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Der schmale Grat

Beim SC Lyss in der MySports-League (MSL) spielt der 10-fache Biel-Spieler Kristian Suleski. Der punktbeste Verteidiger, der in Biel den Sprung (noch) nicht geschafft hat, nimmt unter dem ehemaligen Elite-Trainer Serge Meyer einen neuen Anlauf. Der läuferisch starke «Back» gehörte an der U18 Weltmeisterschaft 2015 in Zug und Luzern, zum letzten grossen Schweizer Team.

Tor im WM-Halbfinal

Suleski schoss im WM-Habfinal gegen Finnland, gegen den aktuellen Columbus Blue Jackets-Prospect Veini Vehviläinen, den zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer für die Schweiz. Aus der Mannschaft von Manuele Celio, welche erst in der Overtime den WM-Final verpasst hat, spielen heute Nico Hischier, Denis Malgin und Jonas Siegenthaler in der NHL und mit Calvin Thürkauf steht ein weiterer auf dem Sprung in die beste Liga der Welt.

Zehn Akteure spielen in der National-League, sechs in der Swiss-League, und einer in der 1. Liga. Warum spielt der sechstbeste WM-Skorer von damals beim HC St. Imier und warum haben es sechs Spieler bis zum NHL-Draft geschafft? In einer Karriere entscheidet oft nur ein Quäntchen Glück über «Sein oder Nichtsein.» Eine Verletzung, ein verpasstes Training-, ein Klub- oder Trainerwechsel kann eine Laufbahn in eine andere Richtung lenken.

Zwischenstation

Für Suleski ist die MSL nur eine Zwischenstation, der Seeländer hat für den SC Langenthal, zusammen mit seinen U18-Weggefährten Alain Bircher und Serge Weber, bereits vier Spiele in der Swiss-League bestritten. Derweil kreuzen sich die Wege von Roger Karrer und Raphael Prassl im Nationalteam beim Deutschland-Cup.

Die U18-Helden von 2015

Tim Guggisberg (Winterthur)
Daniel Muff (Pause)
Joren van Pottelberghe (Davos)

Alain Bircher (Langenthal)
Roger Karrer (Genf-Servette)
Christian Pinana (Ambrì-Piotta)
Jonas Siegenthaler (Washington)
Livio Stadler (Zug)
Kristian Suleski (Lyss)
Serge Weber (Langenthal)

Dominik Diem (ZSC Lions)
Sandro Forrer (Rapperswil-Jona)
Robin Fuchs (St. Imier)
Nico Hischier (New Jersey)
Makai Holdener (La Chaux-de-Fonds)
Auguste Impose (Sierre)
Denis Malgin (Florida)
Nathan Marchon (Freiburg-Gottéron)
Marco Miranda (Genf-Servette)
Raphael Prassl (ZSC Lions)
Damien Riat (Biel)
Calvin Thürkauf (Cleveland)
Dominik Volejnicek (Zug Academy)

Foto: SC Lyss

Zwischen Champions- und MySports League

In den ersten drei Partien der Champions-Hockey-League kommt beim EHC Biel die namenlose Nummer 42 zum Einsatz. In seinen ersten Einsätzen gegen den norwegischen Meister Frisk Asker kreiert der «Namenlose» bereits mehrere gefährliche Situationen vor dem Kasten von Nicklas Dahlberg, nun wird auch unter den Zuschauern getuschelt und gemunkelt wer die Nummer 42 wohl sein mag.

Der auffällige Stürmer stand knapp zwei Wochen vorher noch in Zuchwil mit der Nummer 66 auf dem Eis, beim MySports-Vorbereitungsspiel zwischen dem SC Lyss und dem EHC Bülach (4:2). Roman «Romik» Karaffa heisst das 20-jährige Bieler Nachwuchs-Juwel. Der Slowake ist vor fünf Jahren, durch Empfehlung seines Agenten Louis Liesch, von Spisska Nova-Ves in die Schweiz gekommen. Der Stürmer, der in seiner Heimat jeweils die Camps der slowakischen Legende Zdeno Ciger besucht hat, gilt daher neu als «Hockey-Schweizer» und belastet das Ausländer-Kontingent nicht.

«Slowakischer Hockeyschweizer»

Nach fünf Jahren in der Schweiz

Der Topskorer der Bieler Elite-Junioren (55 Punkte in 50 Spielen) wird in dieser Saison mindestens bei drei Mannschaften zum Einsatz kommen: Neben dem Fanionteam des EHC Biel und den Bieler Elite-Junioren, wurde der smarte Flügelstürmer, der auch in der Centerposition eingesetzt werden kann, beim SC Lyss mit einer B-Lizenz ausgestattet. Beim Partnerteam und MySports-League-Aufsteiger wird Karaffa viel Verantwortung übernehmen können. Der neue Lyss-Headcoach Serge Meyer hatte den Spielmacher bereits in den vergangenen zwei Jahren in seinem Kader.

Mit Karaffa steht beim SC Lyss erstmals seit «1993» wieder «Ausländer» im Kader. Beim Abstieg aus der Nationalliga B (NLB) vor 26 Jahren trugen die beiden Kanadier Dave Baseggio und Kent Hulst als letzte Söldner das Lysser Trikot. Lyss-Trainer Meyer absolvierte damals als 16-Jähriger seine erste NLB-Saison. In welchem Spiel Karaffa bei Lyss sein Debüt in der MSL geben wird ist noch unklar. Im ersten Testspiel buchte die Reihe mit Karaffa, Gauthier Girardin und Fabio Mattioni bereits in der vierten Minute den ersten Treffer. Für Lyss also, wie früher desto besser.

Karaffas Debüts

U20 Top (Ajoie): 16. September 2016, Herisau (3 Tore, 2 Assists)
U20 Elite A (Biel): 9. September 2016, in Davos
Champions-Hockey-League (Biel): 29. August 2019, Frisk Asker
MySports-League (Lyss): September 2019

Karaffas erste Champions-Hockey-League Punkte!
6. September 2019, in Asker: 32. Minute, Assist zum 1:1 (Tschantré); 39. Minute, Assist zum 2:1 (Cunti)

Foto: Hervé Chavaillaz

Von aktuellen und ehemaligen Helden

Foto: Kenneth Graf, Fabio Mattioni, Michael Krein und Torhüter Kevin Geissbühler

Am 28. März 2019 holt sich der SC Lyss, Dank einem 4:0-Auswärtssieg gegen den EHC Arosa, den 1. Liga Schweizermeistertitel. Schon mit dem Titel der Westschweizer Gruppe stand am 12. März 2019 der Aufstieg in die MySports-League fest. Am Samstag folgte der offizielle Empfang durch den Gemeindepräsidenten und die Meisterfeier im Hotel Restaurant Kreuz in Lyss.

Zweiter Meistertitel

Die Lysser holten vor genau 30 Jahren, am 16. März 1989 erst- und letztmals den 1. Liga-Schweizermeister-Titel. Drei Helden von damals sind bei der aktuellen Meisterfeier dabei: Noël Gerber, Reto Gerber und Urs Reber. Keiner konnte sich an eine Meisterfeier von einst erinnern. Damals gabs, trotz dem zusätzlichen Aufstieg in die Nationalliga B, nichts. Die grösste anwesende Lysser-Legende ist Bernhard «Benu» Bula. Bula führte die Mannschaft am 3. März 1979 als Kapitän erstmals in die NLB. Mit dabei waren auch Lucien Ramseyer und Kult-Betreuer Rudolf «Ruedi» Krähenbühl, sie alle sind bei der jüngsten Lysser Erfolgsfeier dabei.

