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Fis(c)herman’s Friend

RSI

Auch mit Patrick Fischer als Headcoach gewinnt die Schweiz gegen Dänemark. (Foto: RSI)

Im Weltmeisterschaftsspiel vom 10. Mai 2016, liegt Dänemark gegen die Schweiz bis zur 50. Minute mit 2:0 in Führung und den Nordländern fehlen nur noch zehn Minuten um Geschichte zu schreiben. Einer der dänischen Hauptdarsteller ist der in Biel gross gewordene Eishockey-Schweizer Nikolaj Ehlers. In der 19. Minute besorgt der 72-fache NHL-Spieler mit einem platzierten Hocheckschuss das 2:0 gegen seinen ehemaligen Biel-Kollegen Reto Berra. Erweisen sich nach Norwegen (3:4 nV) auch die rauen Nordländer aus Dänemark als «zu stark» für die Fis(c)herman’s aus der Schweiz? Der Werbeslogan des englischen Pastillen-Herstellers Fisherman’s Friend passt perfekt.

In zehn WM-Partien gegen Dänemark siegten immer die Schweizer. Dies musste auch Nikolajs Vater und Ex-Lausanne Coach Heinz Ehlers als Spieler an der B-WM 1989 (3:6) und 1995 (1:2) mit zwei Niederlagen anerkennen. Ehlers-Senior steuerte in den beiden Partien gegen die Schweiz 1 Assistpunkt bei. Im Gegensatz zu seinem Vater, scheint Nikolaj gleich in seinem ersten WM-Kracher gegen die Schweiz auf besten Weg einen Sieg zu realisieren.

Fischer schreibt mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten Klasse ein neues Kapitel.

Auf der anderen Seite steht mit Patrick Fischer erstmals seit Simon Schenk und 1987 wieder ein Schweizer Headcoach an der Bande der A-WM. Der letzte Sieg in der obersten Spielklasse unter einem Schweizer Trainer liegt aber schon 54 Jahre zurück, am 8. März 1962 gabs unter Nationaltrainer Beat Rüedi beim 6:3 über Grossbritannien den letzten Sieg. Zehn Minuten trennen Fischer oder Dänemark vor einem neuen Kapitel.

Fischers neues Kapitel

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach? Nach 50 Minuten schwerem Seegang scheinen die starken nordländischen Pastillen dem «Schweizer Fischer» doch noch zu munden. Durch einen Kraftakt besorgen die beiden NHL-Söldner Yannick Weber und Nino Niederreiter bis zur 59. Minute den Ausgleich. «Die Fischer begannen bald, die Pastillen als ihre Freunde zu bezeichnen», hiess es im Hause Fisherman’s Friend kurz nach der Einführung der Kau-Pastillen 1865. 64:08 besiegelt der Overtime-Treffer von Eric Blum die elfte dänische Niederlage im elften WM-Spiel gegen die Eisgenossen.

Damit schreibt Fischer mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten internationalen Klasse ein neues Kapitel Schweizer Eishockey-Geschichte. Und Dänemark? So nahe dran sind die Dänen seit 1969 noch nie, dennoch erweisen sich die Mannen um Ehlers und Co. lediglich als Fis(c)herman’s Friend.

Die Schweizer WM-Bilanz gegen Dänemark

2016, A-WM in Moskau, 3:2 nV
2013, A-WM in Stockholm, 4:1
2008, A-WM in Quebec, 7:2
2007, A-WM in Moskau, 4:1
2003, A-WM in Tampere, 6:2
1997, B-WM in Katowice, 6:4
1996, B-WM in Eindhoven, 10:1
1994, B-WM in Kopenhagen, 2:1
1989, B-WM in Oslo, 6:3
1979, B-WM in Galati, 3:1
1969, C-WM in Skopje, 9:0

Ehlers und das zweite Spiel

Foto: Nikolaj Ehlers (Winnipeg Jets) trifft bei seinem Liga-Debüt zum dritten Mal in seinem zweiten Spiel. (Elsa, Getty Images)

