Von Gentlemen und Weltenbummlern

Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

Zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

29. November 2016 – 27. Runde

SCL Tigers – Biel 3:5 (1:0, 0:2, 2:3)
Ilfishalle. – 5’694 Zuschauer. – SR Mandioni /Massy, Abegglen /Kaderli. – Tore: 11. Elo (Schremp, Nils Berger) 1:0. 33. Micflikier (Lundin/Ausschluss Koistinen) 1:1. 38. Horansky (Fabian Sutter, Wetzel) 1:2. 45. Fey (Huguenin/Ausschluss Nils Berger) 1:3. 49. Earl (Julian Schmutz, Lundin) 1:4. 56. (55:02) Schremp (Elo, DiDomenico/Ausschlüsse Horansky, Maurer) 2:4. 56. (55:37) Elo (Schremp/Ausschluss Maurer) 3:4. 60. (59:38) Fey (Ausschluss Jan Neuenschwander!) 3:5 (ins leere Tor). – Strafen: SCL Tigers 3-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Pascal Berger, Blaser, Lukas Haas, Nüssli, Stettler (alle verletzt) und Shinnimin, Biel ohne Pouliot (überzählig), Valentin Lüthi, Tschantré (beide verletzt) und Wellinger (krank). – Timeouts: SCL Tigers (59:03); Biel (55:37).
SCL Tigers: Punnenovs (49. Ciaccio); Seydoux, Koistinen (2); Zryd, Flurin Randegger; Weisskopf, Yves Müller; Currit; Elo, Schremp, Nils Berger (2); DiDomenico, Albrecht, Sven Lindemann; Claudio Moggi, Schirjajew (2), Kuonen; Roland Gerber, Adrian Gerber, Wyss; Rüegsegger.
Biel: Hiller; Lundin, Dufner; Maurer (4), Dave Sutter; Huguenin, Fey; Nicholas Steiner, Jecker; Julian Schmutz, Earl, Micflikier; Rossi, Jan Neuenschwander (2), Fabian Lüthi; Pedretti, Gaëtan Haas, Rajala; Horansky (2), Fabian Sutter, Wetzel.

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und zum Interview mit Mike McNamara.

Wenn alles anders ist

Die Ilfishalle erstrahlt in den französischen Nationalfarben. (Krein)

Im Vorfeld des Spieles vom 17. November 2017 ist alles ein bisschen anders. Langnau Trainer Benoît Laporte fragt den Bund-Journalist schon zwei Stunden vor dem Spiel ob ich schon da sei. Um sechs Uhr treffe ich beim Ilfisstadion ein und werde sogleich in die Trainerkabine zitiert. Im Vorfeld hatte ich bereits Kontakt mit dem Frankokanadier, Grund dafür war Laportes Trikot (mehr dazu ganz unten) aus der Saison 1991-92.

Nun war es soweit, der angenehme und umgängliche Headcoach der Tigers überreicht mir sein Rouen-Trikot. Ein Trikot welches ich seit Kindertagen immer wieder gezeichnet und illustriert habe, ein Jersey meines absoluten Lieblingsturniers und das „Maillot“, es ist ja aus Frankreich, in dem Laporte am 28. Dezember 1991 zwei Tore erzielt hat und als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Für mich ein unbezahlbarer Moment, den Konditionstrainer Nik Hess fotografisch festhält.

Benoît Laporte überreicht mir vor dem 7:0-Sieg gegen Biel sein Rouen-Juwel. (Nik Hess)

Und das alles kurz vor dem wichtigen Derby gegen den EHC Biel. Anders präsentiert sich auch das Kleid der Ilfishalle, ganz im Zeichen Frankreichs erstrahlt die Halle, man könnte meinen wegen Laportes Trikot-Übergabe? Nein, natürlich als solidarisches Zeichen und dem Mitgefühl an die Opfer der Terroranschläge in Paris vom 13. November. Neben Langnau-Coach Laporte steht bei Biel mit Eliot Berthon ein weiterer Franzose auf dem Eis.

Höchster Sieg egalisiert

Doch anders ist es auch für Berthon und die Bieler, denn die stehen eher neben dem Eis und gehen in der frankophonen Halle regelrecht unter. Das 7:0 der Langnauer egalisiert sogar den bisher höchsten Sieg, das 12:5 vom 13. Oktober 1981, gegen die Seeländer. Ob das Rouen-Juwel in meiner Tasche einen Einfluss hatte? Ob die in französisch strahlende Ilfishalle einen Einfluss hatte? Oder war es wieder der Wetteinsatz, er wettet immer gegen seine eigene Mannschaft, von SI-Journalist Stefan Sommer?