Söhne berühmter Väter

Florin Gerber heisst der aktuelle Captain, er hat das «Amt» von Bula und seinem «Götti» Noël Gerber mehr als würdig vertreten, denn er ist erst der dritte Lysser 1. Liga-Aufstiegs-Kapitän der 55-jährigen Clubgeschichte. Der Sohn des langjährigen Verteidigers Reto Gerber ist nicht der einzige mit berühmten Vater. Stürmer Fabio Mattioni fragt mich ob Lyss schon einmal 1. Liga-Meister gewesen sei, verblüfft sagt er, «wir haben schon ein bisschen Geschichte geschrieben?» Klar antworte ich, «etwas was dein Vater nie geschafft hat.» Vater Romeo Mattioni stemmte beim letzten Lysser Meistertitel 1989, den Pokal schon zwei Stufen höher, nämlich beim Schweizermeistertitel mit den SC Bern.

Auf der Kreuz-Toilette, begegnen mir Headcoach Patrick Glanzmann, Lyss-Spieler der ersten NLB-Saison und Stürmer Yanick Kohler, nach meiner Gratulation, selbstverständlich nach dem Händewaschen, erkläre ich Kohler-Junior, ob er wisse, dass sein Vater Thomas bis heute der letzte NLB-Torschütze der Lysser Geschichte sei. Natürlich weiss er dies nicht, denn er war damals, am 27. Februar 1993, gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Erstaunt will er, trotz Meisterfeier, mehr darüber wissen. Im gleichen Lysser Abstiegskader von 1993 spielte auch ein Mann Namens «Fiala», die Rede ist von Hans «Jan» Fiala. Sein Sohn Kevin spielt heute in der National-Hockey-League bei den Minnesota Wild. Ein anderer, Dave Baseggio, ist heute Scout bei den Anaheim Ducks.

Wer weiss, vielleicht reden wir in 30 Jahren mit den alten Legenden von 2019 nicht zwingend über die NHL, aber über ihre langjährigen Karrieren und deren Söhne feiern einen weiteren Lysser Meistertitel. Zurück in die Gegenwart, da freuen wir uns auf eine neue Ära auf nationaler Ebene und auf Gegner wie Dübendorf, Basel, Wiki-Münsingen, Thun, Bülach, Düdingen oder Chur. In diesem Sinne «Hopp Lyss», denn der SC Lyss ist mehr als nur ein Club.

Das doppelte Saisonende

Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.

Von Lyssern und Oltern

Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.

Meine physisch und psychisch härteste Saison aller Zeiten

Michael Krein

Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»

Von Olten nach Freiburg

Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.

Nach der Saison ist vor der Saison

Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.

Der Schiri ist Stanley-Cup-Sieger

Sonntag Morgen, die Sonne scheint auf der Kunsteisbahn Hirzenfeld in Münchenbuchsee. Auf dem Eis kämpfen Piccolos und Moskitos beim traditionellen Raiffeisen Moskito-Turnier. Der Schiedsrichter pfeift eine Strafe gegen die Mannschaft des EHC Biel. Biel-Trainer Peter Steinegger, eine Legende des Seeländer Eishockeys, ist mit dem Entscheid nicht einverstanden und gibt dies dem Referee lauthals zu spüren.

Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen

Bei genauerem hinsehen, entpuppt sich der Unparteiische als ehemaliger Weltklassespieler, getarnt als Schiedsrichter. Die Spieler unserer Mannschaft erkennen den Schiri: «Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen», sagen die Dreikäsehoch. Langnau war einst seine erste Station, ehe er via Signau, Thun, wieder Langnau und Färjestads BK Karlstad, den Weg nach Übersee gewagt- und sich mit den Carolina Hurricanes 2006 den Stanley-Cup geholt hat.

Bei Langnaus Elite-Novizen

Martin «Tinu» Gerber will nicht etwa Schiedsrichter werden, nein, als Assistenzcoach von Langnaus Elite-Novizen, absolviert er im Rahmen des Trainerkurses die erforderlichen Einsätze als Schiedsrichter. Die Bieler Moskitos verlieren die hartumkämpfte Partie gegen unsere Mannschaft vom SC Lyss knapp mit 0:1 und Biel-Coach Steinegger wendet sich am Ende des Spiels nochmals an Gerber: «Gerber hat recht und hat das Regelwerk richtig befolgt», sagt Kult-Coach Steinegger mit einem lachen… …in der kleinen Welt des Eishockeys.

Bildergalerie

Wenn Lysser in Rapperswil-Jona…

Am 23. Oktober 2018 schiesst Steve Mason innert 6 Minuten und 39 Sekunden seine National-League-Tore eins und zwei. Beide Treffer fallen im Powerplay und die Lakers gewinnen gegen Genf-Servette mit 4:3. Die Mason-Doublette zum 3:2 und 4:2 ist wegweisend für Rapperswil-Jonas zweiten Sieg im zwölften Spiel. Der holländisch-kanadische Doppelbürger spielt seit 2015 für die Lakers und kam während der Saison 2015-16 vom niederländischen Spitzenklub Tilburg Trappers in die Rosenstadt.

diese Karte habe ich auch noch

Vor dem Interview mit MySports frage ich den holländischen Internationalen, Mason bestritt fünf Weltmeisterschaften, ob er sich an seinen ersten Verein erinnern könne, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, «ja den SC Lyss.» Steves Vater Doug Mason wurde im Sommer 1992 vom damaligen NLB-Club Lyss als Nachfolger von Mike McParland verpflichtet, so unternahm «klein-Steve» im alter von vier Jahren bei den Lysser Bambinis die ersten Gehversuche auf dem Eis.

Einst gegen Rapperswil-Jona

Vater Doug wurde, in der schlechtesten Lysser NLB-Saison, mit nur einem Sieg nach neun Spielen im Oktober 1992 entlassen. Mason wurde im Heimspiel gegen den HC Thurgau, in der zweiten Drittelspause beim Stand von 0:4 seines Amtes enthoben. Dennoch erinnert sich Steve immer noch bestens an das kurze Gastspiel: «Diese Karte (siehe Foto) habe ich auch noch», sagt der freundliche Mittelstürmer der Lakers. Übrigens, den Saisonauftakt 1992 verloren die Lysser unter Coach Mason gegen Rapperswil-Jona mit 1:8.

Wenn Stewart klingelt…

Patrick Glanzmann und Präsident Mathias Müller empfangen Cliff Stewart. (Myriam Koubâa)

Europapark Rust, irgendwo zwischen «Silverstar» und «Poseidon» erreicht mich eine Whatsapp-Nachricht meines einstigen Eishockey-Kollegen Jarno Michel. Der ehemalige Lyss-Trainer Cliff Stewart weilt für ein paar Tage in Lyss und wolle sich ein Training der ersten Mannschaft ansehen, ob ich ihm weiterhelfen könne. Natürlich stösst der ehemalige Torhüter und Spieler aus dem Lysser-Nachwuchs bei mir auf ein offenes Ohr, Cliff Stewart wurde 1980 als erster vollamtlicher Profitrainer in Lyss engagiert.

Langjähriger Lyss-Kontakt

Der 71-jährige Kanadier befindet sich auf Europa-Tour und besucht seine ehemaligen Wirkungsstätten, unter anderem war er auch an der Jubiläumsfeier im holländischen Geleen, wo er zwischen 1992 und 1997 als Headcoach bei den «Meetpoint Eaters» im Amt war. Sein Engagement in Lyss kam unter der Präsidentschafts-Ära von Peter Bangerter zustande. Nach nur einer Saison im Seeland, bleibt Stewart – der im Sommer 1981 zum EV Zug gewechselt hat – stets mit dem langjährigen OK-Präsident des Lysser Industriecups, Jürg Michel in Kontakt, der Vater meines aktuellen Whatsapp-Informanden.

