Schlagwort-Archiv EHC Biel

Zwischen Champions- und MySports League

In den ersten drei Partien der Champions-Hockey-League kommt beim EHC Biel die namenlose Nummer 42 zum Einsatz. In seinen ersten Einsätzen gegen den norwegischen Meister Frisk Asker kreiert der «Namenlose» bereits mehrere gefährliche Situationen vor dem Kasten von Nicklas Dahlberg, nun wird auch unter den Zuschauern getuschelt und gemunkelt wer die Nummer 42 wohl sein mag.

Der auffällige Stürmer stand knapp zwei Wochen vorher noch in Zuchwil mit der Nummer 66 auf dem Eis, beim MySports-Vorbereitungsspiel zwischen dem SC Lyss und dem EHC Bülach (4:2). Roman «Romik» Karaffa heisst das 20-jährige Bieler Nachwuchs-Juwel. Der Slowake ist vor fünf Jahren, durch Empfehlung seines Agenten Louis Liesch, von Spisska Nova-Ves in die Schweiz gekommen. Der Stürmer, der in seiner Heimat jeweils die Camps der slowakischen Legende Zdeno Ciger besucht hat, gilt daher neu als «Hockey-Schweizer» und belastet das Ausländer-Kontingent nicht.

«Slowakischer Hockeyschweizer»

Nach fünf Jahren in der Schweiz

Der Topskorer der Bieler Elite-Junioren (55 Punkte in 50 Spielen) wird in dieser Saison mindestens bei drei Mannschaften zum Einsatz kommen: Neben dem Fanionteam des EHC Biel und den Bieler Elite-Junioren, wurde der smarte Flügelstürmer, der auch in der Centerposition eingesetzt werden kann, beim SC Lyss mit einer B-Lizenz ausgestattet. Beim Partnerteam und MySports-League-Aufsteiger wird Karaffa viel Verantwortung übernehmen können. Der neue Lyss-Headcoach Serge Meyer hatte den Spielmacher bereits in den vergangenen zwei Jahren in seinem Kader.

Mit Karaffa steht beim SC Lyss erstmals seit «1993» wieder «Ausländer» im Kader. Beim Abstieg aus der Nationalliga B (NLB) vor 26 Jahren trugen die beiden Kanadier Dave Baseggio und Kent Hulst als letzte Söldner das Lysser Trikot. Lyss-Trainer Meyer absolvierte damals als 16-Jähriger seine erste NLB-Saison. In welchem Spiel Karaffa bei Lyss sein Debüt in der MSL geben wird ist noch unklar. Im ersten Testspiel buchte die Reihe mit Karaffa, Gauthier Girardin und Fabio Mattioni bereits in der vierten Minute den ersten Treffer. Für Lyss also, wie früher desto besser.

Karaffas Debüts

U20 Top (Ajoie): 16. September 2016, Herisau (3 Tore, 2 Assists)
U20 Elite A (Biel): 9. September 2016, in Davos
Champions-Hockey-League (Biel): 29. August 2019, Frisk Asker
MySports-League (Lyss): September 2019

Karaffas erste Champions-Hockey-League Punkte!
6. September 2019, in Asker: 32. Minute, Assist zum 1:1 (Tschantré); 39. Minute, Assist zum 2:1 (Cunti)

Foto: Hervé Chavaillaz

Der Schiri ist Stanley-Cup-Sieger

Sonntag Morgen, die Sonne scheint auf der Kunsteisbahn Hirzenfeld in Münchenbuchsee. Auf dem Eis kämpfen Piccolos und Moskitos beim traditionellen Raiffeisen Moskito-Turnier. Der Schiedsrichter pfeift eine Strafe gegen die Mannschaft des EHC Biel. Biel-Trainer Peter Steinegger, eine Legende des Seeländer Eishockeys, ist mit dem Entscheid nicht einverstanden und gibt dies dem Referee lauthals zu spüren.

Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen

Bei genauerem hinsehen, entpuppt sich der Unparteiische als ehemaliger Weltklassespieler, getarnt als Schiedsrichter. Die Spieler unserer Mannschaft erkennen den Schiri: «Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen», sagen die Dreikäsehoch. Langnau war einst seine erste Station, ehe er via Signau, Thun, wieder Langnau und Färjestads BK Karlstad, den Weg nach Übersee gewagt- und sich mit den Carolina Hurricanes 2006 den Stanley-Cup geholt hat.

Bei Langnaus Elite-Novizen

Martin «Tinu» Gerber will nicht etwa Schiedsrichter werden, nein, als Assistenzcoach von Langnaus Elite-Novizen, absolviert er im Rahmen des Trainerkurses die erforderlichen Einsätze als Schiedsrichter. Die Bieler Moskitos verlieren die hartumkämpfte Partie gegen unsere Mannschaft vom SC Lyss knapp mit 0:1 und Biel-Coach Steinegger wendet sich am Ende des Spiels nochmals an Gerber: «Gerber hat recht und hat das Regelwerk richtig befolgt», sagt Kult-Coach Steinegger mit einem lachen… …in der kleinen Welt des Eishockeys.

Bildergalerie

Das verpasste NHL-Duell

Foto: Trafen in der NHL nie aufeinander, Reto Berra und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)

Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.

Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.

Erstes Duell nach der NHL-Karriere

Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.

Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.

Fünf Duelle vor der NHL-Karriere

Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.

In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.

Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.

Die Duelle Berra gegen Hiller
5. März 2006, 2:5 in Davos
3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz)
5. März 2007, 2:4 in Davos
8. März 2007, 1:3 in Zürich
10. März 2007, 0:3 in Davos
28. September 2018, 3:2 in Biel
16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg
7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg
8. Dezember 2018, 4:1 in Biel
5. Januar 2018 in Biel
16. Februar 2018 in Freiburg

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/berra/

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/hiller/

Von Fankulturen und Draft-Kandidaten

Folgt auf Jonas Siegenthaler bald ein weiterer Zürcher ins Camp der Washington Capitals? (russianmachineneverbreaks.com)

Tissot-Arena in Biel, die Pressekonferenz wurde von den beiden Presse-Verantwortlichen Sandro Frei und Silvan Andrey abgehalten, da betritt ein gut gekleideter, älterer Herr den Presseraum. Höflich bittet er den Pressechef um eine Aufstellung. Wer noch spät im Presseraum herumlungert, bemerkt den nicht alltäglichen Gast und erkennt ihn durch seine englische Sprache. Sofort ist klar, die Scouts aus der National-Hockey-League bummeln wieder durch die europäischen Stadien, allerdings trägt er ein Logo von ZSKA Moskau auf seiner Jacke.

