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Schlagwort-Archiv HC Davos

Das verpasste NHL-Duell

Foto: Trafen in der NHL nie aufeinander, Reto Berra und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)

Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.

Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.

Erstes Duell nach der NHL-Karriere

Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.

Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.

Fünf Duelle vor der NHL-Karriere

Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.

In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.

Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.

Die Duelle Berra gegen Hiller
5. März 2006, 2:5 in Davos
3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz)
5. März 2007, 2:4 in Davos
8. März 2007, 1:3 in Zürich
10. März 2007, 0:3 in Davos
28. September 2018, 3:2 in Biel
16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg
7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg
8. Dezember 2018, 4:1 in Biel
5. Januar 2018 in Biel
16. Februar 2018 in Freiburg

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Der HC Davos greift nach Edelmetall

2006-01-06-Frolunda-Davos

Martin Plüss (#28) musste vor zehn Jahren mit den Frölunda Indians gegen die Davoser Marc Gianola und Reto von Arx unten durch. (Foto: passionhockey.com)

Neben dem Schweizer-Vertreter HC Davos, spielen der finnische Landesmeister Kärpät Oulu (Fi), Frölunda Indians HC Göteborg (Sd) und Lukko Rauma (Fi) um den Finaleinzug der Champions-Hockey-League. Noch keiner der vier Halbfinalisten konnte seit Einführung des Europacups 1965/1966 einen europäischen Titel gewinnen.

Die beiden letzten offiziellen europäischen Titel gewannen mit Lulea HF (2015) und den ZSC Lions (2008) Vertreter aus Schweden und der Schweiz. Nun stehen sich die Kontrahenten der beiden letzten Sieger-Nationen bereits im Halbfinal gegenüber.

Schlechte Erinnerungen an den HCD

Zum zweiten Mal in der Klubgeschichte trifft Davos in einem Europacup-Spiel auf die Frölunda Indians. Beim letzten Aufeinandertreffen am 6. Januar 2006 deklassierten die Bündner die Westschweden (Västra Svenska) beim European-Champions-Cup (ECC) gleich mit 6:2.

Die beiden Mannschaften haben mit den Teams vor zehn Jahren nicht mehr viel zu tun. Nur noch Davos-Trainer Arno del Curto, Andres Ambühl und die Frölunda-Stürmer Joel Lundqvist (Zwillingsbruder von Rangers-König Henrik) und Robin Figren sind noch dabei. Ebenfalls mit von der Partie beim schwedischen Meister war damals Berns Martin Plüss (er sass beim ersten Davoser Treffer auf der Strafbank).

Frölunda liegt an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL)

Während der HCD auf eine ganze Sturmreihe (Gregory Sciaroni, Dario Simion und Marcus Paulsson) verzichten muss, kann die Mannschaft von Roger Rönnberg in Bestbesetzung antreten, nur Verteidiger Lukas Bengtsson fehlt verletzungsbedingt. Die Schweden liegen nach dem 6:0-Sieg am 9. Januar gegen Färjestads BK Karlstad an der Tabellenspitze der Swedish-Hockey-League (SHL) und scheinen für den CHL-Halbfinal gerüstet.

Für Davos ist es nach 1985, 1986, 2006 und 2008 die fünfte Teilnahme an einem europäischen Klub-Wettbewerb, 2006 gab es European-Champions-Cup-Bronze. Frölunda kämpft zum vierten mal um europäisches Edelmetall, für die Schweden gab es 1997 EHL-Bronze und im Vorjahr mussten sich die Indianer erst im Final gegen ihre Landsmänner aus Lulea geschlagen geben.

Die Davoser Europacup-Bilanz gegen schwedische Teams

5. Februar 1986 in Davos, Södertälje SK 5:9 (3:2, 0:5, 2:2)
6. Februar 1986 in Zürich, Södertälje SK 5:9 (2:1, 2:5, 1:3)
6. Januar 2006 in St. Petersburg, Frölunda Indians HC Göteborg 6:2 (2:0, 2:1, 2:1)
20. August 2015 in Karlstad, Färjestads BK Karlstad 4:0 (0:0, 3:0, 1:0)
28. August 2015 in Davos, Färjestads BK Karlstad 0:1 nV (0:0, 0:0, 0:0, 0:1)
1. Dezember 2015 in Davos, Skelleftea AIK 1:1 (1:0, 0:1, 0:0)
8. Dezember 2015 in Skelleftea, Skelleftea AIK 4:1 (2:0, 0:1, 2:0)

