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Herisauer Meisterhelden wieder vereint

Drei Herisauer auf einen Streich: Beat Forster (links), Jonas Hiller und Thomas Nüssli (SCL Tigers) beim Bieler Heimauftakt 2017-18. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Es gilt bis heute als kuriosestes Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte. Im Weltmeisterschafts-Viertelfinal in Quebec, am 14. Mai 2008, bezwingt Philippe Furrer mit einem Slapshot seinen eigenen Torhüter Martin Gerber und bringt Russland noch im ersten Drittel mit 3:0 in Führung.

Was hat der 14. Mai 2008 mit dem EHC Biel zu tun? An diesem Tag bestreiten die beiden Herisauer Beat Forster und Jonas Hiller (er wird in der 27. Minute, beim Stand von 0:5, für Gerber eingewechselt) ihr letztes gemeinsames Pflichtspiel. Vorher absolvieren die beiden vier gemeinsame Profi-Saisons mit dem HC Davos und die WM 2007 in Russland.

Gemeinsam Meister mit Herisau

Forster und Hiller stammen beide aus der Nachwuchsabteilung des SC Herisau und spielen schon 1990 zusammen bei den Piccolos, später gehören sie zu den Teamstützen bei Herisaus Elite-Novizen. welche unter Trainer Marcel Bruderer sensationell den Schweizermeistertitel ins Appenzell holen. Neben Forster und Hiller gehören auch die Ex-Bieler und aktuellen Langnauer Thomas Nüssli und Emanuel Peter zu Herisaus Meisterkader 1997-98.

Hiller und Forsters erstes gemeinsames Pflichtspiel seit neun Jahren

Im Sommer 1999 wechselt Forster nach Davos, Hiller folgt dem Weg ins Bündnerland erst ein Jahr später. 2001 wird Forster von den Phoenix Coyotes als Nummer 78 gedrafted und Hiller wird übergangen. Auch Peter (Nr. 142) und Nüssli (Nr. 277) werden 2002 im Draft gezogen. Eine NHL-Karriere macht aber nur der im Draft übergangene Hiller, der sich in 404 NHL-Spielen in neun Saisons zum Dollarmillionär entwickelt.

Schon im ersten NLA-Spiel siegreich

Ihre erste gemeinsame NLA-Partie bestreitet das Appenzeller-Duo am 17. September 2004 mit dem HC Davos gegen den HC Lugano, vor 6’333 Zuschauern bezwingen sie die Tessiner mit 3:2 und Forster erzielt in der 58. Minute das «Game-Winning-Goal.» Durch den NHL-Lockout stehen auch die NHL-Stars Rick Nash und Joe Thornton erstmals auf Davoser Eis. Siegreich sind Forster und Hiller auch bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt seit neun Jahren, beim 3:0-Auswärtssieg am 8. September 2017 in Kloten. Forster spricht in Biel sogar vom Meistertitel, auch für Herisaus Novizen schien dies einst unmöglich…

Ein denkwürdiger Herisauer Abend

Der SC Herisau tritt im Jubiläumsspiel in Retro-Trikots der 60er Jahre an, die Nachwuchsspieler tragen Kult-Trikots der Vergangenheit. (Foto: SC Herisau)

Am 22. Januar 2017 wird der SC Herisau 75-jährig. Im Rahmen des stolzen Jubiläums feiert der Appenzeller Traditionsclub am Samstag, 21. Januar sein 75-jähriges Bestehen. Nach einer Bilderausstellung und einem NLA-Aufstiegs-Kinoanlass, empfängt das Fanionteam, vor Legenden wie Ex-Spieler Claude Vilgrain und prominenten Gästen, als ungeschlagener Leader der 2. Liga, Gruppe 2 den zweitplatzierten HC Prättigau-Herrschaft.

Herisauer Abend überall

Auch die 42. Runde der National-League-A (NLA) steht ganz im Rahmen des SCH, ich berichte aus Langnau für den SRF-Journalisten in Zürich, er hält mich im Gegenzug über den Spielstand des 2. Liga-Knüllers auf dem laufenden. Wir haben eine gemeinsame Vergangenheit, denn unsere Stammclubs, der SC Lyss und Herisau duellierten sich zwischen 1989 und 1993 während vier Jahren 18-mal in der Nationalliga B und wir verpassten kaum eine Heimpartie.

Erster «Herisau» Torschütze des Abends ist aber ein Langnauer, Thomas Nüssli trifft 19 Uhr 52 gegen Fribourgs Benjamin Conz zum 1:0 für die SCL Tigers. Erst um 20 Uhr startet das 2. Liga-Spitzenspiel im Sportzentrum Herisau vor 1’231 Zuschauern. 20 Uhr 25 trifft der erste aktuelle Herisauer, Ivan Hausammann erzielt auf Zuspiel von Matthias Popp und Sandro Bleiker den ersten Treffer im 2. Liga-Knüller.