Eigentlich nichts spezielles und dennoch fragt man sich, wen beobachtet er? Was notiert er? Welcher Akteur imponiert ihm? Auf der Pressetribüne, wie könnte es auch anders sein, nimmt der freundliche, ältere Herr neben mir Platz und fragt vorher ob dieser Sitz noch frei sei. Im Smalltalk gibt Danny Brooks einiges Preis: Als Scout der Washington Capitals tourt er einige Wochen durch Europa, zum Playoff-Beginn weilt er noch in der Schweiz, dann geht er eine Woche nach Schweden.

Europäisches Nashville

Auf die Frage wen er den heute Abend beobachtet, zeigt sich der Scout, wie erwartet bedeckt, „i look for everyone“, sagt er lachend. Er füt hinzu, dass ihm die europäscihe Stadion Atmosphäre imponiert, seine Tochter und seine Frau, wären sie hier, würden sie mitten in der Stehrampe stehen. Statt über mögliche Kandidaten für die Capitals, unterhalten wir uns über die unterschiedliche Fankultur zwischen Europa und Nordamerika. „Am ehesten kommt Nashville an die Stimmung der Europäer, in Nashville ist das Publikum frenetischer als in der NHL üblich“, sagt Brooks weiter.

„i look for everyone“

Und Brooks weiss wovon er spricht, als Spieler hat er in den neunziger Jahren in Grossbritannien gespielt und als Assistenztrainer war ein Jahr in der Kontinental-Hockey-League bei ZSKA Moskau tätig. Zurück zum Spiel: Die Intensität gefällt ihm, auf dem Eis gehts ziemlich zur Sache, die Bieler führen nach 40 Minuten mit 2:0 und ein erster Vorgeschmack auf die Playoffs ist zu spüren. Am Montag besucht er das „Rückspiel“ in Zürich oder das 50. und letzte Qualifikationsspiel.

Erste Saison für Siegenthaler

Washington hat sich 2015 die Rechte von Zürichs Jonas Siegenthaler gesichert und ihn im Draft in der zweiten Runde als Nummer 57 gezogen. Man sei in sehr zufrieden mit Siegenthaler sagt Brooks weiter. Nach zwei Stippvisiten, bestreitet der 20-jährige Verteidiger seine erste „ganze“ Saison in Nordamerika und ist im AHL-Team der Hershey Bears parkiert. In Hershey ist Siegenthaler, nach David Aebischer und Timo Helbling, erst der dritte Schweizer in der 80-jährigen Klubgeschichte.

In der Schweiz ist Brooks kein unbekannter, im Juli 2014 sorgte der irisch-amerikanische Doppelbürger beim SC Bern für kuriose Schlagzeilen. Nachdem Brooks als Assistent von Guy Boucher verpflichtet wurde, wurde das Engagement nach knapp einer Woche wieder aufgelöst. Brooks, der bereits zwei Jahre als Assistent von Boucher in Drummondville tätig war, soll gleichzeitig in Frankreich einen Vertrag unterschrieben haben.

Wenn Törmänen auf Jalonen trifft

Antti Törmänen trifft als Biel-Trainer erstmals auf seinen Landsmann Kari Jalonen und den SC Bern. (Hervé Chavaillaz)

Am 13. Januar 2018 trifft der EHC Biel-Coach Antti Törmänen im Rahmen der National-League zum ersten Mal wieder auf den SC Bern. Am 22. November 2013 hat Törmänen mit dem SCB seine letzte NLA-Partie gegen Biel mit 1:4 verloren. Bei Törmänens Comeback am 12. Dezember 2017 gegen den HC Lausanne siegte Biel wieder mit 4:1. Der Auftakt unter dem ersten finnischen Trainer in Biel ist mehr als geglückt. In den ersten neun Spielen unter dem Finnen haben die Seeländer sieben Partien gewonnen, gepunktet haben die Bieler sogar in jedem Spiel seit Törmänens Ankunft.

Vier Jahre Gegner in der finnischen «Liiga»

Mit Samuel Kreis und Julian Schmutz stehen zwei Spieler im Kader, welche schon unter Törmänen in Bern gespielt haben. Keine gemeinsame Vergangenheit haben die finnischen Headcoaches von Biel und Bern. Die beiden kennen sich aus der finnischen «Liiga», damals noch «SM-Liiga», nur als Gegner. Zwischen 1990 und 1994 traf Kari Jalonen mit TPS Turku und Lukko Rauma während vier Saisons auf Antti Törmänen und Jokerit Helsinki. Beide konnten in dieser Zeit je zwei Meistertitel feiern: Jalonen 1991 und 1993 mit Turku, Törmänen 1992 und 1994 mit Jokerit. Allerdings trafen die beiden erst 1994 im Halbfinal zwischen Jokerit und Rauma erstmals in den Playoffs, mit dem besseren Ende für den aktuellen Biel-Trainer, aufeinander.

Herisauer Meisterhelden wieder vereint

Drei Herisauer auf einen Streich: Beat Forster (links), Jonas Hiller und Thomas Nüssli (SCL Tigers) beim Bieler Heimauftakt 2017-18. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Es gilt bis heute als kuriosestes Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte. Im Weltmeisterschafts-Viertelfinal in Quebec, am 14. Mai 2008, bezwingt Philippe Furrer mit einem Slapshot seinen eigenen Torhüter Martin Gerber und bringt Russland noch im ersten Drittel mit 3:0 in Führung.

Was hat der 14. Mai 2008 mit dem EHC Biel zu tun? An diesem Tag bestreiten die beiden Herisauer Beat Forster und Jonas Hiller (er wird in der 27. Minute, beim Stand von 0:5, für Gerber eingewechselt) ihr letztes gemeinsames Pflichtspiel. Vorher absolvieren die beiden vier gemeinsame Profi-Saisons mit dem HC Davos und die WM 2007 in Russland.

Gemeinsam Meister mit Herisau

Forster und Hiller stammen beide aus der Nachwuchsabteilung des SC Herisau und spielen schon 1990 zusammen bei den Piccolos, später gehören sie zu den Teamstützen bei Herisaus Elite-Novizen. welche unter Trainer Marcel Bruderer sensationell den Schweizermeistertitel ins Appenzell holen. Neben Forster und Hiller gehören auch die Ex-Bieler und aktuellen Langnauer Thomas Nüssli und Emanuel Peter zu Herisaus Meisterkader 1997-98.

