D Zit louft u louft u louft

Im Herbst 1994 spielte ein gewisser Robert Nardella in der International-Hockey-League (IHL) für die Chicago Wolves. Zur gleichen Zeit spielte ein Martin Schmid beim Zweitligisten SC Biberen und der hier schreibende Kolumnist als Junior beim SC Lyss. Drei unterschiedliche Protagonisten in drei unterschiedlichen Rollen, dessen Wege sich später kreuzen würden. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», singt Kuno Lauener im Züri West-Song «Blues», welcher ebenfalls 1994 auf dem Album «Züri West» erschienen ist.

Durch diese «auti Maschine wo louft u louft u louft», sind die Idole von einst im Laufe der Jahre dem Eishockey-Zirkus entwachsen. So auch Nardella, welchen ich als Nationalspieler Italiens gegen die Schweiz an der A-WM 1995 spielen sah. Nardella spielte bis 1994 beim HC Alleghe, mit einem gewissen Bruce James Cassidy in der Verteidigung. Cassidy? Ja, Cassidy führte 2023 die Vegas Golden Knights zum Stanley-Cup-Titel. Die Stars von einst sind heute Headcoach, Sportchef oder bereits in Rente, denn «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft».

Doch die Wege, wie in jedem Hockey-Umfeld, der eingangs erwähnten Protagonisten werden sich kreuzen. Am 23. Dezember 2001 spielte ich mein erstes Spiel für den SC Biberen in der 2. Liga, zu den Teamleadern unserer Mannschaft gehörte ein gewisser Martin «Tinu» Schmid. Am 19. Oktober 2024 gewann Freiburg-Gottéron zuhause gegen Lugano mit 4:0. Doppelter Torschütze war Sandro Schmid, der Sohn meines ehemaligen Teamkollegen. So landete Schmid-Junior für das MySports-Interview (Foto) bei
mir vor der Kamera.

In der gleichen Woche verkündeten die SC Rapperswil-Jona Lakers die Verpflichtung von Bobby Nardella, Bob Nardella? Ich kannte bisher nur einen «Nardella», Rapperswils Neuzugang ist Roberts (Senior) Sohn. Nardella-Junior debütierte am 25. Oktober 2024 in Biel, welches 1993 auch die Wirkungsstätte von Cassidy, Nardellas ehemaligen Teamkollegen, gewesen ist. Neben seinem Debüt kommentierte ich vier Tage später auch Nardellas ersten Treffer auf Schweizer Eis, auswärts bei Rapperswils 2:4 in Pruntrut. 1994 noch drei willkürlich ausgewählte Namen, dessen Wege sich innerhalb des Mikrokosmos Eishockey irgendwann gekreuzt haben. Es ist der Lauf der Zeit, es ist der Lauf des Lebens und in diesem kleinen Fall nur eine, von tausenden Geschichten rund um die faszinierende «kleine» Welt des Eishockeys. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», zeigt zum einen die Endlichkeit einer Laufbahn und zum andern die Unendlichkeit des Eishockey-Mikrokosmos.

Der grosse Showdown

Was für ein Finish, die 52. und letzte Runde der National-League 2022-23 hat es in sich. Vier Mannschaften kämpfen noch um drei Pre-Playoff-Plätze, zwei Teams kämpfen um einen direkten Playoff-Platz und nochmals zwei Equipen spielen um den Qualifikationssieg. Für jeden Kommentator ist diese letzte Runde ein Hochgenuss, die Vorbereitungen laufen im Vorfeld auf Hochtouren und die Anspannung steigt. Heute Abend gibts kein einzelnes Hauptspiel, nein alle Affichen bilden in einer Konferenz-Schaltung das Hauptspiel. Auf dem Schauplatz «Lugano» braucht der Lokalmatador unbedingt einen Sieg, dies gilt aber auch für Biel, wenn es den erstmaligen Qualifikationssieg will.

Grande wie einst?

