Schlagwort-Archiv HC Fribourg-Gottéron

Das doppelte Saisonende

Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.

Von Lyssern und Oltern

Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.

Meine physisch und psychisch härteste Saison aller Zeiten

Michael Krein

Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»

Von Olten nach Freiburg

Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.

Nach der Saison ist vor der Saison

Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.

Das verpasste NHL-Duell

Foto: Trafen in der NHL nie aufeinander, Reto Berra und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)

Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.

Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.

Erstes Duell nach der NHL-Karriere

Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.

Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.

Fünf Duelle vor der NHL-Karriere

Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.

In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.

Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.

Die Duelle Berra gegen Hiller
5. März 2006, 2:5 in Davos
3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz)
5. März 2007, 2:4 in Davos
8. März 2007, 1:3 in Zürich
10. März 2007, 0:3 in Davos
28. September 2018, 3:2 in Biel
16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg
7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg
8. Dezember 2018, 4:1 in Biel
5. Januar 2018 in Biel
16. Februar 2018 in Freiburg

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/berra/

https://www.eishockeyblog.ch/nhl-cher/hiller/

Grosse Rochade in der Romandie?

Genfs VR-Präsident Hugh Quennec mischt sich bei Auswärtsspielen auch gerne unter die Fans. (Foto: Andreas Hatos)

Die Playoffs sind kaum eine Woche alt – und die Romands spielen nur noch dort mit, wo keiner sein will: Im Playout-Final (HC Fribourg-Gottéron). Hartnäckig hält sich überall die Argumentation, die grossen deutschschweizer Klubs hätten mehr öffentliche und politische Unterstützung (EV Zug), mehr Budget (ZSC Lions) oder mehr Einfluss (SC Bern). Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. In Genf und Lausanne werden zwei Tage nach dem 0:4-Sweep im Playoff-Viertelfinal gegen Zug, respektive Davos, die Scherben aufgewischt. Oder besser: Es wird mit dem eisernen Besen gekehrt. Im Falle der Waadtländer hält sich die Revolution noch in Grenzen. Dan Ratushny steht als Coach kaum zur Diskussion. Die amerikanischen Eigner sollen gemäss Waadtländer Presse zwar über das Out im Playoff und vor allem die Art und Weise wenig amused gewesen sein. Sportchef Jan Alston lässt sich dahingehend zitieren, dass die Saison bestenfalls befriedigend gewesen sei. Die letzten zehn Runden der Qualifikation und das Playoff aber ungenügend. Grosse Töne für einen Klub, der in der Neuzeit erstens froh sein musste, in die Runde der besten acht Teams vorzustossen und zweitens noch gar nie eine Playoff-Serie gewinnen konnte!

Natürlich: Man rührt jetzt mit der grossen Kelle an – oder besser gesagt mit dem Portemonnaie der Amerikaner. Dieselben Eigner, welche den EHC Kloten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion fallen gelassen haben. Praktisch um jeden freien Spieler auf dem Markt wird für nächste Saison mitgeboten. Das neue Stadion ist mehr als nur eine Planung auf dem Reissbrett. Dennoch birgt die Strategie Gefahren. Lausanne ist und bleibt ein durchschnittliches NLA-Team. Die nächsten zwei Saisons müssen in einem Provisorium über die Bühne gebracht werden. Bei den anderen Klubs – oder besser deren Fanclubs – machen sich die Waadtländer nicht gerade beliebter, indem sie den Gästesektor komplett streichen. Die Amerikaner haben schon in Kloten gezeigt, dass die Lunte zu ihrem Geduldsfaden sehr kurz ist.

Servette ohne Chris McSorley: Kann das gut gehen?

Bei Servette scheint die Lage schlimmer, unübersichtlicher, chaotischer zu sein. Wer hätte gedacht, dass «Monsieur Servette» Chris McSorley nach einer einzigen Playoff Niederlagenserie (und zwei Halbfinal-Qualifikationen hintereinander) gleich zur Disposition steht? Im welschen Fernsehen RTS erklärte ein sichtlich irritierter McSorley auf französisch «J’espère rester!» Wenn man weiss, wie hartnäckig der Kanadier sich der Sprache von Voltaire über all die Jahre verschlossen hat, klingt das schon fast nach einem Hilfeschrei. Was ist passiert? McSorley hat 2016 seine Klub-Anteile an den sowohl omnipräsenten wie auch schwer fassbaren Präsidenten Hugh Quennec abgetreten. Seine Daseinsberechtigung hat sich McSorley mit einem goldenen Fallschirm (sprich Rentenvertrag) als Coach bis in alle Ewigkeit (man spricht von 10 Jahren) gesichert. Doch was nützt ihm das, wenn sein «Freund» Quennec ihn fallen lässt?

