Wer hat das Zähringer-Derby erfunden?

Die Playoffs 2025 bescheren uns in den Viertelfinals das «Zähringer-Derby» und damit die gewohnte Renaissance des Deutschen Adelsgeschlechts. Doch seit wann spricht man eigentlich vom Zähringer-Derby? Die Herzöge Berthold IV und V von Zähringen waren 1157 (Freiburg) und 1191 (Bern) für die Stadtgründung, das Stadtrecht und das Stadtbaukonzept verantwortlich. Unter den Herzögen von Zähringen entstanden im Mittelalter zwölf Städte in Deutschland und der Schweiz, darunter die Eishockey-Relevanten Standorte Bern, Burgdorf, Freiburg im Breisgau, Fribourg, Rheinfelden, Thun und Villingen-Schwenningen.

In der Blütezeit spielten vier Zähringer-Städte, je zwei in Deutschland und der Schweiz, in der obersten Spielklasse. Das erste Zähringer-Derby gabs am 30. September 1980 in der Augustiner-Kunsteisbahn in Freiburg vor 4’200 Zuschauern, NLA-Aufsteiger Gottéron siegte mit 4:1. Die Eishockey-Legende Jakob Lüdi, er sitzt/sass auch bei der aktuellen Serie im Stadion, erzielte einen Hattrick und eröffnete in der 4. Minute das Skore der Geschichte dieses Derbys. Dies geschah ein Jahr vor den Nachbarn aus dem Lande der Gründerväter, welche am 27. September 1981, ihr erstes Derby zweier Zähringerstädte im Oberhaus zu sehen bekamen, der Schwenninger ERC siegte vor heimischem Publikum mit 5:4 gegen den EHC Freiburg. 1993, ein Jahr vor DEL-Gründung, musste der EHC Freiburg Konkurs anmelden und verschwand von der deutschen Eishockey-Landkarte. Seither spielten Freiburger und Schwenninger nie mehr gemeinsam in der obersten Spielklasse. So ist die Paarung zwischen Bern und Freiburg-Gottéron heute weltweit das einzige Derby zwischen Zähringerstädten.

Doch über «Zähringer» und «Eishockey» spricht man erst seit diesem Jahrtausend. Die ersten zwei Playoff-Serien zwischen Bernern und Freiburgern gingen 1991 und 1992 noch fern vom Deutschen Adelsgeschlecht durch die Medien. Erst die dritte Serie, 2008 wurde medial als «Zähringer-Derby» verkauft. Derweil lief in der Zentralschweizer 1. Liga, mit Thun gegen Burgdorf, zwischen 1984 Und 2017 ebenfalls ein Derby der Zähringerstädte. In der Saison 1999/00 gesellte sich gar noch der EHC Rheinfelden für ein Jahr dazu und spielte mit dem Namen «Zähringer» im Logo, die Derbys gegen die beiden Berner Mitstreiter.

Sportjournalistisch sprach «Der Bund», am 29. Februar 1960, anlässlich des NLB-Fussball-Spiels zwischen dem FC Bern und dem FC Freiburg, erstmals von einem «Zähringer-Derby», Es dauerte bis ins Jahr 2002, ehe der Begriff «Zähringer» sich ins Eishockey einschlich. Jürg Vogel, er tippte u. a. auch unter dem Pseudonym George Bird für SLAPSHOT, schrieb in der NZZ, vom 14. September 2002, über das Duell der beiden «Zähringerstädte.» In der Folge verbreitete sich der Begriff «Zähringer-Derby» wie deren Baukunst im Mittelalter. Die Berner Altstadt gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe und vielleicht findet auch das weltweit einzigartige Derby dereinst die Aufnahme, unter der Kategorie der «Schweizer Traditionen», in Kreis des immateriellen Kulturerbes.

Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.

D Zit louft u louft u louft

Im Herbst 1994 spielte ein gewisser Robert Nardella in der International-Hockey-League (IHL) für die Chicago Wolves. Zur gleichen Zeit spielte ein Martin Schmid beim Zweitligisten SC Biberen und der hier schreibende Kolumnist als Junior beim SC Lyss. Drei unterschiedliche Protagonisten in drei unterschiedlichen Rollen, dessen Wege sich später kreuzen würden. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», singt Kuno Lauener im Züri West-Song «Blues», welcher ebenfalls 1994 auf dem Album «Züri West» erschienen ist.

Durch diese «auti Maschine wo louft u louft u louft», sind die Idole von einst im Laufe der Jahre dem Eishockey-Zirkus entwachsen. So auch Nardella, welchen ich als Nationalspieler Italiens gegen die Schweiz an der A-WM 1995 spielen sah. Nardella spielte bis 1994 beim HC Alleghe, mit einem gewissen Bruce James Cassidy in der Verteidigung. Cassidy? Ja, Cassidy führte 2023 die Vegas Golden Knights zum Stanley-Cup-Titel. Die Stars von einst sind heute Headcoach, Sportchef oder bereits in Rente, denn «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft».

Doch die Wege, wie in jedem Hockey-Umfeld, der eingangs erwähnten Protagonisten werden sich kreuzen. Am 23. Dezember 2001 spielte ich mein erstes Spiel für den SC Biberen in der 2. Liga, zu den Teamleadern unserer Mannschaft gehörte ein gewisser Martin «Tinu» Schmid. Am 19. Oktober 2024 gewann Freiburg-Gottéron zuhause gegen Lugano mit 4:0. Doppelter Torschütze war Sandro Schmid, der Sohn meines ehemaligen Teamkollegen. So landete Schmid-Junior für das MySports-Interview (Foto) bei
mir vor der Kamera.

In der gleichen Woche verkündeten die SC Rapperswil-Jona Lakers die Verpflichtung von Bobby Nardella, Bob Nardella? Ich kannte bisher nur einen «Nardella», Rapperswils Neuzugang ist Roberts (Senior) Sohn. Nardella-Junior debütierte am 25. Oktober 2024 in Biel, welches 1993 auch die Wirkungsstätte von Cassidy, Nardellas ehemaligen Teamkollegen, gewesen ist. Neben seinem Debüt kommentierte ich vier Tage später auch Nardellas ersten Treffer auf Schweizer Eis, auswärts bei Rapperswils 2:4 in Pruntrut. 1994 noch drei willkürlich ausgewählte Namen, dessen Wege sich innerhalb des Mikrokosmos Eishockey irgendwann gekreuzt haben. Es ist der Lauf der Zeit, es ist der Lauf des Lebens und in diesem kleinen Fall nur eine, von tausenden Geschichten rund um die faszinierende «kleine» Welt des Eishockeys. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», zeigt zum einen die Endlichkeit einer Laufbahn und zum andern die Unendlichkeit des Eishockey-Mikrokosmos.

Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.