Die Stimmung vor dem Spiel rund um die TV-Crew ist locker und fröhlich, alle sind gut drauf. Im Treppenhaus begegne ich Lugano CEO Marco Werder, der ehemalige NLA-Crack ist ebenfalls gut drauf und für einen Schwatz bereit, alles was du jetzt noch zu hören kriegst kannst du vielleicht noch im Live-Spiel verwenden und sei es eine Anekdote aus Werders Hockey-Anfängen. Die ehemalige Resega, einst gerade gut genug für Luganos Endspiele, ist heute auch im letzten Qualifikationsspiel, einer durchzogenen und enttäuschenden Spielzeit der Bianconeri, mit 5’700 Fans gefüllt wie zu Grande-Luganos-Zeiten. Dieses Grande-Lugano scheint in den ersten Minuten als Revival auf dem Eis zu zaubern.

Hauptschauplatz Lugano

Und dann kommt Biel, was für eine Schlussphase, die Ergebnisse in den verschiedenen Schauplätzen überschlagen sich und Lugano zittert isch plötzlich noch in die Pre-Playoffs, während Biel am ersten Qualifikationssieg aller Zeiten schnuppert. Gut nehmen wir mal die Saison 1980-81 dazu, da schaffte Biel nach der Vorrunde von 28 Spielen den ersten Schlussrang. So bleibt Schauplatz Lugano in den letzten zehn Minuten die einzige noch relevante Örtlichkeit der letzten Entscheidung im grossen Showdown. Wow – was für ein Abend – was für eine Sportart und was für ein Spiel. Für solche Partien leben und lieben wir, die hockeyinfizierten und besessenen Individuen, für solche Höhepunkte schwärmen und träumen wir und das ist erst der Anfang – die Spiele um den postgelben Plexiglas-Pokal mögen beginnen.

4. März 2023 – 52. Runde

Lugano – Biel 5:6nP (4:1, 1:1, 0:3, 0:1)
Cornér-Arena. – 5 781 Zuschauer. – SR Piechaczek (De)/Hebeisen, Wolf/Urfer. – Tore: 2. Kessler (Rajala) 0:1. 5. Zanetti (Herburger) 1:1. 10. Granlund (Bennett, Marco Müller) 2:1. 13. Morini (Andersson, Thürkauf /Ausschluss Schneeberger) 3:1. 19. Alatalo (Klok, Herburger) 4:1. 24. Marco Müller 5:1. 30. Sallinen (Olofsson /Ausschluss Fazzini) 5:2. 53. Kessler 5:3. 57. (56:11) Haas (Kessler, Rajala) 5:4. 57. (56:53) Lööv (Haas) 5:5. – Penaltyschiessen: Kessler -, Müller -; Brunner 0:1, Fazzini -; Olofsson -, Granlund 1:1; Künzle -, Bennett -; Haas 1:2, Carr -. – Strafen: Lugano 2-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lugano ohne Arcobello, Connolly und Gerber (alle verletzt), Biel ohne Cunti, Hischier, Hofer, Rathgeb, Tanner (alle verletzt) und Säteri (krank). Biel von 58:30 bis 59:22 und ab 59:24 ohne Torhüter.
Lugano: Koskinen; Alatalo, Klok; Riva, Mirco Müller; Andersson, Guerra; Wolf; Bennett, Marco Müller, Granlund; Carr, Thürkauf (2), Patry; Fazzini (2), Morini, Josephs; Walker, Herburger, Zanetti; Vedova.
Biel (2): Van Pottelberghe (13.-20. Rytz); Schneeberger (2), Lööv; Jakowenko, Grossmann; Delémont, Forster; Christen; Reinhard, Haas, Olofsson; Kessler, Sallinen, Rajala (2); Brunner, Sheahan, Künzle (2); Froidevaux, Schläpfer, Stampfli; Bärtschi.

