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Premieren in Grenoble

Foto: Das Stade-de-Glace (heute) bot 1968 eine Premiere, Timo Helbling 2015. (Michael Krein/Mario Gehrer) 

Die Schweiz gewinnt am 24. April 2015 in Genoble das WM-Vorbereitungsspiel gegen Frankreich mit 3:2. Für die Schweiz war es der 34. Sieg im 47. Länderspiel gegen die Franzosen, nach 1984 (7:2) und 2010 (2:1) standen sich die beiden Mannschaften erst zum dritten Mal in Grenoble gegenüber. 1984 aber noch im Olympiastadion «Stade-de-Glace», welches im Oktober 1967 für die Olympischen Winterspiele 1968 fertiggestellt wurde.

Noch heute, 47 Jahre später, ist das Stadion eine imposante Erscheinung. Architektonisch wirkt die Hülle des Prunkstücks wie eine Mischung zwischen der Oper von Sydney und dem Eisstadion Davos (Baujahr 1979). Möglicherweise diente das architektonische Meisterwerk von Robert Demartini und Pierre Junillon als Davoser Vorlage. Das Dach besteht aus zwei sich kreuzenden zylindrischen Gewölben. Die Halle mit 12’000 Sitzplätzen befindet sich im Parc Paul Mistral, dem zentral gelegenen Stadtpark von Grenoble und dient heute für Konzerte, Messeveranstaltungen und verschiedene sportliche Anlässe, wie etwa das Sechstagerennen. Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgten 1968 für einige Premieren. Die Franzosen präsentierten mit «Schuss», das erste Olympia-Maskottchen, hatten mit 37 Ländern einen neuen Teilnehmerrekord und montierten im Stade-de-glace erstmals durchsichtige Plexiglas-Banden, wie sie erst beim Winter-Classic-Game zwischen Genf-Servette und Lausanne am 11. Januar 2014 im Stade-de-Genève wieder aufgetaucht sind.

Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgten 1968 für einige Premieren

Michael Krein

Beim Rundgang um den «Palais des Sports», wie die multifunktionale Halle heute heisst, versucht sich das Unterbewusstsein an die alten Zeiten zurück zu erinnern. Es scheint als sei man plötzlich mittendrin, am 15. Februar 1968, eine Stunde vor Spielbeginn (21 Uhr) zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, dem Höhepunkt des Turniers. Das Publikum strömt aus allen Seitenstrassen in den Parc Paul Mistral, Richtung Eingänge O (Oest) und E (Est). Fantrikots sind da noch fehl am Platz, die Leute sind elegant in grau, beige oder schwarz gekleidet und betreten das Eisstadion gesittet wie beim Gang in die Oper. Vor dem Eingangsportal E, am Boulevard Clemenceau ist eine Bushaltestelle, ein blau-weisser Bus bringt die Zuschauer direkt vors Stadion. Die Stimme des Speakers durchdringt die Stadionwände und verstärkt den Drang, endlich ins Stadion zu gelangen und die beiden Weltklassemannschaften aus dem Osten beim Einspielen zu bestaunen.

Der Höhepunkt des Olympiaturniers

Durch Tore von Frantisek Ševčík, Petr Hejma und Jan Havel führt die CSSR nach dem ersten Drittel mit 3:1. Durch zwei weitere Treffer von Jozef Golonka und Jaroslav Jiřík gewinnt die Mannschaft von Coach Jaroslav Pitner mit 5:4 und die Sensation ist perfekt. Was für ein Spiel, für einen kleinen Moment scheint man gedanklich tatsächlich dabei gewesen zu sein. Vor der letzten Runde führen die Tschechoslowaken die Tabelle an, verpassen aber mit einem 2:2 gegen Schweden, Golonka hatte den 3:2-Siegtreffer auf dem Stock, den Gewinn der Goldmedaille. Der Olympiasieg geht am 17. Februar 1968 durch das abschliessende 5:0 der Sbornaja gegen Kanada an die Sowjetunion.