…wenn sein «Freund» Quennec ihn fallen lässt?

Im dritten Playoff-Spiel gegen Zug tauchte Quennec mit Hans Kossmann an seiner Seite auf. Sofort schossen Spekulationen ins Kraut. Quennec beschwichtigte und nannte Kossmann einen guten Freund, mit dem er sich ein Eishockeyspiel anschaut. Das war bei McSorley auch mal der Fall. Woher die Finanzen im Fall von Servette stammen, bleibt weiterhin im ungewissen. Gemäss Tribune de Genève, die in Sachen Servette immer aus erster Quelle berichtet, soll die Idee des neuen Stadions «Trèfle-Blanc» wie ein Kartenhaus zusammengefallen sein. Die Stadt Genf jedenfalls ist weder an einer Mitbeteiligung interessiert, noch hat sie irgendwelche Baugesuche aufgelegt. Im Hintergrund treiben auch hier Leute aus Übersee ihre Finanz-Jonglage. Quennec hat mit seinem missglückten Engagement im Fussball (FC Servette) nicht gerade zur Vertrauensbildung beigetragen.

Die grosse Rochade

Fragt sich also: Was passiert mit dem Romand-Hockey? Solide finanziert scheint zur Zeit nur Gottéron zu sein. Die Gelder kommen quasi aus dem Staatsfonds der beiden Firmen Groupe E (Strom) und FKB (Kantonalbank). Doch die Freiburger sind mit ihrem Sportchef Christian Dubé mehr als nur in die Bredouille geraten. Trotz massiv teurerem Kader als Lausanne und Servette, finden sie sich im Playout-Final wieder. Und wehe, der Gang in die Ligaqualifikation würde folgen. Die Freiburger haben selbstbewusst für die nächste Saison bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Sie glauben, Ambri-Piotta sei kein echtes Hindernis im Kampf gegen den Abstieg. Nun, wir werden sehen. Mit Reto Berra hat man im Üechtland einen Top-Torhüter verpflichtet (man spricht von einem drei-Jahresvertrag mit Option auf eine vierte Saison). Den tschechischen Supertechniker Cervenka möchte man gerne behalten. Die Verpflichtungen des Skorers Broc Little und des Kapitäns der schwedischen Spitzenmannschaft Färjestads BK, Magnus Nygren, sind mehr als ein Gerücht. Die beiden wichtigsten Personalien Julien Sprunger und Andreï Bykow wurden vorzeitig geregelt.

Bleibt also noch der Coaching-Posten. Und genau hier kommt die Akte McSorley ins Spiel. Denn mit Larry Huras wird das Team an der Saane mit 200-prozentiger Sicherheit nicht in die nächste Saison steigen. Huras kam als Feuerwehrmann und kann wieder gehen. Die Frage ist nur: Wie löst man das finanzielle Problem mit McSorley’s Rentenvertrag? In diesem Falle ist die Schlauheit von Dubé gefragt. Quennec will offensichtlich seinen langjährigen Kumpanen in Genf los werden. Freiburg sucht händeringend nach einem Coach, der dem verwöhnten Team die Flausen austreibt. Und schliesslich würde Gottérons-Ex-Coach, Hans Kossmann in Genf landen. Es wäre mehr als eine Ironie des Schicksals, wenn dabei die beiden Assistenz-Zwillinge René und Louis Matte als Zusatzcoaches zum Handkuss kämen. Bei Ersterem ist seit der Entlassung in Freiburg Langeweile ausgebrochen. Oder wie es sein Zwillingsbruder vor dem letzten Match in Genf gegen Zug treffend sagte: «Il s‘ emmerde…» Oder auf gut Deutsch gesagt: Er hätte Zeit!

Jari Kurri als Scout in Biel

Foto: Jari Kurri (rechts) am 13. November 2015 auf der Medientribüne in der Bieler Tissot-Arena. (Janne Vuorinen)

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topklub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference».