Stewart richtet ein paar Worte an die 1. Mannschaft

Wenn Stewart 37 Jahre nach seinem Abgang die Lysser Seelandhalle betreten wird, dann muss dies in einem angemessenen Rahmen passieren. So kontaktiere ich noch aus dem Europapark den neuen Präsidenten Mathias Müller, welcher sofort alle Hebel in Bewegung setzt um die einstige Trainerlegende in Lyss zu empfangen. Bestenfalls hätte man Stewart zum Saisonauftakt gegen den HC St. Imier, am 29. September auf dem Eis begrüssen wollen, der Kanadier allerdings hat seinen Rückflug bereits einen Tag vorher gebucht.

Ein würdiger Empfang

So wird Stewart mit seiner Gattin Gloria am Mittwoch, 26. September, um 19 Uhr von Lyss-Coach Patrick Glanzmann und Präsident Müller zu einem Training des Fanionteams empfangen. In der Kabine richtet Stewart ein paar Worte an die jüngste Ausgabe des Schlittschuhclub Lyss. Stewart seinerzeit erreichte das Saisonziel «Aufstiegsspiele zur NLB» 1980-81 nicht. Übrigens, von Stewarts Mannschaft ist heute noch einer im Nachwuchs-Trainerstaff tätig, Novizen-Trainer und Eisplaner Urs Christen. Vor lauter hektik wird beinahe noch das Erinnerungsfoto für «Socialmedia» vergessen. Die fleissige Club-Sekretärin, womöglich durch eine Info aus dem Europapark beauftragt, eilt noch rechtzeitig vorbei. Stewarts Europa-Tournee geht in Lyss zu Ende, meine im «holländischen Teil» des Europaparks…

Wenn sich IFK und Jokerit in Küssnacht heimlich duellieren

Warten gespannt auf ihren nächsten Einsatz, die Spieler mit den Rückennnummern 15, 14 und 16. (Michael Krein)

Antti Törmänen und Waltteri Immonen haben zwischen 1990 und 1998 sieben Jahre zusammen beim finnischen Topklub Jokerit Helsinki verbracht. Seit 2008 ist Immonen als Assistenztrainer in der Schweiz tätig, Törmänen kam drei Jahre später zum SC Bern. Heute stehen die zwei Finnen bei Kloten und Biel an der Bande.

Szenenwechsel: Es ist Samstag, sieben Uhr in der Früh, die ersten Eltern treffen mit ihren Kindern in der Rigihalle in Küssnacht ein. Eines von zahlreichen Piccolo-Turnieren, welches Wochenende für Wochenende auf allen Eisbahnen in der Schweiz über die Bühne geht. Erstmals dabei beim Küssnachter SC ist ein Jungtrainer, gleichzeitig spielt der Mann mit «Jokerit Helsinki» Baseballcap im Fanionteam in der 2. Liga.

 Tragen die Spieler ihre echten Namen auf ihren Trikots?

Der Jungtrainer mit der Jokerit-Mütze ist der Sprössling von Waltteri Immonen. Doch er ist nicht der einzige Finne, welcher an diesen Samstag Vormittag in der Rigihalle im Einsatz steht. Bei den Piccolos des SC Lyss steht ebenfalls ein Finne auf dem Matchblatt, dabei handelt es sich um den jüngeren Sohn des Trainers der 1. Mannschaft des EHC Biel. Biel und Lyss arbeiten bei den jüngsten zusammen, so gehören solche Aufgebote zur Tagesordnung. Törmänen Junior trägt sogar noch die Stulpen von IFK Helsinki, dem letzten Klub, vor Papas Wechsel ins Berner Seeland.

Ein aufmerksamer Gegenspieler Küssnachts, neben Törmänen stehend, will mehr wissen und fragt erstaunt: «Tragen die Spieler ihre echten Namen auf ihren Trikots?» Ob dies dem Küssnachter Assistenten finnischer Herkunft ebenfalls aufgefallen ist? Vermutlich nicht, warum auch, denn Riki Immonen hat immer in der Schweiz gespielt. So duellieren sich «heimlich» die Söhne aus der finnischen Hauptstadt im schweizerischen Küssnacht, in der Schweizer-Nachwuchsausgabe mit dem besseren Ende für «Jokerit».

Der 27. Dezember, kein gewöhnlicher Tag

Ein kleiner, zwölfjähriger Junge sass am 22. Februar in einer Ferienwohnung in Saas Fee vor dem Fernseher. Eigentlich hätte der Junge längst schlafen sollen, denn es war schon 23 Uhr, und die Frage ob er sich das Eishockeyspiel der Amerikaner gegen die Sowjets anschauen dürfe, wurde von seinem Vater, dem späteren Präsidenten des SC Lyss positiv beantwortet. So wird der Moskito-Spieler Zeuge des grössten Eishockeywunders aller Zeiten, dem „Miracle on Ice.“ Denn die Nacht vom 22. auf den 23. Februar war keine gewöhnliche Nacht. Für den Eishockey-Sport und für den zwölfjährigen Jungen nicht. Es war der Tag, an dem das Team USA, ein zusammengewürfelter Haufen namenloser College-Boys mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren, bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid für den wohl grössten Moment in der Geschichte des Eishockeys- und einen der grössten Sensationen in der Geschichte des Sports sorgte, an dem ein paar Studenten die unbesiegbare Sowjetunion mit 4:3 besiegten.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste, der zwölfjährige Junge wird später als Rekordspieler des SC Lyss in die Annalen eingehen und bestreitet alle 178 Nationalliga-B-Spiele in der erfolgreichsten Zeit des Seeländer Vereins. Das Wunder von Lake Placid hat nicht nur den Lysser Kultspieler Noël Gerber geprägt, sondern rückwirkend auch seinen heutigen Assistenztrainer bei den Lysser Bambini, allerdings war dieser damals gerade mal zweieinhalb Jahre alt und hat das Wunder von Lake Placid nicht mal im Traum mitbekommen.

Von Lake Placid nach Bern

Die beiden Nachwuchstrainer stehen am 27. Dezember 2017 angespannt im „Bären Graben“ der PostFinance Arena, ihre Mannschaft wird in Kürze den Final des NOVO-Future-Cup bestreiten, dem wohl prestigeträchtigsten Bambini-Turnier in der Region. Noch nie konnte eine Lysser Nachwuchs-Mannschaft den Pott ins Seeland holen, im Final standen die Lysser aber schon im Vorjahr. Doch auch der 27. Dezember 2017, scheint kein gewöhnlicher Tag zu sein. Ähnlich wie die US-Boys vor knapp 28 Jahren, sind auch die Lysser ein zusammengewürfelter Haufen namenloser Unterstufenschüler. Zwei Stürmer und der Torhüter kommen aus Biel, ein Stürmer aus Zuchwil, der Kern aber stammt aus der Nachwuchsabteilung des SC Lyss, welcher auf der untersten Stufe eine Partnerschaft mit dem grossen Nachbar pflegt.

Herb zu Craig: „ich habe kein gutes Gefühl“, Craig zu Herb: „ich auch nicht“

Die Aufgabe ist nicht einfach, denn Auftaktgegner HC Dragon Thun, eine Mannschaft gegen die es während der Meisterschaft meistens nichts zu holen gibt, wurde schon Morgens um neun mit 6:1 geschlagen. Der Gegner aus dem Oberland teilt auch noch die gleiche Kabine wie die Mannschaft aus Lyss. Trotz der Auftaktniederlage haben sich die Thuner während des Turniers von Spiel zu Spiel gesteigert und das entscheidende Spiel um den Finaleinzug gegen den Lokalmatador SC Bern gewonnen. Und Lyss? Die Lysser haben ihre letzten drei Vorrundenspiele nach belieben mit 4:0, 10:0 und 11:1 dominiert. Es ist als trifft der Qualifikationssieger auf den Achtplatzierten und wie wir aus der Geschichte kennen, ist das kein leichtes Unterfangen, gibt es doch unzählige Beispiele über das Scheitern des Favoriten in der ersten Playoffrunde.