Helblings Premiere

Vier Kilometer südlich hat sich das Stadion Pole du Sud geleert, Schweizer und Franzosen geben ihre Interviews. Hauptprotagonist ist Verteidiger Timo Helbling, er hat in seinem 77. Länderspiel zum ersten- und zweiten Mal getroffen und avanciert zum Matchwinner. Grenoble hat eben auch 47 Jahre später noch seine Premieren, gestern waren es Plexiglasbanden und Maskottchen, heute ist es Helbling. Was der Solothurner zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, er hat an diesem Abend das WM-Ticket für Prag tatsächlich gelöst.

Daniel Bongni, einst unter Simpson, heute für Hiller

Teemu Selänne – der Olympia-Marathon-Man

Teemu Selänne feiert einen Treffer gegen Polen an den Olympischen Spielen in Albertville 1992. (Foto Matti Björkman)

Teemu Selänne feiert einen Treffer gegen Polen an den Olympischen Spielen in Albertville 1992. (Foto Matti Björkman)

Die finnische Eishockey-Legende Teemu Selänne wird in Sotschi seine sechsten Olympischen Spiele bestreiten. Der 43-jährige Stürmer der Anaheim Ducks wurde als einer von 16 NHL-Profis in das Aufgebot seines Heimatlandes berufen.

Nach seinem Landsmann Raimo Helminen (1984, 1988, 1992, 1994, 1998, 2002) wird Selänne erst der zweite Eishockeyspieler sein, der sechsmal an Olympia teilnimmt. Seine erste Olympia-Teilnahme bestritt der damals 21-jährige Finne 1992 in Albertville, wo er mit Finnland bereits im Viertelfinal scheiterte. Durch sein NHL-Engamement bei den Winnipeg Jets verpasste der Stanley-Cup-Sieger von 2007 die olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Drei Olympia-Medaillen an fünf Teilnahmen

1998 und 2010 gewann er mit Finnland Olympia-Bronze, 2006 in Turin sogar Silber. In Salt Lake City belegten die Finnen mit Team-Captain Selänne den 6. Rang. In seinen bisherigen fünf olympischen Turnieren buchte er in 31 Spielen 37 Skorerpunkte. 2006 wurde er ins Olympia All-Star-Team gewählt und zum besten Stürmer des Turniers ausgezeichnet, zudem wurde er Topskorer.

Rücktritt und Debüt 2018?

Im vergangenen Jahr kündigte Selänne bereits an, dass er nach dieser Saison seine Karriere in Anaheim beenden wird. Für die Nachfolge wäre bereits gesorgt, denn mit Eemil und Eetu Selänne spielen beide Söhne Selännes in den amerikanischen Juniorenligen. Eemil wäre an den nächsten Olympischen Spielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang 21-jährig, wie sein Vater damals beim Olympia-Debüt in Albertville. Da die Selänne-Jungs in den USA geboren sind, könnten die beiden auch für die USA spielen.

 

Selännes-Olympia-Statistik

1992 8 Spiele, 7 Tore, 4 Assists, 11 Punkte, 6 Strafminuten, 7. Rang
1998 5 Spiele, 4 Tore, 6 Assists, 10 Punkte, 8 Strafminuten, Bronze
2002 4 Spiele, 3 Tore, 0 Assists, 3 Punkte, 2 Strafminuten, 6. Rang
2006 8 Spiele, 6 Tore, 5 Assists, 11 Punkte, 4 Strafminuten, Silber
2010 6 Spiele, 0 Tore, 2 Assists, 2 Punkte, 0 Strafminuten, Bronze
Total 31 Spiele, 20 Tore, 17 Assists, 37 Punkte, 20 Strafminuten

Nächtliche Sternstunden vor dem TV

Die Olympischen Spiele stehen unter einem speziellen Geist, schon die Athmosphäre, welche ich leider nur von einem Tagesausflug nach Torino 2006 (siehe im Blog) kenne, ist einzigartig. Noch spezieller ist es, wenn die Spiele in Übersee stattfinden. Ich erinnere mich an Salt Lake City. Mit Fernsehen durchzechte Nächte wurden die Spiele zu einem einmaligen Erlebnis. Ich kann mich sogar an Einzelheiten, wie z. Bsp. was ich zu welchem Spiel gegessen habe, erinnern.

