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Die Schweizer Langeweile

Bern, Zürich und Davos. Diese drei Mannschaften teilen sich seit 13 Jahren den Schweizermeister-Titel. Es ist fast wie in der alten DDR, da spielten während zwanzig Jahren mit der SG Dynamo Berlin und der SG Dynamo Weisswasser nur zwei Mannschaften um den Titel, allerdings gabs in Ostdeutschland zwischen 1970 und 1990 auch nur diese zwei Klubs. Haben in der Schweiz nur diese drei Teams das Zeug dazu den Titel zu holen? Rein statistisch gesehen, leider Ja. Schauen wir in der Schweiz acht weitere Jahre zurück, kommt mit dem HC Lugano in insgesamt 21 Jahren nur ein weiterer Klub dazu. Langeweile oder Konstanz?

Schwieriger Vergleich

In der National-Hockey-League (NHL) spielen 31 Mannschaften, dies minimiert die Chance auf den Stanley-Cup für jeden Einzelnen. Noch schwieriger gilt ein Vergleich für Teams aus der American-Hockey-League (AHL), hier wurde seit 2007 die halbe Liga ausgewechselt. Gerade mal 14 von 31 Organisationen waren vor 13 Jahren schon dabei, dies erhöht eine wechselnde Titel-Kadenz automatisch. Erstaunlich konstant
blieb die, im gleichen Umfang praktizierende «russische» Kontinental-Hockey-League (KHL), beim stemmen des Gagarin-Cups, mit nur sechs verschiedenen Titelträgern. Aktuell holte der Traditionsclub ZSKA Moskau erstmals seit 1989 und damit seit 30 Jahren wieder einen Meistertitel.

Ist es eine Mentalitätsfrage?

Die Schweiz, lässt sich bestenfalls mit den Ligen Deutschlands, Finnlands, Schwedens und Tschechiens vergleichen und da hinkt die National-League (NL) in Sachen Abwechslung klar hinterher. Selbst in der sechs Teams umfassenden Spanischen Meisterschaft, gabs in der gleichen Zeit fünf verschiedene Titelträger. Eine Frage der Finanzen? Zwischenzeitlich gibt es in der NL mehr als nur drei Finanzkräftige Teams und die ZSC Lions haben sogar die Playoffs verpasst, so gesehen zählt dieser Aspekt nicht mehr.

Schweizer Mentalität?

Ist es eine Mentalitätsfrage? Denn auch im Schweizer Fussball ging der Titel in den letzten 13 Jahren, mit dem BSC Young Boys, dem FC Basel und dem FC Zürich nur an drei verschiedene Teams. Der HC Genf-Servette und der EHC Biel waren mit dem neuen und «alten» Meister sportlich zwar fast auf Augenhöhe, doch in der entscheidenden Phase hat der letzte Wille oder die Klasse gefehlt. Dabei liebt der «Schweizer» doch die Rolle des Aussenseiters. Denn gleichzeitig ist in keinem anderen Land der Welt, der Qualifikationssieger im Viertelfinal so häufig (5-mal) ausgeschieden wie in der Schweiz. Und dennoch, gewinnt am Schluss immer «Berlin» oder «Weisswasser» oder in der eidgenössischen Version eben Bern oder Zürich, in der langweiligsten Meisterschaft seit Auflösung der DDR.

Alle Schweizermeister

Die Ligen im Vergleich (seit 2007)
10 Meister: NHL und Tschechien
7 Meister: AHL, Schweden und Australien
6 Meister: Finnland, KHL
5 Meister: Deutschland, EBEL, Grossbritannien, Norwegen, Slowakei und Spanien
4 Meister: Frankreich
3 Meister: Schweiz

Wenn Törmänen auf Jalonen trifft

Antti Törmänen trifft als Biel-Trainer erstmals auf seinen Landsmann Kari Jalonen und den SC Bern. (Hervé Chavaillaz)

Am 13. Januar 2018 trifft der EHC Biel-Coach Antti Törmänen im Rahmen der National-League zum ersten Mal wieder auf den SC Bern. Am 22. November 2013 hat Törmänen mit dem SCB seine letzte NLA-Partie gegen Biel mit 1:4 verloren. Bei Törmänens Comeback am 12. Dezember 2017 gegen den HC Lausanne siegte Biel wieder mit 4:1. Der Auftakt unter dem ersten finnischen Trainer in Biel ist mehr als geglückt. In den ersten neun Spielen unter dem Finnen haben die Seeländer sieben Partien gewonnen, gepunktet haben die Bieler sogar in jedem Spiel seit Törmänens Ankunft.

Vier Jahre Gegner in der finnischen «Liiga»

Mit Samuel Kreis und Julian Schmutz stehen zwei Spieler im Kader, welche schon unter Törmänen in Bern gespielt haben. Keine gemeinsame Vergangenheit haben die finnischen Headcoaches von Biel und Bern. Die beiden kennen sich aus der finnischen «Liiga», damals noch «SM-Liiga», nur als Gegner. Zwischen 1990 und 1994 traf Kari Jalonen mit TPS Turku und Lukko Rauma während vier Saisons auf Antti Törmänen und Jokerit Helsinki. Beide konnten in dieser Zeit je zwei Meistertitel feiern: Jalonen 1991 und 1993 mit Turku, Törmänen 1992 und 1994 mit Jokerit. Allerdings trafen die beiden erst 1994 im Halbfinal zwischen Jokerit und Rauma erstmals in den Playoffs, mit dem besseren Ende für den aktuellen Biel-Trainer, aufeinander.

