• «078» ... .. ..
  • mk@eishockeyblog.ch

Schlagwort-Archiv Kloten Flyers

Gerbers Zeitreise in die Ilfishalle

Gerbe

Martin Gerber beim SRF-Interview nach seinem ersten Sieg im zweiten Auswärtsspiel in Langnau. (Foto: SRF)

Am 24. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner.

Vor 22 Jahren in der 1. Liga

In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.

In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor (Martin Gerber)

So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.

Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga

Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).

Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub.

Als ob es gestern gewesen wäre

Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silbermedaillen Gewinner von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.

 

Martin Gerbers Gastspiele in Langnau

19. Oktober 1993, 1. Liga: SC Langnau – SC Thun 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
3’394 Zuschuer. – Gerbers Gegentore: 3. Moser. 25. Markus Hirschi. 35. Michael Rentsch. 46. Lüthi. 51. Reto von Arx. 51. Walter Gerber.

23. Oktober 2015, NLA: SCL Tigers – Kloten Flyers 4:5 (0:3, 2:1, 2:1)
5’842 Zuschauer. – Gerbers Gegentore: 21. Nüssli. 30. DiDomenico. 49. Albrecht. 55. DiDomenico.

 

Foto

Martin Gerber (vorderste Reihe, dritter von rechts) 1992/93 beim Zweitligisten SC Signau. (Foto: Krein-Archiv)

 

Quellen: Rolf Schlapbach (SCL Tigers), Alex Reymondin (EHC Thun)

Copyright Kloten Flyers

Kloten und der heimliche Transfer-Coup

Copyright Kloten Flyers

Peter Mueller im Dress der Florida Panthers, Neuzugang der Kloten Flyers

Peter Mueller? Klarer Fall: Pitsch, der sich auf den Kopf stellende, immer im Schatten von Pirmin stehende, Zürcher Grossmaul-Abfahrer. Was hat dieser Peter Mueller auf einem Eishockeyblog zu suchen? Nichts, wahrlich gar nichts. Die Rede ist von seinem Namensvetter. Peter Mueller, born (no, not in Adliswil) in Bloomington, im US-Bundesstaat Minnesota.

Er trägt seit dieser Saison die Nummer 88 der Flyers. «Seine» Nummer 88. Bisher nahmen nur Hockey-Experten Kenntnis vom heimlichen Transfer-Coup der Flieger. Mueller, Gardemasse von 1m88 und 95 Kilogramm schwer, hat das Pech einen schweizerischen Allerweltsnamen zu besitzen. Wer nichts her gibt beim Namen, ist auch nichts wert. Oder etwa doch nicht? Kein grosser Name also? Gräbt man ein bisschen tiefer in den NHL-Analen, stellt man interessantes fest. Mueller war ein Schnell-Starter. Er wurde 2006 von Phoenix als Nummer 8 gedraftet und erzielte in der ersten NHL Saison (2007/2008) in 81 Spielen satte 54 Punkte. Ausgezeichnete Werte für einen Rookie. Im darauffolgenden Jahr gehörte er – immer noch bei Phoenix – zu den fleissigen Skorern und sammelte 36 Punkte.

Von den Panthers zu den Flyers

Dann kam der Wechsel nach Colorado und mit ihm der Taucher. Eine Saison konnte Mueller gar nicht mittun. Der darauffolgende Wechsel nach Florida gab ihm wieder Auftrieb. Allerdings waren die Panthers vorsichtig und offerierten nur einen 1Jahres-Kontrakt. In Florida waren zwar die Skorerwerte nicht top – aber wen wundert es, bei einer der schwächsten Franchise. Dennoch war der als Center oder Flügel einsetzbare Stürmer von grossem Wert.

Das ist alles trockene Tinte auf altem Papier. Die lange Haarpracht aus der NHL ist weg. Mueller nun bei Kloten. Die Flyers haben einen Transfer-Coup gelandet und das Beste: niemand hat’s bemerkt. Die Klotener hatten bisher noch nicht einmal Zeit, ein aktuelles Foto im Flyers Outfit auf die Homepage zu laden. So überrascht waren sie vermutlich selber über den prominenten Neuzugang. Mueller hat sehr gute Hände und eine ausgezeichnete Spielübersicht. Der Mann ist erst 25 Jahre alt und im besten Hockeyalter. Mit seinen Voraussetzungen wird Mueller in dieser Saison zu einer prägenden Figur auf Schweizer Eis. Wetten?