Sprunger von Zähringen

Das 1000. Spiel im Zähringer-Derby, besser kann das Jubiläum des Freiburger Kapitäns nicht fallen. Der Begriff „Zähringer-Derby“, durch die Medien erfunden, taucht im Eishockey-Duell erst 2003 in den Freiburger Nachrichten auf. Bereits 1960 berichteten die Freiburger Nachrichten vom Zähringer-Derby zwischen dem FC Fribourg und dem Berner-Sport-Club Young Boys. Das Duell beginnt jedoch schon im zwölften Jahrhundert, als sich die Gebiete der Herzöge von Zähringen bis in die Schweiz erstreckten, sie gründeten zwölf Zähringer-Städte, unter anderem Freiburg (1157) und Bern (1191), wobei letztere das Duell um die Ernennung zur Bundesstadt gewinnen konnten.

Das jüngste Duell steht im Zeichen des Freiburger Kapitäns und seinem 1’000. Spiel für die Zähringer aus Freiburg. Passender hätte sein Jubiläum nicht fallen können. Sprunger ist nach Reto von Arx, erst der zweite Spieler welcher alle 1’000 Partien für den gleichen Klub absolviert hat. Gegen den Davoser absolvierte der damals 16-Jährige am 27. September 2002 in Davos sein erstes NLA-Spiel. Sein erstes Derby gegen den SCB spielte Sprunger auf den Tag genau, am 27. September 2003 in Bern, gegen seinen heutigen Trainer Christian Dubé.

Am Abend des 7. Oktober 2023 stürmt der Jubilar an der Seite seines langjährigen Weggefährten Andrei Bykov, einst Mitglied der gefürchteten SBP-Reihe (Sprunger-Bykov-Plüss), welche erst im Zähringer-Final 2013 vom SCB gestoppt werden konnte. Im jüngsten Derby feiert der Kapitän mit einem 3:1-Sieg, als 15. Spieler im 1’000er Club, einen perfekten Freiburger Abend. In den anschliessenden Feierlichkeiten, krönt sich Sprunger, im Jersey einer seiner Vorgänger, Jean-Charles Rotzetter, vor 9’009 Fans zum Herzog von Zähringen.

Fribourg-Gottéron – Bern 3:1 (2:0, 0:0, 1:1)
BCF-Arena. – 9009 Zuschauer (ausverkauft). – SR Urban/Piechaczek, Meusy/Francey. – Tore: 5. Marchon (Wallmark, Sörensen) 1:0. 14. Wallmark (De la Rose, Borgman/Ausschluss Honka) 2:0. 46. Lehmann (Bader) 2:1. 51. Sörensen (De la Rose, Borgman/Ausschluss Loeffel) 3:1. – Strafen: Fribourg-Gottéron 3-mal 2 Minuten, Bern 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Sutter (verletzt), Bern ohne Fahrni, Zgraggen (beide verletzt), Frk und Reideborn (beide überzählig). Bern von 56:42 bis 57:32, 57:40 bis 59:32 und ab 59:39 ohne Torhüter.
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Jecker; Diaz, Borgman; Seiler, Dufner (2); Streule; Bertschy, De la Rose, DiDomenico; Sprunger, Schmid, Bykov; Binias, Walser, Jörg; Sörensen (4), Wallmark, Marchon; Mottet.
Bern: Wüthrich; Loeffel (2), Nemeth; Untersander, Kreis (2); Honka (4), Paschoud; Füllemann; Sceviour (2), Knight, Kahun; Lehmann, Baumgartner, Luoto; Vermin, Bader, Moser (2); Schild, Ritzmann, Scherwey; Fuss.

Mayers Backup-Dilemma

Wenns nicht läuft, läufts nicht. Dies gilt für den Saisonstart 2023-24 bei Meister Genf-Servette. Genf verliert am Dienstag mit 1:6 beim HC Lausanne und am Freitag mit 1:7 bei Fribourg-Gottéron. Was ist nur los mit dem Meister? In Freiburg wird der fünffache NHL-Backup-Goalie in der 27. Minute, beim Stand von 1:5 aus Sicht der Genfer eingewechselt. Diese Einwechslung hätte Robert Mayer nicht in Freiburg, sondern eigentlich in der NHL verdient.

Am 9. Mai 2013 steht Mayer, zusammen mit Raphael Diaz, mit den Montreal Canadiens in der ersten Playoff-Runde gegen Ottawa im Line-Up der Canadiens. Montreal taucht an diesem Abend gegen die Senators mit 1:6 und scheidet mit einer 1:4-Serie im kanadischen Duell gegen Ottawa aus. Montreals Torhüter Peter Budaj steht während 60 Minuten zwischen den Pfosten, Headcoach Michel Therrien hätte Mayer die NHL-Fauertaufe ermöglichen können und Mayer wäre der 22. Schweizer NHL-Spieler gewesen. Heute ist Mayer lediglich in der Datenback der NHL-Backup-Goalies zu finden. Mayer hätte den NHL-Einsatz verdient, der Schlussmann spielte während fünf Jahren in der Organisation der Canadiens, kam aber, neben fünf NHL-Backup-Partien, «nur» im Farmteam der Hamilton Bulldogs zum Einsatz.

Zehn Jahre später, am 22. September 2023, sitzt Mayer wieder auf der Ersatzbank und Diaz m Einsatz. Jedoch in einer ganz anderen Rollenverteilung. Genfs Nummer eins, hat die undankbare Aufgabe, erst beim 1:6 ins Spielgeschehen einzugreifen und das tut er wortwörtlich mit einem Big-Save in seinem Fänger. In der 54. Minute wird’s dem Meistergoalie jedoch zu bunt, seine Vorderleute lassen auch ihn, gegen Diaz und Co., mehrmals kläglich im Stich. Mayers Wut, mit der Hoffnung seine Vorderleute aus dem Tiefschlaf zu erwecken, entlädt sich beim «verbrätschen seines Stocks», der stellvertretend für die ganze Mannschaft büssen muss. Es ist ein Einsatz, welcher Mayer nicht beim 1:7 in Freiburg, sondern eigentlich beim 1:6 in Montreal verdient hätte.

Fribourg-Gottéron – Genève-Servette 7:1 (2:1, 5:0, 0:0)
BCF-Arena. – 9 009 Zuschauer (ausverkauft). – SR Tscherrig /Piechaczek, Gnemmi /Meusy. – Tore: 6. Sörensen 1:0. 12. Borgman (Diaz) 2:0. 18. Maurer (Jooris) 2:1. 22. Sörensen 3:1 (Penalty). 25. De la Rose (DiDomenico) 4:1. 27. Jörg (Binias) 5:1. 30. DiDomenico (Gunderson, Mottet/Ausschluss Winnik) 6:1. 32. Sörensen (Marchon) 7:1. – Strafen: Fribourg-Gottéron 2-mal 2 Minuten, Genève-Servette 6-mal 2 plus 5 Minuten (Rod) plus Spieldauer (Rod). – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Bykow (verletzt) und Streule (gesperrt), Genève-Servette ohne Lennström und Richard (beide verletzt).
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Jecker; Diaz, Borgman; Sutter, Seiler (4); Dufner; Bertschy, De la Rose, DiDomenico; Sprunger, Schmid, Mottet; Binias, Walser, Jörg; Sörensen, Wallmark, Marchon.
Genève-Servette: Descloux (27. Mayer); Karrer (2), Chanton; Vatanen, Völlmin; Jacquemet (4), Le Coultre; Maurer; Praplan (2), Filppula, Winnik (2); Hartikainen, Manninen, Haapala; Miranda, Pouliot, Rod (27); Maillard (2), Jooris, Bertaggia; Cavalleri.