Huddinge’s Lugano-Erben

Linus Klasen muss aus Kent Johanssons Fusstapfen treten. (Foto: hockeysverige/keystone)

Linus Klasen und Kent Johansson (rechts) stammen beide aus Huddinge. (Foto: hockeysverige/keystone)

Am 2. März 1989 trifft Didier Massy in der fünften Minute als erster Spieler der Geschichte in der Finalserie zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern zum 1:0. Es ist der Auftakt eines bis heute anhaltenden Klassikers des Schweizer Eishockeys. Lugano gewinnt das erste Spiel «erwartungsgemäss» mit 6:2, verliert die «Best-of-Five» Serie aber mit 2:3. Mit diesem Erfolg beendet der SCB unter Trainer Bill Gilligan Luganos dreijährige Vorherrschaft, denn der grosse Dominator unter John Slettvoll verliert erstmals seit Einführung der Playoffs 1985/86 eine Playoff-Serie.

Bern’s Sieg beendet nicht nur Luganos Dominanz, sondern auch die Schweizer-Karriere des Ausnahmekönners Kent Johansson. Der schwedische Internationale in Diensten Lugano’s ist einer der Baumeister der ersten drei Meistertitel (gegen Davos und Kloten) der Bianconeri. In der Serie gegen den SCB gelingen dem Mittelstürmer im dritten Spiel zwei Tore gegen Renato Tosio und Co., zum Sieg reichts aber trotzdem nicht. In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen die Mutzen: Linus Klasen.

In der jüngsten Ausgabe des Klassikers schiesst erstmals seit Johansson und dem 7. März 1989 wieder ein Lugano-Schwede zwei Final-Tore gegen den SCB

Wie Johansson stammt auch Klasen vom Stockholmer Provinzklub Huddinge IK. Der schwedische Drittligist, welcher in den 90er Jahren öfters in der Schweiz gastiert, hat unter anderem auch die Weltklasse-Stürmer Michael Nylander (967 NHL-Spiele, 1995/96 bei Lugano) oder Kent’s Bruder Mikael Johansson (vier Meistertitel mit Kloten) hervorgebracht.

Klasen’s Titelhunger

Anders als Klasen hatte Johansson 1989 vor der Finalserie schon vier Meistertitel, drei mit den Bianconeri und einen mit Djurgardens IF Stockholm, in seinem Palmarès. Der Hunger nach einem weiteren Titel war bei Johansson nicht mehr so gross wie das heute bei seinem Klub-Kollegen der Fall ist. Klasen hat zum heutigen Zeitpunkt «erst» eine WM-Bronze-Medaille und einen schwedischen Vize-Meistertitel mit Lulea HF in seiner Tasche. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen den beiden Ausnahmekönnern innerhalb ihrer Epoche bei den Südtessinern.

Klasen bucht im ersten Finalspiel gegen den SCB vier Skorerpunkte und verhilft, anders als Johansson, seiner Mannschaft zum Sieg (5:4). Mit dieser persönlichen Startbilanz dürfte selbst Petteri Nummelin’s Rekord von neun Skorerpunkten aus fünf Finalspielen 2003/04 gegen den SCB geknackt werden. Klasen muss also nicht in Johansson’s-, sondern aus Johansson’s Fussstapfen treten, dann wird ein Titelgewinn eines «Erben aus Huddinge» gegen den SCB zu realisieren sein.

Die Final-Übersicht

1989 Lugano – Bern 2:3-Serie (6:2, 1:5, 3:4, 5:1, 2:4)
1990 Lugano – Bern 3:1-Serie (5:1, 3:5, 7:1, 4:2)
1991 Bern – Lugano 3:1-Serie (3:2, 4:3 nV, 2:4, 2:1 nV)
2004 Lugano – Bern 2:3-Serie (1:3, 1:2, 5:1, 4:3, 3:4 nV)
2016 Lugano – Bern (5:4)

Gault-Millau-Lions für den Ausguss

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger mit 0:4 aus, die ZSC Lions. (Foto: facebook/ZSC Lions)

Erstmals in der Geschichte der NLA scheidet der Qualifikationssieger im Viertelfinal mit 0:4 aus. (Foto: facebook/ZSC Lions)

In keiner anderen Liga der Welt scheitert der Qualifikationssieger so oft in der ersten Runde wie in der National League A (NLA). In den letzten zwölf Jahren ist der Schweizer Qualifikationssieger fünfmal im Viertelfinal ausgeschieden. Jüngstes Opfer sind die ZSC Lions, der souveräne Qualifikationssieger hatte nach 50 Runden 31 Punkte, 21 Tore und 10 Siege mehr auf dem Konto als der Achtplatzierte SC Bern. Erstmals ist der Leader gegen den Prügelknaben der Regular Season gar mit 0:4 ausgeschieden, eine Schmach.

50 Runden Plauschhockey um dann in vier Spielen in die wohlverdienten Ferien zu verreisen? Was haben die ZSC Lions in dieser Saison geleistet? Nichts. Nicht einmal in der Champions-Hockey-League konnten die hochgelobten Zürcher reüssieren. Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen. Das ist die wundersame Saison des souveränen Schweizer Qualifikationssiegers, welcher für den Hauptgang der Saison sogar noch ein Playoff-Logo entworfen hat.

Es ist als würde der Gault-Millau-Koch des Jahres ein Fünf-Gang-Menü zubereiten um es kurz vor dem Servieren unter ständigem rühren in den Ausguss zu kippen

50 Runden dahin Geplänkel um sich dann in der ersten Playoff-Runde zu verabschieden, dies hätte man auch nach 44 Spielen schaffen können. Sechs Zusatzrunden generieren für die Clubverantwortlichen zwar zusätzliche Matcheinnahmen, tragen aber nicht zum sportlichen Mehrwert bei, im Gegenteil, durch das Aus des Qualisiegers machen die 50 Runden noch weniger sinn. Wer will sich sechsmal Biel gegen Zug oder Bern gegen Lausanne ansehen? Leider ziehen die überflüssigen Spiele immer noch mehr Zuschauer in die Stadien als Bern gegen Linköping oder Zürich gegen Berlin.