Für Sommer eine „Win-Win-Situation“, verliert Langnau bezahle ich, gewinnt Langnau bezahlt Sommer. (Krein)

SCL Tigers – EHC Biel 7:0 (1:0, 5:0, 1:0)
Ilfishalle. – 5’945 Zuschauer. – SR Eichmann/Koch, Dumoulin/Tscherrig. –Tore: 7. Nüssli (DiDomenico) 1:0. 25. Kim Lindemann (Clark, Gustafsson) 2:0. 27. Tom Gerber (Albrecht, Koistinen) 3:0. 32. (31:24) Gustafsson (Clark) 4:0. 32. (31:41) Gustafsson (Bucher, Clark) 5:0. 36. Gustafsson (Nüssli/Ausschluss Joggi) 6:0. 46. Koistinen (DiDomenico/Ausschluss Wetzel) 7:0. – Strafen: SCL Tigers 3-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Müller, Gossweiler, Lukas Haas, Murray, Bärtschi, Hecquefeuille, Schirjajew, Berger und Wyss (alle verletzt). Biel ohne Nicholas Steiner, Olausson, Gaëtan Haas (alle verletzt) und Ehrensperger (überzählig). Pfostenschuss Nüssli (19.). Time-out Biel (31:24).
SCL Tigers: Ciaccio; Stettler, Koistinen; Weisskopf, Kim Lindemann; Zryd, Adrian Gerber; Ronchetti, Currit; Clark, Gustafsson, Bucher; Nüssli, DiDomenico, Olesz; Sandro Moggi, Claudio Moggi, Haberstich; Tom Gerber, Albrecht, Sven Lindemann.
EHC Biel: Rytz (32. Meili); Huguenin, Maurer; Dave Sutter, Fey; Jecker, Wellinger; Joggi, Dufner; Stapleton, Macenauer, Rossi; Spylo, Tschantré, Arlbrandt; Daniel Steiner, Fabian Sutter, Herburger; Wetzel, Lüthi, Berthon.

Jari Kurri als Scout in Biel

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topclub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference.»

Salminen im Fokus

Zurzeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins, gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Ehlers und das zweite Spiel

Am 5. Januar 2013 siegte der EHC Biel in einem Qualifikationsspiel gegen die SCL Tigers mit 5:4. Dabei setzte Biel-Trainer Kevin Schläpfer den erst 16-jährigen Junior Nikolaj Ehlers ein. Der Sohn von Heinz Ehlers durfte in seinem zweiten NLA-Spiel in der ersten Linie mit Eric Beaudoin und Emanuel Peter spielen. Nach lediglich 25 Sekunden erwischte der Däne Langnau-Hüter Thomas Bäumle zwischen den Schonern und brachte Biel mit 1:0 in Führung und Ehlers-Junior skorte bereits in seinem zweiten NLA-Spiel.

Auch in Winnipeg zwei Spiele

Auch in der National-Hockey-League (NHL) benötigte Ehlers-Junior nur zwei Spiele für seinen ersten Skorerpunkt. In seiner zweiten Partie für die Winnipeg Jets gab der NHL-Draft von 2014 am 9. Oktober 2015, beim 3:1-Sieg gegen die New Jersey Devils, in der 22. Minute die Vorlage zum 1:0 von Mark Scheifele. Ehlers beendete die Partie mit einer Plus 2 Bilanz und stand 14 Minuten und 14 Sekunden auf dem Eis. Mit seinem ersten Skorerpunkt im zweiten NHL-Spiel ist Ehlers der elfte dänische Punktesammler (siehe unten) in der besten Liga der Welt.

Auch bei den Junioren zwei Partien

In der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) brauchte Ehlers ebenfalls zwei Spiele für den ersten Skorerpunkt. Am 13. September 2013 gab der Rechte Flügel der Halifax Mooseheads in der 17. Minute das Zuspiel auf Danny Moynihan’s 1:0 gegen die Charlottetown Islanders, die Partie ging allerdings 2:5 verloren.

Ehlers zweites Spiel

DatumLiga(Min) Punkt
5. Januar 2013NLA(1.) Tor zum 1:0
13. September 2013QMJHL(18.) Assist zum 1:0
9. Oktober 2015NHL(22.) Assist zum 1:0
5 Skorerpunkte in 18 Spielen für den EHC Biel: Der 16-jährige Nikolaj Ehlers 2012-13. (EHC Biel)

Die dänischen NHL-Skorer (Stand 10. Oktober 2015)

SpielerClubsPunkte
Frans NielsenNYI297
Jannik HansenVAN185
Mikkel BodkerARZ174
Lars EllerSTL, MTL130
Peter ReginOTW, NYI, CHI67
Philip LarsenDAL, EDM31
Nicklas JensenVAN6
Frederik AndersenANH4
Oliver LauridsenPHI3
Nikolaj EhlersWPG1
Artikel im Bulletin 2015/16 des Bieler Fan’s Club Seeschwalbe

Der erfolgreichere Gretzky?

Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz. (Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.

Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.

Pressemitteilung erst nach dem Spiel

Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?

Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.

Pressemitteilung HC Fribourg-Gottéron

Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.

Gretzky einst Zenhäuserns Idol

Als 16-Jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.

Biel – Bern 1:4 (1:0, 0:2, 0:2)
Eisstadion. – 5’342 Zuschauer (Saisonrekord). – SR Michael Küng/Vinnerborg, Ambrosetti/Peter Küng. – Tore: 3. Ehrensperger (Untersander, Kamber) 1:0. 28. Bertschy (Gragnani, Kobasew) 1:1. 38. Alain Berger 1:2. 49. Bertschy (Kobasew, Krueger) 1:3. 59. Ruefenacht (Holloway, Gerber) 1:4 (ins leere Tor). – Strafen: je 2mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Arlbrandt (Biel); Ritchie (Bern). Biel ohne Berthon, Olausson (beide verletzt), Tschantré und Joggi (beide krank), Bern ohne Moser (verletzt). Timeouts: Biel (58); Bern (45.). Biel von 58:25 bis 58:54 ohne Goalie.
Biel: Rytz; Rouiller, Gossweiler; Cadonau, Fey; Steiner, Wellinger; Untersander, Jelovac; Umicevic, Haas, Mosimann; Arlbrandt, Peter, Spylo; Rossi, Wetzel, Ulmer; Ehrensperger, Kamber, Herburger.
Bern: Bührer; Gerber, Blum; Gragnani, Jobin; Krueger, Furrer; Kreis, Randegger; Kobasew, Plüss, Bertschy; Alain Berger, Reichert, Pascal Berger; Holloway, Ritchie, Scherwey; Ruefenacht, Gardner, Rüfenacht.

Der Japaner von San Jose

Auch unsere Liga wird regelmässig von National-Hockey-League-Scouts heimgesucht. So auch am 7. Dezember 2013 beim Spiel EHC Biel – ZSC Lions (3:5). Angekündigt war zunächst nur Shin Larsson, oder eben Shin Yahata-Larsson. Der Scout der San Jose Sharks ist schwedisch-japanischer Doppelbürger und kann seinen Namen wie Biels Ahren Spylo-Nittel variabel einsetzen. So spielte der Stürmer 1998 an den Olympischen Spielen in Nagano – unter dem ehemaligen Biel-Coach Björn Kinding – als Shin Yahata (den ledigen Namen seiner Mutter). Ursprünglich stammt der Scout aber aus dem schwedischen Leksand, wo man ihn Shin Larsson nennt.

Patrick Kane lässt Biel grüssen

Bekanntlich sind die Scouts ja nie alleine unterwegs, so auch in Biel. Yahata-Larsson wird von seinem Berufskollegen aus Chicago begleitet. Dieser überbringt dem Bieler Pressechef Silvan Andrey gleich ein «Hello from Patrick Kane», welches Andrey gerne in die Bieler Katakomben weitergegeben hat, worauf einige geantwortet haben sollen «welcher Kane?». Wie Kane ist auch Yahatas Kollege, der Hüne (192cm, 97kg) aus Chicago in der Schweiz kein unbekannter. Der Schwede Mats Hallin bestritt in der Saison 1986-87 vier Spiele für den HC Lugano, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, HC Ambrì-Piotta-Bösewicht Misko Antisin zu verprügeln. Das Spiel zwischen Ambrì und Lugano ging als grösste Massenschlägerei im Schweizer Eishockey in die Geschichte ein.

Die Schweizer Draft-Kandidaten 

Wen wollen die beiden NHL-Scouts beobachten? Auf der Liste des NHL-Central-Scoutings ist von den heutigen Gegnern kein einziger Draft-Kandidat nominiert. Lions-Goalie Melvin Nyffeler wurde bereits im Vorjahr als möglicher Draft-Kandidat gehandelt. Die aktuellen Draft-Kandidaten sind Klotens Fabio Högger, Luca Hischier (Bern), Luca Fazzini (Lugano), Cédric Maurer und Patrick Brändli (beide Zug), Simon Kindschi und Gilles Senn (beide Davos), Noah Rod und Gauthier Descloux (Genf-Servette), Andy Ritz (Langnau), Noele Trisconi (Ambrì-Piotta), Fabian Heldner (Visp) und Silvio Schmutz (Thurgau).

Shin Yahata-Larsson wurde mit Kokudo fünfmal japanischer Meister, 1999 Liga-Topskorer, sowie ins All-Star-Team gewählt.