Der Spielbericht vom 6. Januar 2006

Frölunda Indians HC Göteborg – HC Davos 2:6 (0:2, 1:2, 1:2)
Eispalast, St. Petersburg. – 2’500 Zuschauer. – SR Karabanov (Ru); Elistratov, Kalinin (Ru). – Tore: 13. Wilson (Ackeström, Marha/Ausschluss Plüss) 0:1. 17. Wilson (Guggisberg) 0:2. 22. Marha (Guggisberg, Hauer/Ausschluss Sundin) 0:3. 24. Oduya (Witehall/Ausschluss Christen) 1:3. 28. Hauer (Wilson/Ausschluss Niemi) 1:4. 43. Jan von Arx (Reto von Arx, Riesen/Ausschluss Tukio) 1:5. 48. Reto von Arx (Hauer, Riesen/Ausschlüsse Niemi, Lundqvist) 1:6. 53. Kallio (Koivisto, Sundin/Ausschluss Hahl) 2:6. – Strafen: Je 9mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Frölunda ohne Kahnberg, Tolsa, Esbjörs (alle verletzt), Axelsson und Sebastian Karlsson (U20 WM). Davos ohne Heberlein und Winkler (beide verletzt).
Frölunda: Salo; Sundin, Koivisto; Alavaara, Niemi; Oduya, Tukio; Porseland, Demén-Willaume; Andersson,  Johnson, Kallio; Madsen, Plüss, Högardh; Lundqvist, Patrik Karlsson, Witehall; Figren, Zackrisson.
Davos: Hiller; Jan von Arx, Gianola; Blatter, Hauer; Kress, Ackeström; Häller, Arne Ramholt; Hahl, Reto von Arx, Riesen; Wilson, Marha, Guggisberg; Willis, Rizzi, Christen; Bruderer, Sutter, Ambühl.

 

Der Erdnuss-Pokal

Der Twin Skate kurz nach dem Hebeversuch von HCD-Teamleiter Paul Berri. (Foto: Screenshot SRF)

Der Twin Skate kurz nach dem gescheiterten Hebeversuch von HCD-Teamleiter Paul Berri. (Foto: Screenshot SRF)

Seit 1981 ist das HC Davos-Urgestein Paul Berri im Betreuungsstab des 31-fachen Schweizermeisters. In 34 Jahren hat Berri acht Schweizer-Meistertitel (1984, 1985, 2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015) mit dem HCD gefeiert. Beim achten- und gleichzeitig 31. Titel des Klubs lässt Berri in den Katakomben des Hallenstadions den gelben Plexiglaspokal fallen und der als «unzerstörbar» geltende «Twin-Skate» zerfällt in seine Einzelteile. Kein aktueller Betreuer hat mehr Pokale und Meistertitel gefeiert als der HCD-Teamleiter. In Berris Laufbahn waren schon vier verschiedene Meister-Pokale im Umlauf, drei davon gingen schon durch Berris Hände. Der aktuellste ging eine halbe Stunde nach der Pokalübergabe in die Brüche. War der Kult-Betreuer etwa zu fahrlässig?

Pokaltechnisch ein Eishockey-Entwicklungsland

Nein. Die Schweiz ist das einzige Land mit einem Plexiglas-Pokal, sogar die Neuseeländer und Spanier jubeln mit traditionsreichem Edelmetall. Seit 1997 feiert der Schweizermeister jeweils in Glas oder Kunststoff. Der SC Bern gewann 1997 als erstes den hässlichen blauen «Schirmständer». Zehn Jahre hat der Schirmständer, welcher auch schon geklaut, zerscherbelt und umgespritzt wurde, überlebt. Den letzten Schirmtitel feierte der HC Davos 2007, ehe der neue postgelbe «Plexi-Ständer» mit dem sechsten Meistertitel der ZSC Lions 2008 seine Premiere feiern konnte. Der von der Designagentur Hug & Dorfmüller gestaltete «Twin-Skate», wurde bei seiner Vorstellung als unzerstörbar betitelt. So kurz wie 2015 war seine Lebensdauer nach einem Titelgewinn aber noch nie, glücklicherweise soll es nur ein Replica gewesen sein.