Sind die U9-Spieler wirklich bereit? Können sie im entscheidenden Moment wieder einen Gang höher schalten, fragen sich Herb“ und „Craig“. In Anlehnung an den 22. Februar von 1980 nennen wir die beiden Coaches „Herb“ Brooks (Gerber) und „Craig“ Patrick (Krein). Die Kinder zeigen keine Anzeichen von Nervosität und sind sich ihres Sieges ziemlich sicher und genau das beunruhigt das Trainerduo. Sind die beiden schon zu lange im Eishockeygeschäft? Denn bekanntlich gewinnt man am gleichen Turnier fast nie zweimal gegen den gleichen Gegner.

Ein grosser Schritt für den SC Lyss

Beide erinnern sich an Brooks‘ Rede vor dem Spiel gegen die Sowjetunion und kommen ins grübeln: „Was erzählen wir einer Bambini-Mannschaft?“ Herb zu Craig: „ich habe kein gutes Gefühl“, Craig zu Herb: „ich auch nicht“, die Nervosität der beiden Coaches darf sich nicht auf die zusammengewürfelte Truppe übertragen. Diese legt sich auch nicht während der langgezogenen Final-Zeremonie, die Bambini können in der PostFinance Arena einlaufen wie dies jeweils die „Grossen“ tun, mit Feuer, Flamme und Bärengebrüll – dies wird sie ein „Leben“ lang prägen. Die Jungs laufen ein wie die College-Boys 1980 im Olympic Fieldhouse, die Gesichter sind voller Zuversicht und Unbekümmertheit, der „Wille“ zu gewinnen ist grösser als die „Angst“ vor dem verlieren. Nur im Ansatz können die Coaches erahnen, wie schwierig es sein muss bei einem Profiteam an der Bande zu stehen.

Wie einst die Sowjets, beginnen die Thuner furios und gehen Zeitgleich mit dem ersten, weinend auf die Bank zurückkehrenden Lyss-Spieler mit 1:0 in Führung. Zum ersten Mal sind die Lysser im Rückstand. Doch die Mannschaft lässt sich, wie die Amerikaner am 22. Februar, nicht aus der Ruhe bringen und gleicht sofort aus. Es scheint als sei ein kleiner Funken der Gold-Boys von Lake Placid knapp 28 Jahre später nach Bern gesprungen, die Sowjets aus Thun werden mit 4:1 bezwungen. Für den zusammengewürfelten Lysser-Haufen geht der 27. Dezember in die Geschichte ein, denn es ist ein grosser Schritt für die Lysser und ein kleiner Schritt für die Eishockey-Welt.

Küpfers kanadischer Hockeytraum

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Die Schweizer Fraktion der Parry Sound Islanders, von links Flurin Hobi (77), Claudio Clement (12), Joël Küpfer (22) und Gian-Marco Schumacher (8). (Foto: Parry Sound Islanders)

Neben den Schweizer NHL-Söldnern und den Nachwuchshoffnungen in den drei höchsten kanadischen Juniorenligen Ontario-Hockey-League, Quebec-Major-Junior-Hockey-League und der Western-Hockey-League, spielen auch zahlreiche junge Schweizer in unbekannteren nordamerikanischen Minor-Leagues. Der 21-jährige Seeländer Joël Küpfer spielt seit diesem Herbst in der «Greater-Metro-Junior-A-Hockey-League» bei den Parry Sound Islanders. Der Flügelstürmer aus Lyss berichtet exklusiv für eishockeyblog über seinen kanadischen Hockeytraum und zieht eine erste Zwischenbilanz.

Joël Küpfer aus Parry Sound

Die Liga

Die «Greater-Metro-Junior-A-Hockey-League» (GMHL) umfasst 24 Teams im Raum Central Ontario und Quebec, geteilt in eine North- und eine South Division. Die GMHL ist eine von Hockey-Canada unabhängige Entwicklungsliga, die es jungen Eishockeyspielern aus aller Welt ermöglicht, in Kanada Eishockey zu spielen und sich für das College-Hockey aufzudrängen. Innerhalb der North-Division spielen wir 42 Saisonspiele. Ende Februar starten die Playoffs um den Russell-Cup, diese finden bis zum Finalspiel ebenfalls innerhalb der eigenen Division statt.

Mein Team

Unser Team besteht aus den unterschiedlichsten Nationalitäten und Altersstufen. Da der Eigentümer des Teams von tschechischer Herkunft ist, haben wir acht Tschechen in unseren Reihen. Diese sind technisch und läuferisch sehr gut, jedoch hatten sie zu Beginn Mühe sich im Team zu integrieren. Weiter haben wir vier finnische Mitspieler, diese sind alle grossgewachsen und wirken läuferisch eher langsam, sind dafür aber mit einer sensationellen Schusstechnik ausgestattet.

So erstaunt es nicht, dass mit Valtteri Mäkiviinikka und Benjamin Linna gleich zwei unserer finnischen «Sniper» unter den Topskorern der Liga zu finden sind. Zudem stehen fünf Amerikaner und ein Kanadier im Kader. Die Nordamerikaner besitzen alle ein eigenes Auto und chauffieren uns täglich zu den Eistrainings oder zum Einkaufen. Um unser Team zu komplettieren sind da noch vier Schweizer, drei Jungs aus dem schönen Graubünden und ich, der liebevoll genannte «Bärner Gigu.»

der liebevoll genannte «Bärner Gigu»

Ein sehr vielfältiges Ensemble mit vielen interessanten und guten Persönlichkeiten. Wir haben ein talentiertes Team mit vielen guten Spielern, was für ein gutes Trainingsklima sorgt. Mittlerweile sind wir auch als Mannschaft näher zusammengewachsen, können und müssen aber im Hinblick auf die Playoffs sicherlich noch weiter daran arbeiten.

Start im September

Über den Schweizer Torhüter Léon-Rouven Marty, der letztes Jahr in der GMHL bei den Kingsville Kings gespielt hat, wurde ich auf die Parry Sound Islanders aufmerksam. Im Frühjahr 2016 habe ich mich dann entschieden, mein Studium in Fribourg für ein Jahr zu unterbrechen um nach Kanada zu reisen und dort den Traum eines jeden Hockeyspielers zu leben. Gemeinsam mit meinen drei Schweizer Teamkollegen Claudio Clement, Furin Hobi und Gian-Marco Schumacher (alle vom HC Prättigau-Herrschaft), haben wir am 5. September 2016 die Reise nach Toronto in Angriff genommen.

Zwischenbilanz

Nach einem einwöchigen Trainingscamp hat die Saison bereits begonnen. Mit zwei Kantersiegen (13:1 und 11:0) gegen die Rivalen aus Seguin (Huskies), die im selben Resort wohnen wie wir, konnten wir die Saison wunschgemäss starten. Beim «Christmas-Break» liegen wir mit 24 Siegen und 5 Niederlagen auf dem 2. Rang der North-Division. Wir befinden uns auf dem richtigen Weg, jedoch ist die Liga in letzter Zeit ausgeglichener geworden. Alle Teams werden im Verlaufe der Saison mit weiteren Spielern ergänzt und verstärkt.

Die New Tecumseth Civics, der Leader unserer Division (fünf Punkte vor Parry Sound) hat mit Michael Giugovaz einen Torhüter geholt, der zuvor vier Jahre in der OHL gespielt hat. Gerüchte besagen, dass ihm die Civics sogar ein gutes Salär bezahlen. Normalerweise berappt ein Spieler der GMHL seine Unkosten um in dieser Liga spielen zu können. Trotzdem haben wir das Zeug dazu im Kampf um den Russell-Cup ein Wörtchen mitzureden, der Weg bis zum Final-Einzug ist allerdings noch sehr weit und alles andere als einfach.