Der falsche Goalie und die Kamber Show

Simon Rytz war zwar die Nummer eins auf dem Matchblatt, spielte aber nicht. (Hervé Chavaillaz)

Biel gewinnt zum zweiten Mal im dritten Heimspiel den Zusatzpunkt nach Penaltyschiessen. Im Gedränge der Katakomben der Kabinengänge wird Biel-Goalie Simon Rytz interviewt. Auf die Frage eines Journalisten «heiter scho mau drü Penaltys ghäbt» muss sich Rytz kurz hintersinnen, denn der Lysser stand ja gar nicht im Tor!

Meili statt Rytz

Ausgangspunkt für den Lapsus gab die Mannschaftsaufstellung, denn gemäss Matchblatt wurde vor dem Spiel Rytz als Nummer eins im Spiel gegen den Kantonsrivalen aus Bern gemeldet. Tatsächlich steht aber Lukas Meili von Beginn weg zwischen den Pfosten – doch kaum einer bemerkt den Wechsel – was mir höchst bedenklich erscheint. Es ist als ob man bei einem Date erst nach zwei Stunden bemerken würde, dass die falsche Frau am Tisch sitzt.

Welcher Goaliewechsel?

Teilweise mussten die ganzen Matchberichte, welche während zwei Stunden auf Rytz geschrieben wurden nochmals gründlich revidiert werden – andere fragten wann denn Biel den Torhüter gewechselt hätte oder ob Biel auf das Penaltyschiessen einen Goaliewechsel vorgenommen habe. Selbstverständlich sind mir die Namen der betroffenen Medien entfallen. Zudem fängt Meili mit der rechten Hand, Rytz mit der linken.

Schläpfer wie Hartley?

«Das isch ä Fehler vo dämm wo s Matchblatt gschriebä het, mit so Sache befassi mi nid», sagte Kevin Schläpfer auf die Frage ob Rytz absichtlich als Nummer eins aufgeführt wurde. Wir erinnern uns an Bob Hartley, seine Mannschaftsaufstellungen sind schon heute Kult, denn seine wild durcheinander gewirbelten, unkorrekten Matchblätter waren Teil des siebten Meistertitels.

Kambers Vorankündigung

Alles andere als eine Irreführung war Oliver Kambers Facebook-Eintrag vor dem SCB-Spiel: «How many fans go to EHCB – SC BERN ?! Are you ready for Kamber’s show?» postete der Facebook-Profil-Verantwortliche des Baselbieters. Kamber’s Worten folgten Taten: Mit einem Zuckerpass war er Vorbereiter des Bieler Ausgleichstreffers, mit einem verwerteten Penalty war er der Vollstrecker beim Penaltyschiessen. Wer war nun der Matchwinner, Torhüter Rytz oder Kamber?

Kevin Schläpfer gratuliert Oliver Kamber zu seiner «Show.» (Hervé Chavaillaz)

Biel – Bern 2:1nP (0:0, 0:1, 1:0, 0:0)
Eisstadion. – 5’297 Zuschauer. – SR Kämpfer/Massy, Abegglen/Mauron. – Tore: 25. Kinrade (Ritchie) 0:1. 52. Cadonau (Kamber) 1:1. – Penaltyschiessen: Lehtonen -, Ellison -; Rubin, Spylo -; Gardner -, Kamber 1:0; Plüss -, Ulmer 2:0. – Strafen: Biel 3-mal 2 Minuten, Bern 7-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Kamber (Biel) und Bührer (Bern) als beste Spieler ausgezeichnet.
Biel: Meili; Untersander, Bell; Cadonau, Gloor; Fey, Gossweiler; Truttmann; Wieser, Kellenberger, Tschantré; Spylo, Kamber, Herburger; Ehrensperger, Peter, MacMurchy; Ulmer, Ellison, Wetzel; Füglister.
Bern: Bührer; Roche, Furrer; Kinrade, Hänni; Krueger, Randegger; Kreis; Pascal Berger, Ritchie, Vermin; Lehtonen, Martin Plüss, Rüthemann; Dostoinov, Gardner, Scherwey; Loichat, Bertschy, Rubin.

Captain Mathieu Tschantré interessiert den Goalie-Fauxpas der Medien nicht. (Hervé Chavaillaz)

Du weisst nichts!

Vierte Runde, 29. September 2012, erstes Spiel in Biel von Tyler Seguin, der NHL-Star kommt, trotz der 3:6-Niederlage gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers, wie für einen NHL-Star gewohnt, höflich zum Interview.