Hiller und Forsters erstes gemeinsames Pflichtspiel seit neun Jahren

Im Sommer 1999 wechselt Forster nach Davos, Hiller folgt dem Weg ins Bündnerland erst ein Jahr später. 2001 wird Forster von den Phoenix Coyotes als Nummer 78 gedrafted und Hiller wird übergangen. Auch Peter (Nr. 142) und Nüssli (Nr. 277) werden 2002 im Draft gezogen. Eine NHL-Karriere macht aber nur der im Draft übergangene Hiller, der sich in 404 NHL-Spielen in neun Saisons zum Dollarmillionär entwickelt.

Schon im ersten NLA-Spiel siegreich

Ihre erste gemeinsame NLA-Partie bestreitet das Appenzeller-Duo am 17. September 2004 mit dem HC Davos gegen den HC Lugano, vor 6’333 Zuschauern bezwingen sie die Tessiner mit 3:2 und Forster erzielt in der 58. Minute das «Game-Winning-Goal.» Durch den NHL-Lockout stehen auch die NHL-Stars Rick Nash und Joe Thornton erstmals auf Davoser Eis. Siegreich sind Forster und Hiller auch bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt seit neun Jahren, beim 3:0-Auswärtssieg am 8. September 2017 in Kloten. Forster spricht in Biel sogar vom Meistertitel, auch für Herisaus Novizen schien dies einst unmöglich…

Zanotta und der grüne McNamara

Foto: Noè Livio Zanotta (links) überreicht Mike McNamara das grüne Playoff-Hemd. (Michael Krein)

Nach dem 6:3-Sieg gegen den HC Genf-Servette wird der EHC Biel zum neunten Mal in der Geschichte- und zum vierten Mal seit dem Wiederaufstieg 2008 «grün» im Teletext. Rechtzeitig vor dem Interview-Termin mit den Fernsehsendern überreicht Noè Livio Zanotta Mike McNamara ein grünes Hemd, welches sich der 67-jährige Kanadier extra für die TV-Kamera auf der Spielerbank überstreift. Zanotta, Biels offizieller Mode-Ausrüster, sagt: «Ich habe das schon lange geplant, heute habe ich gespürt, dass ich das grüne Hemd in die Tissot-Arena mitnehmen muss.»

Ein Novum in grün

In der zweiten Drittelspause steht es 3:3 und Biels Playoff-Qualifikation ist noch ungewiss. Trotzdem übergibt mir Zanotta auf der Medientribüne das grüne Hemd der Marke Olymp für McNamara, damit ich es vor meinem Interview dem Headcoach übergeben- und er es gleich überstreifen kann. Nach dem Sieg und der definitiven Playoff-Qualifikation lassen die Bieler aber auf sich warten und so kann der «Schöpfer» sein Hemd gleich persönlich übergeben. Langnau spielte nach seiner bisher einzigen Playoff-Qualifikation 2011 in grün, «ein grünes Hemd für den Headcoach gabs bisher noch nie», sagt der gut informierte Mode-Mann.

Bieler Schützlinge

Zanotta und Eishockey gibts schon seit den 90er Jahren, denn Noès Bruder Ivo spielte einst selber als Aktiver und war später als Nachwuchstrainer beim SC Lyss und Biel tätig, Biel-Kapitän Mathieu Tschantré, Mathias Joggi und auch meine Wenigkeit gehörten einst zu seinen Schützlingen. Stolz auf seine Schützlinge zeigt sich auch McNamara, denn der Interims-Coach schaffte mit Biel erst zum dritten Mal in seiner Karriere, nach 1989 und 1990 mit Fribourg-Gottéron, als Headcoach eine Playoff-Qualifikation. Zanottas neustes Testimonial scheint für die grüne Hemd-Premiere nahezu perfekt.

Von Gentlemen und Weltenbummlern


Gisela Schlapbach serviert einen Kaffee am Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen. (Foto: eishockeyblog)

Gisela Schlapbach serviert einen Kaffee am Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen, mit Markus Jutzi und Stefan Sommer (rechts). (Foto: eishockeyblog)

Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

Kevin allein im Stadion

Kevin allein im Stadion vom 16. September 2016 – Spylo-Attacke, Fribourg-Gottéron, Saisonstart? Was da wohl «Kevin allein im Stadion» durch den Kopf geht?

Kevin allein im Stadion vom 8. September 2016 – Nachts, wenn das Training längst beendet ist, lässt er seinen Gedanken freien Lauf… E guete Saisonstart mitenand!

Jari Kurri als Scout in Biel

Foto: Jari Kurri (rechts) am 13. November 2015 auf der Medientribüne in der Bieler Tissot-Arena. (Janne Vuorinen)

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topklub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference».

Salminen im Fokus

Zur Zeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die  Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Jari Kurri in Tramelan unter Beobachtung von Beat Cattaruzza
Jari Kurri (Devils Mailand) 1990 unter Beobachtung von Biels Beat Cattaruzza. (Krein-Archiv)

Ehlers und das zweite Spiel

Foto: Nikolaj Ehlers (Winnipeg Jets) trifft bei seinem Liga-Debüt zum dritten Mal in seinem zweiten Spiel. (Elsa, Getty Images)

Am 5. Januar 2013 siegte der EHC Biel in einem Qualifikationsspiel gegen die SCL Tigers mit 5:4. Dabei setzte Biel-Trainer Kevin Schläpfer den erst 16-jährigen Junior Nikolaj Ehlers ein. Der Sohn von Heinz Ehlers durfte in seinem zweiten NLA-Spiel in der ersten Linie mit Eric Beaudoin und Emanuel Peter spielen. Nach lediglich 25 Sekunden erwischte der Däne Langnau-Hüter Thomas Bäumle zwischen den Schonern und brachte Biel mit 1:0 in Führung und Ehlers-Junior skorte bereits in seinem zweiten NLA-Spiel.

Auch in Winnipeg zwei Spiele

Auch in der National-Hockey-League (NHL) benötigte Ehlers-Junior nur zwei Spiele für seinen ersten Skorerpunkt. In seiner zweiten Partie für die Winnipeg Jets gab der NHL-Draft von 2014 am 9. Oktober 2015, beim 3:1-Sieg gegen die New Jersey Devils, in der 22. Minute die Vorlage zum 1:0 von Mark Scheifele. Ehlers beendete die Partie mit einer Plus 2 Bilanz und stand 14 Minuten und 14 Sekunden auf dem Eis. Mit seinem ersten Skorerpunkt im zweiten NHL-Spiel ist Ehlers der elfte dänische Punktesammler (siehe unten) in der besten Liga der Welt.