Das Grand Tappattoo Resort

Unser Team, sowie die Mannschaft aus Seguin wohnen in einem Ferienresort, welches 15 Minuten ausserhalb von Parry Sound am Otter Lake liegt. Da das Resort im Winter nur wenig Gäste beherbergt, können gleich zwei Eishockeyteams in den Hotelzimmern und Cottages untergebracht werden. Wir werden dreimal täglich verpflegt und die Zimmer werden zweimal wöchentlich gereinigt. Ich würde es aber bevorzugen, wenn wir etwas selbständiger sein könnten und eine eigene Küche zur Verfügung hätten, aber beklagen will ich mich keinesfalls.

Das Hotel liegt zwar abseits der Stadt, mit dem direkten Zugang zum Otter Lake ist es aber sehr schön gelegen. Das Resort bietet neben einem Fitnessraum, Hallenbad und Sauna auch einen Tischtennis-Raum, wo wir – wenn es die Zeit erlaubt – unsere internen Turniere veranstalten. Als es noch etwas wärmer war konnten wir mit den Kanus die wunderschöne Landschaft vom See aus bestaunen, mit dem Wintereinbruch soll in wenigen Wochen auf dem gefrorenen See ein Hockey-Rink entstehen.

Der GMHL-Alltag

Ein normaler Tag beginnt für uns, je nach Wochentag, meistens zwischen 7 Uhr 30 und 9 Uhr 30, mit dem Frühstück. Anschliessend begeben wir uns zum Bobby-Orr-Community-Centre in Parry Sound, (Anm. der Red. Parry Sound ist die Heimatstadt der NHL-Legende Bobby Orr) unserem Heimstadion, wo wir täglich ein anderthalbstündiges Eistraining absolvieren. Der zweite Programmpunkt ist ein «Off-Ice» Training in der lokalen YMCA (Young-Men’s-Christian-Association), eine Art öffentliche Turnhalle, zur Spinning Class (ein relativ hartes Workout auf dem Fahrrad) oder wir haben gemeinsame Lifts im Fitnessraum des Hotels.

Nach einem intensiven Wochenende kommt es auch mal vor dass wir an einem «Competition-Tuesday» ein Eistraining mit vielen kleinen Spielen absolvieren und in der anschliessenden YMCA-Stunde Fussball oder Basketball spielen. Einmal pro Woche, meistens Donnerstags, treffen wir uns zum Videostudium. Dort zeigt uns Coach Doug Raymond diverse Situationen aus den vergangenen Spielen. Weiter studieren wir das Spiel der nächsten Gegner, vor allem in Power- und Boxplaysituationen. Den Rest des Tages haben wir dann meistens zu unserer freien Verfügung. Einmal täglich findet noch eine Englischlektion statt, die allerdings eher für die Tschechen und Finnen, die kaum englisch sprechen, hilfreich ist.

Während des Spiels haben wir neben unseren zwei Coaches einen «Gator» und «Dakota»

An Spieltagen haben wir kein grosses Programm und viel Zeit für individuelle Vorbereitungen. Ich setze mich vor den Spielen jeweils für ca. 20 Minuten aufs Fahrrad, um mich ein wenig aufzulockern. Während des Spiels haben wir neben unseren zwei Coaches einen Betreuer, «Gator» und einen kleinen Jungen namens «Dakota», welche uns begleiten. Da in Parry Sound leider kein Busunternehmen existiert, reisen wir an die Auswärtsspiele mit einem Schulbus. Daher sind die Fahrten sind sehr lang und definitiv alles andere als komfortabel.

Nach dem letzten Spieltag der Woche haben wir jeweils ein «Off-Day», ein trainingsfreier Tag, den wir individuell gestalten können. Im September haben wir beispielsweise einige Spiele des World-Cup-of-Hockey in Toronto- und ein Baseball-Playoffspiel der Toronto Blue Jays besucht. Andere Ausflugsziele für Shopping, Eat&Drink oder um ein bisschen Spass zu haben sind Barrie, Vaughn und natürlich Toronto.

Nun stehen wir im «Christmas-Break», die kommenden zwei Wochen werde ich gemeinsam mit den drei Bündnern in Montreal, wir besuchen das NHL-Spiel zwischen den Montreal Canadiens und Nino Niederreiters Minnesota Wild, sowie in Toronto verbringen. Es war bis anhin eine sehr anstrengende und intensive Zeit und da werden zwei «hockeyfreie» Wochen bestimmt nicht schaden, dennoch geniesse ich meinen kanadischen Hockeytraum in vollen Zügen.

Gelingt das zweite Wunder von Lyss?

Im Cup-Spiel gegen Fribourg-Gottéron braucht es vollen Einsatz der Lysser, wie hier Nicola Pfeiffer gegen Biels Mathieu Tschantré im Jubiläumsspiel 2014. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Der SC Lyss und der HC Fribourg-Gottéron, war da nicht mal was? In der Saison 1979/80 spielten die aktuellen Cup-Gegner in der Nationalliga-B-Westgruppe (damals war die NLB in zwei Gruppen unterteilt) viermal gegeneinander und viermal gingen die Freiburger als klare Sieger (9:3, 9:2, 13:1 und 8:4) vom Eis. Für die Seeländer spielten die Üechtländer ein Eishockey vom andern Stern, als logische Folge schaffte Gottéron in dieser Saison den Aufstieg in die Nationalliga A und der SC Lyss musste den Gang in die 1. Liga antreten. Lyss kehrte zwischen 1989 und 1993 nochmals vier Jahre in die NLB zurück, Fribourg spielt seither in der NLA.

David gegen Goliath

35 Jahre später treffen die ehemaligen NLB-Gegner im Rahmen des Swiss-Ice-Hockey-Cup wieder aufeinander und wie in der Saison 1979/80 sind die Rollen immer noch klar verteilt. Lyss empfängt als Zweitplatzierter der 1. Liga, Gruppe 2 den Leader der NLA. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben die beiden Cup-Gegner, beide sind in der aktuellen Meisterschaft noch ungeschlagen. Der Underdog gibt sich kämpferisch: «Wir sind bereit für Fribourg», sagt Lyss-Stürmer Nicola Pfeiffer vor dem Duell «David gegen Goliath». Apropos «David», in Anlehnung an den langjährigen Lyss-Trainer Hans-David Steiger (1993-2006) sollte man das Duell eigentlich «Hans-David gegen Goliath» nennen.

Schaad, Robert und Zaugg, einst mit Roman Josi Elite-Junioren Schweizermeister…

Beim Underdog stehen mit Torhüter Fabian Zaugg, den Verteidigern Dominique Robert und Manuel Schaad immerhin drei ehemalige Elite-Junioren Schweizermeister im Team von Trainer Patrick Glanzmann. Neben den drei Lyssern gehörte Nashville Predators-Verteidiger Roman Josi 2009 ebenso zum Meisterkader wie Etienne Froidevaux (Lausanne), Joël Vermin, Tristan Scherwey, Pascal und Alain Berger und Kevin Fey (Biel). Zudem hat Torhüter Zaugg im August das Trainingslager mit dem EHC Biel bestritten. Neben Zaugg (2008/09 Backup von Marco Bührer), können aber nur Schaad (10 Spiele für den SC Bern) und Florin Gerber (24 Spiele für den EHC Biel) auf NLA-Schnuppereinsätze zurückblicken. Allerdings fallen Schaad (Innenband) und Zaugg (Schulter) kurzfristig verletzungsbedingt aus. Der prominente Gegner aus der NLA kann auf die Erfahrung von 783 NHL-Partien, 73 WM-Spiele und 10 Olympia-Einsätze zählen und muss lediglich auf seinen Captain Julien Sprunger (gesperrt) verzichten.