Knapp zwei Monate später, gleicher Ort, gleicher Spieler, wieder eine Niederlage (1:2 gegen Kloten). Seguin erscheint wieder zum Interview, dieses mal aber ist er aufgebracht und sagt „you know nothing!“ Wieso sagt er das? Ich habe die Boston Bruins schon gekannt bevor Seguin das Licht der Welt erblickt hat, geht mir leicht verärgert durch den Kopf.

„You know nothing!“

— Tyler Seguin

Ich sage ihm „would you like to talk about the Boston Bruins?“ Ich hätte mit dem Boston-Star gerne über die Bruins gesprochen. Die Situation beruhigt sich und das Interview mit dem Stanley-Cup-Sieger (2011) geht im üblichen Rahmen über die Bühne.

Die Erleichterung

Dennoch bin ich leicht perplex nach seiner Reaktion und frage mich was wohl los gewesen ist. Dann kommt mir ein lachender Bieler Medienchef entgegen und sagt, beim letzten Interview, sei Seguin wütend geworden, weil der Fernseh-Journalist kein Englisch konnte.

Beruhigt nehme ich das zur Kenntnis und werde die Begegnung wohl nie mehr vergessen. Nur vier Tage später habe ich den Nummer-zwei-Draft in Davos, bei einer weiteren Bieler-Niederlage (3:4) schon wieder vor dem Mikrofon, dieses mal aber wieder im höflichen Rahmen.

27. November 2012, ein genervter Tyler Seguin nach der 1:2-Niederlage gegen Kloten. (Hervé Chavaillaz)

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und Interview in Biel

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und Interview in Davos

Auf Chelios‘ Spuren…

Vor einem Interview bietet sich manchmal die Gelegenheit über ganz andere Dinge als den aktuellen Bieler 4:3-Sieg gegen Lugano zu diskutieren. Die Unterhaltung mit Mathieu Tschantré beginnt bei Rick Nash’s Hattrick in Davos und endet mit dem Bieler-Lockout-Star vor 18 Jahren.

Während des ersten NHL-Lockouts 1994-95 war der aktuelle Biel-Captain Mathieu Tschantré gerade Mal zehn Jahre alt und spielte bei den Moskitos des EHC Biel. Auf meine Frage ob er sich denn an das Engagement von Chris Chelios erinnern könne, antwortet Tschantré mit grosser Begeisterung: «Ich war im Freihockey als der NHL-Star Chelios im Bieler Eisstadion eingetroffen war, für uns war dies das Grösste.»

In dieser Woche trifft mit Tyler Seguin erneut ein ganz grosser aus der NHL in Biel ein. Seguin ist Biels grösster Transfercoup seit der Stippvisite (3 Spiele) Chelios‘ vor 18 Jahren. Der damals zehnjährige Mathieu empfängt dieses Mal den NHL-Star als Biel Team-Captain und womöglich wird auch da wieder ein Bieler Nachwuchsspieler den grossen Seguin bestaunen – und wer weiss in 18 Jahren…

Das verpasste NHL-Duell

Und übrigens… …vor 18 Jahren trafen die zwei grössten Attraktionen auf Schweizer Eis, Doug Gilmour und Chris Chelios mit Rapperswil-Jona und Biel nicht aufeinander. Chelios verletzte sich im dritten Spiel gegen Davos und musste frühzeitig nach Kanada zurückkehren. Eine Woche später mussten die Bieler ohne Chelios gegen Gilmour-Rappi ran. Diesen Samstag kommts nun doch noch zum NHL-Knüller zwischen Biel und Rapperswil, mit den Attraktionen Tyler Seguin (Boston Bruins) und Jason Spezza (Ottawa Senators).

Biel – Lugano 4:3 (1:1, 0:2, 3:0)
Eisstadion. – 4’341 Zuschauer. – SR Massy, Abegglen /Dumoulin. – Tore: 8. (7:44) Jordy Murray (Brett McLean, Blatter) 0:1. 9. (8:53) Füglister (Haas, Gloor) 1:1. 30. (29:17) Vauclair (Rüfenacht, Kamber /Ausschlüsse Wieser; Reuille) 1:2. 31. McLean (Vauclair, Heikkinen /Ausschlüsse Wieser; Reuille) 1:3. 44. Beaudoin (Dominic Meier) 2:3. 47. Wieser (Micflikier, Peter) 3:3. 57. Spylo (Pouliot, Beaudoin) 4:3. – Strafen: Biel 7-mal 2 Minuten, Lugano 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Marco Streit (verletzt), Untersander, Ehrensperger (beide überzählig) und Seguin (noch nicht eingetroffen), Lugano ohne Hirschi, Nummelin, Brady Murray (alle verletzt), Morant (gesperrt) und Sannitz (überzählig). Wetzel vom Puck getroffen und verletzt ausgeschieden (27.). Timeout Lugano (44.). Lattenschuss Spylo (57.). Lugano ab 58:12 ohne Torhüter.
Biel: Berra (Schmid); Dominic Meier, Huguenin; Grieder, Wellinger; Gossweiler, Kparghai; Trutmann; Wieser, Pouliot, Spylo; Micflikier, Peter, Beaudoin; Haas, Gloor, Füglister; Tschantré, Kellenberger, Wetzel; Lauper.
Lugano: Flückiger (Manzato); Heikkinen, Schlumpf; Vauclair, Ulmer; Kienzle, Blatter; Nodari; Diego Kostner, McLean, Jordy Murray; Domenichelli, Metropolit, Bednar; Reuille, Conne, Simion; Daniel Steiner, Kamber, Rüfenacht; Profico.