Auch bei den Junioren zwei Partien

In der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) brauchte Ehlers ebenfalls zwei Spiele für den ersten Skorerpunkt. Am 13. September 2013 gab der Rechte Flügel der Halifax Mooseheads in der 17. Minute das Zuspiel auf Danny Moynihan’s 1:0 gegen die Charlottetown Islanders, die Partie ging allerdings 2:5 verloren.

Ehlers‘ zweite Spiele

NLA: 5. Januar 2013, Tor zum 1:0 nach 25 Sekunden.
QMJHL: 13. September 2013, Assist zum 1:0 (Moynihan) nach 17 Minuten und 5 Sekunden.
NHL: 9. Oktober 2015, Assist zum 1:0 (Scheifele) nach 21 Minuten und 3 Sekunden.

-> Ehlers erster NHL-Punkt

Die dänischen NHL-Skorer (Stand 10. Oktober 2015)

Frans Nielsen (NY Islanders), 297 Punkte*
Jannik Hansen (Vancouver), 185 Punkte*
Mikkel Bodker (Arizona), 174 Punkte*
Lars Eller (St. Louis, Montreal), 130 Punkte*
Peter Regin (Ottawa, NY Islanders, Chicago), 67 Punkte
Poul Popiel (Boston, Los Angeles, Detroit, Vancouver, Edmonton), 54 Punkte
Philip Larsen (Dallas, Edmonton), 31 Punkte
Nicklas Jensen (Vancouver), 6 Punkte*
Frederik Andersen (Anaheim), 4 Punkte*
Oliver Lauridsen (Philadelphia), 3 Punkte
Nikolaj Ehlers (Winnipeg), 1 Punkt*

*=noch in der NHL aktiv

Gerd Zenhäusern – der erfolgreichere Gretzky?

Foto: Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz. (Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.

Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.

Pressemitteilung erst nach dem Spiel

Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?

Gerd Zenhäusern verstärkt den Staff der HC Fribourg-Gottéron AG als Cheftrainer der 1. Mannschaft. Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.

Pressemitteilung HC Fribourg-Gottéron

Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.

Gretzky einst Zenhäuserns Idol

Als 16-Jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.

Lyss – Biel: Von Eisschlachten und Kantersiegen

 

Der Lysser Markus Witschi (rechts) bewacht Biels Nationalstürmer J.-J. Aeschlimann. (Foto: BT)

1989: Der Lysser Markus Witschi (rechts) bewacht Biels künftigen Nationalstürmer Jean-Jacques Aeschlimann. (Foto: BT)

In sechs Spielen gegen den EHC Biel ging der SC Lyss bisher erst einmal als Sieger hervor, dreimal setzte es für den Underdog sogar zweistellige Niederlagen ab. Am Samstag, 30. August, kommt es in Lyss anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums zum siebten Seeland-Derby.

Die erste Affiche fand 1970 im Rahmen des Industriecup Finals vor nur 200 Zuschauern in der neuen Lysser Eissporthalle statt. Der Lysser Hallenbesitzer Ernst Häfliger verpflichtete dazu noch drei Verstärkungsspieler aus Wichtrach. Dennoch hatte der Zweitligist gegen den überlegenen Nationalliga-B-Vertreter keine Chance und musste den Industriecup-Pokal erstmals dem EHC Biel überlassen. In der Folge konnten die Bieler bis 1994 den Wanderpokal noch acht Mal gewinnen.

Der Ursprung vom Schweizer WM-Silber 2013?

Anlässlich des Industriecups 1989, dem zweiten Aufeinandertreffen zwischen Biel und Lyss, präsentierte der SC Lyss seinen 1‘744 Zuschauern den unbekannten Kanadier Sean Simpson. Ausgerechnet im Halbfinal-Spiel gegen den EHC Biel, fiel der neue Kanadier in der 5. Minute verletzt aus. Für Simpson, der in seiner Karriere vorher nie verletzt gewesen war, kam der Ausfall im dümmsten Moment, denn Simpson hatte zu diesem Zeitpunkt in Lyss noch keinen Vertrag. In der Folge bezahlte der SC Lyss seinem Schützling lediglich Kost und Logis sowie die Therapiekosten. Auf Simpsons Initiative, bot sich der spätere Nationaltrainer im Gegenzug als Nachwuchscoach auf sämtlichen Stufen an. Die Verletzung im Spiel gegen Biel erwies sich später als Schlüsselpunkt im Leben von  Simpson.

Zwei Spiele in der Lysser Supersaison 1991/92

Im Industriecup Halbfinalspiel forderte der neu formierte SC Lyss seinem grossen Nachbar alles ab und lag zwischenzeitlich sogar mit 2:1 in Führung. Erst durch die vielen Lysser-Ausschlüsse konnte der Favorit die «Eisschlacht» mit 65 Strafminuten doch noch zu seinen Gunsten entscheiden und zog in den Industriecup Final gegen Freiburg-Gottéron ein. Die zweite Partie wurde in der Altjahrswoche, im Rahmen des Transfers von Sven Schmid, am 17. Dezember 1991 in Lyss gespielt. Zu diesem Zeitpunkt strotzte der Unterklassige als Nationalliga-B-Leader nur so vor Selbstvertrauen. Prompt musste der ersatzgeschwächte EHC Biel, der ohne seine beiden Ausländer Ramil Juldaschew und Waleri Schirjajew sowie die beiden U20-Nationalspieler Martin Steinegger und Marc Weber antreten musste, unten durch. In den letzten sechs Minuten erzielten die Lysser die wegweisenden Tore vom 3:3 zum 5:3 und realisierten den bisher einzigen Lysser-Sieg.

Die letzte Partie endete mit einer Kanterniederlage

In der Saison 2003/04 trat Lyss erstmals als Erstligist gegen den oberklassigen Nachbar aus der Nationalliga B an. Nach 20 Minuten beim Stand von 0:6 war die Partie bereits gelaufen. Immerhin kamen die Lysser in den letzten fünf Minuten noch zu zwei Ehrentreffer. Die 2:12-Klatsche ist aus Lysser-Sicht die höchste Niederlage zwischen den beiden Kontrahenten. Immerhin haben die Lysser, in der 55. Minute durch Roberto Dazio, bis heute den letzten Treffer erzielt.