Kreuzlingen hat mehr geleistet als die Lions

Zurück zu den Playoff-Versagern aus Zürich. Wenn einer behauptet der Zweitligist EHC Kreuzlingen-Konstanz, wo Roman Wicks Vater Marcel als Geschäftsführer der Bodensee Arena amtet, habe in dieser Saison mehr erreicht als die ZSC Lions, kann man diese Aussage mit einem nicken anerkennen. Die Kreuzlinger haben ihre erste Playoff-Hürde gegen den EHC Bassersdorf mit 3:0-Siegen gemeistert.

Was sind die Gründe für das Scheitern von fünf Schweizer Quali-Siegern in den letzten zwölf Jahren? Zürich schrammte schon in den vergangenen zwei Jahren gegen Lausanne (4:3-Serie) und Biel (4:3-Serie) haarscharf an einer Blamage vorbei. Liegt es an der Mentalität? Bekanntlich kann der Schweizer im Mannschaftssport nicht mit der Favoritenrolle umgehen, dies gilt national und international, darüber könnte man eine Dissertation schreiben (siehe auch eishockeyblog https://www.eishockeyblog.ch/2012/05/von-marignano-bis-helsinki/

Beste Chancen vom Zweiten Tabellenrang

Der «Schweizer» verkörpert gerne die Rolle des Aussenseiters, eine Rolle welche der SCB in der aktuellen Ausgabe perfekt umgesetzt hat. Seit 1999 wurde der Qualifikationssieger in 18 Spielzeiten nur fünfmal Meister, dies entspricht einer Erfolgsquote von 28%. Der Anspruch die Qualifikation zu gewinnen gilt eigentlich nur für den HC Davos, denn die Bündner holten seit 2002 drei Meistertitel als Qualifikationssieger. Für alle Andern gilt, sich möglichst von der Tabellenspitze fern zu halten. Der Grat ist allerdings sehr schmal, denn vom zweiten Tabellenrang stehen die Titelchancen mit 35% am besten.

Anders augedrückt, die Chance als Quali-Sieger den Titel zu holen ist seit 1999 gleich gross wie im Viertelfinal auszuscheiden. Zwischen 1986 und 1998 wurde der Qualifikationssieger in 13 Spielzeiten achtmal Meister. 1995 gewann mit dem EHC Kloten (7. Rang) erstmals ein Team aus der unteren Tabellenhälfte den Meistertitel. Ab 1999 gelang dies zweimal den ZSC Lions (6. Rang, 2008 und 7. Rang 2012) und dem HC Davos (5. Rang) vor Jahresfrist. Einzig der Achtplatzierte schaffte den riesen Coup bisher noch nicht.

Viertelfinal-Aus von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2005 Lugano – Bern 1:4
2006 Bern – Kloten 2:4
2008 Bern – Fribourg-Gottéron 2:4
2009 Bern – Zug 2:4
2016 ZSC Lions – Bern 0:4

Meistertitel von Qualifikationssiegern (seit 1999)

2002 HC Davos
2007 HC Davos
2010 SC Bern
2011 HC Davos
2014 ZSC Lions

Der Virus der Schweizer Hockey-Medien

Bern-1967-2016

Der SC Bern hat die Niederlagen-Serie von 1966-67 gebrochen. (Foto: passionhockey.com, Hervé Chavaillaz)

Am Sonntag, 24. Januar 2016 verliert der SC Bern beim EHC Biel (3:4 nV) zum sechsten Mal in Serie. Seit dem Wiederaufstieg (am grünen Tisch) 1986, hat der SCB noch nie sechsmal in Serie verloren. So lautet der Satz, wie er von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) korrekt vermeldet wurde.

Doppelte Unwahrheit

Andere Medien, wie beispielsweise der Blick ändern den korrekten Satz willkürlich in eine Unwahrheit: «Bern verliert beim Schlusslicht Biel zum sechsten Mal in Folge. Das gabs seit 30 Jahren nicht mehr.» Dieser Satz, des Journalisten dessen Namen mir soeben entfallen ist, beinhaltet gleich zwei Unwahrheiten: Erstens spielte der SCB vor 30 Jahren als Qualifikationssieger in der NLB und zweitens gabs dies seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

Die willkürlichen 30 Jahre verbreiten sich durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie ein Virus

Da in der Schweiz die Statistik erst seit 1985-86 geführt wird, ist es zu aufwändig die Zeit vor den Playoffs zu eruieren. Weder ein Medium, noch der Verband nehmen den Aufwand auf sich, die Daten bis zur Gründung der Nationalliga 1937-38 in den tiefen der Annalen zu ergründen. Man kann dies auch als mangelndes Interesse eines privilegierten Jobs bezeichnen.

Daher schleichen sich die ominösen und verfälschten 30 Jahre durch die Schweizer Hockey-Medienlandschaft wie ein Virus. Der Virus verbreitet sich bis zu einem Interview mit SCB-CEO Marc Lüthi, welchen die 30 Jahre ebenso wenig interessieren wie die andern 95% der Schweizer Hockey-Gefolgschaft. Selbstverständlich hat der SCB andere Probleme als sich um die Geschichte der eigenen Negativserie zu kümmern.

Grösste Niederlagen-Serie seit der Gründung

Eine investigative Recherche, für die Buchhalter unter den Hockey-Besessenen, ergründet auch in der Berner NLA-Abstiegssaison 1981-82 nur vier Niederlagen in Serie. Bis zur letzten Berner Niederlagen-Serie von sechs Spielen muss der Hockey-Chronist bis in die Saison 1966-67 zurückblicken. Zwischen dem 23. Dezember 1966 und dem 21. Januar 1967 mussten die Mutzen letztmals sechsmal* in Folge als Verlierer vom Eis. «Das gabs seit 49 Jahren nicht mehr.» Mit der 4:5-Niederlage in Lausanne wurde der Minusrekord von anno dazumal sogar noch gebrochen und die Mutzen stecken in der grössten Negativ-Spirale innerhalb einer Saison seit der Gründung am 3. November 1930.