Und dann kommt Furrer

Wir haben uns dieses Szenario bereits im Presseraum heraufbeschwört, beim gemütlichen Tête-à-Tête tief unter der Tribüne der alten Patinoire Saint-Leonard um 18 Uhr 15 fallen Sprüche über eine mögliche Overtime, unser Live-Spotter Marin Keller, einst selbst eine bekannter 3. Liga-Hockey-Akteur und heutiger Souffleur für die vier Live-Kommentatoren für MySports und SRF/RTS, fragt mich schon vor dem Spiel ob ich ihn im Falle einer zweiten Overtime mit dem Auto nach Bern mitnehmen könne, da dann kein Zug mehr fahren würde. Selbstverständlich nehme ich den Zentralschweizer 3. Liga-Meister, unsere einzige Gemeinsamkeit der Aktivzeit, mit. Ich fühle mich ready für einen neuen Overtime-Rekord entgegne ich Keller.

Pressechef Pierre Renaud eröffnet die Sitzung mit Regiesseuren, Aufnahmeleitern, Spottern, Journalisten, Kommentatoren und Kameramännern, begleitet vom üblichen Gruyère-Käsebuffet stärken wir uns für die 60 bevorstehenden Spielminuten. Die Stimmung ist gut, die BCF-Arena war für dieses Spiel innert 20 Minuten ausverkauft. Ein Playoff-Spiel ist eine andere Liga, es hebt sich schon im Vorfeld vom üblichen Qualifikationsspiel ab. Nicht nur die Pressetribüne ist da jeweils bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern vor allem die Intensität der Akteure auf dem Eis steigert sich, gefühlt, ums doppelte. Das ist die Zeit wofür wir diesen Sport so lieben und die Vorstellung gerade die heutige Partie könnte in drei- oder vier Verlängerungen vorgeführt werden, steigert die faszinierende Vorstellung zusätzlich.

Nach 15 Minuten könnte es schon 3:0 stehen

Nach 13 Minuten scheinen sich aber all diese Vorstellungen über dieses Szenario bereits in Luft aufzulösen, Fribourg-Gottéron führt nach zwei herrlichen Powerplaytreffern klar mit 2:0 und scheint die Partie schon im ersten Drittel zu entscheiden. In der 15. Minute verpassen die Hausherren, vor einer frenetischen Kulisse, gar noch den Treffer zum 3:o. Das wärs gewesen, doch «wärs» sorgt bis 44. Minute zum Ausgleich und der unbequeme Gegner aus Lausanne bleibt hartnäckig und kommt, wie schon im zweiten Spiel, erneut zur Overtime. Jetzt gehts los. Das ausgemalte Verlängerungs-Szenario aus den Katakomben um 18 Uhr wird rund viereinhalb Stunden später zur Realität und „mein Spiel“ wird zum Live-Spiel auf MySports-One. Hoffentlich gibts kein schnelles Ende, sind meine Gedanken, denn ich habe – trotz einer Frühschicht gleichentags zwischen 5 Uhr und 13 Uhr – die Energie, die Zeit und keine Termine am nächsten Vormittag.

80 Minuten sind gespielt, 23 Uhr 22, kurz vor der zweiten Overtime. (Krein)

Um 23 Uhr 25 gehts in die zweite Overtime und die Diskussionen auf der Medientribüne gewinnen an Dynamik, die Recherchen über die Rekordspiele, auch jenes über den Weltrekord in Norwegen von 214 Minuten und 14 Sekunden, sind in aller Munde. Verbandsmann Pascal Vögtlin, dessen Vater Willi in der Freiburger Patinoire des Augustins einst, am 15. Oktober 1980, die erste NLA-Affiche zwischen den heutigen Gegnern gepfiffen hat, hat den Rekord auf Twitter ausgegraben, 117 Minuten und 43 Sekunden sind Schweizer-Rekord. Mark Arcobello beendete 2019 die Partie in der dritten Overtime für den SCB in Genf. Soweit sind wir noch nicht, begeben wir uns vorerst in die zweite Verlängerung, denn eine alte Weisheit sagt, wenn du beginnst zu recherchieren, ist der Zauber innert Kürze vorbei. Nicht so an jenem 29. März 2022 im Freiburger Üechtland. Denn kurz nach Mitternacht gehts in die, nun doch langsam geschichtsträchtige, dritte Runde.

100 Minuten sind gespielt, 00 Uhr 12, kurz vor der dritten Overtime und Furrers Schlusspunkt. (Krein)

Nochmals werden die Rekorde überprüft und vorab notiert, die Verpflegungsstationen unter den Tribünen laufen auf Hochtouren, für uns (Kommentatoren) welche nicht früher in die Pause abwandern können ein Ding der Unmöglichkeit an einen Burger oder sonst was zu kommen, geschweige denn auf die Toilette. So geht es kurzum per Medien-Lift zum Parterre, jedoch verfügt auch der Presseraum über keine Brot und Käse-Reserven mehr. Getränke können nur noch per Wasserhahn in eine leere Pet-Flasche aus der Leergut-Harasse aufgefüllt werden und SRF-Mann Silvan Schweizer schenkt mir einen Getreideriegel.

Der Gang zur Toilette, wird in der 18-minütigen Pause ebenfalls zur Herausforderung, doch da gibts ein Insider-WC für Helferinnen und Helfer via Freiburger Spielerbank. Nach dem pausentlichen Kurztrip gehts nach 100 Spielminuten in die dritte Overtime – Wow! Der Rekord naht, noch knapp 18 Minuten und das Spiel geht als längste Partie unseres Landes in die Geschichtsbücher ein. Über die Rekordzeiten werden ich zusätzlich durch unsere Aufnahmeleiter Philipp Kobel und Ken Vettore im zürcherischen Erlenbach à Jour gehalten. Aber dann kommt Furrer… …11 Minuten und 45 Sekunden zu früh für den Rekord, jedoch nicht früh genug für die 8’934 – der Spuk ist zirka um 0 Uhr 20 vorbei und nach einem Interview-Marathon geht die Nacht für die meisten Beteiligten als „längste Hockey-Nacht“ in die persönlichen Annalen ein. Ausgerechnet Furrer, im Herbst 2002 hat er bei mir als Feusi-Schüler und SCB-Junior sein erstes Interview fürs SCB-Magazin Spirit gegeben. 20 Jahre später, mittlerweile beide in die Jahre gekommen, gehts in die vorerst letzte Interview-Runde.