Salminen im Fokus

Zur Zeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die  Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Jari Kurri in Tramelan unter Beobachtung von Beat Cattaruzza
Jari Kurri (Devils Mailand) 1990 unter Beobachtung von Biels Beat Cattaruzza. (Krein-Archiv)

Gelingt das zweite Wunder von Lyss?

Im Cup-Spiel gegen Fribourg-Gottéron braucht es vollen Einsatz der Lysser, wie hier Nicola Pfeiffer gegen Biels Mathieu Tschantré im Jubiläumsspiel 2014. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Der SC Lyss und der HC Fribourg-Gottéron, war da nicht mal was? In der Saison 1979/80 spielten die aktuellen Cup-Gegner in der Nationalliga-B-Westgruppe (damals war die NLB in zwei Gruppen unterteilt) viermal gegeneinander und viermal gingen die Freiburger als klare Sieger (9:3, 9:2, 13:1 und 8:4) vom Eis. Für die Seeländer spielten die Üechtländer ein Eishockey vom andern Stern, als logische Folge schaffte Gottéron in dieser Saison den Aufstieg in die Nationalliga A und der SC Lyss musste den Gang in die 1. Liga antreten. Lyss kehrte zwischen 1989 und 1993 nochmals vier Jahre in die NLB zurück, Fribourg spielt seither in der NLA.

David gegen Goliath

35 Jahre später treffen die ehemaligen NLB-Gegner im Rahmen des Swiss-Ice-Hockey-Cup wieder aufeinander und wie in der Saison 1979/80 sind die Rollen immer noch klar verteilt. Lyss empfängt als Zweitplatzierter der 1. Liga, Gruppe 2 den Leader der NLA. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben die beiden Cup-Gegner, beide sind in der aktuellen Meisterschaft noch ungeschlagen. Der Underdog gibt sich kämpferisch: «Wir sind bereit für Fribourg», sagt Lyss-Stürmer Nicola Pfeiffer vor dem Duell «David gegen Goliath». Apropos «David», in Anlehnung an den langjährigen Lyss-Trainer Hans-David Steiger (1993-2006) sollte man das Duell eigentlich «Hans-David gegen Goliath» nennen.

Schaad, Robert und Zaugg, einst mit Roman Josi Elite-Junioren Schweizermeister…

Beim Underdog stehen mit Torhüter Fabian Zaugg, den Verteidigern Dominique Robert und Manuel Schaad immerhin drei ehemalige Elite-Junioren Schweizermeister im Team von Trainer Patrick Glanzmann. Neben den drei Lyssern gehörte Nashville Predators-Verteidiger Roman Josi 2009 ebenso zum Meisterkader wie Etienne Froidevaux (Lausanne), Joël Vermin, Tristan Scherwey, Pascal und Alain Berger und Kevin Fey (Biel). Zudem hat Torhüter Zaugg im August das Trainingslager mit dem EHC Biel bestritten. Neben Zaugg (2008/09 Backup von Marco Bührer), können aber nur Schaad (10 Spiele für den SC Bern) und Florin Gerber (24 Spiele für den EHC Biel) auf NLA-Schnuppereinsätze zurückblicken. Allerdings fallen Schaad (Innenband) und Zaugg (Schulter) kurzfristig verletzungsbedingt aus. Der prominente Gegner aus der NLA kann auf die Erfahrung von 783 NHL-Partien, 73 WM-Spiele und 10 Olympia-Einsätze zählen und muss lediglich auf seinen Captain Julien Sprunger (gesperrt) verzichten.

Der historische 2. Januar 1991

Doch da war noch was anderes zwischen Lyss und Fribourg? Eine ähnliche Rollenverteilung wie heute gab es am 2. Januar 1991, als der damalige B-Ligist den HC Fribourg-Gottéron im Rahmen eines Neujahrsschlagerspiels vor 1’900 Zuschauern empfangen hat. Fribourg trat in Lyss mit dem ganzen Kader, inklusive den sowjetischen Superstars Wjatscheslaw Bykow und Andrei Chomutow an und setzte sich schon nach 6 Minuten mit einem brutalen 4-Tore-Vorsprung ab. Ein krasser Klassenunterschied schien für den Gastgeber Böses erahnen. Im Mittelabschnitt wendeten die Lysser mit einem sensationellen 5:0 das Blatt und schafften gegen den übermächtigen Gegner eine unerwartete Überraschung. Lyss siegte im Freundschaftsspiel gegen Bykow/Chomutow und Co. mit 8:5 und die Halle stand Kopf. Gelingt den tapferen Lyssern nach dem Wunder von 1991 auch das Wunder von 2015?