Der historische 2. Januar 1991

Doch da war noch was anderes zwischen Lyss und Fribourg? Eine ähnliche Rollenverteilung wie heute gab es am 2. Januar 1991, als der damalige B-Ligist den HC Fribourg-Gottéron im Rahmen eines Neujahrsschlagerspiels vor 1’900 Zuschauern empfangen hat. Fribourg trat in Lyss mit dem ganzen Kader, inklusive den sowjetischen Superstars Wjatscheslaw Bykow und Andrei Chomutow an und setzte sich schon nach 6 Minuten mit einem brutalen 4-Tore-Vorsprung ab. Ein krasser Klassenunterschied schien für den Gastgeber Böses erahnen. Im Mittelabschnitt wendeten die Lysser mit einem sensationellen 5:0 das Blatt und schafften gegen den übermächtigen Gegner eine unerwartete Überraschung. Lyss siegte im Freundschaftsspiel gegen Bykow/Chomutow und Co. mit 8:5 und die Halle stand Kopf. Gelingt den tapferen Lyssern nach dem Wunder von 1991 auch das Wunder von 2015?

Alle Partien im Überblick

FS, 2. Januar 1991, Lyss – Fribourg-Gottéron 8:5 (1:4, 5:0, 2:1)
Tore: Pfeuti, Laczko (2), Lamoureux (2), S. Schmid, Weibel, Gagné; Brodmann (3), Theus, Balmer

Industriecup, 16. September 1989, Lyss – Fribourg-Gottéron 4:10 (2:2, 1:2, 1:6)
Tore: Lappert, S. Schmid, Laczko, Brambilla; Hodgson (3), I. Griga (2), Rottaris, Schaller (2), Staub, Stastny

NLB, 22. Januar 1980, Lyss – Fribourg-Gottéron 4:8 (1:3, 0:3, 3:2)
Tore: Riesen, D. Tschannen, Eicher, Mäder; Brand, Lussier (3), Lüdi (2), Marti, Lüthi

NLB, 18. Dezember 1979, Fribourg-Gottéron – Lyss 13:1 (1:1, 5:0, 7:0)
Tore: Uttinger, Lüthi (2), Lussier (3), Rouiller, Rotzetter, Marti (2), Stoll (2), Stempfel; Riesen

NLB, 6. November 1979, Lyss – Fribourg-Gottéron 2:9 (0:2, 0:1, 2:6)
Tore: Bula, Riesen; Lüdi (2), Uttinger, Rouiller (2), Brand, Rotzetter, Jeckelmann, Raemy

NLB, 9. Oktober 1979, Fribourg-Gottéron – Lyss 9:3 (5:0, 3:2, 1:1)
Tore: Stempfel (2), Lussier (2), Marti (2), Jeckelmann, Raemy, Rouiller; Riesen (2), Kohler

 

Die Swiss-Ice-Hockey-Cup 1/16-Finals 2016 (29./30.9.2015)

EHC Burgdorf – SCL Tigers 2:7 (1:3, 0:2, 1:2)
GCK Lions – HC Ambrì-Piotta 1:4 (1:2, 0:0, 0:2)
EHC Olten – EV Zug 2:3 (1:0, 0:2, 1:1)
Hockey Thurgau – Kloten Flyers 1:5 (1:0, 0:1, 0:4)
EHC Wiki-Münsingen – EHC Biel 1:12 (0:4, 1:4, 0:4)
SC Weinfelden – SC Rapperswil-Jona Lakers 2:5 (0:1, 2:1, 0:3)
EHC Brandis – EHC Visp 1:4 (1:1, 0:2, 0:1)
SC Lyss – HC Fribourg-Gottéron (1:3 (0:1, 1:0, 0:2)
EHC Chur – ZSC Lions 2:9 (0:3, 0:4, 2:2)
HC Forward-Morges – Lausanne HC 1:6 (0:2, 0:2, 1:2)
HC Université Neuchâtel – Genève-Servette HC 2:10 (1:2, 1:3, 0:5)
SC Langenthal – SC Bern 2:3 (1:0, 1:2, 0:1)
EHC Winterthur – HC Lugano 1:2 (0:1, 0:0, 1:1)
EHC Dübendorf – HC Davos 5:4 nV (2:1, 1:3, 1:0, 1:0)
HC Ajoie – HC Red Ice Martigny 8:4 (2:1, 3:0, 3:3)
HC Sion-Nendaz 4 Vallées – HC La Chaux-de-Fonds 1:2 (0:1, 1:1, 0:0)

Lyss – Biel: Von Eisschlachten und Kantersiegen

 

Der Lysser Markus Witschi (rechts) bewacht Biels Nationalstürmer J.-J. Aeschlimann. (Foto: BT)

1989: Der Lysser Markus Witschi (rechts) bewacht Biels künftigen Nationalstürmer Jean-Jacques Aeschlimann. (Foto: BT)

In sechs Spielen gegen den EHC Biel ging der SC Lyss bisher erst einmal als Sieger hervor, dreimal setzte es für den Underdog sogar zweistellige Niederlagen ab. Am Samstag, 30. August, kommt es in Lyss anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums zum siebten Seeland-Derby.

Die erste Affiche fand 1970 im Rahmen des Industriecup Finals vor nur 200 Zuschauern in der neuen Lysser Eissporthalle statt. Der Lysser Hallenbesitzer Ernst Häfliger verpflichtete dazu noch drei Verstärkungsspieler aus Wichtrach. Dennoch hatte der Zweitligist gegen den überlegenen Nationalliga-B-Vertreter keine Chance und musste den Industriecup-Pokal erstmals dem EHC Biel überlassen. In der Folge konnten die Bieler bis 1994 den Wanderpokal noch acht Mal gewinnen.

Der Ursprung vom Schweizer WM-Silber 2013?

Anlässlich des Industriecups 1989, dem zweiten Aufeinandertreffen zwischen Biel und Lyss, präsentierte der SC Lyss seinen 1‘744 Zuschauern den unbekannten Kanadier Sean Simpson. Ausgerechnet im Halbfinal-Spiel gegen den EHC Biel, fiel der neue Kanadier in der 5. Minute verletzt aus. Für Simpson, der in seiner Karriere vorher nie verletzt gewesen war, kam der Ausfall im dümmsten Moment, denn Simpson hatte zu diesem Zeitpunkt in Lyss noch keinen Vertrag. In der Folge bezahlte der SC Lyss seinem Schützling lediglich Kost und Logis sowie die Therapiekosten. Auf Simpsons Initiative, bot sich der spätere Nationaltrainer im Gegenzug als Nachwuchscoach auf sämtlichen Stufen an. Die Verletzung im Spiel gegen Biel erwies sich später als Schlüsselpunkt im Leben von  Simpson.

Zwei Spiele in der Lysser Supersaison 1991/92

Im Industriecup Halbfinalspiel forderte der neu formierte SC Lyss seinem grossen Nachbar alles ab und lag zwischenzeitlich sogar mit 2:1 in Führung. Erst durch die vielen Lysser-Ausschlüsse konnte der Favorit die «Eisschlacht» mit 65 Strafminuten doch noch zu seinen Gunsten entscheiden und zog in den Industriecup Final gegen Freiburg-Gottéron ein. Die zweite Partie wurde in der Altjahrswoche, im Rahmen des Transfers von Sven Schmid, am 17. Dezember 1991 in Lyss gespielt. Zu diesem Zeitpunkt strotzte der Unterklassige als Nationalliga-B-Leader nur so vor Selbstvertrauen. Prompt musste der ersatzgeschwächte EHC Biel, der ohne seine beiden Ausländer Ramil Juldaschew und Waleri Schirjajew sowie die beiden U20-Nationalspieler Martin Steinegger und Marc Weber antreten musste, unten durch. In den letzten sechs Minuten erzielten die Lysser die wegweisenden Tore vom 3:3 zum 5:3 und realisierten den bisher einzigen Lysser-Sieg.