Die Frage stellt sich jeweils vor dem Nachtspiel um 01:30 Uhr, soll ich aufstehen oder nicht? Lohnt es sich für die Partie Kanada-Schweiz aufzustehen oder ist es eine klare Angelegenheit? So geschehen in der Nacht vom 18. Februar 2010: Mein Vater, welcher immer wieder wichtige, nächtliche Sternstunden des Sports verpasst, meint: „nein ich stehe nicht auf“, trotz meiner Warnung, dass es vielleicht ein Knüller geben könnte! Alle welche den Wecker gestellt haben, kamen in der Nacht vom 18. Februar 2010 respektive 19. Februar auf ihre Kosten. Das Spiel war ein absoluter Knüller.

Warum sind die Kanadier in Bestbesetzung nicht in der Lage die Schweiz nach regulärer Spielzeit zu besiegen? Einmal (Torino 2006) kann das passieren aber nicht zweimal hintereinander, vorallem nicht auf heimischem Eis! Ich bin sicher die Schweiz hätte gegen eine „zweitklassige“ Kanada-WM-Auswahl nach 60 Minuten verloren. Kanadas Olympia-Auswahl besteht aus Topstars, Dollarmillionäre welche das schöne Eishockey zu spielen pflegen. Dieses Spiel kommt der Schweiz entgegen, besser als das härtere, dafür spielerisch limitierte Eishockey einer zweit- oder drittklassigen kanadischen Auswahl.

Kommt dazu, dass die Schweiz in Aussenseiterrollen fast immer ein gutes Spiel abliefert. Das gleiche Spiel hätten die Kanadier 1987 (mit dem Canada Cup Team) mit 15:0 gewonnen. Dieser Klassenunterschied müsste doch auch heute noch vorhanden sein, schon nur wenn man den TV-Kommentar gehört hat: „Paterlini gegen Crosby“ oder man könnte auch sagen: „Rapperswil-Jona Lakers gegen Pittsburgh Penguins“.

Von olympischem und Goaliemasken…

http://www.blick.ch/news/hiller-steigt-mit-tell-in-den-kampf-aid140305

Das griechische Olympia ist alle zwei Jahre Ausgangspunkt für den olympischen Fackellauf. In der griechischen Antike wurde das Feuer zu Ehren der Göttin Hestia entzündet. Nun was hat dies mit Eishockey zu tun? Ohne Olympia und sein Feuer finden keine olympischen Spiele statt. Ohne Goaliemaske kann Jonas Hiller nicht an den olympischen Spielen antreten.

So gesehen ist Bern Hillers Olympia, denn da ist der Ausgangspunkt für Jonas Hillers Goaliemasken. Das neuste Werk aus dem Hause Airxess hat fast die gleiche Strecke (in Luftlinie gemessen) wie das olympische Feuer hinter sich gebracht. Ein olympischer „Maskenlauf“ im wahrsten Sinne des Wortes. Via United Packed Service, American Airlines und Mister Martinez (nahm das Packet beim Honda Center in Anaheim im Empfang)… und schliesslich Jonas Hiller selbst haben die Maske von Bern nach Vancouver gebracht… mehr unter obenstehendem Link.

Airxess Bericht SLAPSHOT Nr. 7, 2003 von Michael Krein

Torino retour in zwanzig Stunden

So nah wie jetzt werde ich Olympische Spiele nicht wieder besuchen können. Also dann, nichts wie hin. Abfahrt, Mittwoch, 22. Februar 2006, morgens um 7 Uhr 30 in Lyss. 16 Uhr 30 sitzen wir (Claude M. und ich) in der provisorischen Olympiahalle in Turin. Auf dem Eis beginnt das Viertelfinalspiel Schweden-Schweiz. Leider können die Schweizer nicht an die Superleistungen gegen Kanada (2:0) und Tschechien (3:2) anknüpfen und verabschieden sich vom Olympiaturnier.

