerne in Salzburg bleiben. Es gibt hier keinen Tag wo ich nicht etwas Neues dazulernen kann, dies will ich geniessen solange ich hier bin. Langfristig ist eine Rückkehr in die Schweiz sicher ein Thema.

Red Bull in der Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga

Das Farmteam der Red Bulls, das sich aus Spielern des EC Red Bull Salzburg und des EHC Red Bull München zusammensetzt, nimmt in dieser Saison erstmals an der MHL, der russischen Juniorenliga, teil. Für die Red Bulls ist dieser Schritt nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine unglaubliche Herausforderung. Zugleich bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, die Entwicklung der jungen Farmteam-Spieler noch stärker zu forcieren und die Talente aus dem Red Bull Hockey Model schrittweise an ein sehr hohes internationales Niveau heranzuführen. Total 39 Mannschaften messen sich in 56 Runden auf der höchsten «russischen» Juniorenstufe. Am 5. März 2014 besuche ich eine weitere Partie zwischen Salzburg und Dynamo Riga (1:9).

Fotos/Kamera: Markus Knoblechner

Interview im Rahmen des Studienlehrgangs an der Universität Salzburg.

Gracnars Abend

1993 trinke ich in der Schweiz meine erste Red-Bull-Dose, die damals noch verbotene Substanz ist zu diesem Zeitpunkt hierzulande verboten und wird direkt aus dem Kofferraum vor den Partylokalen «illegal» verkauft. Ein Dose geht für einen Fünfliber über den Parkplatz. Später gibts das Energiegetränk dann legal auch in kleinen Flaschen. Rund 20 Jahre später stehe ich im Januar an einem Dienstag-Abend nun in der Salzburger Eisarena und „Red Bull“ wird hier in Kürze als österreichischer Spitzenklub das Eis betreten. Die Faszination der Bullen und die Abwechslung zum Schweizer Alltag ist aufregend wie einst der Dosenkauf aus dem Kofferraum.

Die Bullen legen los wie es ihr Geld- und Namensgeber verspricht, nach einem fulminanten Start fliegen die Bullen förmlich über den Tabellenführer aus Wien hinweg und führen nach fünf Minuten mit 2:0. Dies erkennt auch Vienna Capitals-Coach Tommy Samuelsson und nimmt bereits nach vier Minuten ein Time-out. Innert kürze kommen die Gäste zu zwei Break-Möglichkeiten, scheitern aber an Luka Gracnar, welcher heute Bernd Brückler vertritt. Der Slowene scheint ebenfalls Flügel zu haben und feiert gar einen Shutout.

„Shutout auf dem Eis, umgänglich neben dem Eis.“

— Krein über Luka Gracnar

Anschliessend gibt der slowenische Nationalgoalie für seine Teamkollegen Troy Milam und Co. in «Die Bar», einer Karaoke-Bar am Salzburger Rudolfskai eine kleine Privatparty. Gracnar spendiert auch unserer Studenten-Runde, bei uns mit dabei sind auch zwei ehemalige Red-Bull-Spieler mit gutem Draht zum Team, einen Kübel Gerstenwein, welcher bis in die frühen Morgenstunden direkt an der Salzach durch die Kehlen fliesst.

21. Januar 2014 – 72. Runde

Red Bull verleiht Flügel gegen Flügel

Von der ersten Red Bull Dose, welche in den frühen 90er Jahren in der Schweiz als verbotene Substanz direkt vor den Party-Lokalitäten aus Auto-Kofferräumen verkauft wird, bis zum ersten Spiel im Salzburger Volksgarten dauert es gute 20 Jahre. Die verbotene Substanz ist auch in der Schweiz längst legal und die silber-blaue Dose ist der Helm des Eishockey-Clubs der Mozartstadt.

Aber auch der Gegner, welcher zur Zeit der verbotenen Substanz bei uns nur als „Torte“ bekannt ist, trägt keine normale Helmfarbe. Die Helme sind kupferfarbig und glänzen im Scheinwerferlicht wie einst unsere UBS-Goldhelme der 90er Jahre. Der Linzer Verteidiger mit der Rückennumer 41 ist nicht mit den Goldhelmen, aber mit der Schweiz bestens vertraut, er verteidigte zwsichen 2007 und 2001 vier Jahre für die SCL Tigers. Curtis Murphy ist auch an deisem Abend im Salzburger Volksgarten einer der auffälligsten Akteure und steuert für die Kupferhelme die Vorlage zum 2:4 Gregor Baumgartners bei.