Die SCB-Niederlagen-Serie 2015-16

9. Januar 2016, Genève-Servette 3:4 (h)
15. Januar 2016, SCL Tigers 1:2 (a)
16. Januar 2016, Davos 1:2 nP (h)
19. Januar 2016, Genève-Servette 1:4 (a)
23. Januar 2016, Lugano 2:3 nP (h)
24. Januar 2016, Biel 3:4 nV (a)
26. Januar 2016, Lausanne 4:5 nP (a)

* Resultate und Gegner sind eishockeyblog.ch bekannt. eishockeyblog.ch kennt Eishockey. 0 Länderspiele. 77 AL-Partien und 66 Strafminuten :-). Ein Dank geht an «SCB-Jüre» Wymann für die sorgfältige Nachprüfung.

Der andere Riesen «the other Riesen»

Foto: Alain Riesen (#32) am 6. Juni 2015, bei Canberras 4:1-Sieg gegen die Sydney Ice Dogs. (Paul Furness)

Eishockeytechnisch hat die Schweiz und Australien nicht viele Gemeinsamkeiten. An der C-Weltmeisterschaft 1974 trafen die beiden Nationalteams im Palais-des-Sports in Grenoble erstmals aufeinander. Der 20:0-Sieg der Eisgenossen ist bis heute der höchste Sieg der Geschichte des Schweizer Nationalteams, der ehemalige Nationaltorhüter Robert «Robelon» Meuwly sagt noch heute «i ha ke Pögg berüehrt». Auf die Frage wie hoch wohl seine Mannschaft (Canberra Brave) gegen die beiden heutigen Gegner SC Bern und Kloten Flyers verlieren würde, antwortet Alain Riesen mit demselben Resultat: «twenty-zero.»

Ursprung in der Berner Allmend

Alain Riesen? Sein Name lässt nichts über seine wahre Herkunft vermuten: Australien. Riesens Eltern sind 1987 durch ein Jobangebot in Australiens Hauptstadt Canberra aus Bern nach Down Under ausgewandert. Drei Jahre später, am 5. September 1990 hat Alain Riesen in Canberra das Licht der Welt erblickt. Im Alter von zwölf Jahren reist Riesen mit seinen Eltern in die Schweiz und besucht sein erstes Eishockeyspiel im Berner Allmend-Stadion. «Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen», nennt Riesen, der auch ein gebrochenes Berndeutsch spricht, als Grund für seine exotische sportliche Affinität im Land des Rugbys.

Der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga

Als 18-Jähriger debütiert der Doppelbürger 2009 in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Canberra Knights, dem traditionsreichsten von acht AIHL-Teams. Seine Schweizer Wurzeln führen den Stürmer in der Saison 2012/2013 zum EHC St. Moritz. Er habe ein paar Schweizer Klubs, darunter auch den EHC Wiki-Münsingen wo einst sein Grossvater gespielt hat, kontaktiert, sagt Riesen. Die Bündner boten dem College-Absolventen neben dem Hockey-Abenteuer auch eine Saisonstelle in einem Sportgeschäft, also spielte der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga.

Saisonstart im April

Im Dezember 2015 kehrt der 25-Jährige für einen Monat in die Schweiz zurück um seiner Freundin Chloe neben Paris und London auch sein Mutterland zeigen zu können. Neben den obligaten Sehenswürdigkeiten wie Luzern, Zermatt oder Genf gehören auch drei Eishockeyspiele dazu. Riesen, der bei seinem Onkel in Gasel weilt, besucht zwei Spiele in Bern, seinem Lieblingsclub und ein Spiel in Davos. Beeindruckt von der imposanten Kulisse in Bern startet der «Australier» im April 2016, die AIHL läuft von April bis August, in seine achte AIHL-Saison mit den CBR (Canberra) Brave, dort spielt der Rechtsschütze seine Heimspiele vor 800 Zuschauern. Die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftsport der Welt ist aber auch beim «anderen» Riesen mindestens so gross wie die Kulisse der PostFinance Arena.

Fotos: CBR Brave-Spieler Alain Riesen besucht seinen Eishockey-Ursprungsort, die Berner PostFinance Arena. (Michael Krein)

Boucher und die Lightning-Connection

Die Berner TAmpa-Fraktion:

Die Lightning-Connection: Timo Helbling, Guy Boucher, Trevor Smith, Cory Conacher und Sean Bergenheim. (Fotos: zvg)

Beim SC Bern sind aktuell fünf ehemalige Protagonisten der Tampa Bay Lightning engagiert. Die Neuzugänge Cory Conacher, Trevor Smith, Sean Bergenheim und Timo Helbling, sowie der bisherige Headcoach Guy Boucher. Sie alle standen einst in der Organisation der Lightning. Die drei Stürmer Bergenheim, Conacher und Smith spielten zwischen 2010 und 2013 unter Boucher bei Tampa in der National-Hockey-League (NHL). Der Pionier unter dem Quintett ist aber Helbling, er stand bereits 2005/06 beim damaligen Stanley-Cup-Sieger unter Vertrag.

Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness (Guy Boucher)

In der NHL realisierte das Berner-Quartett in 156 Spielen 70 Skorerpunkte. In der Schweiz kommen die ehemaligen «Blitze» in den ersten 15 Qualifikations-Runden auf 29 Zähler. Am 20. Oktober 2015 gastiert der Tabellenzehnte HC Ambrì-Piotta in der PostFinance Arena. Nach 40 Minuten führen die Leventiner mit 3:1 und Bouchers Trainerstuhl gerät, gezeichnet durch die jüngsten Berner Auftritte und die nordamerikanische Gerüchteküche, ins Wanken. Doch die Blitze am Berner Eishockeyhimmel scheinen die Notsignale ihres ehemaligen NHL-Coaches noch rechtzeitig zu erhören.

Sechs Skorerpunkte der Lightning-Connection

Im letzten Drittel schlagen die «SCB-Blitze» gleich fünfmal in Ambrìs Gehäuse ein und der SCB gewinnt in einem spektakulären Eishockeyabend mit 6:3. Bouchers Lightning-Connection steuert bei der grossen Tampa-Show sechs Skorerpunkte (Helbling 3, Conacher 2, Smith 1) bei und verschafft ihrem ehemaligen NHL-Trainer Luft nach oben. «Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness», nennt Boucher als Schlüssel zum siegreichen Abend. Anders als die «Bern Lightning» präsentiert sich das Fanionteam in der NHL. Tampa Bay verliert am selben Abend gegen Roman Josi und die Nashville Predators mit 4:5 nach Penaltyschiessen, ob Jon Coopers Gameplan nicht konsequent umgesetzt wurde?

Von Norfolk nach Bern

Die neuen SCB-Kanadier Smith und Conacher jubeln mit Genfs Alexandre Picard für die Norfolk Admirals. (Media Hampton Roads)

Ausgebildet in der amerikanischen College-Liga National-Collegiate-Athletic-Association (NCAA) «N-CEEEE-double-A» kam der Kanadier Cory Conacher noch in seinem letzten College-Jahr zu ersten Einsätzen in der American-Hockey-League (AHL) bei den Rochester Americans (Ex-Klub von Daniel Steiner) und den Milwaukee Admirals (zusammen mit Roman Josi). In seiner ersten richtigen AHL-Saison 2011-12 realisierte der Flügelstürmer für die Norfolk Admirals auf Anhieb 95 Skorerpunkte, stand im All-Rookie-Team, spielte im All-Star-Game, stand im Second All-Star-Team, wurde Rookie des Jahres, AHL MVP und Calder-Cup-Sieger. Diese Traumsaison brachte den Mann aus Ontario in Guy Bouchers Kader der Tampa Bay Lightning. Nach Tampa folgten Kurzengagements bei den Ottawa Senators, Buffalo Sabres und den New York Islanders, wo sich Conacher nicht durchsetzen konnte und zuletzt ins Farmteam der Bridgeport Sound Tigers in die AHL abgeschoben wurde. Innerhalb der AHL wechselte der 25-Jährige in der letzten Saison zu den Utica Comets (ins Team von Sven Bärtschi) in die Organisation der Vancouver Canucks.

Wie Conacher, stammt auch Andrew Ebbett aus der NCAA-Talentschmiede, als zweifacher Central-Collegiate-Hockey-Association-Meister (2003, 2005) mit der University of Michigan Wolverines, stiess der Mittelstürmer zu den Binghamton Senators in die AHL. Während neun Jahren spielte der Mann aus British Columbia für sechs NHL-Organisationen (Anaheim Ducks, Chicago Blackhawks, Minnesota Wild, Phoenix Coyotes, Vancouver Canucks, Pittsburgh Penguins). Nur in den Saisons 2009-10 und 2011-12 wurde Ebbett nie in die AHL geschickt, sonst blieb ihm der Gang in die zweitklassige Liga nicht verwehrt. Neben der sechs NHL-Stationen spielte der Spielmacher auch für die Portland Pirates, Iowa Chops, San Antonio Rampage, Chicago Wolves und zuletzt für die Wilkes-Barre Scranton Penguins.

Trevor Smith stand 2011-12 zusammen mit Conacher im siegreichen Calder-Cup-Team der Norfolk Admirals und stand mit 85 Zählern In der internen Skorerliste gleich hinter seinem neuen SCB-Kollegen. In der siegreichen AHL-Saison absolvierte der Stürmer auch 16 Spiele unter Boucher bei den Lightning. Sein NHL-Debüt gab der ehemalige NCAA-Junior im Team von Mark Streit, 2008 bei den New York Islanders. In den letzten zwei Jahren stand der 30-Jährige in der Organisation der Toronto Maple Leafs, wo er unter anderem auch als Kapitän des AHL-Teams Toronto Marlies auflief.Im Schatten von Conacher und Smith stand damals ein gewisser Tyler Johnson. Der Amerikaner hat im Gegensatz zu den Neo-Bernern heute den Durchbruch in der NHL geschafft. Der Mittelstürmer stand in diesem Frühjahr mit Tampa Bay im Stanley-Cup-Final und wurde mit 23 Punkten, vor dem Ex-Bieler Patrick Kane (Chicago Blackhawks), Playoff Topskorer. Sein Vertrag über 3,3 Millionen US-Dollar pro Saison, läuft bei den Lightning noch bis 2017.

Fondue «Essonne» und Mike Ribeiro-Drill

Die Hockey-Journalisten anlässlich des Trainings bei Guy Boucher und Lars Leuenberger. (Foto: PostFinance)

Die Hockey-Journalisten anlässlich des Trainings bei Guy Boucher und Lars Leuenberger. (Foto: PostFinance)

Anlässlich des Eishockey Trainings für Medienschaffende in Bern lädt PostFinance die Journalisten zu einer Trainingseinheit unter SCB-Headcoach Guy Boucher aufs Glatteis. Seine Philosophie und einige Beispiele verrät uns der Quebecois in der Kabine des Fanionteams.