Alle Partien im Überblick

FS, 2. Januar 1991, Lyss – Fribourg-Gottéron 8:5 (1:4, 5:0, 2:1)
Tore: Pfeuti, Laczko (2), Lamoureux (2), S. Schmid, Weibel, Gagné; Brodmann (3), Theus, Balmer

Industriecup, 16. September 1989, Lyss – Fribourg-Gottéron 4:10 (2:2, 1:2, 1:6)
Tore: Lappert, S. Schmid, Laczko, Brambilla; Hodgson (3), I. Griga (2), Rottaris, Schaller (2), Staub, Stastny

NLB, 22. Januar 1980, Lyss – Fribourg-Gottéron 4:8 (1:3, 0:3, 3:2)
Tore: Riesen, D. Tschannen, Eicher, Mäder; Brand, Lussier (3), Lüdi (2), Marti, Lüthi

NLB, 18. Dezember 1979, Fribourg-Gottéron – Lyss 13:1 (1:1, 5:0, 7:0)
Tore: Uttinger, Lüthi (2), Lussier (3), Rouiller, Rotzetter, Marti (2), Stoll (2), Stempfel; Riesen

NLB, 6. November 1979, Lyss – Fribourg-Gottéron 2:9 (0:2, 0:1, 2:6)
Tore: Bula, Riesen; Lüdi (2), Uttinger, Rouiller (2), Brand, Rotzetter, Jeckelmann, Raemy

NLB, 9. Oktober 1979, Fribourg-Gottéron – Lyss 9:3 (5:0, 3:2, 1:1)
Tore: Stempfel (2), Lussier (2), Marti (2), Jeckelmann, Raemy, Rouiller; Riesen (2), Kohler

 

Die Swiss-Ice-Hockey-Cup 1/16-Finals 2016 (29./30.9.2015)

EHC Burgdorf – SCL Tigers 2:7 (1:3, 0:2, 1:2)
GCK Lions – HC Ambrì-Piotta 1:4 (1:2, 0:0, 0:2)
EHC Olten – EV Zug 2:3 (1:0, 0:2, 1:1)
Hockey Thurgau – Kloten Flyers 1:5 (1:0, 0:1, 0:4)
EHC Wiki-Münsingen – EHC Biel 1:12 (0:4, 1:4, 0:4)
SC Weinfelden – SC Rapperswil-Jona Lakers 2:5 (0:1, 2:1, 0:3)
EHC Brandis – EHC Visp 1:4 (1:1, 0:2, 0:1)
SC Lyss – HC Fribourg-Gottéron (1:3 (0:1, 1:0, 0:2)
EHC Chur – ZSC Lions 2:9 (0:3, 0:4, 2:2)
HC Forward-Morges – Lausanne HC 1:6 (0:2, 0:2, 1:2)
HC Université Neuchâtel – Genève-Servette HC 2:10 (1:2, 1:3, 0:5)
SC Langenthal – SC Bern 2:3 (1:0, 1:2, 0:1)
EHC Winterthur – HC Lugano 1:2 (0:1, 0:0, 1:1)
EHC Dübendorf – HC Davos 5:4 nV (2:1, 1:3, 1:0, 1:0)
HC Ajoie – HC Red Ice Martigny 8:4 (2:1, 3:0, 3:3)
HC Sion-Nendaz 4 Vallées – HC La Chaux-de-Fonds 1:2 (0:1, 1:1, 0:0)

Gerd Zenhäusern – der erfolgreichere Gretzky?

Foto: Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz. (Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.

Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.

Pressemitteilung erst nach dem Spiel

Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?

Gerd Zenhäusern verstärkt den Staff der HC Fribourg-Gottéron AG als Cheftrainer der 1. Mannschaft. Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.

Pressemitteilung HC Fribourg-Gottéron

Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.

Gretzky einst Zenhäuserns Idol

Als 16-Jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.