Die Bilanz der beiden Coaches

Die aktuellen Coaches Kevin Schläpfer und Patrick Glanzmann standen beide auch schon als Spieler dieses Derbys auf dem Eis. Lyss-Trainer Glanzmann ist zudem einer von drei Spielern (neben Serge Meyer und Sven Schmid) welche anlässlich dieser Affiche schon beide Clubfarben getragen haben. Glanzmann steuerte in vier Spielen (eine Partie für Lyss, drei für Biel) zwei Tore gegen seinen heutigen Arbeitgeber bei. Schläpfer gab beim letzten Aufeinandertreffen die Vorlage zu Daniel Rubins zwölften und bis heute letzten Bieler Treffer.

Nur noch Tschantré und Rytz

Biel-Captain Mathieu Tschantré und der aus dem Lysser Nachwuchs stammende Torhüter Simon Rytz sind die einzigen Akteure welche schon beim Seeländer-Derby 2003 dabei waren.

 

Alle Spiele im Überblick

  1. Oktober 1970 (Industriecup, Final)
    Biel (NLB) – Lyss (2. Liga) 10:3 (5:0, 4:1, 1:2) – Eissporthalle. – 200 Zuschauer. – Tore: Lardon (3), Hügi (3), M. Burri, Kleiner, Greder (2); Birbaum, Oppliger, Hostettler.
  2. September 1989 (Industriecup, Halbfinal)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 2:10 (0:2, 2:4, 0:4) – Eissporthalle. – 1’744 Zuschauer. – Tore: Weber, Weibel; Dupont (2), Gingras, Stehlin, Leuenberger (2), J. Aeschlimann, Kölliker, Boucher
  3. September 1991 (Industriecup, Halbfinal)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 2:4 (0:0, 2:4, 0:0) – Eissporthalle. – 1’360 Zuschauer. – Tore: Bruetsch, Gratton; Schirjajew, Juldaschew, Schneeberger, Martin.
  4. Dezember 1991 (Freundschaftsspiel)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 5:3 (2:2, 1:1, 2:0)
    – Eissporthalle. – 1‘204 Zuschauer. – Tore: Kormann, Bruetsch, Baechler, Posma, Daoust; D. Bregnard, G. Dubois, J. Aeschlimann.
  5. September 1992 (Industriecup, Spiel um Platz drei)
    Biel – Lyss 7:2 (2:1, 3:1, 2:0) – Eissporthalle. – 850 Zuschauer. – Tore: Glanzmann (2), Burillo, D. Dubois, Nuspliger, M. Weber (2); Frutiger, Kormann
  6. Dezember 2003 (Freundschaftsspiel)
    Lyss (1. Liga) – Biel (NLB) 2:12 (0:6, 0:2, 2:4)
    – Seelandhalle. – 400 Zuschauer. – Tore: Krebs, Dazio; M. Beccarelli (2), D. Altorfer, Léchenne (2), Pochon, Nideröst, Furler, Reber, Von Gunten (2), Rubin.

 

Der Bericht wurde am 29. August 2014 im Bieler Tagblatt publiziert. 

Top of Europe Trophy 2013

Im Rahmen der Top of Europe Trophy empfängt der SC Unterseen-Interlaken am 28. Dezember den EHC Biel. Der NLA-Klub gastiert nach 2010 zum zweiten Mal auf dem Bödeli.

In den 80er und 90er Jahren boten die «Super Series» zwischen den NHL-Profis und den Herausforderer aus der damaligen Sowjetunion in der Altjahreswoche höchstes Eishockey-Spektakel. In Westeuropa wurde dies damals kaum zur Kenntnis genommen und in der Schweiz gilt das Interesse zwischen Weihnacht und Neujahr jeweils dem Spengler Cup in Davos. Was für den Davoser der Spengler Cup, ist für den Interlakner die Top of Europe Trophy. Die Idee wurde von 2004 (damals noch unter dem Namen Energy on Ice) von SCUI-Präsident Beni Knecht in die Wirklichkeit umgesetzt: «Nach langen Verhandlungen, gastierte mit dem EV Zug erstmals ein NLA Team im Bödeli.»

Jubiläumsjahr 2013

In diesem Jahr steht bereits die zehnte Austragung auf dem Programm. Zum zweiten Mal (nach 2010) stellt sich der EHC Biel als «Sparringpartner» für den SC Unterseen-Interlaken zur Verfügung. Beim letzten Auftritt der Seeländer liessen die NLA Profis, beim 9:3-Sieg, dem Unterdog keine Chance. Immerhin sorgten die Einheimischen im anschliessenden Penaltyschiessen, welches jeweils unabhängig zum Resultat durchgeführt wird, beim 2:1-Sieg für ein kleines Erfolgserlebnis. Die aktuellen Bieler Manuel Gossweiler, Mathieu Tschantré, Philipp Wetzel und Gianni Ehrensperger waren vor drei Jahren auch schon dabei.

Simon Rytz kennt die 1. Liga

Ebenfalls zum zweiten Mal dabei ist Biels Torhüter Simon Rytz. Vor sieben Jahren gastierte Rytz mit dem HC Fribourg-Gottéron auf dem Bödeli. Beim 9:2-Sieg musste er sich bis zum Torhüterwechsel bei Spielhälfte nur von Simon Ingold bezwingen lassen. «Diese Teilnahme war mir gar nicht mehr bewusst, weil ich damals vom 1. Ligisten HC Neuchâtel-Sports Young-Sprinters nach Fribourg ausgeliehen wurde» sagt Rytz. Der Lysser kennt also nicht nur die Top of Europe Trophy, sondern ist auch mit dem 1. Liga Eishockey bestens vertraut. In der Saison 2000/01 stand er mit dem SC Lyss in der 1. Liga-Finalrunde und spielte in der Qualifikation auch gegen die Steinböcke. «Für uns ist dieser Event eine Abwechslung zum NLA-Alltag, dass wir dazu noch unsere Familien mitnehmen können ist ideal», sagt Rytz weiter. Wie ernst nehmen denn die Bieler dieses Spiel gegen den Tabellenzehnten aus der 1. Liga? «Wir nehmen den Auftritt in Unterseen sehr ernst, er gilt als Hauptprobe für den bevorstehenden Schweizer-Cup», fügt Rytz hinzu.

Findet Unterseen aus der Krise?