Wenn die NHL ruft

Wenn die National-Hockey-League ruft, dann ist das eine Ehre. Die Ehre wird dabei noch ehrenvoller, wenn es dabei um die schweizerischste Franchise aller Franchisen geht. Die New Jersey Devils aus dem gleichnamigen Bundesstaat ennet dem Hudson River beschäftigen Nico Hischier, Akira Schmid und Jonas Siegenthaler. Dies hätte sich nun keiner erträumt, der in den 90er Jahren auf der Sega-Mega-Drive die NHL-Spiele von EA-Sports Tag und Nacht durchgespielt hat. Damals war bereits Ken Baumgartner ein «Schweizer» und der erste echte NHL-Schweizer Pauli Jaks wurde ab NHL’95 selbst kreiert und bei den Los Angeles Kings länger als nur ein Drittel eingesetzt.

Kultsender Sportkanal

Im Alter von 45 Jahren ist sie also da, die Premiere als NHL-Live-Kommentator. Hätte ich dies dem 15-jährigen «Ich» von 1992 erzählt, hätte dieser den schon etwas älteren Herrn aus der Zukunft für einen Spinner gehalten. Damals gab es nur den guten, alten «Sportkanal», im NHL-Magazin führte Michael Schürmann, der wohl kompetenteste NHL-Kommentator aller Zeiten, in hervorragender Rhetorik durch die Highlights der faszinierenden und fernen Liga aus Übersee. Geschrieben wurde hierzulande zu dieser Zeit noch kaum über diese Liga, man musste, neben Schürmanns TV-Bildern, schon die «The Hockey News» abonnieren, um Up-to-Date zu sein.

Experte und Scout

Einer der diese ganze Entwicklungsgeschichte «Mittendrin, statt nur dabei» mitgemacht hat, ist der heutige Co-Kommentator und NHL-Scout Thomas Roost. Er weiss alles was man über jeden einzelnen Spieler wissen muss. Sein Werdegang ist ebenso faszinierend wie die schweizerische NHL-Entwicklung zwischen 1992 und 2022. Mit Roost an meiner Seite, musste nun das ganze Wissen der letzten 35 Jahre für dieses erste Spiel, am 19. November 2022, als «Schürmann im Westentaschenformat» gebündelt werden. Um 19 Uhr steigt sie also, die erste NHL-Partie, am rechten «Zürisee-Ufer» im schmucken Erlenbach. Die Devils gastieren in Ottawa bei den Senators, welche exakt vor 30 Jahren, 1992 ins Liga-Geschehen eingegriffen haben.

Teuflische Rekordjagd

Das schweizerische New Jersey steckt im zweitbesten Lauf aller Zeiten, würde die Serie von elf Siegen ausgerechnet heute Abend reissen? Es wäre ein Schönheitsfehler dieses für mich geschichtsträchtigen Abends. Der Franchise-Rekord von 13 Siegen stammt aus der Spielzeit nach dem zweiten Stanley-Cup 2000-01. Captain Hischier, welcher das erste Drittel durch einen Crosscheck Austin Watsons früher verlassen muss, führt die Devils zum zwölften Vollerfolg und trägt, zusammen mit Schmid und Siegenthaler, zu dieser Premiere mehr als nur erfolgreich bei.

Ottawa Senators – New Jersey Devils 1:5 (0:2, 1:2, 0:1)
Canadian-Tire-Center. – 18’881 Zuschauer. – SR Lambert (37)/Blandina (39), Alphonso (52)/Tobias (61). – Tore: 8. Haula (Zetterlund, Severson /Ausschluss Brunnström) 0:1. 16. Bastian (Wood, McLeod) 0:2. 23. Boqvist (Sharangovich, Siegenthaler) 0:3. 38. Brassard (Brännström, Giroux) 1:3. 40. Sharangovich (Hischier /Ausschluss McLeod!) 1:4. 58. McLeod (ins leere Tor) 1:5. – Strafen: Ottawa Senators 4-mal 2 Minuten, New Jersey Devils 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Ottawa ohne Chabot und Norris (beide verletzt), New Jersey ohne Bernier (verletzt). Ottawa ab 58. ohne Torhüter. Sharangovich*, Schmid** und Bastian*** (alle New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet.
Ottawa Senators: Forsberg (23. Talbot); Sanderson, Hamonic; Brännström (2), Zub; Holden, Bernard-Docker; Tkachuk, Stützle, Giroux; DeBrincat, Brassard (2), Joseph; Motte, Pinto, Batherson (2); Kelly, Gambrell (2), Watson.
New Jersey Devils: Schmid (Vanecek); Siegenthaler (2), Hamilton; Graves, Marion; Smith, Severson; Tatar, Hischier, Zetterlund; Haula, Hughes, Bratt; Sharangovich, Boqvist, Mercer; Wood, McLeod (2), Bastian.