Zweierlei des Saisonauftakts

Mit «Moskaue in Davos» wurde das Bild betitelt. Das Foto stammt aber von der Europacup-Partie vom 28. Februar 1985, welches der HC Davos in Bern gegen ZSKA Moskau (4:7) gespielt hat.

HCD-Kult-Goalie Richard Bucher 1985 im Europacup Spiel gegen ZSKA Moskau. (Foto: SRF)

HC Davos gegen Kloten Flyers ist mein NLA-Auftakt 2012-13. Aber nicht etwa in Davos, sondern im Zürcher Leutschenbach. Ein Zusammenschnitt von 12 Minuten ist geplant, kommentiert durch Jann Billeter. Dies ist eine ganz neue Situation, sitze doch sonst ich live im Stadion und Billeter, Jaggi und Co. in Zürich am Schnittplatz hinter den Bildschirmen.

Noch vor dem Spielstart um 19.45 Uhr meldet sich Radio-DRS-Journalist Mathias Marti aus Berlin. Auf meinen Rat geht er in der O2 World zum DEL-Auftaktspiel Eisbären Berlin (ehemals SC Dynamo Berlin) gegen die Straubing Tigers.

Schweigeminute für Richard Bucher

In der Zwischenzeit läuft auf dem Bildschirm die Schweigeminute für den letzte Woche verstorbenen HCD-Kultgoalie Richard Bucher. Ich kann mich genau an Buchers letzte Aktivsaison 1988-89 erinnern, von dieser Mannschaft habe ich irgendwo noch ein Mannschaftsposter mit allen Unterschriften.

Zurück ins Jahr 2012, Davos und Kloten, welche übrigens endlich wieder mit ihrem «alten» Klublogo antreten, haben zusammen gerade Mal fünf Ausländer auf dem Matchblatt. Aus finanziellen Gründen oder bereits zukunftsorientierten Wunschvorstellungen. Falls der NHL-Lockout erneut eintreffen würde, kämen Joe Thornton, Rick Nash und Nino Niederreiter zu den Bündnern.

Marti aus Berlin

Davos verliert die Partie im Penaltyschiessen durch einen sehenswerten Penalty Simon Bodenmanns. Schon etwas vorher kommt ein MMS aus der Berliner-Eisbären-Loge von Reporter Marti, welcher mir die 1:3-Niederlage der Eisbären mitteilt. Die 1. Runde von 50 NLA-Qualifikationsspielen oder Spiel 1 von 52 DEL-Runden sind bereits wieder Geschichte.

Prestige um den Davoser Blumentopf

Dr. Carl Spengler

Das Prestigeträchtigste Eishockeyturnier der Welt? So wird der Spengler Cup jedes Jahr aufs Neue angekündigt. Dieses Jahr messen sich der Tschechische-, Deutsche- und Schweizer Vizemeister, KHL-Viertelfinalist Dinamo Riga, das traditionelle Team Canada und natürlich der HC Davos. Das Turnier mag von Prestige und Tradition leben, nicht aber von Klasse und schon gar nicht von sportlichem Wert, denn der Spengler Cup-Sieger gewinnt nicht mehr als ein Blumentopf eines Freundschafts-Turniers. Nur Dank der Unfähigkeit des Internationalen Eishockeyverbandes – Europäische Klubwettbewerbe sind das ewige Sorgenkind – verkommt der Spengler Cup zum vielleicht besten Klubturnier ausserhalb der NHL. Hauptprofiteur des Spengler Cups ist der HC Davos, welcher ohne sein Turnier längst in den Niederungen der 1. Liga verschwunden wäre. Dank des Spengler Cups spielt der HCD seine eigene „Klub WM“ und so kommen die Nati-Verweigerer – welche in Davos reichlich vorhanden sind – doch noch zu internationalen Titelkämpfen. Für die HCD-Stars Reto von Arx, Josef Marha, Beat Forster und Co. ist dies, neben den Playoffs, das höchste aller Gefühle. Mehr wollen und brauchen die Wahlbündner nicht. „Prestigeträchtig“ lautet der Leitsatz. Was für ein Prestige, sich gegen Wolfsburger, Ostrauer, Letten und drittklassige Kanadier messen zu können. Schade war Dr. Carl Spengler kein Aroser, denn dann würde der EHC Arosa unter Arno del Curto in der Altjahrswoche zum Spengler Cup bitten. Und der HCD? Würde sich mit Prestigeträchtigen 1. Liga Spielen gegen Chur und Winterthur begnügen müssen. Klar ist, „wäre“ und „würde“ gibt es nicht und der Spengler Cup bleibt das einzig überlebende Klubturnier von Weltformat.