Auf dem Eis gibts dann einige «Denkübungen», welche auch jedem Zweit- bis Viertliga-Akteur gut tun würde. Einige Übungen sind im Ansatz so simpel, dass Sie bereits in ihrer Einfachheit zu kompliziert werden, zum Beispiel die Passübung mit nur einer Scheibe, «la rondelle» wie Boucher in frankokanadischem Akzent erklärt. Auch ich, trotz- oder eben durch 15 Saisons Amateur-Eishockey «pucke»  es auf Anhieb nicht.

Der Mike-Ribeiro-Drill

Später zeigt uns der ehemalige NHL-Coach den «Mike-Ribeiro-Drill» – what the hell is that? Mike Ribeiro (aktuell mit Roman Josi bei den Nashville Predators) spielte von 1997 bis 2000 unter dem damaligen Assistenzcoach Guy Boucher für die Rouyn-Noranda Huskies in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL). Die Übung habe aber nicht direkt mit Ribeiro zu tun, antwortet Boucher auf meine Frage, er gebe einfach jeder Übung einen Spielernamen.

«i was twenty-four, i was single and i was in Paris, it was a great time»

Denkübungen gibts auch beim abschliessenden Fondue-Plausch im Stadion-Restaurant. Als ich Boucher auf seine Zeit in der Saison 1994/95 beim OHC Viry-Essonne (Paris) in Frankreichs Ligue Élite (heute Ligue Magnus) anspreche, beginnt die Zeitreise zurück in die 90er. Der SCB-Trainer kommt ins Schwärmen: «i was twenty-four, i was single and i was in Paris, it was a great time». Bouchers Transfer kam via seines Kollegen Patrice Tremblay (die beiden kannten sich aus gemeinsamen Zeiten bei der McGill Universität) zustande. Die beiden realisierten 1994/95 beim Tabellenletzten aus Paris über 50% aller Treffer im Kollektiv.

Paris, Grindelwald und Japan

Via Viry-Essonne und Telebärn-Journalist Hans Boss kommen wir zum EHC Grindelwald, wo sein Vater (ebenfalls Hans Boss) in den 80er Jahren in der NLB gespielt hat. Da spielte ein gewisser Jerry Byers (43 NHL-Spiele für die Minnesota North Stars, Atlanta Flames und die New York Rangers und übrigens von Salzburg nach Grindelwald gekommen), für das Gletscherdorf. Boss‘ Vater war damals einer der wenigen englischsprechenden Spieler im Kader von Trainer Bruno Steuri und zog deshalb viel mit Byers um die Häuser. Byers beendete seine Karriere beim japanischen Erstligisten Jujo Seishi Kushiro (heute Nippon Paper Cranes).

Berns Japan-Tour

Kushiro – da wird auch SCB-Sportchef Sven Leuenberger mitreden können? Im August 1997 befand sich der SCB nämlich auf Japan-Tournee, Zusammen mit den Adler Mannheim absolvierten die Mutzen um Leuenberger, Tosio und Co. je vier Partien gegen die Kushiro Cranes (9:3) und gegen den japanischen Meister Seibu Tokyo (5:4), sowie zwei gegeneinander (Mannheim gewann 4:3 und 6:5).

«La rondelle» versteht sich eben «rund» um die Welt, ob im fernen Kushiro, in Bern oder in Paris und vor allem bei der McGill Universität, Bouchers Herkunft. Die McGill Universität steht am Ursprung der wichtigsten Eishockey Regeln, welche 1880 durch den Studenten James Creighton entwickelt und niedergeschrieben wurden.

Wo bleiben die zahlreichsten Fans Europas?

Champions-Hockey-League 2014/15 Bern - Tapapra Tampere Foto: eishockeyblog

Champions-Hockey-League 2014/15: SC Bern – Tappara Tampere – Foto: eishockeyblog.ch

Der SC Bern hat den höchsten Zuschauerschnitt Europas, in der National-League-A (NLA) zumindest, was aber ist mit der Champions Hockey League (CHL)?

Zuschauerschnitt von 4’704 

In den beiden CHL-Partien gegen Ocelari Trinec und Tappara Tampere füllen 4’677 bzw 4’731 Fans nicht einmal die 6’800 Sitzplätze. Hat die Nummer eins in Europa etwa kein Interesse an Europa? 

Der 08/15-SCB-Fan vergnügt sich lieber hundertmal beim Spiel Bern gegen Biel, statt einmal bei Bern gegen Tappara Tampere. Der 08/15-SCB-Fan kann (noch) nichts mit der neugeschaffenen Champions Hockey League anfangen. Erstens verfügt er nur über mangelnde Kenntnisse und zweitens reicht sein Eishockey-Horizont knapp bis zu den Tribünen des Stade-de-Suisse, schade eigentlich.

Ein wahrer Eishockey-Krimi

Denn die Partie gegen Tappara Tampere hat alles geboten was ein Eishockeyspiel bieten muss: Spannung bis zum Schluss, eine packende Aufholjagd der Finnen, Penalty in der Overtime, Schlägereien und als Krönung ein Penaltyschiessen … und für den SCB-Fan hat sogar noch die richtige Mannschaft gewonnen. Was will man mehr?

«diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä schissdräck».

 

Kein Vergleich zu den 90ern 

Ich erinnere mich an die Berner Europacup-Auftritte der 90er Jahre, im Vergleich zu damals sind die Zuschauerzahlen erheblich gestiegen. 800 Zuschauer verloren sich beispielsweise am 8. November 1991 anlässlich der Europacup-Partie gegen den jugoslawischen Vizemeister Olimpija Ljubljana im damaligen Berner Allmend-Stadion.