Holpriges Geknorze zum Auftakt

Die erste Station der neuen Meisterschaft heisst Biel, dies ist allerdings bereits meine sechste Partie. Wie viele Male ich wohl schon hier war? Als passiver Tribünengast, als aktiver Tribünengast oder als aktiver Spieler? Ich habe keine Ahnung, könnte es aber zurück bis 1989 eruieren. Vielleicht tuh ich das in einer schwachen Minute.

Auf der Pressetribüne unterhalte ich mich mit Biels Pressechef über das neue Lausanne-Trikot, Rögle BK Ängelholm, Dukla Jihlava und das aktuelle Spiel. Der Gegner heisst HC Ambri-Piotta, die Gäste haben ihre Farben gewechselt und spielen neu wieder in blauen statt roten Hosen.

Die Idee für meine Geschichte, ich habe etwas mehr als 1’100 Zeichen zur Verfügung, entspringt mir regelrecht auf dem Gang zur Toilette. Übrigens, in jedem Stadion gibts einen WC-Geheimtipp – auf welcher Toilette verliere ich während der Drittelspause am wenigstens Wartezeit?

Der Saisonstart ist nicht nur für den Bieler-Stadion-Speaker etwas holprig, sondern für zahlreiche weitere Protagonisten, dazu gehören auch meine 1’100 Zeichen, ein wahres Geknorze…

Schwedische Titelstory aus Biel

Das Foto (Chris Habegger) schafft es ins Helsingfors Dagblad, ein herzlicher Empfang für die Südschweden in Biel. Eine herzliche Begrüssung gibt es für die Südschweden während eines Freundschaftsspiels in Biel. Nicht nur die Spieler des schwedischen Zweitligisten staunten nicht schlecht, sondern auch die Journalistin Sara Johansson, welche das Willkommensfoto für ihre Titelseite des Helsingborgs Daglad haben wollte.

„Vällkommen RBK till Biel.“

— Andreas Freitag (Seeschwalbe Biel)

Schwedische Teams in Biel haben eine langjährige Tradition. Was in den 80er und 90er Jahren mit Huddinge IK begonnen hat, nimmt seine Fortsetzung mit Rögle BK Ängelholm. Und die Aussenseiter aus der zweiten schwedischen Liga Allsvenskan waren mehr als nur ein Sparringpartner, angeführt vom Ex-Bieler Eric Himelfarb forderten sie den Bielern, aus dem Trainingslager von der Lenzerheide kommend, alles ab und siegten im Penaltyschiessen.

Biel – Rögle BK 3:4nP (1:2, 2:0, 0:1, 0:0, 0:1)
Eisstadion. – 1’023 Zuschauer. – SR Eichmann, Bürgi/Mauron. – Tore: 6. Bergström 0:1. 10. Tschantré (Grieder, Peter) 1:1. 20. Panelin-Borg (Himelfarb) 1:2. 25. Wieder (Miéville) 2:2. 34. Gloor (Haas) 3:2. 59. Brithén (Himelfarb/Rögle ohne Torhüter) 3:3. – Strafen: Je 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Rouiller, Scalzo, Spylo (alle verletzt) und Streit (krank).
Biel: Berra; Gossweiler, Grieder; Wellinger, Preissing; Huguenin, Steinegger; Fröhlicher, Kparghai; Ehrensperger, Peter, Tschantré; Truttmann, Miéville, Wieser; Lauper, Bordeleau, Beaudoin; Haas, Gloor, Wetzel; Zigerli.

Nostalgisches anno 1982

Samstag, 21. November 2009 – Nostalgie im Eisstadion Biel. Zum 70-jährigen Jubiläum spielt der EHC Biel im blauen Retro-Trikot der 83er Meistersaison. Im Vorfeld dieser Partie (Biel-Fribourg) recherchiere ich nach alten Ergebnissen und Spielern der Saison 1982/83.

Die Resultate aus der Saison 1982/83 zwischen Biel und Fribourg waren sehr Torreich: 7:2, 10:4 und 1:7, lauteten die Heimspiele für die Seeländer. Biel krönte die Saison 1982/83 mit dem dritten und bis heute letzten Meistertitel.