Erster Herisau-Torschütze des Abends ist Thomas Nüssli

Bis zur 27. Minute geht der 2. Liga-Leader mit 3:1 in Führung, dennoch meldet Zürich nach 40 Minuten den ernüchternden 3:7-Spielstand aus dem Appenzell. Was ist passiert? Innert zehn Minuten schiessen die Prättigauer sechs Tore und verwandeln den 1:3-Rückstand in eine 7:3-Führung. In der gleichen Zeitspanne stehts im Emmental, hier gastierten die Herisauer in den 90er Jahren regelmässig, erst 2:1 für die Tigers.

Herisaus Exil-Spieler

Ehe die «aktuellen» Herisauer nochmals auf 5:8 rankommen, gibt Beat Forster, zu Herisau-Zeiten hiess er noch Beat Schiess-Forster, in der 59. Minute den Assistpunkt zum 2:0 der Bündner in Kloten. Nicht im Einsatz stehen an diesem Abend Jonas Hiller (EHC Biel), Luca Homberger (EHC Kloten), Jens Nater (HC Thurgau) und der zur Zeit wichtigste Export Timo Meier (San Jose Sharks). Herisau muss ausgerechnet am Jubiläumsabend im 15. Spiel die erste Niederlage hinnehmen, dafür gewinnen die Exil-Spieler Forster (2:0) mit Kloten, Emanuel Peter (6:0) mit Zug und Nüssli (4:2) mit Langnau, selbstverständlich wählen wir Nüssli als Interviewpartner nach dem Spiel.

Schon am Abend zuvor duellieren sich die Herisauer Nüssli und Hiller in Biel, dabei bezwingt der Stürmer den Torhüter zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Am Gründungsdatum, 22. Januar punkten weitere Herisauer: Ryan McGregor trifft eine Sekunde vor Schluss zum 4:3-Sieg der Rapperswil-Jona Lakers gegen den EHC Winterthur. Tomas Dolana (Assist zum 1:0), gewinnt mit dem EHC Visp 6:2 gegen den EHC Olten.

Die Lakers haben es endlich geschafft

Vor zwei Jahren noch Weltmeister, jetzt kämpf er mit den Lakers um den Ligaerhalt. (Foto: 20min)

Für Weltmeister Niklas Person gibts bei den Lakers nichts mehr zu gewinnen, nur schlimmeres zu verhindern. (Foto: 20min)

Nur drei aktuelle NLA Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht bis heute als unabsteigbar.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen zumindest in der Ligaqualifikation gegen den Meister der NLB. Nach verlorener Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Ligaquali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen in der Ligaqualifikation

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das 10-jährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Schweizer Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999/00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5 nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «Aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Ligaquali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994/95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4 nP, 5:4 nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Ligaquali), die Reduktion in der Ligaquali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit der Zusammenarbeit mit dem SC Herisau. Zudem gibt’s in der Ligaquali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Ligaqualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für die bevorstehende Ligaqualifikation gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Ligaqualifikation in der Saison 1999/00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen.

Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (2x Lausanne, Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen WM-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Option Erste-Bank-Eishockey-Liga oder KHL

Falls in Rapperswil das «worst case» mit dem Abstieg eintreffen sollte, könnten die Ostschweizer immer noch einen Antrag in Österreichs «Erste-Bank-Eishockey-Liga*»- oder für Rapperswiler-Verhältnisse eher angemessen in der russischen Kontinental-Hockey-League (KHL) stellen. In beiden Fällen könnte dann der Plan mit dem SC Herisau als Farmteam in der NLB trotzdem umgesetzt werden und der Unterhaltungswert würde selbst den Zirkus Knie in seinen besten Zeiten erblassen lassen. *eishockeyblog berichtete schon 2011: https://www.eishockeyblog.ch/2011/01/lakers-ab-nach-sterreich/

Die Liga-Qualifikation im aktuellen Modus

2014 Biel – Visp 4:1
2013 SCL Tigers – Lausanne 2:4
2012 Ambrì-Piotta – Langenthal 4:1
2011 Ambrì-Piotta – Visp 4:1
2010 Biel – Lausanne 4:3
2009 Biel – Lausanne 4:3
2008 Basel – Biel 0:4
2007 SCL Tigers – Biel 4:1
2006 Fribourg-Gottéron – Biel 4:2
2005 Lausanne – Basel 2:3
2004 Lausanne – Biel 4:0
2002 Chur – Genève-Servette 0:4
2001 La Chaux-de-Fonds – Lausanne 2:4
2000 Rapperswil-Jona – Chur 4:1
1999 SCL Tigers – Chur 4:3

 

Auch der Blick wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts wissen.

Auch der Boulevard wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts mehr wissen…