Höherer Schnitt vor sechs Jahren  

An die Zahlen der Champions Hockey League, Ausgabe 2008/09, kommen die Berner heute noch nicht. 6’756 und 7’057 wollten die beiden Partien gegen die Espoo Blues und HV71 Jönköping sehen. Vielleicht finden wir den Grund des aktuellen Zuschauermangels beim fehlenden Berner Erfolg? Ein SCB-Funktionär sagte nach der 0:4-Niederlage gegen die übermächtigen Tschechen aus Trinec: «diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä schissdräck».

SCB-Details und auch ein «Meister» wird nicht erkannt

Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.

Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.

Beim SC Bern bin ich immer gern, denn hier sind die besten Medienplätze der Nationalliga A, die Sicht aufs Eisfeld ist hervorragend. Das Matchblatt heute weist zwei kleine Schreibfehler auf und auf dem neuen Videowürfel leuchtet immer noch das «alte» Logo des heutigen Gegners HC Genf-Servette. Bis auf ein paar Details ist hier alles up-to-date.

Die fehlenden Interview-Partner

In der zweiten Drittelspause vermeldet Berns Medienchef Christian Dick den Ausfall von Silberheld und Post-Topskorer Martin Plüss – ausgerechnet Plüss, er sollte bei meinem «Kollegen» vom Teleclub zum Interview antreten, das wird wohl nix. Glücklicherweise ist mein Interview-Partner bereits zum Interview angemeldet und die Fragen sind bereit.

Vier Minuten vor Schluss: Matt Lombardi wird von einem Geoff-Kinrade-Schuss am Gesicht getroffen, der Kanadier muss in der Kabine verarztet werden. Tja und das wäre mein Interview-Partner gewesen und auch das wird nun  nix. Kurzfristig einigen wir uns auf Goran Bezina und Kaspars Daugavins anstelle Lombardis. Beim Abgang in die Interview-Zone «Bärengraben», sehe ich wie selbst SCB-Goalietrainer Rupert Meister, ehemaliger DEL und Bundesliga Goalie, ohne gültiges Ticket nicht an den Security-Frauen vorbei gelassen wird.

Horizontale Lage

Nach dem Spiel genehmigen sich ein paar Medienvertreter beim gemütlichen Talk mit einem ehemaligen SCB-Manager ein paar Bierchen. Der SCB-Manager wurde 1990 im Rahmen der Weltmeisterschaft in Bern offiziell als Schiedsrichter verabschiedet. Das Logo der 90er WM hängt noch heute in den Katakomben der ehemaligen Allmend, aber warum zum Teufel in der horizontalen Lage? Doch dies interessiert leider eben so wenig wie das falsche Servette-Logo auf dem Berner Videowürfel…

Von Bernern, Behrn und der Post

Die Behrn-Arena inm schwedischen  Örebro. (Foto: Michael Erhardsson)

Die Behrn-Arena im schwedischen Örebro. (Foto: Michael Erhardsson)

Die Schweden von Örebro sind bernischer als die Berner in der Schweiz. Der Name Bern Arena war in Bern nur von kurzer Dauer, denn seit der Sadionsanierung 2008 spielen die Stadtberner im grössten Postomaten der Schweiz.

Die Namen Bern Arena und der Kultname Allmend-Stadion sind für den durchschnitts-SCB-Stehrampen-Fan ein Fremdwort wie «DDR» oder «UdSSR» – dennoch spielten gestern Damien Brunner  und Co. in der Bern Arena, oder eben der Behrn Arena (4’400 Plätze) – «Be-h-rn» klingt irgendwie wie «Bä-h-ren» und ist durchaus mit dem SC Bern in den Vergleich zu ziehen. Bei der Behrn Arena handelt es sich um die Spielstätte vom schwedischen Zweitdivisionär der Allsvenskan Örebro HK.

Örebro gilt als das Hägendorf der schwedischen Briefpost

 

Hier lässt sich eine weitere Parallele ziehen: Auch Örebro hat im Endspurt um den Titel versagt, als Qualisieger verpatzten es die Südschweden den Aufstieg in die Elitserien zu bewerkstelligen. Der Unterschied zwischen Behrnern und Berner liegt also nur im Namen des Stadions, Örebro spielt in der Behrn Arena und Bern spielt im gelben Postomaten. Und noch was – Örebro gilt übrigens als das «Hägendorf» der schwedischen Briefpost «Posten».

Im Fokus der NHL

SonntagsBlick vom 11. Dezember 2011, von Michael Krein

SonntagsBlick vom 11. Dezember 2011, von Michael Krein

Und keiner kennt Renato Tosio…

Wir schreiben das Jahr 1990, der unbekannte Kanadier Sean Simpson spielt als Ersatzausländer beim damaligen NLB Club SC Lyss. Zum gleichen Zeitpunkt ist SCB- und Natihüter Renato Tosio ein Star – jeder kennt ihn. Knapp mehr als zwanzig Jahre später, 2011 in Langenthal: Sean Simpson macht sich als Naticoach fürs Interview bei mir bereit, die Weissrussen wurden im letzten WM-Test 3:0 abgefertigt. Einige Meter von Sean Simpson entfernt, reisst ein glatzköpfiger Mann mühselig Bandenwerbungen (mit den Natisponsoren) von den Kunststoffbanden ab. Niemand scheint ihn zu erkennen – es ist Renato Tosio! Die Gegensätze sind heute nicht anders als vor 20 Jahren, einfach in getauschten Rollen. Eine Begegnung zwischen Simpson und Tosio gabs aber auch schon vor zwei Jahrzenten, als die Lysser Simpson an den NLA-Club Olten ausgeliehen haben, traf der unbekannte Kanadier beim 4:2 Sieg über den SCB ausgerechnet gegen Renato Tosio.

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=4e8c970e-2735-478b-9596-1c507c698803

Magere SCB Kulissen!