Beni Knecht freut sich auf den Gast aus dem Seeland: «Die Stimmung in der Halle war jeweils sehr gut, wenn wir gegen eine Berner Mannschaft antraten.» Zehn aktuelle Spieler waren beim letzten Auftritt gegen den EHC Biel auch schon dabei. Neuzugang Nico Spolidoro trifft auf seine alten Teamkollgen, der Emmentaler spielete zwischen 2004 und 2007 drei Jahre für den EHCB. Mit Tschantré, Gossweiler und Emanuel Peter trifft Spolidoro auf drei ehemalige Teamkollegen. Ein Erfolgserlebnis des Underdogs wird aber auch in diesem Jahr kaum zu realisieren sein. Die Mannschaft von Trainer Stefan Schneider muss in der aktuellen 1. Liga Saison unten durch und die aktuelle Formkurve zeigt nach sieben Niederlagen in Serie – der letzte Sieg datiert vom 20. November beim 5:1 gegen Belp – stark nach unten.

Wieder zurück zur Geschichte. Auch die Sowjets boten in den legendären «Super Series» ihren  «übermächtigen» Gegner aus der NHL in spektakulären Spielen stets paroli, warum nicht auch der SCUI gegen den übermächtigen Gegener aus Biel? Die Top of Europe Trophy 2013 bietet so oder so – als «Oberländer pendant»  zum Spengler Cup – beste Unterhaltung.

Die bisherigen Spiele der Top of Europe Trophy:
2012 ZSC Lions 3:11 (0:4, 2:4, 1:3)
2011 HC Lugano 1:10 (0:4, 1:2, 0:4)
2010 EHC Biel 3:9 (0:3, 0:2, 3:4)
2009 EV Zug 3:4 (1:2, 2:0, 0:2)
2008 SCL Tigers 2:9 (1:3, 1:3, 0:3)
2007 ZSC Lions 6:11 (2:7, 2:2, 2:2)
2006 HC Fribourg-Gottéron 2:9 (0:4, 1:3, 1:2)
2005 SCL Tigers 2:4 (1:0, 0:3, 1:1)
2004 EV Zug 2:4 (1:2, 1:1, 0:1)

NHL Scouts in Biel

San Jose Sharks Scout Shin Yahata-Larsson (links) im Bieler Presseraum - Foto: Sandro Stutz/sast-photos

San Jose Sharks-Scout Shin Yahata-Larsson (links) im Bieler Presseraum. (Foto: Sandro Stutz/sast-photos)

Auch unsere Liga wird regelmässig von National-Hockey-League-Scouts heimgesucht. So auch am 7. Dezember 2013 beim Spiel EHC Biel – ZSC Lions (3:5). Angekündigt war zunächst nur Shin Larsson, oder eben Shin Yahata-Larsson. Der Scout der San Jose Sharks ist schwedisch-japanischer Doppelbürger und kann seinen Namen wie Biels Ahren Spylo-Nittel variabel einsetzen. So spielte der Stürmer 1998 an den Olympischen Spielen in Nagano – unter dem ehemaligen Biel-Coach Björn Kinding – als Shin Yahata (den ledigen Namen seiner Mutter). Ursprünglich stammt der Scout aber aus dem schwedischen Leksand, wo man ihn Shin Larsson nennt.

Patrick Kane lässt Biel grüssen

Bekanntlich sind die Scouts ja nie alleine unterwegs, so auch in Biel. Yahata-Larsson wird von seinem Berufskollegen aus Chicago begleitet. Dieser überbringt dem Bieler Pressechef Silvan Andrey gleich ein «Hello from Patrick Kane», welches Andrey gerne in die Bieler Katakomben weitergegeben hat, worauf einige geantwortet haben sollen «welcher Kane?». Wie Kane ist auch Yahatas Kollege, der Hüne (192cm, 97kg) aus Chicago in der Schweiz kein unbekannter. Der Schwede Mats Hallin bestritt in der Saison 1986/87 vier Spiele für den HC Lugano, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, HC Ambrì-Piotta-Bösewicht Misko Antisin zu verprügeln. Das Spiel zwischen Ambrì und Lugano ging als grösste Massenschlägerei im Schweizer Eishockey in die Geschichte ein.

Die Schweizer Draft-Kandidaten 

Wen wollen die beiden NHL-Scouts denn beobachten? Auf der Liste des NHL-Central-Scoutings ist von den heutigen Gegnern kein einziger Draft-Kandidat nominiert. Lions-Goalie Melvin Nyffeler wurde bereits im Vorjahr als möglicher Draft-Kandidat gehandelt. Die aktuellen Draft-Kandidaten sind Klotens Fabio Högger, Luca Hischier (Bern), Luca Fazzini (Lugano), Cédric Maurer und Patrick Brändli (beide Zug), Simon Kindschi und Gilles Senn (beide Davos), Noah Rod und Gauthier Descloux (Genf-Servette), Andy Ritz (Langnau), Noele Trisconi (Ambrì-Piotta), Fabian Heldner (Visp) und Silvio Schmutz (Thurgau).

Seguin, Zetterberg, Tavares

Die Krise der Lockout-Profiteure

Seguin, Zetterberg, Tavares

Die Zuger, Bieler und Berner Veredelung 2012 wird schmerzlich vemisst. (Foto-Montage: Marti)

Was haben Zug, Biel und der SCB gemeinsam? Ganz einfach: alle drei sind in der Krise und sie alle profitierten in der letzten Saison überdurchschnittlich vom NHL-Lockout.  Die drei Klubs mit unterschiedlichen Budgets, Ambitionen und Potenz zeigen auffällige Gemeinsamkeiten. Beweis gefällig?

Blenden wir zurück ins neblige Biel, Oktober 2012: Die Seeländer starten mit wenig Kredit und Aussicht auf eine Playoff-Qualifikation in die Saison 12/13. Der Start ist miserabel. Nach wochenlanger Spekulation wird der NHL-Lockout Tatsache. Man spricht viel von Stars hier und dort und in der Uhrenstadt macht ein gewisser Tyler Seguin seine Aufwartung. Niemand beachtet den 67 Punkte-Mann der Bruins. Journalisten erkundigen sich beim Pressechef, wie man überhaupt diesen Namen ausspreche… Bis er Tor um Tor erzielt. Bald darauf ergänzt Superstar Patrick Kane den Bostoner Skorer. Die beiden erzielen in 29 resp. 20 Spielen 63 (!) Skorerpunkte und schiessen den EHC in die Playoffs. Tore und Assists die in dieser Saison keiner mehr schiesst. Der Fall ins Playout wird diesmal auch durch den Hockeygott nicht zu verhindern sein.

