Die Biertrinkenden Affen

Man ist «Müde wie ein Affe», es hat «Leute wie ein Affe» oder man trinkt «Bier wie ein Affe». Der Ausdruck wird mehrheitlich oder vorwiegend im Emmental verwendet. Einer unserer Gruppe, ein Langnauer, deutet die Herkunft als Entlastung für die «Sau», statt immer den Begriff «Sau» zu verwenden hat man diese einst durch den «Affen» ersetzt. So hat der Affe auch im Prager-Hockey-Frühling Einzug genommen.

Der Konflikt beim Prager-Frühling der Ausgabe 2024 findet glücklicherweise nur auf dem Eis statt. Neben de Eis erlebt die geschichtsträchtige tschechische Hauptstadt eine wahre Invasion aus dem Westen. Schweizer und Österreicher pilgern als «rot-weisse» Welle durch das Prager U-Bahn- und Strassennetz. Die O2-Arena ist bei den Spielen der Alpenländer proppenvoll. Die Schweiz und Österreich geniessen Heimspiele welche die WM-Welt noch nie gesehen hat. Dazu natürlich auch das Heimteam.

Sämtliche Tageskarten mit Tschechien-Spielen sind seit Monaten ausverkauft. Wer sein Ticket nicht rechtzeitig gebucht hat, wenn er beim Ticket-Portal überhaupt ein Ticket buchen konnte, muss über den Schwarzmarkt gehen. Eigentlich will man das nicht, denn die Belastung während der Weltmeisterschaft ist auch mit Ticket bereits enorm. Wenig und schlechter Schlaf werden dabei gepaart mit pausenlosem Bierkonsum, der Körper eines 08/15-Besuchers durchläuft während der WM-Tage eine Bier-Entschlackung, sowie häufigen Toiletten-Gängen, schlechtem Essen (nur Rund um die Spielstätte) und ein äusserst enger und knapper Zeitplan.

Der erste WM-Silber-Coach und ehemalige Lysser Sean Simpson. (WM-Fan)

Sightseeing muss genaustens geplant werden, wer nicht aus den Federn kommt, ist am Mittag in Zeitnot. Dabei bietet die tschechische Hauptstadt derart vieles, die Prager Altstadt ist Unesco-Weltkulturerbe, dazu kommen die Karlsbrücke, der Wenzel-Platz – total überbewertet – die Tschechische Hockey-Hall-of-Fame und viele weitere Museen (Bier-Museum inklusive). Als Alternative zur U-Bahn oder «zu Fuss» gibts, wie in jeder WM-Stadt, die E-Trottinetts von Bolt. Man fährt dann «wie ein Affe» durch die Fussgängerzonen.

Das O2-Arena-Staropramen fliesst in Strömen. (Krein)

«Wie ein Affe» wird in der VIP-Zone konsumiert. Es gibt zwei VIP-Zonen, die zweite Kategorie ist quasi für Jedermann:frau, das Staropramen-Bier wird hier im Minutentakt mehrfach gezapft, 20’000 Liter Staropramen gehen innert 15 Minuten über die Theken der Arena. Dazu gibts allerhand Häppchen in Form von Burgern, Rinds-Tartar, Pizzen, Asiatisch… …die Sicht ist Top, der Komfort ebenfalls. Die Loge wird hier, nicht beim HC Sparta, sondern direkt bei der O2-Arena gemietet und so sind alle Anlässe, Weltmeisterschaft inklusive, im VIP-Paket inbegriffen.

«Wie ein Affe» spielen auch die Schweizer gegen Dänemark und Kanada. Es ist eine wahre Freude und dies gilt auch für unsere östlichen Nachbarn gegen Finnland und Norwegen. Die Spiele verlangen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Fans alles ab. Prag ist ein wahres Hockey-Fest und vor allem ein Rot-Weisser-Triumphzug der beiden Alpennachbarn, bis auf den Ausrutscher der Österreicher, unter dem Schweizer Bundestrainer, gegen die tapferen Briten. Österreich mahnt damit an die Schweiz vor der Krueger-Ära, als man Jahr-für-Jahr entscheidende Spiele gegen schwächere Gegner verloren hat und ausgerechnet ein «Österreicher», Ralph Krueger, hat uns aus diesen Tugenden geführt.

Die Tugend des Bieres, des Genusses und des besten Sportes lassen den Prager Frühling 2024 in bester Erinnerung bleiben, dies zeigt sich mit einem Schnitt von 12’464 Fans pro Spiel und damit noch nie erreichten Zuschauerzahlen. Prag und Eishockey, Prag und WM, Prag und Bier, Prag und Kulinarisches, Prag und Historisches – hier passt einfach alles «wie ein Affe.»