29. März 2022 – Viertelfinal Spiel 3

Fribourg-Gottéron – Lausanne 3:2 (2:0, 0:1, 0:1, 0:0, 0:0, 1:0) n.V.
BCF-Arena. – 8’934 Zuschauer (ausverkauft). – SR Piechaczek /Dipietro, Fuchs /Kehrli. – Tore: 12. (11:42) Sprunger (DiDomenico, Gunderson /Ausschlüsse Glauser, Miele) 1:0. 13. (12:36) DiDomenico (Mottet, Desharnais /Ausschluss Miele) 2:0. 27. Krakauskas (Douay) 2:1. 44. Bertschy (Bozon, Heldner) 2:2. 105. (104:58) Furrer 3:2. – Strafen: Fribourg-Gottéron 5-mal 2 Minuten, Lausanne 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Rantakari (überzähliger Ausländer).
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Jecker; Sutter (2), Furrer (2); Diaz, Dufner; Chavaillaz; Marchon, Desharnais (2), Mottet; Sprunger, Schmid, DiDomenico (2); Rossi, Walser, Jörg; Brodin, Haussener, Bykow (2); Bougro.
Lausanne: Boltshauser; Glauser (4), Genazzi; Marti, Gernat; Heldner, Frick; Krueger; Bertschy, Fuchs (2), Sekac; Paré, Miele (2), Bozon; Riat (2), Jäger, Kenins (2); Krakauskas, Maillard, Douay; Baumgartner.

Die längsten Spiele der Schweiz

RangHeimGastDatumDauer
1.GenfBern21.3.2019117:43
2.FribourgLausanne29.3.2022105:58
3.KlotenRapperswil17.4.2018102:32

Eine NHL-Destination

Über 8’000 Zuschauer sehen das Spiel des Tabellenzweiten Fribourg-Gotteron und dem Elftplatzierten HC Ajoie. Mit der BCF-Arena erklimmt der Dienstälteste NL-Verein den Eishockey-Olymp-Europas, diese Arena hat alles was ein modernes Stadion bieten muss. Fast 9’000 Fans finden in der umgebauten ehemaligen WM-Arena (1985 und 1990) Platz. Schon im alten Stadion liegen die Freiburger in Sachen Zuschauer europaweit in den letzten zwölf Jahren jeweils zwischen den Rängen 19 und 36 und beim aktuellen Formstand in der neuen Arena dürfte Gottéron in neue Zuschauer-Sphären vorstossen.

Die steilen Tribünen verwandeln das Stadion in eine imposante Arena, die Sitze bieten eine hervorragende Sicht aufs Eis, durchtrennt durch zahlreiche Logen ist der untere Ring immer noch Teil des «alten Gottérons» und lässt die Geschichte der «ehemaligen» Patinoire Saint-Leonard auch im neuen Kleid weiterlaufen, die Halle wurde gekonnt und äusserst taktvoll umgebaut. Damit erhebt die neuste Spielstätte des Landes den Anspruch zum erneuten Austragungsort einer Weltmeisterschaft oder einem Auftritt einer NHL-Organisation im Rahmen der Global-Series. Die NHL gastierte bisher erst in Genf, Zürich, Bern, Zug und Lausanne, Freiburg hätte dieses Spektakel mehr als verdient.

Selbst der Coachingstaff verfügt über glorreiche NHL-Erfahrung, Torhüter-Trainer David Aebischer ist der erste Schweizer Stanley-Cup-Sieger, die Coaches Christian Dubé und Pavel Rosa haben je 36-mal in der besten Liga der Welt gespielt. Mit Ausnahme von Chris DiDomenico (27 Spiele), verfügen die Spieler David Desharnais, Raphael Diaz und Reto Berra über noch mehr NHL-Erfahrung und New Jersey Devils-Draftpick Mauro Jörg befindet sich in der besten Form seit seinem Draft 2010. Gegen Ajoie bereitet der 31-Jährige drei Tore vor, darunter ein Zuckerpass zu Desharnais Treffer zum 3:1.


HCFG

„Bykow und Chomutow sind das beste Duo welches die Schweiz je gesehen hat.“

— in Hochachtung

Seit 1977 haben die Freiburger ihr Logo von den Montreal Canadiens leicht abgeändert adaptiert. Aus dem ursprünglichen «Montreal-HCF» in blauem statt rotem «Montreal C» wird 1999 ein ein «FG» in rotem «G.» Der Blick nach Übersee ist also auch in der Logo-History der Freiburger tief verankert. Im Frühling 1990 schnappt man der NHL, durch den Geniestreich des damaligen Präsidenten Jean Martinet, sogar zwei absolute Weltklassespieler den Quebec Nordiques vor der Nase weg.

«Fribourg-Gottéron empfängt die Montreal Canadiens», nichts wäre der BCF-Arena würdiger als ein Duell gegen den Rekord-Titelträger, dem Original-Six-Team und Liga-Gründungsclub aus der frankophonen Provinz Quebec. Desharnais hat acht Jahre in der Organisation der Canadiens verbracht, davon drei zusammen mit Diaz. Der letzte NHL-Auftritt im Rahmen der Global-Series ist im Herbst 2020 in Bern der Pandemie zum Opfer gefallen.

Für den nächsten Auftritt muss Freiburg, wie 1990 für die Sowjetrussen, für absolutes Weltklasse-Eishockey ein Thema sein. Bis dahin müssen sich die fanatischen und treuen Fans aber weiterhin mit unbequemen Gegnern aus dem Jura- oder mit ein paar Leckerbissen aus der Champions-Hockey-League begnügen.

8. Oktober 2021 – 13. Runde

Fribourg-Gottéron – Ajoie 4:1 (0:1, 2:0, 2:0)
BCF-Arena. – 8’079 Zuschauer. – SR Urban /Hürlimann, Altmann /Wermeille. – Tore: 19. Frossard (Pouilly) 0:1. 22. Marchon (Walser, Jörg) 1:1. 38. Diaz (Rossi, Bykow) 2:1. 55. Desharnais (Jörg, Marchon) 3:1. 59. Walser (Marchon, Jörg, ins leere Tor) 4:1. – Strafen: Fribourg-Gottéron 2-mal 2 Minuten, Ajoie 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Kamerzin (verletzt), Ajoie ohne Asselin und Hazen (beide verletzt). Ajoie von 55:52 bis 56:57 und 58:49 bis 58:56 ohne Torhüter.
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Chavaillaz; Sutter, Furrer; Diaz, Dufner; Jecker; Brodin, Desharnais, Mottet (2); Marchon, Walser, Jörg; Sprunger, Schmid (2), DiDomenico; Herren, Bykow, Jobin; Rossi.
Ajoie: Wolf; Leduc, Hauert (2); Birbaum, Eigenmann; Rouiller, Pouilly (4); Helfer; Bogdanoff, Devos, Schnegg; Huber, Frossard, Schmutz; Rohrbach, Romanenghi, Joggi; Frei, Ness, Macquat.

Rolex, Tati und Vernets

Ein Spiel in Genf hat, neben der französischen Sprache, immer irgendwie einen französischen Flair. Genf könnte als Grenzstadt genau so gut auch in Frankreich liegen, ja und wer auf der Autobahn A1 nicht aufpasst, landet tatsächlich in Frankreich. So erinnere ich mich, jeweils auf dem Weg nach Genf, an die Geschichte des damaligen Slapshot-Redaktionsleiters Bernhard «Bärni» Grimm, als er in der ersten Saison nach dem Genfer Wiederaufstieg in die NLA mit dem gesamten «Slapshot-Karsumpel» bei Bardonnex – ohne Pass – über die französische Grenze gefahren ist, dies weil er bei der Verzweigung Perly den falschen Weg gewählt hat. Diese Geschichte führt mich noch heute, am 15. April, Grimm sei Dank, immer Richtung «La Praille» und schliesslich bis ins Quartier «Vernets».