Zug ohne Brunner und Diaz, wie Fondue ohne Weisswein

Szenenwechsel: der EV Zug verliert im Sommer 2012 mit Damien Brunner seinen wichtigsten Schweizer Stürmer in die NHL. Zwar wird mit Linus Omark ein Schwedischer Künstler verpflichtet, aber das Hauptproblem „Lotter-Goalie“, wie ein Chronist zu sagen pflegt, ist nicht gelöst. Resultat ist ein miserabler Start in die Meisterschaft. Doch Zugs Manager Patrick Lengwiler ist alles andere als langweilig und reagiert als einer der ersten auf den Lockout. Er sorgt nicht nur dafür, dass Brunner und Diaz wieder im Steuerparadies landen, er verpflichtet gleich noch Superstar Henrik Zetterberg dazu. Das Resultat lässt sich sehen: Die drei Lockout Verstärkungen notieren in rund 30 Spielen sagenhafte 118 Skorerpunkte. Und mit Ihnen geht auch der Stern des eigensinnigen Omark auf: 69 Punkte in 48 Spielen. Davon 52 Assists! Zug schafft es weg vom Tabellenende in die Playoffs und scheitert dort im Halbfinale ohne NHL-Verstärkung klar am SCB. Davon ist der EVZ nach fast der Hälfte der Qualifikation im Herbst 2013 weit entfernt. Prognose: Zug erholt sich diesmal nicht mehr und verpasst das Playoff!

Der SCB steht heuer genau dort, wo er letzte Saison eigentlich schon gestanden hätte…

Bleibt noch der Ligakrösus aus der Bundesstadt. Viel wird vor der Saison 12/13 spekuliert über das Team von Antti Törmänen. Zu alt, zu langsam, zu schwach in der Defensive. Tatsächlich legen die Berner vor einem Jahr einen schwachen Saisonstart hin. Bis die wundersame Erlösung aus der NHL in Form des Lockouts kommt. Mark Streit und Roman Josi verleihen der löchrigen Berner Defensive nicht nur Stabilität, sondern auch Vorwärtsdrang. In den ersten drei, vier Spielen wird an den Berner Stammtischen zwar noch dauernd über Streits mangelnde Performance gemault. Aber die Werte lassen sich sehen: Der Kapitän der Schweizer Nati notiert in 32 Spielen 26 Punkte. Und viel wichtiger, er weist eine +19 Bilanz auf. Roman Josi stösst etwas früher zum Team, erleidet aber eine Verletzung. Trotzdem sind auch seine Werte beeindruckend: 17 Punkte in 26 Spielen und vor allem eine +14 Bilanz. Keine anderen Mutzen-Verteidiger weisen auch nur annähernd so gute +/- Bilanzen auf. Streit überzeugt zusätzlich seinen Kumpel John Tavares aus New York, nach Bern zu wechseln. Tavares überflügelt die ganze Lockout-Armada mit seinen Werten: in 28 Spielen erzielt er nicht weniger als 42 Punkte. Aber er hat nicht nur Vorwärtsdrang, sondern sichert auch die Defensive ab. Seine +16 Bilanz spricht Bände.

Der Coach unter Beschuss

Dass Törmänen noch am 29. September 2012 vor dem Rauswurf stand, haben viele SCB-Anhänger nach dem Meistertitel schon wieder vergessen. Die BZ formulierte es damals so: «Die Verpflichtung von Tavares gründet nicht im verpatzten SCB-Saisonstart, in die Wege geleitet worden war sie vor der schwachen Vorstellung am Dienstag gegen Rapperswil (1:3-Heimniederlage). Der Druck auf Coach Antti Törmänen wird durch die Verstärkungen nicht kleiner. Lüthi mag nicht auf Trainerdiskussionen eingehen, sagt nur: Ich erwarte Leistung. Jetzt erst recht.» Das kommt einem doch im Herbst 2013 alles sehr bekannt vor…

Der falsche Goalie und die Kamber Show

Biel gewinnt zum 2. Mal im 3. Heimspiel den Zusatzpunkt nach Penaltyschiessen. Im Gedränge der Katakomben der Kabinengänge wird Biel-Goalie Simon Rytz interviewt. Auf die Frage eines Journalisten «heiter scho mau 3 Penaltys ghäbt» muss sich Rytz kurz hintersinnen, denn der Lysser stand ja gar nicht im Tor!

Meili statt Rytz

Ausgangspunkt für den Lapsus gab die Mannschaftsaufstellung, denn gemäss Matchblatt wurde vor dem Spiel Rytz als Nummer 1 im Spiel gegen den Kantonsrivalen aus Bern gemeldet. Tatsächlich steht aber Lukas Meili von Beginn weg zwischen den Pfosten – doch kaum einer bemerkt den Wechsel – was mir höchst bedenklich erscheint. Es ist als ob man bei einem Date erst nach 2 Stunden bemerken würde, dass die falsche Frau am Tisch sitzt.

Welcher Goaliewechsel?

Teilweise mussten die ganzen Matchberichte, welche während 2 Stunden auf Rytz geschrieben wurden nochmals gründlich revidiert werden – andere fragten wann denn Biel den Torhüter gewechselt hätte oder ob Biel auf das Penaltyschiessen einen Goaliewechsel vorgenommen habe. Selbstverständlich sind mir die Namen der betroffenen Medien entfallen.

Schläpfer wie Hartley?

«Das isch ä Fehler vo dämm wo s Matchblatt gschriebä het, mit so Sache befassi mi nid», sagte Kevin Schläpfer auf die Frage ob Rytz absichtlich als Nummer 1 aufgeführt wurde. Wir erinnern uns an Bob Hartley, seine Mannschaftsaufstellungen sind schon heute Kult, denn seine unkorrekten Matchblätter waren Teil des 7. Meistertitels.

Kamber’s Vorankündigung

Alles andere als eine Irreführung war Oliver Kambers Facebook-Eintrag vor dem SCB-Spiel: «How many fans go to EHCB – SC BERN ?! Are you ready for Kamber’s show?» postete der Facebook-Profil-Verantwortliche des Baselbieters. Kamber’s Worten folgten Taten: Mit einem Zuckerpass war er Vorbereiter des Bieler Ausgleichstreffers, mit einem verwerteten Penalty war er der Vollstrecker beim Penaltyschiessen. Wer war nun der Matchwinner, Torhüter Rytz oder Kamber?