Die letzte Partie endete mit einer Kanterniederlage

In der Saison 2003/04 trat Lyss erstmals als Erstligist gegen den oberklassigen Nachbar aus der Nationalliga B an. Nach 20 Minuten beim Stand von 0:6 war die Partie bereits gelaufen. Immerhin kamen die Lysser in den letzten fünf Minuten noch zu zwei Ehrentreffer. Die 2:12-Klatsche ist aus Lysser-Sicht die höchste Niederlage zwischen den beiden Kontrahenten. Immerhin haben die Lysser, in der 55. Minute durch Roberto Dazio, bis heute den letzten Treffer erzielt.

Die Bilanz der beiden Coaches

Die aktuellen Coaches Kevin Schläpfer und Patrick Glanzmann standen beide auch schon als Spieler dieses Derbys auf dem Eis. Lyss-Trainer Glanzmann ist zudem einer von drei Spielern (neben Serge Meyer und Sven Schmid) welche anlässlich dieser Affiche schon beide Clubfarben getragen haben. Glanzmann steuerte in vier Spielen (eine Partie für Lyss, drei für Biel) zwei Tore gegen seinen heutigen Arbeitgeber bei. Schläpfer gab beim letzten Aufeinandertreffen die Vorlage zu Daniel Rubins zwölften und bis heute letzten Bieler Treffer.

Nur noch Tschantré und Rytz

Biel-Captain Mathieu Tschantré und der aus dem Lysser Nachwuchs stammende Torhüter Simon Rytz sind die einzigen Akteure welche schon beim Seeländer-Derby 2003 dabei waren.

 

Alle Spiele im Überblick

  1. Oktober 1970 (Industriecup, Final)
    Biel (NLB) – Lyss (2. Liga) 10:3 (5:0, 4:1, 1:2) – Eissporthalle. – 200 Zuschauer. – Tore: Lardon (3), Hügi (3), M. Burri, Kleiner, Greder (2); Birbaum, Oppliger, Hostettler.
  2. September 1989 (Industriecup, Halbfinal)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 2:10 (0:2, 2:4, 0:4) – Eissporthalle. – 1’744 Zuschauer. – Tore: Weber, Weibel; Dupont (2), Gingras, Stehlin, Leuenberger (2), J. Aeschlimann, Kölliker, Boucher
  3. September 1991 (Industriecup, Halbfinal)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 2:4 (0:0, 2:4, 0:0) – Eissporthalle. – 1’360 Zuschauer. – Tore: Bruetsch, Gratton; Schirjajew, Juldaschew, Schneeberger, Martin.
  4. Dezember 1991 (Freundschaftsspiel)
    Lyss (NLB) – Biel (NLA) 5:3 (2:2, 1:1, 2:0)
    – Eissporthalle. – 1‘204 Zuschauer. – Tore: Kormann, Bruetsch, Baechler, Posma, Daoust; D. Bregnard, G. Dubois, J. Aeschlimann.
  5. September 1992 (Industriecup, Spiel um Platz drei)
    Biel – Lyss 7:2 (2:1, 3:1, 2:0) – Eissporthalle. – 850 Zuschauer. – Tore: Glanzmann (2), Burillo, D. Dubois, Nuspliger, M. Weber (2); Frutiger, Kormann
  6. Dezember 2003 (Freundschaftsspiel)
    Lyss (1. Liga) – Biel (NLB) 2:12 (0:6, 0:2, 2:4)
    – Seelandhalle. – 400 Zuschauer. – Tore: Krebs, Dazio; M. Beccarelli (2), D. Altorfer, Léchenne (2), Pochon, Nideröst, Furler, Reber, Von Gunten (2), Rubin.

 

Der Bericht wurde am 29. August 2014 im Bieler Tagblatt publiziert. 

Wenn das alte Hallenstadion-Feeling in Lyss auflebt

Hockey Day Lyss

Swiss Ice Hockey Day 2013 in Lyss

Tatort: Eishalle Lyss

Anlass: Swiss Ice Hockey Day 2013

Anwesend: Nationaltrainer Sean Simpson, die ex-Lysser Philipp & Simon Rytz, Geoff Kinrade (SCB), Manuel Gossweiler (EHC Biel), rund 50 begeisterte Kids

Organisiert: SC Lyss und seine Juniorenverantwortlichen

Essen: Fondue und Lysser Bratwurst in der Hallenbeiz

Stimmung: Ausgelassen bis enthusiastisch; Eine Atmosphäre in der Fondue-geschwängerten Halle, wie beim legendären ZSC…..

Erfolgsfaktor: Viele kleine Eisflitzer, welche in einer gut vorbereiteten Umgebung dem Puck nachjagen konnten!

Verbesserungspotenzial: Die Lysser hätten es verdient, noch mehr Publikum anzuziehen.

Simpson zurück an alter Wirkungsstätte

Simpsons Team der ersten Stunde wurde im August 2011 kurzzeitig wieder vereint. Vorne von links: Patrick Stuker, Sean Simpson, Herbert Schütz, Patrick Schütz. – Mitte von links: Sven Schmitz, Thomas Weber, Jérôme Wiederkehr. – Hinten von links: Michael Krein (Initiant des Treffens, damals bei den Novizen), Marc Rudin, Denis Schmitz, Serge Meyer. – Es fehlen: Bruno von Allmen, Joachim Stückrad, Stefan Lauper, Alain Zbinden, Stefan Siegenthaler, Sven Fallegger, Thomas Reber. (Foto: Pius Koller)

Nationaltrainer Sean Simpson folgte einer Einladung des SC Lyss und kehrte zurück, wo seine Trainerkarriere vor 20 Jahren begann. Mit dieser Mannschaft reiste Simpson im Januar 1992 bis hinter den eisernen Vorhang ins sowjetische Sibieren nach Nowosibirsk. Ein Erlebnis welches im nachhinein als Pionierleistung des Provinzclubs nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Im Rahmen des 39. Lysser Industriecups wurde Simpson, der noch heute Kontakte ins Seeland pflegt, als Ehrengast nach Lyss eingeladen. Beim damaligen NLB-Team SC Lyss, hat Simpson vor 20 Jahren als Nachwuchs-Chef und Ersatzausländer seine Trainerlaufbahn begonnen, ehe er zum EV Zug wechselte.

Nebst Nationalcoach Simpson wurden auch alle Spieler seines Teams der ersten Stunde, die Junioren A2 des SC Lyss 1991-92, eingeladen. Und sie kamen fast alle. Der bekannteste unter ihnen ist Serge Meyer (hinten rechts), welcher seine Karriere vor wenigen Monaten beim SC Langenthal beendet hat.

Das «meet and greet», bei dem auch ehemalige Teamkollegen der NLB-Mannschaft und langjährige Lysser Clubmitglieder erschienen sind, dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Und nicht nur Sean Simpson verabschiedete sich mit den Worten: «it was a great night.» Als Dank, lud Simpson seine ehemaligen Schützlinge im Februar nach Bern an ein Länderspiel ein.

http://www.blick.ch/sport/eishockey/sean-simpson-zurueck-an-alter-wirkungsstaette-180252

Und keiner kennt Renato Tosio…

Wir schreiben das Jahr 1990, der unbekannte Kanadier Sean Simpson spielt als Ersatzausländer beim damaligen NLB Club SC Lyss. Zum gleichen Zeitpunkt ist SCB- und Natihüter Renato Tosio ein Star – jeder kennt ihn. Knapp mehr als zwanzig Jahre später, 2011 in Langenthal: Sean Simpson macht sich als Naticoach fürs Interview bei mir bereit, die Weissrussen wurden im letzten WM-Test 3:0 abgefertigt. Einige Meter von Sean Simpson entfernt, reisst ein glatzköpfiger Mann mühselig Bandenwerbungen (mit den Natisponsoren) von den Kunststoffbanden ab. Niemand scheint ihn zu erkennen – es ist Renato Tosio! Die Gegensätze sind heute nicht anders als vor 20 Jahren, einfach in getauschten Rollen. Eine Begegnung zwischen Simpson und Tosio gabs aber auch schon vor zwei Jahrzenten, als die Lysser Simpson an den NLA-Club Olten ausgeliehen haben, traf der unbekannte Kanadier beim 4:2 Sieg über den SCB ausgerechnet gegen Renato Tosio.