Am 5. Januar 2013 siegte der EHC Biel in einem Qualifikationsspiel gegen die SCL Tigers mit 5:4. Dabei setzte Biel-Trainer Kevin Schläpfer den erst 16-jährigen Junior Nikolaj Ehlers ein. Der Sohn von Heinz Ehlers durfte in seinem zweiten NLA-Spiel in der ersten Linie mit Eric Beaudoin und Emanuel Peter spielen. Nach lediglich 25 Sekunden erwischte der Däne Langnau-Hüter Thomas Bäumle zwischen den Schonern und brachte Biel mit 1:0 in Führung und Ehlers-Junior skorte bereits in seinem zweiten NLA-Spiel.

Auch in Winnipeg zwei Spiele

Auch in der National-Hockey-League (NHL) benötigte Ehlers-Junior nur zwei Spiele für seinen ersten Skorerpunkt. In seiner zweiten Partie für die Winnipeg Jets gab der NHL-Draft von 2014 am 9. Oktober 2015, beim 3:1-Sieg gegen die New Jersey Devils, in der 22. Minute die Vorlage zum 1:0 von Mark Scheifele. Ehlers beendete die Partie mit einer Plus 2 Bilanz und stand 14 Minuten und 14 Sekunden auf dem Eis. Mit seinem ersten Skorerpunkt im zweiten NHL-Spiel ist Ehlers der elfte dänische Punktesammler (siehe unten) in der besten Liga der Welt.

Auch bei den Junioren zwei Partien

In der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) brauchte Ehlers ebenfalls zwei Spiele für den ersten Skorerpunkt. Am 13. September 2013 gab der Rechte Flügel der Halifax Mooseheads in der 17. Minute das Zuspiel auf Danny Moynihan’s 1:0 gegen die Charlottetown Islanders, die Partie ging allerdings 2:5 verloren.

Ehlers‘ zweite Spiele

NLA: 5. Januar 2013, Tor zum 1:0 nach 25 Sekunden.
QMJHL: 13. September 2013, Assist zum 1:0 (Moynihan) nach 17 Minuten und 5 Sekunden.
NHL: 9. Oktober 2015, Assist zum 1:0 (Scheifele) nach 21 Minuten und 3 Sekunden.

-> Ehlers erster NHL-Punkt

Die dänischen NHL-Skorer (Stand 10. Oktober 2015)

Frans Nielsen (NY Islanders), 297 Punkte*
Jannik Hansen (Vancouver), 185 Punkte*
Mikkel Bodker (Arizona), 174 Punkte*
Lars Eller (St. Louis, Montreal), 130 Punkte*
Peter Regin (Ottawa, NY Islanders, Chicago), 67 Punkte
Poul Popiel (Boston, Los Angeles, Detroit, Vancouver, Edmonton), 54 Punkte
Philip Larsen (Dallas, Edmonton), 31 Punkte
Nicklas Jensen (Vancouver), 6 Punkte*
Frederik Andersen (Anaheim), 4 Punkte*
Oliver Lauridsen (Philadelphia), 3 Punkte
Nikolaj Ehlers (Winnipeg), 1 Punkt*

*=noch in der NHL aktiv

Ein dänisches Eishockey-Märchen

Oliver Björkstrand (links) feiert mit Nikolaj Ehlers einen dänischen Treffer gegen Russland. (Foto: Chris Young)

Oliver Björkstrand (links) feiert mit Nikolaj Ehlers einen dänischen Treffer gegen Russland. (Foto: Chris Young)