 If you pay peanuts, you get monkeys – Zitat von Sir James Goldsmith

René Huguenin (HC La Chaux-de-Fonds) stemmt 1973 den letzten echten Schweizer Pokal zum sechsten Titelgewinn in Serie in die Höhe. (Foto: Sport Hits)

René Huguenin (HC La Chaux-de-Fonds) stemmt 1973 den letzten, echten Schweizer Pokal zum Titelgewinn in die Höhe. (Foto: Sport Hits 1973)

2008 hat sich der ehemals Schweizerische Eishockeyverband (SEHV) marketingtechnisch ein neues Label verpasst. Die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) hat sich der Amerikanisierung des Westens angepasst. Seither wird hier nicht mehr in der traditionellen Nationalliga A und B, sondern in der «National-Hockey-Lea…», natürlich der «National League A and B» gespielt. Anstatt sich pokaltechnisch dem Westen, welcher die Tradition sämtlicher Trophäen ehrenhaft zu pflegen weiss, anzupassen hat die sich die Liga leider nur Namenstechnisch angepasst und damit gleich zwei Identitäten verloren: Den Liga-Namen, gegründet 1937, und den Pokal.

Die verlorene Pokal-Kultur 

Der letzte, richtige Pokal wurde mit dem sechsten Titelgewinn des HC La Chaux-de-Fonds 1973 aus dem Verkehr gezogen, seither gibts in der Schweiz nur noch «Erdnuss-Pokale». Sir James Goldsmith sagte einmal: «If you pay peanuts, you get monkeys» (Wer nur mit Erdnüssen bezahlt, braucht sich nicht wundern wenn er von Affen bedient wird), nichts passt treffender als die Plastik-Krönung des Schweizermeisters und dessen Umgang mit dem Lohn für den Titel. Der «Twin Skate»  hat weder Kult noch Tradition, daher ist auch ein «fallen und liegen lassen» für einen frischgebackenen Schweizermeister nur eine Randnotiz. Ein echter und geschichtsträchtiger Pokal wie etwa der Omega-Pokal (bis 1957 in einer siebener-Serie vom EHC Arosa gewonnen) würde auch in der Schweiz in ehrenhafter und «nordamerikanischer Tradition»  den Respekt von Trainern, Spielern, Betreuern und Medien ohne auch nur den Hauch von Erdnuss-Kontamination geniessen können.

 

 

 

 

 

 

 

Der Omega-Pokal 1957, im nordamerikanischen Stil. (Foto: Chronik EHC Arosa)

Der Omega-Pokal 1957, im nordamerikanischen Stil. (Foto: Chronik EHC Arosa)

Pokalhistorie der NLA:

1946/47* – 1956/57 Omega-Pokal
1957/58 – 1972/73 Pokal
1973/74 – 1990/91 Omega-Pokal II
1991/92 – 1995/96 Bleikübel
1996/97 – 2006/07 Schirmständer
2007/08 Twin Skate

*Angabe ohne Gewähr

Lockout, Australien und Rapperswil

Zwei ehemalige Australien-Söldner: Michael Krein und Andreas Camenzind (Rapperswil-Jona Lakers).

In der 14. Minute erzielt Andreas Camenzind durch ein herrliches Zuspiel Adrian Wichsers den 1:1-Ausgleich gegen den HC Davos. Die Lakers gewinnen das zweite Saisonspiel mit 3:2 nach Verlängerung gegen Davos. Für den zum Verteidiger umfunktionierten Camenzind ist es der erste Treffer der neuen Saison.

Und – es ist der erste Treffer seit «nur» knapp vier Monaten, Camenzinds Pause dauerte kürzer als die seiner Teamkollegen. Seinen letzten Treffer erzielte er mitten im Sommer oder im australischen Winter, am 19. Mai 2012 vor 260 Zuschauern in Melbourne mittels Penalty gegen den Australier Fraser Carson im Tor der Melbourne Mustangs.

Irgendwie verrückt, nach 7 Spielen und 17 Punkten bei den Gold Coast Blue Tongues in Brisbane kehrte der gebürtige Wettinger wieder an den Zürichsee zurück. Nun heissen die Gegner wieder ZSC Lions und HC Davos statt Melbourne Ice und Adelaide Adrenaline und die Mitspieler Jason Spezza statt Marco Bertossa…

Zweierlei des Saisonauftakts

Mit «Moskaue in Davos» wurde das Bild betitelt. Das Foto stammt aber von der Europacup-Partie vom 28. Februar 1985, welches der HC Davos in Bern gegen ZSKA Moskau (4:7) gespielt hat.