Göteborg

Was für eine Abwechslung, was für eine wunderbare Aufgabe, nach einem Jahr innerhalb des eigenen Hockeylandes sehnt sich das Hockey-Herz nach Abwechslung und diese könnte kaum besser sein. Es geht ins schwedische Göteborg, Rögle BK Ängelholm gastiert dabei im Scandinavium der Frölunda Indians. Es spielt der Leader der Svenska-Hockey-Ligan (SHL) gegen den schwedischen Meister und Champions-Hockey-League (CHL) Sieger.

Doppelmeister in der Krise

Europas Nummer eins liegt in Schweden derzeit «nur» auf Rang fünf und steckt nach zuletzt drei Niederlagen in Serie in der dritten kleinen Saisonkrise. Ganz anders der Leader, Rögle spielt seine beste Saison der gesamten Klubgeschichte und reist mit drei Siegen im Gepäck nach Göteborg. Ängelholm liegt rund zwei Autostunden südlich von Göteborg und diese Reise simuliere ich mit meiner rund zweistündigen Fahrt vom Berner Seeland an die Zürcher Goldküste nach Erlenbach. «Ich rausche zwar nicht am Grauholz vorbei, Richtung Zürich Flughafen, auf der Autobahn» wie es Kuno Lauener in seinem Song «Göteborg» zum besten gibt. Doch auch meine Reise, ist wie im Videoclip von ZüriWest nur eine Simulation.

Statt im Scandinavium, welches im südlichen Stadtteil Heden liegt und 1971 erbaut wurde, sitze ich in der Kombüse in der ehemaligen Schärer-Fabrik, gegründet 1921, an der Seestrasse am Zürichsee in meinem simulierten «Göteborg.» Im leeren Scandinavium, aus Pandemietechnischen Gründen, stehen einige Protagonisten mit Schweiz-Bezug zumindest im Rampenlicht der Kameras, das Spiel der 44. Runde wird neben MySportsOne auch auf den schwedischen Sendern TV4 und C-More übertragen.

Altebekannte Schweden

Ted Brithén, der ex-Berner, gibt die Vorlage zum 3:0, dann spielen da noch die hierzuland Bekannten Dennis Everberg, Mattias Sjögren, Adam Tambellini auf der Seite des Leaders und Jan Mursak beim Fünftplatzierten. Mit Jan Larsson, als Assistent an der Bande Rögles steht ein weiterer «alter (bekannter) Schwede» mit Schweizer Vergangenheit. Seine Mannschaft baut mit dem 4:0-Sieg die Leaderposition weiter aus und Frölunda kassiert die vierte Niederlage in Serie und ist weit von seiner Champions-League-Form entfernt. Die Autoreise nach «Göteborg» ist dennoch, auch wenn nur in der Simulation eine absolute Bereicherung.

20. Februar 2021

Frölunda Göteborg – Rögle Ängelholm 0:4 (0:0, 0:3, 0:1)
Scandinavium. – 0 Zuschauer. – SR Linde/Bjalkander. – Tore: 22. Ryfors (Zaar) 0:1. 32. Ryfors (Zaar) 0:2. 35. Zaar (Ryfors, Brithén /Ausschluss Söderblom) 0:3. 45. Palola (Andersson, Lesung) 0:4. – Strafen: Frölunda Indians 5-mal 2 Minuten, Rögle Ängelholm 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Tor von Frölunda Göteborg in der 28. Minute aberkannt.
Frölunda Göteborg: Mattsson; Elliot, Sellgren; Johansson (2), Olsson; Norlinder, Sigalet; Ekbom; Friberg, Lundqvist, Alvarez; Hjalmarsson, Lasu, Rosseli-Olsen (4); Mursak, Sundström (2), Carlsson; Nässen, Henriksson, Söderblom (2).
Rögle Ängelholm: Rifalk; Johannesson, Jonsson; Seider, Gelinas (4); Lesung, LaLeggia; Ekestahl-Jonsson; Zaar, Ryfors, Everberg (4); Tambellini, Brithén (2), Bristedt (2); Andersson, Sjögren, Palola; Matson, Ferguson, Edström.