Würde Dänemarks bekanntester Dichter und Schriftsteller Hans-Christian Andersen ein Eishockeymärchen schreiben, wäre es das Märchen der dänischen U20-Nationalmannschaft. Bis 2002 pendelte das dänische Junioren-Nationalteam zwischen der Weltmeisterschafts- B und C-Klasse hin und her. Dabei waren die Auftritte Dänemarks in der zweiten Klasse noch seltener, zwischen 1986 und 2002 wurde in fünf B-Weltmeisterschaften der Ligaerhalt nur drei Mal geschafft. Vor 14 Jahren verloren die Dänen das Division II-WM-Spiel (die frühere C-Gruppe) um Platz drei gegen Litauen, ehe sie erst ein Jahr später zusammen mit Japan, Lettland und Kroatien den Aufstieg in die Division I (B-Gruppe) realisieren konnten. Schlüsselspieler der letzten «C-Mannschaft» von 2002 war ein gewisser Frans Nielsen, späterer Teamkollege von Mark Streit und Nino Niederreiter bei den New York Islanders, wo er heute zu den wichtigsten Spielern gehört.

Toronto und Montreal

An der U20-Weltmeisterschaft in Toronto in Montreal bestreiten die Dänen, nach 2008 und 2012 erst ihre dritte A-WM. Am 30. Dezember 2014, gelingt den Dänen in ihrem 16. Spiel im Oberhaus der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz. Dänemark holt aber bereits gegen Russland (2:3 nP) und Tschechien (3:4 nV) je einen Punkt und verliert nur gegen WM-Topfavorit Schweden nach 60 Minuten (1:5). Durch den sensationellen Erfolg gegen die Schweiz bestreitet die Mannschaft von Headcoach Olaf Eller, der Vater von Lars (Montreal Canadiens) und Mads Eller (im U20-Team), ihren ersten Viertelfinal der Geschichte gegen den haushohen Favoriten und Gastgeber Kanada.

Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv

Wer sind diese dänischen Helden? Sechs Akteure spielen in den nordamerikanischen Juniorenligen OHL, QMJHL und WHL, einer in der North-American-Hockey-League (NAHL) und vier in Schweden. Die zwei absoluten Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv sind Oliver Björkstrand, Nikolaj Ehlers und Torhüter Georg Sørensen. Björkstrand kommt aus einer amerikanischen Eishockeyfamilie, sein Vater Todd siedelte 1988 von den USA nach Dänemark über und absolvierte 14 Saisons beim dänischen Spitzenclub Herning IK, wo er später auch als Headcoach tätig war. 1989 gewann der Amerikaner mit den US-Selects den Spengler Cup. Ebenfalls beim Spengler Cup spielte Olivers Bruder Patrick, bei Medvescak Zagreb. Oliver spielt seit 2012 bei den Portland Winterhawks, dem ehemaligen Team von Nino Niederreiter und Sven Bärtschi, in der Western-Hockey-League und wurde 2013 als Nr. 89 von den Columbus Blue Jackets gedrafted. An der U20-WM erzielte er in vier Spielen bereits vier Tore und ist in den Top Ten der Skorerliste.

Ehlers, ähnlich wie Björkstrand

Wie Björkstrand stammt auch Nikolaj Ehlers aus einer Hockeyfamilie. Vater Heinz ist Trainer beim HC Lausanne und ist seit einem kurzen Gastspiel 1993/94 als Spieler und seit 2007 als Trainer in der Schweiz (beides beim EHC Biel) bekannt. Durch Vaters Engagement bei Biel durchlief Nikolaj zwischen 2007 und 2013 sämtliche Juniorenstufen beim EHC Biel und debütierte in der Saison 2012/13 als 16-Jähriger in der NLA. Im Sommer 2013 wechselte Ehlers Junior ebenfalls nach Nordamerika zu den Halifax Mooseheads (mit Timo Meier) in die Quebec-Major-Junior-Hockey-League.

Im 16. Spiel gelingt Dänemark der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz.