HCD-Kult-Goalie Richard Bucher 1985 im Europacup Spiel gegen ZSKA Moskau. (Foto: SRF)

HC Davos gegen Kloten Flyers ist mein NLA-Auftakt 2012-13. Aber nicht etwa in Davos, sondern im Zürcher Leutschenbach. Ein Zusammenschnitt von 12 Minuten ist geplant, kommentiert durch Jann Billeter. Dies ist eine ganz neue Situation, sitze doch sonst ich live im Stadion und Billeter, Jaggi und Co. in Zürich am Schnittplatz hinter den Bildschirmen.

Noch vor dem Spielstart um 19.45 Uhr meldet sich Radio-DRS-Journalist Mathias Marti aus Berlin. Auf meinen Rat geht er in der O2 World zum DEL-Auftaktspiel Eisbären Berlin (ehemals SC Dynamo Berlin) gegen die Straubing Tigers.

Schweigeminute für Richard Bucher

In der Zwischenzeit läuft auf dem Bildschirm die Schweigeminute für den letzte Woche verstorbenen HCD-Kultgoalie Richard Bucher. Ich kann mich genau an Buchers letzte Aktivsaison 1988-89 erinnern, von dieser Mannschaft habe ich irgendwo noch ein Mannschaftsposter mit allen Unterschriften.

Zurück ins Jahr 2012, Davos und Kloten, welche übrigens endlich wieder mit ihrem «alten» Klublogo antreten, haben zusammen gerade Mal fünf Ausländer auf dem Matchblatt. Aus finanziellen Gründen oder bereits zukunftsorientierten Wunschvorstellungen. Falls der NHL-Lockout erneut eintreffen würde, kämen Joe Thornton, Rick Nash und Nino Niederreiter zu den Bündnern.

Marti aus Berlin

Davos verliert die Partie im Penaltyschiessen durch einen sehenswerten Penalty Simon Bodenmanns. Schon etwas vorher kommt ein MMS aus der Berliner-Eisbären-Loge von Reporter Marti, welcher mir die 1:3-Niederlage der Eisbären mitteilt. Die 1. Runde von 50 NLA-Qualifikationsspielen oder Spiel 1 von 52 DEL-Runden sind bereits wieder Geschichte.

Prestige um den Davoser Blumentopf

Dr. Carl Spengler

Das Prestigeträchtigste Eishockeyturnier der Welt? So wird der Spengler Cup jedes Jahr aufs Neue angekündigt. Dieses Jahr messen sich der Tschechische-, Deutsche- und Schweizer Vizemeister, KHL-Viertelfinalist Dinamo Riga, das traditionelle Team Canada und natürlich der HC Davos. Das Turnier mag von Prestige und Tradition leben, nicht aber von Klasse und schon gar nicht von sportlichem Wert, denn der Spengler Cup-Sieger gewinnt nicht mehr als ein Blumentopf eines Freundschafts-Turniers. Nur Dank der Unfähigkeit des Internationalen Eishockeyverbandes – Europäische Klubwettbewerbe sind das ewige Sorgenkind – verkommt der Spengler Cup zum vielleicht besten Klubturnier ausserhalb der NHL. Hauptprofiteur des Spengler Cups ist der HC Davos, welcher ohne sein Turnier längst in den Niederungen der 1. Liga verschwunden wäre. Dank des Spengler Cups spielt der HCD seine eigene „Klub WM“ und so kommen die Nati-Verweigerer – welche in Davos reichlich vorhanden sind – doch noch zu internationalen Titelkämpfen. Für die HCD-Stars Reto von Arx, Josef Marha, Beat Forster und Co. ist dies, neben den Playoffs, das höchste aller Gefühle. Mehr wollen und brauchen die Wahlbündner nicht. „Prestigeträchtig“ lautet der Leitsatz. Was für ein Prestige, sich gegen Wolfsburger, Ostrauer, Letten und drittklassige Kanadier messen zu können. Schade war Dr. Carl Spengler kein Aroser, denn dann würde der EHC Arosa unter Arno del Curto in der Altjahrswoche zum Spengler Cup bitten. Und der HCD? Würde sich mit Prestigeträchtigen 1. Liga Spielen gegen Chur und Winterthur begnügen müssen. Klar ist, „wäre“ und „würde“ gibt es nicht und der Spengler Cup bleibt das einzig überlebende Klubturnier von Weltformat.