 

Seguin: Von Brampton bis Grenchen

 

Tyler Seguin im Trikot der Plymouth Whalers (2008-10). Foto: Edmonton Oilers

Biel-Lockout-Star Tyler Seguin im Trikot der Plymouth Whalers (OHL). (Foto: Edmonton Oilers)

 

Tyler Seguin, am 31. Januar 1992 in Brampton, Ontario geboren. Brampton ist eishockeytechnisch als Brampton Battalion, dem Juniorenteam aus der Ontario-Hockey-League (OHL) bekannt. Vor zwei Jahren (2010/11) spielte der Berner Torhüter Dennis Saikkonen beim Team aus Brampton, ehe er wieder zum SC Bern zurückkehrte. Zurück zu Seguin, der zwar in Brampton geboren wurde, jedoch bis 2010 für Ligakonkurrent Plymouth Whalers spielte. Genau eine Saison später spielte Biel-Zuzug Dario Trutmann bei den Whalers aus Plymouth, während Seguin bereits sein NHL-Debüt in Boston gab.

Das Interview mit Tyler Seguin war eine logische Folge der Eishockey-Umstände

Was Seguin bis heute nicht weiss, in Biel ist er Plymouth näher als er denkt, denn rund 15 Kilometer weiter spielt ein Strassenhockey-Team mit dem «geklauten» Logo der Plymouth Whalers: Der SHC Grenchen-Limpachtal. Hätte man mir vor einem Jahr gesagt „nächstes Jahr wirst du Tyler Seguin interviewen“, hätte ich ihn ausgelacht und den netten Spruch als Witz betrachtet. Selbstverständlich würde ich meine Fragen an den Nummer-zwei-Draft von 2010 nicht etwa für den «Boston Herald», den «Boston Globe» oder das «New England Hockey Journal» stellen…

…ob NHL oder NLA, Grenchen oder Plymouth, Boston oder Biel, Brampton oder Bern, es lässt sich überall eine Verbindung finden, selbst Brampton und Lyss haben im entferntesten Sinne eine Verbindung, denn der junge Berner Goalie Saikkonen hütete 2008/09 auch schon das Tor des SC Lyss, meinem Ursprungsklub. So gesehen war ein Interview mit NHL-Star Tyler Seguin die logische Folge dieser Eishockey-Umstände.

Der EHC Biel und das Trikot-Problem

Am 1. Dezember 2012 beim Auswärtsspiel in Davos präsentierte sich der EHC Biel erstmals mit einem neuen Auswärtsdress in weiss. Die bisherigen grauen Trikots gerieten trotz Abnahme der Nationalliga schon beim ersten Auswärtsspiel in Fribourg in Kritik.

Für Zuschauer und Offizielle waren die Biel-Spieler nicht immer leicht vom Gegner zu unterscheiden, deshalb treten die Seeländer seit dem 1. Dezember in neuem und schönerem «weiss» an.

Der EHC Biel und die Trikots, eine nicht ganz neue Geschichte. Bereits in der Saison 1994/95 sorgten die Bieler für einige Verwirrung. Damals begannen die Seeländer die Saison mit Trikots der Marke «High 5», welche aber kurz nach Saisonbeginn konkurs anmelden musste.

Deshalb lieferte der ehemalige Biel-Trainer und Hockeyartikel-Baron Jürg Ochsner, neue Cooper-Leibchen. Diese aber waren fehlerhaft. Das Dress von Martin Steinegger hatte die Nummer 13. Aber Steinegger spielte mit der Nummer 14, weil Biel-Trainer Anders Sörensen keine 13 im Team haben wollte.

Das Trikot von Axel Heim war mit der Nummer 71 beschriftet. Aber Heim trug in seinem ersten Spiel für Biel die 17, weil damals die 71 (sein Jahrgang) unauffindbar war. Heim erzielte mit der Nummer 17 zwei Tore und wollte deshalb die 17 behalten. Und die 71? Diese trug Lockout-Star Chris Chelios.

So weit so gut. Wenn nicht beim Leibchen mit der Nummer 14 (der neue Dress von Steinegger) die 1 in blau, und die 4 in schwarz gedruckt gewesen wären. Und auch Sponsor Opel reklamierte – denn beim neuen Bieler Heimdress (weiss) wurde der Opel-Schriftzug rot gedruckt. Opel wollte aber schwarze Buchstaben.

Deshalb wurden damals zum 3. Mal neue Biel-Leibchen gedruckt. In der Zwischenzeit, bis zum Liefertermin, spielten die Seeländer wieder im Trikot der Firma «High 5», die es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr gegeben hat.

Tyler Seguin auf Chris Chelios‘ Bieler-Spuren…

Biel Captain Mathieu Tschantré kurz vor dem Interview. Foto: Hervé Chavaillaz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einem Interview bietet sich manchmal die Gelegenheit über ganz andere Dinge als den aktuellen Bieler 4:3-Sieg gegen Lugano zu diskutieren. Die Unterhaltung mit Mathieu Tschantré beginnt bei Rick Nash’s Hattrick in Davos und endet mit dem Bieler-Lockout-Star vor 18 Jahren.

Während des ersten NHL-Lockouts 1994/95 war der aktuelle Biel-Captain Mathieu Tschantré gerade Mal 10 Jahre alt und spielte bei den Moskitos des EHC Biel. Auf meine Frage ob er sich denn an das Engagement von Chris Chelios erinnern könne, antwortet Tschantré mit grosser Begeisterung: „Ich war im Freihockey als der NHL-Star Chelios im Bieler Eisstadion eingetroffen war, für uns war dies das Grösste.“

In dieser Woche trifft mit Tyler Seguin erneut ein ganz grosser aus der NHL in Biel ein. Seguin ist Biels grösster Transfercoup seit der Chelios Kurzvisite (3 Spiele) vor 18 Jahren. Der damals 10-jährige Mathieu empfängt dieses Mal den NHL-Star als Bieler Team-Captain. Und womöglich wird auch da wieder ein Bieler Nachwuchsspieler den grossen Seguin bestaunen – und wer weiss in 18 Jahren…

Und übrigens… …vor 18 Jahren trafen die zwei grössten Attraktionen auf Schweizer Eis, Doug Gilmour und Chris Chelios mit Rapperswil und Biel nicht mehr aufeinander. Chelios verletzte sich im dritten Spiel gegen Davos und musste frühzeitig nach Kanada zurückkehren. Eine Woche später mussten die Bieler ohne Chelios gegen Gilmour-Rappi ran.

Am Samstag kommts nun doch noch zum NHL-Knüller zwischen Biel und Rapperswil mit den Attraktionen Tyler Seguin und Jason Spezza.

Im Fokus der NHL

SonntagsBlick vom 11. Dezember 2011, von Michael Krein

SonntagsBlick vom 11. Dezember 2011, von Michael Krein