Einer der damals hautnah dabei war, ist der aktuell bei TSR arbeitende Robert „Robelon“ Meuwly. Natürlich konfrontiere ich ihn vor dem Spiel mit der Vergangenheit. Ich staune nicht schlecht als er mir erzählt: „hier haben wir 1982/83 eine deutliche Abfuhr bekommen, zehn Gegentore hab‘ ich damals in einem Spiel kassiert!“

Tatsächlich, es gab ein 10:4 sage ich zu ihm. Robert Meuwly sagt darauf: „ich weiss noch genau an welchem Tag es war“, ich bin verblüfft, Meuwly weiss noch das genaue Datum? Er scheint mindestens so Hockeyverrückt zu sein wie ich?! Er erinnert sich an den 28. September 1982, an jenem Tag hat seine Frau Geburtstag und Meuwly sagte ihr an jenem Morgen: „Heute mache ich ein Shutout, ich fühle mich grossartig, ich schenke dir einen Shutout zum Geburtstag.“

Die aussergewöhnliche Geschichte des Dukla-Trikots

Foto: Chris Habegger (rechts) freut sich über das verlorene Dukla-Juwel. (Sandro Stutz)

Eine nicht unbekannte Lokalität in Lyss, es ist Herbst im Jahr 1996, ich und mein Freund Claude M. sind mit seiner Kollegin Nadine H. im Ausgang. Trotz der anwesenden Dame wird an diesem Abend auch über Eishockey gesprochen. Aus dem Gespräch heraus ergibt sich der Zufall, dass Nadine H. ein seltenes tschechisches Eishockeytrikot des Traditionsclubs Dukla Jihlava besitzt. Sie meint, ich könne dieses «Liibli» haben, sie habe es geschenkt bekommen. Beim nächsten Treffen kommt es in der Tiefgarage der nicht unbekannten Lokalität zur Trikot-Übergabe, welche mich höchstens zwei Drinks an die nette Dame kostet.

Es beginnt im Bieler Eisstadion

Doch das ist nicht der Anfang, die Geschichte beginnt schon ein paar Jahre vorher. Der damalige EHC Biel-Fan und heutige Medienverantwortliche Chris Habegger hat anno der 90er Jahre eine nette junge Dame auf der Stehplatztribüne im Bieler Eisstadion kennengelernt. Habegger war schon damals nicht nur Biel-Anhänger, sondern auch ein grosser Bewunderer der tschechoslowakischen Eishockey-Kunst und vorallem Dukla Jihlavas. Aus liebe zu besagter junger Dame, kauft er beim Eishockey-Detailhändler Albert Müller zwei gleiche Trikots des berühmten Armee-Sportklubs, eines für sich und eines für seine Liebe. Wie es bei jungen Liebesgeschichten so läuft, trennten sich nicht nur die Wege des Liebespaars, sondern auch noch die Wege der beiden Dukla-Replicas der Marke Yvette!

Das Tauschgeschäft

Jahre vergehen, Beziehungen gehen auseinander, Eishockeyvereine steigen ab (wie Dukla Jihlava 2005) und verschwinden im irgendwo im Nirgendwo. So verliert auch das Dukla-Trikot der jungen Frau seine Bedeutung. Noch vor 1996 übergibt die ehemalige Freundin Habeggers das besagte Trikot ihrer jüngeren, damals eishockeyverrückten, Schwester Nadine H. Aber auch Nadine H. findet am gelben Hockeylumpen ihrer Schwester kein Gefallen und gibt diesen bei der nächstmöglichen Gelegenheit kurzerhand für zwei Drinks an den Blogschreiber ab.

Der Kreis ist damit noch nicht geschlossen. Zu Beginn der aktuellen Saison 2008-09 lerne ich aus «beruflichen Gründen» Biels Medienchef Habegger kennen. Ich weiss, dass er nebenbei auch dem Dukla-Jihlava-Fanklub Schweiz vorsteht. In der logischen Folge unterhalten wir uns öfters über das tschechoslowakische, tschechische und slowakische Eishockey und die Trikot-Geschichte kommt ans Tageslicht. Sofort erkennt der «Kenner», dass es sich um sein Jihlava-Jersey der Marke Yvette handeln muss.