Wenn du Schach-Matte bist

Der Auftrag ist klar, im Rahmen unserer Sendung «behind-the-bench» (auf MySports One) soll es ein Doppelinterview mit den Matte-Zwillingen, Louis (HC Genf-Servette) und René (HC Ambrì-Piotta) geben. Schon im Presseraum der Les-Vernets-Halle gebe ich meine Interview-Wünsche bekannt. Mein Tessiner Kommentatoren-Pendant fragt, wer der beiden Matte-Zwillinge denn älter sei? René ist eine Minute älter als Louis. Und Louis erklärte mir mal in Biel: «Nicht einmal unser Vater kann uns auseinanderhalten, wenn wir Einzel erscheinen.»

Genf-Louis besiegt Ambrì-René

Das Spiel ist zu Ende, René Matte und Ambrì haben gegen Louis Matte und Genf-Servette mit 1:3 verloren, Louis ist schon da und wir warten gemeinsam auf seinen Bruder René. Nun muss ich mich konzentrieren, denn René muss links im Bild stehen, dass heisst auf meiner rechten Seite, René muss rechts-, zu meiner linken Seite im Bild stehen. Die Vorgabe muss eingehalten werden, sonst sind die beiden während des Interviews falsch angeschrieben (die Untertitel in Erlenbach sind schon bereit). Zumindest die Eselsbrücke «René-rechts und Louis-links» funktioniert.

Schach-Matte

Die Matte-Zwillinge wechseln kurz vor dem Interview nach einmal die Seiten, ich konzentriere mich auf die Fragen und die Eselsbrücke, bemerke die falsche Konstellation nicht mehr rechtzeitig und starte mit dem brisanten Doppel-Interview. Die Frage an Louis geht an René und die Matte-Zwillinge haben mich kurzerhand «Schach-Matte» gesetzt – ach ja und die Eselsbrücke? Die Brücke hab ich nicht mehr gesehen, aber den Esel.

25. Oktober 2019

Genf-Servette – Ambri-Piotta 3:1 (1:1, 0:0, 2:0)
Les Vernets. – 6’080 Zuschauer. – SR DiPietro/Salonen, Duarte/Fuchs. – Tore: 2. D’Agostini (Trisconi/Ausschluss Incir!) 0:1. 20. Winnik 1:1. 44. Tömmernes (Rod) 2:1. 60. (59:13) Tömmernes (Wingels/Ausschlüsse D’Agostini; Rod) 3:1 (ins leere Tor). – Strafen: Genf-Servette 4-mal 2 Minuten, Ambri-Piotta 3-mal 2 plus 10 Minuten (D’Agostini). – Bemerkungen: Genf-Servette ohne Fritsche, Richard, Tanner (alle verletzt) und Olsson (überzähliger Ausländer), Ambri-Piotta ohne Conz, Kostner, Rohrbach, Sabolic und Zwerger (alle verletzt). Hofer verletzt ausgeschieden (41.). PostFinance-Topskorer: Wingels; Fora.
Genf-Servette: Descloux; Jacquemet, Tömmernes; Karrer, Maurer; Mercier, Le Coultre; Völlmin; Wingels, Smirnovs, Rod; Wick, Fehr, Winnik; Miranda, Kast, Bozon; Douay, Berthon, Maillard; Riat.
Ambri-Piotta: Hrachovina; Fora, Dotti; Plastino, Jelovac; Fischer, Payr; Pinana; D’Agostini, Müller, Hofer; Trisconi, Flynn, Egli; Incir, Goi, Bianchi; Neuenschwander, Dal Pian, Kneubuehler; Mazzolini.