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=4e8c970e-2735-478b-9596-1c507c698803

Von Pizzen und Lyssern

http://www.dieci.ch/

Wieder Mal steht Rapperswil-Jona auf dem Programm. Nach einer eher mühsamen und langen, trotz neuer „Züri-West“ Umfahrung, Autofahrt in die Rosenstadt komme ich gut gelaunt in der Diners-Club-Arena an. Kurz vorher noch etwas zu essen? Nein ich spare mir den Appetit auf ein „Schnitzel-Baguette-Brot“ für später auf, nach Arbeitsschluss.

Zu Gast ist der SC Bern, welcher den gleichen Weg auf dem „langen und grauen Band“ hinter sich gelassen hat. Während das Spiel läuft und ich fleissig am kommentieren bin, fällt mir auf, dass sich mindestens drei Lysser im Stadion befinden. Michel Riesen bei den Lakers, Philippe Rytz beim SCB und meine Wenigkeit auf der Tribüne. Mit Riesen habe ich bei den Moskitos des SC Lyss ein paar Spiele bestritten. Philippe Rytz war damals noch zu klein, doch mit seinem Bruder habe ich mehr als nur eine Saison absolviert.

So haben wir alle unseren Weg gemacht, erfolgreicher oder eben weniger erfolgreicher, je nach dem von WO und WIE man es betrachtet. Schliesslich sind wir alle am 23. Oktober 2009 in Rapperswil-Jona gelandet.

Nach dem Spiel gibts leider kein Interview mit Riesen oder Rytz, sondern mit Rappi-Hüter Daniel Manzato (einem Fribourger). Und was war da noch vor dem Spiel? Ach ja ein „Schnitzel-Brot“, doch leider bin ich zu spät, die Food-Theke ist nach Spielschluss bereits geschlossen.

http://videoportal.sf.tv/video?id=c0be8744-9b44-4d35-879e-ce70a544652e

Um den Appetit doch noch stillen zu können blieb mir nur noch eine Möglichkeit: 10′ DIECI! Einer der Mitgründer der in Rapperswil bekannten Pizza-Kette (welche auch noch eine Bar und eine Gelateria an bester Lage betreibt) ist ex-NLA-Crack Harry Rogenmoser. Als ich meine Bestellung aufgebe, erkenne ich neben mir Sandro Tschuor (Lakers), der kurz vorher noch mit Riesen und gegen Rytz um Punkte gekämpft hat. Unsere beiden Pizzen kommen sogar auf dieselbe Rechnung, doch wir bezahlen selbstverständlich getrennt. Ich wünsche ihm einen guten Appetit und ein gutes Spiel morgen in Biel, wo auch ich wieder dabei sein werde… Rapperswil-Bern, Biel-Rapperswil…

Zum Saisonauftakt in Biel

Es ist wieder soweit! Die ersten Spiele sind irgendwie immer etwas spezielles, neue Spieler, neue Trikots, neue und alte Gesichter im Stadion – einige alte Hockeyfreunde meiner aktivzeit oder aktuelle Bekannte und Jounalisten. Schon auf dem Weg ins Stadion lief der Draht heiss – letzte Anweisungen der Sportredaktion, seinen es Zeilenangaben oder inhaltliches. Auch der Kollege vom Radio DRS, der den Auftakt in Fribourg erleben wird, wollte kurz wissen wo und für wen ich heute im Einsatz stehe.

Dann gehts endlich los, Pressekonferenz und Spielbeginn – und der Saisonauftakt 2009/10 ist schon bald wieder Geschichte. Neben mir auf der Medientribüne sitzt Fribourgs Elitetrainer und hat die Aufgabe, denb morgigen Gegner (Servette) zu beobachten. Der Beobachter, ein ehemaliger NLA und 1. Liga Torhüter, ist mir vorallem durch seine Zeit beim SC Lyss bekannt. Wir haben sogar Mal ein Spiel im selben Team bestritten, er konnte sich sogar noch daran erinnern, ans Spiel natürlich – nicht an mich.

Während unserem Gespräch in den Drittelspausen, hat mir vorallem sein Engagement im Ausland imponiert. Drei Jahre war er als Junioren- und Torhütertrainer in der Mozart- und Red-Bull-Stadt Salzburg tätig. Eine Erfahrung welche er nicht missen möchte, der Respekt gegenüber ausländischen Trainer sei dort riesig gewesen. Nicht zu vergleichen mit einem Engagement im eigenen Land. Kommt dazu, dass es in Salzburg (fast) keine finanziellen Grenzen gab. So jetete man während der Saison kurz nach Monza um bei einer Trainingsfahrt auf der Rennstrecke den Teamgeist zu fördern.

Auch beim aktuellen Spiel (Biel-Servette) standen zwei Akteure (Goran Bezina und Richard Jackman) mit Salzburger Vergangenheit auf dem Eis. Die Gäste aus Genf bezwangen die Seeländer mit 3:1. Der Matchbericht war in der Tasche und eben, der Saisonauftakt 2009/10 war bereits wieder Geschichte. Übrigens, auch Salzburg gewann sein erstes Spiel mit 7:6 in Klagenfurt…

Von Lyss zum Champions-Hockey-League Sieg!

SC Lyss Junioren A2 1991 - 1992

(Foto: Krein Archiv)

Unglaublich und sensationell was die ZSC Lions gegen Metallurg Magnitogorsk geleistet und erreicht haben. Noch nie hat ein Schweizer Klub-Team einen internationalen Meistertitel holen können. Am 28. Januar 2009 wird Schweizer Eishockey-Geschichte geschrieben. Einer der Baumeister dieses Erfolgs ist ZSC Lions-Headcoach Sean Simpson.

Wer hätte dies gedacht, als in der Saison 1991 – 1992 beim damaligen Nationalliga-B-Klub SC Lyss der Kanadier Sean Simpson aus der ersten Mannschaft, die Junioren A2 des SC Lyss als Headcoach übernommen hatte. Bei den Lysser Junioren sammelte Simpson seine ersten Erfahrungen seiner Trainerkarriere. Das junge Lysser Juniorenteam (darunter viele, welche noch im Novizenalter waren) schloss die Saison auf dem vierten Schlussrang ab. Siebzehn Jahre später holt Simpson mit den ZSC Lions die «Silverstone-Trophy!»

Siebzehn Jahre später holt Simpson mit den ZSC Lions die Silverstone-Trophy!

Der Erfolg der ZSC Lions zeigt auf, dass es für «Schweizer» doch möglich ist internationale Erfolge zu feiern. Warum nicht auch für die Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft 2009 im eigenen Land? Es ist höchste Zeit, dass auch das Nationalteam eine Medaille holt. Ralph Krueger hat dasselbe Kunststück (wie Simpson) bereits 1998 mit Österreichs VEU Feldkirch in der European-Hockey-League (EHL), dem Vorläufer der aktuellen Champions-Hockey-League, vollbracht.

Kamber und Simpson

Nochmals zurück zur Saison 1991 1992, damals spielte ich als 14-Jähriger bei den Novizen des SC Lyss. In unserer Gruppe spielte auch der EHC Zunzgen/Sissach mit einem Talent namens Oliver Kamber. Kamber schoss uns in Lyss im Alleingang ab und Simpson schaute als Lysser-Nachwuchs-Chef bei diesem Spiel vorbei. Ob Simpson Kamber da schon notiert hat, um den Baselbieter siebzehn Jahre später im Champions-Hockey-League Final gegen die Russen einsetzen zu können?