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Unerklärliches aus dem Tal der heulenden Winde

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«AUES GÄH FÜR ROT U GÄUB», Langnaus Heim-Saisonauftakt gegen die ZSC Lions ging in den letzten 100 Sekunden verloren. (Foto: Krein)

Die Krise der SCL Tigers sollte nicht unterschätzt werden. In Langnau beruhigte einst der «Geri vom Bärou», im Zeitnehmerhäuschen in der Ilfishalle die Langnauer-Hockeyfamilie in Krisenzeiten mit dem Spruch: «Ke Angst. So lang i Zytnähmer bi, stige mir nid ab.» Er legte sein Amt völlig überraschend im Sommer 2011 nieder. Im Frühjahr 2013 stiegen die Langnauer noch überraschender zum dritten Mal in die NLB ab.

Wie gross ist Geris Einfluss?

Geri vom Bärou hat, ohne es zu ahnen, auch vor diesem Saisonstart eine Erklärung geliefert: «Müesst de luege ir Vorbereitig heimer aues gwunnä, u ir Meisterschaft verlüre mir de grad diä erste zwe Mätch.» Und es kam noch schlimmer als Geri es erahnte, die Tigers haben die ersten sechs Spiele verloren, drei davon im letzten Drittel und eines nach Verlängerung. Geri hat heute immer noch viel mit Eishockey und den Tigers am Hut. Aber in die Ilfishalle geht er nicht mehr, er ist dafür mehr Zuhause «ums Huus». Könnte Geris Einfluss auf die Langnauer so gross sein wie einst der Einfluss von Godi vom Katzengrat?

So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab

Alles Chabis? Vielleicht, die seltsame Verbindung zwischen unerklärlichen Begebenheiten im Tal der heulenden Winde und Glück und Pech im Eishockey gibt es. Klaus Zaugg beispielsweise erinnert sich noch gut an Godi vom Katzengrat. Die Langnauer mochten in den 70er und 80er Jahren noch so sehr in Abstiegsgefahr stecken, doch Godi beruhigte in den Wirtshäusern: «So lang i läbe stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich immer und immer wieder. 1982 sogar auf Kosten des SC Bern.

Wie einst unter Godi vom Katzengrat

Im Herbst 1984 verstarb Godi vom Katzengrat überraschend – und im folgenden Frühjahr stieg der SC Langnau 1985 völlig unerwartet und entgegen jeder Eishockey-Logik zum ersten Mal aus der NLA ab, sechs Jahre später folgte sogar der Gang in die 1. Liga. Ähnliches kann man über Geri vom Bärou berichten, sass er jeweils Zeitnehmerhäuschen neben Kult-Speakerin Christine «Chrige» Nyffeler, konnten sich die Langnauer seit Geris Amtsantritt und dem Wiederaufstieg 1998 über Jahre durch die Playout-Serien und Liga-Qualifikationen retten und Geri beruhigte im Kabäuschen, «So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich, in Geris Gegenwart immer und immer wieder, wie einst unter Godi vom Katzengrat. In der Zeit nach Godi folgten 14 schwere Jahre bis zum Wiederaufstieg der Emmentaler – und in der Zeit nach Geri stehen die Tigers erst im sechsten Jahr…

 

Die Redaktion: Der Blog ist eine Adaption von Klaus Zauggs Geschichte über Godi vom Katzengrat.

Gerbers Zeitreise in die Ilfishalle

Gerbe

Martin Gerber beim SRF-Interview nach seinem ersten Sieg im zweiten Auswärtsspiel in Langnau. (Foto: SRF)

Am 24. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner.

Vor 22 Jahren in der 1. Liga

In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.

In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor (Martin Gerber)

So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.

Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga

Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).

Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub.

Als ob es gestern gewesen wäre

Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silbermedaillen Gewinner von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.

 

Martin Gerbers Gastspiele in Langnau

19. Oktober 1993, 1. Liga: SC Langnau – SC Thun 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
3’394 Zuschuer. – Gerbers Gegentore: 3. Moser. 25. Markus Hirschi. 35. Michael Rentsch. 46. Lüthi. 51. Reto von Arx. 51. Walter Gerber.

23. Oktober 2015, NLA: SCL Tigers – Kloten Flyers 4:5 (0:3, 2:1, 2:1)
5’842 Zuschauer. – Gerbers Gegentore: 21. Nüssli. 30. DiDomenico. 49. Albrecht. 55. DiDomenico.

 

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Martin Gerber (vorderste Reihe, dritter von rechts) 1992/93 beim Zweitligisten SC Signau. (Foto: Krein-Archiv)

 

Quellen: Rolf Schlapbach (SCL Tigers), Alex Reymondin (EHC Thun)