 

In seiner ersten Saison schlug Ehlers in Halifax ein wie eine Bombe und holte zehn Auszeichnungen, darunter die «Mike-Bossy-Trophy» für den Spieler dem die besten Chancen eingeräumt werden für eine erfolgreiche Karriere in der National-Hockey-League, dazu wurde er «Rookie-of-the-Year» der QMJHL und der gesamten Canadian-Hockey-League (CHL), welche alle drei Ligen OHL, WHL und QMJHL umfasst. Komplettiert wurde Ehlers erfolgreichste Saison der Karriere beim Draft 2014, als Nr. 9 der Winnipeg Jets. Ehlers Cousin Alexander True, dessen Vater Søren True 1993/94 zwei Spiele für Thurgau absolvierte, steht ebenfalls im WM-Kader der U20.

Erfolgreichste Entwicklung der letzten 20 Jahre

Zurück zu Dänemark. Keine andere Eishockey-Nation hat sich in den letzten zwanzig Jahren so gut entwickelt wie die Nordländer. Die A-Nationalmannschaft spielte 1991 ebenfalls noch in der drittklassigen WM C-Gruppe, ist seit 2002 A-klassig und hat sich unter der Weltelite etabliert. Die U20 steht heute erstmals in einem WM-Viertelfinal und die U18 strebt im April 2015 die Rückkehr ins Oberhaus an. Auch wenn das dänische Eishockey-Märchen heute gegen Kanada vorübergehend zu Ende gehen sollte, besser hätte es auch Hans-Christian Andersen nicht schreiben können.

Kevin Fiala als Nummer 11 nach Nashville

Foto: Bill Streicher-USA TODAY Sports

Kevin Fiala im Trikot der Nashville Predators. (Foto: Bill Streicher-USA TODAY Sports)

Kevin Fiala wird beim NHL-Draft in Philadelphia als Nummer elf in der ersten Runde gezogen. Damit ist Fiala der siebte Schweizer Erstrundendraft der Geschichte.

Fiala ist hinter Nino Niederreiter (Nr. 5, 2010) der zweithöchste Schweizer Draft der bisher 53 gezogenen Schweizer. Der Uzwiler verdrängte Sven Bärtschi (Nr. 13, 2011) von der zweiten Position. In den letzten fünf Jahren sind vier Schweizer (Niederreiter, Bärtschi, Mirco Müller und Fiala) in der ersten Runde gezogen worden.

Kevin Fialas Vater Yan (Hans) Fiala, spielte in der Saison 1992-93 35 Spiele für den NLB-Club SC Lyss.

 

Nashville ist bekannt dafür, für seine Schweizer Affinität. Neben Roman Josi und Simon Moser ist Fiala der dritte Schweizer in der Organisation der Predators. Fiala ist nach Timo Helbling (1999, Nr. 162), Martin Höhener (2000, Nr. 284) und Josi (2008, Nr. 38), der vierte Schweizer der von den Predators gezogen wurde.

1984 und 2014 ein Ehlers

Zwei Positionen vor Fiala wurde Nikolaj Ehlers von den Winnipeg Jets ausgewählt. Der 18-jährige Ex-Bieler erzielte In der vergangenen Saison für die Halifax Mooseheads in der  QMJHL in 79 Partien 132 Skorerpunkte. Ehlers ist wie Fiala der zweithöchste dänische NHL Draft nach Mikkel Boedker (Nr. 8, 2008). Nikolajs Vater und aktueller Lausanne-Trainer Heinz Ehlers war 1984 der erste Däne, der als Nr. 188 von den New York Rangers gezogen wurde.

Rod, Merzlikins und Walker

In der zweiten Runde kam als Nr. 53 mit Noah Rod der zweite Schweizer zum Zug. Rod ist erst der zweite Schweizer Draft der Sharks-Geschichte. Luganos lettischer Torhüter Elvis Merzlikins wurde als Nr. 76 von den Columbus Blue Jackets gedrafted. Hockey-Geschichte schrieb der 20-jährige Australier Nathan Walker. Als erster Spieler Ozeaniens wurde der aus New South Wales stammende Stürmer in der dritten Runde als Nr. 89 von den Washington Capitals gezogen.