Schwere Jungs am Industriecup

Seelandhalle Lyss, der HC Davos-Car fährt vor, Paul Berri, dienstältester Betreuer aller Ligen und Länder aller Zeiten, entsteigt dem «Stiffler-Car» mit den Worten «wia henders?» Er erzählt vom heutigen Fussballspiel des Schweizermeisters gegen die «schweren Jungs» aus dem Knast in Regensdorf, welches aus Bündner Sicht mit 0:1 verloren ging. «Dia hend a paar ganz schweri Jungs», sagte Berri beindruckt.

Intensives Programm

Das Programm der Davoser ist intensiv. Am Vormittag ein Eistraining in Davos, Fussballspiel in Regensdorf, Industriecup Spiel in Lyss gegen den tschechischen Vizemeister und künftigen Spengler Cup-Teilnehmer HC Vítkovice Steel (1:3). Dann das obligate Nachtessen in Aspi bei Seedorf, die Bündner gastieren anlässlich des Industriecups immer im Restaurant Kreuz, spät Abends die Rückfahrt ins Bünderland. Am nächsten Vormittag folgen gleich zwei Eistrainings in Davos, denn auch die Bündner sind «schweri Jungs.»

HC Davos – HC Vítkovice Steel 1:3 (0:0, 1:1, 0:2)
Seelandhalle Lyss. – 562 Zuschauer. – SR Eichmann, Kämpfer; Huguet, Wermeille. – Tore: 27. Taticek (Reto von Arx) 1:0. 29. Burger (Klimek, Malik) 1:1. 47. Huzevka (Strurc) 1:2. 59. Klimek (Burger/Ausschluss Neher) 1:3. – Strafen: Davos 4-mal 2 Minuten. Vítkovice 11-mal 2 Minuten.

Die Kehrseite der Medaille oder Können statt Wollen!

Reto Von Arx, Chicago Blackhawks30 Meistertitel seit 1921 – oder 5 Meistertitel in den letzten zehn Jahren – was für eine Bilanz! Die Baumeister aller fünf Erfolge seit 2002 sind Arno Del Curto und Reto von Arx. Das Erfolgsduo funktioniert schon in der Juniorern Nati, als die Schweizer (vorher nur Kanonenfutter) an der Junioren WM 1995 in Boston erstmals die Kanadier an den Rande einer Niederlage bringen. Das Duo ist für den HC Davos ein wahrer Glücksfall, ich behaupte: „ohne das Duo Del Curto/von Arx wäre Davos höchstens Mittelmass. Für den HCD also ein Glücksfall, nicht aber fürs Schweizer Eishockey.

Ein Spieler wie von Arx hätte sich in der NHL durchsetzen können/müssen! Seine Klasse ist unbestritten, der Emmentaler hätte es in Übersee packen können, er ist nicht schlechter als Jochen Hecht oder Marco Sturm (um nur zwei Beispiele unseres Deutschen Nachbars zu nennen). Reto von Arx ist lieber ein König in der NLA, als ein Prinz in der NHL. In keinem anderen Land spielt der wohl beste Stürmer nicht fürs Nationalteam – genug Befriedigung für einen Stürmer wie von Arx? Ist der Schweizermeistertitel oder ein Spengler Cup Pokal das höchste aller Eishockey Gefühle? Auf diese Frage würden mir Mark Streit und Nino Niederreiter wie Arno del Curto mit einem „Kopfschütteln“ den Rücken zukehren.

Desselbe gilt für den Davoser Erfolgstrainer. Der König unter den NLA Coaches begnügt sich mit nationalen Meistertiteln und Spengler Cup (ein Freundschaftsturnier) Pokalen – mehr will er nicht? Genau so wie sich Reto von Arx in der NHL hätte durchsetzen können, hätte Arno Del Curto die Schweizer Nati zu einer Medaille führen können. Dennoch begnügt sich der Engadiner lieber in der „Bündner Komfortzone.“ Für das Duo Del Curto/von Arx ist ein Schweizermeistertitel die höchste Form ihrer „selbstverwirklichung des Eishockeys.“

Wie gesagt, für die einen ein wahrer Glücksfall, für die anderen ein Jammer – und – „hätten“ und „wären“ gibt es genau so wenig, wie von Arx im Trikot der Blackhawks oder Del Curto hinter der Schweizer Bande. Dennoch, herzliche Gratulation zum 5. oder 30. Meistertitel!

Arno