Die Verzweigung-Perly wurde Bernhard Grimm zum Verhängnis. (Krein)

Ein bisschen Frankreich liegt in Genf dennoch in der Luft, denn im Parkhaus der Rolex soll die Presse beim ersten Playoff-Spiel gegen Freiburg-Gottéron geparkt werden. Nach 19 Jahren Genf-Retour auch für mich ein Novum und dieses lässt mich kurzzeitig im Stile von Jacques-Tatis Film Playtime durch die grosse Eingangshalle der Rolex irren. Tatis Film aus dem Jahre 1967 ist ein wahrer Klassiker und das Rolex-Gebäude gar noch älter als der Film. Ein freundlicher Securitas-Mann weist mir dann den Weg Richtung rettenden Ausgang in Richtung Patinoire-les-Vernets.

Die Vernets-Halle an der «Rue-Hans-Wilsdorf 4», benannt nach dem Rolex-Gründer, ein Bauwerk von 1958 und so aus der gleichen Epoche wie Tatis erste Meisterwerke in Farbe, wirkt aus der Ferne immer noch modern und zeitlos. Les Vernets hätte auch in einem Tati-Streifen vorkommen können. Zeitlos ist auch die Playoff-Bilanz der Gäste aus dem Kanton Freiburg, Gottéron hat noch nie eine Playoff-Serie, immerhin schon drei Serien, gegen die Servettiens gewonnen.

Die Ausgangslage zu einem zweiten Gottéron-Sieg ist so gut wie nie zuvor, denn Genf muss auf Tanner Richard und Noah Rod verzichten. Letzterer wird aber kurz vor dem Warm-up wieder als einsatzfähig gemeldet und die Wichtigkeit des Genfers Captains unterstreicht auch Sportchef Marc Gautschi vor dem Spiel im MySports-Interview (siehe Tweet).

Das Warten vor dem Interview verkürzen wir uns mit einem Hockey-Talk über den finnischen Zweitligisten Hermes Kokkola, die KHL und den ehemaligen Genfer-Junior Jonathan «Jo» Aeby.

Wo ist Aeby?

Aeby spielte letzten Herbst beim SC Lyss in der MySportsLeague, der Stürmer ist dort aber nicht mehr erwünscht. Gautschi hat nur Gutes über den dreifachen Nachwuchs-Schweizermeister (zweimal mit der U20 und einmal mit der U17) mit Servette berichtet. Sportchef Gautschi hat sich noch vor der ersten Pause über den Mann aus dem eigenen Nachwuchs erkundigt und erläutert mir in der Drittelspause dessen Clubsuche in der Romandie.

Aeby selber bestätigt die Aussage des Sportchefs noch vor Genfs 3:1-Sieg per WhatsApp-Nachricht. Bestätigt hat sich auch die Aussage von Gautschi über die Wichtigkeit von Kapitän Rod, dessen Vater Jean-Luc einst für beide Kontrahenten gespielt hat, welcher seine Mannschaft an diesem Abend zum Ausgleich der Viertelfinal-Serie führt.

Genf – Gottéron 3:1 (1:0, 0:1, 2:0)
Les Vernets. – 0 Zuschauer. – SR Lemelin/Mollard, Altmann/Wolf. – Tore: 4. Smirnovs (Vermin, Moy /Ausschluss Kamerzin) 1:0. 37. Mottet (Desharnais) 1:1. 52. Tömmernes (Vermin, Jacquemet) 2:1. 60. (59:44) Vermin (Winnik, ins leere Tor) 3:1. – Strafen: Genf 4-mal 2 Minuten, Gottéron 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Genf ohne Maurer, Mercier, Richard (alle verletzt) und Asselin (überzählig), Gottéron ohne Brodin und Rossi (beide verletzt). Gottéron von 58:24 bis 58:27 und 58:41 bis 59:44 ohne Torhüter.
Genf: Descloux; Jacquemet, Tömmernes; Karrer, Le Coultre; Guebey, Völlmin; Smons; Vouillamoz, Winnik, Omark; Rod, Fehr, Vermin; Moy, Kast, Miranda; Montandon, Berthon, Patry; Smirnovs.
Gottéron: Berra; Gunderson, Chavaillaz; Sutter, Furrer; Kamerzin, Jecker; Abplanalp; Bougro, Schmid, Jörg; Stalberg, Desharnais, Mottet; Herren, Marchon, DiDomenico; Sprunger, Walser, Bykow; Jobin.

Gottérons Highlight

Ein wahres Highlight befindet sich in Gottérons Luxus-Liner. (Krein)

Fribourg-Gottéron trifft um 17 Uhr 45 in der Vaudoise Arena in Lausanne ein. Der Mannschafts-Car kann durch die Tiefgarage der Arena fast bis aufs Eisfeld fahren und so haben die Spieler Freiburgs einen kurzen Laufweg zur Gästekabine. Doch noch viel beeindruckender als der kurze Laufweg ist der Aus- und Einstieg beim Luxus-Liner des Carunternehmens «Horner Romandie», denn die Spieler laufen durch eine «Logo-Projektion» Gottérons. Was der Luxus-Liner auf den Asphalt projiziert, projizieren Julien Sprunger und Co. in der Vaudoise Arena aufs Eis.

Grossartig ist das Logo auf dem Asphalt und grossartig ist auch Freiburgs 2:1-Sieg in der Kantonshauptstadt der Waadtländer. Wer diesem Car entsteigt, erhält durch die futuristische Genialität automatisch einen Energieschub, so «scheint» es zumindest wortwörtlich für die Freiburger. Der luxuriös ausgestattete Horner-Liner ist nach den neuesten Erkenntnissen der Technik, Umwelt, Verkehrssicherheit und des Fahrkomforts erbaut und gemeinsam mit Gottéron steuert der Car zum nächsten hockeytechnischen «Highlight.»

13. März 2021

Lausanne – Fribourg-Gottéron 1:2 (0:1, 1:1, 0:0)
Vaudoise-Arena. – 1 Zuschauer. – SR Urban/Nikolic, Cattaneo/Gnemmi. – Tore: 18. Jörg 0:1. 26. Desharnais (Stalberg /Ausschluss Walser!) 0:2. 33. Almond (Kenins) 1:2. – Strafen: Lausanne 5-mal 2 plus 10 Minuten (Almond) plus Spieldauer (Almond), Fribourg-Gottéron 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Malgin, Mottet. Lausanne ohne Antonietti, Hudacek, Jooris, Maillard (alle verletzt) und Roth (überzähliger Ausländer), Freiburg-Gottéron ohne Brodin und Marchon (beide verletzt). Lausanne ab 58:00 ohne Torhüter.
Lausanne: Stephan; Genazzi, Barberio; Heldner, Frick; Grossmann, Marti; Krueger, Schneeberger; Gibbons, Malgin, Hudon; Bertschy, Emmerton, Kenins; Jäger, Almond, Bozon; Krakauskas, Froidevaux, Douay.
Fribourg-Gottéron: Berra; Sutter, Furrer; Gunderson, Chavaillaz; Kamerzin, Jecker; Abplanalp, Jobin; Herren, Schmid, DiDomenico; Stalberg, Desharnais, Mottet; Rossi, Bougro, Jörg; Sprunger, Walser, Bykow.