Das doppelte Saisonende

Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.

Von Lyssern und Oltern

Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.

„Physisch und psychisch meine härteste Saison aller Zeiten.“

— Michael Krein

Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»

Von Olten nach Freiburg

Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.

Nach der Saison ist vor der Saison

Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.

Der Juri Gagarin von Rossens

Als Kommentator von MySports kommst du auch in den Genuss der Kontinental-Hockey-League (KHL), eine Herausforderung welche mich anspornt. Die Motivation steigert sich zusätzlich wenn es im KHL-Final um den Gagarin-Cup geht. Ak Bars Kasan führt in der «Best-of-Seven-Serie» mit 3:1-Siegen und kann heute Zuhause alles klar machen. Bereits bei Spiel drei in Moskau darf ich ran.

Leider berichte ich nicht in Kasan Vorort von der Tribüne, sondern aus der Kombüse im freiburgischen Rossens, unserem MySports-Studio der Romandie. Dennoch ist die Vorfreude über den möglichen Titelgewinn Kasans bereits in der Vorbereitung ein Genuss. Es ist die zehnte Austragung des Gagarin-Cups und Kasan siegte bereits bei der ersten Titelvergabe 2009.

Pünktlich um 15 Uhr 55 gehts los mit den Worten: «Ich begrüsse Sie zum Final um den Gagarin-Cup 2018 – an diesen schönen Sonntag Nachmittag zur fünften Partie in der Final-Serie zwischen AK Bars Kasan und ZSKA Moskau – zum dritten Mal aus der Tatneft-Arena in Kasan.» Schön wärs, jetzt auf dem Kommentatoren-Platz in der Arena in Tatarstan sitzen zu können, stattdessen sitze ich mutterseelenallein in einer Kombüse zwischen Kuhweide und Autobahnanschluss der A12.

Wie Gagarin?

Juri Gagarin sass am 12. April 1961 alleine in der Raumkapsel «Wostok Eins» und umrundete in 108 Minuten einmal die Erde, fernab vom sowjetischen Festland. So auch ich, ich sitze alleine in der Kommentatoren-Kapsel «MySports Eins» und kommentiere in rund 128 Minuten den Final um den Gagarin-Cup, fernab vom russischen Festland. Der Gedanke ist selbstverständlich (K)reine Selbstironie.

Keine Ironie ist der torarme Final, über die gesamte Finalserie fallen in fünf Spielen gerade mal 16 Tore, so wenig wie noch nie. Kasan gewinnt durch den einzigen Treffer, ausgerechnet durch den Kanadier Rob Klinkhammer, in Spiel fünf den dritten Meistertitel der Clubgeschichte. Das Spektakel ist riesig und wir senden die ganze Zeremonie samt Pokalübergabe, siehe unten auf YouTube, wohl als einziger Sender des deutschsprachigen Raumes. Es hat doch was spezielles, vermutlich war ich weltweit der einzige «deutschsprachige Gagarin», der diese Partie kommentiert hat?

Bars Kasan – ZSKA Moskau 1:0 (0:0, 0:0, 1:0)
42′ Klinkhammer (Tokranov, Lander) 1:0.

Tatneft Arena: 8890 Zuschauer
SR: Ravodin, Odins; Sadovnikov, Sivov
Str. (K): 3×2′
Str. (Z): 2×2′ plus Spieldauer (Grigorenko)

Bars Kasan: Garipov; Yarullin (6), Markov; Batyrshin, Lyamkin; Tokranov, Ohtamaa; Sidorov; Azevedo, Lander, Sekáč; Galiyev, Zaripov, Tkachyov; Burmistrov, Lukoyanov, Potapov; Glukhov, Svitov, Klinkhammer.
ZSKA: Johansson; Robinson, Kiselevich; Marchenko, Nesterov; Pashnin (2), Sergeyev; Blazhiyevsky; Telegin, Andronov, Petrov; Grigorenko (20), Popov, Kaprizov; Zharkov (2), Scott, Shalunov; Popugayev, Okulov, Svetlakov; Kuzmenko.