Dieses mal reichts nicht für die Black Wings, welche den Bullen ihre letzte Niederlage am 20. Oktober in Salzburg zugefügt haben. Salzburg realisiert, durch Red Bull Flügel verleiht, den zwölften Sieg in Serie schon im ersten Drittel und drei Treffern in den ersten 14 Minuten und einem unheimlichen Tempo in den ersten Minuten. Diese Operettenliga, wie die Liga in der Schweiz jeweils despektierlich genannt wird, hat einiges zu bieten und manches NLA-Team, nicht nur die „Schwarzen Flügel“ aus Linz, hätte heute hier Flügel lassen müssen.

26. November 2013 – 41. Spieltag

Mit Gottérons Elite-Trainer in Biel

Es ist wieder soweit, die ersten Spiele sind irgendwie immer etwas spezielles, neue Spieler, neue Trikots, neue und alte Gesichter im Stadion – einige alte Hockeyfreunde meiner Aktivzeit oder aktuelle Bekannte und Journalisten kehren, nach einem langen Sommer, alle wieder in die Eishallen zurück. Schon auf dem Weg ins Stadion lief der Draht heiss – letzte Anweisungen der Sportredaktion, seinen es Zeilenangaben oder inhaltliches. Auch der Kollege vom Schweizer Radio DRS, der den Auftakt in Freiburg erleben wird, wollte kurz wissen wo und für wen ich heute im Einsatz stehe.

Gottérons Juniorentrainer

Dann gehts endlich los, Pressekonferenz und Spielbeginn – und der Saisonauftakt 2009-10 ist schon bald wieder Geschichte. Neben mir auf der Medientribüne sitzt Gottérons Elite-Juniorentrainer und hat die Aufgabe, den morgigen Gegner (HC Genf-Servette) zu beobachten. Der Beobachter, ein ehemaliger NLA- und 1. Liga Torhüter, ist mir vor allem durch seine Zeit beim SC Lyss bekannt. Wir haben sogar Mal ein Freundschaftsspiel im selben Team bestritten, er konnte sich sogar noch daran erinnern, ans Spiel natürlich – nicht an mich.

„Der Respekt gegenüber ausländischen Trainer ist dort riesig gewesen.“

— Alex Reinhard über Salzburg

Während unserem Gespräch in den Drittels-Pausen, hat mir vor allem sein Engagement im Ausland imponiert. Drei Jahre war er als Junioren- und Torhütertrainer in der Mozart- und Red-Bull-Stadt Salzburg tätig. Eine Erfahrung welche er nicht missen möchte, der Respekt gegenüber ausländischen Trainer sei dort riesig gewesen. Nicht zu vergleichen mit einem Engagement im eigenen Land. Kommt dazu, dass es in Salzburg (fast) keine finanziellen Grenzen gab. So jettete man während der Saison kurz nach Monza um bei einer Trainingsfahrt auf der Rennstrecke den Teamgeist zu fördern.

Auch Salzburg siegte

Auch beim aktuellen Spiel zwischen dem EHC Biel und Genf-Servette standen zwei Akteure (Goran Bezina und Richard Jackman) mit Salzburger Vergangenheit auf dem Eis. Die Gäste aus Genf bezwangen die Seeländer mit 3:1. Der Matchbericht war in der Tasche und eben, der Saisonauftakt war bereits wieder Geschichte. Übrigens, auch Salzburg gewann sein erstes Spiel mit 7:6 in Klagenfurt…

11. September 2009

Biel – Genf-Servette 1:3 (0:1, 0:2, 1:0)
Eisstadion. – 4’888 Zuschauer. – SR Mandioni; Kehrli/Kohler. – Tore: 8. Mercier (Florian Conz, Gobbi /Ausschluss Steinegger) 0:1. 29. Kolnik 0:2. 36. Salmelainen (Déruns) 0:3. 44. Brown (Bordeleau, Lötscher) 1:3. – Strafen: Biel 7-mal 2 Minuten, Genf-Servette 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Nüssli (gesperrt), Bärtschi, Wetzel, Kparghai (alle verletzt). Genf-Servette ohne McSorley (gesperrt), Hürlimann, Mona (beide verletzt), Beech, Pivron (beide überzählig), Augsburger, Stalder (beide Partnerteam). Time-Out: Biel: 59:27. Biel ab 59:27 ohne Torhüter dafür mit sechstem Feldspieler.
Biel: Berra; Jackman, Fröhlicher, Gossweiler; Seydoux; Schneeberger, Steinegger; Trunz, Meyer; Truttmann, Fata, Tschannen; Lötscher, Bordeleau, Brown; Ehrensperger, Peter, Tschantré; Zigerli, Gloor, Beccarelli.
Genf-Servette: Stephan; Bezina, Mercier; Maurer, Gobbi; Breitbach, Höhener; Schilt, Vukovic; Randegger, Trachsler, Cadieux; Kolnik, Rubin, Toms; Salmelainen, Savary, Déruns; Suri, Florian Conz, Rivera.