Zurück zu seinem Besitzer 

Nach einer 17-jährigen Odyssee, kommt das verloren geglaubte «Liibli» endlich wieder zum Vorschein. Was für eine aussergewöhnliche Geschichte, das Replica ist mehr als nur ein normales Eishockeytrikot. Eine unerfüllte Liebesgeschichte hängt mehr als ein Jahrzehnt in meinem Kleiderschrank. Praktisch zeitgleich mit der Übergabe an mich (1996) spielt der EHC Biel während 13 Jahren (1995-2008) in der Nationalliga B, es ist als hätte Biels Aufstieg ein direkter Zusammenhang mit dem verschwundenen Trikot. Ohne die Bieler Rückkehr ins Oberhaus hätte ich Habegger nie kennengelernt und das Replica wäre noch heute in meinem Schrank. Das «Hockeyliibli» ist wieder bei seinem alten Besitzer und wird womöglich sogar an Dukla Jihlava zurückgegeben. Die Geschichte geht weiter…

Hektik in extremis an gewohnter Spielstätte

Die Ruhe vor dem Spiel verspricht noch keine Hektik. (Krein)

Eisstadion Biel, eine mir sehr bekannte Spielstätte. Nach der Lysser Eissporthalle habe ich hier die meiste Zeit verbracht. Als zehnjähriger habe ich hier die ersten Eishockeyspiele gesehen. Als aktiver habe ich ein paar Dutzend Spiele als Gegner absolviert, später in der 3. Liga war es meine Heimspielstätte und nochmals kam ich als Gegner nach Biel. Meine 3. Liga Premiere erlebte ich 1997 mit einem Sieg und einem Tor in Biel. Ausgerechnet in Biel sollte ich heute Abend wieder eine Premiere erleben. Die Premiere als „schreibender Journalist“, vorher war ich fürs Fernsehen auf der gegenüberliegenden Seite, doch heute Abend durfte ich mich einer neuen Herausforderung stellen im „zarten“ alter von 31 Jahren.

Das Spiel nahm seinen Lauf, es kam so wie ich es mir nicht erhofft hatte. Das schlimmste was passieren konnte war ein langweiliges, einseitiges und unspektakuläres Spiel, welches keine Geschichten hervorbringen würde. Genau dieses Spiel wurde es. Beinahe hätte der „Aufhänger“ ein Tor erziehlt und eine perfekte Story hätte geschrieben werden können. Doch es kam anders und der erwähnte Spieler, ich habe ihn „Aufhänger“ genannt, traf das Tor nicht. Er kam mir vor wie Krein in seiner Aktivzeit, habe ich doch in Biel auch zahlreiche Torchancen nicht genutzt. Ich erinnere mich an ein Spiel mit dem SC Scheuren gegen den SC Hölstein-Niederdorf wo ich dreimal alleine auf den gegnerischen Torhüter ziehen konnte und dreimal versagte. Doch heute Abend durfte ich nicht versagen.

Natürlich klappt es nicht

Das erste Drittel war vorbei und ich hatte noch kein Drittel des Textes in meiner Word-Datei. In der zweiten Pause schrieb es sich dann besser und schliesslich musste ich am Schluss wieder kürzen, umstellen, ändern, verschieben, löschen und umschreiben. Die Zeit ging wie im Fluge und die Matchuhr zeigte 17:47 im letzten Drittel. Noch eine halbe Stunde bis der Text in der Redaktion sein musste. Danach überschlugen sich die Ereignisse, Spielschluss, Textschluss und Wireless-Schluss! Von der Tribüne hatte ich keine Internetverbindung, so zog ich um, in den Presseraum, dort wieder neu anschliessen (weil der Scheiss-Akku keine Sekunde ohne Stromanschluss läuft!!) und es nochmals versuchen. Natürlich klappte es nicht und mir blieben noch zehn Minuten um zu übermitteln.

Dies hätte auch nicht gereicht um mit dem Auto nach Aarberg zu fahren und von dort aus den Text zu senden. Der Retter war der Radio-Mann der SRG, welchen ich flüchtig kannte. Seine Mausmatte zierte das Logo der Hockey WM in Quebec (siehe Blog „von Helden und Deppen“) und für einen Moment hatte ich das beleuchtete Schloss von Quebec vor Augen. Mit meinem USB-Stick konnte ich die Daten von seinem Notebook mittels meinem E-Mail-Account genau um 22 Uhr 30 (Redaktionsschluss) übermitteln. Danach das Kontrolltelefon und es war geschafft.

Wie die Griechen

Wie die Griechen die olympischen Spiele von Athen rechtzeitig eröffnen konnten, konnte ich rechtzeitig einen schlussendlich kurzen Text übermitteln. Genau dies ist mir vor zehn Jahren nicht gelungen, den Torhüter konnte ich dreimal nicht bezwingen, doch wenigstens hatten wir die Partie mit 5:1 gewonnen. Bei aller Hektik und allem Zeitdruck, alles in allem eine gelungene Premiere? Morgen werd ich’s erst richtig wissen…

Blick, vom 3. Dezember 2008