Wenn Sporthistorik in der Luft liegt

Julien Sprunger hat Geschichte geschrieben. (Krein)

Julien Sprunger kann heute Geschichte schreiben, nur noch ein Skorerpunkt fehlt dem 34-jährigen um den Klubrekord von Wjatscheslaw Bykow zu egalisieren. 651 Skorerpunkte hat Bykow zwischen 1990 und 1998 für die Freiburger realisiert. Ein 22-jähriger Rekord kann also heute gebrochen werden, dies im beschaulichen Emmental. Immer wieder Langnau und immer wieder anders als geplant heissen die Spiele in der kompliziertesten Saison aller Zeiten.

Eigentlich hätte Gottéron heute ja in Lugano gespielt und Genf-Servette wäre ins Emmental gefahren. Stattdessen kommt es zur 135. NLA-Begegnung (auch vor Einführung der Playoffs mitgezählt) zwischen Emmentalern und Üechtländern und die Chance einen sporthistorischen Moment zu erleben. Solche Momente liegen manchmal in der Luft, kommt dazu, dass ich in den letzten 18 Jahren einige hockeyhistorische Schlüsselmomente miterleben durfte.

„Michu mich erwärmt dieses Spiel nicht““

— Alfred Bohren

Doch die Partie entpuppt sich im zweiten Drittel als zähe und lustlose Angelegenheit, kaum eine nennenswerte Szene erwärmt die wenigen Gemüter. Neben mir sitzt, wie in Langnau üblich, Hockey-Koryphäe Alfred Bohren und sagt „Michu mich erwärmt dieses Spiel nicht“, die Spielzüge passen zur bitterkalten Ilfishalle. In der Pause wird die Angelegenheit immerhin durch ein angeregtes Gespräch zwischen Bohren und dem ersten Schweizer Stanley-Cup-Sieger kurzzeitig aufgeheizt.

Erst in der Schlussphase

Auch der Hauptprotagonist bleibt bis zur 48. Minute blass. Dann punktet Sprunger mit der Vorlage zum 4:0 durch Daniel Brodin und die Partie beginnt zumindest sporthistorisch an Bedeutung. In den letzten zwölf Minuten gehts nur noch um Sprungers Rekord oder den ersten Shutout von Goalie-Neuling Connor Hughes (sprich „Juus“). Der Freiburger Captain hat in 17 Spielen vier Punkte erzielt und heute soll er zweimal punkten?

Und er tut es, in der 58. Minute realisiert Sprunger seinen 652. Skorerpunkt und überholt den Ausnahmekönner aus der ehemaligen Sowjetunion. Und dieser gehört zu den ersten Gratulanten per Whatsapp, wie Sprunger im Interview erzählt. Die kalte Ilfis-Nacht gerät ins vergessen und das sporthistorische Ereignis lässt den 15. Dezember 2020 in die Geschichtsbücher eingehen. Und Hughes? Feiert ganz nebenbei noch seinen ersten Sieg und Shutout in der National-League und wer weiss, vielleicht gewinnt auch dieses Ereignis erst in 22 Jahren an Bedeutung?

SCL Tigers – Freiburg-Gottéron 0:5 (0:2, 0:0, 0:3)
Ilfishalle. – 0 Zuschauer. – SR Salonen (Fi)/Staudenmann, Progin/Duarte. – Tore: 7. Gunderson (DiDomenico, Schmid) 0:1. 18. Bykov (Stalberg, Rossi/ Ausschluss Schilt) 0:2. 43. Herren (DiDomenico, Walser) 0:3. 48. Brodin (Sprunger, DiDomenico /Ausschluss Bircher) 0:4. 58. Sprunger (Gunderson /Ausschluss Blaser) 0:5. – Strafen: SCL Tigers 6-mal 2 plus 2-mal 10 Minuten (Berger, Blaser), Freiburg-Gottéron 4-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Maxwell; Stalberg. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Erni, Leeger, Zaetta (alle krank), Diem, Kuonen (beide verletzt) und Earl (überzählig), Freiburg-Gottéron ohne Furrer (verletzt) und Desharnais (überzählig).
SCL Tigers: Punnenovs; Blaser, Schilt; Glauser, Grossniklaus; Huguenin, Lardi; Bircher; Sturny, Flavio Schmutz, Julian Schmutz; Weibel, Maxwell, Nilsson; Neukom, Berger, Dostoinov; Rüegsegger, Melnalksnis, Andersons; Petrini.
Freiburg-Gottéron: Hughes; Gunderson, Chavaillaz; Aebischer, Abplanalp; Sutter, Jecker; Bougro, Kamerzin; DiDomenico, Schmid, Herren; Brodin, Marchon, Stalberg; Sprunger, Andrei Bykow, Mottet; Rossi, Walser, Jörg.

Freiburgs Baustellenlabyrinth

Die Freiburger empfangen ihre Gegner direkt auf der Baustelle. Schon den richtigen Eingang zu finden ist eine Challenge, doch dies hat auch was Faszinierendes. Man wird einst erzählen können, wie es damals gewesen war, während des Umbaus der alten Patinoire St. Léonard, die schon BCF-Arena hiess, zur neuen BCF-Arena in den Jahren 2019 und 2020. Trotz des Umbaus verfügen die Freiburger immer noch über den fünfthöchsten Zuschauerschnitt der National-League.

Um die Ecke, kommen einem plötzlich die Spieler des Gästeteams auf einem schmalen, mit Kunststoffmatten ausgelegten Baustellen-Pfad, entgegen. Ohne Schlittschuhe kann man auf den rohen Betonboden ausweichen, deshalb haben die Spieler klaren Vortritt. Das «Gerüst» der alten Halle bleibt auch nach dem Umbau bestehen, nur aussen wird angesetzt, ähnlich wie einst in Rapperswil. Ein Highlight für jeden Nostalgiker, denn auch die Kabinen der zweifachen WM-Halle bleiben zur Hälfte bestehen und werden gegen aussen vergrössert.

Auf dem «Gang» zu den Presseplätzen durchquert man einen Rohbau auf mehreren Stockwerken, doch es ist ersichtlich, wenn hier alles fertig ist, wird diese Arena eine Bereicherung für die Liga. Bis es soweit ist, gilt für Spieler und Funktionäre, sich weiterhin vorsichtig zu bewegen, denn ein Fehltritt mit dem Schlittschuh und der Team-Betreuer ist gefragt.