Am Abend steht ein Leckerbissen auf dem Programm: Russland gegen Kanada in Bestbesetzung. Dazwischen gibts natürlich einen echten „Leckerbissen“ in Form einer Pizza, beim „Italiener“ um die Ecke. Die Affiche am Abend, zu diesem Zeitpunkt meines Lebens das wohl beste Spiel, dass ich je live im Stadion gesehen habe. Torino retour hat sich also gelohnt, auch wenn sich die Rückfahrt via San Bernardino bis um morgens um 4 Uhr dahinzieht. Zwanzig Stunden und dreissig Minuten dauerte unser olympische Traum, kurz und intensiv, spektakulär und einmalig. Der nächste Besuch bei Olympischen Spielen wird eine Weile dauern… wohl frühestens 2018…

Schweiz – Schweden 2:6 (1:2, 0:3, 1:1)
Torino. – 2’970 Zuschauer. – SR Marouelli (Ka); Nelson (USA), Seljanin (Russ). – Tore: 3:05 Henrik Sedin (Daniel Sedin, Lidström) 0:1. 8:37 Streit (Della Rossa, Plüss) 1:1. 13:49 Modin (Forsberg, Alfredsson) 1:2. 22:17 Zetterberg (Holmström, Kenny Jönsson) 1:3. 29:07 Mats Sundin (Lidström, Alfredsson) 1:4. 32:52 Mats Sundin (Forsberg, Daniel Tjärnqvist) 1:5. 40:49 Lemm (Rüthemann) 2:5. 48:36 Pahlsson (Alfredsson, Axelsson) 2:6. – Strafen: Schweiz 4-mal 2 Minuten, Schweden 2 Minuten.
Schweiz: Gerber; Keller, Streit; Blindenbacher, Hirschi; Seger, Bezina; Forster, Vauclair; DiPietro, Plüss, Della Rossa; Paterlini, Rüthemann, Ambühl; Conne, Jenni, Fischer; Lemm, Jeannin, Wichser. Coach: Ralph Krueger.
Schweden: Lundqvist; Lidström, Öhlund; Hävelid, Daniel Tjärnqvist; Kenny Jönsson, Bäckman; Ronnie Sundin; Modin, Mats Sundin, Forsberg; Alfredsson, Pahlsson, Axelsson; Holmström, Jörgen Jönsson, Zetterberg; Samuelsson, Henrik Sedin, Daniel Sedin; Hannula. Coach: Bengt-Ake Gustafsson.

…und der Leckerbissen:

Russland – Kanada 2:0 (0:0, 0:0, 2:0)
Torino. – 4’130 Zuschauer. – SR Larue (USA); Sericolo (USA), Karlsson (SWE). – Tore: 41:30 Ovechkin (Kozlov/Ausschluss Kanada) 1:0. 59:37 Kovalev (Andrei Markov/Ausschluss Kanada) 2:0. – Strafen: Russland 8-mal 2 Minuten plus 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Malkin), Kanada 9-mal 2 Minuten.
Russland: Nabokov; Andrei Markov, Daniil Markov; Tjutin, Volchenkov; Kasparaitis, Gonchar; Vishnevski, Zukov; Kovalev, Datsyuk, Kovalchuk; Kozlov, Yashin, Ovechkin; Sushinski, Malkin, Charitonov; Afinogenov, Korolyuk, Taratuchin. Coach: Vladimir Krikunov.
Kanada: Brodeur; Foote, Redden; Bouwmeester, Pronger; Blake, Regehr; McCabe; Iginla, Sakic, Gagné; Heatley, Richards, Draper; Bertuzzi, Thornton, Nash; St. Louis, Lecavalier, Smyth; Doan. Coach: Pat Quinn.