Bericht vom Mittwoch, 22. Oktober 2008 (Bern-Espoo) auf Hockeyfans „Insgesamt spielte der SC Bern dreimal (Ambri, Fribourg 1988 und Rapperswil 2000) vor weniger Zuschauerin in der National League A und einmal in der European Hockey League gegen den HC Milano 1988 vor noch weniger Zuschauer.“

Eishockeyblog korrigiert:
Dabei wurden die Europacup-Einsätze des SCB vergessen (wohl auch bei der Sportinformation): Da gibts mindestens noch neun weitere Spiele mit folgenden Zuschauerzahlen:

Saison 1989/90, Europacup Viertelfinalturnier in Bern:

Bern – EV Innsbruck (1’930 Zuschauer)
Bern – La Molina Puigcerda/ESP (1’921 Zuschauer)
Bern – HC Varese (3’218 Zuschauer)

 

Saison 1989/90, Europacup Halbfinalturnier in Bern:

Bern – Pandas Rotterdam (850 Zuschauer!!!!!!!!!!!!)
Bern – TPS Turku (1’923 Zuschauer)
Bern – CSKA Moskau (4’124 Zuschauer)

 

Saison 1991/92, Europacup Halbfinalturnier in Bern:

Bern – Olimpija Ljubljana (800 Zuschauer!!!!!!!!!!!!)
Bern – Dynamo Moskau (3’409 Zuschauer)
Bern – Polonia Bytom (2’060 Zuschauer)

 

Und der HC Milano (HC Milano 24 hiess der Club damals) spielte nicht 1988 in der EHL gegen den SCB, weil die European Hockey League erst 1996/97 ins Leben gerufen wurde. Es war in der Saison 1996/97!

…magere Kulissen dieses SCB!!

Die New York Rangers in Bern

^Foto: Nikolai Tscherdew, Aaron Voros und Brandon Dubinsky warten auf ihren nächsten Einsatz gegen den SC Bern. (Michael Krein)

Ein Hauch von Superlative war schon während des Warm-Ups der New York Rangers in der PostFinance Arena zu spüren. Noch vor wenigen Jahren schien dies unmöglich und nun waren sie da: Wade Redden, Scott Gomez, «King» Henrik Lundqvist, Chris Drury, Dan Fritsche (Neffe von John Fritsche), Nikolai Tscherdew, Colton Orr, Aaron Voros oder Brandon Dubinsky… die weissen Trikots mit dem «Rangers» Schriftzug agierten in allen belangen eine Klasse besser als wir dies von der Nationalliga A (NLA) gewohnt sind.

Alles war ein bisschen anders als sonst. Nicht nur die Security-Crew – nicht einmal Christian Dubé konnte die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten – auch die Medienplätze waren so gut besetzt wie nie zuvor. Als ich irgendwo einen Sitz für mich beanspruchen wollte, wurde ich von einer Hostesse (im Victoria-Cup-Outfit) in höflichem english (!) angesprochen: «Are you from the Aargauer Zeitung?» Leider musste ich die Frage mit «Nein» beantworten und mir (zu meinem Glück) einen neuen Platz, direkt hinter der Rangers-Spielerbank aufsuchen.

Nicht einmal Christian Dubé konnte die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten

Das Schweizer Fernsehen (SF) produzierte erstmals mit 18 Kameras (sechs mehr als beim Spenglercup), was dem NHL-Standard in der Regular Season (in den Playoffs sind es 24 Kameras) entsprach. Das Spiel wurde sogar vom «Madison-Square-Garden-TV» live nach Manhattan übertragen.

Ein Hauch der Superlative

So sass ich schliesslich wie ein kleiner Junge mit grossen Augen hinter den Spielern der Rangers (siehe Foto) und liess den Zauber des Spiels einfach so auf mich einwirken. Jede einzelne Minute hatte für mich den Hauch der Superlative, auch wenn die Top-Shots Markus Näslund, Henrik Lundqvist (Backup) und Marc Staal für das morgige Spiel um den Victoria-Cup gegen Metallurg Magnitogorsk geschont wurden.

SC Bern – New York Rangers 1:8 (0:2, 0:0, 1:6)
PostFinance-Arena. – 16’022 Zuschauer. – SR Koharski/Vinnerborg (Ka/Sd), Morin/Masik (Ka/Slk). – Tore: 5. Girardi (Ausschluss Leuenberger) 0:1. 19. Redden (Rozsival/Ausschlüsse Gamache, Beat Gerber) 0:2. 42. Roche 1:2. 44. (43:55) Drury (Tscherdew/Ausschlüsse Froidevaux, Philippe Furrer) 1:3. 45. (44:22) Dubinsky (Ausschluss Philippe Furrer) 1:4. 52. (51:35) Kalinin 1:5. 53. (52:35) Korpikoski (Potter) 1:6. 56. Potter (Sjöström/Ausschluss Ziegler) 1:7. 59. Dubinsky (Tscherdew/Ausschluss Abid) 1:8. – Strafen: Bern 9-mal 2 Minuten, New York Rangers 3-mal 2 Minuten.
SC Bern: Bührer (30. Müller); Roche, Philippe Furrer; Rytz, Josi; Beat Gerber, Kobach; Leuenberger; Patrik Bärtschi, Dubé, Gamache; Bordeleau, Trevor Meier, Abid; Pascal Berger, Ziegler, Reichert; Chatelain, Froidevaux, Daniel Meier; Alain Berger.
New York Rangers: Valiquette; Rozsival, Redden; Potter, Fahey; Girardi, Kalinin; Drury, Gomez, Prucha; Tscherdew, Dubinsky, Voros; Callahan, Korpikoski, Sjöström; Betts, Orr, Fritsche.
Bemerkungen: Bern ohne Rüthemann, Plüss und Jobin (alle verletzt), New York Rangers ohne Näslund, Marc Staal und Rissmiller (alle geschont).