Und der Ausgang? Bei meinem ersten Besuch und durch den bis anhin gewohnten Ausgang in Richtung Basketball-Halle von Fribourg Olympic, habe ich mich fast verlaufen. Die Lichter der Halle wurden bereits gelöscht und ich irrte immer noch durch die Baustelle. Mit einem nassen Schuh, durch einen Fehltritt ins kühle Baunass, habe ich meinen Irrgang durch das Baustellen-Labyrinth als letzter in Richtung Friedhof, der liegt gleich nebenan, verlassen.

Das doppelte Saisonende

Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.

Von Lyssern und Oltern

Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.

„Physisch und psychisch meine härteste Saison aller Zeiten.“

— Michael Krein

Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»

Von Olten nach Freiburg

Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.

Nach der Saison ist vor der Saison

Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.

Das verpasste NHL-Duell

Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.

Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.

Erstes Duell nach der NHL-Karriere

Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.

Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.

Fünf Duelle vor der NHL-Karriere

Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.

In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.

Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.

Die Duelle Berra gegen Hiller

5. März 2006, 2:5 in Davos
3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz)
5. März 2007, 2:4 in Davos
8. März 2007, 1:3 in Zürich
10. März 2007, 0:3 in Davos
28. September 2018, 3:2 in Biel
16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg
7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg
8. Dezember 2018, 4:1 in Biel
5. Januar 2018 in Biel
16. Februar 2018 in Freiburg

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/berra/

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/hiller/

Foto: Hervé Chavaillaz

Jari Kurri als Scout in Biel

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topclub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference.»

Salminen im Fokus

Zurzeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins, gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Das zweite Wunder von Lyss?

Der SC Lyss und der HC Fribourg-Gottéron, war da nicht mal was? In der Saison 1979-80 spielten die aktuellen Cup-Gegner in der Nationalliga-B-Westgruppe (damals war die NLB in zwei Gruppen unterteilt) viermal gegeneinander und viermal gingen die Freiburger als klare Sieger (9:3, 9:2, 13:1 und 8:4) vom Eis. Für die Seeländer spielten die Üechtländer ein Eishockey vom andern Stern, als logische Folge schaffte Gottéron in dieser Saison den Aufstieg in die Nationalliga A und der SC Lyss musste den Gang in die 1. Liga antreten. Lyss kehrte zwischen 1989 und 1993 nochmals vier Jahre in die NLB zurück, Fribourg spielt seither in der NLA.

David gegen Goliath

35 Jahre später treffen die ehemaligen NLB-Gegner im Rahmen des Swiss-Ice-Hockey-Cup wieder aufeinander und wie in der Saison 1979-80 sind die Rollen immer noch klar verteilt. Lyss empfängt als Zweitplatzierter der 1. Liga, Gruppe 2 den Leader der NLA. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben die beiden Cup-Gegner, beide sind in der aktuellen Meisterschaft noch ungeschlagen. Der Underdog gibt sich kämpferisch: «Wir sind bereit für Fribourg», sagt Lyss-Stürmer Nicola Pfeiffer vor dem Duell «David gegen Goliath». Apropos «David», in Anlehnung an den langjährigen Lyss-Trainer Hans-David Steiger (1993-2006) sollte man das Duell eigentlich «Hans-David gegen Goliath» nennen.

Beim Underdog stehen mit Torhüter Fabian Zaugg, den Verteidigern Dominique Robert und Manuel Schaad immerhin drei ehemalige Elite-Junioren Schweizermeister im Team von Trainer Patrick Glanzmann. Neben den drei Lyssern gehörte Nashville Predators-Verteidiger Roman Josi 2009 ebenso zum Meisterkader wie Etienne Froidevaux (Lausanne), Joël Vermin, Tristan Scherwey, Pascal und Alain Berger und Kevin Fey (Biel). Zudem hat Torhüter Zaugg im August das Trainingslager mit dem EHC Biel bestritten. Neben Zaugg (2008-09 Backup von Marco Bührer), können aber nur Schaad (zehn Spiele für den SC Bern) und Florin Gerber (24 Spiele für den EHC Biel) auf NLA-Schnuppereinsätze zurückblicken. Allerdings fallen Schaad (Innenband) und Zaugg (Schulter) kurzfristig verletzungsbedingt aus. Der prominente Gegner aus der NLA kann auf die Erfahrung von 783 NHL-Partien, 73 WM-Spiele und zehn Olympia-Einsätze zählen und muss lediglich auf seinen Captain Julien Sprunger (gesperrt) verzichten.

Der historische 2. Januar 1991

Doch da war noch was anderes zwischen Lyss und Gottéron? Eine ähnliche Rollenverteilung wie heute gab es am 2. Januar 1991, als der damalige B-Ligist den HC Fribourg-Gottéron im Rahmen eines Neujahrsschlagerspiels vor 1’900 Zuschauern empfangen hat. Fribourg trat in Lyss mit dem ganzen Kader, inklusive den sowjetischen Superstars Wjatscheslaw Bykow und Andrei Chomutow an und setzte sich schon nach sechs Minuten mit einem brutalen vier-Tore-Vorsprung ab. Ein krasser Klassen-unterschied schien für den Gastgeber Böses zu erahnen. Im Mittelabschnitt wendeten die Lysser mit einem sensationellen 5:0 das Blatt und schafften gegen den übermächtigen Gegner eine unerwartete Überraschung. Lyss siegte im Freundschaftsspiel gegen Bykow /Chomutow und Co. mit 8:5 und die Halle stand Kopf. Gelingt den tapferen Lyssern nach dem Wunder von 1991 auch das Wunder von 2015?

Der 30. September 2015

Es ist fast wie zu den guten, alten Zeiten in der Nationalliga-B, vor der Seelandhalle steht ein grosses Partyzelt, alle wichtigen Leute rund um den Traditionsklub sind vereint. Auch drei von den vier Schiedsrichtern haben Lyss-Bezug, Stefan Marti spielte einst selbst hier im Nachwuchs, Philipp Clément trainiert regelmässig mit den Senioren des SC Biberen und Thomas Wolf ist auch ein Seeländer. Einziger Torschütze ist ebenfalls ein Lysser, Florin Gerber stammt aus der Gerber-Dynastie, diese ist quasi die Lysser Antwort auf den Celio-Clan bei Ambri-Piotta.

Backup-Goalie Andrin Vock, letztes Jahr noch beim EHC Meinisberg in der 2. Liga, spielt das Spiel seines Lebens und hält den Underdog bis zur Schlussminute im Spiel. Freiburg trifft acht Sekunden vor Schluss durch Sakari Salminen, letztes Jahr in der KHL bei Torpedo Nischni Nowgorod, ins leere Tor zum 3:1. Vock und Salminen verkörpern die Cup-Faszination zwischen Amateuren und Profis perfekt, denn wo sonst spielt ein ehemaliger Meinisberger gegen einen ehemaligen KHL-Spieler? Für Lyss ist es, trotz der ehrenvollen Niederlage ein totaler Erfolg und für das Eishockey ist es beste Unterhaltung.