Praha 2024 IIHF Ice Hockey World Championship. (Krein)
Die O2-Arena sorgt für einen Zuschauerboom und WM-Rekord. (Krein)
Die WM 2024 ist Geschichte, bereit zum Abflug. (WM-Fan)

Das Herz von Prag

Die Reise führt mich via Zürich nach Prag, vorher nehme ich aber den Zug nach Genf, so absurd es auch sein mag, die Flugreise «Genf-Zürich-Prag» ist einiges günstiger als ein Direktflug «Zürich-Prag», daher die umständliche Reise in die tschechische Hauptstadt. Der Zeitplan ist eng, denn Chris Habegger (Dukla Jihlava-Koryphäe und Tschechien-Reiseführer) und Beat Kurt (langjähriger Kenner des Ostens- und des Hockeys) reisen bereits am Vortag per Skoda via Jihlava an.

Am Vaclav-Havel-Flughafen (Vaclava Havla) bleiben mir nur wenige Minuten um in den richtigen Bus (100) zu steigen, um dann in Zlicin die Metro nach Cerny-Most zu nehmen. Direkt bei der Haltestelle Českomoravská steht die O2-Arena des HC Sparta Prag, in diesem eishockeytechnischen Prunkstück befindet sich auch die Hall-of-Fame. Dort treffe ich meine beiden Schweizer Kollegen und die Zeit in einer solchen Ruhmeshalle will voll und ganz genutzt werden. Bereits beim Ticket-Automaten habe ich Probleme, weil ich nur grosse Noten habe, das U-Bahn-Ticket kostet gerade mal 32 Kronen (ca. SFr 1.44), beim Wechseln mit 1000 Kronen schaut die Kiosk-Frau etwas verdutzt, willigt aber ein.

Das U-Bahn Ticket nach Českomoravská für 32 Kc (Tschechische Kronen). (Krein)

Českomoravská, mir gefällt der Name, erreicht – erblickt man die imposante O2-Arena, Heimstätte von Sparta Prag, gut zu sehen der Bordeaux-rote «S», welcher Sparta seit jeher symbolisiert. Das Prunkstück der Arena ist aber nicht zwingend «Sparta», sondern das ganze Herz des tschechischen- und tschechoslowakischen Eishockeys, die Hall-of-Fame.

Die bevorstehenden Stunden werden abwechselnd durch glückselige- und ermüdende Momente geprägt. Nach rund zwei Stunden tritt die emotionale Erschöpfung ein, so gilt es, sich in diesen zwei Stunden aufs wesentliche zu konzentrieren, kein leichtes Unterfangen, bei so viel Hockey Know-How, Kollege Habegger, Gründer des Dukla Jihlava Fanklubs Schweiz und Besitzer von 600 Hockey-Jerseys aus der kommunistischen Zeit, hat einen Teil der Ausstellung selber beigesteuert und Beat Kurt kann dir von jedem slawischen Dorf die deutsche Bezeichnung nennen.

Nach langem stöbern, räuspern und staunen erheizt ein goldener Pokal in Form einer nackten Frau die Gemüter. Was zum Teufel für ein Pokal ist das – diesen hochzustemmen muss wohl ein tolles Gefühl gewesen sein, zeihen wir uns gegenseitig auf. Der Hingucker, entpuppt sich bei genauerem hin-gucken als Trophäe von Genf. Die «Perrot-Duval-Challenge» von Genf? Nie gehört und genau da kommt der Punkt, «ich will alles über die Perrot-Duval-Challenge wissen, was man wissen muss», dazu später mehr.

Zum Abendessen sind wir bei einen tschechischen Hockeyfreund «Christophovi» Habeggers in einer keinen Plattenbau-Wohnung in Prag eingeladen. Wie in Tschechien üblich, werden köstliche belegte Brote serviert. Ein Abend, wie er tschechischer nicht sein könnte, in guter und freundlicher Gesellschaft, mitten im Herz von Prag.

In der tschechischen Ruhmeshalle also, erfahren wir von einem längst in Vergessenhgeit geratenen Turniers auf Schweizer Boden, dank des Perrot-Duval-Challenge-Pokals. Eine nackte Frau in Gold zeirt die wirklich spezeille Trophäe, Spender ist Gaston Perrot, Gründer der Perrot Duval Holding in Genf, einem Unternehmer der Automatisierungstechnologie, welches ursprünglich in der Automobilbranche täti ist. Automobil und Genf = Autosalon – und da sind wir beim besagten Turnier. Während des Autosalons witd in den 60er Jahren parallel dazu ein internationales Turnier ausgetragen. 1964 etwa nehmen neben dem Tschechoslowakischen Nationalteam, das sowjetische Klubteam von Chimik Wosskresensk, die Kanadier der Winnipeg Maroons und eine kanadische Auswahl von in Europa tätigen Kanadiern teil.

Inhaber der Trikots in der Dukla-Vitrine: «Christophovi Habegger»