Die 22 Lysser haben die Freiburger 60 Minuten lang gefordert und werden wie nach einem Sieg gefeiert. (Krein)

Lyss – Fribourg-Gottéron 1:3 (0:1, 1:0, 0:2)
Seelandhalle. – 1’600 Zuschauer. – SR Clément/Marti, Huguet/Wolf. – Tore: 8. Marchon (Salminen, Bykow) 0:1. 35. Gerber (Dick) 1:1. 47. Hamill (Vauclair) 1:2. 60. (59:52) Salminen (ins leere Tor) 1:3. – Strafen: Je 1-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lyss ohne Schaad und Zaugg (beide verletzt), Fribourg-Gottéron ohne Sprunger (gesperrt).
Lyss: Vock; Junker, Beer; Aeschlimann, Robert; Anderegg, Graf; Schwab; Blatter (2), Dick, Inniger; Balsiger, Krebs, Jöhl; Gerber, Pfeiffer, Wälti; Weber, Steinegger, Siegenthaler; Schmid.
Fribourg-Gottéron: Lory; Schilt, Maret; Ngoy, Blanchart; Camperchioli, Rathgeb; Abplanalp (2), Glauser; Marchon, Bykow, Salminen; Merola, Schmutz, Fritsche; Mottet, Hamill, Vauclair; Bussard, Rivera, Bonny.

Der erfolgreichere Gretzky?

Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz. (Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.

Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.

Pressemitteilung erst nach dem Spiel

Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?

Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.

Pressemitteilung HC Fribourg-Gottéron

Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.

Gretzky einst Zenhäuserns Idol

Als 16-Jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.

Biel – Bern 1:4 (1:0, 0:2, 0:2)
Eisstadion. – 5’342 Zuschauer (Saisonrekord). – SR Michael Küng/Vinnerborg, Ambrosetti/Peter Küng. – Tore: 3. Ehrensperger (Untersander, Kamber) 1:0. 28. Bertschy (Gragnani, Kobasew) 1:1. 38. Alain Berger 1:2. 49. Bertschy (Kobasew, Krueger) 1:3. 59. Ruefenacht (Holloway, Gerber) 1:4 (ins leere Tor). – Strafen: je 2mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Arlbrandt (Biel); Ritchie (Bern). Biel ohne Berthon, Olausson (beide verletzt), Tschantré und Joggi (beide krank), Bern ohne Moser (verletzt). Timeouts: Biel (58); Bern (45.). Biel von 58:25 bis 58:54 ohne Goalie.
Biel: Rytz; Rouiller, Gossweiler; Cadonau, Fey; Steiner, Wellinger; Untersander, Jelovac; Umicevic, Haas, Mosimann; Arlbrandt, Peter, Spylo; Rossi, Wetzel, Ulmer; Ehrensperger, Kamber, Herburger.
Bern: Bührer; Gerber, Blum; Gragnani, Jobin; Krueger, Furrer; Kreis, Randegger; Kobasew, Plüss, Bertschy; Alain Berger, Reichert, Pascal Berger; Holloway, Ritchie, Scherwey; Ruefenacht, Gardner, Rüfenacht.

Mit Gottérons Elite-Trainer in Biel

Es ist wieder soweit, die ersten Spiele sind irgendwie immer etwas spezielles, neue Spieler, neue Trikots, neue und alte Gesichter im Stadion – einige alte Hockeyfreunde meiner Aktivzeit oder aktuelle Bekannte und Journalisten kehren, nach einem langen Sommer, alle wieder in die Eishallen zurück. Schon auf dem Weg ins Stadion lief der Draht heiss – letzte Anweisungen der Sportredaktion, seinen es Zeilenangaben oder inhaltliches. Auch der Kollege vom Schweizer Radio DRS, der den Auftakt in Freiburg erleben wird, wollte kurz wissen wo und für wen ich heute im Einsatz stehe.

Gottérons Juniorentrainer

Dann gehts endlich los, Pressekonferenz und Spielbeginn – und der Saisonauftakt 2009-10 ist schon bald wieder Geschichte. Neben mir auf der Medientribüne sitzt Gottérons Elite-Juniorentrainer und hat die Aufgabe, den morgigen Gegner (HC Genf-Servette) zu beobachten. Der Beobachter, ein ehemaliger NLA- und 1. Liga Torhüter, ist mir vor allem durch seine Zeit beim SC Lyss bekannt. Wir haben sogar Mal ein Freundschaftsspiel im selben Team bestritten, er konnte sich sogar noch daran erinnern, ans Spiel natürlich – nicht an mich.

„Der Respekt gegenüber ausländischen Trainer ist dort riesig gewesen.“

— Alex Reinhard über Salzburg

Während unserem Gespräch in den Drittels-Pausen, hat mir vor allem sein Engagement im Ausland imponiert. Drei Jahre war er als Junioren- und Torhütertrainer in der Mozart- und Red-Bull-Stadt Salzburg tätig. Eine Erfahrung welche er nicht missen möchte, der Respekt gegenüber ausländischen Trainer sei dort riesig gewesen. Nicht zu vergleichen mit einem Engagement im eigenen Land. Kommt dazu, dass es in Salzburg (fast) keine finanziellen Grenzen gab. So jettete man während der Saison kurz nach Monza um bei einer Trainingsfahrt auf der Rennstrecke den Teamgeist zu fördern.

Auch Salzburg siegte

Auch beim aktuellen Spiel zwischen dem EHC Biel und Genf-Servette standen zwei Akteure (Goran Bezina und Richard Jackman) mit Salzburger Vergangenheit auf dem Eis. Die Gäste aus Genf bezwangen die Seeländer mit 3:1. Der Matchbericht war in der Tasche und eben, der Saisonauftakt war bereits wieder Geschichte. Übrigens, auch Salzburg gewann sein erstes Spiel mit 7:6 in Klagenfurt…

11. September 2009

Biel – Genf-Servette 1:3 (0:1, 0:2, 1:0)
Eisstadion. – 4’888 Zuschauer. – SR Mandioni; Kehrli/Kohler. – Tore: 8. Mercier (Florian Conz, Gobbi /Ausschluss Steinegger) 0:1. 29. Kolnik 0:2. 36. Salmelainen (Déruns) 0:3. 44. Brown (Bordeleau, Lötscher) 1:3. – Strafen: Biel 7-mal 2 Minuten, Genf-Servette 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Nüssli (gesperrt), Bärtschi, Wetzel, Kparghai (alle verletzt). Genf-Servette ohne McSorley (gesperrt), Hürlimann, Mona (beide verletzt), Beech, Pivron (beide überzählig), Augsburger, Stalder (beide Partnerteam). Time-Out: Biel: 59:27. Biel ab 59:27 ohne Torhüter dafür mit sechstem Feldspieler.
Biel: Berra; Jackman, Fröhlicher, Gossweiler; Seydoux; Schneeberger, Steinegger; Trunz, Meyer; Truttmann, Fata, Tschannen; Lötscher, Bordeleau, Brown; Ehrensperger, Peter, Tschantré; Zigerli, Gloor, Beccarelli.
Genf-Servette: Stephan; Bezina, Mercier; Maurer, Gobbi; Breitbach, Höhener; Schilt, Vukovic; Randegger, Trachsler, Cadieux; Kolnik, Rubin, Toms; Salmelainen, Savary, Déruns; Suri, Florian Conz, Rivera.